Da steht *was* auf dem Rezept? (Teil 4 oder so)

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Au weh – den habe ich noch nicht gebracht, oder? Dabei ist das Rezept zu gut! Gerade wieder gefunden beim Apotheken-suchen. Schreibt Mary:

Mir sind in den wenigen Jahren, die ich bisher in der Apotheke tätig bin, schon ein paar komische Rezepte unter gekommen, aber sowas hatte ich noch nie. Es hat mich zum schmunzeln gebracht, und ich dachte, vielleicht wäre es ja was für deinen Blog?! Oder es bringt dich wenigstens auch etwas zum schmunzeln! 🙂

Der Name des Kleinen (das Rezept war von einem Kinderarzt) war übrigens auch eher ungewöhnlich für die Schweiz, und eher kompliziert. Ein klassischer Fall für „Haben Sie die Krankenkassenkarte dabei?“ ( … damit ich da den Namen abschreiben kann!).

rpnamevergessen

Ja da steht dort, wo der Patient stehen sollte nur: „Name vergessen“.

Autsch. Na – wenigstens das Geburtsdatum lässt eine Zuordnung zu – zusammen mit der Krankenkassenkarte. Das gäbe trotzdem einen Anruf beim Arzt – der Codicalm ist erst ab 12 Jahren laut Packungsbeilage.

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Die Augentropfen-Saga, oder: warum es gut ist, eine Apothekerin zu haben?

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Wir haben da eine Patientin, ältere Frau, multimorbid: wie man so unschön sagt, das heisst, sie hat mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig, in dem Fall: Asthma und Allergien, Schmerzen, Bluthochdruck, Schilddrüsenprobleme … interessanterweise ist zumindest das Cholesterin und der Blutzucker in Ordnung, trotz ziemlichem Übergewicht.

Frau Duld (Name etc. wie immer geändert) hat ausserdem mich als ihre Apothekerin auserkoren und besteht darauf, dass ich die einzige sei, die sich mit ihren Medikamenten und gesundheitlichen Problemen auskennt. Dafür hält sich mich auch des öfteren mit langen Telefonanrufen auf dem laufenden. Sie meinte auch schon, dass ich hier nie weggehen darf … ansonsten wüsste sie wirklich nicht mehr, was sie machen soll.

Sie hat also eine Apothekerin … und mehrere Ärzte, die sie ausserdem gelegentlich wechselt. Weshalb sie wechselt hat verschiedene Gründe. Häufig ist es so, dass sie sich nach einiger Zeit von einem anfangs vielversprechenden Arzt enttäuscht zeigt. Sie ist ganz sicher nicht die einfachste Patientin, nicht nur wegen ihrer Vielzahl an medizinischen Problemen. Ihre Liste an Allergien oder Sachen, die sie aus verschiedenen Gründen nicht verträgt ist inzwischen eine A4 Seite lang. Ich drucke sie normalerweise aus und gebe sie ihr mit, wenn sie einen neuen Arzt hat. Neue Medikamente zu finden, die sie nehmen kann, kann wirklich eine Herausforderung sein. Aber … ich glaube ihr. Ich höre zu, wenn sie erzählt. Manchmal kann ich auch nichts anderes tun, manchmal allerdings …

Frau Duld hat einen Augenarzt zu dem sie schon länger geht. Vor ein paar Jahren hat er ihr Augentropfen gegen Glaukom aufgeschrieben: Xalatan (Latanoprost). Die hat sie, penibel genau wie sie ist, regelmässig angewendet, auch wenn sie zunehmend Probleme bekommen hat. Beim Augenarztbesuch hat der sich das angeschaut und ihr beschieden, dass sie unglaublich trockene Augen hat, wahrscheinlich wegen den Glaukomtropfen und dass sie zusätzlich befeuchtende Augentropfen nehmen soll. Weil das damit nicht gebessert hat, hat er vermutet, dass sie auf die Glaukomtropfen reagiert (allergisch?) und sie deshalb abgesetzt (ja: nicht ersetzt). Bis zum letzten Besuch (nun 1 Jahr später), wo er fand, sie muss unbedingt etwas gegen den hohen Augendruck unternehmen und dass er ihr etwas dagegen aufschreibt. Frau Duld hat ihn daran erinnert, dass sie auf die letzten Tropfen reagiert hat, was er aber damit abtat, dass da wohl das Konservierungsmittel Schuld war und er ihr deshalb jetzt Einzeldosen ohne das drin verschreibt. Saflutan: Tafluprost als Wirkstoff.

