Kleine Medikamentenodyssee – weshalb ständige Wechsel nicht gut sind.

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Das Bild habe ich von der pharmasuisse geklaut – ich hoffe sie verzeihen mir, dass ich es zu Anschauungszwecken hier bringe. Es illustriert die Geschichte einer kleinen Medikamentenodyssee:

Medikamentenumstellung

Eine ältere Frau (Typ Grossmami) nimmt diese Dauermedikation (vom Arzt verschrieben):

  • Metfin 850
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin cardio 100
  • Co Valsartan Sandoz 160/12.5

Es handelt sich dabei um Medikamente gegen erhöhten Blutzucker, Cholesterin, Blutverdünner und Blutdruckmedikament. Dann hat sie einen Sturz und muss ins Spital. Dort wird dieselbe Medikation so gegeben:

  • Glucophage 850mg
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40mg
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Diovan 160/12.5

Man beachte die kursiv geschriebenen: sie entsprechen der Medikation vor dem Spitalaufenthalt in Wirkstoff, aber es sind die Medikamente von anderen Firmen – diejenigen, mit denen das Spital Verträge hat.

Das macht im Spital selber wenig, da die Patientin die Tabletten täglich in den kleinen Plastikgläslein zum schlucken gerichtet und vorgesetzt bekommt … höchstens ist sie etwas verwirrt, dass das dasselbe sein soll, denn auch die Tabletten innen sehen anders aus als ihre gewohnten – aber das wird schon stimmen.

Dann kommt sie zum wiederaufbauen in die Reha, wo sie die Medikamente weiter nehmen muss – aber dort werden dieselben Medikamente so zusammenstellt:

  • Metformin Mepha 850mg
  • Diamicron MR 60
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Valsertan HCT Actacis 160/12.5

Danach kann sie wieder nach Hause. Sie bekommt ein Rezept mit, das sie in der nächsten Apotheke einlöst, damit sie bis zum Besuch beim Hausarzt genug Medikamente hat.

Beim nächsten Besuch unternimmt der Hausarzt den löblichen Versuch, das etwas zu vereinfachen, indem er dies verordnet:

  • Janumet 60/850
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Valsartan Sandoz 160/12.5

Er hat also die Blutzucker-medikation (das Metformin und Diamicron) in einer Tablette „zusammengefasst“, das Janumet ist ein neueres Kombinationspräparat.

Man muss hoffen, dass die Frau auch nach dem Sturz noch alle Sinne zusammen hat und die perfekte Übersicht über ihre Medikation. Denn wenn sie Pech hat, hat sie von demselben Medikament jetzt Mehrfachpackungen oder Reste von angefangenen Packungen zu Hause mit unterschiedlichen Namen:  Metfin 850, Glucophage 850mg und Metformin Mepha 850mg ist alles dasselbe …  zusammen mit dem Janumet 60/850 sollte sie es auch nicht nehmen, denn auch darin ist derselbe Wirkstoff.

Das gleiche gilt für Co Valsartan Sandoz 160/12.5, Co-Diovan 160/12.5 und Valsertan HCT Actacis 160/12.5 – alles dasselbe, auch wenn die Namen unterschiedlich sind und die Tabletten immer anders aussehen.

Die Stammapotheke kann in einem solchen Fall helfen. Indem sie die Übersicht über die auch von verschiedenen Ärzten oder Institutionen verordneten Medikamente behält. Indem sie (nach Möglichkeit) bei einem (bekannten) Generikum bleibt und die Frau nicht durch ständige Wechsel verwirrt wird.  Indem Doppelverordnungen erkannt werden und die Patientin bei Neumedikation informiert wird.

Wir versuchen nach Möglichkeit, die Medikation gerade bei älteren Leuten konstant zu halten um solche Verwirrungen zu vermeiden. Es hat sich inzwischen auch gezeigt, dass solche Wechsel in der Medikation nicht nur zu (ungewollter) Überdosierung wegen Mehrfacheinnahmen führen, sondern auch die Compliance bei den Patienten sinken lässt: sie trauen dem Medikament nicht gleich und nehmen es dann nicht mehr.

In Deutschland haben sie diese Situation Dank der Rabattverträge der Krankenkassen bei so ziemlich jedem Medikament, bei dem es Generika gibt. Da schreibt die Krankenkasse vor, welches Generikum von welcher Firma abgegeben werden muss – und die wechseln teils Vierteljährlich (!).

Und hier in der Schweiz dürfen wir in der Apotheke noch aussuchen, welches das bestgeeignete ist … aber die Krankenkassen drängen schon sehr in dieselbe Richtung: bald wird hier wohl auch vorgeschrieben werden, dass wir das günstigste (lies: billigste) Generikum nehmen müssen – und wenn der Patient etwas anderes will, wird er wohl aufzahlen müssen. Darauf freue ich mich gar nicht. Da das billigste Medikament auch gelegentlich wechseln wird, sind häufige Umstellungen dann zu erwarten. Die Lagerhaltung wird noch schwieriger: dann muss halt mehr bestellt werden und es dauert länger, bis der Patient es bekommt. Die Verwirrung bei den Patienten steigt und die Einnahmetreue nimmt ab – nicht genommene Medikamente wirken nicht … ob die Krankenkasse dadurch wirklich so viel einspart?

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MiGeL – oder Mich Gruselt es Langsam?

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Die MiGeL (die Mittel und Gegenstände-Liste) scheint von den Krankenkassen wirklich zum Sparziel auserkoren worden zu sein – anders kann ich mir die vielen Änderungen in der letzten Zeit nicht erklären.

Schon jetzt ist es so, dass wir bei Verbandsmaterial etc. häufig den Fall haben, dass was die Krankenkasse bezahlt unter dem Verkaufspreis liegt. Bei einfachem Material wenig – und wenn es unter 2 Franken 50 liegt, erlassen wir das dem Patienten (sprich, wir schenken ihm die Differenz), liegt es allerdings darüber und ich kann nicht versuchen, das seiner Zusatzversicherung zu verrechnen (weil er zum Beispiel keine hat, oder die so strikt ist wie die der CSS/Arcosana), dann muss er das bezahlen (oder sie – ich verzichte hier darauf pc zu sein). Ich versuche schon lange hier Alternativen zu finden und an Lager zu haben, die ganz übernommen werden. Zum Beispiel gebe ich keine Webcol-Alkohol-Tupfer ab, auch wenn die gerne verschrieben werden, weil da der Packungspreis über dem MiGeL-Listpreis liegt. Stattdessen nehme ich die Soft-Zellin. Dass in den Softzellin nur 100 drin sind und beim Webcol wären es 200 interessiert die Kasse nicht, nur dass der Abgabepreis pro Packung (hier) unter – was ist es? 5 Franken? liegt.

