Vor Blutdruckgeräten wird gewarnt

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Wir haben letztes Jahr einer älteren Kundin auf anraten ihres Arztes ein Blutdruckmessgerät für den Oberarm verkauft, damit sie in der Lage ist, ihren etwas zu hohen Blutdruck auch zu Hause im Auge zu behalten.

Der etwa 90jährigen Dame wurde das Gerät montiert (die Batterien eingelegt) und demonstriert wie es funktioniert, dann hat sie es gekauft.

Am nächsten Tag bekommen wir in die Apotheke einen Anruf von ihr, denn sie hat … (nein, nicht die Packungsbeilage) die Bedienungsanleitung dazu gelesen! (Frauen machen so was)

Und nach der Lektüre hatte sie Angst das Gerät überhaupt selber anzuwenden.

Ich kann es ihr nicht mal verdenken. Das liest sich schon sehr … gfürchig:
bdwarnung

Wichtige Sicherheitsinformationen

Warnung: Zeigt eine möglicherweise gefährliche Situation an, die, wenn sie nicht vermieden wird zum Tod oder zu sehr schweren Verletzungen führen kann.

(Allgemeine Verwendung)

… und dann folgen die Situationen, wo man ein Blutdruckmessgerät nicht unbedingt selber verwenden sollte. Alles eigentlich logische Sachen und keine davon trifft bei der alten Dame zu – sie ist weder Schwanger, noch Verletzt, noch im Spital noch hat sie kleine Kinder im Haus, Aber … Nein, nach der ausdrücklichen Warnung vor Tod und Verderben wollte sie nicht mehr und liess sich auch trotz unserer Beruhigungsversuche nicht davon überzeugen.

Wir haben das Blutdruckmessgerät dann zurück genommen.

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Nach „ich habe die Packungsbeilage gelesen …!“

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Nach „ich habe die Packungsbeilage gelesen …!“ kam eigentlich noch nie etwas Gutes.
Ist doch so, oder? Wie viele Patienten wurden schon vom Inhalt des Beipackzettels (der inzwischen ein ganzer Roman ist) verunsichert oder gar abgeschreckt?

Was die meisten Leute sich nicht bewusst sind: die Packungsbeilage ist kein medizinisches Dokument, sondern vor allem ein juristisches. Damit sichern sich die Firmen vor allen möglichen Rechtsfällen ab.

Natürlich enthält sie auch wichtige Informationen, wie wann man ein Medikament nehmen soll (zu dem Essen, nüchtern …), mögliche Wechselwirkungen etc., aber was bringt es dem Patienten, wenn da eine Nebenwirkung aufgeführt ist, die etwas so wahrscheinlich ist, wie vom Blitz getroffen zu werden?

Und wenn sie so etwas lesen, habe ich sie nachher im besten Fall in der Apotheke, im schlimmsten nehmen sie das Mittel einfach nicht (mehr).

Per Anhalter durch die Packungsbeilage

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… oder so.

Darauf bin ich letztens gestossen. Das ist jetzt meine Lieblings-Packungsbeilage 🙂

Ist das nicht beruhigend? Kann man sicher brauchen, wenn man neu entdeckt hat, dass der Kleine Läuse hat. Zum Glück diesmal nicht bei uns …

Kann man das lesen? Da steht Unter „Wie ist … anzuwenden?“

Zuallererst: Keine Panik!

sine prospectu

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Da war diese herzige ältere Frau, eine Stammkundin von uns mit mehreren Dauermedikamenten.

Ihr Arzt hat uns einmal unmissverständlich klar gemacht, dass wir bei ihr alle Packungsbeilagen aus den Medikamenten zu entfernen hatten. Auf Rezept liest sich das als „sine prospectu“.

Ich empfinde das zwar als ziemlichen Eingriff in die Selbstbestimmung des Patienten, aber … manchmal kann das wirklich Sinn machen.

