Dieses böse Korson …

Beim Verkauf eines Medikamentes kommen wir (der Patient und ich) auf ein anderes Thema.

Patient: „Ich lese immer die Packungsbeilage – so habe ich letztens gemerkt, dass die Salbe vom Hautarzt für mein Bein dieses gefährliche Mittel enthält, das dick macht und einen dann umbringt. Dieses Korson …

(Ich habe einen Moment gebraucht um zu merken, dass er Cortison meint).

Es folgt eine längere Erklärung von mir darüber, was Cortison ist und was es macht und dass es praktisch nur dann gefährlich ist, wenn man es sehr hochdosiert über längere Zeit anwendet. Vor allem wenn man es einnimmt – von der Anwendung einer Salbe an einer kleinen Stelle am einen Bein über ein paar Tage, wird er kaum etwas merken, ausser dass die Entzündung weggeht.

Patient: „Ja – es ist auch schon viel besser geworden. Nachdem ich das gelesen habe, habe ich es aber nur noch einmal angewendet, die Stelle ist trotzdem fast weg.“

Klar.

Aber mal echt: woher kommt diese (hauptsächlich irrationale) Angst vor topischem Cortisonpräparaten?

Eines für alles – Multitalent Cortison

Die Mutter reicht mir ein Rezept vom Hautarzt für ihr Kind, ein kleines Mädchen. Ich suche die Sachen zusammen und schreibe es entsprechend den Vorgaben des Haut-Arztes an:

Clarelux Schaum – 1 x täglich auf Stellen der Kopfhaut auftragen.

Dermovate Salbe – 1 x täglich auf Stellen an den Beinen auftragen.

Optiderm Creme – 2-3 x täglich auf die Beine auftragen (nach Diprogenta).

Ich erkläre ihr die Produkte und die Anwendung bei der Abgabe.

Alles gut und sie geht.

Ich ziehe mich ins Büro zurück um ein paar verwaltungstechnische Sachen zu erledigen (Arbeitspläne schreiben gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, muss aber auch erledigt werden). Ich gehe mit Konzentration an die Sache weshalb ich die Zeit nicht sagen kann, die vergangen ist, als auf einmal unser Drogist Urs vor mir steht:

Urs: „Du hattest doch vorher eine Patientin mit dem da.“

Er zeigt mir den Schaum und die Dermovate Salbe

„… und jetzt ist der Vater da und hat eine Frage.“

Hmm, seltsam. Ich dachte eigentlich, das war ein ziemlich einfaches und deutliches Rezept und ich habe doch alles auf die Dosierungsetikette geschrieben …?

Ich gehe nach vorne.

Der Vater deutet auf die Produkte unter meiner Nase: Dermovate und Clarelux

Vater: „Da steht drauf, das ist für den Kopf.“

Pharmama: „Ja?“

Vater: „Und da steht drauf, das ist für die Beine.“

Pharmama: „Ja.“ (?)

Vater: „Aber das kann nicht sein.“

Pharmama: „Weshalb?“

Vater: „Da ist bei beiden dasselbe drin.“

Das stimmt sogar, bei beiden ist es Clobetasol – wie das neu ja auch schön gross auf der Packung steht. Ein Cortison.

Pharmama: „Ja. Und?“

Vater: „Aber sie hat verschiedene Sachen auf dem Kopf und an den Beinen, das ist nicht dasselbe.“

Pharmama: „Für was braucht sie es auf dem Kopf?“

Vater: „Sie hat so Haarausfall an runden Stellen.“

Pharmama: „Ja – kreisrunder Haarausfall, das ist auch für das.“

Vater: „Und an den Beinen hat sie an einer Stelle so rote, schuppige Haut.“

Pharmama: „Ja, wahrscheinlich ein Ekzem? Das ist auch dafür.“

Vater: „Aber … kann das sein?“

Pharmama: „Ja. Der Wirkstoff ist ein Cortison.“

(geschockter Blick vom Vater – wieso ist das immer noch so verrufen? Ich kenne keinen einzigen Fall in den bald 20 Jahren Apotheke, der von Kortison aufgetragen oder gar eingenommen üble Nebenwirkungen gehabt hätte. Und trotzdem ist das noch so in den Köpfen der Leute.).

„Das ist ein sehr wirksames Mittel gegen alle Arten von Entzündungen und Hautveränderungen aufgrund vieler Ursachen.“

Vater: „Dann ist das wirklich gegen beide Probleme – derselbe Wirkstoff?“

Pharmama: „Ja. Und es sind verschiedene Mittel, da man Salbe nicht so gut in die Haare schmieren kann: das verfettet alles, deshalb ist das eine ein Schaum.“

Vater: „Okay … Tut mir leid für die Störung!“

Pharmama: „Kein Problem.“

Er nimmt die Produkte und geht wieder.

 

Jaaa … Hautärzte. Die verschreiben sehr gerne Kortisonhaltige Mittel … ich meine, ich versteh’s ja. Ein Multitalent und sehr wirksam mit meist schnellem Effekt. Vielleicht sollten sie es aber noch ein bisschen besser erklären, was sie da verschreiben.

Aber wenn da drauf steht…

 

Der neuste Zuwachs der Bepanthen Linie scheint bei einigen Leuten für Unsicherheit zu sorgen. Speziell das „Label“ rechts:

KORTISON-FREI steht da.

Entsetzte Kundin: „Heisst das, dass die anderen Bepanthen alle Kortison drin haben?!“

Nein. Auch nicht.

Aber irgendwie finde ich es amüsant, dass sie da mit den (wahrscheinlich) Ängsten mancher Kunden bezüglich Kortison … wie schreib ich das jetzt? … spielen? Und dann geht der Werbeschuss gelegentlich genau aus demselben Grund nach hinten raus.

Das macht müde!

Kundin in der Apotheke: „Ich brauche eine Cortison-Creme für meinen Ausschlag.“

Ich zeige ihr eine.

Kundin: „Nein, nicht diese, die kenne ich schon, die macht mich müde.“

Pharmama: „Ah, Cortison-Cremen machen nicht müde …“

Kundin: „Doch, die benutze ich seit Jahren und sie macht mich müde!“

vielleicht sollte ich zuerst mit Ihnen ein Gespräch darüber führen, dass man Cortison nicht lange verwenden soll, weil es sonst die Haut ausdünnen kann.

Vor Cortison haben viele eine ganz schlechte Meinung und wollen das nicht freiwillig nehmen, dabei kann es -richtig angewandt- ein kleines Wundermittel sein. Richtig heisst nach Möglichkeit lokal, genügend stark und nur kurzfristig angewandt – da hat man kaum Nebenwirkungen.

Leider gibt es genug Leute, die wenn sie merken, dass der Ausschlag oder die Entzündung damit weggehen, das dann anfangen erst immer häufiger und dann ständig zu verwenden. Lange merkt man da auch nichts – ausser vielleicht, man benutzt sie im Gesicht. Das gibt dann wegen der Hautveränderung so ein … Waschbärengesicht. Um die Augen herum wird die Haut dunkler, so hat man in Extremfällen wirklich das Gefühl einen Waschbär oder Panda vor sich zu haben.

Plötzlich absetzen ist in dem Fall auch nicht gut – das muss man dann ausschleichen, das bedeutet: Erst jeden 2. Tag nehmen, dann jeden 3. / 4. usw.