Gerade gesehen: in der aktuellsten haben sie das offensichtlich gemerkt und angepasst: jetzt steht da, dass pro Stück 5 Rappen übernommen werden (also auch 5 Franken für 100…)


Von der Abrechnungsstelle kam Ende Jahr die Meldung, dass von den Krankenkassen selbsterfasste Produkte nicht mehr akzeptiert werden, da das ihre Statistik verfälscht. Es könnte deshalb zu Zurückweisung von Abrechnungen kommen.

Das betrifft bei uns vor allem steril einzelverpackte Gazeplätzchen. Die werden häufig von den umgebenden Spitälern und Kliniken zur weiteren Wundversorgung verschrieben – und da es (zumindest früher) keine kleinen Packungen gab, haben wir die grossen aufgemacht und die Gazekompressen einzeln verkauft oder auf Rezept genommen. Das war wirtschaftlich …. ist aber offenbar, da nicht in die Statistik der Kassen passend, nicht mehr gewünscht. Die korrekte MiGeL-Nummer wird dabei nicht übertragen … und eingeben ist bei uns im System nicht möglich.

Zwei Möglichkeiten das zu umgehen: Kleinere Packungen suchen, die existieren und die auch von der Krankenkasse übernommen werden und die nehmen (Minimum sind 5er Packungen bei den Gazekompressen) – oder beim Rezept die richtige MiGeL-Nummer eingeben – die ist im System – und als Kommentar dazu schreiben, welche Plätzchen das gewesen sind. Der Kommentar wird dabei aber nicht an die Krankenkassen übertragen, das ist nur für uns in der Apotheke, damit wir wissen, was das war. Wenn man hier statt Einzel- auch etwa 5 Stück nimmt, stimmt das etwas mit dem Preis von vorher überein.


Mitte letzten Jahres kam mit der neuen MiGeL-Liste die grösste Änderung (die ich gesehen habe): sie betraf die Krücken – Verzeihung, Geh-hilfen. Konnten die früher noch gemietet werden (oder einzeln verkauft), ist es jetzt nur noch möglich sie (Paarweise) zu verkaufen – respektive der Krankenkasse abzurechnen. Ausnahme sind Kinderkrücken – da ist eine Miete weiterhin möglich.

Für den Kauf von 1 Paar bekommt die Apotheke von der Krankenkasse 25 Franken. …. und die günstigsten, die ich gefunden habe sind 31 Franken. Auch hier zahlt der Patient auf.

Inzwischen hatte ich einen Kunden, der das auf dem Rezept hatte – und der hat mir die Krücken nach einem Tag praktisch angeschmissen, weil sie so mies sind.

Aber halt! Es gibt noch eine Möglichkeit: wenn er die länger als einen Monat braucht, kann man als Apotheke auch die mit anatomischen-/orthopädischem Griff anbieten. Da bekommt die Apotheke von der Krankenkasse 56 Franken …. Die sind allerdings auch teurer, also bezahlt der Patient da 11 Franken auf. Wenn der Patient bereit ist das zu machen, würde ich das allen empfehlen … auch bei ev. kürzeren Gebrauchzeiten. Weiss die Krankenkasse denn, wie lange die effektiv gebraucht werden?


Dann noch etwas – ein Fall, den ich vor ein paar Jahren wirklich hatte (nachzulesen hier Retax auf Schweizerisch): da wollte mir die Krankenkasse die abgegebenen Blutzucker-Teststreifen für einen Patienten nicht bezahlen, weil er in einem Altersheim lebt und das in der Pauschale, die sie dem Altersheim zahlen enthalten ist. Ich habe mich damals dagegen gewehrt mir der Begründung, dass ich ein korrektes Rezept dafür vorliegen hatte und mir weder daraus noch von der Krankenkassenkarte ersichtlich war, dass der Patient im Altersheim wohnt. Die Kasse hat das dann schliesslich murrend doch bezahlt. Offenbar gab es inzwischen mehr derartige Fälle, die auch vor Gericht gelandet sind, so dass die Abrechnungsstelle inzwischen die Apotheken warnt: Keine MiGeL Produkte an Alters- oder Pflegeheimbewohner via Krankenkasse!

Ich habe mal gegoogelt, was da drunter fällt:

Für folgende Mittel und Gegenstände werden den Heimen eine Tagespauschale (gültig für alle Stufen) in der Höhe von CHF 1.90 pro Bewohner/in ausgerichtet:
Applikationshilfen
Inkontinenzhilfen
Kälte- und/oder Wärmetherapie-Mittel
Kompressionstherapiemittel
Messgeräte für Körperzustände-/Funktionen
Verbandmaterial

Also mal abgesehen von: 1.90.- pro Tag, wenn jemand wirklich Inkontinent ist und/oder Diabetes hat oder eine offene Stelle … wow.

Ich sehe aber immer noch nicht anhand der Krankenkassenkarte, ob der Patient in einem Alters- oder Pflegeheim ist. Ich sehe nur eine Strassenadresse. Entweder frage ich jetzt jeden ab einem gewissen Alter ob das der Fall ist (peinlich!) oder ich gleiche die Adresse mit einer Liste der Adressen der Alters- und Pflegeheime ab. Nur … da gibt es so viele, ich habe da natürlich auch nur die in der Nähe drauf.

Das Datum ist wichtig!

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Patient bringt mir am heute ein Rezept und einen Entlassbrief vom Spital und drückt mir die Papiere mit folgenden Worten in die Hand: „Es ist wichtig, dass Sie das Datum richtig eingeben: es ist vom 30. Dezember!“

Er schaut mich erwartungsvoll an, während ich das Rezept und den Medikamentenplan ansehe. Interessanterweise steht auf dem Rezept selber nicht mal ein Datum – hat der Arzt wohl vergessen, dem Entlassbrief nach, den er wohl am selben Tag bekommen hat, ist es aber wohl schon von da.

Nur …

Pharmama: „Das mag sein, aber – ich gebe Ihnen die Medikamente heute ab. Das ist das Datum, das auf der Rechnung an der Krankenkasse steht. Ich kann und darf das nicht zurückdatieren.“

Ja, er wollte, dass das noch auf die Rechnung vom letzten Jahr geht, da hätte er die Franchise schon erreicht gehabt. Tja – dann hätte er auch am 30.12. noch kommen müssen.

Irgendwie kommt mir das bekannt vor …. Ja, richtig, ähnliches hatten wir schon. Inzwischen hat es datentechnisch Änderungen gegeben – jetzt WEISS ich, dass ich das nicht machen soll – und irgendwann demnächst wird es auch gar nicht mehr möglich sein vom System her.

