Kleine Medikamentenodyssee – weshalb ständige Wechsel nicht gut sind.

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Das Bild habe ich von der pharmasuisse geklaut – ich hoffe sie verzeihen mir, dass ich es zu Anschauungszwecken hier bringe. Es illustriert die Geschichte einer kleinen Medikamentenodyssee:

Medikamentenumstellung

Eine ältere Frau (Typ Grossmami) nimmt diese Dauermedikation (vom Arzt verschrieben):

  • Metfin 850
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin cardio 100
  • Co Valsartan Sandoz 160/12.5

Es handelt sich dabei um Medikamente gegen erhöhten Blutzucker, Cholesterin, Blutverdünner und Blutdruckmedikament. Dann hat sie einen Sturz und muss ins Spital. Dort wird dieselbe Medikation so gegeben:

  • Glucophage 850mg
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40mg
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Diovan 160/12.5

Man beachte die kursiv geschriebenen: sie entsprechen der Medikation vor dem Spitalaufenthalt in Wirkstoff, aber es sind die Medikamente von anderen Firmen – diejenigen, mit denen das Spital Verträge hat.

Das macht im Spital selber wenig, da die Patientin die Tabletten täglich in den kleinen Plastikgläslein zum schlucken gerichtet und vorgesetzt bekommt … höchstens ist sie etwas verwirrt, dass das dasselbe sein soll, denn auch die Tabletten innen sehen anders aus als ihre gewohnten – aber das wird schon stimmen.

Dann kommt sie zum wiederaufbauen in die Reha, wo sie die Medikamente weiter nehmen muss – aber dort werden dieselben Medikamente so zusammenstellt:

  • Metformin Mepha 850mg
  • Diamicron MR 60
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Valsertan HCT Actacis 160/12.5

Danach kann sie wieder nach Hause. Sie bekommt ein Rezept mit, das sie in der nächsten Apotheke einlöst, damit sie bis zum Besuch beim Hausarzt genug Medikamente hat.

Beim nächsten Besuch unternimmt der Hausarzt den löblichen Versuch, das etwas zu vereinfachen, indem er dies verordnet:

  • Janumet 60/850
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Valsartan Sandoz 160/12.5

Er hat also die Blutzucker-medikation (das Metformin und Diamicron) in einer Tablette „zusammengefasst“, das Janumet ist ein neueres Kombinationspräparat.

Man muss hoffen, dass die Frau auch nach dem Sturz noch alle Sinne zusammen hat und die perfekte Übersicht über ihre Medikation. Denn wenn sie Pech hat, hat sie von demselben Medikament jetzt Mehrfachpackungen oder Reste von angefangenen Packungen zu Hause mit unterschiedlichen Namen:  Metfin 850, Glucophage 850mg und Metformin Mepha 850mg ist alles dasselbe …  zusammen mit dem Janumet 60/850 sollte sie es auch nicht nehmen, denn auch darin ist derselbe Wirkstoff.

Das gleiche gilt für Co Valsartan Sandoz 160/12.5, Co-Diovan 160/12.5 und Valsertan HCT Actacis 160/12.5 – alles dasselbe, auch wenn die Namen unterschiedlich sind und die Tabletten immer anders aussehen.

Die Stammapotheke kann in einem solchen Fall helfen. Indem sie die Übersicht über die auch von verschiedenen Ärzten oder Institutionen verordneten Medikamente behält. Indem sie (nach Möglichkeit) bei einem (bekannten) Generikum bleibt und die Frau nicht durch ständige Wechsel verwirrt wird.  Indem Doppelverordnungen erkannt werden und die Patientin bei Neumedikation informiert wird.

Wir versuchen nach Möglichkeit, die Medikation gerade bei älteren Leuten konstant zu halten um solche Verwirrungen zu vermeiden. Es hat sich inzwischen auch gezeigt, dass solche Wechsel in der Medikation nicht nur zu (ungewollter) Überdosierung wegen Mehrfacheinnahmen führen, sondern auch die Compliance bei den Patienten sinken lässt: sie trauen dem Medikament nicht gleich und nehmen es dann nicht mehr.

In Deutschland haben sie diese Situation Dank der Rabattverträge der Krankenkassen bei so ziemlich jedem Medikament, bei dem es Generika gibt. Da schreibt die Krankenkasse vor, welches Generikum von welcher Firma abgegeben werden muss – und die wechseln teils Vierteljährlich (!).

