Alptraumhaftes

Letztens hatten wir ein Treffen der ehemaligen Studienkolleginnen.

Nein, das war nicht Alptraumhaft. Das war tatsächlich sehr nett und es war auch interessant all' die Leute wieder zu sehen und zu reden.

Speziell: ich bin nicht die einzige, die auch noch Jahre (Jahrzehnte) nach den Prüfungen gelegentlich Alpträume darüber hat.

So im Sinne von: Morgen / in ein paar Stunden ist Prüfung und ich kann den Stoff nicht (oder nicht mehr):

Ihr lacht jetzt vielleicht. Nach all der Zeit. Ich habe heute kaum noch Prüfungen (gar nicht, kann ich nicht sagen) aber offenbar war das doch etwas …traumatisierend.

Ich habe nie Alpträume, dass ich nackt einen Vortrag halten müsste, mein „klassischer“ Alptraum ist entweder das Szenario oben … oder aber die Situation, dass ich unterwegs bin (Bus, Zug; Flugzeug etc.) und meine Sachen zusammensammeln muss, die (aus irgendeinem Grund) nicht bei mir, sondern überall verteilt sind. Also: Buch, Brille, Portemonnaie, Jacke, Tasche, Schuhe, Kappe, Stifte, was auch immer … und ich muss doch gleich jetzt raus! Und ich habe immer noch nicht alles! Und … In den neueren Versionen ist es nicht nur mein Zeug, das ich zusammensammeln muss, sondern häufig noch das vom Junior. Noch mehr! :-)

Ja.

Das sind also „meine“ Alpträume.

Traut sich jemand, von seinen zu schreiben?

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Pharmazeuten-Eid

Analog dem der Ärzte (der übrigens so nicht mehr gebraucht wird), gibt es – zumindest in Amerika – auch einen Eid für Pharmazeuten:

At this time, I vow to devote my professional life to the service of all humankind through the professionof pharmacy.I will consider the welfare of humanity and relief of human suffering my primary concerns. I will apply my knowledge, experience, and skills to the best of my ability to assure optimal drug therapy outcomes for the patients I serve. I will keep abreast of developments and maintain professional competency in my profession of pharmacy. I will maintain the highest principles of moral, ethical and legal conduct. I will embrace and advocate change in the profession of pharmacy that improves patient care. I take these vows voluntarily with the full realization of the responsibility with which I am entrusted by the public.

Pharmacist Oath

Übersetzt:

Hier und jetzt schwöre ich, mein professionelles Leben in den Dienst der gesamten Menschheit zu stellen durch den Beruf des Apothekers. Ich werde das Wohlergehen der Menschheit und die Linderung menschlichen Leidens zu meiner Priorität machen. Ich werde mein Wissen, meine Erfahrung und meine Begabung nach meinem besten Fähigkeiten anwenden um eine optimale Therapie mit Medikamenten für die Patienten zu gewährleisten. Ich werde mich über Entwicklungen auf dem laufenden halten und eine hohe berufliche Kompetenz in der Apotheke aufrechterhalten. Ich werde die höchsten Prinzipien der Moral, Ethik und des Gesetzes anwenden. Ich werde Änderungen im pharmazeutischen Beruf welche die Patientenbetreuung verbessern annehmen und unterstützen. Ich spreche diesen Eid freiwillig und in vollem Wissen um die Verantwortung die mir von der Öffentlichkeit auferlegt wird.

Gerne wird der Ethik-Eid auf den Abschluss-Zeremonien gesprochen, bei der die frischgebackenen Pharmazeuten auch den eigenen weissen Schurz bekommen.

Sowas gibt es bei uns leider nicht – ich habe "bloss" mein Diplom (respektive ein provisorisch ausgestelltes) bekommen und einen warmen Händedruck, sowie ein Abschlussessen.

Aber ich würde das obige unterschreiben.

