Der Arschloch-Apotheker

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Ein wirklich übler Fall: (aus der Südtirol News).

Die (mindestens 6) Frauen kamen zu ihm, weil sie nicht schwanger werden wollten und die Pille danach brauchten. In die Apotheke, teils auch ausserhalb der Öffnungszeiten, weil er ein „Freund der Familie“ war. In Italien ist die Pille danach ja noch rezeptpflichtig – streng katholisches Land halt, wie Polen. Das hat der Apotheker ausgenutzt … und statt die abzugeben, hat er ihnen eine „selbstgemachte Spermienabtötende Creme“ verkauft. Die Creme mussten sie dann sofort auf der Apothekeneigenen Toilette anwenden. Ausserdem wirke sie nur, wenn man dazu noch masturbiere. Die Toilette war mit versteckter Videokamera ausgerüstet. Bei mindestens einer Frau hat er ausserdem vorher noch verlangt, dass sie einen Schwangerschaftstest macht – und war dabei in der Toilette und hat den Teststab selber gehalten. (Brrr).

Ihm werden wiederholte sexuelle Gewalt unter erschwerenden Umständen und Verletzung der Privatsphäre vorgeworfen.

Was in der spermienabtötenden Creme denn drin war, wollte er offensichtlich nicht darlegen – ich könnte mir vorstellen, dass das nicht (nur) ein Spermizid enthielt, sondern dass er die Hormone der Pille danach vielleicht so verabreicht hat … ansonsten hätte er neben der Verletzung der Privatsphäre wohl auch noch das Problem, dass zumindest ein paar der Frauen trotzdem schwanger geworden wären. Andererseits … die Frauen haben ja etwas rechtlich (da die Pille danach rezeptpflichtig ist) und moralisch bedenkliches (zumindest in den Augen der Kirche) verlangt … und sich so selber „schuldig“ gemacht, dann geht man auch nicht so einfach jemanden anzeigen.

Die Kommentare auf der Seite sind übrigens unterirdisch. Viele von diesen verurteilen die Frauen, dass sie es hätten besser wissen können, als sich auf so etwas einzulassen.

Dem Kerl sollte eine empfindliche Strafe auferlegt werden, und ausserdem für den Rest des Lebens verboten werden auch nur in der Nähe einer Apotheke oder im Gesundheitssystem zu arbeiten – und nicht nur 4 Monate! Er hat seine Position ausgenutzt und die betroffenen Frauen übel missbraucht – Ja, auch wenn er nicht selber Hand angelegt hat. Er beschmutzt den guten Ruf der Apotheker – der Vertrauensverlust den derartiges Verhalten nach sich zieht: das hat Auswirkungen auf uns alle. In den Augen der Öffentlichkeit, nicht nur der hilfesuchenden Frauen.

Aber: dieser Apotheker ist ein Arschloch. Der Rest ist nicht so. Wirklich.

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Wissen Sie weshalb?

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Drogist Urs arbeitet noch nicht so lange bei uns, da kam ein Kunde, männlich und fragte nach Slipeinlagen. Nichts ungewöhnliches, aber da Donna grad frei war, gab Urs ihn an sie weiter.

Das kam dem Kunden wohl grad recht. Es folgt ein „Verkaufsgespräch“ mit deutlich TMI (too much information = zu viel Information).

Kunde mit breitem Grinsen: „Die Slipeinlagen sind für meine Freundin. Wissen Sie, weshalb sie die braucht?“

Und ohne eine Antwort abzuwarten: „Die braucht sie wegen mir, wenn ich bei ihr bin, ist sie unten immer ganz … übertriebenes Augenzwinkern – Sie verstehen schon!“

Donna reagiert darauf so ganz gar nicht und bringt ihn nur zum Steller mit der Intimpflege und Einlagen auf die sie deutet.

Kunde: „Ich brauche aber eine, die nicht parfümiert ist! Ich sag ihnen auch warum: ich mag es nicht, wenn meine Freundin dort nach etwas anderes riecht als sie selber, vor allem nicht, wenn ich …“

Jetzt hat Donna genug. Sie schnappt sich die nächste Packung Slipeinlagen, dünn und unparfümiert, wendet sich ihm direkt zu, schaut ihm in die Augen und sagt: „War es das jetzt? Gibt es sonst noch etwas, das sie mir erzählen müssen? … (Pause) … Ansonsten ist da drüben die Kasse!“

Kunde – jetzt eher etwas kleinlaut, kauft die Packung bei ihr und geht.

Danach wendet sich Donna erbost Urs zu, der das Ganze gar nicht mitbekommen hat:

„Mach das nie mehr!“

Und damit stapfte sie erst mal davon.

Erst später am Tag, nachdem sie sich beruhigt hat, hat sie ihm erklärt was Sache war. Urs hat sich entschuldigt, indem er versprochen hat, derartiges nicht mehr weiterzugeben, wenn es ein Mann ist, der das verlangt. Damit war das gute Betriebsklima wieder hergestellt und die Sache erledigt.

Aber Leute gibt’s.