Wirtschaftliche Behandlung von Frauen mit Potenzmittel-Wirkstoffen

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Ookay – der Titel ist ein bisschen Clickbait-mässig, aber nicht falsch. Wir haben eine Patientin mit pulmonaler arterieller Hypertonie – eine ziemlich spezielle Art von Bluthochdruck. Sie bringt uns ein Rezept auf dem Cialis steht – als Dauerrezept und einmal täglich einzunehmen.

Das verwundert mich nicht mehr ganz so sehr – ich erinnere mich noch gut an mein erstes Dauerrezept über Viagra für eine Frau, das ich ziemlich am Anfang meiner Apothekerzeit bekommen hatte. Die Wirkstoffe (üblicherweise als Potenzmittel gebraucht) können als Blutdrucksenker genommen werden – ursprünglich waren sie ja auch dafür entwickelt worden. Damals beim Viagra gab es noch keine Alternativen – dennoch war das dort schon Mühsam genug, dass die Krankenkasse das ihr bezahlt hat. Inzwischen wurden allerdings Medikamente entwickelt – mit gleichen Inhaltsstoffen und spezifisch für diese Anwendung und neu gibt es auch neue Wirkstoffe dafür. Tatsächlich nimmt die Patientin eines dieser Medikamente: Opsumit. 30 Tabletten davon kosten CHF 3630 .- – das sind 121 Franken pro Tablette. Sie hat dafür eine Kostengutsprache mit der Krankenkasse, damit das übernommen wird.

Jetzt aber Cialis. Ein Versuch die Kosten zu dämpfen? Damit käme sie pro Monat auf etwa CHF 1000. Aber … da gibt es noch ein paar andere Probleme. Da die Ärztin nicht telefonisch erreichbar ist, schreibe ich ihr ein mail:

Gemäss Telefon mit der Krankenkasse von Frau H, gilt die Kostengutsprache nur für die Behandlung mit Opsumit (Wirkstoff Macitentanum) – für die Behandlung mit Cialis 10mg (respektive Taldalafil) benötigt es eine neue Kostengutsprache, für die Sie sich mit der Krankenkasse in Verbindung setzen müssen.

Ich würde ausserdem vorschlagen, nicht Cialis aufzuschreiben, sondern Adcirca. Das Mittel enthält ebenfalls Taldalafil (in 20mg), steht auf der Spezialitätenliste (wird mit Kostengutsprache von der Krankenkasse übernommen), sollte teilbar sein und ist mit CHF 911.30.-  für 56 Tabletten einiges günstiger als die Cialis 10mg, die es nur zu Packungen mit je 4 Tabletten gibt und CHF 135.- kostet.

Könnten Sie uns noch mitteilen, für was Sie sich entschieden haben? Respektive – wenn es Adcirca ist ein neues Rezept zufaxen?

Es vergehen einige Tage, bis ich wieder davon höre. Das Ergebnis war dann, dass die Patientin (wahrscheinlich wegen zu hohem Aufwand für das Ganze) beim Opsumit bleibt.

Nachtrag: Weder Viagra noch Cialis hat auf Frauen Potenz- noch Libido-steigernde Wirkung. Leider. In den USA ist eine Pille für diese Indikation zugelassen … allerdings handelt es sich dabei eher um etwas wie ein Antidepressivum, das auch andauernd genommen werden muss (und ziemliche Nebenwirkungen haben kann).

Der Krankenkassenverband ortet wieder Sparpotential (auf dem Rücken der Patienten)

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SRF gestern abend: Einsparungspotential bei der MiGeL, Produkte im Ausland günstig einkaufen und Kosten für die Krankenkasse sparen. hat mich geärgert. Klar schlägt der Krankenkassenverband wieder in diese Kerbe. Die wissen, wo sie hinwollen. Ich denke, den Patienten ist aber nicht ganz klar, wo das hinführt. Lasst mich erörtern.

Aktuelle Situation der CH: die Teststreifen und Verbandmaterial, Kompressionsstrümpfe etc. die darunter fallen, werden jetzt schon nur anhand von Höchstpreisen abgegolten. Mit „Höchstpreise“ ist hier gemeint, dass das BAG da mit der MiGeL vorgibt, wieviel die Kasse an den Sachen zahlen muss. Diese Preise liegen (für die Schweiz) jetzt schon so, dass wir in der Apotheke sie praktisch zum Ankaufspreis weitergeben müssen. Bestes Beispiel Teststreifen. Das machen viele Apotheken tatsächlich, als Serviceleistung und auf eigene Kasse. Bei anderen Dingen ist die Differenz zum Verkaufspreis (damit wir überhaupt was daran verdienen) höher, so dass wir da die Differenz vom Patienten verlangen, Beispiel: Stützstrümpfe. Das ist der Moment, wo es sich lohnen kann eine Zusatzversicherung zu haben, denn wenn die Vorhanden ist, versuchen wir die Differenz via die abzurechnen.

Ganz toll fand ich, wie sie in der Sendung die Preise mit denen in Deutschland vergleichen. Ich bitte die mitlesenden Deutschen Apotheker mich zu korrigieren, aber dort ist es so, dass die Krankenkassen die Preise festsetzen die sie vergüten. In einem Bereich, der sehr häufig weit UNTER dem Einkaufspreis liegt – So vergüten sie zum Beispiel für Inkontinenzprodukte so wenig, dass das dem Patienten nie reicht (man denke an eine Menge von 30 Einlagen pro Monat der allerbilligsten Qualität). Mehr wird nicht bezahlt. Eine Apotheke, die das beliefert macht nicht nur eine Nullrunde– sie macht Minus.

Nochmal: diese Preise sind so niedrig, dass die beliefernde Apotheke nichts mehr daran verdient, weil der Einkaufspreis über dem Preis liegt, den die Kasse vergütet. DEM „Verkaufspreis“, mit dem die Santesuisse jetzt unsere Preise vergleicht – und Millioneneinsparungen verspricht. – Ja, die Kasse wird dann sparen, das Geld kommt dann entweder aus den Taschen der Apotheken selber (die dann wohl vermehrt eingehen wegen Unrentabilität) oder der Patienten, die die Differenz zahlen müssen.

Ich bin sicher, dass der Einkaufspreis in Deutschland unter dem Einkaufspreis in der Schweiz liegt. Da sollte man wirklich allgemein mal zu schauen, weshalb die Preise hierzulande so hoch sind?  Das gilt aber für so ziemlich alles, vom Auto über Lebensmittel über Bücher (mein eigenes Buch kostet – mit Preisbindung-  in der Schweiz mindestens 5 Franken mehr als in Deutschland.

