Bitte schauen Sie Sich das an! – und reparieren es vielleicht grad noch?

17

In die Apotheke kommt eine Frau mittleren Alters.

Frau: „Sind Sie die Apothekerin?“

Pharmama: „Ja.“

Frau: „Ich habe da etwas, wo sie mir helfen müssen. Ich habe im Spital ein Gerät angehängt bekommen ….“

Pharmama: „Ah … und?“

Frau: „Und seit ein paar Stunden macht das nichts mehr. Vorher hat es etwa alle halbe Stunde aufgepumpt. Das war sehr laut.“

Pharmama: „Uhuh …“ (heisst: ich höre zu)

Frau: „Könnten Sie sich das mal anschauen?“

Pharmama: „Anschauen schon, nur wird das nicht viel bringen. Ich kenne mich überhaupt nicht aus mit diesen Geräten … tatsächlich ist das das erste Mal, dass ich so eines sehe. …. Gut, ich nehme an, das ist so eines, das den Blutdruck 24 Stunden lang überwacht …“

Frau: „Ja, genau! Könnten Sie es nicht trotzdem mal anschauen?“

Pharmama: „Schon, aber ich gebe keine Garantien für irgendetwas. Besser wäre es, Sie würden rasch nochmal im Spital vorbeigehen, damit die dort es anschauen …“

Frau: „Das dauert ewig! Werfen Sie doch bitte mal einen Blick drauf!“

Ich schaue mir das Teil an. Zumindest den sichtbaren Teil: so ein auf Hüfthöhe angehängtes Teil mit digitaler Anzeige von dem ein Schlauch und ein, zwei Kabel unter ihren Kleidern verschwinden.

Pharmama: „Hmmm …auf dem Digitaldisplay ist eine etwas seltsame Anzeige. Mit etwas Phantasie könnte das „bat“ heissen – demnach …  ist wahrscheinlich die Batterie am Ende.“

Frau: „Könnten Sie mir die wechseln?“

Pharmama: „Ich habe keine Ahnung, was für Batterien das Teil braucht und weiss nicht mal, wie man es öffnet. Mal ganz davon abgesehen habe ich wohl auch nicht die passenden Batterien da – die einzigen, die ich hier habe, sind die kleinen für die Thermometer.“

Frau: „Könnten Sie nicht mal nachschauen?“

Pharmama: „Nein, ich mach das Ding nicht auf. Gehen Sie das ins Spital zeigen. Dort machen sie das.“

Frau: „Aber das ist so weit – und dann warten wir wieder ewig. Ich will das nicht. Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Ich muss ja morgen schon wieder da hin!“

Pharmama: „Ja, zum Auswerten, nehme ich an. Aber … wenn das Gerät nicht funktioniert – so wie jetzt – dann gibt es auch keine Auswertung … und dann dürfen sie die ganze Messung wiederholen.“

Frau: „Grumpf … und Sie können wirklich nicht …?“

Pharmama: „Sorry, aber Nein.“

war das jetzt böse von mir? Sie hatte so ein Vertrauen, dass ich das jetzt repariere … und ich enttäusche sie einfach. Vielleicht hat es ihr aber auch einfach nur zu sehr gestunken, nochmal ins Spital zu müssen dafür.

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altmodische Blutdruckmessung

26

Wir verkaufen in der Apotheke auch Blutdruckmessgeräte. Da gibt es verschiedene Varianten – die meisten aber inzwischen vollautomatisch, entweder für das Handgelenk oder für den Oberarm.

Etwas ungewöhnlich ist der Wunsch ein Blutdruckmessgerät der alten Sorte zu kaufen – also eines von denen, das zusätzlich zur von Hand aufpumpbareren Manschette noch ein Stethoskop braucht. So eines (Bild)

Ich selber habe mit diesen messen gelernt, darum weiss ich auch wie das geht … und dass das nicht ganz einfach ist. Das Stethoskop will richtig platziert sein, man darf nicht zu schnell die Luft ablassen (auch das muss man selber) und die Endpunkte der Messung werden durch die Geräusche definiert, die man hört. Man hört den Pulsschlag beim Ablassen der Luft beginnen –das ist die Systole. Man lässt die Luft weiter ab, bis man den Puls auf einmal nicht mehr hört – das ist die Diastole.

