Über Digitalisierung und handgeschriebene Rezepte

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Beim Xatral-Rezept vor ein paar Tagen ist mir wieder aufgefallen: wir bekommen ja immer noch sehr viele handgeschriebene Rezepte von den Ärzten. Das hat verschiedene Gründe, hauptsächlich aber wohl, dass sie (immer noch) nicht so digitalisiert sind wie wir in der Apotheke. Wir arbeiten mit Programmen, die mehrmals wöchentlich ein Update bekommen, damit sie auf dem aktuellen Stand sind was die Daten der Medikamente angeht (Übernahme durch Krankenkassen, im Handel, neue Artikel, Wechselwirkungen etc.). Wenn jemand ein Rezept bringt, rufen wir per Internet mit den Daten von seiner Krankenkassenkarte die aktuelle Deckung ab. Wir geben seine Medikamente in einem persönlichen Patientendossier bei uns ein und sehen so Wechselwirkungen auch bei Medikamenten die von verschiedenen Ärzten verschrieben wurden und können bei Fragen später nachschauen was er/sie schon gehabt hat (und wann und von wem). Wenn wir etwas bestellen müssen kann ich nachschauen, ob es lieferbar ist und wann es kommt. Die Übermittlung der Lieferung passiert elektronisch, die Übermittlung an unsere Abrechnungsstelle erfolgt elektronisch, wenn ich spezielle Informationen nachschauen muss habe ich Datenbanken im Internet, die nur mit beschränkt (mit Zertifikat und/oder Passwort) einsichtbar sind (Tropimed für die professionelle Reiseberatung, Viavac für die Impfberatung, Pharmavista für internationale Medikamente …) wir sind voll vernetzt.

Aber wenn ich mit dem Arzt kommuniziere, passiert das heute hauptsächlich übers Telefon (und via MPA) oder via Fax, seltener via email. Das liegt (auch) daran, dass die meisten nicht ausgerüstet sind – und manchmal auch daran, dass die Systeme nicht kompatibel sind. Sie sind am Aufbau von zentralen (gesicherten) Datenbanken … aber das kann dauern. Und anscheinend wird es auch in Zukunft so sein, dass wir Apotheken die Ausrüstung für einen Zugang zu diesen Daten haben müssen, auch die Spitäler, die Hausärzte aber nicht. Die dürfen weiterhin ihre Rezepte von Hand schreiben und müssen nichts auf die Gesundheitskarte hochladen oder Info abholen. Sie dürfen. Wir müssen (das können). Die Erklärung dazu war, dass viele Hausärzte älter sind und offenbar kann man ihnen das nicht zumuten.

Wirklich lustig fand ich letztens dieses Rezept, das uns übrigens auch per Fax erreicht hat  (ich hoffe wirklich, dass das nach der Umstellung auf IP weiterhin funktioniert mit dem Fax, aber das ist ein anderes Thema):

RpSchreibmaschine

Ist doch ein wunderbar geschriebenes Rezept, oder? Das sieht aber nicht nach Computer aus … eher nach … Schreibmaschine! Und ganz toll: nur ein einziger Schreibfehler von einem Medikament – da sehe ich selbst auf Computer-generierten Rezepten noch mehr. Da ist jemand von der alten Schule. Und er macht das ganz gut. Den wird man kaum zu einem Wechsel bringen können.

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Xa xa xa

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Abends um halb 6 Uhr bringt mir der männliche, ältere Patient ein Rezept. Dieses hier:

rpxatral1

Ich habe Mühe damit es zu lesen, aber da es von einem Urologen (Männerarzt) ausgestellt wurde und der erste Buchstabe höchstwahrscheinlich ein X ist … und die Dosierung 1 pro Tag … ich vermute Xatral uno. Ein Medikament gegen Störungen bei Prostatavergrösserung. Dauerrezept für 1 Monat. Aber ich rufe dem Arzt an, damit ich sicher bin.

Der nimmt das Telefon schon nicht mehr ab – das wird laut Anrufbeantworter nur bis 5 Uhr bedient und morgens ab 9 Uhr.

Gut, ich muss das Medikament sowieso bestellen, also sage ich dem Mann, dass er es morgen abholen kann und ich dann am Morgen halt grad noch den Arzt anfrage.

 

Am nächsten Morgen rufe ich in der Praxis an. Die Praxisgehilfin will es gefaxt haben. Können wir machen.

Zurück kommt dann dasselbe Fax mit demselben Rezept:

rpxatral2

Ah, doch eine Ergänzung. Gesehen? Da steht noch erläuternd 2.5mg. Sonst nix.

Na Super. Das sind dann wohl die anderen Xatral, nicht die uno, die man einmal täglich nimmt. Und die habe ich natürlich nicht bestellt.

Aber … weshalb steht dann bei der Dosierung 1×1?

Bei den 2.5mg steht dies in der Fachinfo unter Dosierung:

Bei Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankungen in der Anamnese beträgt die empfohlene Tagesdosis 3× täglich 1 Tablette zu 2,5 mg (7,5 mg täglich). Die erste Dosis der Behandlung sollte abends vor dem Zubettgehen eingenommen werden.

Ältere Patienten/Hypertoniker unter Behandlung: Bei älteren Patienten (über 75 Jahre) oder bei Patienten mit behandelter Hypertonie sollte die Initialdosis 1 Tablette à 2,5 mg morgens und abends betragen. Die Dosis kann dann je nach klinischer Wirkung angepasst werden.

Niereninsuffizienz:  Die Initialdosis beträgt bei Patienten mit Niereninsuffizienz 2× täglich 2,5 mg. Die Dosis kann dann je nach klinischer Wirkung angepasst werden (maximale Tagesdosis: 3× 2,5 mg).