Sie hat das bei uns bezogen und am Abend den ersten Tropfen in jedes Auge gemacht und darauf etwas erlitten, was ich als schwere generalisierte (allergische?) Reaktion ansehe: plötzlich auftretende Übelkeit, Herzklopfen und Brustschmerzen mit Atembeschwerden, Schweissausbruch und Angstzustände … sie wollte aber partout nicht ins Spital (Auch wegen schlechter Erfahrungen), weshalb sie den Rest der Nacht in Angst und aufrecht sitzend am Küchentisch verbracht hat.

Am Morgen rief sie mich dann gleich in die Apotheke an. Inzwischen ging es ihr etwas besser – wiederholen wollte sie die Anwendung begreiflicherweise aber nicht. Ich hatte etwas ein schlechtes Gewissen: war die Reaktion bevorsehbar hervorsehbar gewesen? Hätte ich das wissen können? Eine Kreuzreaktion Latanoprost – Tafluprost? Immerhin hätte sie kaum so stark reagiert bei einem Erstkontakt mit einem Allergen.

Eine Woche später ging sie noch einmal zum Augenarzt. Der wollte das kaum glauben, dass das von den Augentropfen kommt, hat ihr aber ein neues Rezept ausgestellt für andere Tropfen. Auf dem Rezept: Latanoprost Mepha Augentropfen, im Fläschchen. Vielleicht dachte er, weil sie das das letzte Mal „vertragen“ hat?

Ich bin … nicht ganz so optimistisch. Und Frau Duld, als ich ihr erkläre, was das ist auch nicht. Sie nimmt zwar das Fläschchen mit, aber am Ende traut sie sich nicht, das auszuprobieren. Auch nicht mit einem einzigen Tropfen in Anwesenheit einer anderen Person. Ich rate ihr, doch noch einmal mit dem Augenarzt Kontakt aufzunehmen. Sie will aber nicht – vielleicht ihn nicht enttäuschen? Vielleicht glaubt er ihr auch einfach nicht?

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an ihren Hausarzt, ob der nicht für sie beim Augenarzt anfragen kann wegen anderen Tropfen? Oder vielleicht grad selbst etwas aufschreiben? Der ist anfangs ziemlich abgeneigt, da er von Augen nicht so viel Ahnung hat – aber er schickt uns dann doch ein Rezept in die Apotheke.

Für Arteoptic Augentropfen. Das ist ein Betablocker. Frau Duld hat Asthma (sollte der Hausarzt eigentlich wissen) … und Betablocker (auch in Augentropfen) sind bei Asthma Kontrainduziert. Gut … er hat ja gesagt, dass er sich nicht so auskennt.

Ich komme nicht dazu das richtig anzusehen noch zurückzurufen, da kommt schon das nächste Fax für Frau Duld.

Sie hat nämlich in der Zwischenzeit doch noch beim Augenarzt angerufen und auch der schickt einen Fax mit Rezept.

Für Monoprost Augentropfen in Einzeldosen.

Und das ist der Moment, wo ich mir in der Apotheke wirklich an den Kopf fasse.

Wieso???? Das ist schon wieder das Latanoprost, nur halt diesmal in Monodosen Form. Will er denn so unbedingt, dass sie genau das nimmt? Oder hat er nicht zugehört und ist bei seiner Theorie mit dem Konservierungsmittel zurück?

Ich meine … es ist ja nicht so, als ob die ganzen –Prost (Prostaglandin-Analoga) und Betablocker die einzigen Mittel gegen Glaukom sind.

Am Ende frage ich dann selber beim Augenarzt an, ob irgendetwas dagegen spräche, das mit einer Alternative wie zum Beispiel Azopt zu versuchen? Und bekomme ein Rezept dafür geschickt.

Das vermerkt man im PC übrigens mit „Therapievorschlag für Arzt erarbeitet“ …

Nachtrag: Damit scheint es jetzt zu funktionieren.

Frau Duld beim letzten Telefongespräch: „Wir zwei könnten wirklich ein Buch schreiben …“

Wirklich.

