Sie sind Schuld, wenn …

Eine Frau kommt mit einem Rezept für ihre Tochter. Zwei Inhalatoren, einer zur  Notfallbehandlung (wenn sie keine Luft bekommt) und einer zur Grundmedikation (Entzündungshemmung).

Dummerweise ist uns der zweite heute ausgegangen, was ich ihr erkläre – und dass ich ihn auf morgen früh bestellen kann. Denn jetzt ist es schon zu spät für die Nachmittagsbestellung.

„Weshalb haben sie ihn nicht hier?“ fragt sie.

Pharmama: „Weil wir heute schon ein paar gebraucht haben. Ich habe alle, die ich hatte abgegeben.“

Mutter: „Wenn Sie die so häufig brauchen, warum halten sie dann nicht mehr an Lager?“

Ich hätte ihr erklären können, dass es sehr ungewöhnlich ist, dass wir davon an einem Tag gleich 4 brauchen, aber das hätte nicht viel gebracht. Stattdessen biete ich ihr an: „Ich kann in den Nachbarapotheken anfragen und dort einen holen, wenn sie ihn schon heute abend brauchen …“

Mutter: „Nein, das will ich auch nicht, ich bin heute schon den ganzen Tag unterwegs, beim Arzt und Einkaufen … aber wenn meine Tochter stirbt, weil sie ihr Dosieraerosol nicht hat, dann ist das ihre Schuld! Ich komme morgen wieder!“

Sagt’s und geht.

Sie wird nicht sterben wegen dem. Das zumindest ist beruhigend. Eher beunruhigend finde ich das Verhalten der Mutter. Aber das stecken wir heute weg. Früher hätte mich das mehr aufgeregt. Manchmal muss man einfach der Sündenbock sein.

 

Zu wenig bekannt: Heuschnupfen bei Kindern – und was man tun kann / sollte

Allergien sind ganz stark im Kommen. Gibt es hier auch nur einen Leser, der nicht selber betroffen ist oder mindestens eine Person im Bekanntenkreis hat, die keine bekannte Allergie hat? Ich schreibe hier nicht von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, sondern dem klassischen (und oft unterschätzten) Heuschnupfen.

heuschnupfenDas ist keine Modeerscheinung – die Werte steigen seit 1960 stark an und mehr ist (leider) zu erwarten. Heute leiden über 20% der erwachsenen europäischen Bevölkerung an allergischem Heuschnupfen und weltweit haben (laut WHO) über 60 Millionen Menschen Allergien. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt. Übertriebene Hygiene spielt dabei eine Rolle, eventuell auch die Tatsache, dass wir kaum noch Parasiten haben, teils auch die Invasion von fremden Pflanzen (bei Pollenallergikern), und vor allem die familiäre Vorbelastung. Keinen Einfluss auf die Entwicklung haben die Anzahl Impfungen oder ob man ein Haustier hat – schon sensibilisierte Personen reagieren aber natürlich auch auf diese.

Was man auch weiß ist, dass es einen Zusammenhang zwischen der allergischen Rhinitis (Heuschnupfen), der chronischen Rhinosinusitis (Schnupfen) und späterem Asthma gibt. Gute Gründe also, bei Kindern rasch zu reagieren, denn … es gibt Sachen, die man gegen Allergien machen kann. Machen sollte sogar, wenn man seinen Kindern viel Leid ersparen möchte. Ich bin dankbar, ist mein Junior nicht betroffen, allerdings sehe ich in der Apotheke häufig Kinder mit Allergien aller Arten … und die Kleinen tun mir so leid.

Eine Allergie entsteht, wenn der Körper auf ein Allergen mit einer übertriebenen Immunantwort reagiert. Die Sensibilisierung kann bei fast allem auftreten, aber sehr häufig ist die Reaktion auf Pollen oder Hausstaubmilben (aber auch Tierhaare und Schimmel). Der Körper reagiert z.B. mit Rötung, Jucken, Niesen und laufender Nase …

Rötung um durch die verbesserte Durchblutung Zellen des Immunsystems vor Ort zu bringen, Jucken um die Aufmerksamkeit des Körpers auf die Stelle zu richten, Niesen und Nasenlaufen um die reizenden Stoffe mit dem Schleim oder durch den Luftstrom herauszuschaffen. Alles eigentlich sinnvolle Reaktionen – nur leider enorm übertrieben und dabei auf Stoffe, die ohne diese Überreaktion nicht mal gesundheitsschädlich sind.

