Sind sie neu hier?

Stammpatienten kommen häufig an den selben Tagen – und wenn man nicht grad 150% arbeitet – oder anders gesagt: zu den gesamten Öffnungszeiten anwesend ist, kann es durchaus sein, dass es einzelne gibt, die man immer hat und andere, die man praktisch nie sieht oder bedient.
Das weiss auch Donna, die in letzter Zeit wieder mehr arbeitet (wegen Krankheitsfall für Sabine). Trotzdem:

Donna: „Ich bin nicht sicher, ob er mich beleidigen wollte?“
meint sie zu mir.

Ich: „Wer? Herr Stamm? Weshalb denn?“

Donna: „Als ich ihn bedienen wollte, hat er mich echt misstrauisch angeschaut und nur gesagt: ‚Sind Sie neu hier? Sie kenne ich gar nicht.‚ und ich so: ‚Ich sie auch nicht, aber kann ich Ihnen helfen?“

Herr Stamm : „Das weiss ich nicht, ob sie das können. Es geht um ein Rezept.“

Donna: „Dann habe ich ihn normal bedient und am Schluss meinte er: ‘Das ging ja ganz gut, wie lange sind Sie denn hier?“

Donna: „Da hab ich ihm gesagt: Oh – so 15 Jahre werden es inzwischen sein.“

Da meinte er nur: „Echt jetzt?“ Und zum Abschluss noch: „Ich habe Sie noch nie hier gesehen!

Ich denke, der glaubt ihr nicht.

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Back to Work: Wiedereinstieg für Apotheker

Es ist nicht neues, dass in der Apotheke viele Frauen arbeiten. Gerade Apothekerin ist ein in mehrfacher Hinsicht lohnender Beruf: Man trägt persönliche Verantwortung, wird anständig bezahlt und kann Teilzeit arbeiten. Wie kaum ein anderer akademischer Beruf lässt er sich mit der Familie vereinbaren. Trotzdem gibt es immer wieder «Aussteiger», die aus verschiedenen Gründen eine längere Pause machen. Man will sich auf das Kind konzentrieren oder muss Angehörige pflegen und nimmt eine Familienauszeit.

In Deutschland kehren Apotheker nach so einer Pause statistisch früher wieder in den Beruf zurück als die ebenfalls in der Apotheke arbeitenden PTA. «Schon» nach 5 bis 10 Jahren statt nach 10 bis 15 Jahren. (Quelle: Broschüre »Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Apotheken«, herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Die Gründe dafür sind vielfältig: Damit das Studium nicht umsonst war; weil man wegen dem Tod des Mannes oder einer Scheidung wieder Geld verdienen muss. Oder man kommt in die Offizin zurück, nachdem man eine Zeit in Industrie oder Dokumentation verbracht hat.

Die Apotheken dagegen suchen dringend Angestellte – auch Apothekerinnen. Wir haben einen latenten Personalmangel, der sich in Zukunft noch verschärfen wird. Wir bilden zu wenig Nachwuchs an den Universitäten aus, um die Arbeitsplätze zukünftig auszufüllen. Das Problem wird momentan gerade auch noch akut verschärft, da die frisch von der Uni promovierten Pharmazeuten in der Schweiz dank dem neuen HMG nicht einfach in die Apotheke stehen können und alleine arbeiten – sie brauchen zusätzlich noch eine (berufsbegleitende) Weiterbildung.

Die Zeit ist also mehr als reif für Wiedereinsteiger in die Apotheke.

In so einer Pause ändert sich allerdings auch einiges – ich habe meine Apothekerin, die ich nach so einer «Offizin-Auszeit» (die sie an der Universität verbracht hat) gefragt, was denn in den X Jahren, die sie nicht in der Apotheke gearbeitet hat geändert hat:

«Vieles und wenig. Die Arbeit ist noch dieselbe – mit dem Fokus auf den Patienten und die Beratung. Da ich auch in meiner «Auszeit» regelmässig an Weiterbildungen teilgenommen habe, kam ich nicht ganz aus der Materie. Es gibt allerdings viele neue Medikamente in deren Anwendung ich mich einarbeiten musste und einige alte, bekannte sind ausser Handel oder wurden verändert. Aber das sind Sachen, die man sich gut bei der Arbeit selber aneignen kann.»

Dasselbe gilt für Generika – in den letzten Jahren hat sich da viel getan: Patente sind abgelaufen und heute gibt es viel mehr Generika als noch vor 10 Jahren – vor 20 Jahren waren sie noch praktisch unbekannt und unbedeutend. Heute dürfen und sollen wir Generika einsetzen … unter bestimmten Voraussetzungen. Dabei helfen die Informatiksysteme in der Apotheke sehr. Deren Anwendung ist einfach und schnell zu lernen, auch wenn sie zunehmend komplexer werden, aus einem anderen Grund:

«Am meisten Mühe hatte ich mit den ganzen Änderungen und Vorschriften bezüglich der Abrechnung mit der Krankenkasse. Zum Beispiel lief früher das Baby anfangs noch über die Krankenkasse der Mutter, jetzt muss es selber schon eine Versicherung haben. Bei jeder Abgabe muss die Krankenkassendeckung kontrolliert werden – und es gibt mehr Versicherungen, bei denen man in der Apotheke direkt bezahlen muss. Limitationen sind zu beachten – vor allem bei den neuen, sehr teuren Medikamenten, aber auch sonst. Das braucht immer mehr Zeit – und man muss wissen, wie man das macht.»

