Mit manchen Leuten kann man nicht diskutieren

Das ist die (traurige) Erkenntnis, die ich teils auch schon machen musste. Das liegt meist daran, dass die so fest von ihrer Meinung überzeugt sind, dass es schon fast an religiösen Fanatismus grenzt.

Letzthin hatte ich so jemanden in der Apotheke, die mich unbedingt von den Vorzügen von überzeugen wollte … und dass ich ihr das besorgen müsse.

Kolloidales Silber gibt es nicht in der Apotheke. Der einzige Weg, wie ich da ran kommen könnte wäre über das Internet – und das will ich nicht.

Ja, ich habe von kolloidalem Silber schon gehört, aber: Nein, ich halte das nicht für das Allheilmittel, als das es angepriesen wird. Und Nein, ich denke auch nicht, dass der einzige Grund, warum das nicht auf dem Markt in – sagen wir Apotheken – erhältlich ist daran liegt, dass die böse Pharmaindustrie daran nicht gross verdienen würde. Das ist sicher ein Grund: die Patent-Frage. Der andere ist aber der wichtigere: Wirkung und Nebenwirkungsnachweis. Ist es besser als die Antibiotika, die es heute gibt? Wenn es das wäre, würde sich auch jemand finden, der das offen vermarkten kann – nachdem Studien gemacht wurden.

Ja, man hat Untersuchungen. Äusserlich angewendet sehe ich ein paar Vorteile. Immerhin gibt es auch einige desinfizierende Wundsalben mit Silberionen.

Aber …. nicht alles, was in einer Petrischale oder einem Reagenzglas mit Wasser Bakterien killt ist ein gutes Antibiotikum. Eingenommen ist es unmöglich Plasmalevel zu erreichen, die einen antimikrobiellen Effekt haben und noch nicht toxisch* sind.

Aber Ja, Silber wirkt toxisch. Ja, auch wenn es richtig hergestellt wird – also nicht Silbersalze, sondern wirklich kolloidales Silber. Ein Teil wird nämlich immer in Ionenform vorhanden sein – und bei Lagerung auch in solches umgewandelt.

Nein, auch wenn es kolloidal ist, kann es sich im Körper ansammeln, das geht nicht alles einfach wieder raus, nur weil Sie es gelöst einnehmen.

Keine Nebenwirkungen? Wenn sie zuviel davon nehmen, werden sie blau. Nennts sich argyria – da gibt es auch schon .

Was? Die hätten das alle ässerlich eingerieben und nicht eingenommen und es sei sowieso nicht das richtige kollodale Silber gewesen? Das habe ich anders gehört.

Wahrscheinlich bin ich einfach von meinem Hintergrund-Wissen so überzeugt, wie Sie von Ihrem. Wir haben da einfach keinen gemeinsamen Grund.

Ich sehe keine Ursache meinen Quellen zu misstrauen – wofür sie wahrscheinlich von mir denkt, ich bin ein Lakai der bösen Pharmaindustrie … und ich denke von ihr sie ignoriert die wissenschaftlichen Fakten .. und ist darum klassisch naiv….

Quellen zum weiterlesen: 

 

*Die chronische Einnahme kann zu einer quasi irreversiblen Einlagerung von Silbersalzen in Schleimhäute und die Haut führen. 
Aber auch in Gefäßen und inneren Organen wie Leber, Nieren, Milz und im Zentralnervensystem lagert sich Silber ab. 
Dies kann unter anderem zu chronischen Oberbauch-Schmerzen und zentralnervösen Erkrankungen wie Geschmacks- und Gangstörungen, Schwindel oder Krampfanfällen führen

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Kosmetik herstellen

Fand ich süss letzte Woche:

altes Frauchen bei uns: „Grüetzi. Machen Sie auch Produkte von Clarins?“

:-)

Für diejenigen, die das nicht wissen: das ist eine Kosmetikmarke. Die vertreiben wir vielleicht, aber „machen“ tun wir die nicht.

Die kleinen weissen …

Das ist der Grund, warum ich so Beschreibungen von Medikamenten wie „Na, die kleinen, weissen Tabletten, die ich am Morgen nehme“ nicht wirklich optimal finde:

aktuelleres Beispiel aus einem Wochendosett. Und das sind noch nicht alle Tabletten, die er nimmt. Das sieht dann so aus:

Das inklusive der grösseren weissen Tabletten und der bunten. Welche darf’s denn sein?

