Im Krankenhaus fast verhungert

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Angenommen, Dir oder einem Angehörigen geht es so schlecht, dass er oder sie ins Spital muss. Dort wird man dann untersucht und gesundheitlich umsorgt oder zumindest im Auge behalten. Sollte man denken.

Krankenhausessen ist oft nicht wirklich „gut“ (es ist ja auch kein Hotel) und ich bin mir auch bewusst, dass es Länder gibt, wo man üblicherweise im Spital von den Angehörigen versorgt werden muss. Bei uns ist das nicht so, allerdings bin ich inzwischen so weit, dass ich den Leuten, die ins Spital müssen empfehle jemanden so oft wie möglich dabei zu haben, der ein bisschen mit aufpasst. Darauf gekommen bin ich nach mehreren Geschichten und Erlebnissen unserer Patienten und Bekannten – und auch aus eigener Erfahrung. Zwei Beispiele für Euch:

Die ältere Mutter einer Bekannten musste ins Spital wegen akuter Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes (Schmerzen und Atemprobleme). Beim Besuch ein paar Tage später fällt der Bekannten auf, dass es ihrer Mutter nicht gut geht. Die Mutter gehört zu der Generation, die nicht gerne anderen zur Last fällt und sich kaum beklagt. Ihr ist aber aufgefallen, dass die Mutter Mühe hat mit dem Essen. (Kauen und der Handhabung des Bestecks). Sie hat das gemeldet, damit man darauf achtet und eventuell das Essen anpasst.

Als sie am nächsten Tag kommt, trifft sie an der Tür die Pflegerin, die gerade das Tablett mit dem Essen abräumt. „Meiner Mutter geht es nicht gut. Ich glaube sie trinkt und isst nicht genug.“

Sagt die PFF: „Sie hat gerade gegessen“ – und deutet auf das abgedeckte Tablar.

„Hat sie wirklich gegessen?“

„Natürlich. Sie bekommt drei Mal täglich ihr Essen und genug zu trinken.“

„Schauen Sie mal unter die Abdeckung.“

Die PFF hebt den Deckel. Aufschnitt. Brötchen mit Käse und Schinken und ein Tupfen Quark. Vom Quark fehlte etwas, der Rest ist unberührt.

„Sie isst eben nicht. Sie stellen das hin und räumen es wieder weg und merken nicht einmal, dass sie gar nichts zu sich nimmt. Sie hat Schmerzen beim Kauen und sie hat Probleme mit den Händen und ist zu zurückhaltend, als dass sie nach Hilfe fragt. Ich habe schon bei früheren Besuchen angemeldet, dass sie möglichst weiches Essen braucht, aber das sieht nicht danach aus.

Dann war da der schizophrene Bruder einer unserer Patientinnen. Nach einem Unfall bei dem er die Rippen gebrochen hat und ins Spital musste, fand ihn seine Schwester bei einem Besuch nicht ansprechbar im Spitalbett. Die herbeigerufenen Pfleger und Ärzte mussten dann feststellen, dass er stark dehydriert war und auch seit Tagen auch nicht mehr gegessen hat. Auch hier wurde das Essen hingestellt und wieder abgeräumt. Dass er nicht gegessen und getrunken hat, hatte hier vielleicht weniger mit den Schmerzen als mit seiner Grunderkrankung zu tun, aber dass etwas nicht stimmt ist dort niemandem aufgefallen.

Ich weiss, wie wenig Zeit die Pflegenden für einen einzelnen Patienten im Spital haben und dass ein Teil dieser Zeit heute auch noch mit den notwendigen Dokumentationen aufgefressen wird. Ich finde das einfach mehr als Bedenklich. Vor allem, wenn ich daran denke, dass diese Dokumentation wohl eingeführt wurde, damit derartiges wie oben vielleicht nicht mehr passiert – und nicht nur zur korrekten Leistungsabrechnung. Dass das nicht die Endlösung ist, zeigt sich in dem oben. Ich bin sicher, da stand in der Dokumentation: Essen: Diätteller A. Essen gebracht um X Uhr. Gegessen bis XX Uhr.

Weniger Dokumentation und mehr Einfühlungsvermögen! Sowas wie oben kann doch nicht sein – und wie gesagt, ich weiss von mehr als nur den beiden Fällen.

Die Liste geht weiter. Einer Kollegin ist bei der Durchsicht der monatlichen Rechnung des Pflegeheims aufgefallen, dass bei ihrer Mutter immer noch täglich ein Kaffee für CHF 1.80.- verrechnet wird. Ihre Mutter ist seit 3 Monaten nicht mehr in der Lage selber zu essen und zu trinken – sie ist komatös und wird intravenös ernährt. Sie kann gar keinen Kaffee (oder sonstwas) noch selber trinken. Trotzdem bekommt sie ihn offenbar täglich hingestellt und wenn er kalt ist wieder abgeräumt?

Also rate ich heute Angehörigen ein Auge da drauf zu halten. Wenn das in dem Krankenhaus nicht so ist: super! Und wenn doch können sie hoffentlich einschreiten.