Auch ausgeklammert wird die Frage, weshalb notwendige und wirksame MiGeL Produkte (wie spezielles technisch hochwertiges Verbandsmaterial auch) schon jetzt so knapp vergütet werden und Zeug wie die Homöopathie anstandslos übernommen wird: Da kosten 15g Zucker einfach „imprägnierter“ Zucker fast 20 Franken pro Packung!

Aber zurück zur Situation in Deutschland, die der Krankenkassenverband bei uns wohl gerne hätte: Dort ist es so, dass nur eine Apotheke mit Spezialbewilligung der Krankenkasse die Patienten mit medizinischen „Mitteln und Geräten“ beliefern darf. Das hat wohl damit angefangen, dass sie das ausgeschrieben haben … und nur die Apotheken mit dem besten (niedrigsten) Angebot die Bewilligung dann bekamen. Aber auch nicht einfach so – dafür muss man eine Qualifizierung bestehen, die so tolle Vorschriften wie „öffentliche und rollstuhlgängige Toilette in der Apotheke“, „einmal jährlich Instruktion an die Angestellten, wie man eine Leiter sicher benutzt“ und ähnliches oft unsinniges beinhaltet. Regelmässig wird dann nachkontrolliert, ob das noch so ist. Hört sich ja ganz gut an … ist aber eigentlich nur Bürokratischer Wahnsinn. Wer keine solche Bewilligung der Krankenkasse hat, der DARF keine Patienten mehr mit solchen „Mittel und Gegenständen“ beliefern. Nicht auf Kosten der Krankenkasse. Nicht mal bei Notfällen. Die Krankenkassen zahlen das einfach der Apotheke nicht. Vom Patienten darf man es dort aus rechtlichen Gründen auch nicht verlangen.

Damit hat es die Krankenkasse hinbekommen eine Menge Geld zu sparen … klar, sie schreiben einfach alles vor (Preise und Bezugsort) – und die Politik hört nur „Sparen“ und legt die gesetzlichen Grundlagen für derartigen Unsinn. Im Moment gerade den mit dem Versandhandel aus dem Ausland.

Aber wer darunter am Ende leidet sind die Patienten.

Inkontinente, die alles von zentralen Lieferzentren beziehen müssen. Das Zeug wird dann vielleicht nach Hause geliefert (Grosskarton-weise oft ein Platzproblem), aber ist von derart elender Qualität, dass man damit kaum au dem Haus kann, wenn man überhaupt mengenmässig genug erhält, dass es die vorgeschriebene Zeit reicht.

Eltern mit Kindern, die ein Inhalationsgerät brauchen, bekommen es nicht mehr in der Apotheke, denn auch wenn die Notdienstapotheke tatsächlich noch eines hat (was immer weniger der Fall ist wegen der Selektivverträge), darf sie das nicht herausgeben, weil die Krankenkasse das nicht bezahlt. Auch nicht nachträglich. Die einzige Möglichkeit wäre das gratis zu machen. Das käme den Kassen recht, dem Überleben der Apotheke ist das aber abträglich – aber weniger Apotheken ist ja angeblich auch gut um Geld zu sparen als Kasse.

Diabetiker die neue Nadeln brauchen müssen jetzt von Pontius zu Pilatus laufen um eine Apotheke zu finden, die sie noch beliefern darf – was vor allem bei älteren Patienten dazu führt, dass sie dann alte Nadeln wiederverwenden (und stumpfe Nadeln führen zu diversen Problemen wie Narbenbildung, ungenauer Dosierung etc)

Und jetzt macht die Santesuisse also praktisch wieder Werbung dafür, dass im Ausland eingekauft wird. Nicht nur Mittel und Gegenstände – auch Medikamente wollen sie von ausserhalb. Nichts neues, gerade letzthin der :

Schweizer Apotheker halten hohe Qualitätsstandards ein, bilden sich regelmässig weiter, zahlen hiesige Mieten, Löhne und Infrastrukturkosten, dürfen ausschliesslich von der Swissmedic zugelassene Medikamente verkaufen und müssen sich an sämtliche Schweizer Gesetze und Standards halten. Und dann kommt eine Gruppe von «Experten» daher und wischt alle in der Schweiz geltenden Bestimmungen für den Verkauf von Medikamenten vom Tisch. Braucht es nicht. Kauft im Ausland ein!

Cool, nicht? Aber für die Kassen sind halt die Medikamentenpreise und auch die der „Mittel und Gegenstände“ einfachstes Angriffsziel – und das wird jetzt mit allen Mitteln angegangen. Solange die Leute nur „Sparen“ hören wird das häufig unreflexiert als „gute Idee“ angenommen. Ist es nicht. Siehe oben.

Nachtrag: SOO Gross ist das Sparpotential bei den MiGeL-Artikeln:

SparpotentialMiGeL

Bild von pharmasuisse von heute.

2.1% !!! DAS ist nicht der Grund für die hohen Prämien!

Sparen bei der Krankenkasse – Schweiz

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krankenkassenwechsel

Die Spatzen (äh: Medien) pfeifen es von allen Dächern: auch nächstes Jahr werden die Krankenkassenprämien steigen. Um etwa 4-5%. Da wir da wirklich teils schon an der Schmerzgrenze sind und die Versicherung eine ziemliche finanzielle Belastung darstellt, werden sich entsprechend viele überlegen, was sie da tun können um zu sparen. Die Krankenkassenprämien sind nämlich nicht abhängig vom Einkommen oder Vermögen.

Hier ein paar Möglichkeiten (gute und auch schlechte):

Krankenkasse komplett künden:

Das geht eigentlich nicht – respektive nur, wenn man wechselt. Die Krankenkasse zählt zu den obligatorischen Versicherungen. Man muss bei einer Kasse versichert sein. Das gilt für alle in der Schweiz lebenden Personen (auch Zuzüger und Asylsuchende und Non-Papiers) und ab der Geburt, respektive Zuzug. Wenn man die Krankenkasse kündet ohne eine neue zu haben und dann später ein teures gesundheitliches Problem hat, für das man die Hilfe der Krankenkasse braucht – oder auch wenn man sich zu spät bei einer anmeldet), muss man der (neuen) Kasse die Prämien nachbezahlen. Dazu werden die Krankenkassenprämien um 30-50 % erhöht während der doppelten Dauer der nicht-versicherten Zeit (höchstens aber während 5 Jahren). Das lohnt sich nicht.