Und hier in der Schweiz dürfen wir in der Apotheke noch aussuchen, welches das bestgeeignete ist … aber die Krankenkassen drängen schon sehr in dieselbe Richtung: bald wird hier wohl auch vorgeschrieben werden, dass wir das günstigste (lies: billigste) Generikum nehmen müssen – und wenn der Patient etwas anderes will, wird er wohl aufzahlen müssen. Darauf freue ich mich gar nicht. Da das billigste Medikament auch gelegentlich wechseln wird, sind häufige Umstellungen dann zu erwarten. Die Lagerhaltung wird noch schwieriger: dann muss halt mehr bestellt werden und es dauert länger, bis der Patient es bekommt. Die Verwirrung bei den Patienten steigt und die Einnahmetreue nimmt ab – nicht genommene Medikamente wirken nicht … ob die Krankenkasse dadurch wirklich so viel einspart?

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Stop die Laus!

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Lausfrei

Etwas ungewöhnlich für die Jahreszeit – das Problem haben wir häufiger im Sommer, aber: die Ferien sind vorbei und die Läuse gehen wieder um. Das Mädchen gestern hatte die dicksten Viecher im Haar, die ich je gesehen habe. Riesig (für eine Kopflaus). Ich meine es ist klar, dass man eine Schule nicht total Lausfrei halten kann, aber um eine Kopflausepidemie einzudämmen und vor allem um ständiges Wiederanstecken zu verhindern braucht es ein bisschen Koordination. Und zwar von Schule und Eltern. Wenn nicht alle gleichzeitig gegen die Läuse vorgehen und sie auf irgendeinem Schopf überleben … geht die Ansteckung immer weiter.

Manchmal würde ich gerne das machen:

Brief an die Eltern

Betrifft: Kriechgetier

Also, ich werde nicht um den heissen Brei herumreden: In der Klasse Ihres Kindes gibt es Kopfläuse.

Nun, nachdem Sie aufgehört haben zu schreien, sollten Sie wissen, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Wirklich.

Ernsthaft. KEINE PANIK. Das ist eine ziemlich verbreitete Angelegenheit. Kopfläuse sind sehr kleine Tierchen die sich an die Kopfhaut ihres Kindes anheften. Sie beissen die Haut und saugen Blut. Die Bisse jucken, das ist das was die Lehrerin der Kinder wahrscheinlich darauf aufmerksam gemacht hat: das ständige Kratzen.

Kopfläuse legen Eier, die am Haarschaftt kleben und perlgrau aussehen. Sie ähneln etwas Kopfschuppen. Wenn sie etwas, das aussieht wie eine Schuppe einfach wegnehmen können, dann ist es keine Nisse. Wenn es am Haarschaft klebt und keine Tendenz zeigt sich zu lösen … ja, dann sind es Kopfläuse-eier. Die Läuse selber sehen Sie übrigens selten – die sind zu flink.

Läuse übertragen sich von Person zu Person. Eine Übertragung durch geteilte Haarbürsten oder Mützen kommt vor, heutzutage ist es häufiger wegen der Selfies: wenn die Kinder die Köpfe zusammenstecken. Ausserdem springen sie ziemlich weit. – Nein, das war ein Witz. Läuse können nur in unmittelbarer Nähe der Kopfhaut überleben.

Kopfläuse werden die nächsten Tage Ihres Lebens bestimmen, wenn Sie darauf aus sind, sie auszulöschen. Ich möchte daran erinnern, dass es Kakerlaken und Kopfläuse sind, die einen Nuklearschlag überstehen, also werden sie eine permanente Angelegenheit – ausser man ist darauf vorbereitet alles zu tun, um sie loszuwerden. Sagen Sie nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!

Erster Schritt ist die Kontrolle, wer alles befallen ist. Dazu wäscht man der Person die Haare, befeuchtet sie am besten noch mit Conditioner (das ist das Zeug, damit sie danach auch besser kämmbar sind) und kämmt die Haare mit dem Läusekamm durch, den man immer wieder an einem Tuch abwischt. Da nasse Läuse in eine Art Schockstarre verfallen, kann man sie so entfernen und auf dem Tuch bestens erkennen. Der Fund auch nur einer Laus weist auf einen Befall hin – und diese Person muss behandelt werden. Vergessen Sie den Papa nicht – man hat festgestellt, dass Wiederansteckungen häufig von der Seite kommen.

Wechseln Sie die Bettwäsche, wenn sie sich besser fühlen – nötig ist das allerdings nicht. Läuse, die sie ausserhalb der Kopfhaut ihrer Familienmitglieder (oder anderer Menschen) finden, sind entweder tot oder auf dem besten Weg dazu. Kochen Sie Bürsten und Kämme aus. Schmeissen Sie das Lieblingsstofftier von ihrem Kind in den Trockner … wenn das nicht geht, stecken sie es in einen Plastiksack und für ein paar Tage in die Garage – das Stofftier, nicht das Kind.

