Rezepte für Betäubungsmittel

Betäubungsmittel wie starke Schmerz- oder Schlaf- und Beruhigungsmittel brauchen spezifische Formulare zum verschreiben und unterstehen (etwas) anderen Vorschriften als normale Rezepte, besonders was die Bezugs- und Anwendungsdauer betrifft.

Hier also Teil 5 der Rezept-Reihe:

Betäubungsmittelrezepte sind mit die Rezepte, wo ich in der Apotheke die meisten Fehler sehe. Fehlende Stempel zum Beispiel führen dazu, dass ich ein neues, richtig ausgestelltes Rezept brauche. Der weisse (oder rosarote) Teil alleine reicht nicht für einen Bezug. Fehlende Angabe der Behandlungsdauer – und vor allem der benötigten Menge sind ein weiteres Problem. Mein (selbstdispensierender) Arzt brauchte damals 3 Anläufe, bis er das Rezept, das ich brauchte, richtig ausgestellt hat …

Und den meisten Ärzten scheint es nicht bewusst zu sein, dass Benzodiazepine und Zolpidem ebenfalls unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und es deshalb spezielle Vorschriften gibt, was die Verschreibung betrifft – auch wenn das auf einem normalen Rezept möglich ist. Mal abgesehen davon, dass diese Beruhigungs- und Schlafmittel wirklich nur gezielt und kurz (!) eingesetzt werden sollen (lest mal die Packungsbeilage!) sind Dauerrezepte über 1 Jahr einfach nicht erlaubt!

So, genug Ausrufezeichen … das ist so ein „Pet-Peeve“ von mir, dem ich hiermit auch etwas mehr Aufmerksamkeit verleihen will.

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Gültigkeit und Dauer von Rezepten

Immer wieder ein Thema – und beliebte Suche hier im Blog: Wie lange ist ein Rezept gültig? Wie lange darf ich ein darauf verschriebenes Medikament beziehen? Darf es wiederholt werden? Wie schreibt der Arzt das richtig auf?

Die Antworten darauf im 4. Erklärvideo zur Rezept-Reihe:

Gilt natürlich nur für die Schweiz. Eigentlich sollten die Patienten hier ziemlich glücklich mit den Regelungen sein … in Deutschland gibt es keine Dauerrezepte für von der Krankenkasse bezahlte Medikamente.

Morgen wird es richtig interessant: da komme ich zu den Betäubungsmitteln.

Wie schreibe ich ein Rezept?

Im Dritten Teil der Erklärvideos zum Ausstellen von Rezepten behandle ich die Rezeptsprache. Die ist heute nicht mehr lateinisch, sondern eine Landessprache: Deutsch, Französisch oder Italienisch – enthält aber immer noch lateinische Abkürzungen und teils römische Zahlen.

Vielleicht ist das mit den römischen Zahlen etwas zu ausführlich geraten … allerdings machen sie Spass – und vielleicht muss ich dann derartiges nicht mehr auf Rezept sehen: LXXXVIII … das geht kürzer.

Ganz wichtig der Hinweis bezüglich der Mengenangaben: ist keine Menge oder Behandlungsdauer festgelegt beim Medikament bedeutet das automatisch, dass die kleinste im Handel erhältliche Packung abgegeben werden soll. Das kann ungewollt zu zu kurzen Behandlungszeiten führen. 1 OP heisst Eine Originalpackung. Manchmal sind das nur 7 Stück … also sollte man sich bewusst sein, was im Handel ist oder halt angeben, wie lange man etwas genommen haben will.

Man darf auf so ein rezept auch durchaus noch weitere Informationen schreiben: zum Beispiel, dass der Patient einen Termin beim Hausarzt machen soll. Oder dass man in der Apotheke den Patienten genau instruieren soll, wie er das neue Dosieraerosol verwendet. Oder bei ungewöhnlichen Dosierungen, dass das so gewollt ist – ein „!“ reicht der Apotheke dafür und vermeidet eventuell unnötige Rückfragen.

Wie ist ein Rezept aufgebaut?

Zweiter Teil der Rezept-Reihe. In der Schweiz haben die Ärzte ziemliche Freiheiten, wie ein Rezept auszusehen hat – aber was es zu enthalten hat ist genau definiert. Wir in der Apotheke sind ausserdem ziemlich dankbar für einige zusätzlich Dinge … mehr darüber im heutigen Erklärvideo: Wie ist ein Rezept aufgebaut?