Lieber Herr Arzt …

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Nun denn, zurück zur Arbeit. Ein Teil unserer Arbeit in der Apotheke liegt darin, die Zweit-kontrolle für die Ärzte zu sein. Ich bin nicht darauf aus, Fehler zu finden … und wenn ich welche entdecke (oder Mögliche) frage ich nach, respektive weise den Arzt sehr anständig darauf hin. Fehler passieren und alles wissen kann auch niemand. Aber … ach, lest selber:

Sehr geehrter Herr Dr. X,

Anlässlich Ihres letzten Rezeptes vom (Datum) über Citalopram Tabletten 20mg 1 OP für Herrn A. darf ich Sie über die Gegebenheiten bezüglich Rezeptausstellung informieren: Ist auf dem Rezept verschrieben 1 OP (1 Originalpackung) ohne Grössenangabe, so bedeutet das die kleinste Packung. Das ist usus – ausserdem nachzulesen zum Beispiel hier: im Positionspapier der Kantons-Apothekervereinigung Nordwestschweiz ()

Eine grössere Packung (oder eine Wiederholung) darf allenfalls abgegeben werden, wenn die Behandlung zum Beispiel nicht bis zum nächsten Arztbesuch reicht. Das haben wir übrigens bei Herrn A. auch gemacht – der Patient hat statt der kleinsten Packung (das wären 14 Stück) eine Packung von 28 Stück erhalten. Es ist nicht so, dass wir das grundsätzlich „mit dem Patienten ausmachen können, wieviel er bekommt“, wenn nur „1 OP“ verschrieben ist.

Deshalb bitte ich Sie, das nächste Mal das Rezept korrekt mit der Mengenangabe des Medikamentes auszustellen, wenn gewünscht ist, dass es eine andere als die kleinste Packungsgrösse sein soll. Für das Citalopram 20mg wären das 100 Tabletten – auch abkürzbar als „C“ (römisch für 100).

Ebenfalls darf ich Sie bitten den Patienten nicht zu miss-informieren, was unsere Abgabepraxis und Lagerhaltung angeht. Wir halten uns an die gegebenen Vorschriften, legen Wert auf hohe Qualität und lassen grundsätzlich äusserste Sorgfalt walten.

beste Grüsse

Pharmama

Ja, ich reagiere etwas angemieft, wenn der Patient mir mitteilt, dass der Arzt reklamiert habe, weshalb wir nicht grad eine grosse Packung zu 100 Stück auf sein Rezept abgegeben haben, sondern eine kleine. Anscheinend hat er dem Patienten ausserdem gesagt, das läge wohl daran, dass wir noch eine kleine an Lager gehabt hätten, die wir bald loswerden müssten von wegen Verfall und so.

Äh, nein. Mal abgesehen davon, dass gerade Citalopram einen ziemlich guten Durchsatz hat, bin ich in der Apotheke doch etwas eingeschränkt in der Grössenwahl durch das, was der Arzt verschreibt.

Einnahmeunterstützung

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Der Patient, ein älterer, etwas komplizerter Herr (äHe) bekommt neu Marcoumar verschrieben. Er hat in der Vergangenheit eine Herzklappe ausgetauscht bekommen und nimmt schon Aspirin Cardio und Clopidogrel.

Dem Marcoumar gegenüber ist er aber sehr kritisch eingestellt, speziell, weil er nicht sein Leben lang wöchentlich zum Arzt rennen will wegen den dafür nötigen Untersuchungen zur Blutgerinnung.

Ich versuche ihm zu erklären, wie wichtig es ist, dass sein Blut genügend verdünnt ist und dass ihm deshalb wohl ein neuer Blutverdünner aufgeschrieben wurde, weil die anderen nicht ausreichen. Dass die Tests nur am Anfang häufiger sind, die Abstände danach aber länger werden …

Er will nicht. „Gibt es da keine Alternative?“

Pharmama: „Es gibt neue Wirkstoffe, da muss man nicht so häufig gehen … aber es ist nicht sicher, ob die geeignet sind für sie. Ausserdem … sind die einges teurer…“

äHe: „Ah. Könnten sie nicht mal nachfragen? Ich bin ja heute beim Arzt gewesen, aber … ich war so überfahren, ich habe mich nicht getraut.“

Das darf also ich.

Dann rufen wir mal in die Kardiologie an.

Besetzt.

Besetzt.

Besetzt.

Zurück zum Patient: „Ich erreiche sie nicht. Ich versuche es später noch einmal.“

Er geht.

Ich versuche es weiter.

Besetzt.

Ehrlich? Wie kann das sein?

Ich schicke einen Fax mit der Anfrage.

Es kommt nichts zurück.

Am nächsten Morgen schicke ich nochmals einen Fax und versuche anzurufen – es ist immer besetzt und keine Reaktion auf den Fax.

Ich wende mich über die Zentrale des Spitals.