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Da steht *was* auf dem Rezept?!? (3)

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Da mache ich demnächst eine neue Serie draus, wenn das so weitergeht. Ihr dürft mir Eure „Fundstücke“ übrigens auch gerne mailen!

RpBouillon

Dafür, dass die Patientin bald 90 Jahre alt ist, geht es ihr gesundheitlich trotz Spitalaustrittsrezept nicht so schlecht – zumindest den Medikamenten nach. Schmerzmittel nur als Reservemedikation (und ziemlich niedrig dosiert), Blutdruckmedikament und Cholesterinsenker – Magenschutz und Vitamine (D und Folsäure), Mittel zur Stuhlregulation und Bepanthen in der Analregion (eventuell Analrisse?), ausserdem Schlafmittel (vernünftig niedrig) und etwas für’s Gedächtnis (Ginkgo) …

Nur scheint sie etwas Mühe mit dem Essen zu haben – oder wie erklärt sich die zuoberst verschriebene Bouillon sonst?

Das habe ich bis jetzt auch noch nicht gesehen. Leider wird die Gemüsebouillon und auch andere nicht von der Krankenkasse übernommen. Und aus medizinischer Sicht: ich dachte immer Hühnersuppe sei so gut? 🙂 … nicht, dass die übernommen würde …

Da steht was auf dem Rezept (2)

Da steht was auf dem Rezept (1)

Einnahmeunterstützung

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Der Patient, ein älterer, etwas komplizerter Herr (äHe) bekommt neu Marcoumar verschrieben. Er hat in der Vergangenheit eine Herzklappe ausgetauscht bekommen und nimmt schon Aspirin Cardio und Clopidogrel.

Dem Marcoumar gegenüber ist er aber sehr kritisch eingestellt, speziell, weil er nicht sein Leben lang wöchentlich zum Arzt rennen will wegen den dafür nötigen Untersuchungen zur Blutgerinnung.

Ich versuche ihm zu erklären, wie wichtig es ist, dass sein Blut genügend verdünnt ist und dass ihm deshalb wohl ein neuer Blutverdünner aufgeschrieben wurde, weil die anderen nicht ausreichen. Dass die Tests nur am Anfang häufiger sind, die Abstände danach aber länger werden …

Er will nicht. „Gibt es da keine Alternative?“

Pharmama: „Es gibt neue Wirkstoffe, da muss man nicht so häufig gehen … aber es ist nicht sicher, ob die geeignet sind für sie. Ausserdem … sind die einges teurer…“

äHe: „Ah. Könnten sie nicht mal nachfragen? Ich bin ja heute beim Arzt gewesen, aber … ich war so überfahren, ich habe mich nicht getraut.“

Das darf also ich.

Dann rufen wir mal in die Kardiologie an.

Besetzt.

Besetzt.

Besetzt.

Zurück zum Patient: „Ich erreiche sie nicht. Ich versuche es später noch einmal.“

Er geht.

Ich versuche es weiter.

Besetzt.

Ehrlich? Wie kann das sein?

Ich schicke einen Fax mit der Anfrage.

Es kommt nichts zurück.

Am nächsten Morgen schicke ich nochmals einen Fax und versuche anzurufen – es ist immer besetzt und keine Reaktion auf den Fax.

Ich wende mich über die Zentrale des Spitals.

Sie versucht mich zu verbinden – 2 x werde ich zurückgeleitet, da niemand abnimmt. Ich hasse Anrufe ins Spital.

Schliesslich verbindet sie mich mit dem diensthabenden Arzt im Notfall – es ist allerdings die Krankenkschwester, die abnimmt … und die ist reichlich gehetzt (Notfallstation, logo, verstehe ich auch).

Krankenschwester: „Ist das wichtig??“

Pharmama: „Ja, es geht um Blutverdünner, die sollte er wohl nehmen, oder?!“

Ich schaffe es ihr mein Anliegen zu erklären. Sie erklärt mir, dass sie es abklärt und zurück ruft.

Ich warte.

Eine Stunde später bekomme ich dann den Bescheid: Er soll unbedingt sein Marcoumar nehmen. Kein Ersatz. Falls er einen Ersatz will, soll er das bei der nächsten Kontrolle mit dem Arzt besprechen.

Ich informiere den Patienten und insistiere noch einmal, wie wichtig das ist, dass er es nimmt.

Er kommt es holen. Ich hoffe, er nimmt es auch …

Was soll ich tun? Beratung am Telefon.

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Am Samstag morgen bekomme ich ein Telefon von einer besorgten Mutter. So was ist immer am Samstag – dann ist der Arzt natürlich nicht erreichbar, was auch kleinere Probleme ziemlich verschärfen kann. Ihr Problem würde ich dabei nicht einmal als so klein einschätzen. Sie fragt mich, ob die Magenprobleme, Muskel- und Gelenkschmerzen von den Tabletten sein können, die ihr Sohn (im Schulalter) gestern genommen hat. Es handelt sich dabei um Methotrexat.