Zum Platzproblem: Natürlich ist es (theoretisch) möglich ein Rezept – das auch von der Krankenkasse übernommen wird – aus so ziemlich jedem Stück Papier zu machen. Aber in der Apotheke arbeiten wir am liebsten mit A6 (sofern mindestens auf der Rückseite noch genug Platz ist) oder A4. Für die Abrechnung mit der Krankenkasse bei selbst zahlenden Patienten muss ich die Abgabe (samt Preis und Datum) festhalten – das passiert meist auf der Vorderseite, am linken Rand und handschriftlich / mit Stempel. Oder, wenn ich das für den Patienten bei der Krankenkasse abrechne,  bekommt das Rezept (auf der Rückseite) Klebe-etiketten mit Strichcode und den Informationen zu Preis, Datum, Abgabestelle.

Und: Bitte, bitte, liebe Ärzte und Ärztinnen: Wenn ihr das Rezept handschriftlich ausstellt (oder schreiben lasst), dann kontrolliert, bevor es rausgeht, dass man es auch wirklich gut lesen kann. Die Gesundheit unserer Patienten hängt auch davon ab, dass das richtige Medikament und die korrekte Dosierung erkannt wird …

Was ist ein Rezept?

Rezepte sind das Kommunikationsmittel zwischen Arzt und Apotheke – es braucht sie, damit der Patient das richtige Medikament bekommt und damit die Krankenkasse das bezahlt. Trotzdem wird das Rezeptausstellen im Studium bei den Ärzten in gerade mal einer Stunde kurz abgehandelt – (ist das immer noch so?) – wobei einiges unerwähnt bleibt. Darum habe ich mir gedacht, ich versuche mich selber an einer … Weiterbildung. Sie ist für Ärzte und MPAs sowie Mitarbeiter in den Apotheken geeignet und entspricht dem aktuellen Stand: Mai 2018. Es sind (kurze) Erklärvideos.

Hier ist der erste: Was ist ein Rezept?

Im Laufe der Woche bringe ich mehr – im nächsten Teil: der Aufbau eines Rezeptes

Eine Anmerkung noch von wegen Rezepte fälschen:

Ein Rezept ist eine Urkunde. Wer ein Rezept verändert (verfälscht) oder gar ganz fälscht – und eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht, kann bestraft werden: mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Dabei ist es unerheblich, ob das in der Absicht war, jemandem an Vermögen oder andern Rechten zu schädigen (also ob die Medikamente auf Rezept selbst bezahlt werden und nicht von der Krankenkasse) oder nur um sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen.

Die sichere Übertragung der Rezepte ist auch ein zunehmend wichtiges Thema. Mit der heutigen Technik nimmt der Fax an Bedeutung ab – und die elektronische Übertragung wird immer häufiger. Das ist momentan problematisch: Faxgeräte haben heute fast nur noch die Apotheken – direkt ein Fax vom Arzt so zu bekommen war noch einigermassen „sicher“. Heute schicken aber immer mehr Ärzte die Rezepte auch per mail. Und das leider nicht nur an die Apotheken. Das Problem dabei ist, dass die Patienten als Empfänger diese Rezepte theoretisch beliebig oft ausdrucken oder weiterverschicken oder gar bearbeiten können. Davon abgesehen ist die Übertragung per mail häufig auch nicht wirklich sicher – auch wenn immer mehr Ärzte sich bei speziellen Servern (Hin) anschliessen und in Zukunft auch die Apotheken das machen müssen (ovan-Adressen gelten auch als „sicher“). Ab 2019 werden zum Beispiel die Spitäler wegen der bei ihnen obligatorischen Einführung der elektronischen Gesundheitskarte Austrittsrezepte nur noch per mail an sichere Empfänger schicken (oder eben hinterlegen) … bis dann müssen die Apotheken auch bereit dafür sein.

 

Der Strumpf ist zu lang – oder?

Wir messen in der Apotheke Stützstrümpfe an – also richtige Kompressionsstrümpfe, wie sie zur Therapie von schlechten Venen und Krampfadern gebraucht werden. Da die wirklich passen müssen, haben wir davon keine vorrätig – wir bestellen sie anhand der Messdaten. Sie kommen dann innert weniger Tage.

Das mit dem anmessen – am besten morgens, nicht allzu lange nach dem Aufstehen, da die Beine sonst anschwellen – habe ich allen Mitarbeitern eingebläut. Das gilt auch für die Leute, die mit einem alten Strumpf kommen und genau denselben wieder wollen. In den Monaten, die der getragen wurde kann sich einiges verändern – nicht nur der Beinumfang, der Strumpf selber kann mit der Zeit weiter werden. „Weiter“ bedeutet oft halt auch „angenehmer“ – ist aber nicht unbedingt das, was für die Therapie gebraucht wird. Dann kann ich so einen Strumpf später auch nur sehr schlecht umtauschen, wenn es nicht richtig sein sollte … also wird angemessen, dann die Grösse rausgesucht, dann der richtige bestellt.

