Pharmezeuten auf dem Abstellgleis: Quo vadis Apothekerberuf?

Das neue Heilmittelgesetz ist da … und es bringt für Apotheker bei weitem nicht nur gewünschte Änderungen. Während es ja schön ist, als Medizinalperson auch offiziell praktisch auf Stufe Arzt gestellt zu werden, hat das auch seine Tücken – davor habe ich schon gewarnt (im Artikel: Pharmaziestudenten nicht in die Arbeitslosigkeit schicken) und jetzt ist das Problem genau da. Die im MedBG vorgeschriebene Weiterbildung verhindert faktisch, dass Apotheker gleich nach dem Studium arbeiten gehen können in eine Apotheke. Bevor sie selber und vor allem alleine in eine Apotheke stehen dürfen (Stichwort „selbständig“), müssen sie eine 2 jährige Weiterbildung absolviert haben. Das zusätzlich zum bisherigen 5 jährigen Studium. Das bedeutet faktisch, dass sich die Ausbildung auf 7 Jahre verlängert – und verteuert, denn gratis bekommt man das natürlich nicht. Zudem ist vorgeschrieben, das neben der Arbeit in der Apotheke zu machen … Aus dem Kommunique der Pharmasuisse an die Studenten:

Dieser Titel kann in einer mehrjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung erworben werden

Wie das gehen soll, wenn man ja nicht mehr alleine in die Apotheke stehen darf ist allerdings noch offen. Wenige Apotheken können es sich leisten, 2 Apotheker gleichzeitig angestellt zu haben. Und noch weniger, dann diesen zweiten Zusätzlichen Apotheker zum gleichen Gehalt anzustellen, wenn der faktisch auf Stufe Assistent degradiert wurde.

Es scheint, als habe da Pharmasuisse (der schweizerische Apothekerverband) geschlafen, dass etwas so durchgehen konnte. Natürlich, wie die Kantone das dann auslegen ist wieder eine andere Sache und ich will hier auch daran erinnern, dass Assistenzärzte (für die die gleichen Voraussetzungen gelten) auch nicht immer gleichzeitig einen Ober-Arzt im Spital arbeiten haben. Die meisten Nachtdienste wären so eigentlich auch illegal.

Inzwischen kommen von den Kantonen die Auslegungen für das Stellvertretergesetz herein, dass geht von super-streng: gar keine Stellvertretung möglich ohne gesetzliche Weiterbildung (Tessin) über „maximal 20% alleine und 4 Wochen im Jahr am Stück“ (Basel) bis zu „maximal 40% und 20 Tage im Jahr“ (Aargau). Man sieht: mehr als 1-2 Tage pro Woche sind da meist nicht drin…

(Bitte korrigiert mich hier oder ergänzt die kantonalen Regelungen – im Moment finde ich das enorm unübersichtlich!)

Wie plötzlich dieses neue Gesetz gekommen ist, zeigt sich auch daran, dass die Pharmasuisse die nun vorgeschriebenen Weiterbildungen noch gar nicht anbieten kann – erst im nächsten September (also 2019) wird das der Fall sein. Unklar ist auch noch, wie das finanziert werden soll. Weiterbildungen sind teuer und eine Unterstützung durch den Staat wäre da angedacht.

Jedenfalls: Scheisse für die Apotheker, die jetzt ihren Abschluss gemacht haben – die stehen nun fast ein Jahr lang auf dem Abstellgleis.

Ganz allgemein wird das die Attraktivität des Berufes und des Studiums verschlechtern – und das macht mir tatsächlich Angst. Wir haben schon jetzt einen Apothekermangel. Wir brauchen Nachwuchs! Wir wissen, dass wir zuwenig ausbilden um jetzige und vor allem zukünftigen Bedarf zu decken.

Link zur Stellvertreterregelung auf Pharmasuisse:

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Pharmaziestudenten mit dem neuen HMG nicht in die Arbeitslosigkeit schicken!

