Ferienreif

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So … hier sind wir also. Nach etwa 3 Stunden Fahrt und direkt in den Bergen!

Samstag habe ich noch gearbeitet – und am Abend war ich wirklich Ferienreif. Das hat wohl auch unser Substitutionspatient gemerkt, der 5 Minuten vor Ladenschluss noch vorbeischneite umd sein Material abzuholen. Als ich es ihm gebracht habe und er unterschrieben hat meinte er: „Ich hätte fast verschlafen! Was ist eigentlich, wenn ich es einmal nicht schaffe, es zu holen?“

Ich nur: „Das wäre schlecht. Wir haben geöffnet bis X Uhr, danach ist niemand mehr hier.“

Er machte darauf nur „Ah.“ und ein etwas enttäuschtes Gesicht, bevor er wieder ging.

Meine Kollegin meinte als wir danach zusammenräumten: „Er hat wohl erwartet, dass Du sagst: Kein Problem! Hier meine Telefonnummmer, wenn Sie anrufen, komme ich vorbei und gebe es Ihnen …“

Nein – Öffnungszeiten sind aus einem Grund da. – Und die Substitutionspatienten haben während den Öffnungszeiten zu kommen … Das erinnert mich übrigens an eine Diskussion auf vor ein paar Tagen, da fragte ein Apotheker, ob er die Mittel dem Substitutionspatienten, der es tagsüber „nicht geschafft hat“ im Notdienst Nachts um 3 Uhr herausgeben muss. Nun – das würde ich vielleicht machen, allerdings würde ich ihn darauf hinweisen, dass das eine Ausnahme ist … und ihn die Notdienstgebühr bezahlen lassen. Die ist hier natürlich nicht unerheblich höher als in Deutschland. Das würde er sich das nächste Mal ziemlich gut überlegen.

Nachdem ich also endlich Feierabend hatte, ging ich heim, packen. Und am Sonntag gings los.

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Da steht *was* auf dem Rezept?!? (3)

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Da mache ich demnächst eine neue Serie draus, wenn das so weitergeht. Ihr dürft mir Eure „Fundstücke“ übrigens auch gerne mailen!

RpBouillon

Dafür, dass die Patientin bald 90 Jahre alt ist, geht es ihr gesundheitlich trotz Spitalaustrittsrezept nicht so schlecht – zumindest den Medikamenten nach. Schmerzmittel nur als Reservemedikation (und ziemlich niedrig dosiert), Blutdruckmedikament und Cholesterinsenker – Magenschutz und Vitamine (D und Folsäure), Mittel zur Stuhlregulation und Bepanthen in der Analregion (eventuell Analrisse?), ausserdem Schlafmittel (vernünftig niedrig) und etwas für’s Gedächtnis (Ginkgo) …

Nur scheint sie etwas Mühe mit dem Essen zu haben – oder wie erklärt sich die zuoberst verschriebene Bouillon sonst?

Das habe ich bis jetzt auch noch nicht gesehen. Leider wird die Gemüsebouillon und auch andere nicht von der Krankenkasse übernommen. Und aus medizinischer Sicht: ich dachte immer Hühnersuppe sei so gut? 🙂 … nicht, dass die übernommen würde …

Da steht was auf dem Rezept (2)

Da steht was auf dem Rezept (1)

Einnahmeunterstützung

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Der Patient, ein älterer, etwas komplizerter Herr (äHe) bekommt neu Marcoumar verschrieben. Er hat in der Vergangenheit eine Herzklappe ausgetauscht bekommen und nimmt schon Aspirin Cardio und Clopidogrel.

Dem Marcoumar gegenüber ist er aber sehr kritisch eingestellt, speziell, weil er nicht sein Leben lang wöchentlich zum Arzt rennen will wegen den dafür nötigen Untersuchungen zur Blutgerinnung.

Ich versuche ihm zu erklären, wie wichtig es ist, dass sein Blut genügend verdünnt ist und dass ihm deshalb wohl ein neuer Blutverdünner aufgeschrieben wurde, weil die anderen nicht ausreichen. Dass die Tests nur am Anfang häufiger sind, die Abstände danach aber länger werden …

Er will nicht. „Gibt es da keine Alternative?“

Pharmama: „Es gibt neue Wirkstoffe, da muss man nicht so häufig gehen … aber es ist nicht sicher, ob die geeignet sind für sie. Ausserdem … sind die einges teurer…“

äHe: „Ah. Könnten sie nicht mal nachfragen? Ich bin ja heute beim Arzt gewesen, aber … ich war so überfahren, ich habe mich nicht getraut.“

Das darf also ich.

Dann rufen wir mal in die Kardiologie an.

Besetzt.

Besetzt.

Besetzt.