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Die Krankenkasse wechseln

Der klassische Weg – und wo einem hunderte Telefonverkäufer Hilfe anbieten. Immerhin zahlt sich das für sie aus: sie bekommen für jeden erfolgreichen Wechsel eine Kommission von bis zu 3 Monatsprämien – von den Kassen, die das unterstützen. Man kann sich vorstellen, dass da eine Empfehlung auch nicht ganz unvoreingenommen gemacht wird und vielleicht auch nicht die wirklich beste Lösung für den Patienten ist. Ich denke da an die vielen, die dank so Empfehlungen (auch von „Freunden“ dann bei einer Krankenkasse landen, die zwar günstig ist, aber wo man alles erst mal vorschiessen muss. Gerade so gut kann man selber schauen (zum Beispiel auf oder ) – wenn man weiss, worauf achten:

Tipps zum Wechsel: (siehe auch Soll ich die Krankenkasse wechseln?)

Daten beachten:

  • 30. November: bis dann muss die Kündigung bei der Krankenkasse eingetroffen sein.
  • 30.Dezember: Bis dann muss man eine neue Versicherung abgeschlossen haben. – Sie ist ab dem 1. Januar gültig.

Krankenkassenprämien vergleichen vor allem Grundversicherung. Die Leistung ist bei allen Grundversicherungen die selbe (!), da gesetzlich vorgeschrieben, was übernommen werden muss.

Zufriedenheitsvergleiche anschauen: eigentlich sind die Leistungen in der Grundversicherung für alle Krankenkassen gleich, dennoch gibt es Unterschiede in der Servicequalität: wie gut/nett/schnell sind die Angestellten bei Problemen?

Wie sieht die Prämie mit den Sparmöglichkeiten aus (s.u.): bei Erhöhung der Franchise? Bei der Wahl eines speziellen Versicherungsmodelles (mehr dazu unten)?

Hier auch unbedingt Kontrolle ob die Krankenkasse tiers garant oder tiers payant ist. Wenn man regelmässig Medikamente braucht (oder sehr teure), ist es nicht optimal eine Versicherung zu wählen, die einen die Medikamente in der Apotheke erst selber zahlen lässt, selber die Rechnungen sammeln lässt bis zum Erreichen der Franchise und man die dann selber der Krankenkasse zur Rückvergütung einschicken muss. Diese Versicherungen sind aus dem Grunde (so) günstig, weil sie einen grossen Teil der Arbeit an die Patienten „outsourcen“. Wer das wirklich machen kann: okay, ansonsten empfehle ich die nicht. Dazu gehören Assura, Intras, Supra, Compact und noch einige kleinere.

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Sparmöglichkeiten innerhalb der Versicherung nutzen (auch bei einem Wechsel zu beachten):

Franchise erhöhen

Die Franchise ist der Anteil an den Gesundheitskosten, die man selber übernimmt, bevor die Krankenkasse zahlt. Bisher war es so, dass bei höherer Franchise die Prämien günstiger waren (etwas). Heute lohnt es sich hier gut hinzuschauen und zu vergleichen.

Ein spezielles Versicherungsmodell wählen

Viele Versicherungen bieten heute günstigere Modelle an, bei denen man weniger Prämien zahlen muss. Diese Modelle bedingen aber gewisse Einschränkungen, die man mit der Wahl freiwillig in Kauf nimmt. Dafür hat man 15-20% tiefere Prämien als bei der Standart Grundversicherung.

Beispiele: HMO / Hausarztmodell. Dabei verzichtet man auf die freie Arztwahl und muss bei gesundheitlichen Problemen immer erst einen speziellen Arzt aufsuchen, der vorher mit der Krankenkasse definiert wurde. Im Fall des HMO praktiziert der in einer speziellen Gesundheitseinrichtung, im Fall des Hausarztes hat man einen festen Hausarzt (nach Liste von der Krankenkasse ausgesucht). Ausnahmen gibt es für Notfälle oder den Gynäkologen, alle anderen Spezialärzte brauchen eine Überweisung.

Telmed: hier muss vor dem ersten Arztbesuch bei einem auftretenden gesundheitlichen Problem erst der telefonischen Beratungsstelle anerufen werden. Diese geben Verhaltensempfehlungen oder leiten den Patienten an Arzt, Spital, Spezialist weiter. Ausgenommen auch hie Notfälle und jährlich gynäkologische Vorsorgeuntersuchung.

Weitere Modelle machen Einschränkungen in der Spitalwahl oder dass man die Medikamente nur in einer bestimmten von der Krankenkasse definierten Apotheke(ngruppe) kaufen soll / muss oder (neu): erst Mal in der Apotheke vorstellig wird statt beim Arzt.

Allgemein Sparen: Für Originalpräparate statt einem Generikum werden die Kosten nicht immer voll vergütet und bei Arztbesuchen ausserhalb der oben genannten Vorgaben übernimmt man selber den vollen Behandlungspreis.

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Zusatzversicherung künden

Im Gegensatz zur Grundversicherung sind die verschiedenen Zusatzversicherungen der Krankenkasse nicht obligatorisch. Hier besteht teils Sparpotential (und das ist auch das, wo die Kassen den Gewinn machen … Millionengewinn dazu noch). Zusatzversicherungen übernehmen einen Teil der Medikamente, die die Grundversicherung nicht bezahlt. Das sind vor allem freiverkäufliche, solche wo Werbung gemacht wird und (häufig) nicht essentielle oder wichtige Mit Nasensprays, befeuchtende Augentropfen, Nahrungsergänzungsmittel. Die wichtigen Medikamente werden von der Krankenkasse übernommen. Sie zu streichen empfiehlt sich bei den Personen, die sowieso nicht auf die Franchise kommen und/oder nicht regelmässig Produkte aus der Zusatzversicherung beziehen (müssen). Wer nicht weiss, was von seinen Medikamenten da drunter fällt, kann bei seiner Apotheke nachfragen. Einziger Nachteil: Während man als junge Person sehr einfach Grund- und auch Zusatzversicherung wechseln kann, müssen einen die Kassen bei der Zusatz nicht aufnehmen … also schliessen die bei älteren Personen oder vorbestehenden Erkrankungen einen gerne mal aus, oder nehmen einen nicht mehr auf.

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Unfallversicherung bei der Krankenkasse künden:

Wer mehr als 8 Stunden in der Woche fest angestellt ist, ist über den Arbeitsgeber versichert. Bei Doppelversicherung kann man hier sparen.

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Prämienverbilligung beantragen.

Wer in „bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt“ kann beim Kanton eine Prämienverbilligung zur Unterstützung beantragen. Die Kantone überweisen die dann direkt der Krankenkasse, so dass man nicht mehr so viel bezahlen muss. Arbeitslose und Rentner können das relativ problemlos, ebenfalls möglich ist das für Junge Personen (ledig, kinderlos und noch in Ausbildung) in finanziellen Nöten. Die Hürden für arbeitende sind ziemlich hoch (und selbständige haben fast keine Chancen), aber die Möglichkeit besteht.