Aus dem Pharmaziestudium: praktische Prüfungen

Das ist der vorläufig letzte Teil meiner Reihe "aus dem Pharmaziepraktikum"

vorher: der allererste Tag, , mündliche Prüfungen und (schon länger her): ein Einblick 

und jetzt also: praktische Prüfungen

Als Pharmazeut hat man eine Menge Stoff zu lernen und dementsprechend eine Menge Prüfungen. Ein Teil der Prüfungen ist jedoch nicht mündlich, sondern praktisch – das heisst, man muss zeigen, was man kann, indem man etwas analysiert, etwas herstellt … und natürlich alles protokolliert.

Obwohl ich immer gerne Labor hatte und auch einigermassen gut war (lies: keine 2 linke Hände und ein Auge für besten Weg zum Ziel) – bei den Laborprüfungen schnitt ich nie wirklich gut ab … auch nicht wirklich schlecht, aber … für mich enttäuschend.

Ich kann schlecht sagen, an was das lag. Laborprüfungen sind grundsätzlich Stress, manchmal dachte ich, dass der eigentliche Grund für diese Art Prüfungen ist, zu schauen, wie man unter Druck reagiert. Zeitdruck hauptsächlich, aber manchmal auch nicht funktionierendes Equipment, nicht genügend Maschinen für die Anzahl Studenten etc.

Ich selber blieb eigentlich immer ruhig. Ich bin da auch normalerweise diejenige, die die andern wieder aufbaute, wenn sie weinend in der Ecke sassen, oder Ideen brachte, wie man vielleich weiterkommt. Nur bei mir selber … je nun.

Bei den Laborprüfungen ist viel Glück dabei. Mehr als bei anderen Prüfungen. Es gibt einfache Analysen und schwierigere, es gibt einfachere Herstellungen und schwierigere – manches ist auch individuelles Empfinden.

Zum Beispiel die Defektur-Prüfung. Im Gegensatz zur Rezeptur, wo von einem Arzneimittel kleine Mengen hergestellt werden müssen, ist die Dezeptur Grossmenge. Nicht 100g Salbenmischung, sondern 1 kg. Nicht 20 Zäpfchen, sondern 200.

Man weiss in etwa, was so drankommt. Im besten Fall – und sehr zu empfehlen ist es – hat man die Sachen vorher einmal durchprobiert.

So auch ich. In meinem Praktikumsjahr in der Apotheke habe ich so ziemlich alles gemacht, was nur irgend machbar war. Oft zur Belustigung meines Chefs, der gelegentlich meinte: „Das habe ich noch nie jemanden machen sehen – und die Destlillationsapparatur war seit mindestens 20 Jahren nicht mehr in Betrieb!“ … Nun, sie war noch da – und Kamillenextrakt samt Einstellung desselben stand auch auf der Liste, Also …!

Also wusste ich auch genau, was ich an der Prüfung nicht machen müssen wollte. Erstens diese %&*/§-Emulsion und zweitens Sapo Kalinus.

Die Prüfung dauert ein paar Stunden. Die Aufgaben kamen auf Karteikärtchen zum ziehen. Ich war die letzte, darum bekam ich mit, dass irgendein armes Schwein die Emulsion erwischt hat – die ist einfach unglaublich schwierig, sie stabil zu bekommen, speziell ohne Mixer. Die gute Nachricht für die war: es hatte einen Mixer für die Prüfungen.

Dann meine Karte. Umdrehen und … Bingo!

Sapo Kalinus.

Oh. Nein.

Nun gut, es gibt Schlimmeres (sagte ich mir) und machte mich beherzt an die Arbeit. Sapo Kalinus ist medizinische Schmierseife. Das Problem ist dabei der Verseifungsprozess des Leinöls, das mit Kaliumhydroxidlösung und Wärme gemacht wird. Dazu braucht es noch Alkohol als Katalysator – und etwas Glück.

Ich bereitete also alles vor: Das Wasserbad vorheizen, die Stoffe abwiegen, alles zusammenmischen und gleich zum Wasserbad, damit der Katalysator nicht verdampft.

Das Wasserbad ist kalt.