Zurück zum Patient: „Ich erreiche sie nicht. Ich versuche es später noch einmal.“

Er geht.

Ich versuche es weiter.

Besetzt.

Ehrlich? Wie kann das sein?

Ich schicke einen Fax mit der Anfrage.

Es kommt nichts zurück.

Am nächsten Morgen schicke ich nochmals einen Fax und versuche anzurufen – es ist immer besetzt und keine Reaktion auf den Fax.

Ich wende mich über die Zentrale des Spitals.

Sie versucht mich zu verbinden – 2 x werde ich zurückgeleitet, da niemand abnimmt. Ich hasse Anrufe ins Spital.

Schliesslich verbindet sie mich mit dem diensthabenden Arzt im Notfall – es ist allerdings die Krankenkschwester, die abnimmt … und die ist reichlich gehetzt (Notfallstation, logo, verstehe ich auch).

Krankenschwester: „Ist das wichtig??“

Pharmama: „Ja, es geht um Blutverdünner, die sollte er wohl nehmen, oder?!“

Ich schaffe es ihr mein Anliegen zu erklären. Sie erklärt mir, dass sie es abklärt und zurück ruft.

Ich warte.

Eine Stunde später bekomme ich dann den Bescheid: Er soll unbedingt sein Marcoumar nehmen. Kein Ersatz. Falls er einen Ersatz will, soll er das bei der nächsten Kontrolle mit dem Arzt besprechen.

Ich informiere den Patienten und insistiere noch einmal, wie wichtig das ist, dass er es nimmt.

Er kommt es holen. Ich hoffe, er nimmt es auch …

(Inter)nationale Medikamente

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Kunde in der Apotheke:

„Bei uns in Russland gibt’s da so’ne Tablette… Die heisst „Aspirin“… Kennen Sie die ?????…“

(amüsiert)

Helga! Was kosten denn die Kondome?? (Sampler)

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Es ist mir aufgefallen, wie häufig Kondome in meinem Blog erwähnt werden. Und das, obwohl die Apotheke (und Drogerie) wohl nicht mehr Hauptzielort für Einkäufe derselben sind. Die ganzen Pille-danach-Posts hier mal ausgenommen, darin geht es ja häufig auch um Kondome. Kaputte oder abgerutschte vor allem … habe ich schon eine nette Sammlung:

Das fing schon 2008 an mit Fragen zu Kondomen

und zeigt sich auch im Post Professionalität in der Apotheke

in Überlaut zeigt sich, dass der Titel nicht nur ein eventuelles Problem der Verkäufer ist.

Und in Bedienungsnotstand, dass auch das Fachpersonal seine Grenzen hat.

Von Plastiksäcken und Winterkondomen 

Sex sells – sagte sich Donna und verkaufte zu einer Packung Schwammtampons noch …

Auch Kondome, aber nicht nur: Eher unangenehme Begegnungen mit Körperflüssigkeiten in der Apotheke

Überhaupt: Bitte nicht anprobieren!

und bei den Ärzten zur Frage: Was ist schon Allgemeinwissen?

In dem Zusammenhang auch: Gelernt ist gelernt (2)

Aber Kondome gehören heute praktisch zum Circle of Life

Aber ob der Kondomkauf für ein gutes Mutter-Sohn-Verhältnis spricht?

Zum Glück gibt es Kondome – als alternatives Verhütungsmittel, auch bei Wenn ich eine Frau wäre …

In Nachgefragt wundert sich ein Arzt über die fehlende Verhütung.

klassisches Missverständnis (oder?) von mir in die ganze Nach lang!

und leider nochmal in Gibt’s die auch in kleiner?

Und von der Pharmaassistentin in Hoppla. Mein Fehler!

Verhütungs-Dilemma: Nein, war schon klar.

Es ist wichtig, dass man einfach an Kondome kommt. Aber Kondommuster: Wohin damit?

Telefonnummer gratis zu jeder Packung Kondome in Glückstag?

Ausnahmsweise – klar? Können wir hier die Pille ohne Rezept abgeben – aber ich kann auch auf die Alternative verweisen, wenn das keine Ausnahme bleibt.

professionelles Zwischenspiel: Zikavirus: Von Mückenschutz und Kondomen

Es gibt Leute, die machen sich auch heute noch einen Spass daraus die netten Apotheken-Mitarbeiterinnen zu ihrer persönlichen Befriedigung (nicht der Neugier) über Kondome und alles was damit zusammenhängt auszuquetschen. Bei diesem Seltsamen Telefonanruf hatte ich arg den Verdacht, war aber nicht sicher, bis … Also doch!