Bei der Rezeptur hat sich dagegen wenig geändert – und das wird heute leider auch immer weniger gebraucht.

Gibt es denn etwas, das beim Wiedereinstieg hilft?

«Ja: sich auch während der Abwesenheit weiter zu bilden. Eventuell sogar ein paar Stunden in der Woche in einer Apotheke als Vertretung zu arbeiten. Kurse zur Vorbereitung für den Wiedereintritt wären gut – werden aber nur selten angeboten.»

– Anmeldeschluss demnächst (August)

Da empfiehlt es sich den Apotheken, bei so einem Wiedereinstieg die Leute gut zu betreuen und anfangs einige Zeit parallel einzuarbeiten. Dafür bekommt man gut motivierte Mitarbeiter mit viel Lebenserfahrung!

Text erstellt mit freundlicher Unterstützung (aber ohne Beeinflussung) durch die – der Ort, wo Apotheken Angestellte suchen (und umgekehrt).

 

Von der Schattenseite der Digitalisierung in der Apotheke

Morgen ist fertig langes Wochenende – gut, so lange war es für mich auch nicht, habe ich doch am Samstag gearbeitet. Ich freue mich schon auf einen … ummm … arbeitsreichen Start. Wir mussten doch noch einige Medikamente bestellen am Samstagnachmittag.

Wenigstens bin ich ziemlich sicher, dass die Bestellung auch kommt – die letzten 2 Wochen gab es Situationen, da wusste ich nicht, wieviel und was von meiner Bestellung jetzt kommen würde. Wir übergeben die Bestellung elektronisch an den Grossisten (Galenica). Schon bei Aufnahme der Bestellung kann ich (Computerverbindung sei Dank) da schauen, ob etwas lieferbar ist. Blöd nur, wenn etwas mit der Übertragung nicht klappt. Das hatte ich 2 Mal – einmal Totalausfall beim Grossisten selber: Es kommt einfach nur noch die Rückmeldung: „timeout wegen Zeitüberschreitung“„möchten Sie es via Modem versuchen?“, Ja, will ich – klappt aber auch nicht. Anruf  beim Grossisten: Telefon Dauer-besetzt. Anzeige des Telefons: „Leitung überlastet“. Faxen kann ich also auch vergessen. Schlecht – selbst ihre Internetseite war komplett „down“.

Dann fiel (auch letzte Woche) auch Abends bei der Bestellung unser Computerprogramm der Apotheke komplett aus (Propharma). So etwas habe ich auch noch nicht gesehen – wenn man von den Stromausfällen vor ein paar Jahren absieht. Natürlich auch genau während ich dabei bin eine Bestellung zu übermitteln – die war dann wirklich im Nirvana verschollen, weder in den noch zu übermittelnden noch den schon übermittelten mehr zu finden, einfach: weg. Das war toll (Nein), da alles wieder zusammenzustückeln anhand der ausgedruckten Bestellscheine und der Nullerlisten (Lagerbestand Null und nicht in einer Bestellung) … und konnte ich überhaupt erst machen, nachdem das Programm wieder einigermassen lief. Mit dem Programm macht man alles: von der Kasse über Lagerbewirtschaftung bis zu den Rezepten … Man kann sich vorstellen, wie die Arbeit in der Stunde war, bis da wieder etwas lief. Nix geht mehr normal – zum Glück waren die Leute sehr geduldig.

Es scheint überhaupt etwas der elektronische Wurm drin in der letzten Zeit … auch die Abfrage der Krankenkassendeckung (mittels Covercard / SASIS), die wir immer bei einer Abgabe machen müsse, klappte sporadisch einfach nicht. Auch da unschön, wenn ein Patient zum Beispiel auf die Assura gewechselt hat, steif behauptet, er sei noch bei der alten Kasse … und die Abfrage nicht geht – in dem Fall natürlich auch danach nicht mehr, eben weil er eine neue Kasse und damit eine neue Nummer hat.

Wir sind heute sehr (!) abhängig vom Computer und dem Internet in der Apotheke. Und es kann einiges schiefgehen. Dass unser Computerprogramm einen Absturz hatte lag an der Programm-Firma … ein zentraler Mitarbeiterfehler. Dass die Krankenkassenabfrage immer wieder nicht ging, erklären sie mit Wartungen und kleineren Ausfällen bei ihnen. Weshalb der Grossist so einen Totalausfall hatte weiss ich allerdings immer noch nicht – ich befürchte da allerdings einen Hackerangriff … die sind laut einem IT-Kollegen häufiger als man denkt.