Es ist nicht nur kalt, wie sich herausstellt. Es ist kaputt. Und bis ein neues aufzutreiben war in der Grösse … ja, richtig, war ein Teil meines Katalysators verdampft. Mit dem Ergebnis, dass das Zeug nicht richtig verseifte. Jedenfalls nicht, bis ich wieder etwas Alkohol zugab. Das ist schwierig zu dokumentieren. Und das wurde aber nicht gerne gesehen. Das gab Abzug. :-(

In der Prüfung hatten noch andere Probleme – nicht nur die mit der Emulsion (die übrigens dank Mixer ganz gut gelang). Manche … machten sie sich die Probleme auch gleich selber. Kollege M. zum Beispiel, der Kohlegranulat herstellen musste. Einer unserer wenigen Männer. Kohlegranulat – braucht man als Antidot- ist … einfach, aber macht eine ziemliche Sauerrei, wenn man nicht sauber arbeitet. Die meisten würden dafür auch Handschuhe anziehen – speziell zum granulieren, nicht nur wegen den netten schwarzen Rändern, die es dabei unter den Nägeln gibt, auch wegen der Hygiene des Produktes. Kollege M. verzichtete darauf, was den Assistenten, die die Prüfung überwachten und uns über die Schulter schauten natürlich auffiel. Als ihn der Assistent darauf hinwies, meinte M. nur: „Ach, Dreck zu Dreck.“ – was uns rechts und links innerlich aufstöhnen liess. M. ist nicht so – das war reine Prüfungsnervosität, die da aus ihm sprach. Ungeschickt!

Auch das gab wahrscheinlich Abzug.

Diese Prüfung war wenigstens nur ein Tag lang. Andere dauern eine ganze Woche – und dann hat man noch etwas (wenig) Zeit, das Protokoll zu schreiben, zu drucken und es abzuliefern.

Da war zum Beispiel Galenik, wo wir Aufgaben bekamen, die keine bekannte Lösungen hatten. Ich durfte zum Beispiel versuchen einen Arzneistoff besser löslich – und damit hoffentlich besser Magenverträglich zu machen. Dafür sollte ich einen Träger und Gefriertrocknung benutzen. Das ist prinzipiell cool – wer gefriertrocknet nicht gerne? Nur – das Problem bei meiner Substanz war ja, dass sie schlecht löslich war – und um sie so zu behandeln musste ich sie vorher in einem Lösungsmittel lösen, das … ich sag jetzt mal … nicht so nett ist. Klar entfernt das trocknen das meiste, aber … eben. Ich war die ganze Woche mit den verschiedensten Lösungsmitteln und Versuchen beschäftigt um nur zu einem einigermassen akzeptablen Ergebnis zu kommen … Das natürlich auch noch getestet werden musste … jedenfalls habe ich es dann geschafft irgendwie fertig zu werden. Das wirkliche Problem begann mit dem Protokoll. Alles Computergeschrieben, zum Xten Mal überarbeitet – bis 12 Uhr muss es abgegeben sein. Es ist 9 Uhr – das reicht noch lange. Wenn der Drucker nicht in genau dem Moment seinen Geist aufgibt. Und zwar total.

Keine Panik, der Nachbar hat ja auch noch einen … nur wie bringe ich meine Daten da rüber? Am Schluss haben wir den Drucker bei uns neu installiert, das ging einfacher. (Immer daran denken, das war noch zu Zeiten von Floppy Disk und so).

Ausgedruckt. Endlich. 11 Uhr – noch 1 Stunde.

Das reicht noch. Ich muss mit dem öffentlichen Verkehr bis dahin, im Normalfall braucht man etwa eine halbe Stunde.

Im Normalfall. Wenn nicht das Tram Verspätung hätte … und dann auch noch total stehen bleibt, wegen einem Unfall in der Innenstadt. Neeeeiiiinnn!

Noch 10 Minuten.

Ich bin ausgestiegen und den Rest gerannt.

Ich kam 15 Minuten zu spät.

Auch das gab Notenabzug.