Leberinsuffizienz: Die Initialdosis beträgt bei Patienten mit mässiger Leberinsuffizienz 2,5 mg einmal täglich und kann je nach klinischer Wirkung auf maximal 2× 2,5 mg täglich gesteigert werden.

Nochmals in der Praxis angerufen. Die sehr ungehaltene Praxisassistentin meint nur: „Ja, die Xatral 2.5mg einmal täglich. So hat er es aufgeschrieben.“

Pharmama: „Okay – das ist ungewöhnlich, die uno sind einmal täglich, die 2.5mg nimmt man nur am ersten Tag eine und danach 2 bis 3 pro Tag.“

MPA: „Moment.“ Sie haut mich in die Warteschlaufe, meldet sich mit „Sind sie noch dran?“ wieder (Ja. Ich habe es noch nicht aufgegeben) und sagt: „Er hat aufgeschrieben einmal eine pro Tag, auch im Patientendossier. Dann denke ich, er meint das auch so.“

Pharmama: „Sie denken … Wie sicher sind sie? Wollen Sie nicht vielleicht noch einmal nachfragen?“

MPA: Grummelgrummel … Versetzt mich kommentarlos wieder in die Warteschlaufe … entweder hat sie Angst vom Arzt, oder sie hat sonst Hemmungen ihn direkt zu stören, ich bin sicher, dass sie bisher damit nicht bei ihm direkt nachgefragt hat.

Nach längerere Wartezeit: „Sind sie noch dran?“

Pharmama: „Ja, immer noch.“

MPA: „1 Tablette pro Tag.“

Pharmama: „Okay? dann halte ich das so fest, Danke fürs nachfragen.“

Ich ändere das und nehme die 30er Packung Xatral 2.5mg aufs Rezept.

… Und muss dann beim bestellen merken, dass es das auf einen anderen als unseren üblichen Grossisten genommen hat … Weshalb? Lieferant nicht eingetragen. Hmmm? Noch ein Bestellversuch. Artikel nicht lieferbar, inaktiv. Huh?

Na dann. Muss es halt trotzdem die 60er Packung sein.

Gottseidank geht das bei uns und ich muss nicht nochmal in der Praxis anrufen um das Rezept ändern zu lassen … die MPA hätte mir wohl sonst den Kopf abgerissen.

Einen Monat später (nach dem nächsten Arztbesuch des Patienten also) kommt dieses Rezept:

rpxatral3

Ah. Ja.

Geht doch?

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 4. Kurs Impfungen

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Auf-dem-Weg

Lange habe ich nichts neues zum Thema geschrieben, dabei war ich noch nicht ganz fertig. Der Kurs zu den Impfungen fehlte noch und dann der Kurs Spritzen und Blutentnahme-techniken.

Zum Impfkurs selber: Um überhaupt zugelassen zu werden musste zu Hause Material studiert werden und dann online ein Test  gemacht werden. Den fand ich schon nicht ganz ohne. Am Tag selber wurde dann nach den Stunden Vortrag nochmals ein Test gemacht, der bestanden werden musste – ansonsten bekommt man den Ausweis für das bestehen des Kurses nicht …. den man dann braucht für den FPH Impfen.

Der Impfkurs war sehr interessant. Der Dozent Dr. Steffen hat 25 Jahre im Impfzentrum in ZH gearbeitet, ca. 500‘000 Beratungen und ca. 1 Mio Impfungen gemacht – also sehr viel Erfahrung mit dem Impfen. Es waren sehr viel Informationen, sehr kompakt aber gut herübergebracht. Für Euch habe ich ein paar „Trivia“, die ich aufgeschnappt habe und die mir teils neu waren:

Orales Polio-vakzin wurde früher in den Apotheken verabreicht. Das macht man nicht mehr: es führte (als Lebendimpfstoff) bei 1 von 1 Mio zu Lähmungen (wie die Krankheit selber). Bei pro Jahr 80‘000 Neugeborenen bedeutet das, dass alle 12 Jahre 1 Kind gefährdet ist. Und das war als Nebenwirkung zu übel, deshalb wechselte man auf IPV inaktiviert und spritzen …

Weshalb in Afghanistan/Pakistan die impfbaren Krankheiten zurückkommen: Weil der Taliban gegen Impfequipen angeht. Mit Grund (für sie jedenfalls): Ein Arzt hat vor Bin Ladens Festnahme auf den Strassen / in den Häusern Blutproben gesammelt. Angeblich zum Nachweis von Hepatitis B Antikörpern, in Wahrheit aber zur genetischen Identifizierung von Familienmitgliedern von Bin Laden. Der CIA hat das später publiziert (fies und doof!) und der Taliban hat das aufgegriffen und danach behauptet, dass Blutentnahmen schlecht sind und Impfungen sowieso dazu da seien die Fruchtbarkeit ihrer Frauen zu senken. Das führt heute dazu, dass Ärzteteams in den Gegenden angegriffen werden. Und dass Polio dort wieder auftritt. Saudi Arabien macht heute aber Druck, damit die Impfungen wieder zunehmen in Pakistan. Ansonsten wollen sie diesen keinen Zugang mehr zum jährlichen Hadsch geben.

Es gibt neu eine Malaria Impfung – gegen den Parasit, eine Novation – sie kommt in der Schweiz aber nicht in den Handel. Der Schutz der Impfung beträgt etwa 50% … was ziemlich unbefriedigend ist. Pro Jahr gibt es aber weltweit 600‘000 Todesfälle wegen Malaria, wenn man das mit Impfung in den stark betroffenen Ländern auf 300‘000 halbieren kann, dann ist das ein Erfolg.

