Apotheken-Bewertungen schnell gemacht

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Zum QMS (Qualitätsmanagementsystem) in der Apotheke gehört auch, dass man regelmässig getestet wird (durch eine externe Stelle) und dann gibt es noch die Patientenbefragung. Früher wurde die via abgegebenem (und hoffentlich retourniertem) Fragebogen durchgeführt, heute im digitalen Zeitalter stellt man dafür einfach eine dieser „Happy or Not“ Säulen beim Ausgang auf, wo die Kunden ihre Zufriedenheit oder Frust über unsere Arbeit sofort ausdrücken können, indem sie auf eines der Smileys drücken:

happyornot

Das ganze wird gespeichert und am Schluss (nach 2, 3 Wochen) ausgewertet.

Das Ding hatten wir letztens auch bei uns stehen. Ich habe nicht gedacht, dass da viele gedrückt haben – aber in der Auswertung sieht man, dass das doch über 30 pro Tag gemacht haben … und 95% davon waren sehr zufrieden und fast 5 weitere Prozent zufrieden! Yay!

Wirklich unzufrieden haben wir einen Punkt am ersten Tag in der ersten Stunde … und das war ich glaub selber, ich hab die Smileys nämlich erst mal alle geputzt. Auf saubere Knöpfe wird vielleicht eher gedrückt?

Jedenfalls: Cool! Dickes Lob an meine Mitarbeiterinnen, die ihre Arbeit immer zuverlässig und freundlich erledigen, sowohl im Apotheken, als auch Drogerie-bereich.

Es gibt inzwischen ja diverse Stellen, wo man online über Apotheken seine Bewertung einstellen kann, aber das scheint mir für viele schon „zu viel“ Aufwand zu sein – „meine“ Apotheke hat jedenfalls immer noch keine Bewertungen (oder ich habe sie noch nicht gesehen Korrektur: habe gerade eine 5*Bewertung auf google gefunden- wohoo!). Ausserdem sollte man bei denen daran denken, dass da gerne die unzufriedenen ihren Frust ablassen, während die zufriedenen den Aufwand nicht auf sich nehmen.

Trotzdem kann ich mir eine gewisse Freude nicht verkneifen, wenn ich auf eine gewisse Online-Apotheke (mit denen die Apotheken in Deutschland so Probleme haben) anschaue:

domobewertung

Das bitte beachten Sie unsere Netiquette sind wohl die vom Seitenbetreiber gelöschten schlimmeren verbalen Ausraster der frustrierten Patienten.

Nun ja – es gibt immer einzelne Unzufriedene. Bei uns sicher auch – aber das ist doch eine rechte Sammlung …

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Korrekt und freundlich: so beraten Apotheken auch bei der Pille danach.

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Der Beobachter hat – wahrscheinlich nach dem Artikel, der in den 20 Minuten kam und ziemliche Reaktionen hervorgerufen hat – selber Leute losgeschickt um zu sehen, was dran ist.().

Nicht wirklich viel, so wie’s aussieht. Ausnahmen gibt es ja (leider) immer, aber bei den  10 getesteten Apotheken waren die Apotheker durchgehend korrekt und haben freundlich beraten: unter 4 Augen im Beratungsraum. Keinerlei Anschuldigungen von wegen der Covergeschichte vom Sex unter Alkoholeinfluss mit dem One-night-stand. Das habe ich auch nicht anders erwartet.

Negativ aufgefallen ist nur dies:

In der St. Galler Apotheke Amavita rief die Angestellte mit lauter Stimme nach der Apothekerin: «Eine Kundin für die Pille danach!» Gut hörbar für alle Anwesenden. In der Apotheke Sunstore im Berner Storchengässchen berechnete die Apothekerin den Zyklus falsch. Sie erklärte, dass die Testerin vermutlich nicht schwanger werden könne, weil vor zwei Wochen die letzte Periode begonnen hatte.

Umm ja. Das macht man nicht. Auch heute nicht. Durch den Laden rufen (gerade bei so etwas) ist sehr unfein – bitte die Angestellte darauf hinweisen. Was den falsch berechneten Zyklus angeht: Hmpf. Im Zweifel gebe ich auch direkt nach der Menstruation die Pille danach ab … Unregelmässigkeiten und Ausnahmen gibt es auch hier und es gilt: lieber sicher als „sorry“.

Das war wohl nix – wenn Kooperationen platzen

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Eigentlich mache ich noch gerne mit anderen etwas zusammen. Auch im Zusammenhang mit dem Blog, nur gestaltet sich das … wegen dem doch eher speziellen Thema, nicht ganz so einfach.