Es braucht ziemlich Übung und Koordination – Aufpumpen, dann Luft vorsichtig ablassen, gut hinhören, Zahlen merken, weiter langsam Luft ablassen, gut hinhören, Zahlen merken…

In der Apotheke messen wir kaum noch mit denen. Früher habe ich es noch gelegentlich gemacht, wenn ich den Verdacht hatte, dass der Puls unregelmässig ist. Heute zeigen die modernen Geräte sogar das selber an.

Darum bin ich also etwas überrascht, wenn jemand unbedingt so einen will. Und ich weise natürlich darauf hin, dass das nicht ganz einfach ist. Vor allem, wenn man sich selbst messen will.

Aber wenn jemand unbedingt so einen will, dann halte ich ihn natürlich nicht davon ab. So haben wir vor wenigen Wochen ein solches Gerät bestellt und verkauft.

Einige Wochen später kommen 2 Frauen ( augenscheinlich Mutter und erwachsene Tochter) in die Apotheke und die ältere Frau hält mir genau das Gerät unter die Nase. Es muss fast das sein. Ich glaube viele sind davon nicht im Umlauf …

jüngere Frau: „Könnten Sie damit mal messen? Ich denke, das ist kaputt oder funktioniert nicht mehr ….“

Pharmama: „Was ist denn nicht in Ordnung damit?“

jüngere Frau „Es misst zu hohe Werte.“

Pharmama: „Können sie mir mal an ihr zeigen, wie sie messen?“

Beide Frauen –schauen sich an: „Äh, lieber nicht.“

Pharmama: „Nein? Gut, dann …. mache ich das mal.“

Ich platziere das Stethoskop, passe die Manschette an und erkläre dabei, was ich mache. Dabei lasse ich durchscheinen, dass es wesentlich einfacher zu handhabende Geräte für den Heim-gebrauch gibt …und dass es ziemlich Übung braucht … wie ich beim Verkauf ja auch schon gesagt habe.

Ich messe. Der Blutdruck ist im oberen Normalbereich.

Die Frau ist erleichtert.

Die Tochter sagt: „Dann geht das Gerät?“

Pharmama: „Ja, so wie es aussieht ist alles in Ordnung. Was war denn bei ihnen?“

„Nun“, meint die jüngere „meine Mutter war sehr beunruhigt … und sie kann damit nicht messen.“

Pharmama: „Aber … wie?“

jüngere Frau: „Mein Vater misst sonst immer. Er hat auch das Gerät gekauft.“

Hmmm.

Die beiden packen das Gerät wieder ein und verabschieden sich.

Tochter zu mir (verschwörerisch beim Herausgehen): „Ich glaube, er hat das gemacht, damit sie nicht zu oft misst. Und sich dann beunruhigt.“

… das ist natürlich auch eine Methode, wenn ich das auch nicht ganz so … freundlich finde.

Oh, die Dinge, die man so lernt …

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Bei der Blutdruckmessung am Oberarm an einem … offenbar… alten Seemann fällt mir sein Tattoo auf dem Arm auf. Wir kommen ins reden und er erklärt mir den Grund warum man sich leichtbekeidete Damen auf die Arme tätowiert hat.

Ich versuche es mal so vorsichtig wie möglich auszudrücken … auf See gibt es keine Frauen (oder vielleicht besser: gab keine). Lange nicht. Fotos, Hefte und derartiges können nass werden oder verloren gehen …

(Fällt der Groschen?)

(Photo credit: Wikipedia)

So ein billiger Mist!

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Der Mann kommt in die Apotheke und knallt vor der Pharmaassistentin ein Blutdruckgerät auf die Theke.

Mann: „Mein Blutdruckmessgerät ist kaputt. Das passiert JEDES Jahr und dann muss ich wieder einen neuen kaufen. So ein billiger Mist! Dabei habe ich das letzte hier gekauft!“

Die Pharmaassistentin bleibt ruhig, nimmt das Gerät aus der Hülle und stellt es an. Einen Moment lang geht die Anzeige, dann stellt es sich ab. Lange genug aber, um etwas zu erkennnen …

Pharmaassistentin: „Sie wissen, dass diese Dinger Batterien haben, die man regelmässig wechseln soll?“

Ein Batteriewechsel später und das Teil läuft wieder tadellos.