In einer Apotheke in ZH Bellevue wurden Tropfen verkauft zur homöopathischen Malaria-Prophylaxe (!). Das führte dann (wegen Malaria) zu einigen Fällen in der Intensivstation. Selbst laut dem Präsidenten der Homöopathischen Gesellschaft der Schweiz ist Homöopathie nur therapeutisch und nicht als Prophylaxe gedacht … so wurde es von Hahnemann geplant. Aber es gibt natürlich immer welche, die das anders sehen. Manche Homöopathen geben das nach den Impfungen zum „ausleiten“ und gegen die möglichen Nebenwirkungen … dagegen ist soweit nichts einzuwenden.

Zum Thema Impfen von Gesundheitspersonal: Da war diese Reinigungskraft im ZH Spital (Tamile). In der CH ist die Prävalenz von Varicellen bei Erwachsenen ca. 90% – in den Phillipinen 30%!) Er hat sich in der CH angesteckt, hatte wenig Symptome (stille Erkrankung) und hat bei seiner Arbeit in der Intensivstation Leukämie-Kinder damit angesteckt. Das gab Todesfälle. Trotzdem gibt es auch in den Spitälern immer noch kein Impfobligatorium – aber ohne Impfschutz darf man jetzt zumindest nicht mehr auf der Intensivstation arbeiten.

Und wenn wir grad beim Arbeitsplatz sind: Lebendimpfstoffe sollen ja nicht bei Immunsupprimierten gegeben werden. Tragisches Beispiel weshalb nicht war der flight attendant (Flugbegleiter) mit HIV und CD4 < 100. Er wollte seinem Arbeitgeber nicht mitteilen, dass er HIV+ ist und ist dann an der Gelbfieberimpfung, die er für die Arbeit machen musste gestorben.

Hyperreaktion bei Überimpfung: das klassische Beispiel ist der Bauarbeiter mit häufiger Verletzung. Jedesmal, wenn der in den Notdienst geht (natürlich ohne Impfausweis) bekommt er eine Tetanusimpfung. Eine Hyperreaktion äussert sich als starke Reaktion auf die Impfung mit über 39 Grad Fieber, stark gerötetem und schmerzhaftem Arm. Das dauert dann über eine Woche. Ansonsten tritt Überimpfung aber kaum auf.

 

Grippe: Wie weit so eine Ansteckung via Luft bei zum Beispiel Grippe ist, ist länderspezifisch: Übertragungsdistanz für Grippetröpfchen laut BAG 1 m, in den USA: 6 foot = 1.5m…

Todesfälle Grippe: 400-1500 pro Jahr in der CH. Auf die Zahlen kommt man aber hauptsächlich durch die Statistische Auswertung der „Übersterblichkeit“. 2009 bei der Schweinegrippeepidemie wurde tatsächlich getestet. Die so bestätigte Todeszahl lag bei 20. (Das bedeutet nicht, dass an der Grippe tatsächlich nur so wenige sterben – das sind wirklich nur die bestätigten Zahlen für H1N1).

Ein Pandemie-Virus kann überall entstehen … und es gibt keine Früh-Warn-Mechanismen. Bei der Schweinegrippe war man nach ersten Berichten von 4% Letalität ausgegangen. Bei 1 Mio Erkrankten (üblich bei einer Grippeepidemie) wären das in der Schweiz 40‘000 Tote! – zum Glück war es dann doch nicht so arg.

Zu spezifischen Impfungen: Die Zoster-Impfung (gegen Gürtelrose) ist in der CH nicht mehr erhältlich, da die Firmen vorher in die USA / GB liefern … wo die Impfungen teurer sind. Die Firmen sind frei, sie dorthin zu liefern, wohin sie wollen (und nicht wohin sie gebraucht werden).

Impfungen müssen gekühlt werden. Die Berna hat früher Vivotif per Post Express versendet. Die Post legte diese Päckchen (weil wichtig) im Auto neben den Fahrer … unter die Windschutzscheibe. Irgendwann hat man dann Messthermometer mitgeschickt. Bei einer dieser Messungen wurden Temperaturen über 70 Grad gemessen (!). Danach hat man das nicht mehr so gemacht. Die Berna gibt es nicht mehr …

Triviathel – diese Impfung gegen Mumps hatte eine zu schwache Impfkomponente. Heute gibt es sie nicht mehr und die Impfprogramme am Computer rechnen sie nicht an = gilt wie gar nicht geimpft.

Hepatitis B-Impfung: je älter, je adipöser und womöglich noch Raucher, desto mehr ist die Immunantwort nach der Impfung verringert. Ab 20 Jahren nimmt sie ab. Gilt für die Grundimpfung und Booster. Der Dozent hat vor 30 Jahren 11 (!) Impfungen gebraucht um den benötigten Titer von 100 UIE zu erreichen. Normalerweise reichen 3-4 Impfungen für einen lebenslangen Schutz. Nach 2 Dosen rechnet man mit ca. 60% Schutz. Wenn der Titer bei Hepatitis B nicht erreicht wird: 1. Impfstoff wechseln (hilft häufig), 2. Japanische Methode: 1/10 Impfstoff intracutan

… letzteres wird noch toll, denn die Voraussetzung für den nächsten Kurs: Imjektion und Blutentnahme ist ein genügend hoher Hep B Titer Voraussetzung. Ich muss zum Arzt das testen lassen … und im schlimmsten Fall nachimpfen.