Das Medikament ist nicht ganz ohne – ein Chemotherapeutikum. Unter anderem ist es berüchtigt dafür, dass bei nicht korrekter Einnahme schon Todesfälle wegen Überdosierung aufgetreten sind. Ihr Sohn gehört zu denen, die das einmal wöchentlich nehmen müssen. Mehr hat er aber nicht genommen (gut!), tatsächlich war es das erste Mal, dass er sie nehmen musste.

Ich frage, ob er sonst noch etwas genommen hat oder was sie schon probiert haben. Nur das Folsäurepräparat, das man auch zum Auffangen gewisser Nebenwirkungen gibt (erst 24 Stunden nach der Einnahme des Methotrexates, um dessen Wirkung nicht zu beeinträchtigen) hat sie ihm inzwischen auch gegeben (gut).

Trotzdem klagt er über Beschwerden – und sie will von mir wissen, ob das von dem Medikament selber kommen könnte oder ob er vielleicht sonst krank wird. Es ist Erkältungs- und Noroviruszeit und es könnte auch das sein.

Ich frage sie noch ein bisschen aus. Anscheinend hatte er anfangs Woche eine Infusionstherapie. Was genau da verabreicht wurde, weiss sie jedoch nicht. Das finde ich jetzt etwas beunruhigend. Wenn das dasselbe Medikament war (das gelegentlich auch gespritzt wird) könnte es doch eine Überdosierung sein. Sie meint aber, dass derselbe Arzt das gemacht hat, der auch die Tabletten verschrieben hat und der hat gesagt, sie soll am Freitag beginnen.

In der Packungsbeilage stehen unter den Nebenwirkungen die beschriebenen Beschwerden. Und im Netz finden sich auch Fallbeschreibungen von Leuten, denen es ähnlich ging. Trotzdem gefällt mir das nicht wirklich.

Das Problem ist, dass die Nebenwirkungen zwar relativ häufig sind, sie aber auch den Symptomen der Überdosierung entsprechen. Ich weise sie auf die typischen Symptome hin, die bei Überdosierung auftreten: Kopfschmerzen, Übelkeit und auf Ulzera an der Mundschleimhaut (wie Aphten) soll sie achten. Falls das kommt, oder es nicht besser wird, soll sie zum Arzt. Bei Kindern bin ich lieber übervorsichtig.

Abends um halb 5 Uhr ruft die Mutter wieder an. Sie erzählt mir, dass ihr Sohn sehr abgeschlagen war und geschlafen hat bis kurz vorher. Jetzt ist er wach, erbricht aber.

Ich schicke sie ins Spital.

Das Wochenende über hirne ich, ob ich zu lange gewartet habe. Man will ja nicht übervorsichtig sein, die Beschwerden waren sehr allgemein, aber trotzdem … sowas beschäftigt einen doch sehr, auch wenn ich sonst nicht gerade jemand bin, der „Arbeit mit nach Hause nimmt“.

In der nächsten Woche rufe ich an, um nachzufragen.

Ein bisschen seltsam war das schon, denn einerseits bin ich zwar involviert in die Behandlung (immerhin hat er die Tabletten von uns und ich habe sie am Wochenende beraten), aber sie muss mir keine Auskunft geben. Ich hoffe trotzdem, dass sie es tut. Und natürlich, dass das nicht schlimm war …

Die Mutter erzählt mir bereitwillig, wie es gegangen ist. Der Arzt hat bestätigt, dass es die richtige Reaktion war, ins Spital zu gehen. Eine Überdosierung war es aber nicht – zum Glück. Es stellte sich dann als Beginn einer normalen Magen-Darm-Grippe heraus.

Unangenehm, aber bei weitem nicht so problematisch.

Er konnte dann eine Woche später mit dem Medikament normal weiterfahren .. und hatte auch keine solchen Nebenwirkungen mehr.

Puh.

Wenn Pflege krank macht – oder: weshalb es so wichtig ist, Pflegepersonal gegen die Grippe zu impfen

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Habt ihr gewusst, dass allein in der Schweiz jährlich zwischen 100 bis 300 Patienten an der Grippe sterben – die sie im Krankenhaus von Ärzten oder Pflegepersonal aufgelesen haben!? Und das eigentlich völlig unnötig, da es möglich wäre, die Mehrzahl der Ansteckungen zu vermeiden, wenn das Personal ausreichend geimpft wäre?

Leider sind die Impfraten des Gesundheitspersonals seit Jahren so tief, dass sich keine ausreichende Herdenimmunität erreichen lässt. Und das in den Spitälern, wo Ärzte und Pflege mit schon kranken und geschwächten Menschen arbeiten.

Weshalb ist das so?