Es gibt noch mehr praktische Prüfungen, die sind kürzer. eine oder 2 Stunden.

Zum Beispiel die Erkennung von Pflanzen. Das steigert sich über die Jahre. Anfangs hat man noch die ganze Pflanze (lebend), dann die Teedrogen (getrockenete Pflanzenteile) und dann die Teemischungen (gemischte getrocknete Pflanzenteile).

Die fand ich eigentlich noch toll. Man nehme das hier (Bild) und sage dann, was da alles drin ist. Dafür braucht man vor allem seine Augen, aber auch die Nase (Geruch) und den Mund (Geschmack). Eine Lupe hilft auch, gelegentlich auch das Mikroskop.

Es ist lustig zu sehen, wie manche sich für die Prüfung vorbereiten und was sie mitnehmen. Eine Flasche Wasser ist gut – um den Geschmack zwischendurch zu neutralisieren und auch wegen den Drogen, die einem den Speichel abstellen. Manche nehmen auch Brot dafür mit. Pech hat, wer Baldrian in der Mischung hat. Der ist zwar einfach herauszufinden, überdeckt aber mit seinem Geruch so ziemlich alles andere.

Und nicht zu vergessen die ganzen Glücksbringer: Stofftierchen und Steine und Münzen … die sieht man eigentlich die ganzen Jahre immer wieder – warum auch nicht? Das letzte Mal hat es offensichtlich damit geklappt :-)

und jetzt Ihr: an was erinnert Ihr Euch speziell von wegen den praktischen Prüfungen? Gutes / schlechtes / stressiges …?

Aus dem Pharmaziestudium – mündliche Prüfungen

Jeder weiss, sie kommen: die Prüfungen. Am Ende des zweiten Semesters sind sie dann da. Etwas seltsam ist es das erste Mal schon, denn … so lange Zeit hatte man keine Prüfungen mehr. In der Schule hat man alle paar Wochen (wenn nicht sogar alle paar Tage) welche. Hier im Studium: nada. Lange Zeit nada. Fast ein ganzes Jahr.
Also ist man unglaublich aufgeregt vor den ersten Prüfungen – weil man so irgendwie keine Ahnung hat, was kommt. Natürlich, man weiss welcher Stoff: das, was im ganzen Jahr vorher durchgenommen wurde. Und das ist viel. Sehr viel. Zu viel eigentlich … auch für die Prüfer. In den Prüfungen kommt dementsprechend immer nur ein kleiner Teil dran. Nur weiss man nicht, welcher. Also muss man alles lernen.

Frag nie nach „Muss ich dieses Detail wissen?“ – Die Antwort ist ja. Das kann drankommen. Alle Physik Formeln aus dem Buch. Die gesamten chemischen Formeln des Krebs-Zyklus. Welcher Ionenkanal verantwortlich ist für was in der Zellwand. Wehe dem Studenten, der nicht an die Vorlesungen gegangen ist. Lehrbücher haben zwar alles drin – zeigen aber nicht, auf was der Professor speziell Wert legt. Weh auch dem Studenten, der den Stoff nicht vorher in eine Form gebracht hat, die übersichtlich ist.

Jeder hat seine Lernmethoden – meine war immer: Schreiben. Während den Lektionen – mit speziellem System, dafür gedacht, rasch etwas wiederzufinden. Zusammenfassen, die Zusammenfassung zusammenfassen, was bekannt ist weglassen, bis am Schluss etwas herauskondensiert ist, das sich … zumindest erfassen lässt. Und hoffentlich reproduzieren. Kärtchen sind dafür auch geeignet.
Ich hatte auch Glück während den Prüfungen – das braucht man gelegentlich. Vor allem, was die Aufteilung der Prüfungen selber angeht. Eigentlich hatten wir immer etwa 1 Woche zwischen den verschiedenen Prüfungen- da ist gut Zeit, noch einmal alles zu wiederholen, sich ganz auf das Thema zu konzentrieren bis es dann soweit ist.
Ich habe immer viel gelernt. Ohne meine Mama wäre ich wohl verhungert bei den Prüfungen (wenn ich Stress habe, geht mein Hungergefühl flöten – und Zeit für so etwas unwichtiges wie Nahrungsaufnahme zu verschwenden, wenn ich doch lernen muss …?)