Und wir sind noch nicht einmal bei den Chemiewaffen. Nicht dass Loxazol oder Prioderm noch viel nützen – die meisten Läuse sind inzwischen immun dagegen. Deshalb erstickt man sie heute mit Kokos-oder Silikonöl – gegen ersticken kann man nicht resistent werden. Zur Behandlung besorgen Sie sich aus der Apotheke ein Läuseshampoo und folgen deren Anweisungen – das bedeutet: lesen Sie die Packungsbeilage und lassen Sie es lange genug einwirken. Versichern Sie sich, dass sie den Kopf nach der Behandlung mit dem feinen Läusekamm sorgfältig durchkämmen um so viele der Nissen wie möglich zu entfernen. Behandeln Sie jeden, der befallen ist – oder alternativ alle Familienmitglieder gleichzeitig. Ja, ich weiss, das ist ein riesen-Aufwand. Tun Sie’s trotzdem … ansonsten werden Sie es nämlich später eventuell mehrmals wieder holen müssen.

Einmal werden Sie es auch dann noch wiederholen müssen: nach 10-14 Tagen. Denn: wenn Sie nicht wirklich alle Nissen erwischt haben beim Auskämmen, können aus den paar, die die Behandlung unweigerlich überlebt haben, neue Läuse schlüpfen – und die müssen Sie gleich erwischen, bevor sie anfangen sich wieder zu vermehren. Also: gleiches Procedere wie oben – und dann war es das. Hoffentlich. Wenn das die anderen Eltern auch machen.

Wenn all das versagt … kann man immer noch den Kopf rasieren.

Das ist alles über die Läuse.

Mit freundlichen Grüssen

Ihre Pharmama


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MiGeL – oder Mich Gruselt es Langsam?

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Die MiGeL (die Mittel und Gegenstände-Liste) scheint von den Krankenkassen wirklich zum Sparziel auserkoren worden zu sein – anders kann ich mir die vielen Änderungen in der letzten Zeit nicht erklären.

Schon jetzt ist es so, dass wir bei Verbandsmaterial etc. häufig den Fall haben, dass was die Krankenkasse bezahlt unter dem Verkaufspreis liegt. Bei einfachem Material wenig – und wenn es unter 2 Franken 50 liegt, erlassen wir das dem Patienten (sprich, wir schenken ihm die Differenz), liegt es allerdings darüber und ich kann nicht versuchen, das seiner Zusatzversicherung zu verrechnen (weil er zum Beispiel keine hat, oder die so strikt ist wie die der CSS/Arcosana), dann muss er das bezahlen (oder sie – ich verzichte hier darauf pc zu sein). Ich versuche schon lange hier Alternativen zu finden und an Lager zu haben, die ganz übernommen werden. Zum Beispiel gebe ich keine Webcol-Alkohol-Tupfer ab, auch wenn die gerne verschrieben werden, weil da der Packungspreis über dem MiGeL-Listpreis liegt. Stattdessen nehme ich die Soft-Zellin. Dass in den Softzellin nur 100 drin sind und beim Webcol wären es 200 interessiert die Kasse nicht, nur dass der Abgabepreis pro Packung (hier) unter – was ist es? 5 Franken? liegt.

Gerade gesehen: in der aktuellsten haben sie das offensichtlich gemerkt und angepasst: jetzt steht da, dass pro Stück 5 Rappen übernommen werden (also auch 5 Franken für 100…)


Von der Abrechnungsstelle kam Ende Jahr die Meldung, dass von den Krankenkassen selbsterfasste Produkte nicht mehr akzeptiert werden, da das ihre Statistik verfälscht. Es könnte deshalb zu Zurückweisung von Abrechnungen kommen.

Das betrifft bei uns vor allem steril einzelverpackte Gazeplätzchen. Die werden häufig von den umgebenden Spitälern und Kliniken zur weiteren Wundversorgung verschrieben – und da es (zumindest früher) keine kleinen Packungen gab, haben wir die grossen aufgemacht und die Gazekompressen einzeln verkauft oder auf Rezept genommen. Das war wirtschaftlich …. ist aber offenbar, da nicht in die Statistik der Kassen passend, nicht mehr gewünscht. Die korrekte MiGeL-Nummer wird dabei nicht übertragen … und eingeben ist bei uns im System nicht möglich.

