Ein praktisches Weihnachtsgeschenk für die Schweizer Apotheker

Für die Schweizer Apotheker habe ich heute ein Geschenk. Wir kontrollieren ja bei jedem Rezept mit Antibiotikum-Sirup für ein Kind jeweils, ob die Dosierung stimmt.

Das macht man indem man das Körpergewicht des Kindes und die Dosierungsempfehlung des Kompendiums in Milliliter Suspension umrechnet. Ich  selber brauchte (gefühlt) immer (zu) lange dafür. Ich bin sicher, ihr habt Euch auch schon gefragt, ob es da nicht eine bessere Möglichkeit gibt.

ABRechner

Die gibt es nun. Mit Hilfe eines Österreichischen Apotheker-Kollegen (Danke Viktor Hafner!) haben wir eine Seite erstellt für alle Antibiotika-Suspensionen die in der Schweiz im Handel sind.

Mit dem kann man (gratis und schnell)

  • einfach anhand des Körpergewichtes des Kindes die empfohlene Dosierung in ml ermitteln (Untere und obere Grenze und Mitteldosis)
  • sehen, wie viele ml Wasser man zur Zubereitung der Suspension braucht,
  • sehen, wie lange die Suspension nach Zubereitung haltbar ist,
  • sehen, ob die Suspension mit / vor / unabhängig vom Essen genommen wird.

 

Die Dosierungsempfehlungen sind dem Kompendium entnommen. Mir ist bewusst, dass es Spitäler gibt, die teils höhere Dosen aufschreiben. Sobald die Seite mit den Pädiatrischen Dosierungsempfehlungen online ist, wird das sicher auch noch Anpassungen geben. Die Seite für den Computer und auch für mobile Geräte geeignet.

Teilen ist erwünscht (Schenkt das weiter an Eure Kollegen!).

Ich hoffe, Ihr könnt den Antibiotikarechner gut brauchen – und bitte meldet es mir, wenn Euch etwas auffällt!

Schöne Weihnachten, geruhsamen Notdienst und gebt Sorg‘ zu Euren grossen und kleinen Patienten und auf Euch!

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Weshalb das Zäpfchen nicht wirkt …

Der Kunde beklagt sich, dass er schon X Paspertin Zäpfchen genommen hat und es ihm immer noch übel ist.

Ja, er schluckt sie nicht, er führt sie ein. (Nicht lachen: Das gibt es immer wieder, dass die Leute nicht wissen, wie man Zäpfchen anwendet. Das ist auch der Grund, weshalb auf der Dosierungsetikette steht „einführen“ und „NICHT EINNEHMEN“)

Es könnte natürlich sein, dass das Medikament bei ihm nicht wirkt. Non-responder sind nicht wirklich auszuschliessen. Aber es könnte auch sein … Man führt ihn nochmals durch den Prozess der Anwendung.

Was war der Fehler? Er hat die Folie um das Zäpfchen nicht entfernt. Dann kommt der Wirkstoff natürlich auch nicht raus.

Offenbar muss ich jetzt auch noch auf die Etikette schreiben: „Vor Anwendung Folie entfernen“?

Die totale Verschwendung

Ein Stammkunde (ein junger Mann, ein lieber, wenn auch eher einfach gestrickter Stammkunde) kommt fragen, ob er vielleicht noch eine Packung Nasenspray haben kann, da seiner nicht mehr geht. Es ist ein Nasenspray gegen Allergien, und verschrieben als Dauerrezept für einen Monat, also ist das möglich. Trotzdem …

Pharmama: „Was geht denn nicht mehr?“

Mann: „Ich weiss nicht, ich drücke, aber es kommt nichts. Ich hatte schon einmal so eine Packung, dann habe ich versucht oben ein Loch hineinzumachen, aber die andere Apothekerin hat mir gesagt, das sei keine gute Idee.“

Das ist wirklich keine gute Idee, danach funktionert er sicher nicht mehr richtig. Es ist allerdings etwas, das gelegentlich vorkommt. Die meisten machen das nach einer Erklärung von uns nicht mehr. Er gibt mir seine Packung und ich gehe rasch nach hinten, das ansehen. Manchmal verstopft so eine Düse, wenn es austrocknet, weil man den Deckel nicht mehr aufgesetzt hat, das bekommt man oft mit etwas warmem Wasser wieder hin.

In dem Fall aber nicht. Wie ich drücke, merke ich, dass einfach nichts mehr kommt und schaue mal genauer unten … Ja – der Spray ist leer.
Ich hole also eine neue Packung und beim eingeben sehe ich, dass er das letzte Mal vor einer Woche den Spray geholt hat. Das ist … seltsam.