Ich rede hier nicht von den üblichen Anfragen für Werbung für andere Seiten, Shops, Produkte oder Apps – wer einen Blog hat, weiss wie unverschämt die sein können (nicht müssen). Es gibt Firmen, die wollen Aufmerksamkeit durch diese Werbung und Links und das möglichst ohne Hinweis darauf, dass man dafür bezahlt hat … einige wollen das natürlich auch ohne zu bezahlen und bieten dafür „wertvolle“ Backlinks von eigenen Seiten. Wenn es passt, mache ich hier gelegentlich Werbung, aber … ich suche mir die Seiten dafür genau aus. Es sollte Themenbezug haben … und möglichst einen Mehrwert für die Leser bieten. Deshalb schreibe ich die Artikel auch selber.

Derartiges geht zum Beispiel gar nicht:

Unsere Firma sucht nach dem Blogger, der uns einen Artikel mit dem Rückverweis schreiben kann. Das Produkt ist Medikament für Erektionsstörungen. Weitere Informationen auf: (Online-Medikamentenversand-aus-Tschechien-mit-prominenter-Werbung-für-Viagra-ohne-Rezept) Wir möchten uns nach einigen weiteren Informationen erkundigen. Zuerst: Wie lange würde das Artikelschreiben dauern? Dann wie viel würde es kosten? Können Sie uns auch etwas über Ihren Blog sagen zum Beispiel über die Besucherzahl?

Das habe ich kurz gemacht auch in der Antwort:

Sie fragen eine Apothekerin, ob sie auf ihrem Blog Werbung macht dafür sonst rezeptpflichtige Medikamente bei zweifelhaften Stellen im Internet zu bestellen?? Ganz falsche Adresse.

Auch nicht wirklich erfreut bin ich über die Kosmetikfirma, die ungefragt einfach Produkte schickt.

Es handelt sich hierbei um ein Produkt in Originalgrösse von (Kosmetikfirma) und es geht eigentlich viel mehr um eine neue Kampagne von (Kosmetikfirma), auf die wir aufmerksam machen möchten.  Aus diesem Grund verschicken wir eine kleine Überraschung an ausgewählte Medien …

Das ganze natürlich in der Hoffnung, dass die erfreuten Empfänger des Produktes über Kampagne und Produkt in ihrem Blog positiv berichten. Ich bin gespannt, wieviele derartige Posts ich in der nächsten Zeit sehen werde.

Aber ich schweife ab. Wir waren bei den Kooperationen.

Fragt eine bekannte Zeitschrift an:

Gerne würden wir einen Test bei rund 10 verschiedenen Apotheken in der Schweiz machen. Dafür wäre es wunderbar, im Vorfeld mit einer Apothekerin zu sprechen, die genaue Angaben geben kann, wie das Gespräch ablaufen sollte und welche Richtlinien dabei beachtet werden müssen. (Und vielleicht auch noch, wie bei Ihnen im Blog, noch einige Anekdoten erzählen kann.)

Angaben kann ich machen, Anekdoten gibt’s hier auch … Ich habe geantwortet:

Wenn Sie wollen, beantworte ich gerne ihre Fragen. Meine Voraussetzung ist einfach, dass der Test fair abläuft – also nicht in Apothekenbashing ausartet, so wie es in Deutschland bei den Medien leider öfter der Fall ist. Mit Tests an sich habe ich kein Problem … werden wir doch schon diverse Male pro Jahr getestet: 3 x per Telefon, 2 x Mystery Shopping (OTC) und 1 x Mystery Patient (Rezept) – so wie auch im Vertrag zur Qualitätssicherung LOA festgehalten. Wenn das entsprechend abläuft, ist das bestens 🙂

Das war vor einem Monat, seitdem ist Funkstille. Offensichtlich waren die Voraussetzungen nicht gegeben … Nun, die Pille-danach-Tests werden sie auch ohne mich hinbekommen. Wie fair dann darüber berichtet wird, werden wir sehen.

Gemischte Gefühle hatte ich bei dem hier

Ich arbeite für das Online-Nachrichtenportal () aus Deutschland. Ich habe eben Ihren Blog bestaunt, besonders die Reihe „Apotheken in aller Welt“. Wir berichten derzeit  () auf ähnliche Art und Weise. Bisher haben wir außergewöhnliche Apotheken in Barcelona, London, Südtirol und auf Mallorca vorgestellt. Meine Frage: Könnten Sie sich eine Kooperation vorstellen? Über ein vertiefendes Gespräch würde ich mich sehr freuen!

