Ein praktisches Weihnachtsgeschenk für die Schweizer Apotheker

Für die Schweizer Apotheker habe ich heute ein Geschenk. Wir kontrollieren ja bei jedem Rezept mit Antibiotikum-Sirup für ein Kind jeweils, ob die Dosierung stimmt.

Das macht man indem man das Körpergewicht des Kindes und die Dosierungsempfehlung des Kompendiums in Milliliter Suspension umrechnet. Ich  selber brauchte (gefühlt) immer (zu) lange dafür. Ich bin sicher, ihr habt Euch auch schon gefragt, ob es da nicht eine bessere Möglichkeit gibt.

ABRechner

Die gibt es nun. Mit Hilfe eines Österreichischen Apotheker-Kollegen (Danke Viktor Hafner!) haben wir eine Seite erstellt für alle Antibiotika-Suspensionen die in der Schweiz im Handel sind.

Mit dem kann man (gratis und schnell)

  • einfach anhand des Körpergewichtes des Kindes die empfohlene Dosierung in ml ermitteln (Untere und obere Grenze und Mitteldosis)
  • sehen, wie viele ml Wasser man zur Zubereitung der Suspension braucht,
  • sehen, wie lange die Suspension nach Zubereitung haltbar ist,
  • sehen, ob die Suspension mit / vor / unabhängig vom Essen genommen wird.

 

Die Dosierungsempfehlungen sind dem Kompendium entnommen. Mir ist bewusst, dass es Spitäler gibt, die teils höhere Dosen aufschreiben. Sobald die Seite mit den Pädiatrischen Dosierungsempfehlungen online ist, wird das sicher auch noch Anpassungen geben. Die Seite für den Computer und auch für mobile Geräte geeignet.

Teilen ist erwünscht (Schenkt das weiter an Eure Kollegen!).

Ich hoffe, Ihr könnt den Antibiotikarechner gut brauchen – und bitte meldet es mir, wenn Euch etwas auffällt!

Schöne Weihnachten, geruhsamen Notdienst und gebt Sorg‘ zu Euren grossen und kleinen Patienten und auf Euch!

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gefühlte Wahrheit und Statistische Erhebung

Grad wiedergefunden, ein paar Aussagen aus dem Apothekenmonitor / pharmajournal vom 13 6.17:

Das Vertrauen in die Apothekerschaft hängt davon ab, ob jemand über eine „Stamm-Apotheke“ verfügt. Dies ist bei fast drei Vierteln der Bevölkerung der Fall.

Das finde ich gut!

Geschätzt werden an den Apotheken die einfache Erreichbarkeit, die hohe Fachkompetenz des Personals und die unkomplizierte und kosteneffiziente Art, Gesundheitsprobleme zu lösen. Dagegen ist die Bereitschaft der Kunden für Beratungsleistungen selber in die Tasche zu greifen weiter gering.

Nichts neues, oder?

Als Gesundheitsrategeber wird dem Internet immer noch misstraut, dafür werden Freunde und Bekannte herbeigezogen – Laien, die wegen der starken gesellschaftlichen Fokussierung auf die Themen Gesundheit, Ernährung und Fitness als Gesundheitsakteure gelten und beraten. Gerne wird danach auch im Internet bestellt …

Ja, so ist das heute. Wir haben Konkurrenz durch Online-Handel und auch durch die selbstdispensierenden Ärzte. Wir müssen (!) mehr sein als reine Medikamenten-dispenser.

Die Apotheke emanzipiert sich zunehmend von ihrer Rolle als einfache Medikamentenverkaufsstelle. Auch erfreulich: die Akzeptanz der Bevölkerung dass Apotheken dank dem revidierten HMG selber gewisse rezeptpflichtige Medikamente in Eigenverantwortung abgeben dürfen ist hoch. Die Befragten würden sich aber wünschen, dass die Krankenkassen die Kosten für diese Medikamente übernehmen.

That’s it.

Beratungstaxe – mal ernsthaft.

Samstag hatten wir wieder einen typischen „Donna“. Vorausschickend: wegen Krankheit sind wir momentan (immer) etwas knapp an Personal. Es zählt jeder der hier ist – und wir sind eigentlich immer beschäftigt, momentan fast zu sehr.

