Machen wir es kompliziert: Pille danach

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Ich bin wieder zu Hause und noch am Fotos sortieren von den Ferien, aber ich habe Euch einen Fall mit der Pille danach, den wir vor ein paar Wochen hatten.

Da war eine Frau die auf gar keinen Fall Schwanger werden will. Sie war deshalb nach dem Vorfall (lies: ungeschütztem Geschlechtsverkehr) in einer Apotheke, wo sie nach der Beratung auch die Pille danach bekommen hat. Offenbar die Norlevo, weil die Apotheke die andere nicht da hatte und es auch keine Gegenanzeige gab: Die Frau ist weder übergewichtig noch war es zu lange her.

Trotzdem fand sie nach googeln zu Hause, dass sie lieber die andere genommen hätte.

– Meiner Meinung nach leistet da ja die Pharmafirma ganze Arbeit um die Leute (Fach- und Laien) auf die Ella One umzupolen. Die ist immerhin auch teurer, aber … oft ist das gar nicht nötig die zu nehmen. Die Norlevo tut es genau so.

Jedenfalls ist die Frau deshalb dann in eine andere Apotheke gegangen und hat die Ella One bekommen und genommen.

Ich weiss nicht, was sie der Apothekerin dort erzählt hat … laut unseren Unterlagen sollte man im Fall einer Wiederholung innerhalb desselben Zyklus (egal aus was für Gründen) nämlich dieselbe Pille wieder nehmen.

Und dann steht sie hier bei mir, in der dritten Apotheke, und fragt sich (und mich), ob sie vielleicht noch eine braucht, denn: hebt die Ella One nicht die Wirkung der Norlevo auf?

Nun – von mir hat sie da jedenfalls keine mehr bekommen, da ich da eher einen Besuch beim Frauenarzt angebracht sah.

Nicht ganz einfach so etwas. Ich gebe die Pille danach nach Beratung heraus, vielleicht auch lieber einmal zu viel als zu wenig, aber der Fall hier benötigt nach all dem doch etwas mehr Intervention als ich tatsächlich geben kann.

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Verwirrende Pille danach Beratung

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Die Kundin mit Kinderwagen braucht „die Pille danach“.

Dass das interessanter wird, kann man sich denken, aber nichts bereitet einen auf das vor, was dann folgte. Gut, die Frau war … etwas sehr simpel. Verständnisprobleme nicht wegen einer Sprachbarriere.

Wir müssen ja diverse Sachen abklären vor der Abgabe.

Apothekerin (Ap): „Wann war der ungeschützte Geschlechtsverkehr?“

Frau: „Freitag Abend … denke ich.“ (3 Tage her)

Ap: „Stillen Sie noch?“

Frau: „Nein. Ich habe die Stillpille, keine Ahnung, wie die hiess.“

Ap: „Sie nehmen die Pille? Die Cerazette oder derartiges?“ – das ist eine Pille, die man gerne zur Verhütung in der Stillzeit verschreibt. „Wenn ja, brauchen Sie keine Pille danach …“

Frau: „Aber ich komme direkt vom Frauenarzt. Der hat noch nichts gesehen – also ich bin nicht schwanger. Und er hat gesagt, ich soll sie nehmen.“

Jetzt bin ich vollständig verwirrt. Wie kann man 3 Tage nach dem Geschlechtsverkehr etwas oder nichts sehen? … Und auch, weshalb er die Pille danach nicht grad selber verschrieben hat? Ich meine … wenn sie schon dort ist?

Also rufe ich dem Frauenarzt an, das abzuklären und erfahre folgendes von der sehr amüsierten Praxisgehilfin: Zuerst einmal wisse die Frau nicht so genau, wann das Kondom geplatzt ist. Die „Stillpille“ entpuppte sich als „Abstillpille“ vor gut 8 Wochen … und ausserdem wäre es besser, nichts zu glauben, was die Frau erzählt. Anscheinend hat der Arzt bei ihr aber einen Schwangerschaftstest gemacht – schwanger sei sie noch nicht.

Nach Absprache mit der Praxis hat die Frau dann Ellaone bekommen, wobei sie meinten, das wäre eh egal, was ich ihr gebe.

So macht Beratung keinen Spass. Der Fragebogen erhält mehr Fragezeichen als Antworten – den Arztkontakt habe ich sehr genau festgehalten.

Das war … seltsam.

(Begegnung übernommen von einem Beschrieb auf Facebook … ja, so gibt es das auch).