Weitere Artikel in der Reihe (zum nachlesen: ist schon eine Weile her):

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 1. Gesetzliches

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 3. BLS AED Kurs

 

Sperrlisten-Updates

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Ich bin am Rezepte kontrollieren vom Vortag. Dabei kommt mir das Rezept von Frau Landam unter (Namen etc. natürlich wie immer geändert). Frau Landam war laut Computer schon ein paar Male bei uns. Wenn ich mir die History anschaue und die Kommentare in ihrem Dossier werde ich trotzdem … vorsichtig.

Sie war 2015 da mit einem Rezept über Schnupfenmittel und Hustensirup mit Codein und später im selben Jahr mit Hustentabletten mit Codein. Und der erste Kommentar in ihrem Dossier stammt von Ende 2014:

Gesperrt für Codeinhaltige Produkte sowie die Antidepressiva Truxal und Trittico.

2016 war sie wieder hier. Rezept von einem neuen Arzt mit Valtrex (gegen Gürtelrose?) und Zolpidem. Kommentar im Computer beim Rezept:

für Zolpidem sie nicht gesperrt, deshalb Abgabe.

Nun – meine Kollegin, die den Kommentar gemacht hat ist zumindest aufgefallen, dass das problematisch sein könnte bei ihr. Wenige Monate darauf wird ihr Eintrag auf der kantonal geführten Sperrliste (und damit auch in ihrem Dossier als Kommentar) ergänzt um:

Gesperrt für ALLE Beruhigungsmittel. Benzodiazepine und Hypnotika. Verschreibung und Abgabe nur durch Arzt A.

Nun habe ich sie also jetzt, 2017 in der Apotheke mit einem Rezept über Lyrica 100mg, mit mehrmals täglicher Dosierung als Dauerrezept – ausgestellt von einem anderen Arzt, nennen wir ihn Arzt B. (Einfallslos. Ich weiss).

… Aber nach der Vorgeschichte, da wird man irgendwie vorsichtig. Vielleicht übervorsichtig? …

Lyrica ist Pregabalin. Das Mittel wird verwendet bei neuropathischen Schmerzen, Epilepsie und bei generalisierten Angststörungen im Erwachsenenalter. Arzt B ist ein Psychiater. Auch. Wie Arzt A. Das Rezept ist ein Dauerrezept. Ich weiss nicht, für was sie es verwendet (die Indikation ist nicht angegeben), aber Epileptikerin war sie bisher nicht und… eben, dass das auch durch einen Psychiater und anderen Arzt als der, bei dem sie die Beruhigungsmittel und Antidepressiva beziehen darf ausgestellt wurde … ist ein bisschen seltsam. … Ob dem das wohl bewusst ist, was für eine Vorgeschichte sie hat – und dass das Mittel noch gerne missbraucht wird? Ausserdem: gegen Angststörungen … gilt das auch als „Beruhigungsmittel“? Ich bin unsicher.

Ich rufe beim Arzt B an. Sehr vorsichtig frage ich nach. Der nette Arzt bestätigt, dass er um die Missbrauchsgefahr weiss. Anscheinend hat er das nur auf ihren Wunsch weiterverordnet – die ursprüngliche Verordnung stammt aus dem Spital. Von daher könnte es auch gegen Schmerzen sein. Er fragt, weshalb ich anrufe, also schildere ich ihm in Kürze meine Bedenken und dass sie für andere Medikamente (eben: alle Beruhigungsmittel) auf der Sperrliste ist und diese nur via Arzt A. beziehen darf.

Das war ihm offenbar unbekannt. Sie hat aber nächste Woche wieder einen Termin mit ihm, an dem er das mit ihr zusammen anschauen will. Auch zum abklären für was das Lyrica bei ihr ist und ob er das an den anderen Arzt (auch Psychiater) bei dem sie die Medikamente beziehen darf abgeben soll. Wir in der Apotheke sollen bis auf weiteres oder bis wir Bescheid von ihm oder dem anderen Arzt bekommen jedenfalls kein Lyrica mehr abgeben.

Ich halte das im Computer fest.

keine weitere Abgabe von Lyrica ohne Bescheid oder Rücksprache mit dem Arzt.

Frau Landam kommt in der folgenden Woche – zeitlich kurz nach dem Termin beim Arzt vorbei und sie möchte wieder eine Packung Lyrica beziehen. Vom Arzt haben wir zu dem Zeitpunkt noch nichts gehört. Meine Mitapothekerin gibt ihr das deshalb nicht ab und erklärt ihr auch, dass wir vor einer erneuten Abgabe den Arzt kontaktieren müssen, aber sobald wir das Okay haben … Es ist auch noch nicht ein Notfall: sie müsste noch ein paar zu Hause haben, wenn sie das Mittel nach Dosierung nimmt. Das bestätigt Frau Landam – sie habe noch ein paar und wir müssen den Arzt nicht extra kontaktieren.

Zwei Tage später haben wir zwar vom Arzt immer noch nichts gehört … aber wir bekommen die aktuelle Sperrliste … und da fällt auf, dass bei Frau Landam eine weitere Ergänzung drauf ist. Sie ist jetzt zusätzlich gesperrt für (alle) Schmerzmittel?!

Autsch! Irgendjemand anders hat das Gesundheitsamt informiert. Meine Vermutung ist, dass Arzt B sich mit Arzt A in Kontakt gesetzt hat und der das verfügt hat, Oder aber dass sie noch bei anderen Ärzten und in anderen Apotheken war und das dann rausgekommen ist. Die Frau scheint aber wirklich ein Problem zu haben mit ihrem Substanzabusus und ihre Eigenmedikations mit Ärztehopping und Apothekenshopping löst das Problem für sie auch nur kurzfristig. Ich denke ihr ist auch nicht bewusst was sie sich mit den Einträgen in der Sperrliste in Zukunft verbaut.