Zurück beim Patient zeige ich ihm, dass der Nasenspray wohl noch funktionieren würde, aber leer ist. Ich frage ihn, wie er ihn denn anwendet, denn eigentlich sollte der noch mindestens dreiviertel voll sein.

Mann: „Ja, ich nehme ihn so, wie es mir die andere Apothekerin gezeigt hat und pro Tag 2 mal“

  • das sind 4 Hübe pro Tag, in einer Packung hat es 120 Hübe drin …

Mann: „Aber es ist schon eine Verschwendung.“

Pharmama: „Was denn?“

Mann: „Na, wenn ich jedesmal vorher in die Luft sprühen muss …“

und auf meinen etwas erstaunten Blick: „Na, das steht auch auf dem Infoblatt, dass sie mir gegeben hat.“

Ich gehe es holen. Da steht drauf (und meine Apothekerin hat es ihm so erklärt), dass man beim ersten Gebrauch etwa 6 mal in die Luft sprühen muss … halt bis etwas kommt.
Er hat das jetzt jedes Mal gemacht vor dem Anwenden.
Kein Wunder war die Packung so schnell leer. 16 Sprühstösse pro Tag – ja, das reicht dann etwa eine Woche …

Er hat seinen neuen Nasenspray mit den nötigen Erklärungen bekommen – der hat dann für den Rest der Behandlung gereicht.

Akustische Probleme

Herziges altes Fraueli kommt, um ihre Nitroglycerin-Kapseln zu holen für die das Rezept gefaxt wurde. An der Theke fragt sie mit einer Lautstärke, die auf ihre Schwerhörigkeit deutet: „Sind sie die Apothekerin? Für was ist das?“

Und in ihrer Lautstärke antwortet man: „Das ist für die Brustschmerzen!“

Sie lehnt sich vor: „Für was? Entschuldigen Sie, aber ich höre sehr schlecht.“

Die Apothekerin lehnt sich auch vor: „Es ist für ihre Angina!“

Das Fraueli lächelt verstehend und antwortet: „Ah, Danke. Führe ich das vor oder nach dem Oestrogen-Gel ein?“

HaltMomentStoppDasistnichtzum ….!

:-)

Euch allen einen schönen ersten Mai!

Tageslichtstunden?

Patient: „Da steht drauf alle 12 Stunden 1 Tablette.“

Pharmama: „Das ist richtig, Also 2 pro Tag.“

Patient: „Ein Tag hat aber nur 12 Stunden!“

Pharmama: „Äh, nein. Wir zählen nicht nur die mit Licht.“

(Und jetzt im Winter wäre das noch weniger?)

Die falsche Anwendung (21)

Die Patientin kommt in die Apotheke um ein neues Medikament abzuholen gegen ihre Migräne: Novalgin Tabletten. Nicht gerade das übliche Medikament dafür und sie hatte von diesen schon Tropfen. Was dann natürlich eine kleine Diskussion gab, weshalb das und weshalb nicht mehr Tropfen.

Dabei erzählt sie uns von dem Problem, das sie letztens mit den Tropfen hatte. Bei einem Migräne Anfall hat sie die Novalgin Tropfen nehmen wollen, die sie zu Hause hatte … und in ihrem Kopfschmerz-Dussel hat sie die Tropfen verwechselt mit den Tramadol-Tropfen, die sie von einem Unfall vom letzten Jahr, als sie sich den Arm gebrochen hat noch zu Hause hatte (!).  Dummerweise hat sie dann die Tramadol Tropfen in derselben Dosierung genommen, wie sie die Novalgin Tropfen nehmen sollte … (zuviel für das andere Medikament) und daraufhin hatte sie einen totalen Flash –aber gegen die Kopfschmerzen hat es trotzdem nicht geholfen.

… Und dann hat sie sich nicht mehr getraut, nachdem sie ihre Verwechslung bemerkt hat danach noch die Novalgin Tropfen zu nehmen. Sie ist dann an dem Tag dann gezwungenermassen zu Hause geblieben … Autsch.

Nun also Tabletten – man hätte natürlich auch einfach die Tramadol Tropfen entsorgen können, dann kommt es auch so nicht mehr zu einer solchen Verwechslung.

mehr Beispiele falscher Anwendung:

Die falsche Anwendung 1Die falsche Anwendung 2Die falsche Anwendung 3,

Die falsche Anwendung 4Die falsche Anwendung 5Die falsche Anwendung 6,

Die falsche Anwendung 7,  Die falsche Anwendung 8,  Die falsche Anwendung 9,

Die falsche Anwendung 10Die falsche Anwendung 11Die falsche Anwendung 12,

Die falsche Anwendung 13Die falsche Anwendung 14Die falsche Anwendung 15,

Die falsche Anwendung 16Die falsche Anwendung 17Die falsche Anwendung 18