Mehr Beratungen zur Pille danach:

Pille danach via den Arzt

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Die junge Frau mit Baby im Kinderwagen kommt in die Apotheke zu meiner Pharmaassistentin. Im Moment bin ich am herumtelefonieren und gleichzeitig dabei mit telefonischer Hilfe unser akutes Dosierungsetiketten-Drucker-Problem zu lösen, deshalb findet die ganze Begegnung hauptsächlich zwischen der Frau und meiner Pharmaassistentin statt.

Frau: „Haben Sie die Pille danach? Wieviel kostet die?“

Donna: „Ja, die haben wir. Es gibt sie nach einem Beratungsgespräch mit der Apothekerin. Dabei schaut sie auch, welche geeignet ist. Die eine kostet 40 Franken und die andere 50 Franken.“

Frau: „Und wenn der Arzt ein Rezept schickt?“

Donna kommt mich fragen – ich (immer noch am Telefon) zeige ihr, wo ich das festgehalten habe. Dass wir dafür ein Rezept bekommen, kommt so gut wie nicht mehr vor.

Donna zur Frau: „Dann ist die eine 31 Franken und die andere 41 Franken … aber …“ (sie wird unterbrochen):

Frau: „Oh, das ist gut. Ich habe nämlich ein Rezept verlangt. Es sollte gleich kommen.“

Sie setzt sich hin um zu warten, Donna löst ein, zwei Krankenkassenprobleme, dann kommt das Fax vom Arzt.

Für Ella One.

Ich schaue auf das Rezept und schüttel den Kopf. Das ist das teurere Produkt und … ich weiss ja nicht, wie lange es her ist, da sie ja offensichtlich die Beratung durch mich nicht wollte, aber … „Hast Du nicht gesagt, sie hat ein kleines Baby dabei? Stillt sie noch?“

Donna: „Das weiss ich nicht. Aber ich werde sie darauf hinweisen, dass man bei dieser Pille danach die Milch abpumpen muss … wie lange?“

Pharmama: „Eine Woche. Ich hätte wahrscheinlich die andere gewählt. Bei Norlevo hätte sie nur 6 Stunden Stillpause machen müssen“.

Ich visiere das Rezept, Donna geht nach vorne und kommt nach kurzer Diskussion wieder zurück: „Sie will die. Und auch gleich nehmen. Aber sie kann nicht zahlen.“

Pharmama: „Echt jetzt?“

Donna: „Ja, sie dachte, mit Rezept zahlt das die Krankenkasse.“

Pharmama: „Nein…“

Donna: „Ich weiss. Ich sage ihr, sie soll etwas hierlassen, zum Beispiel ihre Identitätskarte und dass sie die zurück bekommt, wenn sie es bezahlt.“

So machen wir das.

Ich habe glaube ich schon einmal erwähnt, dass wir mit uns reden lassen wegen dem Preis, wenn der ein Problem darstellen sollte. Ich kann bis fast zum Ankaufspreis runter gehen – ganz darauf verzichten, dass es bezahlt wird, kann ich allerdings nicht.

Ich frage mich auch, ob ihr bewusst ist, dass der Arzt für das Ausstellen des Rezeptes im Normalfall auch etwas verlangt. „Kurze telefonische Konsultation“ und vielleicht noch „Ärztliche Leistung in Abwesenheit des Patienten“ – ich würde sogar behaupten, dass das im Endeffekt teurer kommt als die Beratung durch mich in der Apotheke.

Und ich hoffe (für sie) ernsthaft, dass der Arzt sich auch wirklich die Zeit genommen hat, die paar wichtigen Fragen zu stellen. Ich muss davon ausgehen – immerhin hat er ihr das Rezept ausgestellt. Und das sollte man nicht, ohne die Patientin und die Umstände zu kennen. Es war ihr Frauenarzt – da sollte man meinen, das ist so. Mich erstaunt aber trotzdem die Wahl. Nicht nur wegen dem Preis. Wenn sie noch stillt und das noch unter 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr ist, hätte ich die Norlevo empfohlen.

Wollt ihr mehr lesen über die Pille danach in (Pharmamas) Apotheke?:

Auch „vom Fach“

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Pille danach Gespräch am Samstag nachmittag.

Ein Pärchen Mitte 20, die Frau war erst etwas unwillig: weshalb sie das erst nach einem Gespräch mit der Apothekerin bekommt, ob das wirklich nötig sei?

Ja. Ist es.