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Keine Krankenkassenprämien mehr zahlen

Weil man immer noch versichert sein muss (Obligatorium!) kann einen die Krankenkasse nicht selber einfach aus der Versicherung ausschliessen. Aber: Die ausstehende Prämien verschwinden nicht einfach. Die Versicherung wird Zahlungsaufforderungen, Mahnungen und schliesslich Betreibungen schicken. Man bekommt einen Eintrag ins Betreibungsregister, der einen in Zukunft sehr hinderlich sein wird, wenn man mal eine Wohnung sucht oder für einen Arbeitsplatz ein Check gemacht wird. In manchen Kantonen setzt einen die Krankenkasse zusätzlich noch auf eine „schwarze Liste“, das bedeutet, dass sie nur noch absolute Notfallbehandlungen übernimmt (also, dann wenn man wegen einem Unfall im Spital landet). In den Apotheken muss man die Medikamente dann immer selber bezahlen … und auch die Besuche beim Arzt. Man kann dann auch die Krankenkasse nicht einfach wechseln … die neue Krankenkasse darf und wird einen erst aufnehmen, wenn die ausstehenden Prämien (alle!) bezahlt wurden. Alles in allem ist das wirklich nicht zu empfehlen!

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Anhand der Erfahrungen privat und auch aus der Apotheke kann ich sagen, dass sich die (kleine) Mühe, da zu wechseln oder Anpassungen zu machen wirklich lohnen kann – WENN man vorher geschaut hat, dass man nicht vom Regen in die Traufe wechselt. Das kann man aber mit den Tipps und Hinweisen oben gut – auch selber. Und falls man die Hilfe eines solchen „Beraters“ annimmt: jetzt wisst ihr, was ihr fragen könnt und auf was ihr achten müsst, bevor ihr den Vertrag unterschreibt. Danach ist es zu spät und man ist mindestens das Jahr bei der Krankenkasse.

Weshalb nicht!

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Auf dem Rezept vom Arzt:

1 OP Condrosulf 800 Tbl

1 OP Glucosulf 75 Btl

letzteres ist schon mal nicht ganz korrekt: 750 müsste es heissen, für 750mg.

Der Patient, ein Mann ca. 55 Jahre alt und nicht sehr glücklich aussehend, reicht mir das Rezept mit den Worten: „Ich brauche nur das untere, vom oberen habe ich noch.“

„Okay,“ sage ich, „ich muss schauen, ob ich es schon hier habe, aber … die Krankenkasse wird das wahrscheinlich nicht bezahlen.“

Ich kenne das Problem bei dem Mittel schon. Es ist nicht das erste Mal, dass das in der Kombination verordnet wird und dass es nicht bezahlt wird ist der Grund, weshalb ich das nicht gerade häufig brauche.

„Weshalb nicht!“ fährt mich der Patient an

… und ich am Computer nachschauend: „Ja, die Krankenkasse übernimmt das wirklich nicht … es ist nicht auf der Spezialitätenliste – das ist das was von der Grundversicherung übernommen wird – und auch nicht auf der Hors List, das ist das was über die Zusatzversicherung geht. Wahrscheinlich, weil das keine Zulassung hat als Medikament, sondern nur als Nahrungsergänzungsmittel.“

Mann: „Dann nehme ich das auch nicht! Aber geben Sie mir einen Hustensirup!“

Und nachdem ich abgeklärt habe für was für eine Art Husten, wer, was und wie frage ich ihn beim einkassieren, ob er denn bei uns eine Kundenkarte hat.

„Sicher!“ sagt er und wirft mir die … Krankenkassenkarte auf den Tisch.

Ich fürchte ich weiss schon was kommt, aber ich schaue trotzdem mit dem Namen auf der Karte im Computer nach: Ja, keine Kundenkarte.

Pharmama: „Das ist nicht die Kundenkarte, das ist die Krankenkassenkarte. Sie haben bei uns noch keine Kundenkarte.“

Mann: „Ich bin im System, ich war schon einmal hier!“

Pharmama: „Ja, mit einem Rezept. Aber sie haben keine Kundenkarte bei uns. Über die Krankenkassenkarte kann ich das nicht abrechnen.“

Mann: „Weshalb nicht!“

Pharmama: „Weil Sie dann dafür ein Rezept bräuchten, ansonsten zahlt die Kasse das nicht.“

Mann: „Dann nehme ich das auch nicht!“

Und geht, den Kopf schüttelnd über die unmöglichen Zustände, die im Schweizer Gesundheitssystem offenbar herrschen.

Ich höre nur noch das obligatorische „Wofür zahle ich überhaupt Krankenkassenprämien!“ dann ist er draussen.

Tja. So funktioniert das nicht. Ganz und gar nicht.

Krankenkassen-Interaktionen (Sampler)

Sampler

Als Apotheke hat man ziemlich viel mit den Krankenkassen zu tun. Inzwischen rechnen wir nicht mehr direkt mit ihnen ab, sondern wir haben Rechnungsstellen, die die Aufteilung und Zusendung der vielen Scheine und Rezepte für uns übernehmen; die zum Teil Rechnungen direkt an die Patienten stellen (für was die Kasse nicht übernimmt) und auch die Patienten mahnen, die diese dann nicht zahlen. Das ist eine grosse Entlastung.

In der Schweiz muss jeder eine Grundversicherung bei der Krankenkasse haben. Das ist obligatorisch. Wer mehr lesen will über die Krankenkassen in der Schweiz kann das hier. Bei welcher Kasse und ob dazu noch eine Zusatzversicherung existiert und ob das eine Kasse ist, bei der die Patienten die Medikamente in der Apotheke selber zahlen müssen – das sagt uns die Krankenkassenkarte. Moderner Technik sei Dank kann mit Hilfe von dieser Karte (und des Internets) die Deckung am Tag des Medikamentenbezugs abgerufen werden. Trotzdem tauchen gelegentlich Fragen auf, die sich nur im direkten Kontakt klären lassen – die Apotheke fungiert hier meist als „Advokat“ des Patienten.

Zum Beispiel, wenn es um die Übernahme von Spezialnahrung geht: Unterstützung gegen die Krankenkasse.

Und auch bei: die zahlen das einfach nicht!

Man darf einfach nicht erwarten, dass das schnell ginge … Krankenkassenprobleme

und Spass macht uns das auch nicht: In der Warteschleife

Das sollte man als Patient in der Schweiz wissen:

Krankenkassen-Wahrheiten aus der Apotheke

Limitationen – wenn die Krankenkasse Einschränkungen macht

Rundumschutz – gilt nicht für Familienmitglieder … auch nicht haarige.