Das neue Heilmittelgesetz (HMG) kommt – aber Gesetze sind das eine und wie sie dann ausgelegt werden, das andere. Ausser vielen interessanten und fordernden Änderungen für die Apothekerschaft (wie zum Beispiel die praktische Aufhebung der Liste C und mehr bisher rezeptpflichtige Medikamente, die man mit den entsprechenden Kompetenzen abgeben darf) könnte auch eine weniger schöne Änderung kommen. Je nachdem, wie dieser Passus für die Apotheker ausgelegt wird:

Art. 5 Abs. 2
Der Bundesrat bestimmt die eidgenössischen Weiterbildungstitel für die universitä-
ren Medizinalberufe, für deren privatwirtschaftliche Berufsausübung in eigener
fachlicher Verantwortung eine Weiterbildung nach diesem Gesetz erforderlich ist.

Im schlimmsten Fall (und der wird laut Kantonsapothekerinnen anscheinend wirklich diskutiert) haben wir danach wieder den „Fall Basel“ – über den ich 2013 geschrieben habe: Bewilligung zur Berufsausübung – nach dem Studium nicht zu erlangen?

In kurz: Apothekerinnen direkt nach dem Studium dürfen dann (immer noch) nicht alleine in der Apotheke stehen und arbeiten, sondern benötigen 2 Jahre Berufserfahrung (oder ähnliche „Weiterbildung“).

Dabei meint „alleine“ natürlich nur ohne andere gleichzeitig anwesende Apotheker – Pharmaassistentinnen (egal wie kompetent und schon lange im Betrieb arbeitend) „zählen“ dafür nicht.

Mir ist schon klar, dass damit eine Verbesserung der Qualität erreicht werden soll – Nur … auch die Apothekerin frisch ab Studium (nach 5 Jahren intensiver Ausbildung) hat schon ein Praktikum in der Apotheke von 33 Wochen hinter sich. Und es geht ja nicht darum, selber eine Apotheke zu leiten – dafür braucht man heute schon die mindestens 2 Jahre Berufserfahrung.  Nach bald 20 Jahren im Beruf (selber so angefangen) und einigen Apothekern, die bei uns (auch direkt nach dem Studium) gearbeitet haben, kann ich sagen: Die Apotheker haben direkt nach dem Studium die nötigen Kompetenzen und das Wissen und nach dem Praktikum auch die Erfahrung, dass sie ohne Aufsicht eines anderen Apothekers in der Apotheke arbeiten können. Nehmt ihnen das nicht weg!

Die Auswirkung einer solchen Auslegung wäre ein (noch grösserer) Mangel an für eine Stelle verfügbaren Apothekern – Denn: wieviele Apotheken können es sich leisten, mehr als einen Apotheker gleichzeitig arbeiten zu haben? (Bahnhofsapotheken mal ausgenommen).

Darum der Aufruf an die Pharmaziestudenten, Apotheker (angestellt, leitend, pensioniert) und alle sonst: Unterschreibt die Petition als Aufruf an Alain Berset:

 

Vertreterbesuch in der Apotheke (Sampler)

Ich gebe zu, ich habe es nicht so mit den Vertretern der Pharmafirmen (oder Vertretern überhaupt). Die Qualität ihrer „Besuche“ in der Apotheke sind auch sehr unterschiedlich. Einerseits bin ich froh um die Informationen über neue Medikamente, Generika oder OTC-Produkte, die sie bringen, andererseits muss man ihre Ausagen und auch die schönen Hochglanzbroschüren mit „einem Körnchen Salz“ nehmen – also kritisch hinterfragen.

Andererseits gibt es solche, die ganz offenbar Druck von oben bekommen, ihre Produkte (in dem Fall vor allem OTC, also die freiverkäuflichen) an den Mann oder die Frau zu bringen. Und manche versuchen dann fast alles.

Ein paar Vertreter mag ich aber: diejenigen, die sich anmelden, so dass man sich Zeit nehmen kann, die das Wissen haben und einem die wichtigen Informationen geben (und mehr liefern können, wenn man nachfragt), die Muster bringen, die man auch brauchen kann und die nicht zu sehr „drücken“.