Einerseits werden Krankheit und Mortalität der Grippe von den Leuten unterschätzt – und der Nutzen der Influenzagrippeimpfung angezweifelt. Dazu kommt, dass offenbar die Autonomie des Gesundheitspersonals als wichtiger eingestuft wird als ihre Fürsorgepflicht für die Patienten. Deshalb gibt es (selbst im Spital) noch keine Impfpflicht. Und eigentlich finde ich das wie meine Arzt-kollegin, die im Spital arbeitet und direkt Einblick in das Geschehen hat – als Verletzung der Sorgfaltspflicht. Hundert bis dreihundert Tote pro Jahr deswegen? In der Schweiz? Im Spital, wo man hingeht, damit es einem nachher besser geht? Skandalös.

Ganz offensichtlich funktioniert das nicht mit der Eigenverantwortung. Wahrscheinlich muss erst wirklich jemand sterben UND die Angehörigen den Zusammenhang erkennen und dann das Spital deswegen verklagen, damit das ändert.

Daten und Fakten:

Influenza (Grippe) ist eine Virusinfektion mit meist hohem Fieber und Krankheitsgefühl. Beim gesunden Erwachsenen führt eine Infektion nur selten zu Komplikationen, das Risiko steigt aber mit zunehmendem Alter rapide an. Zu den Komplikationen gehören Nasennebenhöhlenentzündungen, Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, zusätzliche bakterielle Infektionen, Herzprobleme und Beteiligung von Hirn- und Nervensystem. Wird man deswegen hospitalisiert beträgt die Letalität (Chance, dass man stirbt) bis 30%. Ist man schon im Spital auf der Intensivstation oder wegen einer Transplantation steigt die Letalität auf bis zu 60%. Die Zeitdauer zwischen Ansteckung und Symptomausbruch beträgt 1 bis 4 Tage – aber ansteckend ist man schon vorher. Das begünstigt die Verbreitung, vor allem im Spital, wo ein Pfleger für eine Vielzahl Patienten verantwortlich ist. Denn selbst wenn er/sie bei Ausbruch der Beschwerden zu Hause bleibt, ist das zu spät. Einige machen auch eine Grippeinfektion fast ohne Beschwerden durch – laut einer Untersuchung wurden bei etwa einem Viertel des nicht geimpften Klinikpersonals nach den Wintermonaten im Blut Hinweise auf eine durchgemachte Influenzainfektion gefunden … bis zu 60% davon erinnerten sich nicht mal an eine Atemwegserkrankung. Diese hatten also fröhlich weiter täglich direkten Kontakt mit Patienten … und haben sie angesteckt.

Die Grippeimpfung ist seit 70 Jahren die effektivste Massnahme zur Reduktion von Influenzaerkrankungen – sie schlägt die anderen Massnahmen wie Händehygiene, korrektes Verhalten beim Schnäuzen und Husten und auch Medikamente wie Tamiflu bei weitem. Beim gesunden, mittelalten Erwachsenen hat sie eine Wirksamkeit von 70 – 90% (leider weniger, wenn der Virusstamm nicht richtig „getroffen“ wurde) – ebenfalls schlechter sieht die Wirksamkeit bei älteren, gebrechlichen Patienten aus, wahrscheinlich wegen der eingeschränkten Immunantwort. Tatsächlich macht es (um diese Personen zu schützen) deshalb mehr Sinn, nicht diese zu impfen, sondern das Umfeld: eben jene gesunden, jüngeren, nicht nur in der Familie, sondern vor allem in Pflegeberufen. Bereits bei einer Impfrate von (nur) 45% der Pflegepersonals können laut einer Studie von Hayward et al von 2006 innerhalb einer Influenzasaison pro 100 Pflegeheimbewohner 5 Todesfälle, 2 Krankenhauszuweisungen (wegen fieberhaften Atemwegserkrankungen) und 7 Arztkonsultationen verhindert werden. Zur Vermeidung von einem (1) Todesfall müssten 8 Mitarbeiter geimpft werden. Zur Verhinderung einer Erkrankung 5 Mitarbeiter, zur Verhütung einer Arztkonsultation 6 und 20 um eine Hospitalisation zu vermeiden. Aber ausser dem Nutzen der Impfung für die Patienten kommt es zusätzlich zu einer Abnahme der Arbeitsausfälle des Personals um 42%.

Trotz dem belegbaren, wirklich guten Nutzen einer Grippeimpfung, sind die Impfraten schlecht. Für Deutschland liegen sie bei etwa 36% für das Gesundheitspersonal … die Mehrheit der geimpften sind dabei (wie in der Schweiz): Ärzte. Zum Erreichen einer Herdenimmunität und damit effektivem Schutz von Risikopersonen wären Impfquoten von mindestens 50%, idealerweise über 75% notwendig. Wer wissen will, wie „sein“ Spital da aussieht, kann hier nachschauen:

Gründe, die nicht-geimpftes Pflegepersonal dafür oft nennen, sind übrigens dieselben, die Impfgegner angeben … und sind durch die Bank wiederlegbar.

Das fängt an bei den Nebenwirkungen der Impfung selber (die sehr gering sind: meist milde entzündliche Reaktion am Injektionsort) – die restlichen beanstandeten Erscheinungen (teils üble Sachen wie Fehlgeburt, Gesichtsnervenlähmung, Sehnervenentzündung) liegen im selben Bereich wie sie in der vergleichbaren ungeimpften Bevölkerungsgruppe auftreten.