Kleinere Krankenkassenprobleme

Wenn die Kasse der Apotheke keine Auskunft geben will: Das kann ich ihnen nicht sagen

Retax auf Schweizerisch? Nicht mit mir. Manches kann ich nicht wissen.

Es ist nicht meine Versicherung, es ist ihre!

Metallos: wenn der Patient selber seine Rechnungen einschickt, dann merkt er auch, wie die Krankenkasse damit umgeht.

Zwischen allen Stühlen: wie es passieren kann, dass man gar nicht versichert ist.

Versichert oder nicht? Bei dem Fall glaube ich an Betrug des Arbeitgebers

Finanziell erzwungene Einsicht: wenn die Krankenkasse das Abrechnungssystem wechselt.

Geschmunzelt

Pay it forward

Rettung in der Not – auch bei selbstzahlenden Patienten.

Namensgebung

und noch bei vielen Gelegenheiten mehr.

Wer zahlt?

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Um die Mittagszeit (zu der wir – da eine der wenigen, die offen haben- immer sehr beschäftigt sind) kommt eine Stammkundin mit einem Rezept. Frau Slozny*. Ich sage jetzt Stammkundin, auch wenn ich sie tatsächlich seit längerer Zeit nicht mehr gesehen habe. Sie ist eher der komplizierte Typ und wir mussten schon diverse Male etwas abklären für sie oder spezielle Bestellungen direkt (nicht von unserem Grossisten) kommen lassen. Machen wir nach Möglichkeit alles. Ich denke nur manchmal ist den Leuten nicht ganz bewusst, wenn sie Extrawünsche haben, was da alles dahintersteckt.

Jetzt bringt sie also ein neues Rezept, ein Dauerrezept und hüpft schon ungeduldig von einem Bein zum anderen, während ich die Medikamente zusammensuche und anschreibe. Dabei fällt mir auf, dass wir ein Medikament nicht hier haben und dass ihre Krankenkassendaten, nicht mehr aktuell sind. Sie war seit Ende letztem Jahr nicht mehr hier …

„Haben Sie mir noch ihre neue Krankenkassenkarte?“ frage ich sie deshalb.

Frau Slozny: „Oh … ich habe im Moment keine Krankenkasse …“

Das ist sehr seltsam, denn in der Schweiz ist es obligatorisch, dass man zumindest eine Grundversicherung hat. Und mit obligatorisch meine ich: gesetzlich vorgeschrieben. Dafür kann auch jeder und jede sich versichern lassen (sogar wenn man illegal hier wäre).

Frau Slozny: „… Aber Sie können das über die Unfallversicherung nehmen: ich brauche das, weil ich ein wiederauftretendes Problem habe, das stammt noch von dem Unfall von 2012.“

Ich schaue im PC und sehe, dass da ein Kommentar ist von wegen der Unfallversicherung: der Unfall von 2012 gilt laut letzter Auskunft vor einem Jahr als abgeschlossen. Das haben sie uns das letzte Mal mitgeteilt, als wir etwas darüber abrechnen wollten, weshalb ich das dann über die Krankenkasse machen musste.

Pharmama: „Das kann ich versuchen- aber dann brauche ich vorher einen neuen Unfallschein von Ihnen dafür. Und das eine Medikament, das nicht von der Grundversicherung übernommen wird, wird auch nicht von der Unfallversicherung übernommen, das müssen sie sowieso selber bezahlen. Ich würde vorschlagen, Sie bezahlen das im Moment alles zusammen und können dann nachher in Ruhe abklären, wie das aussieht wegen der Versicherung.“

Damit ist Frau Slozny widerstrebend einverstanden. Sie hat aber nicht genug Geld dabei und bezahlt und nimmt erst mal nur einen Teil mit– sie will morgen vorbeikommen und den Rest beziehen, respektive alles zahlen.

Am nächsten Tag macht sie das Ganze noch etwas komplizierter, indem sie meine Kollegin überredet, dass wir das jetzt schon über die Unfallkasse abrechnen sollen (ohne die dafür nötigen Unterlagen zu haben). Meine Kollegin gibt dann den bestellten Teil tatsächlich ab, ohne dass die Frau bezahlt… und darf dafür grad auf ein neues Rezept noch ein paar Katheter bestellen.

Aus kaufmännischer Sicht bin ich nicht erfreut.

 

Als sie die Katheter abholen kommt habe ich sie wieder (oder sie mich) … und ich poche auf die Bezahlung der Produkte … auch der schon abgegebenen. Wie gesagt: Damit ich das einer Versicherung abrechnen kann brauche ich den Nachweis der Versicherungsdeckung. Und es liegt in ihrer Verantwortung mir das zu bringen.

Sie bezahlt das bisher bezogene eher widerstrebend.

Frau Slozny: „Ich brauche aber noch mehr vom Rezept. Könnten Sie nicht schauen, dass sie für die neuen Sachen von der SUVA die Bestätigung bekommen? Ich habe das schon angemeldet, sie sagen da ganz sicher zu.“

Pharmama: „Ich kann nachfragen – (für Stammkunden machen wir wirklich viel). Haben Sie mir noch ein paar Angaben? Wie ist das genaue Unfalldatum? Ihre Adresse stimmt noch mit Wollaustrasse 12?“

Frau Slozny: „Ah, nein. Da wohne ich nicht mehr. Und ich gehe in einer Woche für ein paar Monate nach Moskau. Ein Sprachaufenthalt.“

(Nun – das könnte die Erklärung sein für die fehlende Krankenkasse: sie hat sich abgemeldet. Das kann man bei längerem Auslandaufenthalt … es stellt sich nur die Frage, wie viel Sinn das macht, vor allem wenn man sie dann doch braucht, wie nun offensichtlich.)

Pharmama: „Oookay – wie sind Sie erreichbar?“

Frau Slozny: „Ich habe auch keinen Telefonanschluss mehr. Aber sie können mich via mail erreichen.“

Nachforschungen der Pharmaassistentin ergeben später: Bei der SUVA wurde der Fall tatsächlich neu angemeldet, aber … das ist auch das Problem: das dauert etwas, bis der Fall bearbeitet wird und dann bestätigt. Das geht länger als die eine Woche.

Also Rekapitulation: Die Frau hat keine Krankenkasse (mehr). Die Unfallkasse hat den Fall eben erst (wieder) neu bekommen und stellt noch keine Bestätigung aus. Ab nächste Woche ist die Frau nicht mehr in der Schweiz – und auch sonst ist sie schwer erreichbar.