Vertreterbesuch – wie geht das im Normalfall vor sich

Was bist Du? – Da „Vertreter“ ja nicht wirklich die Berufsbezeichnung ist heute

Nur für die Bestellung da: noch mehr nervige Vertreter

Kein Vertreterbesuch – auch die Apothekerin darf mal zu Mittag essen.

Nervige Vertreter: das schlechteste „Exemplar“ das mir bisher untergekommen ist

.. und das hatte eine Fortsetzung!

Nervige Vertreter zum Dritten – Methoden, die bei mir nicht ankommen

Nicht mein Job – wenn man mal etwas von der Firma braucht

Geht doch – mit leider ein wenig Druck.

Ein Beispiel dafür, was einem der Vertreter so erzählt: Ein wirkliches Problem

Defekte Produkte und Reaktionen – der Pharmafirmen können sehr unterschiedlich sein.

Weil das indirekt hier auch hingehört: Damit schlagen sich Mitarbeiter der Pharmafirmen auch herum: Lieferunfähig (hat manchmal seltsame Gründe)

Von Vertretern bekommt man Medikamentenmuster

und früher gelegentlich „Goodies“ wie diese nette Sammlung eines Arztes zeigt.

Mein Essen zahle ich selbst ist eine Gegenreaktion der Ärzte – gegen die (auch unbewusste) Beeinflussung durch Vertretergeschenke.

Was kannst Du als Apotheker/in erwarten?

Bald schliesst eine neue Generation Apotheker ihr Studium ab (gratuliere Euch!), aber andere sind noch nicht so weit und überlegen sich vielleicht noch, ob das etwas für sie ist. In dem Zusammenhang höre ich häufiger diese Fragen:

Würdest Du wieder Apothekerin werden? Oder: magst Du Deinen Beruf?

Für mich hier und jetzt kann ich beide Fragen mit „Ja“ beantworten. Ich würde zwar nicht noch einmal das ganze Studium und die Ausbildung durchlaufen wollen – einerseits, weil das enorm anstrengend war, andererseits, weil ich nicht gern etwas doppelt mache. Aber für die Schweiz ist Apothekerin (immer noch) ein sehr attraktiver Beruf, der Verantwortung und Ansehen mit sich bringt.

Ich bin dankbar, dass uns hier nicht derart Steine in den Weg gelegt werden wie den Apothekern in Deutschland, die politisch faktisch zu Handlagern und Angestellten der Krankenkassen gemacht werden und denen immer mehr Verantwortung weggenommen wird … dabei könnten sie das genau so wie wir hier auch: Patienten beraten und betreuen. Die richtige Medikation (selber) aussuchen. Wir stehen wirklich noch im Patientenkontakt und sind nicht reine Dispensierer und Tablettenabzähler und Krankenkassen-Kontrolleure wie die Apotheker in den USA, die praktisch nur noch auf Verlangen nach vorne kommen um den Patienten zu beraten.

Natürlich gibt es auch hier immer mehr Bürokratie und immer mehr Dokumentation – aber uns lässt man die Patienten richtig anschauen und danach handeln (ob etwas selbst behandelt werden kann, oder zum Arzt muss), uns lässt man noch die Generika selber auswählen (nicht nur nach finanziellen Aspekten, sondern auch nach pharmakologischen!), wir tragen die Verantwortung und dürfen dem Patienten Vorbezüge machen (wenn der Patient das Rezept vom Arzt nachliefert). Wir dürfen Wiederholungen auf bestehende Rezepte machen und sogar ausnahmsweise einzelne rezeptpflichtigen Medikamenten ohne Rezept abgeben.

Was kannst Du erwarten, wenn Du Apothekerin wird?

