Immerhin etwas

„Haben Sie mir etwas gegen Kopfschmerzen?“ fragt die Frau auf Hochdeutsch. „Ich habe Migräne – in Deutschland nehme ich dafür immer ein Triptan.“

„Ja“ – sage ich, „aber hier in der Schweiz sind die alle rezeptpflichtig.“

Frau: „Oh, in Deutschland auch – aber da gibt es 3er Packungen, die man so haben kann.“

„Je nun – die gibt es in der Schweiz nicht, hier sind tatsächlich alle rezeptpflichtig.“

„Was machen Sie denn hier, wenn sie Migräne haben?“

Am liebsten hätte ich ja gesagt „einen schlechten Eindruck“, vor allem angesichts dessen, dass es die Migräne Kranit nicht mehr gibt und keinerlei freiverkäuflichen Schmerz-Zäpfchen ausser mit Paracetamol … alle Triptane rezeptpflichtig sind und die Mutterkornalkaloide auch noch ausser Handel … echt manchmal komme ich mir hier schon ein bisschen … rückständig vor, weil wir so eingeschränkt sind.

Aber: Doch, es gibt etwas.

„Versuchen Sie mal die Kombination aus Ibuprofen 400mg mit einem Motilium – das wirkt bei mir eigentlich immer. Manche nehmen auch Aspirin – einfach grad 2 x 500mg in Brausetabletten-Form – oder Paracetamol, combiniert mit Coffein – auch grad 2 x 500mg aufs Mal.

Wenn all das nichts bringt, dann sollten Sie vom Arzt sich die Triptane verschreiben lassen – das können Sie hier … sogar als Dauer-Rezept.“

Immerhin etwas.

Tschüss Migräne-Kranit (und wieder ein Kombi-Präparat weniger)

Frisch reingekommen: Rückruf für Migräne-Kranit, Tabletten und Zäpfchen. Alle (!) Chargen.

Als Grund wird angegeben: „Der Rückruf erfolgt, da die Präparate nicht mehr den heutigen regulatorischen Anforderungen entsprechen.“

Was mehr oder weniger bedeutet: das ist veraltet, die Wirkstoffkombination nicht mehr Zeitgemäss … und für einen Wechsel- eine Neuzulassung steht wohl auch kein Geld zur Verfügung.

Das das verschwindet kommt nicht ganz unerwartet – es gibt immer weniger Kombinationspräparate bei den Schmerzmitteln – und die Zusammensetzung ist (eigentlich) auch etwas überholt: Paracetamol, Coffein und Chlorphenamini maleas.

Speziell das Chlorphenamin: ein Antihistaminikum der ersten Generation, macht also recht müde, wirkt austrocknend, antiallergisch … man soll es nicht bei Kindern und älteren Menschen einsetzen. Im Mittel drin war es wohl einerseits wegen der beruhigenden Wirkung und weil es auch auf die Gefässe wirken soll. So steht in der Packungsbeilage:

Migränoide und andere gefässbedingte Kopfschmerzen (nicht zur Anfallsprophylaxe der echten Migräne geeignet).

Migränoide und vasomotorische Kopfschmerzen sind multifaktoriell unterhaltene Leiden. Migräne-Kranit erfasst durch seine sich sinnvoll ergänzenden Komponenten die wichtigsten Faktoren dieser Leiden und lindert die Schmerzen.

Das wird jetzt wirklich unangenehm für die Leute, die das genommen haben, und denen es geholfen hat. Das gibt wahrscheinlich das gleiche Theater in der Apotheke, als sie die ursprüngliche Formulierung des Tonopan ausser Handel genommen haben. … gut, vielleicht nicht mit der gleichen Anzahl Leute, die das genommen haben, aber … ja.

Was nehmen die denn jetzt?

Die gleiche Kombination gibt es nicht mehr – die kommt wohl auch nicht wieder.

Paracetamol und Koffein – das findet man noch, z.Bsp in Panadol Extra, Sanalgin, Dialgine, Kafa Pulver und neu Dolo Kranit (dem Ersatz von der Firma von Migräne Kranit selber).

Das Chlorphenamin alleine gäbe es eigentlich in Arbid Tropfen – einem Schnupfenmittel zum Einnehmen für Kinder. Nur … ist das seit Monaten nicht lieferbar und ich schätze, das geht jetzt auch ausser Handel. Immerhin sollte Chlorphenamin eigentlich nicht bei Kindern eingesetzt werden …

Weiter findet sich Chlorphenamin in den Fluimucil Grippe Brausetabletten- aber nur in denen für die Nacht, dort ist es enthalten zusammen mit Paracetamol. Das könnte man nehmen, dazu einen grossen Kaffee … und die restlichen Brausetabletten für den Tag wegwerfen? Nein.

Andere Mittel, die Gefäss-aktiv sind gegen Kopfschmerzen wie sie bei Migräne vorkommen gibt es hier keine rezeptfreien mehr – und auch die rezeptpflichtigen sind sehr rar. Ergotamin gibt es auch nicht mehr. Triptane kann man versuchen … ansonsten halt die „normalen“ Schmerzmittel, allen voran Ibuprofen, dann Acetylsalicylsäure, Paracetamol – alles hoch genug dosiert – und eventuell (TIP!) in Kombination mit Motilium damit es schneller/besser wirkt.

