Kleine Nothilfe

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Eine junge Frau kommt sehr nervös und kurz vor dem Weinen in die Apotheke.

Frau: „Hallo? Ich brauche Hilfe – ich werde verfolgt! Könnte ich ihr Telefon benutzen?“

Pharmama. „Sicher.“

Ich denke sie will die Polizei anrufen. Sie nimmt aber ihr Portemonnaie hervor, durchsucht es -wohl nach einer Telefonnummer- und sagt dann (jetzt fast schon panisch): Oh nein, ich habe die Nummer nicht dabei!“

Pharmama: „Kann ich sie vielleicht für sie nachschauen?“

Immerhin habe ich den Computer mit Internetverbindung grad nebendran und das directories (das Internet-Telefonbuch) ist wirklich praktisch.

Frau: „Oh, ja, bitte! Ich brauche die Nummer vom ….“ (einer Unterkunft mit psychiatrischer Betreuung).

Ich wundere mich nur etwas, suche die Nummer heraus, wähle und gebe ihr das Telefon. (Seit ein paar Betrüger über Telefone in Geschäften gebührenpflichtige Nummern angerufen haben, wähle ich grundsätzlich selbst für die Kunden).

Wenig später wird sie abgeholt.

Aber was ich schön finde ist: dass sie uns als „sicheren Hafen“ erkannt und genutzt hat.

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Kokser missbrauchen Apothekennotfalldienst

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Ein Artikelvon Heidi Mühlemann

Apotheker C. … hat Notfalldienst. Nachts um zwei wird er aus dem Schlaf gerissen. Ein Mann klagt über starke Migräne. Er habe das sonst nie, aber jetzt sei es ganz schlimm. Er brauche ein Medikament, egal was, Hauptsache, es hilft. Apotheker C. fährt also mitten in der Nacht in seine Apotheke. Dort lässt ihn der angeblich so sehr an Migräne leidende Kunde eine halbe Stunde warten. Dann fährt er mit dem Taxi vor. Apotheker C. fragt nochmals nach den Symptomen und empfiehlt dem Mann ein Mittel gegen Migräne. Ganz beiläufig meint der Mann, wenn er schon mal da sei, könnte er auch gleich etwas Natron mitnehmen, er habe ab und zu etwas Magenbrennen. Nach gut einer Stunde liegt Apotheker C. endlich wieder im Bett.

In der folgenden Nacht reisst ihn erneut ein Anrufer mitten in der Nacht aus dem Bett. Migräne, ganz stark, geht nicht mehr ohne Medikamente. Apotheker C. wird hellhörig. Das Päckchen Natron von vergangener Nacht kam ihm rückblickend schon reichlich merkwürdig vor. Ein zweites Mal lässt er sich nicht reinlegen. Diesmal verlangt er die Telefonnummer des Anrufers und stellt klar, dass er kein Natron verkaufe, falls dies allenfalls auch noch gewünscht wäre. Das wirkt. Der Anrufer ist nicht mehr überzeugt, dass er seine Telefonnummer angeben will. Unvermittelt meint er, seine Frau habe soeben noch etwas gefunden gegen seine Migräne, und legt auf.

Natron wird verwendet, um aus Kokainsalz die zum Rauchen besser geeignete Kokainbase herzustellen. Das wissen Apotheker. Aber selbstverständlich ist nicht jeder, der Natron oder Zitronensäure verlangt, ein Drögeler. Apotheker werden also bestimmt nicht bei jedem dieser an sich harmlosen Wünsche ein inquisitorisches Gespräch mit dem Kunden führen. Wenn allerdings Leute mitten in der Nacht etwas völlig anderes vorschützen, um ganz nebenbei auch noch Natron oder Zitronensäure zu kaufen, ist Zurückhaltung angesagt. Für solche Spielchen ist der Apothekennotfalldienst nicht da. Es ist Missbrauch einer kosten- und arbeitsintensiven Dienstleistung. Apotheker C. jedenfalls verkauft in der Nacht grundsätzlich kein Natron mehr und empfiehlt seinen Kolleginnen und Kollegen dringend, ebenfalls konsequent zu sein. Die Kokser werden dennoch zu ihren Substanzen kommen. Aber sie sollen zumindest wissen, dass man Apotheker nicht für dumm verkaufen sollte.