Ich habe geantwortet:

Ja, ich sehe, dass sie () seit diesem Sommer auch Apotheken bringen – ich bringe seit Juni 2010 meine Reihe „Apotheken aus aller Welt“ mit Fotos, die ich von meinen Lesern eingesendet bekomme. Ein paar wirklich hübsche Prachtstücke hat es darunter. Allerdings muss ich sagen sehe ich hier nicht unbedingt eine Zusammenarbeit, auch wenn sie (für einmal) meinen Blog als Quelle nennen würden. Bitte entschuldigen Sie, aber ich bin (immer noch) etwas säuerlich, nachdem () schon mehrmals Ideen von meinem Blog genommen und danach nur minim abgeändert gebracht hat. Das letzte (grosse) Mal bei dem hier: http://paska.info/2015/07/21/wer-hats-erfunden-ein-apotheker/  … und auf adhoc:
Ich bin sicher, Sie sehen die Ähnlichkeit.

Ansonsten: falls Sie hier bei den Apotheken aus aller Welt eine Zusammenarbeit sehen, bin ich gespannt auf Vorschläge.

Ja. Auch keine Antwort darauf. Ich bin wohl zu direkt.

Andererseits gibt es wirklich Kooperationen, die zu Stande kommen. Ehrlich: man kann mit mir reden.

Kennt Ihr so Anfragen von Euren Blogs auch? Was war die „beste“ bisher?

Auf der Suche nach einem geeigneten Antidepressivum

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Ohne Apotheke_r(3)

Es folgt ein eingeschickter Erfahrungsbericht zur Blogparade, den ich anonym veröffentlichen soll:

ich bin wegen einer Depression in Behandlung. Nachdem mehrere Antidepressiva nicht angeschlagen oder starke Nebenwirkungen gezeigt hatten empfahl mir meine Ärztin einen Gentest in Betracht zu ziehen. Mit diesem Test sollte überprüft werden welche Antidepressiva man verträgt und welche nicht. Es handelt sich hierbei um den STADA Diagnostik Antidepressiva Test.

Ich wollte mich daher in der Apotheke informieren inwiefern dieser Test sinnvoll ist und welche Aussagekraft er besitzt. Der Test kostet ca. 400 Euro etwa 100 Euro an Arztgebühren. Bei einem so hohen Preis möchte man natürlich wissen ob sich das auch lohnt, oder die Ärztin nur gerne etwas mehr an mir verdienen möchte. In den Apotheken wurde ich dann jedoch enttäuscht was die hier hochgepriesene Beratungsleistung von vor-Ort-Apotheken betrifft. Die Antworten in der Apotheke waren dann sinngemäß in etwa so:

Apotheke 1: Ich kenne den Test, habe mich aber noch nicht so gründlich damit beschäftigt und möchte Ihnen daher keinen Rat geben. Informieren Sie sich doch mal im Internet, da finden Sie bestimmt etwas. Machen Sie sich auch Gedanken in Bezug auf Datenschutz im Zusammenhang mit Ihren genetischen Informationen.

Apotheke 2: Den Test kenne ich nicht, brauchen Sie sonst noch etwas?

Apotheke 3: Den Test kenne ich nicht. Nachdem Sie mir den Test erklärt haben, kann ich Ihre Verunsicherung bezüglich der Wirksamkeit nachvollziehen, aber helfen kann ich Ihnen nicht. Machen Sie sich doch mal im Internet schlau.

Ich habe den Test dann gekauft. In einer Internet-Apotheke. 100 Euro günstiger als in den vor-Ort-Apotheken. Ich habe in den vor-Ort-Apotheken keinerlei Informationen bekommen, die mir bei der Kaufentscheidung hätten helfen können. Wie sinnvoll die Ergebnisse des Tests sind kann ich noch immer nicht einschätzen. Von studierten Apothekern hätte ich irgendwie mehr Beratung erwartet, da sie sich doch etwas mit der Wirksamkeit und den Abbau von Medikamenten auskennen sollten, auch wenn sie den speziellen Test noch nicht kennen.

Das möchte ich jetzt natürlich nicht unkommentiert lassen. Er hat Recht in dem Sinne, dass ihm in der Apotheke vor Ort wirklich hätte geholfen werden können. Selbst wenn der Test in der Apotheke unbekannt ist -es besteht immer noch die Möglichkeit, ihm zu sagen, dass man das abklärt und sich mit der Information zurückmeldet. Offenbar ist er gut selber in der Lage einen Computer zu bedienen und das Produkt online zu bestellen, da hätte er sicher auch die Informationen dazu gefunden, aber diese Information muss häufig erst interpretiert werden. Auf Zuverlässigkeit der Quelle und schliesslich auch nach dem, was er wissen will: bringt das in seinem Fall etwas?

