Medikamentennamen sind schwierig (7)

Für einmal ein Deutsches Rezept. Ich find’s ja irgendwie süss – und im dritten Anlauf hat es auch der Arzt geschafft, das Medikament richtig zu schreiben …

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Doxiyci .., Nein, Doxiyc…, Nein, Doxycyclin. Na also …

Danke an Torsten, dass ich das Bild benutzen darf!

Man sieht, nicht nur die Patienten und wir Apotheker haben Teils Mühe mit den Namen.

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… oder so ähnlich

Ich weiss, ich weiss: Medikamentennamen sind schwierig. Trotzdem finde ich das nicht gerade vertrauenserweckend, wenn der verschreibende Arzt sie auch nicht kann. Was hat er gemacht? Einfach aufgeschrieben, was der Patient ihm gesagt hat?

Richtig wäre natürlich: Venlafaxin. Das ist der Wirkstoffname. Davon gibt es inzwischen sowohl Original (Efexor) als auch Generika (z.B. Venlafaxin Mepha).

Aber der Arzt befindet sich ja in bester Gesellschaft  – wie man hier nachlesen kann:

Medikamentennamen sind schwierig (1)

Medikamentennamen sind schwierig (2)

Medikamentennamen sind schwierig (3)

Medikamentennamen sind schwierig (4)

Medikamentennamen sind schwierig (5)

Medikamentennamen sind schwierig (6)

Wie schreibt sich das?

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Ein Computergeneriertes Rezept. Man sollte denken, dass da nicht viel falsch gehen kann. Werden die nicht mittels Listen, wo die Medikamente drauf sind und anklicken erstellt?

Und wie passiert dann so etwas?

Patient: „Ich brauche dann wieder das Metacerox“

Praxisassistentin: „Wie schreibt sich das? Ich finde das nicht?“

Patient: „Na, so wie es sich ausspricht! 50 Milligramm. Ich hatte das bisher immer.“

Praxisasssistentin denkt sich: „Ach, ich füge das einfach als neue Zeile ein – die Apothekerin wird schon wissen, was gemeint ist.“

Ja – ich weiss. Aber ob der Arzt der das so unterschrieben hat das auch weiss?

Bonuspunkte für den, der mir in den Kommentaren das richtige Medikament nennen kann.

Was man so zu hören bekommt in der Apotheke …

… und was die Leute dann eigentlich wollten:

„Ein Kommodenquetscher, bitte.“  – (Komedonenquetscher)

„Ein Vaterschaftstest.“ (Nur ein Schwangerschaftstest? oder doch ein Freudscher Versprecher?)

„Ich möchte gerne Nicorette zum rauchen.“ – (Der Nicorette inhaler)

„Ein Nasosex, bitte.“ – (Nasonex)

„Haben Sie Darmflöhe?“ – (Flohsamen)

„Etwas gegen niedlichen Blutdruck“ – (süss :-) – gegen niedrigen Blutdruck)

„Ein Ven-Ostasien“ – (Venostasin)

„Mein Asterix.“ – (Antistax)

„Eine Flasche Salmoniak.“ – (Salmiak = Ammoniak. Salmon = Lachs? Naja, stinkt auch)

„Ein Protokoll, bitte.“ – (Procutol)


Ich weiss schon, Medikamentennamen sind schwer. Sieht man auch hier:

Medikamentennamen sind schwierig (1)

Medikamentennamen sind schwierig (2)

Medikamentennamen sind schwierig (3)

Medikamentennamen sind schwierig (4)

Medikamentennamen sind schwierig (5)

Medikamentennamen sind schwierig (6)

 

Amüsanter Versprecher

Patient: "Ich hätte gerne das Anthrax vom Rezept."

Atarax. Wenn der Arzt ihnen Anthrax aufgeschrieben hätte, wären Sie jetzt wohl nicht mehr hier.