Die Wirksamkeit des Impfstoffes wird angezweifelt – dazu lese man einfach den Abschnitt oben noch einmal.

Die Impfung gebe dem Körper keine Möglichkeit einen „natürlichen“ (sprich „guten“) Schutz gegen die Krankheit aufzubauen. Dieser Aussage / Meinung fehlt die wissenschaftliche Grundlage und das entspricht einfach nur dem Trend, der sich in der Nachfrage nach Homöopathie und Alternativmedizin widerspiegelt (alles „künstliche“ ist schlecht)… und beim Pflegepersonal ist das etwas, das in meinen Augen auf die suboptimale Ausbildung bezüglich der biologischen Grundlagen und einer fehlenden Einführung in die evidenzbasierte Medizin zurückzuführen sein könnte.

Dabei sind Diskussionen hier oft schwierig, da man als Verfechter von Impfungen dann sehr schnell als Anhänger der bösen Pharmafirmen abgetan wird.

Da besteht also hoher Handlungsbedarf. Als Minimum sollten in besonders kritischen Bereichen wie der Neonatalogie (Neugeborenenabteilung), den Transplantationseinheiten und der Intensivstation wirklich nur noch durchgeimpftes Personal arbeiten dürfen. Für den Rest sollte auch auf der Normalabteilung während der gesamten Influenzasaison das Tragen eines Mundschutzes obligatorisch sein – egal, ob sie sich krank fühlen oder nicht. Dass das mit dem freiwilligen Impfen nicht reicht, zeigt sich eben in den hunderten Toten aufgrund nosokomial (im Krankenhaus) erworbener Infektionen – speziell der Grippe.

Ich habe mich auch wieder selber impfen lassen. Denn auch als Apothekerin gehöre ich zum Gesundheitssystem mit täglich einer Vielzahl Kontakte mit Patienten.

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(Wer sich für die den Zahlen zugrunde liegender Studien und Veröffentlichungen interessiert, darf gerne fragen. Ich habe hier darauf verzichtet, da das die meisten nicht interessiert, aber … das ist alles belegbar.)

Danke an meine Arzt-Kollegin Dr. B. für die Anregung darüber einmal einen Artikel zu schreiben. Er ist nicht als Arzt-/ Pflege- oder gar Spital-bashing gedacht, aber er ist provokant geschrieben, weil das Thema viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt!

Genau das, was ich im Spital hatte!

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Die etwas schwierige Patientin (Frau Chatterer: multimorbid, allergisch gegen fast alles, viele Medikamente) kommt aus dem Spital zurück mit einem Rezept für ihre offenen Hautstellen. Sie ist ziemlich übergewichtig und hat häufiger Hautprobleme, vor allem in den Hautfalten, wo sich im Sommer die Wärme staut und wenn man schwitzt, sich oft entzündet. Wegen dem ist sie nicht im Spital gewesen, aber das haben sie da mitbehandelt. Offenbar gut.

Auf dem Rezept steht eigentlich nur: Vliesstoffkompresse, 20×20 cm

Einfach genug, sollte man denken. Aber …

Frau Chatterer: „Es muss aber genau das sein, was drauf steht. Das, was ich dort hatte.“

Pharmama: „Diese Grösse sehe ich nicht. Das Grösste, was ich bestellen kann sind 10x20cm“

Frau Chatterer: „Dann nehmen sie die, ich hätte die anderen sowieso zusammengelegt. Aber es müssen ganz weiche sein!“

Pharmama: „Das sind die Vliesstoffkompressen: weich.“

Wir bestellen ihr die auf den nächsten Tag und bringen sie – denn sie ist nicht sehr gut zu Fuss und geht nicht gerne aus der Wohnung.

Am mittag kommt das Telefon von Frau Chatterer: „Das sind nicht die richtigen Kompressen!“

Pharmama: „Das sind Vliesstoffkompressen – wie der Arzt das verschrieben hat.“

Frau Chatterer: „Ja, aber das sind nicht die, die ich im Spital gehabt habe – die waren besser. Und grösser. Es muss genau die sein, die sie im Spital benutzt haben. Könnten sie nicht anrufen und fragen, was die dort nehmen?“

Ich versuche es. Wer meinen Blog liest, weiss, wie ungern ich mit dem Spital telefoniere.

Nach einigem Weiterverbinden lande ich auf der Station, auf der sie war. Ich bitte darum, in den Unterlagen nachzusehen, was das gewesen ist, aber bekomme nur die Auskunft, dass sie das Pflegematerial da nicht einzeln auflisten und sie mir das deshalb nicht sagen können. Nein, nicht mal, was sie so „allgemein“ verwenden.

Ich rufe der Patientin an, die mit der Auskunft … nicht so zufrieden ist.

Frau Chatterer: „Dann fragen sie doch den Arzt, den ich am Schluss hatte. Der hat das auch verwendet. Ich weiss noch, dass er sie immer von oberhalb des Lavabos genommen hat, da muss er dann nur rasch nachschauen, was das war.“

Sie gibt mir den Namen des Arztes und ich versuche es noch einmal.