Blutdruck? Blutdruck.

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Bei der Dossier-erstellung in der Apotheke:

Apothekerin: „Haben sie irgendwelche chronische Krankheiten?“
Patient: „Blutdruck.“
Apothekerin: „Hoher oder niedriger Blutdruck?“
Patient: „Nein, nur Blutdruck.“

Na, wenn er keinen Blutdruck hätte, würde er wohl kaum vor mir stehen.

Unter Hochdruck

8

Da hatte ich im Verlauf der Blutdruckaktion eine Kundin, die ihren Blutdruck messen lassen wollte (und nichts anderes). Wie es meine Gewohnheit ist, frage ich, warum sie den Blutdruck messen lassen kommt.

Antwort: „Ich will schauen, ob er immer noch zu hoch ist.“

Im weiteren Gesprächsverlauf erfahre ich, dass Bluthochdruck in ihrer Familie öfter vorkommt, dass sie bisher nicht zum Arzt ist damit und auch keine Medikamente nimmt.

Also messen wir ihn mal.

Wow.

Systolisch 194, Diastolisch 115, Puls 77

(Gut wäre unter 120 und 90, Normal noch bis 140 und 95)

Pharmama: „Ihr Blutdruck ist wirklich zu hoch. Viel zu hoch. Da müssen Sie etwas dagegen machen. Ich empfehle ihnen heute noch dem Arzt anzurufen für einen Termin.“

Kundin: „Aber ich fühle mich nicht schlecht.“

Pharmama: „Ja, das glaube ich ihnen. Einen hohen Blutdruck merken die meisten Leute nicht einmal. Das heisst aber nicht, dass es ungefährlich ist. Das ist wie bei einem Rohrsystem, wenn der Druck zu hoch ist, gehen die Rohre kaputt …“ (ich versuche es immer bildlich zu erklären)

Kundin: „Aber an was liegt das denn, dass ich einen hohen Blutdruck habe?“

Pharmama: „Nun, nach dem was sie mir bisher erzählt haben, ist es vermutlich genetisch – das haben sie ihren Eltern und Grosseltern zu verdanken. Sie sind ja nicht übergewichtig und rauchen nicht. Mit dem Alter steigt der Blutdruck etwas an, weil die Gefässe nicht mehr so elastisch sind.“

Kundin: „Und da kann ich nichts tun?“

Pharmama: „Doch, Medikamente nehmen die den Blutdruck senken. Das empfehle ich ihnen bei ihrem hohen Blutdruck auch dringend. Darum sollte sie so bald wie möglich zu einem Arzt.“

Kundin: „Aber ich habe wirklich keine Probleme damit, mir geht es gut.“

Pharmama: „Ah, BITTE gehen sie zum Arzt. Sie können Ihren hohen Blutdruck nicht spüren, aber sie müssen etwas dagegen tun.“

Kundin: „Ja, hmmm, ok.“

Das tönte nicht wirklich überzeugt. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich noch wiederholt habe, dass sie zum Arzt muss und ich weiss auch nicht, ob sie gegangen ist. Manchmal denke ich, die Leute meinen, ich wolle nur, dass sie Medikamente nehmen, damit ich etwas verdiene – aber das ist nicht wirklich meine Motivation – dann hätte ich ihr ja irgendetwas andrehen können von pflanzlichen Tropfen bis Homöopathie. Aber das wirkt einfach nicht genug bei so etwas.

Also gebe ich ihr lieber im Moment gar nichts und schicke sie eben zum Arzt.

Defekt – oder?

2

Kunde: „Da scheint etwas nicht zu stimmen mit meinem Blutzuckermessgerät.“

Apothekerin: „Zeigen sie es mir mal.“ ….

„Hmm, das scheint ja geschmolzen zu sein. Was ist passiert?“

Kunde:Es wurde nass und da habe ich es zum trocknen in den Backofen gelegt …“

Apothekerin „…“

„Wie wäre es, wenn wir es einfach ersetzen?“

***

Frau von der Spitex holt für einen Patienten ein neues Blutzuckermessgerät, will aber keine Instruktion, wie es funktioniert: „Ich weiss das, ich bin Krankenschwester“.