Zwei Möglichkeiten das zu umgehen: Kleinere Packungen suchen, die existieren und die auch von der Krankenkasse übernommen werden und die nehmen (Minimum sind 5er Packungen bei den Gazekompressen) – oder beim Rezept die richtige MiGeL-Nummer eingeben – die ist im System – und als Kommentar dazu schreiben, welche Plätzchen das gewesen sind. Der Kommentar wird dabei aber nicht an die Krankenkassen übertragen, das ist nur für uns in der Apotheke, damit wir wissen, was das war. Wenn man hier statt Einzel- auch etwa 5 Stück nimmt, stimmt das etwas mit dem Preis von vorher überein.


Mitte letzten Jahres kam mit der neuen MiGeL-Liste die grösste Änderung (die ich gesehen habe): sie betraf die Krücken – Verzeihung, Geh-hilfen. Konnten die früher noch gemietet werden (oder einzeln verkauft), ist es jetzt nur noch möglich sie (Paarweise) zu verkaufen – respektive der Krankenkasse abzurechnen. Ausnahme sind Kinderkrücken – da ist eine Miete weiterhin möglich.

Für den Kauf von 1 Paar bekommt die Apotheke von der Krankenkasse 25 Franken. …. und die günstigsten, die ich gefunden habe sind 31 Franken. Auch hier zahlt der Patient auf.

Inzwischen hatte ich einen Kunden, der das auf dem Rezept hatte – und der hat mir die Krücken nach einem Tag praktisch angeschmissen, weil sie so mies sind.

Aber halt! Es gibt noch eine Möglichkeit: wenn er die länger als einen Monat braucht, kann man als Apotheke auch die mit anatomischen-/orthopädischem Griff anbieten. Da bekommt die Apotheke von der Krankenkasse 56 Franken …. Die sind allerdings auch teurer, also bezahlt der Patient da 11 Franken auf. Wenn der Patient bereit ist das zu machen, würde ich das allen empfehlen … auch bei ev. kürzeren Gebrauchzeiten. Weiss die Krankenkasse denn, wie lange die effektiv gebraucht werden?


Dann noch etwas – ein Fall, den ich vor ein paar Jahren wirklich hatte (nachzulesen hier Retax auf Schweizerisch): da wollte mir die Krankenkasse die abgegebenen Blutzucker-Teststreifen für einen Patienten nicht bezahlen, weil er in einem Altersheim lebt und das in der Pauschale, die sie dem Altersheim zahlen enthalten ist. Ich habe mich damals dagegen gewehrt mir der Begründung, dass ich ein korrektes Rezept dafür vorliegen hatte und mir weder daraus noch von der Krankenkassenkarte ersichtlich war, dass der Patient im Altersheim wohnt. Die Kasse hat das dann schliesslich murrend doch bezahlt. Offenbar gab es inzwischen mehr derartige Fälle, die auch vor Gericht gelandet sind, so dass die Abrechnungsstelle inzwischen die Apotheken warnt: Keine MiGeL Produkte an Alters- oder Pflegeheimbewohner via Krankenkasse!

Ich habe mal gegoogelt, was da drunter fällt:

Für folgende Mittel und Gegenstände werden den Heimen eine Tagespauschale (gültig für alle Stufen) in der Höhe von CHF 1.90 pro Bewohner/in ausgerichtet:
Applikationshilfen
Inkontinenzhilfen
Kälte- und/oder Wärmetherapie-Mittel
Kompressionstherapiemittel
Messgeräte für Körperzustände-/Funktionen
Verbandmaterial

Also mal abgesehen von: 1.90.- pro Tag, wenn jemand wirklich Inkontinent ist und/oder Diabetes hat oder eine offene Stelle … wow.

Ich sehe aber immer noch nicht anhand der Krankenkassenkarte, ob der Patient in einem Alters- oder Pflegeheim ist. Ich sehe nur eine Strassenadresse. Entweder frage ich jetzt jeden ab einem gewissen Alter ob das der Fall ist (peinlich!) oder ich gleiche die Adresse mit einer Liste der Adressen der Alters- und Pflegeheime ab. Nur … da gibt es so viele, ich habe da natürlich auch nur die in der Nähe drauf.

Das Datum ist wichtig!

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Patient bringt mir am heute ein Rezept und einen Entlassbrief vom Spital und drückt mir die Papiere mit folgenden Worten in die Hand: „Es ist wichtig, dass Sie das Datum richtig eingeben: es ist vom 30. Dezember!“

Er schaut mich erwartungsvoll an, während ich das Rezept und den Medikamentenplan ansehe. Interessanterweise steht auf dem Rezept selber nicht mal ein Datum – hat der Arzt wohl vergessen, dem Entlassbrief nach, den er wohl am selben Tag bekommen hat, ist es aber wohl schon von da.