Feldversuche …

Die Patientin (eine Stammkundin, eine ältere Dame), bringt mir ein Blister* von Voltaren retard 100: „Ich hätte gerne wieder eine Packung von denen.“

Ich gehe in ihr Computer-Dossier. Ich finde nichts. Seltsam. Ein eindeutig rezeptpflichtiges Medikament und ich hätte bei ihr schwören können, dass sie sonst alles von uns bezieht.

Pharmama: „Haben Sie das schon einmal von uns bekommen?“

Patientin: „Nein.“ 

Pharmama: „Wo haben Sie das das letzte Mal her?“ 

Patientin: „Meine Nachbarin hat das vom Arzt als Muster bekommen und ich habe von ihr ein paar bekommen. Die wirken gut gegen Schmerzen.“

Ich schaue ein bisschen entsetzt, denn die Frau bekommt unter anderem Blutverdünner und Blutdrucktabletten … und wenn sie das einfach so nimmt, ohne … ich mache den Mund auf um etwas dazu zu sagen, aber die Patientin kommt mir zuvor:

Patientin: „Brauche ich jetzt dafür ein Rezept, damit sie mir das geben können? Meine Nachbarin hat das ja auch ohne Rezept bekommen …“

Ja. Direkt vom Arzt, Wahrscheinlich zum ausprobieren, ob das geht bei ihr. Und nicht um Frei-Feldversuche an der Nachbarschaft durchzuführen. Also: ja, zum Arzt.

 

*Blister = die Alu-innenverpackung, wo die Tabletten eingeschweisst sind.

Undankbarer Notdienst

Notdienste sind ziemlich undankbar. Es muss ein Apotheker in der Apotheke vorhanden sein … oder zumindest auf Verlangen sehr rasch dort (Klingel oder Telefon). Das bedeutet jeweils eine Nacht ohne Erholung, egal wie oft der Notdienst tatsächlich beansprucht wird. Es ist unrentabel, speziell in Apotheken auf dem Land. Hauptsächlich eine reine Dienstleistung für die Öffentlichkeit.

Wenn die Öffentlichkeit das jetzt zu schätzen wüsste, wäre das nett. Leider sieht die Realität oft (nicht immer) anders aus. Frust auf beiden Seiten … das hat sich auf einmal entladen. Ich erlaube mir hier ein paar Sachen von zu „klauen“, allerdings etwas abgeändert und ohne Namensnennung.

Fragt also ein Apotheker im aktuellen Nachtdienst: „Warum sind die Menschen im Wochenend-Nachtdienst so aggressiv?“

Die Antworten variieren von: die unterstützte Fussballmannschaft hat verloren / Lieferprobleme /  die Politik, die das Ansehen der Apotheker niedermacht …

Es folgen ein paar Beispiele, was im Notdienst nachts so verlangt wird.

Die Leute kommen mit Tagealten Rezepten – mit der Beanstandung, sie wollten was anderes, als da draufsteht – Ja, der Arzt ist ja auch unglaublich gut erreichbar Samstag Nachts.

Sie wollen Salbeibonbons, Desinfektionstücher (Ebola-Angst?), die Pille ohne Rezept.

Sie belehren den Apotheker, dass Clindamycin dasselbe sei wie Ibuprofen. (Ist es nicht: ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel)

Sie fragen nach einem HIV Schnelltest und danach (weil es das dort nicht gibt) verlangen sie ersatzweise eine Vaginaldusche (und hören nicht auf Erläuterungsversuche und Erklärungen zu HIV und der Übertragung sexueller Erkrankungen)

Sie bringen ein Arztrezept ohne weitere Daten und Arztstempel (darf man nicht einlösen). Sie wollen notfallmässig einen Schwangerschaftstest..

