Füllhöhe technisch bedingt …

Kundenreklamation:

„Die Augentropfflasche ist nicht voll. Da kann nicht die ganze Dosis drin sein! Geben sie mir eine andere!“

Die sind alle nur halb gefüllt, wie ich ihm zeigen konnte. Offenbar müssen die Pharmafirmen da nächstens auch eine Warnung draufschreiben, wie sie schon auf Lebensmitteln wie zum Beispiel Müesli draufsteht: Füllhöhe technisch bedingt ...

 

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Verpackungsfehler

Gelegentlich kommt der Kantonschemiker vorbei um bei uns ein paar Proben zu nehmen und die dann zu analysieren. Nicht mal von Sachen, die wir selber hergestellt haben, nein, die testen auch Fertigprodukte. Das finde ich immer interessant – auf was getestet wird und was dabei herauskommt. Babynahrung hat er vor ein paar Jahren schon einmal mitgenommen und auf einen Keim getestet, der gerade bekanntgeworden ist (den Namen habe ich vergessen, aber es hörte sich an wie eine japanische Motorradmarke) – den haben sie übrigens in den Schweizer Produkten nicht gefunden. Sie schauen auch die Verpackungen an, damit da nichts falsches draufsteht … wobei „falsch“ hier: „nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprechend“ bedeutet. So musste Scholl und einige andere Firmen vor Jahren ihre Fussalbe gegen Schrunden zurückziehen und neu verpacken, da „Schrunden“ offenbar ein medizinischer Begriff ist … und die Salben nur als Kosmetikum angemeldet waren.

Jetzt haben wir die Ergebnisse vom neusten Test bekommen. Die sind … zwiespältig. Inhalt ist durch die Bank okay, aber die Verpackung wird beanstandet … in grad drei Punkten. Einer der Punkte kann man im Bild sehen, wenn man die gesetzlichen Vorschriften kennt:

Das sind so Fruchtbrei-Sauger für Kinder. So wie’s aussieht, werden sie da wohl einen Rückzug machen müssen oder zumindestens einen Verpackungswechsel.

Wer sieht das Problem?

Hinweis 1: nur einer der drei Tuben hat das Problem

Hinweis 2: Es ist die Verpackung ganz links

Hinweis 3: Vergrössern hilft

Nicht ganz einfach – vor allem muss man sich heute im Gesetzesdschungel wirklich gut auskennen … und das tu ich mich im Lebensmittelrecht (unter welches das fällt) auch nicht.

Nicht ernst zu nehmen?

Im Laufe eines Tages gehen eine Menge Medikamentenpackungen durch meine Hände. Die meisten sind unauffällig, manche sind wirklich gut designt und dann … fällt mir diese Packung auf:

Was ist das? Comic sans auf einer Medikamentenpackung??

Das musste ich gleich mal nachprüfen:

Tatsächlich. SO was.

Ich bin Apothekerin geworden und nicht Grafiker, aber … das habe ich mitbekommen: Comic Sans ist eine Schrift, auf die man besser verzichtet. Vor allem wenn man ernst genommen werden will. Was bei einem Medikament, denke ich, der Fall sein sollte.

Comic sans wurde ursprünglich von Vincent Connare 1994 für Microsoft entwickelt aus der Schrift in verschiedenen Comicbüchern (darunter Watchmen und The Dark Knight Returns). Die Schrift war eigentlich nur für ein Programm gedacht, wo Comic-artige Sprechblasen Hilfestellung geben sollte. Später wurde es in Windows 95 übernommen und bekam ein Standard-Font.

Mit der weiten Verbreitung des Font stieg aber auch der Widerstand gegen ihn. Ab 1999 entstanden „“ Seiten – wie die  von 2 Grafik Designern aus Indianapolis. Obwohl nicht ganz ernst gemeint deuten sie auf eines der grössten Probleme in Amateur-Grafik-Design hin: das Missachten der Wahl eines geeigneten Schriftbildes. Ein Font und Typographie hat einen Einfluss auf das Gesamtbild eines Projektes und muss in Hinblick darauf ausgewählt werden. Ein Amateur nimmt oft einfach einen Font den er mag, egal was für einen Einfluss der auf das fertige Design hat.

Dementsprechend ist auch die grösste Beschwerde gegen Comic Sans, dass es einen sehr spezifischen Ton und Gefühl auslöst, wenn es gebraucht wird, hauptsächlich: unreif, kindisch, ungezwungen.   

… Und jetzt schaut nochmal, für was die Medikamente genommen werden. :-/

Eine herzige Idee

Bevor ihr weiterlest: Findet ihr heraus was das ist?:


Das sind die „Bakterien“ die man auf manchen Antibiotikaverpackungen findet – vorzugsweise Sirupen für Kinder. Die Kinder dürfen bei jeder Gabe Sirup einen „Bactus“ eindrücken – da sieht man gleich den Fortschritt der Behandlung, immer mehr Bakterien gehen kaputt…

So geht keine Einnahme mehr vergessen!

Das es das in Deutschland auch gibt, darauf hat mich aufmerksam gemacht – von dem auch die Idee für diesen Post stammt: Danke! Und so sehen sie dort aus: