Haben Sie mir etwas ohne Rezept für …

Haben Sie mir etwas ohne Rezept für …

… mein Auge. Ich habe am Freitag bei der Arbeit einen Metallsplitter ins Auge bekommen. Ich habe es ausgewaschen, aber es fühlt sich immer noch so an, als sei etwas drin. Welche Augentropfen helfen da?

Ihr Arzt.

… meine Haut, mein Arm ist rot und schält sich. Meine ganze Haut löst sich (Zeigt mir einen Arm mit furchtbar aussehenden Hautfetzen über Entzündungen). Welche Creme hilft da am besten?

Ihr Arzt.

… Husten. Tagsüber habe ich so einen trockenen Husten und Nachts muss ich so stark Husten, dass manchmal Blut hochkommt. Was kann ich da nehmen?

Ihren Arzt.

Das sind wirklich nicht Sachen, die man selbst behandeln sollte. Im ersten Fall könnten Sie blind werden, der Zweite sieht dermassen Infiziert aus, dass es eine Blutvergiftung geben könnte … ja, da könnte man sogar den Arm verlieren und im dritten Fall – muss ich leider an Lungenkrebs denken. Bitte, bitte gehen sie damit zum Arzt.

Passend dazu: Sieht das normal aus?



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Apotheken als erste Anlaufstellen

… ein wirklich erfreulich einsichtiger , der Neuen Zürcher Zeitung.

Wichtig bleibt auch nach dem Nein vom Juni (gemeint ist die Managed Care Vorlage), einen Weg zu finden, um unnötige Arztbesuche und Doppelspurigkeiten bei der medizinischen Behandlung zu vermeiden. In den Notfallstationen der Spitäler beklagt man sich bereits seit langem über den Zulauf von Patienten, die keine Notfallmedizin benötigten und die nicht selten wegen Bagatellen vorbeikämen. Es erklingt denn auch der Ruf nach Einsparungen bei Bagatellerkrankungen.

Potenzial der Apotheken

Dabei besteht in unserem Land bereits ein dichtes Netz an medizinischer Fachkompetenz, die man noch weit besser nutzen könnte. Beinahe an jeder Tram- oder Busstation befindet sich in grösseren Städten eine Apotheke. Jederzeit kann man sich dort, während 11 Stunden im Tag und länger, medizinischen Rat holen, ohne jede Anmeldung. Dieser ist zudem meist gratis. Warum also nicht den Gang zur Apotheke fördern?

Das sagen wir hier ja schon lange :-)

Ein Hautausschlag, ein Husten, eine fiebrige Erkrankung – ein Gang zu einer Apotheke kann schon vieles klären. Diese sind dafür auch eingerichtet und ihr Personal entsprechend ausgebildet.

Jederzeit kann auch nach einer Apothekerin oder einem Apotheker gefragt werden. In jeder Apotheke muss laut gesetzlichen Vorschriften stets mindestens ein akademisch ausgebildeter Pharmazeut anwesend sein.

Das oben nennt man Triage  – das bedeutet, es wird abgeklärt, welche Beschwerden noch selber behandelt werden können und was zum Arzt gehört. Die Apotheken helfen teilweise auch beim Gang zum Arzt – immerhin kennen sie die Ärzte in der Umgebung und auch welche noch Patienten annehmen. Apotheken arbeiten auch mit Ärzten direkt in Qualitätszirkeln zusammen: so im Freiburg, Tessin, Waadt und Bern – etwas wovon die Patienten gesundheitlich profitieren – und die Kassen finanziell. Auch erwähnt wird das NetCare Projekt – die Möglichkeit in manchen Apotheken direkt mit dem Arzt in Kontakt zu treten via Videokonferenz. Darüber habe ich hier schon berichtet.

Der Zugang zur Apotheke ist niederschwellig. Die Beratungen sind gratis; eine Beratungspauschale ist nur auf vom Arzt verschriebenen rezeptpflichtigen Medikamenten zu bezahlen. Sie wird von der Krankenkasse zurückerstattet. Warum also nicht die Apotheke vermehrt als «Gatekeeper» nutzen? Das könnte durch eine gute Triage gerade bei Bagatellfällen Einsparungen bringen.