Aphrodisiakum für schüchterne Frauen: Pasta Theobromae

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Zum Valentinstag, ein Rerun vom 21.3.2009

Im Wichtl, Teedrogen und Phytopharmake – das ist das Standard-Nachschlagewerk zu Herkunft, Inhaltsstoffen, Wirkungen und Indikationen, Dosierungen, Phytopharmaka, Prüfungen und Verfälschungen von Arzneidrogen (also Tees und derartiges), ein Buch, das in jede Apotheke gehört und das ein unentbehrlicher Begleiter im Studium ist … findet sich auch diese Monographie:

 

 

 

Pasta Theobromae

Einsatz: vorwiegend in der Volksmedizin als Psychostimulans empfohlen– beispielsweise bei Unlustgefühlen und Depressionen, bei der Prüfungsvorbereitung, zur Raucherentwöhnung und als „mild wirkendes Aphrodisiakum besonders für schüchterne Frauen“.

Was ist das? Das brauche ich auch!

Dahinter verbirgt sich dieses bekannte Produkt:

Die Schokolade!

Noch im 19. Jahrhundert wurde Schokolade (Pasta Theobromae) in der Apotheke

als (nicht rezeptpflichtiges) Kräftigungsmittel geführt.

Der Name Theobromae bedeutet übrigens in etwa „Speise der Götter“ und wurde vom Entdecker, dem Botaniker Linne so gewählt, weil die Menschen in seinem Ursprungsland (die ehemaligen Azteken) der Pflanze eine so grosse Wertschätzung entgegenbrachten. Kakao war ein Bestandteil berauschender Getränke.

Und in fester Form (z.B. als Pralinen) können sie heute als legales und gern gesehenes Mitbringsel an die Freundin verschenkt werden. Wer weiss? Vielleicht kommt das Aphrodisiakum an?

Verschreibungs- und Abgabe-einschränkungen

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Ja. das gibt’s bei uns auch. Nicht alles darf „einfach so“ verschrieben werden. Für manche braucht es spezielle Rezeptformulare (Betäubungsmittel), bei anderen ist das nicht so offensichtlich. Zum Beispiel beim Wirkstoff Isotretinoin, der für schwere Akne verordnet wird.
So gefallen mir derartige Rezepte überhaupt nicht:

 

Das fängt eigentlich schon beim verordnenden Arzt an: Allgemeinmediziner, nicht Hautarzt – das Mittel sollte nur von Ärzten verschrieben werden, die sich mit der Behandlung auskennen. Aber das ist noch das wenigste. Wegen der Nebenwirkungen und speziell weil das Missbildungen macht (nicht: machen kann, sondern: macht) darf das Medikament nur mit Vorbehalten Frauen im gebärfähigen Alter verordnet werden. Die dürfen nicht schwanger sein und während der Behandlung auch ja nicht schwanger werden. Deshalb sind auch regelmässige Kontrollen angebracht – monatlich eigentlich:

 

Da steht dann also drin (und meiner Meinung nach deutlich genug): Bei Frauen: nicht mehr als 30 Tage Therapie verordnen, dann neue Kontrolle. Keine Dauerrezepte.

Und dann bekomme ich WIEDER ein Rezept für eine 100er Packung – und wiederholbar 6 Monate !

Eigentlich darf ich das sogar nur einmal ausführen … immerhin steht da auch in der Packungsbeilage „Die Abgabe muss innerhalb von maximal 7 Tagen nach Ausstellen des Rezeptes erfolgen“ … aber erzähl das mal der Patientin – und Du glaubst ja nicht, was Du zu hören bekommst, wenn du dem Arzt (wieder einmal) wegen dem anrufst.

Bei uns gibt es zum Glück ja keine (Null-)Retaxation. Das Maximum ist hier noch, dass die Krankenkasse das der Patientin nicht bezahlt, weil das in 100er Packung für sie „Off label use“ ist, also eine Anwendung ausserhalb der (Packungs)vorschrift. Damit zumindest bekomme ich die Patientin dazu bei uns 30er Packungen zu beziehen … und wir können sie jeweils fragen, wie das aussieht mit Verhütung und Schwangerschaft. Wenn das der Arzt schon ganz offensichtlich nicht macht. 😦

Was ist mit all den Apothekerinnen?

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Interessanterweise waren noch zu meiner Jugendzeit in den Apotheken mehr Männer als Frauen anzutreffen (hinter der Theke meine ich). Das hat vollkommen geändert. Apotheker ist ein Frauenberuf geworden.

Als ich studierte, hatten wir gerade mal 10% Männeranteil (oder auf 40 Studierende 4 Männer).

Warum ist das so?

Das hat sicher verschiedene Ursachen. Einerseits ist der Offizin-Apotheker eine Art Mischung zwischen Pflegeberuf, in dem sich schon immer mehr Frauen fanden und Verkauf/Dienstleistung.

Aber es ist mehr als das.

