Komödienreife Blutzuckermessgerät-Beratung

17

Der Kunde türkischer Herkunft hat in einer Konkurrenzapotheke (einer Kette noch dazu! Grrrr!) sich ein gratis Blutzucker-messgerät geben lassen. Was sie allerdings versäumt haben ist, ihn dort auch zu instruieren – dafür kommt er jetzt zu uns. Na Danke.
Wenigstens ist er sich der Tatsache schon bewusst, dass das auch eine Dienstleistung ist und er versichert, die Teststreifen dafür bei uns zu holen … wir werden sehen.

Ich kenne das Gerät noch nicht – wir selbst haben andere, die wir gratis austauschen – es ist das Accu Chek Mobile. Ich lese mich rasch durch die Packungsbeilage und erkläre es ihm. Etwas erschwert wird das Ganze wegen Sprachdifferenzen – Türkisch kann ich nicht, sein Deutsch ist … rudimentär, aber mit Händen und Füssen bringe ich es ihm schliesslich bei.
Nettes Gerät, es funktioniert mit einem durchlaufenden Teststreifen, braucht auch wenig Blut zur Messung… Memoryfunktion, man kann sogar die Sprache umstellen auf Türkisch.

Der Kunde will, dass ich das mache – ich warne ihn aber, einfach, weil ICH es dann nicht mehr lesen kann.
Umgestellt, Kunde zufrieden, Kunde geht ….

… und kommt eine Stunde später wieder zurück.
Kunde: „Das Gerät nicht richtig messe‘ “.

Nach kurzer Diskussion stellen wir fest, dass das Problem darin liegt, dass es in mg/dl misst – statt wie er gewohnt ist in mmol/l.
Kunde: „Kann man umstellen?“
Das Problem: die Packungsbeilage hat er zuhause gelassen … und das Gerät zeigt jetzt türkisch an.
Pharmama – fängt an am Gerät herumzudrücken: „Hmmm, -was heisst ‚Sprache‘ auf Türkisch?“
Kunde: „Türkije“
Pharmama: „Nein, nicht was Türkisch heisst, sondern: Sprache!“
Kunde: „Türkije!“
…. das wiederholen wir ein paar Mal …
Damit kommen wir nicht weiter.

Ich sage ihm, dass ich da erst bei der Firma anfragen muss, wegen dem Umstellen, er soll später wieder kommen.
Dank Internet Babelfish finde ich dann heraus dass Sprache auf Türkisch „dil“ heisst … und finde das nach einigem Herumdrücken sogar auf dem Gerät, sodass ich es wieder zurücksetzen kann.
Nur … auf mmol/l umstellen lässt es sich nicht. Laut Firma gibt es von dem Gerät zwei Varianten – und weil wir das „falsche“ haben schickt uns die Firma einen Ersatz. Gratis.
Jau!

hier gibt’s noch mehr „nicht funktionierende“ Geräte …

Advertisements

Funktionsverweigerung

14

Es gibt schon Firmen, die wissen, wie man die Leute dazu bringt ihre Produkte zu kaufen.

Jedem ist wohl das Beispiel vom Farb-Drucker bekannt, der sich weigert weiterzudrucken, nur weil von 4 Farben 1 leer wird. Keine Chance den Drucker dazu zu bringen das zu ignorieren und trotzdem weiterzudrucken, nein, erst muss die Patrone gewechselt werden – wir haben auch so einen im Geschäft. Das nervt!

Nun gibt es dasselbe auch in der Apotheke wie ich feststellen musste.

Accu Chek Aviva zum Beispiel ist ein Blutzuckermessgerät, das zum messen Teststreifen benötigt, wie die anderen auch. Aber wehe, die Teststreifen sind abgelaufen. Ab dem Tag des Ablaufdatums zeigt das Display nur noch „Error“ an – und klein darunter den Grund: „Exp code“.

Zu deutsch: Das Ablaufdatum ist erreicht – kauf neue Teststreifen!

Ich bin überzeugt, man könnte noch einige Tage / Wochen / Monate (?) problemlos weitermessen … wenn das Gerät das denn zulassen würde.

Ich hatte schon 2 Kunden, die davon überrascht wurden und neue Teststreifen kaufen mussten, obwohl sie noch einige hatten. Gut waren sie nicht irgendwo in den Ferien, wo sie das nicht hätten können.