Ich bekomme ihn tatsächlich ans Telefon und frage.

Fängt er tatsächlich an etwas herumzudrucksen.

„Ja, die Kompressen, die wir für zwischen die Hautfalten gebraucht haben … die habe ich von dem Schränkchen in der Toilette. Das sind so Tücher, die … ah … eigentlich zum reinigen des Lavabos verwendet werden …“

Pharmama: „….“

„Das ist ah – Reinigungsmaterial?“

Arzt: „Ja. Das kann man nicht verschreiben, deshalb habe ich die Vliesstoffkompressen aufgeschrieben.“

Pharmama: „Oookay. Danke für die Auskunft.“

Die gebe ich weiter – etwas entschärft. Und dass wir das nicht bestellen können, weil „Spezialmaterial“ fürs Spital.

Frau Chatterer: „Dann nehme ich halt weiterhin Papiertaschentücher wie vorher. Das geht auch.“

Na dann …

Vom Notfall

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Ein junger Mann kommt in die Apotheke und möchte etwas für sein schmerzendes Handgelenk, das er während der Unterhaltung mit der anderen Hand an sich gepresst hält. Nach etwas ausfragen stellt sich heraus, dass er es zumindest sehr beschädigt, vielleicht sogar gebrochen hat bei einem kleineren Unfall am Abend vorher.

Ich rate ihm in die Notfallstation vom Spital zu gehen, das anschauen zu lassen.

Er: „Da komme ich gerade her.“

Pharmama: „Was?“

Er: „Ja, Ich habe über 2 Stunden gewartet, bis sie ein Röntgenbild gemacht haben, dann habe ich nochmals 4 Stunden gewartet … und es ist niemand gekommen um etwas zu sagen, man hat mir nichts gegeben an Schmerzmittel, nichts. Da bin ich gegangen.“

Pharmama: „Oh. – Aber das Bild wurde gemacht?“

Er: „Ja.“

Pharmama: „Dann sollten Sie zumindest noch einmal vorbei die Diagnose abholen, an Schmerzmittel kann ich Ihnen etwas geben, aber vielleicht muss das …“

Er: „Ich kann aber nicht noch mal so lange warten. Kann ich nicht woanders hin?“

Man ruft rasch in die Walk-In-Klinik an um nachzufragen, wie die das sehen aber … die machen auch nichts, da er im Spital ja schon geröngt wurde – es bestehen Zweifel, dass die Krankenkasse das dann noch übernimmt.

Es bleibt ihm nichts übrig, als noch einmal im Spital einzuchecken.

Ja, mit einer gebrochenen Hand ist man kein absoluter Notfall … trotzdem …

Das ist ja cool: Apothekerblog hilft Arzt

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Ich lese dein Blog seit Jahren mit Begeisterung, auch dein Buch habe ich geradezu verschlungen. Ich selber habe Medizin studiert … und das Wissen, das ich von deinem Blog habe, hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht oder mir, äxgüsi, den Arsch gerettet. Das letzte Mal erst vor Kurzem, und ich möchte dir gerne davon berichten.

Diese Woche habe ich meinen ersten Nachtdienst. … Ich bin eigentlich auf der Chirurgie, aber in dem kleinen Spital, in dem ich arbeite, muss ich nachts alle Patienten betreuen, die aufschlagen, medizinische, gynäkologische, augenärztliche, was auch immer. Und eine davon war eine 15jährige, welche die Pille danach wollte.
Selber habe ich keine Ahnung von der Norlevo. Ich weiss, was es ist, wie es wirkt… Aber nun musste ich plötzlich auch noch ein Beratungsgespräch führen, die richtigen Fragen stellen, die richtigen Hinweise geben. Und sowas lernt man im Studium natürlich nicht. Aber ich lese ja dein Blog, und du hast schon mehrfach darüber geschrieben – und deshalb haben wir es dann auch einigermassen gut über die Bühne gebracht. Das hat mir etwas Sicherheit gegeben an einem Abend, an dem ich sowieso schon nervös war. Deshalb wollte ich mich dafür bedanken.

Wow. Bitte, sehr gern geschehen!

Wer nachlesen will, wie das gegangen ist (und das ist lesenswert und für eine Pille danach -Beratung wirklich herzig) kann das hier:

-der Blog  kommt auch in meine Patientenliste. Cool.

Algebra-Rezept?

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Mysteriöses Rezept, das ich im Oktober gefaxt bekommen habe:

rpnadeln

Was ich entziffert habe: S + N + A2N

Das ist alles. Ansonsten hat es den Patientennamen drauf und wer es ausgestellt hat und das war’s. Ich habe dann zur Klärung angerufen, weil ich mit dem Algebra nach dem es aussieht oder besser gesagt, den Abkürzungen die das wohl sein sollen nichts anfangen kann.

Habt ihr eine Idee, was gemeint war?

