Zerfallende Tabletten

Ich habe die Retourenbox geplündert und ein paar der Tabletten aufgenommen, wie sie zerfallen – für Euch im Zeitraffer!

Es hat etwas … fast hypnotisierendes. Spannend auch, wie unterschiedlich schnell das geht … Dafalgan 1g Tabletten (ab 0:23) brauchen eeeewig, bis sich da etwas rührt, dagegen zerfallen die Panadol (ab 2:08) sehr rassig. Da ist es kein Wunder, wenn das mal länger geht, bis die Tabletten wirken. Den Hammer finde ich ja das Triatec (ab 0:17): die bläst es beim Zerfall auf die fast 4fache Grösse auf.

Wie schnell eine Tablette zerfällt hängt von verschiedenem ab: wie fest die Tabletten gepresst sind, ob sie Spreng- oder Quellmittel enthalten, überzogen sind (wie die Sulfarlem ab 0:55, wo ich schliesslich gekürzt habe) etc. Manchmal ist langsamer Zerfall auch gewünscht, wie bei retardierten Tabletten, die möglichst lange wirken sollen.

Natürlich (für die Galeniker unter euch): die Umgebung entspricht nicht ganz den physiologischen Begebenheiten. Ich habe nur Wasser genommen zum testen (keine verdünnte Salzsäure) und da war auch keine Bewegung drin. Trotzdem sieht man schon einiges.

Zierbruchrillen

Eine Bruchrille ermöglicht in der Regel das einfache Spalten einer Tablette in zwei identische Teile.

Es ist aber so, dass das Vorhandensein einer Bruchrille keinen Rückschluss darüber erlaubt, ob eine Tablette tatsächlich teilbar ist. Einige Tabletten tragen eine Zierbruchrille (Schmuckrille) und sollten nicht geteilt werden – auch weil das dann die Freisetzung und damit die Wirkung verändert (Diclac, Dilzem, Sinemet, Zyloric). Bei anderen wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Teilen nur als Hilfe für das Schlucken dient, daraus aber nicht zwei Teile mit identischer Dosis entstehen (zum Beispiel Dafalgan 1g, Triatec 1.25, Telfastin und viele mehr).

Im Zweifelsfall soll also immer die Packungsbeilage oder die Arzneimittel-Fachinformation konsultiert werden – oder die Apotheke.

Vorher verflüssigen?

Böse, ich weiss. Aber manches Mal kommt es mir wirklich so vor.

Tabletten-schlucken kann man übrigens üben und lernen. Mein Junior musste das schon vor ein paar Jahren lernen, als er für die Ferien (wie wir auch) Malariatabletten schlucken musste. Mit seinem Lieblingsgetränk war das dann auch kein Problem. Manchmal ist das so: was sein muss, muss sein.

(Und ja, mit manchen habe auch ich Mühe – die Amoxicillin zum Beispiel, die habe ich dann gekaut vorher)

Tablette gefunden

Ein der Stimme nach älterer Mann telefoniert mit mir um eine Tablette zum identifizieren.

Mann: „Sie ist klein, rund und weiss und hat keine Bruchrille und keine Markierung sonst.“

Pharmama: „Hmm. Woher haben sie die denn?“

Es könnte alles sein – aber, vielleicht ist es etwas, das er einmal bekommen hat und jetzt hat er sie wieder gefunden. Es gibt aber noch ein paar … nicht so nette Erklärungen, warum jemand eine Pille identifiziert haben will. Dazu noch via Telefon …

Mann: „Ich habe sie im Garten gefunden. Ich will wissen, was das ist!“

Ui.

Pharmama: „Ich kann es ihnen nicht sagen. Es gibt eine Menge kleiner weisser Tabletten ….“

Und denke: und ehrlich, wenn Sie die im Garten gefunden haben – was kümmert Sie das? Werfen Sie sie weg! Sie wollen die nicht etwa schlucken, oder?

Wieso sind manche Tabletten bunt?

Anja hatte eine Frage an mich, die ich auch beantwortet habe – nur kommt mein Antwortmail unzustellbar zurück.