Das Erkennen von Allergien ist nicht ganz einfach. Leider sind gerade viele Kinder mit Allergien nicht diagnostiziert. Wer ein Kind hat, das sehr häufig erkältet ist und vor allem saisonal vermehrt Schnupfen und eventuell zusätzliche Beschwerden hat, sollte es vom Arzt anschauen lassen. Es ist wichtig, dass der „Heuschnupfen“ von der Umgebung nicht trivialisiert wird. Wer unsicher ist, kann vorher diesen Test hier machen . Der Arzt kann dann mit einem Pricktest auf der Haut oder einem Bluttest den Verdacht auf eine Allergie überprüfen. Erste Anlaufstelle ist bei Kindern immer der Kinderarzt. Erst wenn der nicht aktiv wird, sollte man sich an einen Allergologen wenden. Es ist bei diesen Sachen wichtig das möglichst früh anzugehen – auch um einen sogenannten „Etagenwechsel“ zu verhindern. Der Fachmann nennt das so, wenn zum allergischen Schnupfen (Nase: oben) zusätzlich ein allergisches Asthma (Lunge: unten) dazu kommt.

Asthma kommt vom griechischen „Atemnot“ und ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege mit dauerhaft bestehender Überempfindlichkeit. Nach einem Auslöser (zum Beispiel Allergen) kommt es zu akut auftretender Luftnot und erschwerter Atmung. Bei Kindern ist Husten oft das führende Symptom.

Therapie von Allergien

An erster Stelle steht neben der Karenz, die bei Pollenallergie leider recht schwierig ist, die Bekämpfung der Beschwerden mittels Antihistaminika und Cortison. Sowohl topisch (also als Nasensprays oder Augentropfen) als auch systemisch: Tabletten etc.

Die neueren Antihistaminika (Medikamente wie Levocetirizin oder Desloratadin) machen viel weniger müde als die alten Formen (Dimetinden, Cetirizin) und können auch bei Kindern eingesetzt werden. Lokale Anwendung sowieso.

Lokal wirksame kortisonhaltige Mittel – zum Beispiel oft in Form von Nasensprays – können auch langfristig eingesetzt werden und wirken in Kombination mit Antihistaminika sogar oft besser als die Produkte einzeln.

Das ist allerdings nur Symptombekämpfung und geht die Ursache nicht an. Aber … es gibt eine Behandlung, die das macht:

Die Hyposensibilisierung oder auch spezifische Immuntherapie. (andere Namen: Desensibilisierung oder Allergie-Impfung)

Sie ist möglich bei: allergischer Rhinitis (Heuschnupfen), Hausstaubmilbenallergie, Allergie gegen Tierhaare und Schimmelpilze. Einige Präparate können auch bei allergischem Asthma eingesetzt werden. Damit kann man nicht nur eine langfristige (!) Linderung der Beschwerden erreichen, sondern auch einen Etagenwechsel verhindern (laut aha.ch in 47% der Fälle). Ab dem 5./6. Lebensjahr ist das machbar. Die Hyposensibilisierung wird bei Überempfindlichkeit gegen Pollen, Tierhaare, Schimmelpilze und Hausstaubmilben als sehr effektiv eingestuft. Es gibt 2 Möglichkeiten:

Subkutane Immuntherapie: Dabei wird beim Arzt das Allergen unter die Haut gespritzt. Eine normale Therapie dauert 3 Jahre, mit stetig steigenden Dosen. Zu Anfang einmal pro Woche, später alle paar Monate. Oder als Kurzversion: 7-10 Spritzen einmal pro Woche vor der Saison, dann Pause. Das macht man 3 Saisons lang.