(Das Rezept war von einem Spital – ich konnte ihr dann leicht klarmachen, dass Abkürzungen auf dem Rezept ein echtes „no go“ sind. Vor allem Spitalinterne Abkürzungen.)

Beschaffungsprobleme – Krankenhausvariante

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Heute mal was anderes: ein Gastbeitrag einer deutschen Krankenhaus-Apothekerin! Besten Dank an Biene dafür:

Es ist Mittwoch und ich habe seit heute Bereitschaftsdienst. Da ich in einer Krankenhausapotheke arbeite, muss ich nicht vor Ort sein, sondern bin über ein Handy erreichbar. Das wandert zwischen uns Apothekern, so dass jeder mal für mehrere Tage am Stück dran ist. Die meisten „Notfälle“ passieren irgendwie immer am Wochenende, so dass ich eigentlich entspannt bin, bis es um halb sieben abends vor mir auf dem Tisch  piepst.

Eine Ärztin von der Inneren Station ist dran: „Hallo, sind sie die Kollegin, mit der ich heute schon mal wegen der Dialyse-Lösung telefoniert habe?“

Nein, daran könnt ich mich erinnern.

Sie erzählt mir, dass sie einen Patienten aus der Gegend mit einer Bauchfelldialyse (Peritoneal-Dialyse = PD) auf Station haben. Seine Familie hat ihm leider keinen einzigen Beutel seiner speziellen PD-Lösung mitgebracht.

(Einschub von mir: wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, muss man , heute geht das meist mittels Blutwäsche: eine Maschine filtert das mühsam 2-3 x pro Woche im Spital raus. Es geht aber auch mittels solcher Dialysebeutel zu Hause: die enthalten eine konzentrierte Lösung, die man täglich in den Bauchraum appliziert und nach ein paar Stunden wieder entfernt. Ich habe davon bisher nur theoretisch gehört)

Sie konnten sich schon zwei der Beutel in der Dialyse-Praxis im Haus borgen und dachten, das würde bis zum nächsten Tag reichen. Jetzt haben sie aber festgestellt, dass der Patient nicht nur einen dieser Beutel pro Tag braucht, sondern VIER! So dass sie für den nächsten Morgen nichts mehr haben. Parallel zu ihrer Erklärung, hatte ich schon mal online gesucht und die PD-Lösung beim Hersteller gefunden. Leider ohne Angabe der tollen Pharmazentralnummer (PZN) mit der ich schneller suchen und bestellen könnte.

„Ich geh mal auf die Suche, ich ruf Sie gleich zurück!“ vertröste ich sie.

Kurzer Check bei unseren Großhändlern, zum Glück geht das online: nix zu finden, egal wie ich suche.  Also rein in die Apotheke und ran an den Computer. Auch unser Taxx-Programm spuckt mir nichts aus. Also telefonier ich mit den Großhändlern. Herrlich, dass die netten Damen so lange da sind. Die finden irgendwann zwar die PD-Lösung, die ich brauche, haben sie aber nicht vorrätig. Bei der Firma ist natürlich abends um sieben keiner mehr erreichbar. Ich telefoniere noch mal kurz mit der Ärztin, um sie auf den neusten Stand zu. Um mir diese ominösen Beutel selber mal anzuschauen und nach Informationen zu suchen, flitze ich rüber auf die Station. Die Schwester dort, ist schon etwas verzweifelt, aber noch ruhig und humorvoll. Es gab wohl etwas Ärger mit der Familie, weil die keine Beutel abgeben wollen/können. (Wir würden die natürlich ersetzen, brauchen dafür nur etwas mehr Zeit, als zwölf Stunden über Nacht) Auch ein kurzes Gespräch mit dem Patienten bringt mich nicht  wirklich weiter.
Nur um sicher zu gehen, durchforste ich noch unser Lager mit den Infusions- und Dialyselösungen, finde aber, natürlich, nichts Passendes. Inzwischen ist es halb acht abends und mir gehen die Optionen aus. Die diensthabende Ärztin hat gewechselt, weiß aber zum Glück Bescheid. Ich erkläre die verfahrene Situation und verspreche, morgen früh weiter zu suchen, wenn ich auch wieder jemanden bei der Firma und der Dialyse-Praxis erreiche. Das  findet sie in Ordnung, zumal eh unklar ist, ob der Patient bleiben kann. Huch

Sie erklärt mir, dass seine Probleme möglicherweise zu schwer sind, als dass wir die behandeln können. Vielleicht wird er in ein größeres Krankenhaus verlegt. Das wird morgen entschieden. Außerdem sind seine Nierenwerte so schlecht, dass eh fraglich ist, ob diese Dialyseart geeignet ist. Oha

Ich fahr also wieder nach Hause und telefonier noch kurz mit der Station, um auch die Schwester auf morgen zu vertrösten. Nach einer unruhigen Nacht sitze ich früh wieder in der Apotheke und suche weiter. Ich erreiche die Dialyseklinik in einem benachbarten Krankenhaus. Die haben glücklicherweise diese Dialyselösung da und sind auch bereit uns welche zu borgen. juhu

Die Ärztin freut sich und verspricht sich zu melden, wenn sie in der Dienstübergabe beschlossen haben, ob der Patient bleibt. Eine Stunde später ruft ihr Kollege an und meint, sie bräuchten da diese Desinfektionskappen für diese Peritoneal-Dialyse.