Ich kenne den Test auch nicht und habe mich erst jetzt damit befasst. Psychiatrietogo hat aber schon einen Artikel darüber geschrieben, da finden sich die Antworten:

Die Superkurzzusammenfassung: Der DNA Test zeigt, ob man gewisse Medikamente (auch Antidepressiva) normal, schneller oder verlangsamt metabolisiert, also abbaut. Schnelle Metabolisierer bräuchten eine höhere Dosierung, damit das Medikament wirkt, langsame Metabolisierer machen bei „normaler“ Dosierung häufiger Nebenwirkungen und bräuchten weniger vom Medikament. Das zu wissen kann helfen, damit man nicht so lange nach einem geeigneten Antidepressivum suchen muss – das Einstellen von diesen dauert sonst häufig lange. Aber: wenn er schon diverse ausprobiert hat – und da bei ihm verschiedene Dosierungen ausprobiert wurden sowie verschiedene Medikamente … da halte ich das für etwas spät und vielleicht sogar für eine (sorry) Verlegenheitsreaktion der Ärztin, die (bei ihm?) Mühe hat, das richtige Antidepressivum zu finden. Sie verdient an dem Test zwar etwas (nur wegen der Auswertung) und Test und Arztauswertung muss offensichtlich der Patient selber bezahlen. Vielleicht bekommt sie so noch zusätzliche Information, die ihr hilft, aber … hat sie die nicht schon mit den bisherigen Behandlungsversuchen?

Auf der anderen Seite ist es immer schwierig, da abzuraten, da man damit direkt der Empfehlung der Ärztin widerspricht und sich das auf das Vertrauensverhältnis negativ auswirken kann. Im Endeffekt liegt die Entscheidung dafür beim Patienten. Und der hätte dahingehend wirklich kompetent beraten werden können (und sollen!) in der Apotheke.  … In der Online Apotheke hat er natürlich gar keine Beratung bekommen  – die haben nur sein Geld gerne genommen. 😦

In dem Fall ein Negativ-Beispiel, aber ich freue mich auf viele positive Beiträge. Ein paar davon sind schon unter dem Ursprungspost zur Blogparade verlinkt. Macht mit!

Aus dem Pharmaziestudium – mündliche Prüfungen

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Jeder weiss, sie kommen: die Prüfungen. Am Ende des zweiten Semesters sind sie dann da. Etwas seltsam ist es das erste Mal schon, denn … so lange Zeit hatte man keine Prüfungen mehr. In der Schule hat man alle paar Wochen (wenn nicht sogar alle paar Tage) welche. Hier im Studium: nada. Lange Zeit nada. Fast ein ganzes Jahr.
Also ist man unglaublich aufgeregt vor den ersten Prüfungen – weil man so irgendwie keine Ahnung hat, was kommt. Natürlich, man weiss welcher Stoff: das, was im ganzen Jahr vorher durchgenommen wurde. Und das ist viel. Sehr viel. Zu viel eigentlich … auch für die Prüfer. In den Prüfungen kommt dementsprechend immer nur ein kleiner Teil dran. Nur weiss man nicht, welcher. Also muss man alles lernen.

Frag nie nach „Muss ich dieses Detail wissen?“ – Die Antwort ist ja. Das kann drankommen. Alle Physik Formeln aus dem Buch. Die gesamten chemischen Formeln des Krebs-Zyklus. Welcher Ionenkanal verantwortlich ist für was in der Zellwand. Wehe dem Studenten, der nicht an die Vorlesungen gegangen ist. Lehrbücher haben zwar alles drin – zeigen aber nicht, auf was der Professor speziell Wert legt. Weh auch dem Studenten, der den Stoff nicht vorher in eine Form gebracht hat, die übersichtlich ist.

Jeder hat seine Lernmethoden – meine war immer: Schreiben. Während den Lektionen – mit speziellem System, dafür gedacht, rasch etwas wiederzufinden. Zusammenfassen, die Zusammenfassung zusammenfassen, was bekannt ist weglassen, bis am Schluss etwas herauskondensiert ist, das sich … zumindest erfassen lässt. Und hoffentlich reproduzieren. Kärtchen sind dafür auch geeignet.
Ich hatte auch Glück während den Prüfungen – das braucht man gelegentlich. Vor allem, was die Aufteilung der Prüfungen selber angeht. Eigentlich hatten wir immer etwa 1 Woche zwischen den verschiedenen Prüfungen- da ist gut Zeit, noch einmal alles zu wiederholen, sich ganz auf das Thema zu konzentrieren bis es dann soweit ist.
Ich habe immer viel gelernt. Ohne meine Mama wäre ich wohl verhungert bei den Prüfungen (wenn ich Stress habe, geht mein Hungergefühl flöten – und Zeit für so etwas unwichtiges wie Nahrungsaufnahme zu verschwenden, wenn ich doch lernen muss …?)