Das funktioniert gut – nur bei „aussergewöhnlichen Massen“ muss ich die Leute eventuell noch einmal ein-holen um für eine Massanfertigung noch mehr Punkte zu messen – oder sie an ein spezialisiertes Sanitätsgeschäft weiterschicken.

In seltenen Fällen, wenn der Patient wirklich nicht kommen kann und wenn auch die Haushilfe die Strümpfe nicht anmessen kann, schicke ich dafür auch morgens jemanden nach Hause messen. Alles besser alswenn der Strumpf nicht passt. Dafür kann inzwischen bei uns jeder anmessen – auch die Lehrlinge.

Minnie, unser Lehrling war es auch, die morgens bei Frau Giacobi* die Strümpfe in der Apotheke angemessen hat. Frau Giacobi bekommt nicht das erste Mal Strümpfe und hat sogar die Schachtel mitgebracht – so dass wir zumindest wussten, in was für einer Qualität sie die gerne hat: Comfort und Schwarz und offen – das bedeutet, die Spitze der Strümpfe (in dem Fall nur bis zum Knie) fehlen … das erleichtert das anziehen.

Minnie hat also angemessen, wir haben zusammen die Grösse ermittelt und das dann bestellt. Ich war also zuversichtlich, dass alles stimmt …

Und dann kommt die Patientin, Frau Giacobi einen Tag, nachdem sie die bestellten Strümpfe abgeholt hat damit zurück.

Frau Giacobi: „Tut mir leid, aber das ist die falsche Grösse.“

Ah, Mist.

Pharmama: „Sind sie zu eng? Sie müssen ja ziemlich eng sein, das kennen Sie ja schon.“

Frau Giacobi: „Nein, sie sind zu lang. Ich hatte immer kurze und da steht „long“ auf der Packung.“

Pharmama: „Oh, hatten Sie sie denn schon an?“

Frau Giacobi: „Nein, ich dachte, wenn Sie sie zurückschicken müssen …“

Pharmama: „Vielleicht schauen wir doch erst mal – darf ich vielleicht nochmals messen?“

Ich nehme sie mit in den Beratungsraum. Dort messe ich nochmals. Nicht nur die Länge, auch gleich noch den Rest. Ich schaue nach … stimmt alles. Sie hat ganz sicher nicht „short“. Ich zeige ihr das – und wir diskutieren noch ein wenig.

Frau Giacobi: „Die letzten Male hatte ich immer kurz – Nein, das haben nicht sie angemessen, ich glaube das war die Spitex.“

Pharmama: „Okay – nach dem, was ich gemessen habe, brauchen sie ein „long“. Ziehen Sie sie doch mal an, dann schauen wir das am Bein an.“

Sie zieht die Strümpfe an – man merkt, sie hat Übung. Einzig am Schluss versucht sie die Strümpfe oben fest hochzuziehen. Ich bremse sie.

Pharmama: „Nicht fest ziehen, nur weiter hochschieben, bis sie ohne Falten sitzen.“

Und „sitzen“ tun sie. Nicht zu kurz, nicht zu lang, keine Falten. Gut anliegend.

Pharmama: „Sieht gut aus. Wie ist das für Sie?“

Frau Giacobi: „Gut … ich fürchte nur, dass das nach unten rutscht und dann Falten macht, wenn ich laufe.“

Pharmama: „Das sollten sie nicht. Hatten Sie damit mit den letzten Probleme?“

Sie nickt. „Immer.“

Pharmama: „Das könnte daran liegen, dass die anderen zu kurz waren – dann haben sie mehr die Tendenz sich zusammenzuziehen. Das sollten die hier nicht machen. Lassen Sie sie doch an und versuchen sie es mal. Wenn es nicht klappt, dann kommen Sie noch einmal vorbei, dann schaue ich, was ich machen kann. Vielleicht brauchen sie einen Haftrand – wobei, sieht wirklich gut aus so.“

Ich höre den Rest des Tages nichts mehr von ihr. Ah – Minnie musste ich noch etwas beruhigen, da sie dachte, sie habe falsch gemessen. Hat sie nicht.

Am nächsten Morgen finde ich ein paar Minuten um ihr anzurufen.

Pharmama: „Guten Morgen Frau Giacobi, wie ging es mit den Strümpfen?“

Frau Giacobi: „Oh, alles bestens – die rutschen nicht mehr. Ich behalte die! Ich war nur unsicher, weil ich doch bisher immer „short“ hatte.“

Merke: Strümpfe IMMER nachmessen. Und nicht zu viel auf das geben, was früher mal gemessen wurde.

Noch ein Merke: Haftränder sind sinnvoll, vor allem bei Schenkelstrümpfen …. aber bei Männern besser keine mit SHR bestellen (das heisst Spitzen-Haft-Rand) … das kommt nicht immer so gut an :-)

*alle Namen etc. wie immer geändert.