Sublinguale Immuntherapie: Einige Allergene wie z.B. Gräserpollen und Hausstaubmilben können auch als Tropfen oder Tablette unter die Zunge verabreicht werden. Der Effekt ist vergleichbar mit der Spritze. Es handelt sich hier um eine tägliche Einnahme. Die erste Einnahme erfolgt beim Arzt, damit dieser mögliche Nebenwirkungen kontrollieren kann. Anschließend kann die Einnahme zuhause fortgesetzt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Kribbeln und Juckreiz, die aber normalerweise nach wenigen Wochen wieder verschwinden.

Die Behandlung dauert auch bei den Tabletten 3 Jahre. Nach dem ersten Jahr hat ein Drittel schon weniger Beschwerden und der Bedarf an Antihistaminika oder Kortisonhaltigen Mitteln hat sich um 55% verringert. Die Wirkung hält oft auch noch nach der Behandlung noch an.(1)

Sehr interessant ist auch der Fund, dass Eltern, die sich (vor der Schwangerschaft) einer sublingualen Immuntherapie unterziehen ihre Beschwerden weniger an ihre Kinder „weitergeben“. Dazu gehören neben den allergischen Erkrankungen und Asthma auch Beschwerden wie Neurodermitis, Bauchschmerzen oder Durchfall nach Milchgenuss.(2)

Das macht Mut für allergische Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder an (denselben) Dingen leiden, die sie durchmachen mussten – und sollte viel bekannter gemacht werden.

Habt ihr oder eure Kinder Allergien? Was sind Eure Erfahrungen? Wie lange hat es gedauert, bis gefunden wurde an was es lag … und was habt ihr dagegen gemacht, was hat geholfen?

Sponsored post – Text entstanden in Kooperation mit ohne Einfluss auf den Inhalt.

(1) (Durham et al. J Allergy Clin Immunol 2010; 125: 131-38 und Durham et al. J Allergy Clin Immunol 2012; 129: 717-25)

(2) (Bozek A, Jarzab J, Bednarski P. The effect of allergen-specific immunotherapy on offspring.Allergy Asthma Proc. 2016 Jul;37(4):59-63.)

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Für was brauche ich das in der Apotheke? – mit Lösung

Ein kleines, feines schwarzes Tuch, ca. 10 auf 10 Zentimeter.

Weiss jemand von Euch, für was ich das in der Apotheke brauche?

(Die Apotheker unter Euch halten sich jetzt vornehm zurück, die wissen das ziemlich sicher.)

Und hier kommt die Antwort:

 

Es ist kein Putztuch … aber irgendwo schon ein Staubfänger …

Ich brauche das bei der Instruktion von den Turbuhalern (sei das jetzt Symbicort, Pulmicort etc.). Die benötigen Asthmatiker zum inhalieren – als Grundbehandlung. Sie enthalten ein sehr feines Pulver, das in der Lunge dann entzündungshemmend wirkt. Die Anwendung ist einfach … trotzdem gibt es immer wieder Leute, die zurückkommen, wie die Frau letzte Woche, die mir „gestand“, dass sie jetzt schon zwei Mal in der anderen Apotheke, wo sie es bekommen hat, eine Einführung in den Gebrauch bekommen hat, sie es aber immer noch nicht „richtig“ mache …

Ich habe es ihr noch einmal gezeigt und dabei gesehen, dass sie das schon alles richtig macht. Aber: das Problem das viele Leute (und sie auch) dabei haben ist dieses: Das Pulver das da drin ist, ist so fein … die spüren nichts bei der Inhalation. Der Gedanke ist da: wenn ich nichts spüre, dann mache ich da etwas falsch Oder das Gerät ist leer. Leer kann es aber nicht sein (ich höre noch das Pulver, wenn ich schüttle), Ergo …

Was man hört ist das Trocknungspulver. Wie viel noch drin ist, sieht man bei en Turbuhalern am Zähler, den sie haben.

Um diese Leute also davon zu überzeugen, dass sie es richtig machen und dass auch wirklich etwas kommt, nimmt man dieses feine schwarze Tuch bei der Inhalation zwischen Turbuhaler und Mund. Das weisse Pulver sieht man danach auf dem schwarzen Tuch ganz gut (siehe Bild oben).