Danke an die NZZ und Autorin Claudia Schoch für diesen Artikel!

Sieht das normal aus? – Triage in der Apotheke

Ich habe langsam wirklich Übung darin, Leute zu verarzten, die mit einer Wunde zu mir kommen. Mir macht auch Blut und derartiges nichts aus. In den letzten Wochen hatten wir wieder vermehrt solche, die gestürzt sind und sich etwas geschürft/aufgeschlagen/aufgeplatzt haben.

Dann gibt es solche, die mit eher ungewöhnlichem kommen – ja, man kann sich beim Inhalieren mit heissem Wasser tatsächlich das Gesicht verbrennen. Dampf enthält viel Energie und wenn man zu nahe ran geht … die Person hatte im ganzen Gesicht eine Verbrennung ersten Grades – analog einem Sonnenbrand. Autsch.

Aber es gab noch mehr (wann nicht?):

Zur Frage: „Sieht das normal aus?“

– Nein, ihr Arm ist bedeckt von einer Pilzinfektion. Schmieren sie da Canesten, Pevaryl, Lamisal oder was sie an Antipilzcreme finden können darauf. Wenn es damit nicht besser wird innert 1 Woche – zum Arzt.

– Nein, das ist Eiter, was da aus ihrem Auge kommt. Ihr nächster Stop sollte der Augenarzt sein.

– Nein, das sieht aus wie eine üble Verbrennung auf ihrem Bein. Ich kann schon fast Brathühnchen riechen.

– Nein, der Schnitt geht durch bis auf den Knochen – das braucht wahrscheinlich einen Stich oder zwei – gehen Sie in den Notfall.

… Triage ist die Abklärung, was zum Arzt gehört und wo man noch selbst behandeln kann. *Das* sind die Extremfälle – aber eigentlich machen wir das tagtäglich.

Triagebeispiele aus der Apotheke (2)

Triage ist etwas, was wir in der Apotheke täglich machen. Dabei geht es darum herauszufinden, um was es sich bei den Symptomen handelt, ob die Beschwerden eines Patienten selbst behandelbar sind, oder ob es ein Problem ist, das zum Arzt gehört.
hier der 2. Teil der Miniserie mit ein paar Beispielen:

Ich will von Euch wissen: mögliche Diagnose, ist eine Arztbesuch notwendig? Ist eine Behandlung mit rezeptfreien Medikamenten möglich / sinnvoll? Was für Medikamente? Was für Zusatzempfehlungen kann man geben?

Fall 1: ca. 30 jährige Frau mit geschwollenem Unterschenkel links. Schmerzen wie Muskelkater im selben Bein, erst seit gestern. Weiss nicht, ob sie es angeschlagen hat – ev. beim Aussteigen aus dem Flugzeug oder beim Koffertragen?

Fall 2: 35-40 jährige Frau, klagt über Schmerzen und geschwollenene Unterschenkel beidseits, abends mehr als morgens. Die Schmerzen werden beim langen stehen schlimmer.

… Na?

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Fall 1 beschreibt tatsächlich eine tiefe Venenthrombose, wie sie nach Flugreisen auftreten kann (oder auch sonst, bei längerem Sitzen). Das Risiko, dass sich das Blutgerinsel löst und dann in der Lunge eine Embolie macht ist gross, darum gehört das sofort in den Notfall. Dort wird man versuchen mit geeigneten Medikamenten das Gerinsel aufzulösen. Für zukünftige Flugreisen werden Kompressionsstrümpfe sowie vorbeugend subcutane Heparinspritzen empfohlen. Ausserdem wichtig: genug trinken und bewegen!