Sie versucht mich zu verbinden – 2 x werde ich zurückgeleitet, da niemand abnimmt. Ich hasse Anrufe ins Spital.

Schliesslich verbindet sie mich mit dem diensthabenden Arzt im Notfall – es ist allerdings die Krankenkschwester, die abnimmt … und die ist reichlich gehetzt (Notfallstation, logo, verstehe ich auch).

Krankenschwester: „Ist das wichtig??“

Pharmama: „Ja, es geht um Blutverdünner, die sollte er wohl nehmen, oder?!“

Ich schaffe es ihr mein Anliegen zu erklären. Sie erklärt mir, dass sie es abklärt und zurück ruft.

Ich warte.

Eine Stunde später bekomme ich dann den Bescheid: Er soll unbedingt sein Marcoumar nehmen. Kein Ersatz. Falls er einen Ersatz will, soll er das bei der nächsten Kontrolle mit dem Arzt besprechen.

Ich informiere den Patienten und insistiere noch einmal, wie wichtig das ist, dass er es nimmt.

Er kommt es holen. Ich hoffe, er nimmt es auch …

(Inter)nationale Medikamente

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Kunde in der Apotheke:

„Bei uns in Russland gibt’s da so’ne Tablette… Die heisst „Aspirin“… Kennen Sie die ?????…“

(amüsiert)

Versandapotheke bin ich keine, aber …

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Es ist etwa ein Monat nach dem letzten Besuch in der Apotheke durch Frau Slozny (ihr erinnert Euch?) da bekomme ich ein mail von ihr.

Guten Tag Frau Pharmama. Ich bin jetzt in Irland

(Huh? Ich war mir sicher, ich habe Moskau gehört, als sie gesagt hat, sie geht ins Ausland)

… und ich brauche dringend noch mehr von den Kathetern. Könnten Sie mir die hierher schicken lassen? Ich bezahle das gerne mit der Kreditkarte.

Okay, das habe ich jetzt auch noch nicht gemacht. Da muss ich erst mal abklären, ob das geht … und wie.

Medikamente darf ich nicht verschicken – in der Schweiz gilt das Versandhandelsverbot für Medikamente, erst gar nicht über die Grenze, aber … Medizinalprodukte anscheinend schon. Geht also.

Und die Sache mit der Krankenkasse/Unfallkasse ist auch noch nicht durch. Also muss das wieder von ihr bezahlt werden, nicht nur der Transport. Aber offenbar ist ihr das bewusst. Kreditkartenzahlung ist technisch aber bei uns nicht machbar telefonisch. Ich brauche die Kreditkarte hier im Geschäft.

Zuerst aber mal: Vielleicht geht das einfacher? Ich schaue, ob sie die Katheter nicht schon in der Apotheke dort bekommen könnte. Wenn sie sie schon selber zahlen muss (und ein Rezept hat) sollte das möglich sein … und das ist es auch laut Internet. Ich schreibe ihr also diese Infomail:

Guten Tag, Frau Slozny. Ich habe mich inzwischen etwas schlau gemacht, was die Anfrage betrifft. Offenbar kann ich Medizinprodukte (im Gegensatz zu Medikamenten) ins Ausland senden.

Was die genauen Bedingungen angeht müsste ich allerdings bei der Post noch nachfragen – immerhin handelt es sich hier um einen Versand um Waren im Wert von ca. 3000 Franken – (eventuell muss das auch noch verzollt werden in Irland)

Das Porto für den Versand weiss ich auch noch nicht, das Internet gibt mir da Werte von 100-250 Franken für ein etwa 15 kg schweres Paket – das ohne irgendwelche Rückverfolgung oder Sicherheiten.

Allerdings ist eine Bezahlung via Kreditkarte für uns aus technischen Gründen definitiv nicht möglich, wir bieten keine online Bezahlung an. Am Besten ist folgendes Vorgehen: Wir stellen ihnen dafür eine Rechnung, die wir ihnen schicken (per mail oder Fax). Sie zahlen die Rechnung (wir geben Ihnen dafür die IBAN Nummer der Bank an). Sobald der Betrag bei uns auf dem Konto ist, bestellen wir die Ware und senden das Paket.

Dafür wäre es auch gut, wenn wir noch eine Kopie des Rezeptes bekommen, die wir als Beleg mitschicken können für den Zoll.

