Betrug mit Rezept

Vor ein paar Tagen hatten wir die Diskussion in den Kommentaren: Wenn die Patienten die Rechnungen vom Arzt nicht bezahlen, aber das Geld bei der Krankenkasse zurückholen gehen. Nun ist aktuell offenbar eine Betrügerin unterwegs, die in den Apotheken versucht mit derselben Masche Geld zu machen.

Sie ruft an um ein teures, rezeptpflichtiges Medikament zu bestellen. Gilenya anscheinend. Dann erzählt sie am Telefon, dass sie das Rezept und eine Kostengutsprache der Krankenkasse hat – diese ihr das also zurückerstattet. Sie will das Medikament aber auf Rechnung von der Apotheke beziehen. Ausserdem stellt sie in Aussicht, bei Abholung gleich noch mehr bestellen zu wollen, da sie ins Ausland geht.

Geht die Apotheke darauf ein, besteht die Möglichkeit, dass die Frau mit der (unbezahlten) Rechnung der Apotheke von der Krankenkasse das Geld „zurück“ bekommt, sie die Apotheke dann aber nie bezahlt. Dabei handelt es sich immerhin um etwa 6700 Franken …

Auch unschön: Bestellt die Apotheke das Medikament und sie kommt das nicht abholen (zum Beispiel, weil man gesagt hat, dass man das nur macht, wenn man selber mit der Krankenkasse abrechnet), dann darf man für das Zurückschicken auch noch extra Handlinggebühren beim Grossisten zahlen. Das ist ein kleinerer Verlust als die paar Tausend, aber nervt!

Double Trouble

Eine nette ältere Frau in der Apotheke, nachdem sie von mir ihr Medikament auf Rezept bekommen hat (eine total alltäglich Transaktion) habe ich etwas Zeit und frage sie, wie es ihr geht. Irgendwie scheint sie mir etwas … neben den Schuhen zu stehen.

Da bröckelt ihre bis dahin gut aufrechterhaltene Fassung. Ihre Augen werden tatsächlich etwas feucht, als sie mir das erzählt:

„Nicht so gut. Gestern wurde mir das Portmonne geklaut auf der Strasse und als ich dann zu Hause war habe ich das gemerkt. Ich dachte erst, ich hätte das verloren und habe es gesucht.“

Pharmama: „Ja, das kenne ich, da bekommt man wirklich einen Schreck.“

Frau: „Und dann habe ich einen Anruf bekommen von der Polizei.“

Pharmama: „Wegen dem Portmonee?“

Frau: „Das dachte ich Anfangs. Er hat gesagt, er sei von der Polizei (Kanton) und dass mein Geld bei mir nicht sicher sei …“

Pharmama: „Uh …“

Frau: „Da habe ich ihm gesagt: das habe ich gemerkt, mein Portmonee mit dem ganzen Geld von der AHV drin wurde mir gerade geklaut! Davon wusste er aber nichts. Ich habe gefragt, ob ich bei ihm grad die Anzeige machen kann …“

Kleiner Einschub: Die Polizei ruft einen nicht an, um zu sagen, dass das Geld bei einem nicht sicher ist … und empfiehlt dann ihnen das Geld zur Sicherheit persönlich zu übergeben. Das wäre wahrscheinlich als nächstes gekommen. Es ist eine Betrugsmasche, von der ich schon gelesen habe.

Frau: „Aber er hat gesagt, das könne ich nicht! Dann hat er einfach aufgehängt! Dann bin ich auf den Polizeiposten. Die haben gesagt, von ihnen hat niemand angerufen und dass so Anrufe auch nicht von ihnen kommen.“

Au ja. So wie es sich anhört, hat derjenige, der da angerufen hat, gemerkt, dass da (diesen Monat) nichts mehr zu holen ist und es deswegen aufgegeben. Oder er hat sein Gewissen gefunden … Die Polizei scheint sie aber aufgeklärt zu haben. Nicht dass sie da nochmals Opfer wird.

:-(

 

Euro Millones Gewinner

Das ist zu gut – ich wusste gar nicht, dass die das immer noch auf die Art versuchen … Mein Mann hat einen Brief bekommen (ja: Schneckenpost, Hardware, wirkliches Papier!) aus Portugal. Innen im Umschlag dieses „Juwel“:

euromillones

Juhuu – wir haben gewonnen! Seltsam nur, dass wir nicht daran teilgenommen haben ….

Man weiss gar nicht, wo anfangen. Hier ein paar deutliche Hinweise, dass das ein Betrugsversuch ist (die wollen nur mal die Daten und danach etwas Geld als „Vorschuss“ oder „Bearbeitungsgebühr“ etc …)

1. Das Logo: falsch. Euro Millones? Sollte das nicht Euro Millions heissen und so aussehen?:

euromillions-logo

2. Die Anschrift: Generisch. Auf dem „Gewinnblatt“ steht nirgends der Name von dem Gewinner drauf … nur haufenweise offiziell klingende Bezeichnungen und Zahlen. Los- Serien- und Stapelnummer…

2a haufenweise Schreibfehler. Die glucksnummer /  die Summe ergibt sich von einer gewinnausschüttung von€50,000,000, 00 (FÜNFZIG MILLIONEN EUROSNUR) unter den zwölf internationalen Gewinner geteilt … (Die hoffen wohl darauf, dass man vor Gier nach dem ganzen Geld blind wird).

3. Eine Anwaltskanzlei und wie rechtlich korrekt das alles ist (hust) wird erwähnt … und schon mal angedeutet, dass man das nicht so ohne alles bekommt. 5% sind 110’000 an die Anwaltskanzlei … nicht als Steuern an den Staat? Die verdienen gut an ihren Gewinnern.