Es fängt eigentlich ganz normal an – die Frage der Kundin nach dem Zyklus, und ob die Pille danach da wirklich nötig ist … hatten wir ja schon öfter. Sie geben mir dabei die interessante Nebeninformation, dass sie „auch vom Fach“ sind –  offenbar beide in medizinischer Ausbildung. Okay … dann könnten sie das vielleicht auch so wissen.

Lustig wird es bei der Frage: weshalb wird die Pille danach gebraucht? Weil das Kondom kaputtgegangen ist. Klassiker. Aber dann will sie genau wissen, weshalb das jetzt das dritte Mal bei diesem Freund passiert ist … und noch nie bei den anderen, die sie hatte … TMI und: Kann ich auch nicht sagen. Vielleicht sollte sie die Kondommarke wechseln oder mehr Gleitmittel benutzen?

Und weiter geht es mit der Frage nach anderen Medikamenten.

Ja, sie nimmt Isotretinoin.

Vollbremsung.

Pharmama: „Was?“

Mann: „Ja, seit ein paar Wochen hat sie das. Wegen der Akne.“

Pharmama: „Und sie verhüten nur mit Kondom?“

Beide: „Ja, wieso?“

Pharmama: „Weil man bei diesem speziellen Medikament auf gar keinen Fall schwanger werden darf (wegen Missbildungsgefahr)! Deshalb ist auch in der Packungsbeilage deutlich geschrieben, dass man doppelt zu Verhüten hat – also mit Kondom und Pille, damit nichts passiert! Die Pille danach zählt auch hier nicht zu Verhütungsmethoden.“

Oh, das hätten sie bisher noch nicht gewusst und gesagt sei ihr das auch nicht geworden … sie habe sich das aber auch praktisch von einem Kollegen verschreiben lassen. (Implizierend vielleicht: der hat gedacht, sie wüsste das und deshalb nichts gesagt?).

Ich habe ihnen die Pille danach abgegeben und ihr dringend geraten, per sofort und in Zukunft auch die normale Pille dazu zu nehmen – und den Frauenarzt aufzusuchen, wenn die Periode sich nicht einstellt.

Zur Erläuterung: Ich weiss nicht, was sie mit medizinischer Ausbildung genau gemeint haben. Waren es Medizinstudenten oder schon im Assistenzjahr? Vielleicht auch Pflegepersonal? Ich weiss es nicht, Aber was ich weiss ist, dass wir in der Apotheke wirklich besser Bescheid wissen über so manches Medikament. Isotretinoin sollte übrigens nur von einem Arzt verschrieben werden, der sich wirklich damit auskennt: ein Hautarzt – und der vorher die zahlreichen Gegenanzeigen durchgegangen ist. Das Medikament ist echt nicht ganz ohne.

Dazu passt auch Apothekentheaters abschliessende Worte zu ihrem Beitrag (in dem sie auch Isotretinoin erwähnt): Apothekenpflichtige und verschreibungspflichtige Medikamente gehören bei der Abgabe an den Endverbraucher in kundige Hände! Und das sind die Apotheker.

Von ungeplantem (Sex)Besuch

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Letztens hatte ich eine längere Pille danach Beratung mit einer ziemlich selbstkritischen Frau über 40, die sich geisselt, weil sie offenbar nicht Nein sagen konnte.

Die Beratung selber wäre ja nicht mal so lange gegangen, aber in dem Fall habe ich wohl zusätzlich als psychologischer Mülleimer gedient.

Hintergrund: Ihre Internetbekanntschaft, mit der sie schon länger flirtet, steht auf einmal abends vor der Hautüre – obwohl sie das nicht wollte. Anscheinend hat sie ihn vorher auch noch nie getroffen und offenbar sieht er nicht mal so aus wie auf dem Profilbild (aber das ist hier Nebensache). Jedenfalls lädt er sich – da ja so weit weg von zu Hause und jetzt extra hierhergekommen … einfach zu ihr in die Wohnung ein .. und ja, offenbar auch ins Bett.

Es kam zu Sex (sonst wäre sie kaum zu mir gekommen), und dabei ist dann wohl auch noch das Kondom abgerutscht …

Jedenfalls sass sie bei mir und macht sich Selbstvorwürfe, dass sie etwas getan hat, wovor sie ihre eigene Tochter (!), die sie inzwischen alleine erzieht, immer gewarnt hat … und schwanger werden will sie auf keinen Fall!