  1. Erwarte keine traditionellen Arbeitszeiten. Wer eine Karriere in der Offizin-Apotheke verfolgt, versteht, dass auch der Apotheker (und die Apothekerin) als medizinische Fachperson und Angestellte im Gesundheitssystem im Normalfall keine 8 bis 5 Uhr Schichten zu erwarten hat. Durchgehende Arbeitszeiten ohne „offizielle“ Mitagspausen. Morgen – oder Abendschichten, teils verlängerte Öffnungszeiten, Samstagsarbeit und nicht zu vergessen Notfalldienste. Das geht im Normalfall gut, wenn man die Arbeitspläne möglichst lange vorher bekannt sind … dann kann man auch damit noch gut ein Sozialleben und sogar eine Familie haben.
  2. Erwarte, dass Du nie aufhörst zu lernen. Nach dem Studium ist nicht einfach fertig damit. Es kommen neue Wirkstoffe und Medikamente auf den Markt, altbekanntes wird aufgrund neuerer Erkenntnisse zurückgezogen (Erinnert sich noch jemand an Vioxx?), Vorschriften und Richtlinien ändern sich (früher waren die meisten Frauen in der Menopause auf Hormonpräparaten) und wenn man da nicht fast ständig am Ball bleibt, merkt man bald, wie sich das Unwissen akkumuliert. Irgendwann wird das peinlich und noch später gefährlich.
  3. Erwarte Änderungen im Gesundheitssystem – es bleibt nichts, wie es ist. Neben den neuen Erkenntnissen auf medizinischem Feld, ändert sich auch das des Systems. Früher musste man alles in der Apotheke zahlen und dann selber der Krankenkasse einschicken, heute ist das eher die Ausnahme. Dafür muss aber die Versicherungsdeckung praktisch zeitgleich überprüft werden. Früher gab es kaum Generika – heute immer weniger Originalpräparate. Und es gibt Vorschriften, wann man die zu empfehlen und abzugeben hat. Neue Vorschriften und Limitationen betreffend Medikamente – und deren Übernahme durch die Krankenkassen. Die Dokumentation wird wichtiger als die Herstellung. Jetzt kommen langsam die Elektronischen Rezepte und irgendwann kommt auch die Gesundheitskarte mit zentral gespeicherter Patienteninformation.
  4. Du musst nicht in die Apotheke stehen. Mit dem Pharmazie-Studium kannst Du auch andere Nischen finden. Es gibt Spitalapotheker, Apotheker in der Pharmaindustrie in Forschung und Herstellung und Apotheker in der Registrierung: wo die Medikamente und ihre Studien von den Behörden getestet und zugelassen werden.

Für die Zukunft hier … ich bin gespannt. Ich erwarte, dass die Arbeit des Apothekers auch weiterhin als wichtig angesehen wird und als zunehmend wichtige Stütze in unserem Gesundheitssystem (ich sag nur mal: Ärztemangel). Ich hoffe, dass wir mehr eingebunden werden in die Patientenbetreuung (zum Beispiel Einstellung und Kontrolle chronischer Beschwerden wie zum Beispiel des Blutdrucks) und dass wir in Zukunft auch selber impfen dürfen.

Dieser Beitrag wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung (aber ohne Beeinflussung) von Pharmapro. Der Ort für jetzige und zukünftige Apotheker und wo sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer finden:

Wie finde ich eine Stelle als Apotheker? (Rerun)

Also, falls Du von all den Kundengeschichten nicht abgeschreckt worden bist und Dich entschlossen hast, nach dem Studium Offizin – Apotheker zu werden:

herzliche Gratulation!

Das ist (immer noch) ein sehr gesuchter Beruf wo es auch jetzt noch recht problemlos möglich ist, Arbeit zu finden. Aus Mangel an qualifizierten Pharmazeuten, gibt es sogar Vollzeitstellen, die nicht besetzt werden können … aber man kann sehr gut auch Teilzeit arbeiten, also ideal für Frauen.

Voraussetzungen für die Arbeit als Offizin-Apotheker: abgeschlossene Matura, 5 Jähriges Studium der Pharmazie und Assistenzjahr in einer Apotheke samt bestandener Prüfung.

Und wo findet man dann die Stelle? Apothekerstellen werden kaum in Zeitungen ausgeschrieben, das läuft alles über die Fachkanäle:

Die Zeitschrift des schweizerischen Apothekervereins: dem Pharmajournal – respektive deren Internetauftritt: 

Auch sehr beliebt: sammelt die Seite offene Stellen.