Vor den Prüfungen bilden sich häufig Lern-Gruppen. Das kann Gut sein: man hilft sich gegenseitig, schwierige Themen zu verstehen und es motiviert auch, wenn man weiss, dass man zu einem Zeitpunkt zusammensitzt um ein Thema durchzusprechen. Das kann aber auch Schlecht sein. Zum Beispiel, wenn sich eine Lerngruppe gegenseitig bestätigt, dass etwas ganz sicher nicht dran kommt an den Prüfungen … So geschehen bei uns im 2. Jahr mit Anatomie / Physiologie.
Im Prüfungsplan stand Anatomie und Physiologie in derselben Prüfung. Genauer gesagt – man hat es untereinander geschrieben – und daneben die Stunden, wann welcher Buchstaben des Alphabetes dran ist. Anatomie und Physiologie waren Themen die von 2 unterschiedlichen Professoren gelehrt wurden. Und beides ist ziemlich viel Stoff. Die Lerngruppe hat die Aufstellung missverstanden und gedacht die erste Gruppe (sagen wir, A-K) haben nur Anatomie und die zweite Gruppe (L-Z) nur Physiologie.
Ich hatte das Glück (oder Pech) genau nach der ersten Person, die diesem Irrtum verfallen war, Prüfung zu haben. Die Kollegin hatte nur Anatomie gelernt. Den Teil konnte sie – nun, wenn nicht perfekt, so zumindest sehr gut. Und dann kam die Physiologie… und der Professor war alles andere als erfreut. Tatsächlich habe ich ihn im Gang sehr deutlich verstanden – ich wette, man hat sein Geschrei noch auf der Strasse draussen gehört.
Im ersten Moment wusste ich noch nicht, weshalb die Aufregung – aber der Grund war dann deutlich erfassbar: „Sie haben WAS? KEINE Ahnung? Sie haben NICHTS gelernt von der Physiologie??“
Man kann sich vorstellen, dass die Kollegin weinend herauskam –und ich mit sehr gemischten Gefühlen hinein ging. Tatsächlich beruhigte mich der Experte aber vor Beginn: „Wenn sie auch nur ein bisschen etwas wissen über die Physiologie, dann ist es schon mehr, als die Kollegin vor ihnen. Es kann nur besser werden. Fangen wir an.“
Ich war dann … gar nicht schlecht.

Ach ja, die mündlichen Prüfungen. Bei der Matur hatte ich noch den Überraschungs-Bonus: die Lehrer haben kaum geglaubt, dass ich tatsächlich auch (länger) reden kann – in der Schule war ich gerne ruhig in den Stunden. Den Vorteil hatte ich im Studium dann nicht mehr – bei über 40 Studenten und reinem Frontal-Unterricht kennen einen die meisten Professoren kaum bis gar nicht.

So eine Prüfung läuft so ab, dass man in einen Raum kommt, da sitzen schon der Professor (manchmal auch 2, wenn wie oben 2 Themen geprüft werden) und ein Experte. Der Experte sitzt meist etwas seitlich – er ist dafür da zu prüfen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Man begrüsst sich per Handschlag, dann setzt man sich an den Tisch – auf dem meist ein paar Dinge liegen. Kärtchen zum ziehen mit den Fragen – Anschauungsmaterial wie Pflanzen oder Anatomiemodelle, ein paar Blatt leeres Papier, für wenn man etwas anschaulicher erklären muss … das half mir immer. Ich zeichne gerne – und zumindest einmal habe ich die ersten paar Zeilen des Periodensystem skizziert, um sicher zu sein, wie das mit den Elektroden jetzt … okay. Zuviel Detail.

Jedenfalls: die Prüfer stellen einem Fragen … und man antwortet so gut man kann. Je mehr man zu etwas sagen kann, desto besser. Je detaillierter die Fragen werden (und je schwerer), desto besser die Endnote – trotzdem kann man nicht immer von der Zeit, die man braucht sagen, ob das jetzt gut war, oder nicht. Manchmal dauert es länger, weil der Professor – oder der Experte – versuchen, doch noch etwas aus einem herauszuholen, dann sind über 30 Minuten vorbei, bis man rauskommt– manchmal schmeissen sie einen nach knapp 15 Minuten raus, wenn es keinen Sinn mehr macht (siehe die Kollegin oben). Die Terminplanung dafür ist schwierig. Als Student bekamen wir eben Listen mit den Prüfungsterminen und von wann an die Kandidaten dran waren. Ich war fast die letzte in meiner Gruppe. Rechnerisch bedeutet das – bei 7 Personen vor mir, dass ich zwischen 7×15 = 1 Stunde 45 Minuten nach dem ersten und 7 x 30 = 3 ½ Stunden nach dem ersten dran war. Weil man auf gar keinen Fall zu spät sein will (ich jedenfalls nicht) – musste ich also oft laaaange warten, bis ich dran war – und bekam dementsprechend einiges mit von den Kolleginnen vor mir.