Ich nehm gegen meine Regelschmerzen Naproxen und bin damit wahnsinnig glücklich. Zwei Tabletten und die ganze Woche Ruhe. Früher hab ich Ibuprofen/ASS/Paracetamol/Buscapon und so gehabt und musste die ganze Woche Höchstdosen nehmen, damit ich nicht krumm vor Schmerz ging.

Ich hab „Dolormin für Frauen“ genommen und nehme jetzt „Dolormin GS“. Genau die gleiche Wirkstoffmenge und alles, einziger Unterschied: die für Frauen sind gelb. Das stört mich prinzipiell nicht, auch wenn ich es bei nicht dauerhaft zu nehmenden Tabletten doppelt sinnlos finde. Aber der Farbstoff ist Chinolingelb und das steht nicht nur in der Kritik, das vertrag ich auch leider nicht so. Ich gehöre zu denen, die sich Beipackzettel nicht angucken, ich krieg schon beim Lesen ALLE Nebenwirkungen*gg* und habe einen tollen Apotheker, der mir alles wichtige sagt. Ich hielt meine juckenden Augen und trockenen Lippen für eine Nebenwirkung des Naproxen und hab ihm das gesagt und wir sind dann gemeinsam drauf gekommen, dass es der Farbstoff ist. Jetzt hab ich das aber nicht mehr seit ich die „GS“ nehm.

Ich hab dem Hersteller eine Mail geschickt und gefragt, warum man zum Färben ausgerechnet Chinolingelb nimmt. Als Antwort bekam ich bloß, dass man Tabletten eben färbt, damit man sie besser unterscheiden kann. Ähm ja, danke -.-‚

Kannst du mir das erklären? Also warum genau der Farbstoff und nicht was unkritischeres? Und warum ein Schmerzmittel überhaupt gefärbt wird. Hab da ja einige und von unterschiedlichen Herstellern durch, keine Einzige war gefärbt.

Kurze Antwort: Farbe fällt auf und hebt ab – vor allem von den anderen (weissen) Tabletten. In dem Fall unterstützt die Farbe den Wiedererkennungseffekt und „sagt“ gleichzeitig: dieses Schmerzmittel ist „anders“, besser als die anderen. Auch wenn das  nicht wirklich der Fall ist, wenn der Unterschied nur in der Farbe besteht. Farbe hat einen psychologischen Effekt – sie kann auch die Wirkung unterstützen. Blaue Schlaftabletten wirken besser als rote. Rote Kopfschmerztabletten besser als grüne …

Hierzulande ist zum Beispiel das Dolocyl grellpink. Auch dies ein Schmerzmittel – das war für mich früher auch immer „das Beste“. Algifor (derselbe Wirkstoff, aber weisse Tablette) wirkte bei mir nie so gut … bis zu dem Moment, als ich Pharmazie studiert habe und herausfand, das das wirklich dasselbe ist. Seit dem funktioniert auch Algifor bestens :-) … was wahrscheinlich beweist, dass sich der Placeboeffekt mittels etwas Wissen zumindest verringern lässt.

Also … lohnt sich das für die Firma sich so abzuheben – auch wenn halt ein paar allergisch sind auf den Farbstoff …

 

Na – welches Schmerzmittel wirkt wohl besser? Links Dolocyl, rechts Algifor

Filmtabletten

Filmtabletten sind auch zum einnehmen – nicht zum ansehen …

Eine Filmtablette ist eine Tablette mit einem dünnen Überzug eines Polymers. Früher wurde sie auch als Lacktablette bezeichnet, jedoch hat sich der Begriff Filmtablette durchgesetzt. Die Filmtablette unterscheidet sich vom Dragée mit Zuckerüberzug. Der Polymerüberzug kann unangenehmen Geschmack überdecken, erleichtert das Schlucken, schützt den Arzneistoff vor äußeren Einflüssen und kann bei Bedarf auch magensaftresistent sein, damit der Wirkstoff erst im Darm frei wird.

Quelle: Wikipedia