Nun hatte Donna eine Kundin in der Kosmetik die sie während etwa 20 Minuten in Beschlag nahm und der sie eine ausführliche Beratung zu einer Kosmetikmarke gab. Die Kundin stellte Frage um Frage, wollte alles genau wissen wie und was, machte aber keine Anstalten etwas zu kaufen. Und dann meint sie: „Schreiben Sie mir doch auf, wie die Produkte alle heissen, die sie mir empfohlen haben.“

Und Donna, die bis zu dem Zeitpunkt sehr geduldig und freundlich war: „Hmm … Nein, das mache ich jetzt nicht.“

Ihr war da klar, dass die Kundin damit nur woanders die Produkte kaufen würde. Und das sagte sie ihr auch:

„Wenn ich das mache, gehen Sie mit der Info einfach woanders hin, die kaufen. Ich habe Sie jetzt 20 Minuten ausführlich beraten. Ich kann Ihnen noch ein, zwei Muster abfüllen und ich weiss alles, zu was ich Ihnen geraten habe. Wenn Sie etwas davon gut finden und kaufen wollen, kommen Sie später einfach wieder zu mir.“

Das ist ein Problem das mein Mann ebenfalls kennt. Er ist Velomechaniker und verkauft Velos. Momentan ist er ziemlich niedergeschlagen, die Verkaufszahlen sind schlecht. Diesen Sommer hat er diverse Kunden teils Stundenlang beraten und Velos gezeigt und testfahren lassen (mehrmals in einem Fall) – und einige von diesen gingen dann genau das so ausgesuchte Velo woanders kaufen. In mindestens einem Fall über die (nahe) Grenze. Ganz toll ist es, wenn diese Leute dann auch noch später mit dem Velo zurückkommen und von IHM den Gratisservice wollen.

Ich denke, er muss das vielleicht in Zukunft auch so machen, wie ich das Donna vorgeschlagen habe: Die ersten Paar Minuten Beratung sind wie bisher gratis – danach kann sie aber, in einem Fall wie oben einen Betrag (20 Franken?) verlangen, die dann beim Kauf von einem Produkt abgezogen werden. Der Kunde verliert dadurch nichts, wenn er etwas bei uns kauft – und wir verbrauchen keine wertvolle Arbeitszeit für Nicht-Kunden ohne irgendwelche Bezahlung.

Dr Kund‘ heisst dorum Kund‘ will …

„Dr Kund‘ heisst dorum Kund‘ will er wieder-kund.“

(Schweizerdeutsch für: Der Kunde heisst darum Kunde, weil er wieder-kommt). Daran musste ich letzte Woche ein paar Mal denken. Man kann in der Apotheke zu Recht darüber diskutieren ob das jetzt Kunden oder Patienten sind – ich sehe das als „je nachdem“ an. Patienten sind sicher die mit den medizinischen Problemen, aber wir haben ja nicht nur die und auch die haben das nicht immer …

Jedenfalls hatten wir da gleich ein paar Fälle von wieder-kehrenden Kunden (oder Patienten):

Frau: „Ich habe einen furchtbaren Fehler gemacht! Ich habe das Rezept nach dem Arztbesuch gerade in der Apotheke dort eingelöst und nicht hier …“ – und fährt fort sich dafür zu entschuldigen (Heh, sie dürfen das. Wirklich!) und uns zu versichern, dass das nicht mehr vor kommt, sie weiss (jetzt?) dass es bei uns besser ist. (Danke!)

Andere Frau: „Und ich habe meinem Sohn gesagt, er soll unbedingt hier sein Rezept einlösen gehen. Und was macht er? Geht in die Apotheke grad neben dem Arzt. Aber ich habe das Rezept von dort gerettet. In Zukunft kommt er zu ihnen.“ Und bringt mir die Rezeptkopie vom Dauerrezept des Juniors. Offenbar ist auch sie überzeugt von uns. (So schön!)

„Ich möchte wieder meine Rezepte bei ihnen einlösen. Darf ich das? Ich wohne jetzt aber in ….“  Das war der Stammkunde, der erst vor 3 Monaten weggezügelt ist. Ich erinnere mich noch, wie er sich verabschiedet hat. Wir haben auch seine Dauerrezepte transferiert, Jetzt kommt er wieder (und die Dauerrezepte auch), obwohl mindestens 5 andere Apotheken näher liegen.

„Ich habe sie vermisst!“ Meint die Kundin zur Begrüssung, als sie nach einem halben Jahr wieder bei uns vorbeischaut. Sie ist weggezogen und wohnt jetzt woanders, aber da sie noch zum Arzt in der Nähe geht, kommt sie bei uns vorbei. Anscheinend auch wieder häufiger, denn ich habe sie inzwischen noch mal gesehen.