Auf apotheke-adhoc.de findet man

Wie man sehen kann, habe ich nichts falsches geschrieben: tonnenweise offene Stellen. Also?

…. ergänzenderweise möchte ich noch erwähnen, dass man als Apotheker nicht in die Offizin muss, Es gibt ja noch die Möglichkeit in die Industrie zu gehen (Forschung und Entwicklung), in die Qualitätskontrolle oder in die Registrierung von Arzneimitteln.

Aber mir gefällt die Arbeit in der Offizin – auch wenn ich hier gelegentlich etwas jammere, oder mich abreagieren muss. Ich würde nichts anderes wählen.

Interessanterweise sehe ich jetzt (der Originalartikel ist von 2009) einen Trend, der zurück in die Apotheke geht. Leute, die in Industrie, Registrierung und Ausbildung gearbeitet haben wollen wieder zurück in die Apotheke – dem direkten Patientenkontakt zuliebe. Schön!

Aus dem Pharmaziestudium – mündliche Prüfungen

Jeder weiss, sie kommen: die Prüfungen. Am Ende des zweiten Semesters sind sie dann da. Etwas seltsam ist es das erste Mal schon, denn … so lange Zeit hatte man keine Prüfungen mehr. In der Schule hat man alle paar Wochen (wenn nicht sogar alle paar Tage) welche. Hier im Studium: nada. Lange Zeit nada. Fast ein ganzes Jahr.
Also ist man unglaublich aufgeregt vor den ersten Prüfungen – weil man so irgendwie keine Ahnung hat, was kommt. Natürlich, man weiss welcher Stoff: das, was im ganzen Jahr vorher durchgenommen wurde. Und das ist viel. Sehr viel. Zu viel eigentlich … auch für die Prüfer. In den Prüfungen kommt dementsprechend immer nur ein kleiner Teil dran. Nur weiss man nicht, welcher. Also muss man alles lernen.

Frag nie nach „Muss ich dieses Detail wissen?“ – Die Antwort ist ja. Das kann drankommen. Alle Physik Formeln aus dem Buch. Die gesamten chemischen Formeln des Krebs-Zyklus. Welcher Ionenkanal verantwortlich ist für was in der Zellwand. Wehe dem Studenten, der nicht an die Vorlesungen gegangen ist. Lehrbücher haben zwar alles drin – zeigen aber nicht, auf was der Professor speziell Wert legt. Weh auch dem Studenten, der den Stoff nicht vorher in eine Form gebracht hat, die übersichtlich ist.

Jeder hat seine Lernmethoden – meine war immer: Schreiben. Während den Lektionen – mit speziellem System, dafür gedacht, rasch etwas wiederzufinden. Zusammenfassen, die Zusammenfassung zusammenfassen, was bekannt ist weglassen, bis am Schluss etwas herauskondensiert ist, das sich … zumindest erfassen lässt. Und hoffentlich reproduzieren. Kärtchen sind dafür auch geeignet.
Ich hatte auch Glück während den Prüfungen – das braucht man gelegentlich. Vor allem, was die Aufteilung der Prüfungen selber angeht. Eigentlich hatten wir immer etwa 1 Woche zwischen den verschiedenen Prüfungen- da ist gut Zeit, noch einmal alles zu wiederholen, sich ganz auf das Thema zu konzentrieren bis es dann soweit ist.
Ich habe immer viel gelernt. Ohne meine Mama wäre ich wohl verhungert bei den Prüfungen (wenn ich Stress habe, geht mein Hungergefühl flöten – und Zeit für so etwas unwichtiges wie Nahrungsaufnahme zu verschwenden, wenn ich doch lernen muss …?)

