Surreale Begegnung in der Apotheke

Es ist schon eine ganze Weile her, da hatten wir ein paar interessante Erlebnisse mit einem … umm, Kunde kann ich schlecht sagen.

Das ging so:

Akt I:

Der Mann kommt in die Apotheke und fragt, ob er Medikament A haben kann. „A“ ist ein Medikament gegen Parkinson (und ähnliche Beschwerden) und rezeptpflichtig. Er habe kein Rezept, aber er brauche es jetzt. Wir könnten ja dem Arzt anrufen. Er gibt mir seinen Namen: E. und den Namen des Arztes und ich nehme das Medikament mit mir nach hinten, um zu telefonieren.

Als die Praxisassistentin seinen Namen hört, sagt sie sofort: „Oh, einen Moment, ich hole gleich den Arzt!“ Kein gutes Zeichen, denn im Normalfall stören sie den Arzt nur ungern, die meisten benehmen sich wie eifersüchtige Wächter. Jedenfalls kommt der Arzt ans Telefon und sagt: „Geben sie es ihm nicht! Er hat ein Dauerrezept in der Apotheke, wo er alle seine Medikamente beziehen soll, aber er versucht es immer wieder in anderen Apotheken.“. Als ich wieder nach vorne komme, um dem Mann das zu sagen, ist er verschwunden. Das überrascht mich nicht. Überraschender fand ich, dass er ausgerechnet Medikament A missbraucht. Aber offensichtlich kann man auch damit einen „Flash“ kriegen, vor allem, wenn man Alkohol dazu trinkt. Man lernt nie aus.

Akt II

Etwa eine Woche später kommt derselbe Mann wieder in die Apotheke, mein Kollege arbeitet diesmal. Er erzählt die gleiche Geschichte, mein Kollege geht nach hinten ans Telefon, aber ohne Medikament A mitzunehmen. Kaum ist er ausser Sicht, springt E. hinter die Theke, geht zur Schubladenwand, reisst die Schublade auf und nimmt Medikament A hinaus. Er dreht sich um und rennt zur Tür hinaus, wobei ihn noch 2 Drogistinnen zu stoppen versuchen – erfolglos.

In der Zwischenzeit hat der Arzt meinem Kollegen gesagt, dass E. nicht mehr Patient bei ihm ist, weil er Rezepte von ihm geklaut hat! Für E. sei jetzt eine Psychiatrische Klinik zuständig.

Wir rufen dort an, um dem zuständigen Arzt zu informieren. Der bittet uns den Diebstahl anzuzeigen, damit sie Herrn E. wenn genug derartiges vorgefallen ist, unter Vormundschaft stellen können.

Akt III

Es vergehen ein paar weitere Wochen, da kommt ein Mann in die Apotheke, bei dessen Anblick es bei mir irgendwie klingelt, aber erst, als er wieder seine Geschichte erzählt, fällt der Groschen. Derselbe Kerl. Schon wieder?!

„Herr E.?!?“ sage ich.

Der Mann ist erstaunt, dass ich seinen Namen kenne – offensichtlich ist Medikamentenmissbrauch auch schlecht fürs Gedächtnis. Dann sehe ich, wie die Erkenntnis dämmert.

„Oh. Sie haben mich angezeigt?“,

„Ja“ sage ich.

Worauf er sich umdreht und die Apotheke wieder verlässt.

So surreal!

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