Also das ist es: ein Demogerät zur Inhalation :-)

Danke für’s mitmachen und die interessanten Vorschläge (Globuli sortieren? Läuse zählen? Verband für Blutphobiker ;-)  !

Tief einatmen.

Du merkst es wahrscheinlich nicht – oder vielleicht jetzt, wenn ich Dich darauf aufmerksam mache, aber … neben dem normalen Atemrhythmus, dem stetigen, unbewussten ein uns aus machst Du etwa einmal pro Minute einen wirklich tieferen Atemzug.

Und das ist gut so.

Unter anderem- so hat man herausgefunden- braucht es das um die Lunge etwas zu dehnen und elastisch zu halten.

Macht man das nicht, bekommt man eher Asthma.

Denn das ist einer der Gründe, weshalb übergewichtige Personen eher Asthma entwickeln: das Körpergewicht "liegt" ihnen auch auf der Lunge, da machen sie diesen tiefen Atemzug dazwischen nicht regelmässig – oder gar nicht mehr.

Und jetzt nach der Info?

Weiteratmen ! :-)

akustische Signale

Auf dem Rezept für die Stammkundin: ein Pulmicort Turbuhaler.

Ich sehe, dass sie das bisher noch nie gehabt hat bei uns, also bringe ich zum Original gleich noch das Demogerät mit … das neue Spielzeug. Das „Spielzeug“ ist ein vereinfachter Turbuhaler zum üben, der innen etwas hat, damit es pfeift, wenn man damit richtig inhaliert. Damit hat man eine akustische Kontrolle.

Ich gebe ihr also den Turbuhaler und frage sie: „Wissen Sie schon, wie man das anwendet?“

Kundin: „Ja das hatte ich vor ein paar Jahren schon einmal.“

Pharmama: „Oh, das ist gut. Darf ich es Ihnen trotzdem noch zeigen? Wie haben hier so tolles Demomaterial bekommen, wo man auch hören kann, wenn man richtig inhaliert. Das tönt dann wie eine Pfeife.“

Kundin: „Ja, sicher.“

Pharmama: „Also, Sie nehmen das Gerät in die Hand, drehen den Deckel auf und nehmen ihn ab. So.“

„Dann sieht das aus wie ihr Übungsgerät“ (ich gebe ihr das Spielzeug).

„Jetzt drehen Sie den Ring unten erst in die eine, dann in die andere Richtung, bis es *klick* macht.“

Kundin *klickt*

„Dann atmen Sie ganz aus, nehmen das Gerät in den Mund und atmen da durch tief ein. Wenn wir ein Pfeifen hören, machen Sie es richtig.“

Sie nimmt das Gerät an den Mund und …. nichts. Das heisst, nicht ganz. Ich höre, dass ziemlich Luft durch geht, aber kein Pfeifen.

Sie und ich schauen etwas irritiert auf das Demogerät.

Pharmama: „Äh, haben Sie jetzt dadurch eingeatmet oder da durch geblasen?“

Kundin: „Oh, ich habe geblasen! Ich dachte, wenn es wie eine Pfeife ….“

:-)

Aber: Ja, ja … ich weiss wie’s geht!

(unbedingt auch die hier lesen: Die Anwendung von Inhalatorien und Pffft)

Prioritäten, Prioritäten …

Frau, die unglaublich nach Zigaretten stinkt kommt in die Apotheke mit einem Rezept für Ventolin Inhaler. Sie hat keine Krankenkassenkarte dabei und war noch nie mit einem Rezept bei uns.

Frau: „Dann zahle ich es halt. Wieviel?“

Pharmama: „Das macht 17 Franken und 5 Rappen.“

Frau: „Waaas? Aber … ich kann nicht atmen….!!“

Dann geht sie – ohne es genommen zu haben. Als nächstes sehe ich sie mit einem Riesen-Pack Zigaretten – einer sogenannten Zigarettenstange in der Plastiktasche an der Apotheke vorbeilaufen.

Ich könnte mich ja  irren, weil ich nicht rauche, aber … das hat sicher mehr gekostet als das Ventolin. Einiges.

Ja, ja. Prioritäten halt.