Dolmetscher – Service

In die Apotheke kommen 3 Personen: ein junges Pärchen und dazu eine junge Frau. Sie stellt sich als Freundin des Pärchens vor.

Freundin: „Ich bin hier um zu dolmetschen. Die beiden verstehen nicht sehr gut deutsch.“

Pharmama: „Okay. Was ist das Problem?“ 

Es muss ein Problem geben, ansonsten würden sie nicht gleich zu dritt hoch hier stehen.

Freundin: „Also das ist so. Die beiden sind frisch verheiratet. Meine Freundin hat zum ersten Mal im Leben die Pille verschrieben bekommen. Ende letzten Monat (das ist jetzt etwa 2 Wochen her) hatte sie die Periode. Am 9. dieses Monats (also vor 4 Tagen) nimmt sie die erste Pille ...“

Oy. Sie hat also schon falsch mit der Pilleneinnahme begonnen. Anfangen tut man nämlich am 1. Tag, an dem man die Periode bekommt.

Freundin (weiter): „…Am gleichen Tag hat sie mit ihrem Mann geschlafen …“

Zweiter Fehler: die Pille braucht etwa 1 Woche, bis sie wirkt.

Freundin (weiter): „Und jetzt fragt sie sich, ob sie schwanger sein könnte …“

Yup. Von der Zeit und den Umständen gut möglich.

Freundin (weiter):„… und ob sie dann die Pille weiter nehmen soll – da das ja nicht gerade gesund ist für das Kind, wenn sie schwanger sein sollte.“

Au ja. Im Moment wissen wir noch gar nicht, ob sie schwanger ist – auch wenn es im Bereich des Möglichen liegt. Für die Pille danach ist es schon zu spät. Für den Schwangerschaftstest zu früh … Da bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten. Die normale Pille würde ich aber absetzen … und wenn sie die Periode bekommt -richtig starten. Ich denke, die wichtigste Frage hier lautet: Wie schlimm ist es für sie, wenn sie schwanger ist? (Ich glaube herauszuhören, dass das nicht so tragisch wäre). Auf jeden Fall empfehle ich ihnen einen Besuch beim Frauenarzt  – diesmal am besten mit der Freundin als Dolmetsch – Hilfe. Damit so etwas wie oben nicht mehr passiert.

– hast Du noch ein Plätzchen frei?

Unverständnis des Tages

Bei der Diskussion mit einer Schwangeren mit Husten:

Pharmama: „Es wäre besser, sie würden aufhören zu rauchen. Nicht nur wegen dem Husten, auch für das Baby.“

Frau: „Nein. Ich höre nicht auf zu rauchen, auch in der Schwangerschaft nicht. Dann hat man eine viel leichtere Geburt.“

Grrrrr. Wegen dem Sauerstoffmangel ist das Kind in der Entwicklung verzögert und hat ein leichteres Geburtsgewicht. Darum die „leichtere“ Geburt. Schön für die Mutter. Nicht schön für das Kind – das ausserdem danach auch eine viel höhere Wahrscheinlichkeit hat für Atemwegserkrankungen und Asthma.

Aber diese Vorzeigemama hat schon 2 Kinder – und so ich weiss hat zumindest das eine auch öfter mal eine Bronchitis. Es ist noch nicht ganz 5 – und darum „darf“ man noch nicht von Asthma reden.

Aber so eine Einstellung – ich finde sie unverantwortlich. Me first – und nach mir die Sintflut.

Schwangerschafts-Schwindel?

Eine jüngere Frau fragt mich in der Apotheke „Haben Sie mir ein Mittel gegen Übelkeit?“

Pharmama: „Für was brauchen Sie es: Reisekrankheit?, Schwangerschaft?…“

Frau: „Fast. Ich mache Kopfstand um die Chancen zu erhöhen, schwanger zu werden und dabei wird mir immer schwindelig …“

:-)

Die zahlen das einfach nicht!

Ehrlich, das ist mir ein Rätsel, warum die Krankenkasse Groupe Mutuel da so einen Aufstand macht.

Der Fall:

Die Frau bekommt in der Schwangerschaft Magnesiocard Pulver 5 verschrieben. Das kommt noch häufig vor: das Magnesium dient dazu frühen Wehen vorzubeugen, wirkt es doch Muskelentspannend und Krampflösend.

Die Krankenkasse weigert sich, das zu übernehmen.

Ihre Begründung: Magnesiocard Pulver 5 Beutel ist ein Medikament, das in der Schwangerschaft zu Schwangerschaftskomplikationen gehört und in dem Fall muss sie selber zahlen (da sie die Franchise noch nicht erreicht hat).