Weitere „wichtige“ verlangte Dinge im Notdienst: Zahnbürste, Fußcreme, Ortsauskunft …

Sehr häufig verlangt wird auch Säuglingsnahrung – das zeugt von miserabler Planung, kann aber passieren und ist (finde ich als Mama) ein halber Notfall. Auf der anderen Seite verstehe ich auch die Erläuterung des Apothekers in der Landapotheke, weshalb er das nicht mehr anbietet: 2 von 3 Packungen sind im Schnitt verfallen (Nein, die Firmen vergüten die einem nicht mehr). Von 3 Nachfragen in einer Nacht nach Babynahrung, als der Apotheker sind noch angeboten hat: hat Einer sie mit Murren, dass das zu teuer sei genommen. Einer nahm sie dann nicht, weil sie im Schlecker (Drogeriemarkt, der Groß-einkauft und kein Notdienst macht) billiger ist. Der Dritte hat das Paket am Montag darauf zurückgebracht und wurde aggressiv, weil er sie (am Montag) in der Drogerie billiger bekommen hat und jetzt das Geld dafür zurück will (inklusive 2,50 Euro Notdienstgebühr). Der Apotheker hat das dem Frieden willen und damit Ruhe ist gemacht – aber als Konsequenz dann die Säuglingsnahrungen nicht mehr an Lager genommen. Er sagt dazu: wenn man unter der Woche in Discounter in die Großstädte fährt, kann man das auch im Notdienst. Und das ist planbar.

Noch mehr verlangte Sachen im Notdienst: Nachts um 1.35 Uhr: Zahnseide. (!)

Unschön auch das Verhalten mancher Kunden. Junger Mann mit Telefon am Ohr – sagt so nebenbei: „Einmal Nasenspray“ … telefoniert immer weiter. Wenn man ihn darauf hinweist, wie unhöflich das ist, kommt die Antwort: „Warum, das ist ein wichtiges Gespräch und das ist nur Nasenspray!“ (Zu Nur Nasenspray, lese man mal hier nach).

Die wohl Abführmittelabhängige ältere Frau kann im Notdienst nicht 3 Minuten warten, bis der Apotheker kommt und zeigt ihn an. (Amüsant: der Apotheker war gerade auf der Toilette am sch….).

Es werden gefälschte Rezepte über Tilidin Tropfen vorgelegt (bei uns wohl Tramadol) und dann werden sie noch aggressiv, wenn man das nicht herausgibt.

 

Ich kann sagen, dass es bei uns nicht ganz so ist – bei uns ist allerdings auch die Notfalldienstpauschale, die der Patient (falls nicht via Rezept und Krankenkasse geht) berappen muss einiges höher – so hoch, dass das die meisten Nicht-Notfälle effektiv abschreckt. Zahnbürsten , Zahnseide oder Schwangerschaftstest werden höchstens dazu verlangt, wenn etwas anderes schon geholt werden muss. Die Säuglingsmilchnahrung rentiert so auch mehr, oder die Pille oder Kopfschmerztablette … obwohl selbst so der Notdienst ausser in einigen Apotheken in den Städten nicht kostendeckend ist. Dienstleistung halt auch hier.

Was wir mehr haben sind Abklärungen wegen medizinischen Problemen (Triage: gehört das zum Arzt oder noch nicht?) und rezeptpflichtigen Sachen … die wir hier ja im Ausnahmefällen auch ohne Arztrezept abgeben dürfen. Allerdings finde ich das dann auch ziemlich befriedigend und wirklich als „Notdienst“ … als einer, den ich auch gerne mache. Die Tagealten Rezepte … ja. Nervt etwas, ist allerdings damit nicht wirklich mein Problem. Dass Fälscher ihre Rezepte gerne im Notdienst anbringen wollen, wenn der Arzt nicht für eine Nachfrage erreichbar ist, ist auch gut bekannt. Im besten Fall für ihn bleibt einfach das Rezept in der Apotheke, im schlechtesten Fall kommt grad die Polizei vorbei – das vor allem, wenn sie dazu noch aggressiv werden. Das ist auch der Grund, weshalb Nachts die Türen der Apotheke im Normalfall zu sind und der Notdienst durch die Klappe stattfindet.

 

Und ganz am Schluss noch eine Geschichte (auch vom -thread):

Mann ruft um Mitternacht in der Apotheke an und sagt, „Meine Frau hat schon den ganzen Tag Kopfschmerzen und bräuchte jetzt ein Medikament.“

Kopfschmerzen sind eventuell schon ein Notfall, vor allem wenn man kein Medikament dagegen zu Haus hat, aber … „den ganzen Tag“?