Ich weiss, das ist aufwändig. Mein Vorschlag wäre immer noch, dass Sie das in Irland in einer Apotheke besorgen lassen – das spart ihnen nicht nur Zeit, sondern auch das Geld für den Versand (ausserdem ist es möglich, dass die Katheter dort günstiger sind, als bei uns).

Aber sie will (wie sie mir zurückschreibt), dass ich den Rest abkläre und das trotzdem schicke. Anscheinend seien die Katheter nicht in der gleichen Qualität erhältlich – was ich fast nicht glauben kann, das müsste dasselbe Produkt von derselben Firma sein, so weit ich das von hier sehen kann.

Also dann: Porto und Zoll. Ich kläre das ab und schreibe ihr wieder.

Wir haben jetzt bei der Post noch die Info eingeholt: Ein Paket von dem Gewicht kostet ca CHF 125.- auf Irland. Es braucht bis zu 10 Tage, bis es da ist. Es ist versichert gegen Bruch oder verlieren gehen – allerdings nur bis zu CHF 1000.-

Wegen dem Zoll in Irland zahlen Sie bei Erhalt nochmals ca. 25% drauf (von den 3000 Franken, also ca. 750 Franken (!) – das wäre dann aber nicht bei uns auf der Rechnung. Die Krankenkasse oder Unfallkasse zahlt weder Porto noch Zoll.

Ich würde immer noch dringend vorschlagen, dass Sie das in einer irischen Apotheke bestellen gehen. Falls Sie aber trotzdem wünschen, dass wir ihnen die Katheter senden, melden Sie es mir noch einmal.

Ich glaube als ich ihr das mitgeteilt habe, war das der Moment wo sie dann doch beschlossen hat das nicht via uns zu machen. Es kam weder ein mail noch ein Zahlungseingang, weshalb ich das natürlich weder bestellt noch geschickt habe.

Aber 2 Wochen später bekomme ich doch noch ein mail: Sie komme für kurze Zeit zurück in die Schweiz, ich solle ihr auf dann die Katheter bestellen, sie komme sie abholen.

Als sie die 2 Wochen später kommt, bringt sie mir direkt ihre neue Adresse (in der Schweiz) und die Karte der neuen Krankenkasse bei der sie schon angemeldet ist.

Okay – in dem Fall bleibt sie doch wieder länger hier. Dann haben wir unsere Stammkundin wieder.

Individuelle Dosierung?

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Die Begebenheit kommt noch aus der Zeit, als Marcoumar der Goldstandard – und so ziemlich der einzige Blutverdünner war:

Der Herr ist aus den Ferien in Spanien in der Schweiz und will jetzt und hier von uns Marcoumar ohne Rezept. Er habe den Blutverdünner schon lange und bekomme das dort immer ohne Rezept.

Das zweite kann ich nicht nachprüfen, das erste bis zu einem gewissen Grade schon: er hat eine alte Packung dabei.

Aber so wie er es sagt ist er schon eine ganze Zeitlang nicht mehr beim Arzt gewesen (bei etwas so … nicht ganz ungefährlichem wie Blutverdünner). Auf die Frage wie er das Marcoumar denn dosiert meint er: „Anhand der Erfahrung“

„?“

Nun, wenn er das Gefühl hat, dass er Blutverdünner braucht, dann schlägt er seinen Handrücken an den Tisch und entscheidet dann anhand der Grösse des entstehenden blauen Fleckes, wie hoch er dosiert.

Sprachlos.

Zum Arzt, bitte!

Einmal alles, bitte.

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Man ist sich schon bewusst, dass manche Leute eine ganze Menge Medikamente nehmen müssen. Aber wie viel, merkt man nur, wenn man mal wirklich alles vor sich hat. Der Arzt hat von uns eine Aufstellung von allem was die Patientin im letzten Jahr so hatte verlangt, weil er ein neues Dauerrezept ausstellen wollte. Das hat er dann auch:

rpvoll

Das ist viel. Auch wenn nicht alles Medikamente sind. Da hat es Inkontinenzeinlagen drauf (zuunterst) und auch Hautpflege, ursprünglich vom Hautarzt verschrieben. Ein ziemlich extremes Beispiel – und vielleicht braucht sie auch nicht wirklich alles, und das Vita Merfen (eine Wund-Heilsalbe) gibt es gar nicht mehr. Magenschutz sind gleich zwei verschiedene drauf: Antra und Pantoprazol, diverse Blutdruck- und Herz-Medikamente und auch gegen Depression.