Das war … eine interessante Pille danach Beratung. Mal was anderes. Und ich musste (ausser dem fachlichen Abklären) nicht wirklich viel dazu sagen, die Frau wusste das schon selber, dass das nicht gerade ideal war. Ich denke, sie muss unbedingt „Nein“ sagen lernen. Auch in so einer doofen Situation, wenn sie ihm ihre Adresse nennt – und er, obwohl sie das ausdrücklich abgelehnt hat „mal vorbeischaut“ …

Ich hoffe, sie hat daraus gelernt. Und ein paar von Euch, die das lesen vielleicht auch. Man muss sehr vorsichtig sein, was man wem im Internet von sich preis gibt.

Der Arschloch-Apotheker

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Ein wirklich übler Fall: (aus der Südtirol News).

Die (mindestens 6) Frauen kamen zu ihm, weil sie nicht schwanger werden wollten und die Pille danach brauchten. In die Apotheke, teils auch ausserhalb der Öffnungszeiten, weil er ein „Freund der Familie“ war. In Italien ist die Pille danach ja noch rezeptpflichtig – streng katholisches Land halt, wie Polen. Das hat der Apotheker ausgenutzt … und statt die abzugeben, hat er ihnen eine „selbstgemachte Spermienabtötende Creme“ verkauft. Die Creme mussten sie dann sofort auf der Apothekeneigenen Toilette anwenden. Ausserdem wirke sie nur, wenn man dazu noch masturbiere. Die Toilette war mit versteckter Videokamera ausgerüstet. Bei mindestens einer Frau hat er ausserdem vorher noch verlangt, dass sie einen Schwangerschaftstest macht – und war dabei in der Toilette und hat den Teststab selber gehalten. (Brrr).

Ihm werden wiederholte sexuelle Gewalt unter erschwerenden Umständen und Verletzung der Privatsphäre vorgeworfen.

Was in der spermienabtötenden Creme denn drin war, wollte er offensichtlich nicht darlegen – ich könnte mir vorstellen, dass das nicht (nur) ein Spermizid enthielt, sondern dass er die Hormone der Pille danach vielleicht so verabreicht hat … ansonsten hätte er neben der Verletzung der Privatsphäre wohl auch noch das Problem, dass zumindest ein paar der Frauen trotzdem schwanger geworden wären. Andererseits … die Frauen haben ja etwas rechtlich (da die Pille danach rezeptpflichtig ist) und moralisch bedenkliches (zumindest in den Augen der Kirche) verlangt … und sich so selber „schuldig“ gemacht, dann geht man auch nicht so einfach jemanden anzeigen.

Die Kommentare auf der Seite sind übrigens unterirdisch. Viele von diesen verurteilen die Frauen, dass sie es hätten besser wissen können, als sich auf so etwas einzulassen.

Dem Kerl sollte eine empfindliche Strafe auferlegt werden, und ausserdem für den Rest des Lebens verboten werden auch nur in der Nähe einer Apotheke oder im Gesundheitssystem zu arbeiten – und nicht nur 4 Monate! Er hat seine Position ausgenutzt und die betroffenen Frauen übel missbraucht – Ja, auch wenn er nicht selber Hand angelegt hat. Er beschmutzt den guten Ruf der Apotheker – der Vertrauensverlust den derartiges Verhalten nach sich zieht: das hat Auswirkungen auf uns alle. In den Augen der Öffentlichkeit, nicht nur der hilfesuchenden Frauen.

Aber: dieser Apotheker ist ein Arschloch. Der Rest ist nicht so. Wirklich.

Life, uh … finds a way

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Finde ich doch erstaunlich, dass ich heute noch einer erwachsenen Frau erklären muss, dass „herausziehen“ keine adäquate Verhütungsmethode ist und sie trotzdem schwanger werden kann.

Eigentlich war sie ja nur hier, um von mir als medizinische Fachperson die Bestätigung zu holen, dass sie die Pille danach in dem Fall nicht braucht. Nur … die konnte ich ihr nicht geben.

Nachdem ich ihr also dreimal erklärt habe, dass auch in den sogenannten Lusttropfen schon Sperma drin sein kann und dass sie (bei einigermassen regelmässigem Zyklus) sich gerade in der kritischen Phase des Zyklus befindet Und sie nicht verhütet hat (nochmals: herauziehen zählt nicht als verhüten), Und auch wenn das bisher gut gegangen ist (keine Ahnung, weshalb sie dieses Mal die Bestätigung braucht) … habe ich sie vor die einfache Wahl gestellt:

„Es ist ihre Entscheidung. Wenn Sie ganz sicher nicht schwanger werden möchten, dann empfehle ich ihnen die Pille danach.“

Danach hatten wir dann das normale Pille danach Gespräch und sie hat die Pille danach bekommen und genommen.