Nur …

Pharmama: „Das mag sein, aber – ich gebe Ihnen die Medikamente heute ab. Das ist das Datum, das auf der Rechnung an der Krankenkasse steht. Ich kann und darf das nicht zurückdatieren.“

Ja, er wollte, dass das noch auf die Rechnung vom letzten Jahr geht, da hätte er die Franchise schon erreicht gehabt. Tja – dann hätte er auch am 30.12. noch kommen müssen.

Irgendwie kommt mir das bekannt vor …. Ja, richtig, ähnliches hatten wir schon. Inzwischen hat es datentechnisch Änderungen gegeben – jetzt WEISS ich, dass ich das nicht machen soll – und irgendwann demnächst wird es auch gar nicht mehr möglich sein vom System her.

Bestes Patientenzitat heute

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bestesPatientenzitat

Ohne es mir mit den mitlesenden Ärzten vertun zu wollen (und „Fehler“ ist vielleicht ein zu starkes Wort für manches davon), aber … wenn der Patient der das gesagt hat gesehen hätte, was ich schon gesehen haben ….

Das fängt schon bei einfachen Dingen an: Patientenname nicht auf Rezept, falscher Name drauf, eigener Name statt dem vom Patienten (ich glaube der Arzt war etwas übermüdet) … ausgesprochen unpassende Dosierungen (ja, man nimmt Xarelto einmal täglich und Brilique zwei mal täglich – ziemlich relevanter Unterschied bei den Blutverdünnern), Betäubungsmittel auf normalem Rezept verordnet, Wechselwirkung oder Allergie nicht beachtet undsoweiterundsofort … – ihr lest ja diesen Blog, also kennt ihr das auch 🙂

Das allermeiste macht nicht viel und lässt sich vor Ort korrigieren oder nach einem raschen Telefonanruf mit dem verschreibenden Arzt. Die nehmen das auch (meistens) nicht persönlich – sind halt auch nur Menschen.

 

Beratung bei jedem freiverkäuflichen Bonbon?

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Das Beispiel des Notfalls im letzten Blogpost war ein sogenanntes Hypo: eine Unterzuckerung, die ziemlich gefährlich werden kann – und das schnell.

Wer Medikamente gegen hohen Blutzucker nimmt (oder gar Insulin spritzt) muss sich vor Hypoglykämien in Acht nehmen. Die Patienten selbst wissen – v.a. wenn sie sich intensiv mit Ihrem Diabetes beschäftigt haben, wahrscheinlich mehr über die eigenen Warnsymptome als ich, dementsprechend will ich hier nur ein paar Anmerkungen anbringen.

Eine Hypoglykämie ist definiert als ein Blutzuckerspiegel unter 2,8mmol/l (50mg/dl). In der Regel ist das begleitet von neurologischen Symptomen wie Schwitzen, Herzklopfen, Hunger, Verwirrung, Sprach- und Sehstörungen, bis hin zu Krampfanfällen und Koma. Eine schwere Hypoglykämie kann aber auch ohne Vorwarnung auftreten. Wenn man Insulin spritzt, ist es wichtig, dass man relativ gleich danach etwas isst, speziell bei den schnellwirkenden Insulinen kann sonst der Blutzucker rasch abfallen.

Behandlung: so rasch wie möglich Kohlenhydrate geben, d.h. Zucker, z.B: Traubenzucker, Orangensaft … In dem Moment macht das auch nichts, wenn man einem Zuckerkranken Zucker gibt, denn ein niedrigerer Blutzucker ist viel schlimmer als ein momentan zu hoher.

Soviel zur Vorausinfo – da gab es nämlich einen Blogpost im Bestatterweblog von Peter Willhelm vor ein paar Jahren, in dem er über seinen schreibt … und darüber, wie ein Mann wegen nicht erfolgter Beratung bei freiverkäuflichen Bonbons wohl gestorben ist.

Zusammenfassend (man lese sonst gerne den Originalpost, Peter Willhelm schreibt echt gut, auch wenn ich da mal nicht seiner Meinung bin):

Ein (in der Apotheke bekannter) Diabetiker verlangt und kauft in der Apotheke immer auch Hustenbonbons. Er benutzt die allerdings nicht gegen den Husten, sondern wenn eine Unterzuckerung droht. Weil er aber die neue Sorte nimmt, die zuckerfrei sind, helfen sie ihm danach nicht, als er tatsächlich in ein Hypo kommt. Er stirbt.

Das ist tragisch. Schreibt der Bestatter:

Ich persönlich finde, daß die Apothekenverkäuferin einen großen Fehler begangen hat. Sie hätte genauer zuhören müssen und heraushören müssen, daß der Mann die Bonbons wegen ihres Zuckergehalts haben wollte. Stattdessen hat sie ihm zuckerfreie Bonbons verkauft.