Man muss sich bei derartigen Listen bewusst sein, dass da zwischen den verschiedenen Medikamenten Wechselwirkungen stattfinden – eine ausgesprochen relevante sehe ich auf den ersten Blick: Euthyrox (Schilddrüsenmedikament) und Magnesiocard (Magnesium) beides am Morgen verordnet. So eingenommen wird das Schilddrüsenmedikament praktisch wirkungslos. 2 Medikamente können wir vergleichen, ab 3 Medikamenten wird das mit den Wechselwirkungen übrigens so komplex, dass da praktisch das Chaos herrscht und nicht mehr wirklich vorhersehbar ist, was herauskommt.

Eine Medikamentenliste wie die oben stellt nicht nur den Patienten, sondern auch den Arzt und Apotheker vor diverse Probleme – und eine gute Kommunikation ist hier wichtig. Vielleicht könnte man das sogar optimieren, damit man nicht mehr so viel nehmen muss.

Dialoge aus der Apotheke / 17

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Also vorwerfen lasse ich mir unsere Dienstleistungen nicht. Wir schauen häufig, dass das Rezept vom Arzt zu uns kommt, aber letztendlich ist das Sache des Patienten für seine Gesundheit Verantwortung zu übernehmen.

Patient (vorwurfsvoll): „Ganz offensichtlich bekommen SIE es nicht hin, dass der Arzt ihnen das Rezept für mich zufaxt!!“

Apotheke: „Stimmt. Wir haben ihm jetzt 2 x deswegen angerufen und 2x das Rezept als Vorlage gefaxt… Wie wäre es, wenn Sie das jetzt machen. Es ist ja ihr Medikament und Ihr Arzt?“

Die totale Verschwendung

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Ein Stammkunde (ein junger Mann, ein lieber, wenn auch eher einfach gestrickter Stammkunde) kommt fragen, ob er vielleicht noch eine Packung Nasenspray haben kann, da seiner nicht mehr geht. Es ist ein Nasenspray gegen Allergien, und verschrieben als Dauerrezept für einen Monat, also ist das möglich. Trotzdem …

Pharmama: „Was geht denn nicht mehr?“

Mann: „Ich weiss nicht, ich drücke, aber es kommt nichts. Ich hatte schon einmal so eine Packung, dann habe ich versucht oben ein Loch hineinzumachen, aber die andere Apothekerin hat mir gesagt, das sei keine gute Idee.“

Das ist wirklich keine gute Idee, danach funktionert er sicher nicht mehr richtig. Es ist allerdings etwas, das gelegentlich vorkommt. Die meisten machen das nach einer Erklärung von uns nicht mehr. Er gibt mir seine Packung und ich gehe rasch nach hinten, das ansehen. Manchmal verstopft so eine Düse, wenn es austrocknet, weil man den Deckel nicht mehr aufgesetzt hat, das bekommt man oft mit etwas warmem Wasser wieder hin.

In dem Fall aber nicht. Wie ich drücke, merke ich, dass einfach nichts mehr kommt und schaue mal genauer unten … Ja – der Spray ist leer.
Ich hole also eine neue Packung und beim eingeben sehe ich, dass er das letzte Mal vor einer Woche den Spray geholt hat. Das ist … seltsam.

Zurück beim Patient zeige ich ihm, dass der Nasenspray wohl noch funktionieren würde, aber leer ist. Ich frage ihn, wie er ihn denn anwendet, denn eigentlich sollte der noch mindestens dreiviertel voll sein.

Mann: „Ja, ich nehme ihn so, wie es mir die andere Apothekerin gezeigt hat und pro Tag 2 mal“

  • das sind 4 Hübe pro Tag, in einer Packung hat es 120 Hübe drin …

Mann: „Aber es ist schon eine Verschwendung.“

Pharmama: „Was denn?“

Mann: „Na, wenn ich jedesmal vorher in die Luft sprühen muss …“

und auf meinen etwas erstaunten Blick: „Na, das steht auch auf dem Infoblatt, dass sie mir gegeben hat.“

Ich gehe es holen. Da steht drauf (und meine Apothekerin hat es ihm so erklärt), dass man beim ersten Gebrauch etwa 6 mal in die Luft sprühen muss … halt bis etwas kommt.
Er hat das jetzt jedes Mal gemacht vor dem Anwenden.
Kein Wunder war die Packung so schnell leer. 16 Sprühstösse pro Tag – ja, das reicht dann etwa eine Woche …

Er hat seinen neuen Nasenspray mit den nötigen Erklärungen bekommen – der hat dann für den Rest der Behandlung gereicht.