Wobei ich noch anmerken möchte, im Zweifelsfall gebe ich auch kurz nach der Periode die Pille danach – ich halte mich da an Dr. Ian Malcolm aus Jurassic Park (gespielt von Jeff Goldblum): „Life finds a way “*. …

Immer gern erinnere ich mich da an die Geschichte des Frauenarztes in der einen Weiterbildung: Frau mit Status nach Entfernung wegen Zysten mit nur noch einem Eierstock (auf der linken Seite) und einer Eileiter (auf der rechten Seite) … eigentlich hat man ihr gesagt, da sei es unmöglich, dass sie noch schwanger wird. Nun … stellt sich heraus, dass die Eileiter ziemlich beweglich sind im Körper und bei der richtigen chemischen Anregung (nach Eisprung) auf die Suche nach dem Ei gehen. Ja – sie wurde schwanger. In dem Fall war das eine freudige Überraschung – die Frauen, die zu mir in die Apotheke kommen, wollen das wohl eher nicht.

* Aus Jurassic Park (Film):

Dr Ian Malcolm: „John, the kind of control you’re attempting simply is… it’s not possible. If there is one thing the history of evolution has taught us it’s that life will not be contained. Life breaks free, it expands to new territories and crashes through barriers, painfully, maybe even dangerously, but, uh… well, there it is.“

John Hammond: [sardonically] „There it is.“

Henry Wu: „You’re implying that a group composed entirely of female animals will… breed?“

Dr. Ian Malcoml: „No. I’m, I’m simply saying that life, uh… finds a way.“

Wollt ihr mehr lesen über die Pille danach in (Pharmamas) Apotheke?:

Korrekt und freundlich: so beraten Apotheken auch bei der Pille danach.

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Der Beobachter hat – wahrscheinlich nach dem Artikel, der in den 20 Minuten kam und ziemliche Reaktionen hervorgerufen hat – selber Leute losgeschickt um zu sehen, was dran ist.().

Nicht wirklich viel, so wie’s aussieht. Ausnahmen gibt es ja (leider) immer, aber bei den  10 getesteten Apotheken waren die Apotheker durchgehend korrekt und haben freundlich beraten: unter 4 Augen im Beratungsraum. Keinerlei Anschuldigungen von wegen der Covergeschichte vom Sex unter Alkoholeinfluss mit dem One-night-stand. Das habe ich auch nicht anders erwartet.

Negativ aufgefallen ist nur dies:

In der St. Galler Apotheke Amavita rief die Angestellte mit lauter Stimme nach der Apothekerin: «Eine Kundin für die Pille danach!» Gut hörbar für alle Anwesenden. In der Apotheke Sunstore im Berner Storchengässchen berechnete die Apothekerin den Zyklus falsch. Sie erklärte, dass die Testerin vermutlich nicht schwanger werden könne, weil vor zwei Wochen die letzte Periode begonnen hatte.

Umm ja. Das macht man nicht. Auch heute nicht. Durch den Laden rufen (gerade bei so etwas) ist sehr unfein – bitte die Angestellte darauf hinweisen. Was den falsch berechneten Zyklus angeht: Hmpf. Im Zweifel gebe ich auch direkt nach der Menstruation die Pille danach ab … Unregelmässigkeiten und Ausnahmen gibt es auch hier und es gilt: lieber sicher als „sorry“.

Apotheker, nicht Moralapostel. Auch nicht bei der Pille danach.

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Meine Kollegin hat mir letztens von einer Begegnung erzählt:

Patientin nach dem Pille-danach-Gespräch: „Das war ja gar nicht so schlimm!“

Kollegin: „Was haben Sie denn erwartet?“

„Oh, eine Freundin hat mir erzählt ,dass die Apothekerin sie praktisch ausgeschimpft hat.“

Kollegin: „Das würde ich nie machen.“

Genausowenig wie ich – und ich kenne auch persönlich keine Apothekerin die das würde. Auch keine Apotheker – aber von denen gibt es sowieso nicht so viele. Die  meisten Pille danach Beratungen heute werden von Frauen durchgeführt und ich bin auch sicher, dass die meisten das auch korrekt und anständig machen.

Trotzdem scheint das an manchen Orten ein Problem zu sein. So titelt die :

Kauf der «Pille danach» «Der Apotheker fragte, ob wir Analsex hatten»

Frauen, die in der Apotheke die «Pille danach» kaufen gehen, werden erniedrigt, zurechtgewiesen und beleidigt. Das zeigt ein Aufruf bei 20 Minuten, auf den sich innert kürzester Zeit über vierzig Leserinnen gemeldet haben.