Die Informationen von der Sperrliste hat der Art übrigens auch – also … habe ich ihm nichts verraten, was er nicht auch selber wissen oder herausfinden konnte.

In Arztpraxis oder Apotheke: MPA und PA

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Was der Apotheke die PA ist dem Arzt die MPA.

Die Abkürzungen sind schon ähnlich PA (Pharmaassistentin) und MPA (Medizinische Praxisassistentin) – und beide Berufe sind sozusagen die rechte Hand der Medizinalperson: im Fall der PA der Apothekerin und im Fall der MPA des Arztes. Aber es gibt grosse Unterschiede in dem, was die beiden Berufe täglich so machen.

Die Medizinische Praxisassistentin (und natürlich auch –assistent, auch wenn dies ebenfalls ein sehr weiblich dominierter Beruf ist) arbeitet in der Arztpraxis. Sie betreut Patienten, erledigt administrative Arbeiten, führt Labor- und auch Röntgenuntersuchungen durch und assistiert bei ärztlichen Eingriffen. Von ihrem Organisationstalent und Einfühlungsvermögen hängt es ab, wie „rund“ die Praxis läuft, denn sie nimmt als Sprechstundenassistenz Anrufe entgegen und vereinbart Termine. Dabei muss sie entscheiden, wie dringlich das medizinische Problem ist und diese Patienten eventuell zwischen den Kontrollbesuchen unterbringen, Notfälle erkennen und entsprechend weiterleiten. Die MPA begleitet die Patienten beim Besuch, informiert sie über das weitere Vorgehen und bereitet sie und eventuelles Material für die Behandlung vor. Die MPA kann zur Entlastung des Arztes noch mehr: sie legt auf Anordnung Verbände an, verabreicht Injektionen und nimmt Blut ab. Sie macht Tests wie Blutdruckmessung, EKG, Blutzuckermessungen und kann Röntgenbilder machen. Im Labor führt sie Urintests durch und sichtet Blutproben. Im Büro ist die MPA für die gesamte Administration zuständig, sie verwaltet die Krankengeschichten mit allen Patienten- und Versicherungsdaten, schreibt Briefe und Protokolle und kümmert sich um das Rechnungswesen. Falls die Praxis Medikamente führt, bestellt und verwaltet sie auch diese. Flexibilität bei Notfällen ist eine Voraussetzung, Überstunden fallen häufig an und für deren Kompensation und die Ferien gibt es spezielle Regelungen – was bei Abwesenheit der Ärzte passiert.

Die Ausbildung ist eine 3jährige Lehre. Berufsfachschule kombiniert mit Ausbildung in einer Arztpraxis. Neben Überbetrieblichen Kursen hat man Berufsbezogene Fächer, die einem den Umgang mit Patienten beibringen, sowie diagnostische und therapeutische Prozesse, betriebliche Prozesse, Medizinische Grundlagen, Hygiene, Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz und eine Fremdsprache. Man schliesst ab mit dem „Eidg. Fähigkeitszeugnis Medizinisch/r Praxisassistent/in EFZ“

Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten: Meist bedeutet die Erweiterung der Kompetenzen durch Weiterbildung auch mehr Lohn. Andere Weiterbildungen erlauben die Arbeit ausserhalb einer Arztpraxis. Man kann sich zur medizinischen Praxiskoordinatorin, Krankenversicherungs-Fachfrau mit eidg. Fachausweis oder Spitalfachfrau mit eidg. Fachausweis weiterbilden. Berufsänderungen / Spezialisierungen sind möglich in Richtung Pflegefachfrau, Fachfrau für medizinisch-technische Radiologie, Biomedizinische Analytikerin HF oder dipl. Aktivierungsfachfrau HF.

Die Pharmaassistentin arbeitet in der Apotheke. Die PA bietet das breite Sortiment in der Apotheke an: Medikamente und Heilmittel, Säuglingsnahrung, Sanitätsartikel, Chemikalien, Kosmetika und pflanzliche sowie homöopathische Mittel. Sie berät die Kunden und Patienten fachkundig und freundlich, gibt Empfehlungen bei Krankheitssymptomen ab und beantwortet Fragen zu Produkten und zur Gesundheit und Schönheit. Sie kennt die gesetzlichen Bestimmungen um die Abgabe der Medikamente, stellt gemäss Rezept verordnete Medikamente zusammen, beschriftet sie und händigen sie den Patienten aus. Die PA stellt im Labor einfache Rezepturen oder hauseigene Arzneien wie Salben, Pulver, Teemischungen und Kapseln her. Die PA erledigt auch die Buchhaltung, Abrechnung und Korrespondenz mit den Krankenversicherungen und anderen Institutionen. Sie überwacht das Sortiment im Lager, bestellt die Ware und kontrolliert den Wareneingang. Der Beruf verlangt nach einem breitem Grundwissen und ständiger Weiterbildung um dieses aufrecht zu erhalten, wichtig sind ausserdem Sorgfältigkeit und hohe Sozialkompetenz.