Vor den Prüfungen bilden sich häufig Lern-Gruppen. Das kann Gut sein: man hilft sich gegenseitig, schwierige Themen zu verstehen und es motiviert auch, wenn man weiss, dass man zu einem Zeitpunkt zusammensitzt um ein Thema durchzusprechen. Das kann aber auch Schlecht sein. Zum Beispiel, wenn sich eine Lerngruppe gegenseitig bestätigt, dass etwas ganz sicher nicht dran kommt an den Prüfungen … So geschehen bei uns im 2. Jahr mit Anatomie / Physiologie.
Im Prüfungsplan stand Anatomie und Physiologie in derselben Prüfung. Genauer gesagt – man hat es untereinander geschrieben – und daneben die Stunden, wann welcher Buchstaben des Alphabetes dran ist. Anatomie und Physiologie waren Themen die von 2 unterschiedlichen Professoren gelehrt wurden. Und beides ist ziemlich viel Stoff. Die Lerngruppe hat die Aufstellung missverstanden und gedacht die erste Gruppe (sagen wir, A-K) haben nur Anatomie und die zweite Gruppe (L-Z) nur Physiologie.
Ich hatte das Glück (oder Pech) genau nach der ersten Person, die diesem Irrtum verfallen war, Prüfung zu haben. Die Kollegin hatte nur Anatomie gelernt. Den Teil konnte sie – nun, wenn nicht perfekt, so zumindest sehr gut. Und dann kam die Physiologie… und der Professor war alles andere als erfreut. Tatsächlich habe ich ihn im Gang sehr deutlich verstanden – ich wette, man hat sein Geschrei noch auf der Strasse draussen gehört.
Im ersten Moment wusste ich noch nicht, weshalb die Aufregung – aber der Grund war dann deutlich erfassbar: „Sie haben WAS? KEINE Ahnung? Sie haben NICHTS gelernt von der Physiologie??“
Man kann sich vorstellen, dass die Kollegin weinend herauskam –und ich mit sehr gemischten Gefühlen hinein ging. Tatsächlich beruhigte mich der Experte aber vor Beginn: „Wenn sie auch nur ein bisschen etwas wissen über die Physiologie, dann ist es schon mehr, als die Kollegin vor ihnen. Es kann nur besser werden. Fangen wir an.“
Ich war dann … gar nicht schlecht.

Ach ja, die mündlichen Prüfungen. Bei der Matur hatte ich noch den Überraschungs-Bonus: die Lehrer haben kaum geglaubt, dass ich tatsächlich auch (länger) reden kann – in der Schule war ich gerne ruhig in den Stunden. Den Vorteil hatte ich im Studium dann nicht mehr – bei über 40 Studenten und reinem Frontal-Unterricht kennen einen die meisten Professoren kaum bis gar nicht.

So eine Prüfung läuft so ab, dass man in einen Raum kommt, da sitzen schon der Professor (manchmal auch 2, wenn wie oben 2 Themen geprüft werden) und ein Experte. Der Experte sitzt meist etwas seitlich – er ist dafür da zu prüfen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Man begrüsst sich per Handschlag, dann setzt man sich an den Tisch – auf dem meist ein paar Dinge liegen. Kärtchen zum ziehen mit den Fragen – Anschauungsmaterial wie Pflanzen oder Anatomiemodelle, ein paar Blatt leeres Papier, für wenn man etwas anschaulicher erklären muss … das half mir immer. Ich zeichne gerne – und zumindest einmal habe ich die ersten paar Zeilen des Periodensystem skizziert, um sicher zu sein, wie das mit den Elektroden jetzt … okay. Zuviel Detail.