Fall 2 sind Ödeme in den Beinen, also einfach Wassereinlagerungen. Die können verschiedene Ursachen haben (auch Herzinsuffizienz), sind aber häufig ein Problem der Venen, dass sich in diesen Blut rückstaut – z.B. nach langem stehen (ja, das kann dann auch in relativ jungem Alter auftreten, wenn man den ganzen Tag beruflich auf den Beinen ist – z.B. wenn man in der Apotheke arbeitet). Frauen sind mehr gefährdet, Übergewicht, Rauchen und wenig Bewegung verschlimmert das Problem. Das Problem ist meist fortschreitend.
Es gibt zwar Medikamente zum einreiben und/oder einnehmen, diese sollen die Gefässe abdichten und stärken, die erhöhte Durchlässigkeit senken, Entzündungen hemmen, die Wundheilung verbessern und Oedeme reduzieren. aber Mittel der ersten Wahl sind Kompressionsstrümpfe. Unterstützend kann man folgende Tipps geben: mehr bewegen, aber nicht zu lange sitzen oder stehen, mehrmals täglich Beine hochlagern, Gewicht reduzieren, mit dem rauchen aufhören, genug trinken und kühle Güsse mit Wasser in Herzrichtung machen.

Triagebeispiele aus der Apotheke

Triage ist etwas, was wir in der Apotheke täglich machen. Dabei geht es darum herauszufinden, um was es sich bei den Symptomen handelt, ob die Beschwerden eines Patienten selbst behandelbar sind, oder ob es ein Problem ist, das zum Arzt gehört. Ich dachte ich mache hier mal eine Miniserie mit ein paar Beispielen.

Ich will von Euch wissen: mögliche Diagnose, ist eine Arztbesuch notwendig? Ist eine Behandlung mit rezeptfreien Medikamenten möglich / sinnvoll? Was für Medikamente? Was für Zusatzempfehlungen kann man geben?

Fall 1: Frau, 45 beklagt sich über Rötung mit mässigem Juckreiz direkt unterhalb des Busens. Die Rötung ist beidseitig und besteht schon seit etwa 1 Woche. Eincremen mit Bodylotion bringt keine Besserung. Es wird schlimmer bei Wärme.

Fall 2: Frau 43 hat auf der linken Seite des Brustkorbs einen Ausschlag. Es sind kleine Bläschen sichtbar, z.T aufgekratzt. Es jucke sehr stark und ziehe nach hinten. Der Ausschlag ist plötzlich vor 2 Tagen aufgetreten und wird langsam schlimmer. Wundsalbe bringt keine Besserung.

Na? Wer traut sich an eine (Fern-)Diagnose ?

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Auflösung

Fall 1 beschreibt etwas, das noch gerne im Sommer auftritt, wenn es wärmer wird. Da schwitzt man mehr und in den Hautfalten (z.B. unter dem Busen) sowieso mehr, da bildet sich dann ein warm-feuchtes Klima, das an sich selbst schon die Haut reizen kann (Stichwort: Hitzebibeli) und auch wunderbar ist für die Bildung von Pilzinfektionen. Die Dame muss damit noch nicht zum Arzt, sie kann eine Selbstbehandlung wagen mit lokalen Pilzmitteln (z.B. Clotrimazol Cremen – Zinksalben schützen die Haut auch später). Dazu sollte sie auf eine gute Körperhygiene achten: regelmässig duschen (eventuell mit rückfettender, pH neutralem Syndet), immer gut abtrocknen v.a. in den Hautfalten, gutsitzende BHs aus Baumwolle tragen. Kleider wenn möglich hochtemperaturig waschen, wenn das nicht geht antimykotische Waschzusätz benutzen so lange die Behandlung dauert. Erst wenn das alles nicht den gewünschten Erfolg bringt ist ein Arztbesuch angesagt.

Fall 2 ist – wie die meisten richtig erkannt haben ein Herpes Zoster oder Gürtelrose. Die Virusinfektion breitet sich entlang einer Nervenbahn aus und kann teilweise stark schmerzen (manche Leute empfinden das auch als Jucken). Nervenschmerzen auch nach dem Abheilen sind eine häufige Komplikation. Die Gürtelrose gehört unbedingt zum Arzt – der kann antivirale Medikamente verschreiben (Aciclovir, Valaciclovir …) – am besten innerhalb der ersten 72 Stunden- welche auch eine schnellere Abheilung sowie schmerzlinderung bewirken. Ausserdem braucht es meist stärkere Schmerzmittel als in der Apotheke freiverkäuflich sind. Gerbstoffe (Tannosynt) und Desinfektionsmittel verhindern eine zusätzliche bakterielle Infektion des Ausschlags.