Das kann hilfreich sein – oder es kann einen so nervös machen, dass man kaum mehr denken kann. Ich gehörte auch nicht zu denen, die noch mit den Unterlagen vor dem Prüfungszimmer sassen – in der Hoffnung, noch rasch etwas in den Kopf zu drücken, bevor man dran kam. Das funktioniert bei mir nicht. Entweder ich hatte es intus bis zu dem Moment oder … Schwamm drüber.

Schön auch das eine Mal, als der Experte herauskam, den Namen der Kollegin vor mir ausrief – und die dann einfach nicht da war. Er schaut mich an: „Wollen Sie vielleicht…?“ Ich wollte. Einerseits hatte ich es dann schneller vorbei – und andererseits stimmt das bestimmt die Professoren gutmütiger, wenn sie nicht warten müssen – und ich dann einfach etwas später trotzdem noch drankomme. Auch da hatte ich Glück – wie sich später bei der Besprechung mit meinen Kolleginnen herausstellte, benutzten sie 2 Sätze Kärtchen mit Fragen für die Prüfungen – abwechselnd. Und diejenigen, die sie mich da fragten, konnte ich besser als das auf dem anderen Satz. (Besser. Nicht: gar nicht).

Die seltsamste mündliche Prüfung war wohl die in Galenik. Das Büro war im alten Pharmaziegebäude oberhalb der Labors. Man wartete auf dem Gang.
Als ich hereingebeten wurde, sah ich statt dem üblichen Büro-Tisch nur ein Couchtischchen. Daneben auf der einen Seite ein Sofa und auf der anderen Seite 2 Lehnstühle. Gemütlich – nicht unbedingt das, was ich erwartet habe!
Man begrüsst sich, ich wurde aufs Sofa gesetzt und der Professor – auch eher ein gemütlicher Typ fragt: „Möchten Sie einen Kaffee?“
Worauf ich, überrascht und total ehrlich herausterte: „Danke, lieber nicht … ich bin auch so schon nervös genug!“
Freundliches Gelächter auf allen Seiten, dann gingen wir direkt zur Prüfung über.
Professor: „Nun, wenn sie das Coffein nicht oral wollen, dann können wir ein bisschen darüber reden, wie es mit der Aufnahme über die Haut aussieht. Was können sie uns erzählen über transdermale Systeme?“ … und schon waren wir mittendrin.

Andere interessante Situationen waren die Hanf-Pflanze (im Topf) in der Biologie Prüfung – *die* war aber nicht auf der Liste der Pflanzen, die wir erkennen und kennen mussten.
Oder als mich der Professor nach typischen Apotheker-Krankheiten fragte (Krampfadern vom vielen Stehen hauptsächlich – falls ihr das mal beantworten müsst, die Magengeschwüre wegen unleidlichen Kunden lassen wir mal beiseite :-)),
Oder als ich die Frage welche Art Ionen-Kanal in der Zellwande der Beta Zellen in der Bauchspeicheldrüse für die Ausschüttung des Insulins verantwortlich ist beantworten konnte. Kalium und dann Kalzium … Das war schon eine Zusatz/Zusatz Frage und der Experte war einigermassen überrascht, das ich das wusste – und ich fast noch mehr (Wo kam das her?). Ehrlich. Heute habe ich davon keine Ahnung mehr. Es ist ausgesprochen erstaunlich, was man alles in so einen kleinen Kopf reindrücken kann.

Nächstes Mal: praktische Prüfungen und Labor-Prüfungen

mehr lesen über das Pharmaziestudium (auf Pharmama.ch)

Und jetzt Ihr: Was hattet ihr für bemerkenswerte Prüfungen oder Situationen? Wie ging es Euch? Wie lernt ihr am liebsten?

Bestanden!

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Wir haben endlich die Auswertung bekommen des letzten Tests (vom Dezember!)

diesmal wurde der Rezeptverkauf getestet. Ein „Mystery Patient“ kommt mit einem Rezept in die Apotheke …. und dann wird genau geschaut, ob man auch alles macht, was man soll.

Dass man getestet wird ist Bestandteil der LOA – des Vertrages zwischen Krankenkassen und den Apotheken und hat auch einen Zusammenhang mit dem QMS, dem Qualitätsmanagementsystem.

