Rost, Metallsplitter und verlängerte Verfalldaten – Qualitätsproblem im Schweizer Gesundheitssystem?

Die Schweiz ist ein kleiner und ziemlich gut abgeschotteter Markt, vor allem was Medikamente und Medizinprodukte betrifft. Als solcher ist er auch sehr gut kontrolliert – die Swissmedic ist Zulassungs- und Aufsichtsbehörde.

Qualitativ sind wir Spitze. Dafür sorgen die hohen Hürden bei der Zulassung und die Kontrollen bei Medikamenten und Medizinprodukten. Und ich will auch, dass das so bleibt – mit ein Grund, weshalb ich wirklich nicht für Parallelimporte bei den Medikamenten bin. Dass das eine mögliche Einfallstelle für Arzneimittelfälschungen in die Lieferkette ist, mussten sie in Deutschland jetzt schon mehrmals bemerken.

Aber gestern kommen gleich zwei Vorfälle betreffend der Qualität von Medikamenten und Medizinprodukten ans Tageslicht, die beide Spitäler betreffen und sehr unschön sind.

Fall eins: Die Firma Alkopharma aus Martigny VS verfälscht während Jahren die Verfalldaten um die Medikamente länger verkaufen zu können. Die Ampullen Krebsmedikament haben eine Haltbarkeit von nur 18 Monaten und werden künstlich (und ohne Stabilitätsstudien) verlängert und nach 7 Jahren noch verkauft in Frankreich und der Schweiz. Krebsmedikamente sind teuer, dementsprechend geht es hier um Millionen Franken. Abgelaufene Medikamente enthalten wegen dem Abbau mit der Zeit nicht mehr die selbe Wirkstoffmenge – sie entfalten also auch nur noch eine reduzierte Wirkung. Der Fall betrifft die meisten grossen Schweizer Spitäler. 

Da können die Spitäler nicht viel dafür – haben sie doch bei (anscheinend) zuverlässiger Quelle ihre Medikamente bezogen … und leiden jetzt wahrscheinlich darunter, dass als Folge der Sistierung einige (wichtige) Medikamente der Firma mehr nicht mehr lieferbar sind. Und in der Schweiz haben wir kaum Ausweichmöglichkeiten.

Fall zwei: Drei grosse Spitäler kaufen über Jahre bei der Firma Swsi teils grob fehlerhafte Medizinprodukte ein. Die Swsi Medical AG im Kanton Zug vertrieb günstige Medizinprodukte, die aus Pakistan stammen. Die Ärzte und Einkaufsverantwortlichen bemängeln zwar die Qualität in mehreren Emails an die Firma – wir reden hier von verbogenen, rostigen Instrumenten, falsch beschrifteten Packungen, brechenden Saugkanülen und verstopfende Sauger, Rückstände wie Metallsplitter in Saugkanülen und ähnlich beunruhigendem – aber sie machen keine Meldung an die Swissmedic. Deshalb sind die Spitäler inzwischen bestraft worden und die Swsi ist in Liquidation. Die Strafe an die Spitäler betrug übrigens 5000 Franken … man fragt sich, ob das in Kauf genommen wurde – ich bin sicher, der Billigeinkauf der Produkte über Jahre hat sich rentiert.

Hmm, hmm – Sparen im Gesundheitssystem, aber man schaue gut an welcher Stelle.

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In (Land in Afrika/Asien) bekomme ich das günstiger!

„Ich kaufe mein Malaria-medikament in Afrika (oder Asien), da bekomme ich es viel billiger.“

Wer Reiseberatung macht in der Apotheke hat das so oder ähnlich sicher auch schon gehört.

Bisher habe ich den Leuten davon abgeraten – nicht nur, dass an die 40% der in manchen afrikanischen und asiatischen Ländern erhältlichen Medikamente gefälscht sind (und so ziemlich alles enthalten können), gibt es offenbar auch ein Problem mit den regulär hergestellten Medikamenten.

So schreibt die DAZ (deutsche Apotheker Zeitung), dass 10% der von der WHO zugelassenen Antimalaria-Medikamente nicht die geforderte Menge an Wirkstoff enthalten.

Bei einer Vielzahl der minderwertigen Produkte handele es sich nicht schlicht um Fälschungen, so die Autoren der Studie; vielmehr seien mangelhafte Produktionsprozesse für die Qualitätsmängel verantwortlich, Sie sprechen sich daher für Arzneimittel-Kontrollen auch in ärmeren Nationen aus …

Das Problem betrifft nicht nur Malaria Medikamente (wo es offensichtlich schon für erste Resistenzen verantwortlich ist) sondern auch Medikamente zur Tuberkulose-Therapie und anderen bakteriellen Infektionen.

In die Studie wurden Arzneimittel aus Afrika, Brasilien, Russland, China, Indien und Thailand sowie der Türkei einbezogen die vor Ort in Apotheken bezogen wurden.

Ich weiss aus eigener Erfahrung vom Reisen, dass die Medikamente in diesen Ländern oft sehr viel günstiger sind. Aber ich nehme die wichtigen von zu Hause mit – da bin ich, was Qualität und Wirkung angeht zumindest sicher.