„Ähm… bleibt denn der Patient? Ich muss die erst organisieren, wir haben die nicht vorrätig. Ihre Kollegin wollte mir Bescheid geben, ob es gebraucht wird oder nicht.“

Herr Doktor: „Deswegen ruf ich ja an. Er bleibt, wir brauchen das. Und auch die Lösung.“

„Wie lange bleibt er? Wie viel brauchen wir denn?“ frage ich ihn.

Herr Doktor: „Bis morgen auf jeden Fall, länger weiß ich nicht. 4 Beutel pro Tag“

Gut, ich rufe also bei der Dialyseklinik an und schicke ein Taxi, welches uns die Beutel und die Kappen abholt. Danach telefoniere ich mit der Firma und bestelle die PD-Lösung und diese Desinfektionskappen zum nächsten Morgen. Etwas später trage ich die geborgten Sachen rüber zur Station. Dort steht schon die Schwester vom Vorabend strahlt mich an und  freut sich über die Ware. Hier erfahre ich auch, dass gerade Visite ist und dort geklärt wird, ob der Patient übers Wochenende bleibt. Wir werden wohl wieder telefonieren.

Tatsächlich ruft sie gegen Mittag an. Der Patient bleibt bis Montag, dann wird wieder entschieden. Zwei Beutel mussten sie an unsere Dialyse-Praxis zurückgeben, es wird also wieder knapp. Aber die Tochter des Patienten wollte doch noch welche rumbringen. Ich telefoniere also wieder mit der Firma und ordere noch mal vier Kartons. Das sollte bis Dienstag reichen, sofern es pünktlich da ist.

Es klappt. Alles ist rechtzeitig da und geht fix auf die Station. Wochenende

Sonntag ruft dann die Intensivstation an. Sie brauchen da diese Dialyselösung.

Was? Welche? Hilfe!

Natürlich brauchen sie eine andere als die Innere Station und natürlich haben wir nichts mehr an Lager. Alles was wir da haben, bringt ihr nichts. Ich erklär ihr, dass ich nicht weiß, wo ich jetzt noch was herholen soll. Die Firma ist nicht erreichbar, der Großhandel hat so was nicht, die Dialyseklinik ist zu und ich kenn keine externe Station, die so was nutzt. Die Intensivschwester ist nicht glücklich, nimmt es aber so hin. Kurz danach ruft sie wieder an.

Wir könnten uns in der nächsten Uniklinik was borgen, sie hat das dort mit der Station geklärt.  Hm, nicht der übliche Weg, aber ok.

Ich organisier also wieder ein Taxi, warte auf selbiges und bringe alles zur Intensivstation.

Am Montag telefonier ich wieder mit der Inneren Station, auf der unser PD-Patient liegt. Ich bekomme zu hören, dass er noch bleibt, dass aber noch 4 volle Kartons da sind. Ich wundere mich kurz und hoffe einfach, dass die Familie was mitgebracht hat und deswegen noch so viel „über“ ist.

Mit der Uniklinik will ich noch die „Rückgabe“ der geborgten Dialyselösung für die Intensivstation klären. Die ist, natürlich, nicht mehr lieferbar. Also versuche ich dort gefühlten 20 Personen in verschiedenen Abteilungen zu erklären, dass sie uns eine Rechnung stellen. Am Ende lande ich dann in der dortigen Apotheke, (das wär auch schneller gegangen) die das Verfahren doch sehr seltsam findet. Ja ich auch, aber anders ging es nicht. Die Beutel die noch lieferbar sind, sind kleiner und nun muss ein Techniker die Dialysemaschinen auf unserer Intensivstation darauf neu einstellen. Was für ein Aufwand.

Donnerstag ruf ich wieder auf der Inneren Station an, denn wenn wir noch PD-Lösung fürs Wochenende brauchen, sollte ich heute bestellen. Leider ist der Patient verstorben und jetzt stehen noch 4 Kartons auf Station rum. Mist

Das ist die unerfreulichste Variante des Chaos bei uns. Meist organisieren wir mühselige irgendwelche Arzneimittel, die schwer zu bekommen sind und wenn es dann da ist, wurde der Patient entlassen oder verlegt. Nicht immer bekommen wir das dann mit. Oft erst, wenn das Arzneimittel als „Retoure“ wieder bei uns in der Apotheke landet. Natürlich zu spät, als dass wir es noch zurück an die Firma bzw. den Großhändler geben könnten.

In diesem Fall, hat uns die Dialyse-Klinik die Lösungen abgenommen. Die können sie ja zum Glück gebrauchen.

Ach ja: Solche „Sonderfälle“ passieren zu gefühlten 99% am Wochenende oder 2 Minuten  vor Dienstschluss.