Ein paar Stunden später kommt sie zurück und sagt: „Das Ding funktioniert nicht!“

Die Apothekerin testet es und als sie den Teststreifen in den Schlitz steckt, kommt Blut heraus.

Offensichtlich hat die Schwester versucht das Blut direkt in den Apparat zu kriegen. Igitt.

Auch das gab ein neues Gerät.

***

Kunde kommt mit neuem Blutdruckgerät wieder, das er gekauft hat. Er beklagt sich: „Die Anzeige ist immer dieselbe, das Gerät muss kaputt sein, das kann nicht stimmen!“

Blick auf das Blutdruckgerät zeigt, dass er immer noch den Kleber mit den Mustermessungen über der Anzeige hatte ..

Drama in 5 Akten, oder: eine eher schwierige Kundin

1

Erster Akt:

Frau Bierfläschchen (bekannt, dass sie viel trinkt, und auch heute schon wieder halbbetrunken) kommt morgens in die Apotheke: „Schreiben Sie mir bitte etwas auf gegen Bluthochdruck. Wissen Sie, mein Blutdruck ist zu hoch, der Arzt hat mir auch etwas aufgeschrieben – Aspirin cardio (?), aber 100 mg sind mir zu viel, mir wird es bei 50  schon komisch und ich kann fast nicht mehr aufstehen.“

Ich versuche zu erklären, dass es sehr viele verschiedene, auch unterschiedlich wirksame Medikamente gibt gegen hohen Blutdruck, aber alle rezeptpflichtig und der Arzt muss abklären, was der Patient jetzt braucht.

Ausserdem ist Aspirin cardio ein Blutverdünner und nicht gegen zu hohen Blutdruck und wenn sie ein normales Aspirin nimmt (was sie gelegentlich macht), das ist 5 mal höher dosiert.

Genauso gut könnte ich mit einer Wand reden – oder einer Bierflasche.

Sie lässt sich nicht überzeugen, sie will unbedingt etwas aufgeschrieben haben, also schreiben wir: „z.B. Beloc zoc.“ Sie zieht glücklich ab.

2. Akt:

1 Stunde später: selbe Frau „Könnten Sie es mir nicht gleich mitgeben, ich bringe dann das Rezept“.

(selbe Erklärung s.o. noch einmal): „Nein, gehen Sie zuerst zum Arzt.“

3. Akt:

Einige Tage später, selbe Frau, wieder angetrunken: „Jetzt habe ich den Zettel verloren, Schreiben Sie mir bitte nochmals etwas auf gegen Bluthochdruck. Wissen Sie, mein Blutdruck ist zu hoch ….“ (selbe Erklärungen wie oben, nützt nichts, nochmals was aufschreiben) sie zieht wieder ab.

4. Akt:

1 Stunde später, selbe Frau: „Ich habe mit dem Arzt telefoniert, er hat gesagt, sie können mir (Blick auf Zettel) Atenolol geben.“

Fragen wir: „Was für eine Dosierung?“

ratloser Blick „Das weiss ich nicht, aber nicht zu viel, wissen sie beim letzten Medikament waren mir 100 mg sind zu viel, mir wird es bei 50  schon komisch und ich kann fast nicht mehr aufstehen.“

Ich erkläre, dass das jetzt ja ein anderes Medikament ist …, und dass wir rasch anrufen werden, um die Dosierung abzuklären.

Das bringt mir einen entsetzter Blick ein: „Aber nicht, dass er ärgerlich wird, wissen sie, er ist etwas hässig bei mir am Telefon“

Das wundert mich nicht, denn der Arzt hat frei und wir müssen ihm (auch) privat anrufen. Schliesslich geht es dann i.o. es handelt sich um Atenolol 25mg, er schickt uns ein Rezept.

Finale: Kundin ist hochzufrieden, da sie endlich ihre Tabletten hat. Sie fragt dann noch: „Soll ich jetzt noch eine Tablette nehmen? Wissen Sie, ich habe heute schon etwas Alkohol gehabt“.

Abspann: Sie hat etwa 2 Tabletten genommen, dann gefunden es wirkt nicht und den Rest der Packung weggeworfen.

Seufz.