Jedenfalls: die Prüfer stellen einem Fragen … und man antwortet so gut man kann. Je mehr man zu etwas sagen kann, desto besser. Je detaillierter die Fragen werden (und je schwerer), desto besser die Endnote – trotzdem kann man nicht immer von der Zeit, die man braucht sagen, ob das jetzt gut war, oder nicht. Manchmal dauert es länger, weil der Professor – oder der Experte – versuchen, doch noch etwas aus einem herauszuholen, dann sind über 30 Minuten vorbei, bis man rauskommt– manchmal schmeissen sie einen nach knapp 15 Minuten raus, wenn es keinen Sinn mehr macht (siehe die Kollegin oben). Die Terminplanung dafür ist schwierig. Als Student bekamen wir eben Listen mit den Prüfungsterminen und von wann an die Kandidaten dran waren. Ich war fast die letzte in meiner Gruppe. Rechnerisch bedeutet das – bei 7 Personen vor mir, dass ich zwischen 7×15 = 1 Stunde 45 Minuten nach dem ersten und 7 x 30 = 3 ½ Stunden nach dem ersten dran war. Weil man auf gar keinen Fall zu spät sein will (ich jedenfalls nicht) – musste ich also oft laaaange warten, bis ich dran war – und bekam dementsprechend einiges mit von den Kolleginnen vor mir.

Das kann hilfreich sein – oder es kann einen so nervös machen, dass man kaum mehr denken kann. Ich gehörte auch nicht zu denen, die noch mit den Unterlagen vor dem Prüfungszimmer sassen – in der Hoffnung, noch rasch etwas in den Kopf zu drücken, bevor man dran kam. Das funktioniert bei mir nicht. Entweder ich hatte es intus bis zu dem Moment oder … Schwamm drüber.

Schön auch das eine Mal, als der Experte herauskam, den Namen der Kollegin vor mir ausrief – und die dann einfach nicht da war. Er schaut mich an: „Wollen Sie vielleicht…?“ Ich wollte. Einerseits hatte ich es dann schneller vorbei – und andererseits stimmt das bestimmt die Professoren gutmütiger, wenn sie nicht warten müssen – und ich dann einfach etwas später trotzdem noch drankomme. Auch da hatte ich Glück – wie sich später bei der Besprechung mit meinen Kolleginnen herausstellte, benutzten sie 2 Sätze Kärtchen mit Fragen für die Prüfungen – abwechselnd. Und diejenigen, die sie mich da fragten, konnte ich besser als das auf dem anderen Satz. (Besser. Nicht: gar nicht).

Die seltsamste mündliche Prüfung war wohl die in Galenik. Das Büro war im alten Pharmaziegebäude oberhalb der Labors. Man wartete auf dem Gang.
Als ich hereingebeten wurde, sah ich statt dem üblichen Büro-Tisch nur ein Couchtischchen. Daneben auf der einen Seite ein Sofa und auf der anderen Seite 2 Lehnstühle. Gemütlich – nicht unbedingt das, was ich erwartet habe!
Man begrüsst sich, ich wurde aufs Sofa gesetzt und der Professor – auch eher ein gemütlicher Typ fragt: „Möchten Sie einen Kaffee?“
Worauf ich, überrascht und total ehrlich herausterte: „Danke, lieber nicht … ich bin auch so schon nervös genug!“
Freundliches Gelächter auf allen Seiten, dann gingen wir direkt zur Prüfung über.
Professor: „Nun, wenn sie das Coffein nicht oral wollen, dann können wir ein bisschen darüber reden, wie es mit der Aufnahme über die Haut aussieht. Was können sie uns erzählen über transdermale Systeme?“ … und schon waren wir mittendrin.