Hopp und weg!

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Anlässlich des Einfach … aufdringlich Posts ist Tatjana noch eine Begebenheit aus ihrer Apotheke eingefallen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Ich liiiebe diese Patienten!!!
Ich hatte mal eine Notfallpatientin, die nicht mehr aufrecht stehen konnte – ihr war übel und schwindlig. Nun, der Blutdruck war ok, also leg ich sie auf unsere Pritsche ins Büro- da schläft sie plötzlich ein! Erst dann (!!) sagt die Kollegin, die sie begleitet hat, dass sie ihr eine Tablette Stilnox gegeben hatte! Ach ja.
Soviel dazu: Nehmen Sie doch das! Das hat mir auch wunderbar geholfen!

Für medizinisch unbedarfte: Stilnox ist ein starkes Schlafmittel – kein Wunder ist ihr (immer noch? / neu?) schwindlig und sie schläft so überraschend ein. Gegen Schwindel und Übelkeit nutzt es natürlich nix … ausser vielleicht in dem Sinn, dass man nichts mehr merkt, wenn man schläft.

Aus dem Notfalldienst

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Telefon im Notfalldienst.

Älterer Anrufer: „Ich habe gerade meine Tante vom Notfalldienst abgeholt.“

Apothekerin: „Ja?“

Anrufer: „Und die Ärzte haben ihr ein paar Sachen aufgeschrieben, eines davon Xanax.“

Apothekerin: „Ok.“

Anrufer: „Jetzt beklagt sie sich, dass die linke Seite ihres Körpers schmerzt.“

Apothekerin: „Die linke Seite?“

Anrufer: „Ja. Sie sagt auch die Brust mache ihr weh.“

Apothekerin: Sie müssen sie sofort zurück in den Notfall bringen. Das hört sich nach einem Herzanfall an.“

Anrufer: „Was? Aber wir kommen gerade von da!“

Apothekerin: „Ich weiss. Aber sie müssen sie wieder hinbringen.“

Anrufer: „Warum? Denken sie es war das Xanax?“

Apothekerin: „Ich weiss es nicht. Aber bringen sie sie so schnell wie möglich.

Anrufer: „Aber die im Notfall haben ihr das gegeben. Warum soll ich sie jetzt wieder dorthinbringen?“

Apothekerin: „Ich weiss nicht was der Auslöser war, aber sie können sie ja fragen, wenn sie sie in den Notfall gebracht haben! (muss ich noch deutlicher werden?)

Anrufer: „Oh, ok.“ (hängt auf.)

Tönte nicht so, als wäre er sehr erfreut sie wieder hinbringen zu müssen.

Übrigens: vor allem Frauen zeigen bei Herzinfarkten oft nicht so typische Symptome, dort wird das häufig mit Magenschmerzen, Kiefer- oder Zahnschmerzen (!) und ähnlichem verwechselt. Trotzdem ist es wichtig, dass man bei Verdacht rasch reagiert. Hier findet man mehr über die Symptome.


noch ein Notfall

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„Oh, Gottseidank haben sie noch offen! … Haben sie die Nuggi von Avent ? Ich brauche unbedingt genau die. Mein Baby nimmt keinen anderen und vorhin haben wir den letzten verloren!“

Oder: Das Wochenende ist gerettet.

Ein Notfall

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Es läutet nach Ladenschluss an der Notdiensttüre. Wir zwei die Abenddienst hatten sind noch da, gerade fertig mit Laden sicher machen und uns umziehen.