4. Eine nicht wirklich zuverlässig klingende mailadresse: [email protected] ? Hahaha!

5. Wir wollen nur ihre Info … und dass sie es uns zufaxen.

Ganz herzig fand ich auch, dass der Aufdruck NOTARIELL BEGLAUBIGTES SCHRIFTSTUE/ da abgeschnitten wurde. Aber dafür hat es so etwas Stempelartiges auf dem Blatt verteilt: loterias y apuestas del estado – das wäre eine Lotteriegesellschaft in Spanien. Der Brief kommt dem Stempel nach aber aus Portugal. Ach was soll’s – ist doch eh alles EU

Betrug in der Apotheke

Dass die Apotheke ein … ich sag jetzt mal sehr hilfsbereiter Ort ist, hat sich leider auch bei Personen herumgesprochen, die das ausnutzen.

In Bern zum Beispiel hat es Fälle gegeben, wo ein Mann in die Apotheke gekommen ist und darum gebeten hat, dass er der Apotheke sofort ein Mail schicken darf und die Apotheke den Mail-Anhang für ihn ausdruckt. Er sei in einer Notlage, er brauche den Ausdruck dringend für einen Termin in der Botschaft.

Hört sich harmlos an, aber genau mit solchen Mailanhängen kommen Viren und Trojaner auf den Computer … und was dann passieren kann, haben diverse Spitäler und andere Institutionen letztens erfahren müssen: deren Systeme wurden verschlüsselt und sie wurden von Betrügern um Geld erpresst, damit sie wieder Zugang auf ihre eigenen Daten haben.

Und noch ein Fall, wirklich so passiert (aber nicht bei uns):

Da wollte die Kundin (ausländischer Herkunft) Kindernahrung kaufen. Bei der Bezahlung hatte sie aber kein Geld dabei, worauf sie jammerte und klagte und bei der anwesenden Kundschaft Mitleid erregte, sodass ihr das Produkt bezahlt wird. Man kann sich das vorstellen: „Mein armes Baby hat Hunger und ich kein Geld …“  Sie verlangt den Kassabon … und kommt (kurz) darauf wieder zurück und will das Produkt gegen Bargeld umtauschen.

Ist doch nett, wenn die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen so ausgenützt wird.

Nicht.

 

 

Aber ich habe doch gar kein …

Kuschelbär (ja, so nenne ich meinen lieben Mann hier) nimmt zu Hause einen Anruf entgegen. Er ist in englisch – Nummer unterdrückt. Die nette Dame kündet sich freundlich als vom Windows Support an. Angeblich hätten wir ein Problem mit unserem Computer – Viren so wie’s aussieht. Und sie will uns zeigen, wie wir die wieder loswerden …

Ich daneben höre nur die Seite meines Mannes:

„Sorry, Ich kann kein Englisch.“

„Was Windows Support? Computer Problem??“

„Aber wir haben gar kein …“

Klick

Tja. Pech gehabt. Auch wenn ich meinem Kuschelbär danach erklären musste, was das denn für ein Anruf war und was sie wirklich wollten: Passwörter abfragen, eventuell mit seiner Mitarbeit einen Trojaner installieren und so Zugriff auf den ganzen Computer bekommen. Zum Daten abgreifen (zum Beispiel für’s Internetbanking) – nicht zum helfen.

The Swiss Confederation of United Nations

.. hach, wie vertrauenserweckend!

Bekomme ich doch ein mail von oben genannter Institution (hätten wohl manche gerne, aber die gibt's nicht) die mir als Scam-Opfer (bin ich nicht, würde ich aber wohl werden, wenn ich auf die mail reinfallen würde) Geld verspricht.

Tatsächlich für einmal ein ziemlich professionell geschriebenes mail:

UNITED NATIONS COMPENSATION COMMISSION,
IN CONJUNCTION WITH THE
EUROPEAN UNION.
AND THE SUPPORT OF WORLD BANK GROUP FACT FINDING, EUROPE.
BERN, SWITZERLAND

Attention: Beneficiary

YOUR COMPENSATION PAYMENT FROM THE $300m GIVEN TO VICTIMS OF SCAM

IMF — Your Email Address has been selected to receive a compensation payment.
UN Information Service — The United Nations Compensation Commission (UNCC) has made available a total of $300,044,579 to some governments for distribution,in a bid to pay all outstanding victims of scams for this fiscal year 2013. The Governing Council met with the Secretary General of the United Nations, Ban ki-moon and held series of meetings. The fund was then made available by adopting a decision early last year (2012) to receive 5% of all export sales of petroleum, petroleum products, and natural gas from 10 countries with a very stable economy for a period of 6 months.
Payment is being made in accordance with the Governing Council's decision in respect of over 19,740 estimated (reported and unreported) cases across the countries. There are five (5) major categories of claims in which the payments would be made, depending on the category your case falls under. Category “A” (claims of individuals who have been scammed below $25,000), Category "B" (claims of individuals who have been scammed above $25,000 up to $50,000), Category "C" (claims of private legal entities who have been scammed above $50,000 up to $100,000), Category "D" (claims of corporate legal organizations who have been scammed above $100,000 up to $150,000) and Category "E" (claims of public sector enterprises who have been scammed above $150,000 up to $200,000).
Further information about how you can receive your money, United Nations Association of the UK – [email protected]
The Swiss Confederation of United Nations

wenn es nur nicht von vorne bis hinten erfunden wäre.

Ein Versuch Leute, die schon einmal auf so etwas hereingefallen sind (und entsprechen leichtgläubig) zu erreichen?