Jedenfalls musste man vorgängig einen Selbstevaluationsfragebogen ausfüllen und einschicken – und beim Test schauten sie dann, ob man das dann auch macht. Alles konnten sie nicht testen, was abgefragt wurde, aber so das wichtigste:

  • Wird der Empfänger des Rezeptes identifiziert?
  • Wird nach anderen Medikamenten, Allergien, weiteren Problemen gefragt?
  • Wird ein Patientendossier angelegt?
  • Wird ein Generikum angeboten? (Auf dem Rezept stand ein Original)
  • Wird die Dosierung auf dem Medikament angeschrieben?
  • Wird das Medikament und die Anwendung dem Patienten erklärt?
  • Wird das Rezept (nach dem 4-Augen Prinzip) kontrolliert?
  • Wird es von der Apothekerin vor der Abgabe visiert?

und noch vieles, vieles mehr.

Man musste mindestens 75 Punkte haben, um den Test zu bestehen. Wir haben gut bestanden – daran hatte ich keinen Zweifel, denn meine Leute sind gut instruiert und arbeiten alle wirklich sorgfältig. Auch die Drogisten, die wir bei der Abgabe von Rezepten einsetzen … tatsächlich hat es bei uns im Test sogar eine Drogistin erwischt. Es ist nicht einfach und man muss eine Menge beachten, umso schöner ist das gute Ergebnis … ich sage jetzt nicht wieviel, aber wir sind über 20 Punkte über dem „Muss“.

Einziger Wermutstropfen in meinen Augen: etwas über 10% der getesteten Apotheken haben nicht bestanden – und weitere 8% nur wegen den gutgeschriebenen Punkten vom Selbstevaluationsbogen, die nicht getestet wurden …

mir wäre es lieber, wenn die Apotheken alle bestanden hätten.

Das Billigste

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Der Kassensturz war wieder mal unterwegs und testet Apotheken. Diesmal geht es nicht darum, ob ein Generikum abgegeben wird, sondern welches.

Dabei legen sie ihr Hauptaugenmerk darauf, ob das billigste Generikum abgegeben wird. – Was in den meisten Fällen nicht der Fall ist, das kann ich jetzt schon sagen.

Im Gegensatz zu den Behauptungen des Kassensturzes hat das aber andere Gründe als nur möglichst viel Geld herauszuwirtschaften.

Ich weiss nicht, ob es schon bis zu ihnen durchgedrungen ist, aber dank der werden wir ja ziemlich unabhängig von der Marge des Medikaments entlöhnt und so macht selbst ein 20 Franken Unterschied im Medikamentenpreis nur gerade etwas über 2 Franken Differenz in der effektiven Einnahme.

Aber es gibt für die Apotheken andere Gründe nicht das billigste Generikum abzugeben.

Ich bin auch sicher, dass in der Apotheke nicht „das Billigste“ verlangt wurde, denn bestellen können wir ja immer und machen das auf Wunsch auch.

Was man an Lager hat an Generika wird durch verschiedene Überlegungen bestimmt: dazu ein paar Gedanken:

  • ich wähle eher das Generika einer Firma, von der ich Unterstützung bekomme, also wo ich regelmässig den Vertreter sehe, wo man mir die mir Info über die neusten Generika schickt und abgelaufene oder defekte Medikamente ersetzt als von einer Firma wo nie jemand vorbeikommt und ich nichts retour bekomme. – Ja, hier sind die wirtschaftlichen Gründe – von der Mini-Marge mal abgesehen.
  • Ich wähle eher nicht eine Firma, von der ich weiss, dass sie von denselben betrieben wird, die eine grosse eigene Versandapotheke haben, wo sie ihre eigenen Medikamente puschen.
  • Ich wähle eher Medikamente/Generika, die vom Arzt aufgeschrieben werden … es gibt immer noch genug Leute die sagen „Nein, es muss genau das sein, was der Arzt aufgeschrieben hat.“
  • Ich wähle eher nicht Medikamente, wo die Erfahrung zeigt, dass sie schwer zu schlucken / hässlich schmecken / in Bulk statt in Blister verpackt / Zusatzstoffe haben die eher schlecht vertragen werden … v.a. wenn es Alternativen gibt.
  • Ich wähle eher die Generika, die zuerst auf dem Markt sind – zumindest anfangs, Wechsel sind wegen obigen Gründen immer noch möglich.
  • Ich wähle eher die Generika, wo möglichst alle bestehenden galenischen Formen und Dosierungen vorhanden sind – weil wenn der Kunde später die Dosierung wechseln muss, bekommt er nicht wieder ein ganz neues Medikament.
  • Ausserdem: WAS das billigste ist, das wechselt eigentlich ständig. Muss ich dann auch immer wechseln, was ich grad an Lager habe?

Ich denke die Grundidee hinter dem Ganzen ist es, wie in Deutschland schon gang und gäbe Verträge vorzubereiten, wo die Apotheke gezwungen werden soll, entweder das billigste Generikum zu nehmen … oder das, wo die Krankenkasse gerade einen Vertrag mit der Firma hat.