Wenn man Pharmazie studiert, muss man nicht in die Apotheke stehen:

Man kann in die Forschung gehen um neue Arzneimittel, Chemikalien zu entwickeln,

Man kann in die Produktion und Qualitätskontrolle gehen und die Herstellung von Tabletten und anderen Arzneiformen überwachen oder sie zu entwickeln.

Man kann in die Registrierung gehen und sich mit Studien und der gesetzlichen Zulassung von Medikamenten und Zusätzen herumschlagen.

Oder man entscheidet sich eben für die „Offizin“, das ist die klassische Apotheke. Die kann dann aber ausser einer öffentlichen Apotheke auch eine Spitalapotheke sein. Ein Wechsel zwischen diesen Sparten ist im Prinzip auch immer möglich.

Ein sehr variabler Beruf also, der in der Ausbildung eine Menge fordert. Das Pharmazie Studium (5 Jahre) besteht aus Naturwissenschaftlichen Fächern. Viel Biologie, Sehr viel Chemie, Anatomie, Physiologie, dazu etwas Physik und auch Mathe – und ein paar spezifischere Fächer wie Analytik, Pharmakologie, Galenik… und daneben immer Labor.  Dabei ist es nicht so „grausam“ wie Medizin zu studieren (wir haben nie mit Leichen zu tun) und praktikabler – im Sinne von „anwendbarer“ als Biologie oder Chemie zu studieren.

In der Apotheke selbst (und auch den anderen oben erwähnten Varianten) hat Frau die Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten. Sie kann auch einmal aussteigen (z.B. um Kinder aufzuziehen) und nachher wieder einsteigen – das bedeutet zwar je nach Länge der Abwesenheit wieder eine Menge Neues zu lernen, aber es ist möglich.

Früher war öfter der Einwand, dass eine Frau zwar in der Apotheke zwar arbeiten könnte, sie aber nicht übernehmen oder führen, weil das ein Fulltime-Job sei. Auch das stimmt inzwischen nicht mehr. Die Apotheke kann nämlich durchaus auch von 2 Frauen zusammen geführt werden.

Alles in allem also ein sehr guter Beruf für eine Frau mit ausgezeichneten Aussichten.

Ich mag ihn sehr!

In dem Sinn wünsche ich Dir noch viele, viele schöne Augenblicke im Leben. Und ich werde glücklich sein, sie mit Dir verbringen zu dürfen.

Zum Thema Gleichstellung

Im Moment eher ein aktuelles Thema, wenn man die Abstimmungsplakate sieht. „Abschaffung Gleichstellungsbüro“.

Ich bin ja in der bequemen Lage, dass ich einen guten Job habe, eine gute Ausbildung genossen habe und auf der Strasse (meistens) nicht blöd angemacht werde. Wir sind weit gekommen – vor allem, wenn man bedenkt, dass das Frauenstimmrecht in der Schweiz erst nach meiner Geburt vor knapp 35 Jahren überall eingeführt wurde.

Aber wer denkt, dass wir in einer Zeit leben, in der sexuelle Diskrimination ganz abgeschafft sei, der täuscht sich.

Ich bin sicher, dass wenn man einmal die ganzen Löhne offen legen würde, herauskommen würde, dass die weiblichen Apothekerinnen und Pharmazeutinnen bei gleicher Arbeit weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Dasselbe gilt für die meisten Berufe.

Wenn eine Frau neben den Kindern arbeiten will (oder muss), muss sie noch immer eine Menge Hindernisse überwinden um beides unter einen Hut zu bekommen. Ich meine damit nicht nur die verbreitete Meinung (auch anderer Frauen), dass eine Frau sich nur noch um die Kinder und den Haushalt zu kümmern hat, sobald sie eine Familie hat. – Ich vergesse nie die Reaktion einer Bekannten, als sie hörte, dass ich schwanger bin: „Und wann hörst Du auf zu arbeiten?“. Ich meine damit, dass es immer noch nicht genug Plätze in den Kinderkrippen gibt. Dass die Krippen (trotz Subvention) noch immer eine Menge Geld kosten – ehrlich, manchmal rechne ich, ob es sich überhaupt lohnt, dass ich arbeiten gehe – wobei, wenn ich bei dem Gedanken bleibe, ich verdiene mehr als mein Mann – dann müsste Er doch besser zuhause bleiben, oder? Und bei kurzfristigen Problemen wie einem fiebrigen Kind: wenn man da nicht auf ein bestehendes Familien- und Freundes-Netz zurückgreifen kann, dann ist es fast unmöglich. – An der Stelle ein grosses „Dankeschön“ an die Grosseltern!

Und zum Thema Gewalt gegen Frauen, das ja auch darunter gehört: Noch immer muss jede Frau, die vergewaltigt wurde sich verteidigen, als ob sie mindestens eine Mitschuld träfe. Keine Frau bittet darum, dass ihr (sexuelle) Gewalt angetan wird. Keine Kleider oder Verhaltensregeln schützen sie davor. Ein Nein sollte ein Nein sein.

Darum bin ich nicht dafür das Büro abzuschaffen.

– Bin ich jetzt auch eine feministische Emanze?