Und auch der langjährige Dosettpatient kommt immer noch sein Dosett bei uns richten, obwohl er inzwischen auf der anderen Seite der Stadt wohnt. Wöchentlich. Auch andere Apotheken können seine Medikamente richten – aber darüber beklagen wir uns sicher nicht :-)

Ich finde es grundsätzlich schön, Patienten und Kunden wiederzusehen und so Aussagen wie oben sind ein wunderbarer Ansporn für alle von uns, weiter zu machen und uns weiterhin für die Patienten und Kunden einzusetzen. Das machen wir nämlich. Ich mag mich hier gelegentlich negativ über manche Kundenbegegnungen auslassen, aber eigentlich mag ich meinen Job – und auch meine Kunden und Patienten – wirklich.

Apotheker auf dem Weg zum Impfen, 5: Kurs Injektions- und Blutentnahmetechniken

Auf-dem-Weg

Der letzte Kurs, der (mir) noch gefehlt hat für den FPH Impfen. Nach viel Theorie jetzt wieder Praxis – und wie! Für den Kurs wird, da mit Blut gearbeitet wird und ein Kontakt nicht ganz ausgeschlossen werden kann ein Nachweis des Hepatitis-B Ak Titers verlangt, also der Nachweis, dass man dagegen geimpft ist. Der Hausarzt hat hat dafür Blut genommen und es eingeschickt – Ergebnis bei mir 329 UI, also bestens.

Das lernt man in diesem Kurs:

Theorie
  • Parenterale Arzneimittel
  • Risikogruppen, bei denen Kontraindikationen bestehen
  • In der Apotheke zugängliche Hilfsmittel
  • Schwere unerwünschte Wirkungen der Injektabilia
  • Pharmacovigilance: Meldeverfahren bei vermuteten, unerwünschten Arzneimittelwirkungen
  • Bedingungen für die Kostendeckung durch Versicherungen
  • Rechtliche Aspekte (Grundlagen, Anforderungen an Raum, Dokumentation)
  • Notfallmassnahmen bei anaphylaktischen Reaktionen
  • Anatomische und physiologische Grundlagen für Blutentnahmen
Praktische Übungen
  • Materialkunde
  • Hygienevorschriften und Desinfektion
  • Kommunikation und Umgang mit Patienten
  • Vor- und Nachbereitung einer Injektion
  • Subkutane und intramuskuläre Injektionen (am Modell und am lebenden
  • Menschen)
  • Kapillare und venöse Blutentnahmen (am Modell und am lebenden Menschen)
  • Notfallmassnahmen bei anaphylaktischen Reaktionen

Cool, nicht? Obwohl ich zugeben muss, dass ich vor diesem Kurs am meisten Angst hatte. Wie sie immer wieder betont haben: so eine Spritze ist schon ein kleiner „Eingriff“. Ich hab’s nicht so mit Spritzen. Doch ich hatte Glück – mit im Kurs sass eine Apothekerin, die da gar keine Hemmungen hatte … Familienmitglied mit Diabetes Typ 1 sei Dank. Also wurden wir instruiert, übten am Plastikarm und dann an uns selber. Spritzen für eine Impfung ist das kleinere Problem … Blutentnahme etwas mehr. Aber das können wir jetzt auch – brauchen tu ich das im Gegensatz zum Spritzen aber weniger. Sorry an meine wohl mitlesende Kollegin, der ich da noch einen blauen Fleck verpasst habe!

Das Chaos auf dem Tisch sollte nicht zu sehr irritieren. Es fällt beim üben halt viel Verbrauchsmaterial-Abfall an. In der Apotheke wird das dann alles schön ordentlich vorbereitet und sauber verabreicht. Und für den Fall, dass doch mal jemand umfällt sind wir auch gerüstet.

Das war es mit der Ausbildung – ich darf mich, nachdem ich auch das Papier erhalten habe „Trägerin des Fähigkeitsausweises FPH Impfen und Blutentnahme“ nennen. …. und alle 2 Jahre einen Refresher machen, damit ich den behalte.

Und: darf ich jetzt in der Apotheke impfen? Jaein …. kommt auf den Kanton an in dem die Apotheke steht. Und auch dann nicht alles. Mehr zur ständig wechselnden Situation findet man hier:

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 1. Gesetzliches

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 3. BLS AED Kurs

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 4: Kurs Impfungen

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 4. Kurs Impfungen

Auf-dem-Weg

Lange habe ich nichts neues zum Thema geschrieben, dabei war ich noch nicht ganz fertig. Der Kurs zu den Impfungen fehlte noch und dann der Kurs Spritzen und Blutentnahme-techniken.