Klar kann man die Teststreifen nicht ewig brauchen und das Enzym auf den Teststreifen geht wohl irgendwann kaputt – das passiert wohl eher graduell als Schlagartig. Von daher finde ich diese Reaktion ein wenig drastisch dass das Gerät ab Ablaufdatum das weitermessen einfach verweigert.

Ich weiss nicht genau, wie das bei den anderen Messgeräten ist, aber die beiden Reaktionen, die ich bisher hatte betrafen beide den Accu Chek – das ansonsten ein wirklich gutes Gerät ist, auch einfach in der Handhabung. Aber: eben.

Einfach nur gierig.

5

Wir haben Blutzuckermessgeräte, die wir dem Kunden gratis abgeben … vorausgesetzt, sie bringen ihr altes Gerät zum Austausch.

Jedenfalls hatte ich da diesen Kunden, dem ich sein altes Gerät (nicht so alt, aber er kam damit einfach nicht zurecht) gegen ein neues austauschte.

Er war hochzufrieden „Wirklich, gratis??“ Und ich war das auch (bin ich meistens, wenn die Leute zufrieden sind) … bis er am nächsten Tag wiederkam und sagte: „Ich brauche noch eines für die Ferien.“

Ich sage: „Nun, sie können eines von der gleichen Marke kaufen, die sind etwa 50 Franken, aber ich kann ihnen nicht einfach ein Zweitgerät geben.“

Kunde (sauer): „Aber gestern war es gratis.“

Pharmama: „Es ist im Umtausch gratis. Nicht einfach so.“

Kunde: „Aber sie bekommen sie gratis!“

Pharmama: „Mit der Auflage sie umzutauschen. Sie haben ein neues Gerät gratis bekommen. Sie bekommen aber nicht ein zweites nur für die Ferien. Nehmen Sie das mit, das sie haben.“

Kunde: „Und wenn es kaputtgeht?“

Pharmama: „DANN können sie mit dem kaputten kommen und ich ersetze es ihnen gerne.“

Echt!

Auf der anderen Seite: Der Kundin, die für den Vater ihres Freundes auf Kuba eines brauchte und Teststreifen und Lanzetten gekauft hat … der habe ich es gratis gegeben.

Fingerpieks

1

Eine mittelalte Kundin kommt in die Apotheke und will, dass man ihr die Lanzette (das ist die Stechnadel) in ihrer Stechhilfe wechselt, weil sie es nicht selbst kann.

Klar. Während ich die alte Lanzette vorsichtig herausnehme frage ich sie, wie oft sie misst.

Sie sagt: 1 x täglich – die Lanzette die drin ist, hat sie die letzten 6 Monate benutzt!

Ich versuche ihr zu sagen, dass sie dann ja auch eine Gabel zum stechen nehmen könnte – ist etwa gleich stumpf – und macht sicher auch weh!

Bildquelle: wikipedia

Die Lanzetten sind nach jedem stechen auszuwechseln, weil sie dann nicht mehr optimal scharf sind (und wegen dem Infektionsrisiko).

Am Schluss finde ich ein Stechgerät für sie, das sie bedienen kann.

Aua!

Defekt – oder?

2

Kunde: „Da scheint etwas nicht zu stimmen mit meinem Blutzuckermessgerät.“

Apothekerin: „Zeigen sie es mir mal.“ ….

„Hmm, das scheint ja geschmolzen zu sein. Was ist passiert?“

Kunde:Es wurde nass und da habe ich es zum trocknen in den Backofen gelegt …“

Apothekerin „…“

„Wie wäre es, wenn wir es einfach ersetzen?“

***

Frau von der Spitex holt für einen Patienten ein neues Blutzuckermessgerät, will aber keine Instruktion, wie es funktioniert: „Ich weiss das, ich bin Krankenschwester“.

Ein paar Stunden später kommt sie zurück und sagt: „Das Ding funktioniert nicht!“

Die Apothekerin testet es und als sie den Teststreifen in den Schlitz steckt, kommt Blut heraus.

Offensichtlich hat die Schwester versucht das Blut direkt in den Apparat zu kriegen. Igitt.

Auch das gab ein neues Gerät.

***

Kunde kommt mit neuem Blutdruckgerät wieder, das er gekauft hat. Er beklagt sich: „Die Anzeige ist immer dieselbe, das Gerät muss kaputt sein, das kann nicht stimmen!“

Blick auf das Blutdruckgerät zeigt, dass er immer noch den Kleber mit den Mustermessungen über der Anzeige hatte ..