Wenn’s klappt ist es toll – aber Oh weh, wenn es auf einmal nicht mehr funktioniert.

Kundenmund – gefragt (5)

fragenoffen

Ihr seid wahrscheinlich eh‘ alle weg und geniesst das verlängerte Wochenende … aber für diejenigen, die es nicht sind und in der Apotheke vorbeischauen oder dort anrufen – wenn ich da bin / das Telefon abnehme: Ja, dann haben wir offen. Auch am Brückentag, auch am Samstag von der Brücke – und manche (die mit Notdienst) sogar am Sonntag oder am Feiertag selber.

Ich find’s überraschend, dass die Leute das überrascht. Gerade heute morgen. Erstes Telefon um kurz vor 8 Uhr. Ich nehme ab … „Oh, Sie sind da?“ … kein „Hallo“, offenbar kam das unerwartet :-)

Ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft

Der Kunde verlangt Bronchialpastillen und streckt dem Lehrling als es ums zahlen geht die Krankenkassenkarte hin.

Das haben wir gelegentlich wieder mal, hauptsächlich von Leuten, denen nicht ganz klar ist, wie das Gesundheitssystem in der Schweiz funktioniert.

Meint der Lehrling also ruhig: „Die Krankenkasse übernimmt das leider nicht, Sie müssen das selber zahlen.“

Fängt der Herr an sich aufzutern: Was ihr eigentlich einfalle, so mit ihm zu reden?

(Wie denn? Sie hat nur gesagt, was Sache ist).

Ob ihr nicht klar sei, wen Sie vor sich habe?

(Bis jetzt nicht, wir sehen nur eine offenbar männliche Person, die sich wegen …was genau eigentlich? aufregt).

Er sei ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft … Nein, genaugenommen hat er gesagt, dass er zwei Söhne habe, die beide in Zürich studieren.

Und im übrigen habe er das hier auch schon so bekommen.

Ah ja? Das ist aber seltsam, denn als sie ihn (immer noch freundlich und ruhig) nach dem Namen fragt, um zu sehen ob er vielleicht ein Rezept dafür hat (unwahrscheinlich, da es auch damit nicht von der Krankenkasse übernommen wird) oder eine Kundenkarte – stellt sich heraus, dass er noch nicht bei uns war. Gar nicht.

Er ist dann gegangen – ohne zu zahlen … und auch ohne Bronchialpastillen.

Ich habe das Ganze aus geringer Entfernung direkt mitbekommen, aber meine Kollegin war so schön ruhig und freundlich-bestimmt, dass ich keinen Grund sah, einzugreifen.

 

Ein praktisches Weihnachtsgeschenk für die Schweizer Apotheker

Für die Schweizer Apotheker habe ich heute ein Geschenk. Wir kontrollieren ja bei jedem Rezept mit Antibiotikum-Sirup für ein Kind jeweils, ob die Dosierung stimmt.

Das macht man indem man das Körpergewicht des Kindes und die Dosierungsempfehlung des Kompendiums in Milliliter Suspension umrechnet. Ich  selber brauchte (gefühlt) immer (zu) lange dafür. Ich bin sicher, ihr habt Euch auch schon gefragt, ob es da nicht eine bessere Möglichkeit gibt.

ABRechner

Die gibt es nun. Mit Hilfe eines Österreichischen Apotheker-Kollegen (Danke Viktor Hafner!) haben wir eine Seite erstellt für alle Antibiotika-Suspensionen die in der Schweiz im Handel sind.

Mit dem kann man (gratis und schnell)

  • einfach anhand des Körpergewichtes des Kindes die empfohlene Dosierung in ml ermitteln (Untere und obere Grenze und Mitteldosis)
  • sehen, wie viele ml Wasser man zur Zubereitung der Suspension braucht,
  • sehen, wie lange die Suspension nach Zubereitung haltbar ist,
  • sehen, ob die Suspension mit / vor / unabhängig vom Essen genommen wird.

 

Die Dosierungsempfehlungen sind dem Kompendium entnommen. Mir ist bewusst, dass es Spitäler gibt, die teils höhere Dosen aufschreiben. Sobald die Seite mit den Pädiatrischen Dosierungsempfehlungen online ist, wird das sicher auch noch Anpassungen geben. Die Seite für den Computer und auch für mobile Geräte geeignet.

Teilen ist erwünscht (Schenkt das weiter an Eure Kollegen!).

Ich hoffe, Ihr könnt den Antibiotikarechner gut brauchen – und bitte meldet es mir, wenn Euch etwas auffällt!

Schöne Weihnachten, geruhsamen Notdienst und gebt Sorg‘ zu Euren grossen und kleinen Patienten und auf Euch!