Warum wir das tun mussten, war spätestens dann klar, als sie nach dem Erhalt eines Medikamentes reklamieren kam, dass sie uns verklagen würde, „wenn das Medikament ihrem Fötus schaden würde!“

Oh. Offenbar hat jemand die Packungsbeilage nicht entfernt … oder sie hat die Info woanders nachgelesen. (Das ist heute wirklich kein Ding der Unmöglichkeit.)

Man muss aber im Hinterkopf behalten, dass die Dame weit über 80 war.

Wir haben ihr dann erklärt, was ein ist –und dass sie sicher jetzt keinen habe – das Medikament also auch nicht schaden würde.

Warnhinweis

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Gefunden in der Betriebsanleitung:

Beim Betrieb des Modells kann es zu Sach- und/oder Personenschäden kommen. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, dass Sie für den Betrieb des Modells ausreichend versichert sind, z.B. über eine Haftpflichtversicherung.

Das … tönt fast noch abschreckender als die Nebenwirkungsliste mancher Medikamente.

Die Anleitung gehört zu einem Mini-ferngesteuerten Modellhubschrauber, den Kuschelbär sich heute gekauft hat.

Beipackzettel – Anschauungsbeispiel

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In einem der letzten Blogposts kam die Frage auf, ob in der Schweiz die Beipackzettel tatsächlich 3-sprachig seien.

Ja. Sind sie.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Das ginge ja noch, aber das Bild zeigt ja auch nicht den ganzen Zettel.

Das hier schon:

… und das ist nur die Vorderseite. Die Hinterseite ist genauso bedruckt. Von ganz oben bis ganz unten.

Nebendran habe ich als Grössenvergleich die dazugehörige Medikamentenschachtel und der Beipackzettel in gefaltetem Zustand. Das ist vor dem Öffnen. Nach dem Öffnen bekomme auch ich ihn nicht mehr in die vorherige kompakte Form. Das ist wie Origami in der Hölle 😦

Ich habe die Packungsbeilage gelesen! (uh, oh)

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Der Augenarzt verschreibt dem Patienten Azopt Augentropfen – das ist ein Mittel gegen erhöhten Augeninnendruck (Glaukom). Ich erkläre dem Mann die Anwendung und er geht seines Weges.

Am nächsten Tag kommt er zurück in die Apotheke.

Mann: „Ich habe die Packungsbeilage gelesen….“
Pharmama denkt: Uh, oh…
Mann: „…und die Nebenwirkungen, die sind wirklich …“
Pharmama: „beängstigend?“
Mann: „Ja! Haben sie gelesen, was da alles drinsteht?“
Pharmama denkt: Ich kann es mir vorstellen. „Darf ich ihnen ein paar Sachen erzählen über die Nebenwirkungen?
Erstens: Man muss nicht alles bekommen, was da drin steht – die meisten Leute haben sogar keinerlei Probleme. Sie müssen aus rechtlichen Gründen einfach alles hineinschreiben, was irgendwie vorkommen kann. Lassen Sie uns das doch einmal zusammen anschauen.“
Da steht:

Häufig (bis zu 10 von 100 Personen).  Auswirkungen auf das Auge: Verschwommensehen, Augenreizung, Augenschmerz, Augenausfluss, Augenjuckreiz, trockenes Auge, anomale Sinnesempfindungen des Auges, Augenrötung; Juckreiz am Augenlid, Rötung oder Schwellungen des Augenlids…..

Pharmama: „Ich würde sagen, das kann bei allem auftreten, mit dem ihr Auge in Berührung kommt. Staubkorn, Schwimmbadwasser … und so weiter.“

Auswirkungen auf den Körper: schlechter Geschmack, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit.