Andere interessante Situationen waren die Hanf-Pflanze (im Topf) in der Biologie Prüfung – *die* war aber nicht auf der Liste der Pflanzen, die wir erkennen und kennen mussten.
Oder als mich der Professor nach typischen Apotheker-Krankheiten fragte (Krampfadern vom vielen Stehen hauptsächlich – falls ihr das mal beantworten müsst, die Magengeschwüre wegen unleidlichen Kunden lassen wir mal beiseite :-)),
Oder als ich die Frage welche Art Ionen-Kanal in der Zellwande der Beta Zellen in der Bauchspeicheldrüse für die Ausschüttung des Insulins verantwortlich ist beantworten konnte. Kalium und dann Kalzium … Das war schon eine Zusatz/Zusatz Frage und der Experte war einigermassen überrascht, das ich das wusste – und ich fast noch mehr (Wo kam das her?). Ehrlich. Heute habe ich davon keine Ahnung mehr. Es ist ausgesprochen erstaunlich, was man alles in so einen kleinen Kopf reindrücken kann.

Nächstes Mal: praktische Prüfungen und Labor-Prüfungen

mehr lesen über das Pharmaziestudium (auf Pharmama.ch)

Und jetzt Ihr: Was hattet ihr für bemerkenswerte Prüfungen oder Situationen? Wie ging es Euch? Wie lernt ihr am liebsten?

Fragebogen zur Homöopathie in der Apotheke (für Apotheker)

Am Wochenende erreichte mich die folgende Bitte eines Pharmaziestudenten:
ich studiere Pharmazie in London und schreibe meine Masterarbeit zum Thema „Ansichten und Erfahrungen von Offizinpharmazeuten in der Homöopathie“. Es ist eine vergleichende Studie zwischen Apothekern im Großraum London und Bayern (Deutschland). Jedoch, aus persönlichem Interesse, wäre mir sehr viel daran gelegen, wenn Sie meinen Onlinefragebogen in Ihrem Blog veröffentlichen würden. Je nachdem wie viele Ihrer Approbierten-Follower teilnehmen, kann ich meine Supervisorin vielleicht dazu bewegen die Daten zu verwenden, gerade weil Ihr „Publikum“international ist!

Weitere Informationen zur Studie als auch zum Datenschutz werden auf der ersten Seite des Fragebogens erklärt.

Das ist die Chance für Apotheker ihre Meinung (wie auch immer) zur Homöopathie in der Offizin abzugeben.

Das ist aber keine Aufforderung hier und jetzt eine Diskussion über die Homöopathie in der Apotheke loszutreten!

Aus dem Pharmaziestudium: Im Labor

Ich muss zugeben – ich hatte es nicht so mit Labor. Vor allem am Anfang. Vom Chemiepraktikum am Gymnasium her hatte ich noch einen gesunden Respekt … das wurde noch verstärkt von der ersten Stunde – die praktischerweise eine Einführung in die Sicherheit war. Die wichtigsten Aussagen, die man für’s überleben im Labor braucht.

  • Du sollst eine Schutzbrille tragen – und dazu als Anschauungsmaterial einmal Laborunfall ohne Brille (üble Augenverätzung) und einmal mit Brille (wie ein umgekehrter Panda: wo die Brille war weiss, sonst schwarz)
  • Du sollst einen Laborschurz tragen – je länger, je besser.
  • Du darfst NIE mit dem Mund Flüssigkeiten ansaugen mit Pipetten – auch das mit Anschauungsbild: schön, wie man die Mundschleimhaut gleich am Stück abziehen kann …
  • Dann Säuren verdünnen: „Erst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das ungeheure!“ … wobei das Ungeheure eine Explosion des Säuregefässes ist.
  • Kein Essen und trinken im Labor. Man greift nur einmal daneben.
  • Wenn Du an etwas riechen musst, dann wedel es dir zu. Niemals sollte man die Nase direkt darüber halten. Wer es trotzdem mal probieren will – Eisessig eignet sich als Test, ob man das richtig macht. Vorsicht: hinter einem sollte dafür nichts stehen.
  • Achtung vor dem Siedeverzug! In Bechergläser und Reagenzglas, die über dem Bunsenbrenner erhitzt werden gehören Siedesteine.