Ich öffne das Fenster der Türe.

Junger Mann: „Das ist ein Notfall! Ich brauche unbedingt (jetzt kommts) ein Glas Rüeblibrei!“ (Karottenbrei für meine deutschen Leser).

Ich schaue ihn an: Will der mich veräppeln? Was für ein Notfall ist das denn?

„Entschuldigen sie, aber wir haben schon geschlossen. Die Computer sind runtergefahren, die Kassen versorgt.“

Mann: „Aber das ist wichtig! Mein Meersäuli hat Durchfall und der Tierarzt hat gesagt, ich soll es mit Rüebibrei probieren. Das haben sie doch?“

Ja, haben wir – als Baby Gemüsebrei. Meine weiche Seite bekommt überhand und ich hole es: „In Ordnung. Er kostet 2 Franken 50. Aber wenn sie es nicht korrekt haben: ich kann ihnen nicht herausgeben, die Kassen sind weggeräumt.“

Er drückt mir 3 Franken in die Hand, die ich zusammen mit einem Zettel zur Erklärung für die Mitarbeiter morgen auf die Theke lege.

Eigentlich hat er Glück gehabt, nicht nur dass wir noch im Laden waren und das hatten, was er wollte … wenn er seinen Brei im Apotheken-Notfalldienst geholt hätte wäre es einiges teurer geworden.


Notfallmittel, die man zuhause haben sollte

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Vor allem, wenn man so einen „Rampass“ hat, wie wir.

Junior ist alles andere als vorsichtig und es reicht bei ihm nicht, dass er einmal irgendwo hineinläuft, sich die Finger einklemmt oder herunterfällt. Das passiert öfter. Vorgestern auch. Da hat er sich vom Sofa gestürzt (anders kann man das nicht nennen) und Papa, der ihn hätte auffangen sollen – denn das war wohl die Idee – war zu langsam. Ergebnis: einen Knall, den ich bis ins Nebenzimmer hörte, weil er sich den Kopf an der Schläfe am Tischchen vor dem Sofa angeschlagen hat. Natürlich tut das weh.

Und das gibt auch sofort eine wahnsinns-Beule samt zugehörigem blauem Fleck.

Die werden sich auch was denken im Babyschwimmen.

Ausser, ja, ausser man hat die richtigen Notfallmittel im Haus.

Nämlich Rescuetropfen (Notfalltropfen von den Bachblüten) und Arnika globuli (z.B. von Similasan oder Weleda)

Die Rescuetropfen sind so ziemlich für alles gut, was kleinere Unfälle angeht: zum Einnehmen zum Beruhigen. Zum Auftropfen und Einreiben bei kleineren Blessuren. Und Arnika ebenso: es ist das beste Mittel zum Vorbeugen und Behandeln von blauen Flecken und stumpfen Verletzungen.

Also gab ich Junior Rescuetropfen und alle 15 Minuten ein paar Arnika Globuli (die nimmt er gerne, vermutlich auch, weil sie leicht süsslich sind). Die Beule kühlen wir ein paar Minuten mit einem nassen Tuch – mehr als ein paar Minuten hält Junior auch nicht still, danach mache ich ein paar Mal Rescue darauf.

Ergebnis: nach 2 Tagen sieht man nur noch etwas, wenn man weiss wo man schauen muss. Das ist wirklich erstaunlich!

Es lohnt sich nicht einmal für ein Foto (ich hab’s probiert).

Das nächste Mal sollte ich vielleicht daran denken ein Vorher/Nachher Foto zu machen – aber in dem Moment wo Junior schreit ist mir logischerweise einiges anderes wichtiger.

Darum halt ein Foto von der Arnika, aufgenommen beim letzten Besuch im botanischen Garten – ach die Erinnerungen an die alten Zeiten, als wir in dem Garten herumgestolpert sind um von etwa 100 Pflanzen das Aussehen (und die Anwendung) zu merken.