Die gibts heute noch (siehe gestern: kurze Gegenfrage )

Kurze Gegenfrage

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Vife Kollegin in der Apotheke am Telefon, nachdem sie wieder einen Anruf von einem Herrn erhalten hat, der wohl nicht wirklich nur nach Kondomen und derer Anwendung fragt um fachliche Information zu erhalten. Zu viel (detaillierte) Information zum Geschlechtsorgan und -Verhalten, das wir wirklich nicht für die Beratung brauchen.

„Weiss ihre Freundin das?“

„Oh.“ sagt sie: „Er hat aufgehängt.“

Versandapotheke bin ich keine, aber …

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Es ist etwa ein Monat nach dem letzten Besuch in der Apotheke durch Frau Slozny (ihr erinnert Euch?) da bekomme ich ein mail von ihr.

Guten Tag Frau Pharmama. Ich bin jetzt in Irland

(Huh? Ich war mir sicher, ich habe Moskau gehört, als sie gesagt hat, sie geht ins Ausland)

… und ich brauche dringend noch mehr von den Kathetern. Könnten Sie mir die hierher schicken lassen? Ich bezahle das gerne mit der Kreditkarte.

Okay, das habe ich jetzt auch noch nicht gemacht. Da muss ich erst mal abklären, ob das geht … und wie.

Medikamente darf ich nicht verschicken – in der Schweiz gilt das Versandhandelsverbot für Medikamente, erst gar nicht über die Grenze, aber … Medizinalprodukte anscheinend schon. Geht also.

Und die Sache mit der Krankenkasse/Unfallkasse ist auch noch nicht durch. Also muss das wieder von ihr bezahlt werden, nicht nur der Transport. Aber offenbar ist ihr das bewusst. Kreditkartenzahlung ist technisch aber bei uns nicht machbar telefonisch. Ich brauche die Kreditkarte hier im Geschäft.

Zuerst aber mal: Vielleicht geht das einfacher? Ich schaue, ob sie die Katheter nicht schon in der Apotheke dort bekommen könnte. Wenn sie sie schon selber zahlen muss (und ein Rezept hat) sollte das möglich sein … und das ist es auch laut Internet. Ich schreibe ihr also diese Infomail:

Guten Tag, Frau Slozny. Ich habe mich inzwischen etwas schlau gemacht, was die Anfrage betrifft. Offenbar kann ich Medizinprodukte (im Gegensatz zu Medikamenten) ins Ausland senden.

Was die genauen Bedingungen angeht müsste ich allerdings bei der Post noch nachfragen – immerhin handelt es sich hier um einen Versand um Waren im Wert von ca. 3000 Franken – (eventuell muss das auch noch verzollt werden in Irland)

Das Porto für den Versand weiss ich auch noch nicht, das Internet gibt mir da Werte von 100-250 Franken für ein etwa 15 kg schweres Paket – das ohne irgendwelche Rückverfolgung oder Sicherheiten.

Allerdings ist eine Bezahlung via Kreditkarte für uns aus technischen Gründen definitiv nicht möglich, wir bieten keine online Bezahlung an. Am Besten ist folgendes Vorgehen: Wir stellen ihnen dafür eine Rechnung, die wir ihnen schicken (per mail oder Fax). Sie zahlen die Rechnung (wir geben Ihnen dafür die IBAN Nummer der Bank an). Sobald der Betrag bei uns auf dem Konto ist, bestellen wir die Ware und senden das Paket.

Dafür wäre es auch gut, wenn wir noch eine Kopie des Rezeptes bekommen, die wir als Beleg mitschicken können für den Zoll.

Ich weiss, das ist aufwändig. Mein Vorschlag wäre immer noch, dass Sie das in Irland in einer Apotheke besorgen lassen – das spart ihnen nicht nur Zeit, sondern auch das Geld für den Versand (ausserdem ist es möglich, dass die Katheter dort günstiger sind, als bei uns).

Aber sie will (wie sie mir zurückschreibt), dass ich den Rest abkläre und das trotzdem schicke. Anscheinend seien die Katheter nicht in der gleichen Qualität erhältlich – was ich fast nicht glauben kann, das müsste dasselbe Produkt von derselben Firma sein, so weit ich das von hier sehen kann.

Also dann: Porto und Zoll. Ich kläre das ab und schreibe ihr wieder.

Wir haben jetzt bei der Post noch die Info eingeholt: Ein Paket von dem Gewicht kostet ca CHF 125.- auf Irland. Es braucht bis zu 10 Tage, bis es da ist. Es ist versichert gegen Bruch oder verlieren gehen – allerdings nur bis zu CHF 1000.-

Wegen dem Zoll in Irland zahlen Sie bei Erhalt nochmals ca. 25% drauf (von den 3000 Franken, also ca. 750 Franken (!) – das wäre dann aber nicht bei uns auf der Rechnung. Die Krankenkasse oder Unfallkasse zahlt weder Porto noch Zoll.