Die Ausbildung ist eine 3jährige Lehre mit gleichzeitiger Praxis in einer Apotheke. Neben überbetrieblichen Kursen gehören dazu berufsbezogene Fächer wie fachkundlicher Unterricht, Warenbewirtschaftung, Verkaufsförderung, Landes- und Fremdsprache, administrative Arbeiten, Wirtschaft, Recht, Gesellschaft. Man schliesst ab mit dem „eidg. Fähigkeitszeugnis Pharma-Assistent/in EFZ“

Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten: Intern in der Apotheke gibt es wenig Aufstiegsmöglichkeiten, aber durch die Übernahme von zusätzlichen Kompetenzen wie der Lehrlingsausbildung, der Ausbildung zur Visagistin oder Spezialistin für Naturheilmittel kann man mehr draus machen und auch mehr verdienen. Dank der recht breiten Ausbildung in gesundheitlichen Themen ist später auch ein Wechsel in andere Berufssparten möglich: Pharmavertreterin, Krankenkassenadministration, Labor in einer Pharmafirma … Eine von unseren PA ist später MPA geworden. Man kann noch die Ausbildung als Drogist HF anhängen und selbst ein Nachholen der Matur und universitäre Ausbildung zur Apothekerin kommt vor.

Unsere PA, die zur MPA gewechselt hat (ja, nach Zusatzausbildung) kam übrigens später wieder in eine Apotheke zurück. Sie meinte, ihr wäre es in der Arztpraxis langweilig geworden …. Schwer vorstellbar, aber ich denke, das kommt sehr auf den individuellen Arbeitsplatz an. Man sieht (und berät) als PA wahrscheinlich mehr Kunden und Patienten pro Tag und man hat als MPA wohl auch einiges mehr an „Büroarbeit“. Wieviel und was man alles täglich machen muss und darf hängt sehr vom Arbeitgeber ab und dem Ort.

Damit wären wir übrigens bei demjenigen, der diesen Post gesponsert hat. Arbeitssuchende MPA, Ärzte und Angestellten-suchende Praxen finden ihre Stellen auf . Das sind dieselben, die auch Pharmapro.ch betreiben, der Seite wo Apotheken und Angestellte suchen.

medpro

Generika-Substitution und Ärzte-Information. Eine Frage.

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Eine Frage an meine schweizer Apotheken-Kollegen: Apotheker*innen und auch Pharmaassistent(inn)en. Es geht um den Austausch von Medikamenten durch ihre Generika (oder einen Austausch von Generika untereinander).

Im Krankenversicherungsgesetz (KVG) Artikel 52a steht, dass die Apotheke beim Ersatz eines verschriebenen Medikamentes durch ein Generikum den Arzt informieren muss:

Apotheker oder Apothekerinnen können Originalpräparate der Spezialitätenliste durch die billigeren Generika dieser Liste ersetzen, wenn nicht der Arzt oder die Ärztin beziehungsweise der Chiropraktor oder die Chiropraktorin ausdrücklich die Abgabe des Originalpräparates verlangt. Im Falle einer Substitution informieren sie die verschreibende Person über das abgegebene Präparat.

Wie handhabt Ihr das in der Apotheke? Ich bin davon ausgegangen, dass das bei uns immer noch die Abrechnungsstelle automatisch und gesammelt macht, musste mich aber belehren lassen, dass das seit Anfang 2014 nicht mehr der Fall ist, da sie von den Ärzten eine Menge Reklamationen bekommen haben, respektive Mitteilungen, dass sie nicht mehr benachrichtigt werden wollen (und aus Kostengründen).

Auszug aus der Benachrichtigung der Abrechnungsstelle:

Im Jahr 2013 haben wir zahlreiche Anfragen von Ärzten erhalten, die künftig nicht mehr per Post über die von den Apotheken vorgenommenen Generika-Substitutionen benachrichtigt werden möchten. Auch aus Kostendämpfungs-gründen wird Ofac deshalb ab Januar 2014 die entsprechenden Briefe nicht mehr automatisch an die verschreibenden Ärzte senden.

Über eine Anfrage an (emailadresse der Abrechnungsstelle) welche die genauen Kontaktangaben des/r betreffenden Arztes/Ärzte enthält, kann dieser Service jedoch von Fall zu Fall jederzeit erneut aktiviert werden.

Meldet ihr das noch? Ist das jetzt einfach „üblich“, dass man das allgemein nicht mehr macht? Gab es Reaktionen?

Dass sich die Ärzte über die Informationen nicht gerade freuen, habe ich schon selber erlebt – und darüber geschrieben. Das stammt noch aus der Zeit, als ein Austausch gemeldet wurde. Im neuen Licht sehe ich den Fax, den ich vom Arzt bekommen habe als Reklamation nicht über den Austausch, sondern vielleicht die Information selber.

Inzwischen scheint es so, als haben sich mehr oder weniger alle an den Zustand gewöhnt: also dass nicht mehr informiert wird. Natürlich: den Patienten informieren wir bei einem Austausch … und in Zukunft werde ich die Patienten selber wohl vermehrt bitten, bei Dauerrezepten den Arzt zu informieren, welches Medikament/Generikum er jetzt nimmt. Aber bisher war es so, dass die meisten Ärzte (trotzdem) und Spitäler (sowieso) fröhlich weiter das Original auf das Rezept schreiben.

Nun frage ich mich natürlich auch, ob das dem Arzt einfach egal ist – die meisten sind zwar froh und zufrieden damit, dass wir Generika abgeben, aber ist es ihnen wirklich so egal, welches?

Da steht *was* auf dem Rezept? (Teil 4 oder so)

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Au weh – den habe ich noch nicht gebracht, oder? Dabei ist das Rezept zu gut! Gerade wieder gefunden beim Apotheken-suchen. Schreibt Mary:

Mir sind in den wenigen Jahren, die ich bisher in der Apotheke tätig bin, schon ein paar komische Rezepte unter gekommen, aber sowas hatte ich noch nie. Es hat mich zum schmunzeln gebracht, und ich dachte, vielleicht wäre es ja was für deinen Blog?! Oder es bringt dich wenigstens auch etwas zum schmunzeln! 🙂

Der Name des Kleinen (das Rezept war von einem Kinderarzt) war übrigens auch eher ungewöhnlich für die Schweiz, und eher kompliziert. Ein klassischer Fall für „Haben Sie die Krankenkassenkarte dabei?“ ( … damit ich da den Namen abschreiben kann!).

rpnamevergessen

Ja da steht dort, wo der Patient stehen sollte nur: „Name vergessen“.