Ja, tut mir leid, aber da gibt es nur eins: es wird auch weiterhin bis zur Bestätigung alles gleich in der Apotheke bezahlt, sonst gebe ich nichts ab. Rechtlich ist das auch so: der Patient muss mir den Nachweis seiner Versicherung bringen – ich muss das nicht gratis abgeben. Was gut ist, denn mit den Kathetern wären das fast 500 Franken.

Per mail – eine andere Kontaktmöglichkeit haben wir nicht von ihr – informieren wir sie darüber. Sie ist zwar nicht sehr erfreut, aber es bleibt ihr nicht viel übrig. Wenn sie noch die Krankenkasse hätte, würde ich das erst mal darüber machen, aber so kann ich das ja auch nicht. Wenn sie das zum Geld sparen gemacht hat, hat sich das jedenfalls nicht ausgezahlt.

(Wird fortgesetzt).

Über den Beruf Apotheker in DACH – Teil 5: Wie bezahlt die Krankenkasse?

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UnterschiedeDACHApotheke

Da es unzählige Krankenkassen gibt und der Arbeitsaufwand die einzelnen Rezepte den Kassen abzurechnen sehr hoch ist, wird das heute meist in Abrechnungszentren ausgelagert, die von den einzelnen Apotheken bezahlt werden. Aber was bezahlt die Krankenkasse? Und: wie?

CH: Medikamente und Hilfsmittel in der Schweiz sind in Listen unterteilt, wie sie übernommen werden. SL = Spezialitätenliste (für Medikamente) und MiGeL (für Hilfsmittel), sowie ALT (für Individualrezepturen) für die von der Grundversicherung übernommenen. NLP = Nichtlistenprodukte für die (teilweise) von der Zusatzversicherung übernommenen. Dann gibt es noch Produkte, die sich auf keiner Liste finden und (deshalb) nicht übernommen werden. Ausländische Medikamente werden der Apotheke nicht vergütet (ausser in definierten Ausnahmefällen oder wo die Kostenübernahme vorher bestätigt wurde).

Der Patient hat eine Franchise (Teil, den er selber bezahlt) und einen Selbstbehalt (meist 10% – ausser einige Medikamente, wo wesentlich günstigere Generika existieren, dann beträgt der Selbstbehalt 20%). Es gibt eine Limite, ab der kein Selbstbehalt mehr bezahlt werden muss (wenn 700 Franken erreicht werden).

Die Apotheke kann zusammen mit dem Patienten die Generika selbst auswählen aufgrund wirtschaftlicher und medizinischer Kriterien.

Die Apotheke kann die Medikamente und Mittel bei den meisten Kassen direkt abrechnen, benutzt aber wegen der Bürokratie Abrechnungszentren (wie die IFAC und OFAC). Der Krankenkasse werden dabei 3% Rabatt gegeben. Die Krankenkasse rechnet Selbstbehalt und Franchise danach selbst mit ihrem Patienten ab.

Manche Krankenkassen haben keinen Vertrag mit den Apotheken gemacht, wodurch der Patient die Medikamente selber in der Apotheke bezahlen muss und die Rechnung danach der Krankenkasse einschicken. Dies sind meist die Kassen mit den niedrigsten Prämien.

 

D: In Deutschland existieren Listen mit Medikamenten (und Grössen) je nach Krankenkasse, was übernommen wird. Dank der sogenannten Rabattverträge bestimmt die Krankenkasse welches Generikum von welchem Hersteller gerade bezahlt wird, deshalb gibt es für den Patienten da häufig grosse Wechsel.

Die Apotheker machen für die Krankenkassen kostenlos das Inkasso und ziehen die Zuzahlungen für die Krankenkassen bei den Patienten ein. Zuzahlung sind mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro (bzw eigentlich 10 % des Verkaufspreises eines Medikaments, die der Patient selbst bezahlt). Die Höhe der Zuzahlung liegt bei maximal 2 % des Jahresbruttoeinkommens, bei Chroniker sind es maximal 1 %.

Die Apotheke tritt für die Pharmazeutischen Hersteller in Vorleistung für den Herstellerrabatt, welcher als Sparbeitrag von der pharmazeutischen Industrie an die Krankenkasse geleistet wird. Gibt es dort Unstimmigkeiten zwischen Pharmazeutischer Industrie und den Krankenkassen, ist der Apotheker der Dumme, der bezahlen muss für etwas, womit er nichts zu tun hat. Ausserdem gibt es das sogenannte Nullretax Verfahren: Dies bedeutet, dass die Krankenkasse etwa 1 Jahr nach Abgabe des Medikamentes an den Patienten feststellt, das die Apotheke bei der Abgabe gegen eine Bestimmung aus den Arzneimittellieferverträgen verstossen hat (wie zum Beispiel nicht das Medikament der Firma aus dem Rabattvertrag abgegeben hat) und daher die Krankkasse gar nichts für das Medikament bezahlt. Der Hersteller hat sein Geld vom Apotheker bekommen, der Patient sein benötigtes Medikament auf welches er Zuzahlung bezahlt hat und die Krankenkasse bezahlt NICHTS.

Importquote: nach Vorschriften der Krankenkassen muss ein Teil der Medikamente, die abgegeben werden aus dem Ausland importiert sein. Nicht-erfüllen der Importquote gibt auch Abzüge an dem, was die Krankenkassen der Apotheke zurückvergütet.

Privatpatienten müssen in der Apotheke ihre Medikamente selber bezahlen und danach selber der Krankenkasse einschicken.

 

Ö: Die Medikamente sind in Österreich laut Erstattungskodex (EKO) in sogenannte Boxen eingeteilt, die bestimmen, ob es von der Krankenkasse übernommen wird. Grüne Box: Krankenkasse zahlt immer. Gelbe Box: Der Arzt muss das ausreichend dokumentieren und eventuell der Krankenkasse anmelden, damit das übernommen wird – Ein Krankenkassenarzt entscheidet dann über die Übernahme. Rote Box: darin finden sich die Mittel, deren Übernahme beantragt, die aber noch nicht eingeteilt wurden. Auch die Magistralrezepturen sind in der EKO. Es gibt auch die NoBox für Mittel, die nicht übernommen werden.

Eine gemeinsame Einrichtung der Apotheken (die Pharmazeutische Gehaltskasse) sammelt die Abrechnungen der Apotheken (elektronisch) und schickt das der Krankenkasse um sich das Geld zurückzuholen und es den Apotheken zurückzuzahlen.

Diese Gehaltskasse betreibt übrigens auch das Umlagensystem für die Gehälter der Pharmazeuten: Die Apotheke zahlt der Gehaltskasse für jeden Apotheker egal wie alt den gleichen Beitrag ein und die Gehaltskasse verteilt das dann nach Dienstjahren

Idee und Unterstützung der Artikelreihe von – Danke dafür!

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