Ziel des Kurses Impfen:

Die Teilnehmer verstehen die Bedeutung von Impfungen im Kontext von Public Health und kennen die verschiedenen Möglichkeiten der Impfprophylaxe. Sie lernen die Epidemiologie von Infektionskrankheiten und durch Impfungen verhinderbare Krankheiten sowie den Umgang mit den entsprechenden Impfstoffen bei Adoleszenten und Erwachsenen. Die Teilnehmer kennen die klinischen und praktischen Aspekte der Anwendung von Impfstoffen. Sie können in den genannten Altersgruppen die Triage durchführen sowie Indikationen und Kontraindikationen, insbesondere auch bei Risikopersonen, identifizieren.

Zum Impfkurs selber: Um überhaupt zugelassen zu werden musste zu Hause Material studiert werden und dann online ein Test  gemacht werden. Den fand ich schon nicht ganz ohne. Am Tag selber wurde dann nach den Stunden Vortrag nochmals ein Test gemacht, der bestanden werden musste – ansonsten bekommt man den Ausweis für das bestehen des Kurses nicht …. den man dann braucht für den FPH Impfen.

Der Impfkurs war sehr interessant. Der Dozent Dr. Steffen hat 25 Jahre im Impfzentrum in ZH gearbeitet, ca. 500‘000 Beratungen und ca. 1 Mio Impfungen gemacht – also sehr viel Erfahrung mit dem Impfen. Es waren sehr viel Informationen, sehr kompakt aber gut herübergebracht. Für Euch habe ich ein paar „Trivia“, die ich aufgeschnappt habe und die mir teils neu waren:

Orales Polio-vakzin wurde früher in den Apotheken verabreicht. Das macht man nicht mehr: es führte (als Lebendimpfstoff) bei 1 von 1 Mio zu Lähmungen (wie die Krankheit selber). Bei pro Jahr 80‘000 Neugeborenen bedeutet das, dass alle 12 Jahre 1 Kind gefährdet ist. Und das war als Nebenwirkung zu übel, deshalb wechselte man auf IPV inaktiviert und spritzen …

Weshalb in Afghanistan/Pakistan die impfbaren Krankheiten zurückkommen: Weil der Taliban gegen Impfequipen angeht. Mit Grund (für sie jedenfalls): Ein Arzt hat vor Bin Ladens Festnahme auf den Strassen / in den Häusern Blutproben gesammelt. Angeblich zum Nachweis von Hepatitis B Antikörpern, in Wahrheit aber zur genetischen Identifizierung von Familienmitgliedern von Bin Laden. Der CIA hat das später publiziert (fies und doof!) und der Taliban hat das aufgegriffen und danach behauptet, dass Blutentnahmen schlecht sind und Impfungen sowieso dazu da seien die Fruchtbarkeit ihrer Frauen zu senken. Das führt heute dazu, dass Ärzteteams in den Gegenden angegriffen werden. Und dass Polio dort wieder auftritt. Saudi Arabien macht heute aber Druck, damit die Impfungen wieder zunehmen in Pakistan. Ansonsten wollen sie diesen keinen Zugang mehr zum jährlichen Hadsch geben.

Es gibt neu eine Malaria Impfung – gegen den Parasit, eine Novation – sie kommt in der Schweiz aber nicht in den Handel. Der Schutz der Impfung beträgt etwa 50% … was ziemlich unbefriedigend ist. Pro Jahr gibt es aber weltweit 600‘000 Todesfälle wegen Malaria, wenn man das mit Impfung in den stark betroffenen Ländern auf 300‘000 halbieren kann, dann ist das ein Erfolg.

In einer Apotheke in ZH Bellevue wurden Tropfen verkauft zur homöopathischen Malaria-Prophylaxe (!). Das führte dann (wegen Malaria) zu einigen Fällen in der Intensivstation. Selbst laut dem Präsidenten der Homöopathischen Gesellschaft der Schweiz ist Homöopathie nur therapeutisch und nicht als Prophylaxe gedacht … so wurde es von Hahnemann geplant. Aber es gibt natürlich immer welche, die das anders sehen. Manche Homöopathen geben das nach den Impfungen zum „ausleiten“ und gegen die möglichen Nebenwirkungen … dagegen ist soweit nichts einzuwenden.

Zum Thema Impfen von Gesundheitspersonal: Da war diese Reinigungskraft im ZH Spital (Tamile). In der CH ist die Prävalenz von Varicellen bei Erwachsenen ca. 90% – in den Phillipinen 30%!) Er hat sich in der CH angesteckt, hatte wenig Symptome (stille Erkrankung) und hat bei seiner Arbeit in der Intensivstation Leukämie-Kinder damit angesteckt. Das gab Todesfälle. Trotzdem gibt es auch in den Spitälern immer noch kein Impfobligatorium – aber ohne Impfschutz darf man jetzt zumindest nicht mehr auf der Intensivstation arbeiten.