Ich würde immer noch dringend vorschlagen, dass Sie das in einer irischen Apotheke bestellen gehen. Falls Sie aber trotzdem wünschen, dass wir ihnen die Katheter senden, melden Sie es mir noch einmal.

Ich glaube als ich ihr das mitgeteilt habe, war das der Moment wo sie dann doch beschlossen hat das nicht via uns zu machen. Es kam weder ein mail noch ein Zahlungseingang, weshalb ich das natürlich weder bestellt noch geschickt habe.

Aber 2 Wochen später bekomme ich doch noch ein mail: Sie komme für kurze Zeit zurück in die Schweiz, ich solle ihr auf dann die Katheter bestellen, sie komme sie abholen.

Als sie die 2 Wochen später kommt, bringt sie mir direkt ihre neue Adresse (in der Schweiz) und die Karte der neuen Krankenkasse bei der sie schon angemeldet ist.

Okay – in dem Fall bleibt sie doch wieder länger hier. Dann haben wir unsere Stammkundin wieder.

Individuelle Dosierung?

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Die Begebenheit kommt noch aus der Zeit, als Marcoumar der Goldstandard – und so ziemlich der einzige Blutverdünner war:

Der Herr ist aus den Ferien in Spanien in der Schweiz und will jetzt und hier von uns Marcoumar ohne Rezept. Er habe den Blutverdünner schon lange und bekomme das dort immer ohne Rezept.

Das zweite kann ich nicht nachprüfen, das erste bis zu einem gewissen Grade schon: er hat eine alte Packung dabei.

Aber so wie er es sagt ist er schon eine ganze Zeitlang nicht mehr beim Arzt gewesen (bei etwas so … nicht ganz ungefährlichem wie Blutverdünner). Auf die Frage wie er das Marcoumar denn dosiert meint er: „Anhand der Erfahrung“

„?“

Nun, wenn er das Gefühl hat, dass er Blutverdünner braucht, dann schlägt er seinen Handrücken an den Tisch und entscheidet dann anhand der Grösse des entstehenden blauen Fleckes, wie hoch er dosiert.

Sprachlos.

Zum Arzt, bitte!

Einmal alles, bitte.

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Man ist sich schon bewusst, dass manche Leute eine ganze Menge Medikamente nehmen müssen. Aber wie viel, merkt man nur, wenn man mal wirklich alles vor sich hat. Der Arzt hat von uns eine Aufstellung von allem was die Patientin im letzten Jahr so hatte verlangt, weil er ein neues Dauerrezept ausstellen wollte. Das hat er dann auch:

rpvoll

Das ist viel. Auch wenn nicht alles Medikamente sind. Da hat es Inkontinenzeinlagen drauf (zuunterst) und auch Hautpflege, ursprünglich vom Hautarzt verschrieben. Ein ziemlich extremes Beispiel – und vielleicht braucht sie auch nicht wirklich alles, und das Vita Merfen (eine Wund-Heilsalbe) gibt es gar nicht mehr. Magenschutz sind gleich zwei verschiedene drauf: Antra und Pantoprazol, diverse Blutdruck- und Herz-Medikamente und auch gegen Depression.

Man muss sich bei derartigen Listen bewusst sein, dass da zwischen den verschiedenen Medikamenten Wechselwirkungen stattfinden – eine ausgesprochen relevante sehe ich auf den ersten Blick: Euthyrox (Schilddrüsenmedikament) und Magnesiocard (Magnesium) beides am Morgen verordnet. So eingenommen wird das Schilddrüsenmedikament praktisch wirkungslos. 2 Medikamente können wir vergleichen, ab 3 Medikamenten wird das mit den Wechselwirkungen übrigens so komplex, dass da praktisch das Chaos herrscht und nicht mehr wirklich vorhersehbar ist, was herauskommt.

Eine Medikamentenliste wie die oben stellt nicht nur den Patienten, sondern auch den Arzt und Apotheker vor diverse Probleme – und eine gute Kommunikation ist hier wichtig. Vielleicht könnte man das sogar optimieren, damit man nicht mehr so viel nehmen muss.

Wie kommt das?

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Wie kommt es, dass die Leute, wenn man am Geldautomaten Geld abhebt, im Normalfall in schönem Abstand warten – aber in der Apotheke, wenn man gerade dabei ist einer Frau die richtige Anwendung des Abführmittels zu erklären (oder einem Mann das Sildenafil aushändigt) sich fast immer jemand findet, der sich direkt daneben stellen muss und möglicherweise einen auch noch unterbricht, um zu fragen ob wir „auch XY hier haben“?