Dass das nicht so toll ist – weder für die Apotheke, noch die Kunden, will ich hier noch einmal betonen: man hat ständige Wechsel in der Grundmedikation: die Tablette / Kapsel etc sieht immer wieder mal neu aus (wenn das nicht verwirrend ist) oder das Produkt das man immer hatte wird einfach nicht mehr bezahlt von der Krankenkasse …

P.S. ich habe mit Absicht im ganzen Blogpost „billigstes“ und nicht „günstigstes“ geschrieben.

Generika – und warum fragen Sie nicht?

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Immer wieder kommen Testkäufe durch Zeitschriften zustande mit dem Augenmerk auf den Generikum* Verkauf in Apotheken.

Das läuft dann meistens so ab, dass der Kunde in die Apotheke kommt und ein Originalprodukt verlangt, z.B. Panadol. Er bekommt es – und dann fängt das Theater an.

„Wieso“ fragt der Kunde (respektive die Zeitschrift, die getestet hat) „haben Sie mir nicht das Generikum angeboten?“

Ein Skandal, eine Unverschämtheit! Die Kosten die ich (der Kunde) dadurch einsparen hätte können! Sie (die Apothekerin) haben mich nicht richtig beraten!“

Ok ok. Mal langsam und von vorne. Der Kunde kommt in die Apotheke und verlangt ausdrücklich das Original. Er sagt nicht „ein Schmerzmittel“, nicht einmal „Ein Panadol .. oder etwas gleichwertiges“ oder „Ein Panadol … oder gibt es da auch etwas günstigeres?“. Nein, er verlangt das Panadol. Das Original.

Es gab eine Zeit, da ich versucht habe alle Leute auf Generika aufmerksam zu machen. Das Ergebnis war dermassen ernüchternd, dass ich das aufgegeben habe. Die Reaktion reichte von „Geben sie es mir endlich!“ über „Ah ja? Ich nehme das was ich kenne“ bis zu „oh, Danke, gerne“. Wobei letzteres in etwa 1% der Fälle vorkam. Viel öfter wurde ich geradezu angepfurrt, weil ich es wagte, ihre Wahl in Frage zu stellen.

Meine Einstellung dazu ist heute: Jeder kennt Generika und/oder hat zumindest davon gehört, dass es sie gibt. Wenn man welche will, kann man auch danach fragen. Das ist nicht meine Aufgabe.

Ich meine, wenn Du zum Beispiel in die Migros oder den Coop gehst, dann weisst Du ja auch, dass es für manche Produkte eine günstigere Alternative gibt, sei das „Prix garantie“ oder „M-Budget Line“. Die Verkäuferin wird Dich auch nicht fragen, wenn sie sieht, dass Du Schinken gekauft haben: „Sie wissen aber, dass es eine günstigere Variante gibt?“. Du hast gewählt. Dasselbe Prinzip in der Apotheke.

Es ist Dein Geld und es Deine Verantwortung, wie Du damit umgehst. Ich werde Dich beraten, wenn Du unsicher sind und wenn es um medizinische / medikamentöse Fragen geht, aber wenn es um Dein Geld geht, dann bist Du verantwortlich. Und auf Nachfrage bin ich noch so gerne bereit ein Generikum respektive das günstigste Produkt herauszusuchen.

Keine Regel ohne Ausnahme. Wenn ich sehe wie das ältere „Fräulein“ beim Preis zusammenzuckt und anfängt das Münz im Portemonnaie (oder Portmonee auf Neudeutsch, aua) zusammenzuklauben, dann frage ich sie auch von mir aus, ob sie nicht einmal das günstigere Generikum ausprobieren möchte.  – Du wirst aber nicht glauben, wie oft selbst dann diese das nicht wollen. 😦

* Falls Du zu den wenigen gehörst, die noch nie von Generika gehört haben (Was bei mir die Frage aufwirft wie das sein kann?: liest Du keine Zeitung, Zeitschriften? Schaust Du nicht fern? Und übersiehst Du die Werbeplakate auf den Strassen einfach?): ein Generikum ist ein sogenanntes Nachfolgemedikament. D.h. von einem Medikament, dessen Patentschutz abgelaufen ist können Kopien durch andere Firmen hergestellt werden. Der Inhaltsstoff ist derselbe, die Wirkung sollte auch dieselbe sein. Nur der Preis ist günstiger (weil diese Firmen ja nicht die Forschung finanzieren mussten.)

Nachtrag: Ich rede hier vom Handverkauf. Beim Rezeptverkauf ist es wieder ein ganz anderes Thema. Da habe ich inzwischen auch alle Angestellten soweit, dass sie immer die Möglichkeit des Generikums erwähnen (sofern vorhanden und das Rezept / die Krankheit ein Wechsel zulässt).