Autsch. Na – wenigstens das Geburtsdatum lässt eine Zuordnung zu – zusammen mit der Krankenkassenkarte. Das gäbe trotzdem einen Anruf beim Arzt – der Codicalm ist erst ab 12 Jahren laut Packungsbeilage.

Dosierung unklar.

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Auf einem aktuelleren Rezept. Ich bin … verwirrt. Wie muss der Patient das Pantoprazol dosieren?

Da steht:

Pantoprazol 40mg 60 Stück

DS: Wöchentlich, für 61 Tag(e)

1-0-0-1

2 Monate

Irgendwelche Ideen?

Einmal pro Woche am morgen und am abend je 1 Tablette – und dann nach genau 61 Tagen aufhören?

Die Augentropfen-Saga, oder: warum es gut ist, eine Apothekerin zu haben?

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Wir haben da eine Patientin, ältere Frau, multimorbid: wie man so unschön sagt, das heisst, sie hat mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig, in dem Fall: Asthma und Allergien, Schmerzen, Bluthochdruck, Schilddrüsenprobleme … interessanterweise ist zumindest das Cholesterin und der Blutzucker in Ordnung, trotz ziemlichem Übergewicht.

Frau Duld (Name etc. wie immer geändert) hat ausserdem mich als ihre Apothekerin auserkoren und besteht darauf, dass ich die einzige sei, die sich mit ihren Medikamenten und gesundheitlichen Problemen auskennt. Dafür hält sich mich auch des öfteren mit langen Telefonanrufen auf dem laufenden. Sie meinte auch schon, dass ich hier nie weggehen darf … ansonsten wüsste sie wirklich nicht mehr, was sie machen soll.

Sie hat also eine Apothekerin … und mehrere Ärzte, die sie ausserdem gelegentlich wechselt. Weshalb sie wechselt hat verschiedene Gründe. Häufig ist es so, dass sie sich nach einiger Zeit von einem anfangs vielversprechenden Arzt enttäuscht zeigt. Sie ist ganz sicher nicht die einfachste Patientin, nicht nur wegen ihrer Vielzahl an medizinischen Problemen. Ihre Liste an Allergien oder Sachen, die sie aus verschiedenen Gründen nicht verträgt ist inzwischen eine A4 Seite lang. Ich drucke sie normalerweise aus und gebe sie ihr mit, wenn sie einen neuen Arzt hat. Neue Medikamente zu finden, die sie nehmen kann, kann wirklich eine Herausforderung sein. Aber … ich glaube ihr. Ich höre zu, wenn sie erzählt. Manchmal kann ich auch nichts anderes tun, manchmal allerdings …

Frau Duld hat einen Augenarzt zu dem sie schon länger geht. Vor ein paar Jahren hat er ihr Augentropfen gegen Glaukom aufgeschrieben: Xalatan (Latanoprost). Die hat sie, penibel genau wie sie ist, regelmässig angewendet, auch wenn sie zunehmend Probleme bekommen hat. Beim Augenarztbesuch hat der sich das angeschaut und ihr beschieden, dass sie unglaublich trockene Augen hat, wahrscheinlich wegen den Glaukomtropfen und dass sie zusätzlich befeuchtende Augentropfen nehmen soll. Weil das damit nicht gebessert hat, hat er vermutet, dass sie auf die Glaukomtropfen reagiert (allergisch?) und sie deshalb abgesetzt (ja: nicht ersetzt). Bis zum letzten Besuch (nun 1 Jahr später), wo er fand, sie muss unbedingt etwas gegen den hohen Augendruck unternehmen und dass er ihr etwas dagegen aufschreibt. Frau Duld hat ihn daran erinnert, dass sie auf die letzten Tropfen reagiert hat, was er aber damit abtat, dass da wohl das Konservierungsmittel Schuld war und er ihr deshalb jetzt Einzeldosen ohne das drin verschreibt. Saflutan: Tafluprost als Wirkstoff.

Sie hat das bei uns bezogen und am Abend den ersten Tropfen in jedes Auge gemacht und darauf etwas erlitten, was ich als schwere generalisierte (allergische?) Reaktion ansehe: plötzlich auftretende Übelkeit, Herzklopfen und Brustschmerzen mit Atembeschwerden, Schweissausbruch und Angstzustände … sie wollte aber partout nicht ins Spital (Auch wegen schlechter Erfahrungen), weshalb sie den Rest der Nacht in Angst und aufrecht sitzend am Küchentisch verbracht hat.

Am Morgen rief sie mich dann gleich in die Apotheke an. Inzwischen ging es ihr etwas besser – wiederholen wollte sie die Anwendung begreiflicherweise aber nicht. Ich hatte etwas ein schlechtes Gewissen: war die Reaktion bevorsehbar hervorsehbar gewesen? Hätte ich das wissen können? Eine Kreuzreaktion Latanoprost – Tafluprost? Immerhin hätte sie kaum so stark reagiert bei einem Erstkontakt mit einem Allergen.

Eine Woche später ging sie noch einmal zum Augenarzt. Der wollte das kaum glauben, dass das von den Augentropfen kommt, hat ihr aber ein neues Rezept ausgestellt für andere Tropfen. Auf dem Rezept: Latanoprost Mepha Augentropfen, im Fläschchen. Vielleicht dachte er, weil sie das das letzte Mal „vertragen“ hat?