Und wenn wir grad beim Arbeitsplatz sind: Lebendimpfstoffe sollen ja nicht bei Immunsupprimierten gegeben werden. Tragisches Beispiel weshalb nicht war der flight attendant (Flugbegleiter) mit HIV und CD4 < 100. Er wollte seinem Arbeitgeber nicht mitteilen, dass er HIV+ ist und ist dann an der Gelbfieberimpfung, die er für die Arbeit machen musste gestorben.

Hyperreaktion bei Überimpfung: das klassische Beispiel ist der Bauarbeiter mit häufiger Verletzung. Jedesmal, wenn der in den Notdienst geht (natürlich ohne Impfausweis) bekommt er eine Tetanusimpfung. Eine Hyperreaktion äussert sich als starke Reaktion auf die Impfung mit über 39 Grad Fieber, stark gerötetem und schmerzhaftem Arm. Das dauert dann über eine Woche. Ansonsten tritt Überimpfung aber kaum auf.

 

Grippe: Wie weit so eine Ansteckung via Luft bei zum Beispiel Grippe ist, ist länderspezifisch: Übertragungsdistanz für Grippetröpfchen laut BAG 1 m, in den USA: 6 foot = 1.5m…

Todesfälle Grippe: 400-1500 pro Jahr in der CH. Auf die Zahlen kommt man aber hauptsächlich durch die Statistische Auswertung der „Übersterblichkeit“. 2009 bei der Schweinegrippeepidemie wurde tatsächlich getestet. Die so bestätigte Todeszahl lag bei 20. (Das bedeutet nicht, dass an der Grippe tatsächlich nur so wenige sterben – das sind wirklich nur die bestätigten Zahlen für H1N1).

Ein Pandemie-Virus kann überall entstehen … und es gibt keine Früh-Warn-Mechanismen. Bei der Schweinegrippe war man nach ersten Berichten von 4% Letalität ausgegangen. Bei 1 Mio Erkrankten (üblich bei einer Grippeepidemie) wären das in der Schweiz 40‘000 Tote! – zum Glück war es dann doch nicht so arg.

Zu spezifischen Impfungen: Die Zoster-Impfung (gegen Gürtelrose) ist in der CH nicht mehr erhältlich, da die Firmen vorher in die USA / GB liefern … wo die Impfungen teurer sind. Die Firmen sind frei, sie dorthin zu liefern, wohin sie wollen (und nicht wohin sie gebraucht werden).

Impfungen müssen gekühlt werden. Die Berna hat früher Vivotif per Post Express versendet. Die Post legte diese Päckchen (weil wichtig) im Auto neben den Fahrer … unter die Windschutzscheibe. Irgendwann hat man dann Messthermometer mitgeschickt. Bei einer dieser Messungen wurden Temperaturen über 70 Grad gemessen (!). Danach hat man das nicht mehr so gemacht. Die Berna gibt es nicht mehr …

Triviathel – diese Impfung gegen Mumps hatte eine zu schwache Impfkomponente. Heute gibt es sie nicht mehr und die Impfprogramme am Computer rechnen sie nicht an = gilt wie gar nicht geimpft.

Hepatitis B-Impfung: je älter, je adipöser und womöglich noch Raucher, desto mehr ist die Immunantwort nach der Impfung verringert. Ab 20 Jahren nimmt sie ab. Gilt für die Grundimpfung und Booster. Der Dozent hat vor 30 Jahren 11 (!) Impfungen gebraucht um den benötigten Titer von 100 UIE zu erreichen. Normalerweise reichen 3-4 Impfungen für einen lebenslangen Schutz. Nach 2 Dosen rechnet man mit ca. 60% Schutz. Wenn der Titer bei Hepatitis B nicht erreicht wird: 1. Impfstoff wechseln (hilft häufig), 2. Japanische Methode: 1/10 Impfstoff intracutan

… letzteres wird noch toll, denn die Voraussetzung für den nächsten Kurs: Injektion und Blutentnahme ist ein genügend hoher Hep B Titer Voraussetzung. Ich muss zum Arzt das testen lassen … und im schlimmsten Fall nachimpfen.

Weitere Artikel in der Reihe (zum nachlesen: ist schon eine Weile her):

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 1. Gesetzliches

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 3. BLS AED Kurs