Ja – nur WISSEN wir denn, dass die Angestellte in der Apotheke (die die Apothekerin, die PTA oder eventuell auch der Lehrling sein konnte) gewusst hat, dass er die dafür braucht? Hat er es wirklich so gesagt beim Einkauf? Denn … in meinen Augen nimmt man für eine Unterzuckerung sowieso besser Traubenzucker – der löst sich ja auch schneller auf als so ein Bonbon … das mehr wegen des Geschmackes und wegen der Halsberuhigenden Wirkung gekauft wird.

Dennoch: der Mann könnte noch leben. Wenn er die richtigen Zuckerbonbons bekommen hätte, wenn das Hypo im Supermarkt rechtzeitig erkannt worden wäre und behandelt. Wenn …

Für uns in der Apotheke vielleicht ein Denkanstoss, auch bei so einfachen Sachen genau hinzuhören. Und zu fragen: „Für Sie selber?“, „Für was brauchen Sie es?“ …

Der Apotheker – Dein Ersthelfer?!

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Vorgestern habe ich von einer etwas fehlgeleiteten Ersthilfe erzählt und meiner Freundin, die im Skilager ohnmächtig geworden ist. Ich denke ich erinnere mich deshalb so gut an den Vorfall, weil ich ihn als Anlass genommen habe mich danach als Nothelfer ausbilden zu lassen. Das war schon vor der Berufswahl brauchbar, zum Beispiel für die Rettungsschwimmerausbildung und natürlich die Autoprüfung und die freiwillige Feuerwehr. Das Wissen konnte ich schon häufig anbringen seitdem. Viele haben aber nie so ein Erlebnis gehabt … Aber an der Uni hatten wir diesen Professor, der uns vor dieses Szenario gestellt hat … dafür bin ich ihm wirklich dankbar:

Er hat die Klasse gefragt: „Also, was würdet ihr machen, wenn eine Patientin, die gerade ihr neues Dauerrezept für Lantus bringt auf einmal sagt, dass sie sich schwach fühlt?“

Erst hatte niemand in der Klasse den Mumm zu antworten – es könnte ja die falsche Antwort sein.

Da hat der Professor das Ganze vorgespielt, indem er die Patientin verkörperte. Er lief direkt zu einer Studentin in der ersten Reihe und sagte: „Schnell, ich werde gleich ohnmächtig! Tu etwas!“

Und als die schockstarre Studentin nicht reagierte, lief er zu einem anderen Studenten und wiederholte das.  Der Student sagte: „Ich rufe die Sanität!“

Das hörte sich nach einer guten Antwort an.

Professor: „Nein, ich bin Diabetiker, verflixt! Sie sollten das wissen, weil Sie gerade mein neues Rezept für Insulin bekommen haben.“

Andere Studentin: „Äh, ihr das Insulin verabreichen?“

Professor: „Oh nein, jetzt haben Sie mich in ein Koma versetzt!“

„… Haben Sie denn Traubenzucker in der Apotheke, wo sie das Praktikum machen?“

Alle nicken. Natürlich haben wir das.

„Okay – das Problem der Patientin ist, dass ihr Blutzucker zu niedrig ist. Sie wird demnächst bewusstlos. Aber solange sie das nicht ist, und sich dann wahrscheinlich an dem was sie ihr geben können verschluckt, gebt ihr das Traubenzucker um den Blutzucker wieder hoch zu bekommen.“

Na klar! Aber da es für viele von uns wohl das erste Mal war, dass wir mit der Geschwindigkeit, mit dem sich ein richtiger Notfall direkt vor unseren Augen entwickeln kann konfrontiert wurden … etwas, das man nicht aus Büchern lernen kann … haben wir versagt.

Der „Schock“ dieser Lektion hat uns das bewusst gemacht – wir konnten noch nicht richtig reagieren, auch aus Angst, das falsche zu tun.

Und Situationen wie diese kommen im richtigen Leben vor, und sind es auch: in meiner Apotheke, während der Arbeit.

Ich habe schon Herzinfarkte gesehen, Schrittmacher die nicht mehr richtig funktionierten, akute Asthmaanfälle, Epileptische Anfälle und auch eine Hypoglykämische Krise … eben die Unterzuckerung die oben beschrieben wurde.

Dann muss man reagieren können.

Ich würde wirklich vorschlagen, dass im Pharmaziestudium mehr „richtiges Reagieren im Notfall“ gelernt wird. Es ist ziemlich erschreckend, wenn in einem akuten Fall auf einmal alle auf einen schauen, weil man die Person mit dem besten medizinischen Verständnis im Raum ist. Aber es ist ein Unterschied, ob man die Theorie über die Vorgänge im Körper kennt oder weiss, wie man in so einer Situation richtig reagiert.