Ich bin … nicht ganz so optimistisch. Und Frau Duld, als ich ihr erkläre, was das ist auch nicht. Sie nimmt zwar das Fläschchen mit, aber am Ende traut sie sich nicht, das auszuprobieren. Auch nicht mit einem einzigen Tropfen in Anwesenheit einer anderen Person. Ich rate ihr, doch noch einmal mit dem Augenarzt Kontakt aufzunehmen. Sie will aber nicht – vielleicht ihn nicht enttäuschen? Vielleicht glaubt er ihr auch einfach nicht?

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an ihren Hausarzt, ob der nicht für sie beim Augenarzt anfragen kann wegen anderen Tropfen? Oder vielleicht grad selbst etwas aufschreiben? Der ist anfangs ziemlich abgeneigt, da er von Augen nicht so viel Ahnung hat – aber er schickt uns dann doch ein Rezept in die Apotheke.

Für Arteoptic Augentropfen. Das ist ein Betablocker. Frau Duld hat Asthma (sollte der Hausarzt eigentlich wissen) … und Betablocker (auch in Augentropfen) sind bei Asthma Kontrainduziert. Gut … er hat ja gesagt, dass er sich nicht so auskennt.

Ich komme nicht dazu das richtig anzusehen noch zurückzurufen, da kommt schon das nächste Fax für Frau Duld.

Sie hat nämlich in der Zwischenzeit doch noch beim Augenarzt angerufen und auch der schickt einen Fax mit Rezept.

Für Monoprost Augentropfen in Einzeldosen.

Und das ist der Moment, wo ich mir in der Apotheke wirklich an den Kopf fasse.

Wieso???? Das ist schon wieder das Latanoprost, nur halt diesmal in Monodosen Form. Will er denn so unbedingt, dass sie genau das nimmt? Oder hat er nicht zugehört und ist bei seiner Theorie mit dem Konservierungsmittel zurück?

Ich meine … es ist ja nicht so, als ob die ganzen –Prost (Prostaglandin-Analoga) und Betablocker die einzigen Mittel gegen Glaukom sind.

Am Ende frage ich dann selber beim Augenarzt an, ob irgendetwas dagegen spräche, das mit einer Alternative wie zum Beispiel Azopt zu versuchen? Und bekomme ein Rezept dafür geschickt.

Das vermerkt man im PC übrigens mit „Therapievorschlag für Arzt erarbeitet“ …

Nachtrag: Damit scheint es jetzt zu funktionieren.

Frau Duld beim letzten Telefongespräch: „Wir zwei könnten wirklich ein Buch schreiben …“

Wirklich.

Lieber Herr Arzt …

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Nun denn, zurück zur Arbeit. Ein Teil unserer Arbeit in der Apotheke liegt darin, die Zweit-kontrolle für die Ärzte zu sein. Ich bin nicht darauf aus, Fehler zu finden … und wenn ich welche entdecke (oder Mögliche) frage ich nach, respektive weise den Arzt sehr anständig darauf hin. Fehler passieren und alles wissen kann auch niemand. Aber … ach, lest selber:

Sehr geehrter Herr Dr. X,

Anlässlich Ihres letzten Rezeptes vom (Datum) über Citalopram Tabletten 20mg 1 OP für Herrn A. darf ich Sie über die Gegebenheiten bezüglich Rezeptausstellung informieren: Ist auf dem Rezept verschrieben 1 OP (1 Originalpackung) ohne Grössenangabe, so bedeutet das die kleinste Packung. Das ist usus – ausserdem nachzulesen zum Beispiel hier: im Positionspapier der Kantons-Apothekervereinigung Nordwestschweiz ()

Eine grössere Packung (oder eine Wiederholung) darf allenfalls abgegeben werden, wenn die Behandlung zum Beispiel nicht bis zum nächsten Arztbesuch reicht. Das haben wir übrigens bei Herrn A. auch gemacht – der Patient hat statt der kleinsten Packung (das wären 14 Stück) eine Packung von 28 Stück erhalten. Es ist nicht so, dass wir das grundsätzlich „mit dem Patienten ausmachen können, wieviel er bekommt“, wenn nur „1 OP“ verschrieben ist.

Deshalb bitte ich Sie, das nächste Mal das Rezept korrekt mit der Mengenangabe des Medikamentes auszustellen, wenn gewünscht ist, dass es eine andere als die kleinste Packungsgrösse sein soll. Für das Citalopram 20mg wären das 100 Tabletten – auch abkürzbar als „C“ (römisch für 100).

Ebenfalls darf ich Sie bitten den Patienten nicht zu miss-informieren, was unsere Abgabepraxis und Lagerhaltung angeht. Wir halten uns an die gegebenen Vorschriften, legen Wert auf hohe Qualität und lassen grundsätzlich äusserste Sorgfalt walten.

beste Grüsse

Pharmama

Ja, ich reagiere etwas angemieft, wenn der Patient mir mitteilt, dass der Arzt reklamiert habe, weshalb wir nicht grad eine grosse Packung zu 100 Stück auf sein Rezept abgegeben haben, sondern eine kleine. Anscheinend hat er dem Patienten ausserdem gesagt, das läge wohl daran, dass wir noch eine kleine an Lager gehabt hätten, die wir bald loswerden müssten von wegen Verfall und so.

Äh, nein. Mal abgesehen davon, dass gerade Citalopram einen ziemlich guten Durchsatz hat, bin ich in der Apotheke doch etwas eingeschränkt in der Grössenwahl durch das, was der Arzt verschreibt.