Vor den Prüfungen bilden sich häufig Lern-Gruppen. Das kann Gut sein: man hilft sich gegenseitig, schwierige Themen zu verstehen und es motiviert auch, wenn man weiss, dass man zu einem Zeitpunkt zusammensitzt um ein Thema durchzusprechen. Das kann aber auch Schlecht sein. Zum Beispiel, wenn sich eine Lerngruppe gegenseitig bestätigt, dass etwas ganz sicher nicht dran kommt an den Prüfungen … So geschehen bei uns im 2. Jahr mit Anatomie / Physiologie.
Im Prüfungsplan stand Anatomie und Physiologie in derselben Prüfung. Genauer gesagt – man hat es untereinander geschrieben – und daneben die Stunden, wann welcher Buchstaben des Alphabetes dran ist. Anatomie und Physiologie waren Themen die von 2 unterschiedlichen Professoren gelehrt wurden. Und beides ist ziemlich viel Stoff. Die Lerngruppe hat die Aufstellung missverstanden und gedacht die erste Gruppe (sagen wir, A-K) haben nur Anatomie und die zweite Gruppe (L-Z) nur Physiologie.
Ich hatte das Glück (oder Pech) genau nach der ersten Person, die diesem Irrtum verfallen war, Prüfung zu haben. Die Kollegin hatte nur Anatomie gelernt. Den Teil konnte sie – nun, wenn nicht perfekt, so zumindest sehr gut. Und dann kam die Physiologie… und der Professor war alles andere als erfreut. Tatsächlich habe ich ihn im Gang sehr deutlich verstanden – ich wette, man hat sein Geschrei noch auf der Strasse draussen gehört.
Im ersten Moment wusste ich noch nicht, weshalb die Aufregung – aber der Grund war dann deutlich erfassbar: „Sie haben WAS? KEINE Ahnung? Sie haben NICHTS gelernt von der Physiologie??“
Man kann sich vorstellen, dass die Kollegin weinend herauskam –und ich mit sehr gemischten Gefühlen hinein ging. Tatsächlich beruhigte mich der Experte aber vor Beginn: „Wenn sie auch nur ein bisschen etwas wissen über die Physiologie, dann ist es schon mehr, als die Kollegin vor ihnen. Es kann nur besser werden. Fangen wir an.“
Ich war dann … gar nicht schlecht.

Ach ja, die mündlichen Prüfungen. Bei der Matur hatte ich noch den Überraschungs-Bonus: die Lehrer haben kaum geglaubt, dass ich tatsächlich auch (länger) reden kann – in der Schule war ich gerne ruhig in den Stunden. Den Vorteil hatte ich im Studium dann nicht mehr – bei über 40 Studenten und reinem Frontal-Unterricht kennen einen die meisten Professoren kaum bis gar nicht.

So eine Prüfung läuft so ab, dass man in einen Raum kommt, da sitzen schon der Professor (manchmal auch 2, wenn wie oben 2 Themen geprüft werden) und ein Experte. Der Experte sitzt meist etwas seitlich – er ist dafür da zu prüfen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Man begrüsst sich per Handschlag, dann setzt man sich an den Tisch – auf dem meist ein paar Dinge liegen. Kärtchen zum ziehen mit den Fragen – Anschauungsmaterial wie Pflanzen oder Anatomiemodelle, ein paar Blatt leeres Papier, für wenn man etwas anschaulicher erklären muss … das half mir immer. Ich zeichne gerne – und zumindest einmal habe ich die ersten paar Zeilen des Periodensystem skizziert, um sicher zu sein, wie das mit den Elektroden jetzt … okay. Zuviel Detail.

Jedenfalls: die Prüfer stellen einem Fragen … und man antwortet so gut man kann. Je mehr man zu etwas sagen kann, desto besser. Je detaillierter die Fragen werden (und je schwerer), desto besser die Endnote – trotzdem kann man nicht immer von der Zeit, die man braucht sagen, ob das jetzt gut war, oder nicht. Manchmal dauert es länger, weil der Professor – oder der Experte – versuchen, doch noch etwas aus einem herauszuholen, dann sind über 30 Minuten vorbei, bis man rauskommt– manchmal schmeissen sie einen nach knapp 15 Minuten raus, wenn es keinen Sinn mehr macht (siehe die Kollegin oben). Die Terminplanung dafür ist schwierig. Als Student bekamen wir eben Listen mit den Prüfungsterminen und von wann an die Kandidaten dran waren. Ich war fast die letzte in meiner Gruppe. Rechnerisch bedeutet das – bei 7 Personen vor mir, dass ich zwischen 7×15 = 1 Stunde 45 Minuten nach dem ersten und 7 x 30 = 3 ½ Stunden nach dem ersten dran war. Weil man auf gar keinen Fall zu spät sein will (ich jedenfalls nicht) – musste ich also oft laaaange warten, bis ich dran war – und bekam dementsprechend einiges mit von den Kolleginnen vor mir.