Die Sanität zu rufen WAR eine gute Antwort. Aber noch besser ist es, etwas zu tun, während man auf sie wartet.

Wasser ins Gesicht?

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Man ruft mich zu einem Notfall nebenan. Die Angestellte ist im Laden plötzlich umgefallen und nicht mehr ansprechbar. Ich packe meine Notfalltasche und ein paar Traubenzucker und eile hinüber. Sie liegt immer noch auf dem Boden als ich ankomme.

Ich knie mich zu ihr, wobei ich merke, dass meine Hose nass wird (?). Ich schau sie mir an.

Sie ist bewusstlos (nicht gut). Sie atmet (gut!).

Praktischerweise liegt sie schon fast in stabiler Seitenlage, so dass nicht mal viel an ihr herumziehen muss.

Keine sichtbaren Verletzungen, kein Blut, nur … eine Pfütze?

Pharmama: „Weshalb ist das so nass hier? Ist das von ihr?“

Sie hat nicht eingenässt, das ist zu weit oben: im Kopf- und Schulterbereich. Hat sie erbrochen? Die Flüssigkeit ist zwar klar, so weit ich sehen kann …

Sagt ihre Arbeitskollegin: „Nein. Das war ich – ich hab versucht sie wieder wachzubekommen. Mit Wasser.“

Ja – wie im Trickfilm. So wie’s aussieht hat sie der bewusstlosen Kollegin mindestens den Inhalt eines Glases Wasser angeworfen oder über den Kopf geleert.

Wach ist sie davon nicht geworden, auch meine Ansprech- und Schmerzreiz-versuche bewirken nichts, weshalb ich die Ambulanz rufen lasse.

Während ich bei ihr bleibe, bis die kommen, verlange ich ein paar Tücher um ihr wenigstens das Wasser aus den Ohren und der Nase zu entfernen.

Echt jetzt: Das macht man nicht. Das ist etwa so wirkungsvoll wie das pumpen mit den Armen, wenn man jemanden aus dem Wasser gezogen hat.

Sie wird wieder wach, als die Sanitäter eintreffen, die sie trotzdem zur Abklärung mitnehmen.

Einen Tag später ist sie wieder da – und ich gehe nachfragen: Was war es? An dem Tag hatte sie starke Menstruationsschmerzen … und ist wegen dem tatsächlich umgekippt. „Notaus“ von ihrem Körper. Dafür war sie aber ziemlich lange weg. Zumindest gefühlt dauert das ja ewig, auch wenn es nur ein paar Minuten sind …

Ich erinnere mich daran, wie meine Freundin in einem Skilager einmal etwas ähnliches gemacht hat. Wir haben Ping-Pong gespielt, die Tischplatte war nicht fest und ist abgerutscht und ihr, als sie versucht hat sie festzuhalten auf den Finger gefallen. Sie hat es noch bis zum Lavabo geschafft, wo sie die Hand unter das kalte Wasser gehalten hat. Dort ist sie umgekippt mit den Worten: „Ich glaube mir wird schwarz vor den  …“

Damals habe ich auch nicht wirklich ideal reagiert – sie ist mir praktisch in die Hände gefallen und ich habe versucht, sie festzuhalten – statt sie hinzulegen – während ich um Hilfe gerufen habe.

Heute weiss ich es besser – und ihre Kollegin wohl auch – und vielleicht nimmt sie das als Anlass um zu lernen, wie man in (einfachen) Notfällen richtig reagiert. Ist auch nicht so schwierig.

Eigentlich wollte ich hier ein Bild einfügen von so einer „Wasser ins Gesicht-Wiederbelebung“ aus einem Cartoon, aber … ich habe nichts gefunden! Ich kann mich an einige so Szenen erinnern, aber offensichtlich sind die nicht im Netz?

Ein praktisches Weihnachtsgeschenk für die Schweizer Apotheker

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Für die Schweizer Apotheker habe ich heute ein Geschenk. Wir kontrollieren ja bei jedem Rezept mit Antibiotikum-Sirup für ein Kind jeweils, ob die Dosierung stimmt.

Das macht man indem man das Körpergewicht des Kindes und die Dosierungsempfehlung des Kompendiums in Milliliter Suspension umrechnet. Ich  selber brauchte (gefühlt) immer (zu) lange dafür. Ich bin sicher, ihr habt Euch auch schon gefragt, ob es da nicht eine bessere Möglichkeit gibt.

ABRechner

Die gibt es nun. Mit Hilfe eines Österreichischen Apotheker-Kollegen (Danke Viktor Hafner!) haben wir eine Seite erstellt für alle Antibiotika-Suspensionen die in der Schweiz im Handel sind.