UPDATE NOVEMBER 14:

die Firma vom Migräne Kranit hat selber ein Mittel herausgebracht als Ersatz: das Dolo Kranit. Das enthält jedoch kein Chlorphenamin mehr, nur noch Paracetamol und Koffein.

Die Migräne Kranit, die man findet zum bestellen im Internet – oder auch die in Deutschland, haben NICHT dieselbe Zusammensetzung, wie die in der Schweiz bis Oktober erhältlichen. Die enthalten nur Phenazon. Auch ein Mittel gegen Schmerzen – auch das eines, das nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht … und in der Schweiz nicht erhältlich ist (ausser noch in lokal anzuwendenden Tropfen).

Anfallweise Kopfschmerzen

Letzte Nacht hatte ich nach langer Zeit einmal wieder einen richtigen Migräneanfall. Eigentlich bin ich bis zu einem gewissen Grad ja selber schuld daran, denn ich habe – gegen besseres Wissen- nicht gleich eine Tablette genommen. Ich dachte, es würde vielleicht von selber besser werden – immerhin war es Abend, und ich gehe jetzt Schlafen und wenn ich dann aufwache ist es hoffentlich weg.
Falsch gedacht.
Ich wachte um 1 Uhr Nachts auf – mit schrecklichen Kopfschmerzen.
Das Problem ist, dass es dann, wenn man es so hat, nicht mehr viel bringt, eine Tablette zu nehmen. Denn zusammen mit den starken, einseitigen, pochenden Kopfschmerzen schlägt einem die Migräne so auf den Magen, dass eine eingenommene Tablette einfach dort liegenbleibt. Der Magen steht wie still – aber schlecht ist einem!

Was man dann noch tun kann, wäre zusammen mit der Kopfschmerztablette ein Motilium zu nehmen – das ist ein Mittel gegen Übelkeit und es regt den Magen so an, dass die Tablette weiterrutschen kann – und dann wirken.
Aber weil ich so lange keine Migräne mehr hatte, habe ich auch keine Motilium mehr im Haus. Es macht auch absolut keinen Spass, welche zu suchen, wenn einem schon so schlecht ist.
Das Ergebnis war dann, dass ich über der Toilettenschüssel auch die eingenommene Tablette wieder hochgewürgt habe.
Aber es gibt ja noch andere Einnahmewege. Bloss, dass ich auch keine Schmerzzäpfchen im Haus habe … ausser … Juniors. Also habe ich in meiner Qual dann eines seiner Schmerz/Fieberzäpfchen genommen. Das ist zwar etwas unterdosiert, aber besser als nichts, dachte ich. Nach einer Weile ging es dann auch wirklich besser und der Magen beruhigte sich soweit, dass ich nochmal eine halbe Tablette nehmen konnte.

Es ist zwar noch nicht vorbei, ich habe immer noch etwas Kopfschmerzen und bin Licht- und Lärmempfindlich (bitte heute nicht herumschreien, Junior- am besten, er kriegt gleich den Nuggi), aber immerhin kann ich wieder etwas anderes tun als im Bett liegen und mich krümmen.

Aber als Merknotiz für mich: am Samstag unbedingt in der Apotheke Motilium lingual holen. Und das nächste Mal nicht das Gefühl haben so ein Held sein müssen, sondern die Tablette auch zu nehmen, wenn es Abends ist!

Was hat den Migräneanfall ausgelöst? Hmm, schwer zu sagen, aber eventuell die Tatsache, dass ich wieder eine stärkere Pille nehme Coffeinentzug (Cola in meinem Fall), einige Tage frei.

Viel und gute Info zum Thema Migräne findet sich auf der Homepage der
optisch finde ich zwar müssen sie noch etwas an ihrem Auftritt arbeiten, aber die Info ist 1A.

Das Krokodil in der Apotheke

Im letzten Kurs, in dem ich war (über Migräne) hatte ich ein Aha-Erlebnis. In sehr alten Apotheken respektive in Apotheken-Museen – wie z.B. sieht man immer wieder mal ein Krokodil, das von der Decke hängt.

Wieso?

Zu den Zeiten der Alchemisten hat man anscheinend auch aus Krokodilen Heilmittel hergestellt (Fett zu Salben und ähnlichem).

Aber so wie’s für mich aussieht, geht die Geschichte noch weiter zurück, nämlich bis zu den Ägyptern und ihrer Migränebehandlung. (s. Bild).

Dem Kopfweh-Patienten ein (Ton-)Krokodil auf den Kopf zu schnallen, war anscheinend üblich. Ob es viel gebracht hat, bezweifle ich, aber wer weiss.

Und das Krokodil über der Theke? Das verhinderte vielleicht bei manchem Apotheker die Kopfschmerzen, die durch uneinsichtige Kunden entstehen …