Mit diesen Kurzinstruktionen wurden wir auch schon ins Labor gelassen. Jeder durfte sich einen eigenen Laborplatz aussuchen und anfangen, sich dort häuslich – äh, arbeitsmässig einzurichten. Das bedeutete als erstes, mit einer laaaangen Liste auf dem Labormaterial stand zu kontrollieren, ob alles vorhanden ist und falls nicht, das gegebenenfalls zu besorgen. Jetzt … das ist nicht ganz so einfach, denn als blutiger Anfänger kennt man die Namen der Gefässe und Geräte noch nicht. Becherglas und Reagenzglas – das ist noch einfach, aber Erlenmeyerkolben? Uhrglas? Exsiccator? Magnesiumstäbchen?… und was zum Geier ist eine Nutsche? (unreifes Kichern in den Ecken: hat das was mit Knutschen zu tun?) Mit etwas Hilfe vom Assistent schaffen wir es schliesslich alle durch die Liste.

Labor hat man viel im Pharmaziestudium. Man fängt bei den wirklich grundsätzlichen Sachen an und arbeitet sich durch die Jahre hoch. Man fängt mal an mit der Analyse von Einzelsubstanzen (anorganischen), dann organischen, dann Mischungen, dann Arzneiformen. Dann Synthese und und und …

Anfangs ist man noch unglaublich vorsichtig. Alles wird möglichst weit weg von einem gehalten, Handschuhe angezogen, die Brille natürlich (in Gedanken immer noch die netten Bilder aus der Einführung) … mit der Zeit, wenn nichts schlimmes passiert, wird man mutiger – manche tatsächlich ein bisschen übermutig.

Das mit dem verdünnen von Säure zum Beispiel: Wasser und konzentrierte Salzsäure … ja, es dampft ein bisschen – na und? Wasser und konzentrierte Schwefelsäure  – oh, das wird ja warm! Interessant.
Und irgendwann hat es dann tatsächlich die Kollegin direkt mir gegenüber geschafft, erst die Schwefelsäure in den Messkolben zu füllen und dann das Wasser reinzugeben … das wird dann nicht nur warm. Das wird heiss! Heiss genug, den Kolben zu sprengen und explosiv reichlich konzentrierte Säure durch die Gegend zu spritzen. Ein Glück für Labormäntel – die Spritzer verteilten sich wegen Labortisch unten und Chemikalienablage zwischen den Arbeitsplätzen oben alle auf Bauchhöhe – aber da hatten wir nachher in der Umgebung alle kleine Säurelöcher in den Schürzen. Diese Löcher haben übrigens die Angewohnheit mit jedem Waschen etwas grösser zu werden, so dass auch anfangs kaum sichtbare später einen Schurz wie ein Sieb erscheinen lassen.

Man kann sich vorstellen, dass wir nicht sehr erpicht waren, das Säureexperiment zu wiederholen und die unvorsichtige Kollegin noch Jahre den „ungeheuren“ Spruch anhören musste.

Die Chemikalien sind die eine Gefahrenquelle im Labor, Feuer ist die andere. Oft muss man etwas erwärmen, oder man muss die Flammenfarbe bestimmen – dafür braucht man den Bunsenbrenner. Der läuft mit Gas. Das kommt aus einem Hahnen an der Wand – der sieht ähnlich aus wie der Wasserhahn. Nur hat er eine andere Farbe vom Griff. Bunsenbrenner die Wasser sprühen sieht man nur am Anfang, das begreifen die Leute noch rasch.

Es ist aber keine gute Idee, erst das Gas einzuschalten und DANN auf die Suche nach Zündhölzern zu gehen. Oder den Gashahn aufzudrehen aber den Gummischlauch nicht oder nicht richtig fest befestigt zu haben … gleich daneben arbeitet nämlich sicher der Kollege auch mit brennender Flamme. Meine Erfahrungen aus der Feuerwehr konnte ich doch ein paar Mal einsetzen.

mehr lesen könnt ihr hier: Labor,  Labor ist gefährlichLabor und Darwins Theorie

Ja,  So war das bei uns.

Was habt ihr denn für Erfahrungen im Labor gemacht?