Das kann hilfreich sein – oder es kann einen so nervös machen, dass man kaum mehr denken kann. Ich gehörte auch nicht zu denen, die noch mit den Unterlagen vor dem Prüfungszimmer sassen – in der Hoffnung, noch rasch etwas in den Kopf zu drücken, bevor man dran kam. Das funktioniert bei mir nicht. Entweder ich hatte es intus bis zu dem Moment oder … Schwamm drüber.

Schön auch das eine Mal, als der Experte herauskam, den Namen der Kollegin vor mir ausrief – und die dann einfach nicht da war. Er schaut mich an: „Wollen Sie vielleicht…?“ Ich wollte. Einerseits hatte ich es dann schneller vorbei – und andererseits stimmt das bestimmt die Professoren gutmütiger, wenn sie nicht warten müssen – und ich dann einfach etwas später trotzdem noch drankomme. Auch da hatte ich Glück – wie sich später bei der Besprechung mit meinen Kolleginnen herausstellte, benutzten sie 2 Sätze Kärtchen mit Fragen für die Prüfungen – abwechselnd. Und diejenigen, die sie mich da fragten, konnte ich besser als das auf dem anderen Satz. (Besser. Nicht: gar nicht).

Die seltsamste mündliche Prüfung war wohl die in Galenik. Das Büro war im alten Pharmaziegebäude oberhalb der Labors. Man wartete auf dem Gang.
Als ich hereingebeten wurde, sah ich statt dem üblichen Büro-Tisch nur ein Couchtischchen. Daneben auf der einen Seite ein Sofa und auf der anderen Seite 2 Lehnstühle. Gemütlich – nicht unbedingt das, was ich erwartet habe!
Man begrüsst sich, ich wurde aufs Sofa gesetzt und der Professor – auch eher ein gemütlicher Typ fragt: „Möchten Sie einen Kaffee?“
Worauf ich, überrascht und total ehrlich herausterte: „Danke, lieber nicht … ich bin auch so schon nervös genug!“
Freundliches Gelächter auf allen Seiten, dann gingen wir direkt zur Prüfung über.
Professor: „Nun, wenn sie das Coffein nicht oral wollen, dann können wir ein bisschen darüber reden, wie es mit der Aufnahme über die Haut aussieht. Was können sie uns erzählen über transdermale Systeme?“ … und schon waren wir mittendrin.

Andere interessante Situationen waren die Hanf-Pflanze (im Topf) in der Biologie Prüfung – *die* war aber nicht auf der Liste der Pflanzen, die wir erkennen und kennen mussten.
Oder als mich der Professor nach typischen Apotheker-Krankheiten fragte (Krampfadern vom vielen Stehen hauptsächlich – falls ihr das mal beantworten müsst, die Magengeschwüre wegen unleidlichen Kunden lassen wir mal beiseite :-)),
Oder als ich die Frage welche Art Ionen-Kanal in der Zellwande der Beta Zellen in der Bauchspeicheldrüse für die Ausschüttung des Insulins verantwortlich ist beantworten konnte. Kalium und dann Kalzium … Das war schon eine Zusatz/Zusatz Frage und der Experte war einigermassen überrascht, das ich das wusste – und ich fast noch mehr (Wo kam das her?). Ehrlich. Heute habe ich davon keine Ahnung mehr. Es ist ausgesprochen erstaunlich, was man alles in so einen kleinen Kopf reindrücken kann.

Nächstes Mal: praktische Prüfungen und Labor-Prüfungen

mehr lesen über das Pharmaziestudium (auf Pharmama.ch)

Und jetzt Ihr: Was hattet ihr für bemerkenswerte Prüfungen oder Situationen? Wie ging es Euch? Wie lernt ihr am liebsten?