Pharmama: „Das liegt daran, dass ein Teil der Tropfen in den Körper aufgenommen wird – es läuft ihnen durch den Tränenkanal in die Nase und von da in den Mund. Man kann den Teil aber sehr verringern, wenn sie gleich nach dem Eintropfen der Augentropfen mit den Fingern Druck aufüben auf die Nasenwurzel, gleich beim Auge – dann schliessen sie den Tränenkanal und es kommt nicht soviel durch.“
Patient: Das hat mein Augenarzt auch gesagt!“
Pharmama: „Ja, sehen Sie.“ 🙂  denkt: das ist immer gut, wenn zwei genau dasselbe erzählen.
„Dann kommen wir schon zu den Sachen, die weit weniger häufig auftreten:“ 

Gelegentlich (bis zu 10 von 1000 Personen)

Pharmama: „Haben sie die Tropfen überhaupt schon genommen?“
Mann: „Nein, das fand ich zu abschreckend.“
Pharmama: „Hat ihnen der Arzt erklärt, weshalb sie die Tropfen brauchen?“
Mann: „Er meinte mein Augeninnendruck sei zu hoch.“
Pharmama: „Und wissen Sie, was das für Sie bedeutet?“
Mann: „Nicht so genau …“
Pharmama: „Wenn der Augeninnendruck zu hoch ist, kann das die Sehnerven schädigen und zwar nicht umkehrbar. Man sieht immer schlechter. Ich denke, es ist das kleinere Übel, wenn Sie die Augentropfen nehmen, wie der Augenarzt Ihnen verschrieben hat …
… falls bei Ihnen wirklich Nebenwirkungen auftreten, kommen sie doch noch mal vorbei. Aber wenn Sie es nicht versuchen, wissen Sie das nicht. Und der Nutzen der Augentropfen ist sicher höher als das Risiko – vor allem, wenn Sie sie so anwenden, wie ich Ihnen vorher gezeigt habe.“

… der Mann scheint beruhigt, bedankt sich und verspricht die Augentropfen anzuwenden. Und ich habe das Gefühl, gute Arbeit geleistet zu haben.

Aber ich verstehe ihn gut. Da denkt man, man bekommt etwas so einfaches wie Augentropfen und dann steht das in der Packungsbeilage:

Auswirkungen auf den Körper: verringerte oder unregelmässige Herzschlagfrequenz, verringerte Herzfunktion, Brustkorbschmerzen, Asthma, erschwerte Atmung, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, eingeschränktes Erinnerungsvermögen, Depressionen, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Müdigkeit, allgemeines Schwächegefühl, Verwirrtheit, Schmerzen, Zucken, Ohrgeräusche, verringertes Lustgefühl, Erektionsprobleme, Erkältungssymptome, Engegefühl in der Brust, Husten, Nasennebenhöhlenentzündung, Rachenreizung, anomales oder verringertes Gefühl im Mund, Speiseröhrenentzündung, Bauchschmerzen, Übelkeit, Magenbeschwerden, Durchfall, Blähungen, Magendarmbeschwerden, Nierenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelzucken, Rückenschmerzen, Nasenbluten, trockene Nase, laufende Nase, verstopfte Nase, Niesen, Ausschlag, anomales Hautgefühl, Jucken, Haarausfall.

Steht da irgendetwas *nicht* drin?

Bitte lassen sie den Hund nicht mehr Autofahren …

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Auf der amerikanischen Tablettendose für den Hund:

Könnte Schläfrig machen. Alkohol könnte diesen Effekt verstärken. Seien Sie vorsichtig, wenn sie Auto fahren oder gefährliche Maschinen bedienen.

Umm, ja. 🙂

Auf der anderen Seite: so eine Kurzfassung der wichtigsten Nebenwirkungen fände ich auch bei uns Sinnvoll. Sinnvoller als die monstergrossen, unlesbaren Packungsbeilagen.

Einen habe ich noch …

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(kurz bevor ich in die Ferien abdüse)

Ein Mann kommt in die Apotheke mit einer Packung Aspirin Cardio:

„Hätten Sie mir noch eine Packungsbeilage? Mein Hund hat sie gefressen.“

… und ich dachte das passiert nur mit Hausaufgaben

Falls das Dir mal passiert: Packungsbeilagen / Beipackzettel / Publikumsinformation – oder wie immer man das nennen will – für schweizer Medikamente finden sich hier:

Anatomie … ungenügend

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Auf einer amerikanischen Medikamentenpackung:

„2 Kapseln pro Vagina vor dem Schlafen während 8 Wochen“