Ihre Begründung findet sich hier bei erklärt

Mutterschaft – umfasst Schwangerschaft und Geburt sowie die Zeit nach der Geburt (Wochenbett und Stillzeit). Auf Leistungen bei Mutterschaft muss in der obligatorischen Grundversicherung weder Franchise noch Selbstbehalt bezahlt werden.
Dies gilt aber nur für die Leistungen, die im Krankenversicherungsgesetz konkret aufgezählt sind, also Kontrolluntersuchungen, Ultraschallkontrollen, Geburtsvorbereitungskurs, Entbindung, Betreuung durch eine Hebamme und Stillberatungen.
Hingegen fallen Therapien und Medikamente im Zusammenhang mit Komplikationen unter Franchise und Selbstbehalt. Dies ist im September 2001 vom Bundesgericht so festgehalten worden. Das betrifft z.B. die Hospitalisation zur Vermeidung einer Frühgeburt, die Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes und Infektionen oder eine psychotherapeutische Behandlung von Depressionen nach der Geburt ….

Magnesiocard ein Mittel gegen Schwangerschaftskomplikationen?

Fangen wir doch von vorne an. Mal abgesehen von der Schwangerschaft: Welche Arzneimittel werden aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bezahlt? (Quelle: BAG)

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung bezahlt sämtliche Arzneimittel, die ärztlich verordnet sind, im Rahmen der zugelassenen Indikationen/Anwendungen gemäss Packungsbeilage verwendet werden und in der Liste der vergütungspflichtigen Spezialitäten (Spezialitätenliste SL) aufgeführt sind. Die Kostenübernahme von Arzneimitteln der SL kann auf bestimmte medizinische Indikationen oder mengenmässig eingeschränkt werden (sogenannte Limitationen, in der SL als Limitatio L gekennzeichnet).

  • Verordnung vom Arzt: Rezept  ✔*Check!*
  • Magnesiocard 5, 10 und 7.5 findet sich auf der  ✔*Check!*
  • Limitationen hat es keine  -✔*Check!*
  • Indikation laut Kompendium:
Therapie des Magnesium-Mangels, verursacht durch z.B. Fehlernährung, Diuretikatherapie, Diarrhoe, Alkoholabusus; Tachykarde Herzrhythmusstörungen, vor allem bei Resistenz gegenüber anderen Antiarrhythmika;
Adjuvans zu Beta-2-Tokolytika bei Prodromi frühzeitiger Geburt resp. drohendem Spätabort;
zur Deckung eines erhöhten Bedarfs im Hochleistungssport und während der Schwangerschaft; ✔
Therapie der Eklampsie, Präeklampsie und des tetanischen Syndroms.
Wadenkrämpfe, Muskelzuckungen, restless legs
*Check!*
Ein erhöhter Bedarf ist doch keine Komplikation! 
Ich kann auch aus Erfahrung sagen, dass die meisten Krankenkassen das anstandslos übernehmen – und ich sehe hier in dem Fall nicht, wieso die „groupe mutuel“ das nicht macht. Mal abgesehen davon, dass ich die Erklärung fadenscheinig finde, halte ich das für sehr unkulant gegenüber der werdenden Mutter. Ich merke mir das jedenfalls als „schlechte“ Krankenkasse – wenn jemand schwanger werden möchte.
Haben andere damit schon Erfahrungen gemacht?

Was wird es denn?

Männlicher Kunde in der Apotheke zu anderer Kundin, die ganz offensichtlich schwanger ist:
„Was für ein Sternzeichen wird es denn?“

die Kundin ist baff, fängt sich aber rasch wieder. „Ich glaube … Zwillinge?“

Hat Euch das mal jemand in der Schwangerschaft gefragt? Fragen nach dem Geschlecht des Kindes und wann der Geburtstermin ist, das ist ja üblich, aber …. das Sternzeichen?

Kontraindikationen und Schwangerschaft

Weil wir Apotheker nicht (mehr) dazu kommen alle Rezepte selbst auszuführen, haben wir unseren Helferinnen beigebracht, wenn sie uns das Rezept zur Kontrolle zeigen, noch jeweils ein paar Zusatzinformationen zum Patienten zu sagen: Ob er/sie das Medikament schon einmal hatte, falls ja: wann (das ist zurm schauen wegen Missbrauch), angezeigte Wechselwirkungen und -ganz wichtig: Allergien und ob „sie“ schwanger ist.

So bringt mir die eine Pharmaassistentin letzthin ein Rezept für Androcur. Die Frau hatte es schon mehrmals (eine Repetition auf ein Dauerrezept), keine Wechselwirkungen.
Als die Kundin weg ist, kommt die Pharmaassistentin wieder zu mir und sagt: “Als sie wegging … also, ich bin nicht sicher, ob sie nicht etwa schwanger ist.“
Au, Mist! Das Androcur sind Hormone und in der Schwangerschaft darf man sie nicht nehmen. Gut, sie sollte / könnte es wissen, aber sicher können wir nicht sein.

Das gab ein – eher peinliches – Telefon.
Nun gut, lieber so …

Sie war es dann übrigens nicht. Sorry für die Störung!

Puh.