Am liebsten würde ich ja hier dazu aufrufen, dass sich mal die vielen melden, bei denen das (wie bei uns) problemlos gegangen ist.

Es gibt einiges was wir fragen müssen – und manches davon mag an sich für empfindliche Gemüter als peinlich empfunden werden (auch wenn es das für uns nicht ist). Wir machen das aber im Beratungsraum. Das bekommt nicht die gesamte Apotheke mit. Wann der Geschlechtsverkehr war, weshalb man die Pille danach braucht … es kann durchaus vorkommen, dass sie gar nicht nötig ist. Weil zum Beispiel schon verhütet wird. Weil (nur) Analsex oder Oralsex nicht zu Schwangerschaft führt. Weil die Pille danach nicht zur normalen Verhütung verwendet werden soll. Weil sie für „danach“ ist, nicht für davor. Manchmal ist auch ein Schwangerschaftstest angezeigt … auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie man den „vor“ dem Apotheker machen will, wie im ersten Artikel der 20 Minuten geschrieben.

Es ist nicht unsere Aufgabe, den Moralapostel zu spielen. Wir werden wahrscheinlich etwas sagen, wenn die Pille danach von der selben Person häufig gebraucht wurde – eben weil das nicht zur normalen Verhütung gedacht ist UND weil sie kein Schutz vor sexuell übertragenen Krankheiten ist … zu denen wir in so einem Fall auch etwas erzählen müssen. Und ich bin sicher, dass der Apotheker am Bahnhof in so einem Fall auch etwas … deutlicher wird.

Die Pille danach wird nicht abgegeben, wenn etwas fachliches dagegen spricht. Apotheker, die sie aus „moralischen Gründen“ nicht abgeben (wollen) oder keine Verhütungsmittel verkaufen wollen gehören nicht in die Offizin. Wir sind in der Schweiz und nicht im „Bible belt“ in den USA, wo das geht.

Was wir hier auch machen, ist die Pille danach gleich einnehmen zu lassen – das macht deshalb Sinn, weil sie ja zur besseren Wirksamkeit möglichst bald nach dem Geschlechtsverkehr genommen werden soll – und weil sie nicht zur Vorbeugung gedacht ist. Also: entweder man braucht sie jetzt, oder man hat die Zeit dafür zum Arzt zu gehen. Der darf sie nämlich auch heute noch verschreiben.

Was wir Apotheker hier aber machen ist eine Dienstleistung. Wenn ich daran denke, wie viel Zeit das braucht, mal kurz einen Termin beim Arzt zu machen oder auf dem Notfall oder in der Frauenstation auf eine Konsultation zu warten … und auch daran, dass das dort (meist) männliche Ärzte sind, die (genauso) voreingenommen sein können .. und daran, dass man bei uns für die Arztbesuche (nicht gerade wenig) zahlt … Dann ist die Abgabe in der Apotheke unkompliziert, Zeit- und Weg-sparend und wahrscheinlich auch noch günstiger. Als Beispiel, wie das aussieht ohne, sei dieser Erfahrungsbericht aus Deutschland vor PiDaNa-Zeiten erwähnt.

In dem Sinne: lasst Euch nicht von einer Zeitung, die gezielt danach aufruft, dass man die negativen Erfahrungen einschickt, einschüchtern oder gar dazu bringen die Pille danach nicht zu holen, wenn sie nötig ist. Die Apotheke ist für Dich da. Und die allermeisten Apotheker machen das gewissenhaft und ohne eventuelles Moralisieren oder andere Peinlichkeiten. Wenn Du unsicher bist, wende Dich an eine kleinere Apotheke und an eine Apothekerin.

Tierische Probleme

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Frau in der Apotheke:

„Wir hatten eben erst Welpen, jetzt komme ich nach Hause und sehe die beiden Hunde schon wieder am … … jedenfalls – haben sie die Pille danach? Ich möchte nicht noch mehr Welpen!“

„Was nicht? Ich habe aber gehört, man bekommt die Pille danach in der Apotheke!“

Ja – die ist für Menschen. Keine Ahnung ob das bei einem Hund auch funktionieren würde, damit kenne ich mich nicht aus (aber ich vermute mal eher nicht).

Ab zum Tierarzt?!

(mehr Tierisches aus der Apotheke hier nachlesen)