Mit dem kann man (gratis und schnell)

  • einfach anhand des Körpergewichtes des Kindes die empfohlene Dosierung in ml ermitteln (Untere und obere Grenze und Mitteldosis)
  • sehen, wie viele ml Wasser man zur Zubereitung der Suspension braucht,
  • sehen, wie lange die Suspension nach Zubereitung haltbar ist,
  • sehen, ob die Suspension mit / vor / unabhängig vom Essen genommen wird.

 

Die Dosierungsempfehlungen sind dem Kompendium entnommen. Mir ist bewusst, dass es Spitäler gibt, die teils höhere Dosen aufschreiben. Sobald die Seite mit den Pädiatrischen Dosierungsempfehlungen online ist, wird das sicher auch noch Anpassungen geben. Die Seite für den Computer und auch für mobile Geräte geeignet.

Teilen ist erwünscht (Schenkt das weiter an Eure Kollegen!).

Ich hoffe, Ihr könnt den Antibiotikarechner gut brauchen – und bitte meldet es mir, wenn Euch etwas auffällt!

Schöne Weihnachten, geruhsamen Notdienst und gebt Sorg‘ zu Euren grossen und kleinen Patienten und auf Euch!

Wirtschaftliche Behandlung von Frauen mit Potenzmittel-Wirkstoffen

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Ookay – der Titel ist ein bisschen Clickbait-mässig, aber nicht falsch. Wir haben eine Patientin mit pulmonaler arterieller Hypertonie – eine ziemlich spezielle Art von Bluthochdruck. Sie bringt uns ein Rezept auf dem Cialis steht – als Dauerrezept und einmal täglich einzunehmen.

Das verwundert mich nicht mehr ganz so sehr – ich erinnere mich noch gut an mein erstes Dauerrezept über Viagra für eine Frau, das ich ziemlich am Anfang meiner Apothekerzeit bekommen hatte. Die Wirkstoffe (üblicherweise als Potenzmittel gebraucht) können als Blutdrucksenker genommen werden – ursprünglich waren sie ja auch dafür entwickelt worden. Damals beim Viagra gab es noch keine Alternativen – dennoch war das dort schon Mühsam genug, dass die Krankenkasse das ihr bezahlt hat. Inzwischen wurden allerdings Medikamente entwickelt – mit gleichen Inhaltsstoffen und spezifisch für diese Anwendung und neu gibt es auch neue Wirkstoffe dafür. Tatsächlich nimmt die Patientin eines dieser Medikamente: Opsumit. 30 Tabletten davon kosten CHF 3630 .- – das sind 121 Franken pro Tablette. Sie hat dafür eine Kostengutsprache mit der Krankenkasse, damit das übernommen wird.

Jetzt aber Cialis. Ein Versuch die Kosten zu dämpfen? Damit käme sie pro Monat auf etwa CHF 1000. Aber … da gibt es noch ein paar andere Probleme. Da die Ärztin nicht telefonisch erreichbar ist, schreibe ich ihr ein mail:

Gemäss Telefon mit der Krankenkasse von Frau H, gilt die Kostengutsprache nur für die Behandlung mit Opsumit (Wirkstoff Macitentanum) – für die Behandlung mit Cialis 10mg (respektive Taldalafil) benötigt es eine neue Kostengutsprache, für die Sie sich mit der Krankenkasse in Verbindung setzen müssen.

Ich würde ausserdem vorschlagen, nicht Cialis aufzuschreiben, sondern Adcirca. Das Mittel enthält ebenfalls Taldalafil (in 20mg), steht auf der Spezialitätenliste (wird mit Kostengutsprache von der Krankenkasse übernommen), sollte teilbar sein und ist mit CHF 911.30.-  für 56 Tabletten einiges günstiger als die Cialis 10mg, die es nur zu Packungen mit je 4 Tabletten gibt und CHF 135.- kostet.

Könnten Sie uns noch mitteilen, für was Sie sich entschieden haben? Respektive – wenn es Adcirca ist ein neues Rezept zufaxen?

Es vergehen einige Tage, bis ich wieder davon höre. Das Ergebnis war dann, dass die Patientin (wahrscheinlich wegen zu hohem Aufwand für das Ganze) beim Opsumit bleibt.

Nachtrag: Weder Viagra noch Cialis hat auf Frauen Potenz- noch Libido-steigernde Wirkung. Leider. In den USA ist eine Pille für diese Indikation zugelassen … allerdings handelt es sich dabei eher um etwas wie ein Antidepressivum, das auch andauernd genommen werden muss (und ziemliche Nebenwirkungen haben kann).