Gegenfrage des Apothekers: „Warum melden Sie sich erst jetzt und nicht schon früher?“

Folgt eine Diskussion, in der der Mann immer unverschämter wird – worauf der Apotheker auflegt.

Sofort klingelt wieder das Telefon, derselbe Mann, nur um die Beleidigungen fortzusetzen, worauf der Apotheker wieder das Gespräch beendet.

Wieder das Telefon, der selbe Mann: „Ich werde sie anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung, meine Frau ist schon mehrfachst wegen Kopfschmerzen in Ohnmacht gefallen …“

Apotheker: „Wenn sie ohnmächtig ist, kann sie aber keine Tabletten schlucken und im übrigen, wenn das so ist, ist das reichlich unverantwortlich von Ihnen, sie nicht längst ins Krankenhaus gebracht zu haben. Wenn hinter den Kopfschmerzen Schlimmeres steckt, sind Sie Mitverantwortlich. Ich lege nun auf, damit die Leitung frei ist, dann können Sie gleich den Notarzt rufen, wenn das wirklich so schlimm ist.“

Danach war Ruhe.

(Kommentar meinerseits: da ist schon einiges schief-gelaufen in der Kommunikation. Die Begebenheit ist reichlich gekürzt wiedergegeben, da fehlt noch einiges an Fragen und Antworten dazwischen. Die Nachfrage, die ziemlich sicher nur als „weshalb erst jetzt?“ verstanden wurde, war wohl nicht nur wegen dem Zeitpunkt der Anfrage, sondern auch indirekt: was ist da vorher gelaufen? was wurde versucht? Ist das abrupt schlimmer geworden? … Und wenn dann schon beide nicht gerade die freundlichste Grundhaltung haben – das ist einfach eskaliert. Und wie. :-(  )

Verleitende Namen

Zu mir kommt die leicht irritierte Drogistin Sabine.

Sabine: „Da ist eine Kundin und die will Vitamin B17. Ich kenne das nicht. Sie meint, ich hätte keine Ahnung und ich soll die Apothekerin fragen und ich soll schauen, ob wir das bestellen können.“

Oh weh.

Pharmama: „Das ist kein Vitamin, das ist nur eine Fantasiebezeichnung, die man etwas gegeben hat, damit es nach etwas gesundem tönt.

Tatsächlich ist das nicht einmal etwas gesundes – das ist … warte (ich zermarter mir das Gehirn) etwas mit Blausäure. Kommt natürlich vor in Aprikosenkernen und so.

Den Namen, den ich gesucht habe ist . Der „Wirkstoff“ Blausäure –  ist toxisch. Zuviel und man macht eine Cyanidvergiftung – das heisst, es verbindet sich mit dem dreiwertigen Eisen in den Körperzellen … stärker als das Sauerstoffatom, das dort hingehört und das schädigt natürlich die Zellatmung – die Zellen sterben. Kleinere Mengen können wir in der Leber noch entgiften, aber schon 50mg Cyanid-freisetzende Blausäure ist tödlich.

Wegen genau dem Problem ist das auch nicht zugelassen. Es existiert kein Fertigarzneimittel und bei Zubereitungen gibt es strenge Vorschriften.

Die Leute, die das unbedingt nehmen wollen, weichen dann darauf aus Aprikosenkernen oder bitteren Mandeln zu kaufen.

Experten raten aber auch hier wegen dem Gift drin, maximal 1-2 Aprikosenkerne am Tag zu verzehren oder vorsorglich ganz auf solche Produkte zu verzichten.

Amygdalin wird deshalb als Vitamin B17 bezeichnet, da ein Mangel im Ausbruch einer Krebserkrankung resultieren würde. Das ist ein Konjunktiv – da ist gar nichts bewiesen. Amygdalin ist weder als Arzneimittel zugelassen, noch spielt es in der menschlichen Ernährung als Vitamin eine Rolle.

Da kann ich sie nur enttäuschen und ihr abraten.

Auch wenn sie dann denkt, auch ich hätte auch keine Ahnung.