Aber es ist so: Medikamentennamen sind schwierig. Sieht man auch hier:

Medikamentennamen sind schwierig (1)

Medikamentennamen sind schwierig (2)

Medikamentennamen sind schwierig (3)

Medikamentennamen sind schwierig (4)

Medikamentennamen sind schwierig (5)

Medikamentennamen sind schwierig (6)

Woher kommen unsere Medikamente? Am Beispiel Bacitracin

Bacitracin ist ein Antibiotikum – es wirkt vor allem gegen Grampositive Erreger wie Staphylokokken oder Enterokokken – die machen zum Beispiel Mittelohrentzündungen, Augeninfektionen und Nasennebenhöhlenentzündungen.

Es wird äusserlich und in Salbenform verwendet – innerlich ist es nephrotoxisch, also nierenschädigend.

Die meisten Quellen, die ich fand schreiben einfach, dass der Wirkstoff aus dem Erreger Bacillus subtilis extrahiert wird – das finde ich schon interessant genug: ein Mittel gegen Bakterien wird von anderen Bakterien hergestellt. Aber noch spannender ist die ganze Geschichte dahinter:

Es ist 1943 – der zweite Weltkrieg noch in vollem Gang … und deshalb sind auch viele Ärzte und andere Forscher auf der Suche nach neuen Antibiotika: um die paar wenigen, die man schon hat zu ergänzen. Andere suchten nach Möglichkeiten die Antibiotika wirksamer zu machen – zum Beispiel, indem man Probenecid dazu nahm. Das ist ein Mittel gegen Gicht, das die Ausscheidung von Harnsäure steigert … dabei aber die Ausscheidung anderer Mittel hemmt. So macht es zum Beispiel auch, dass das Penicillin via Niere nicht so rasch ausgeschieden wird – es wirkt länger. Man braucht weniger.

Im Juni 1943 also kam ein junges Mädchen in ein Spital in New York. Ihr Name würde schliesslich im Namen eines topischen Antibiotikums landen, das noch im 21. Jahrhundert in Gebrauch sein würde.

Es war Margaret Tracy, 7 Jahre alt. Sie wurde in den Notfall gebracht mit einem offenen Schienbeinbruch – wo sie von einem Auto angefahren worden war,

Die Verletzung war infiziert und eine Kultur der Bakterien wurde ins Labor geschickt.

Am nächsten Tag fand der Chef des Labors, Bakteriologin Balbina Johnson, dass die Staphylococcus Aureus, die sie noch am Tag zuvor in der Kultur mit dem Mikroskop nachgewiesen hatte … verschwunden war. Wieso?

Auf der Suche nach der Lösung fand sie zusammen mit dem Chirurgen Frank L. Meleney, dass der S. aureus von einer anderen Microbe gekillt wurde – Bacillus subtilis.

Man isolierte das Bakterium, züchtete es in verschiedenen Nährmedien und fand, dass es ein neues Antibiotikum produzierte. Erfreulicherweise war das isolierte Mittel nicht nur stark wirksam gegen verschiedene Bakterien, sondern ausserdem nicht toxisch auf den Menschen. Zumindest, wenn äusserlich angewendet.

Das Antibiotikum wurde dann Bacitracin genannt – als Kombination aus Bacillus und Tracy. Noch heute wird es verwendet.

Heute ist es leider wegen der Resistenzentwicklung nicht mehr so wirksam und es macht Allergien (was nicht?) – aber man findet es noch als Kombinationsprodukt. In Cicatrex – der einzigen Salbe mit Antibiotika, die in der Schweiz frei verkäuflich ist. In Bacimycin, Nebacetin und in der Augensalbe Neotracin – die wahrscheinlich noch einige Mütter und Väter hier kennen, da es noch gelegentlich bei Kindern eingesetzt wird. Das ist mir jetzt noch vom Namen her sympatisch – ist das Tracy doch auch da noch drin …

Quellen; und

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