Apotheken aus aller Welt, 731: Arosa, Schweiz

Nach laaaanger Pause geht es jetzt weiter mit der Reihe Apotheken aus aller Welt. Ich habe mit einer aus unseren letzten Ferien aufgehört und fange jetzt auch mit einer aus unseren Ferien an: Arosa hat (ziemlich abgelegen, wie es ist) auch eine Apotheke:

Arosa

Es werden weitere folgen (versprochen!) – von Euch und auch von meinen Eltern … die haben nämlich gedroht, mir sonst keine mehr aus den Ferien mitzubringen …

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Blognews

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DankePharmama

Still und leise hat der Blog gestern seinen 9 Millionsten Besucher gehabt. Zeit mal wieder jedem, der hier vorbeischaut zu danken –  ganz speziell denen, die das nicht nur gelegentlich tun, sondern, die den Blog auf die eine oder andere Art abonniert haben.

Ich habe ja ein sehr … breites Publikum. Ich finde es immer wieder interessant zu sehen, wer hier denn alles mitliest. Hallo liebe Mit-Apotheker, Studenten aller Arten, Mediziner!

Huhu! auch an die Apotheker-Abrechnungsstelle, Krankenkassenmitarbeitende, Pharmafirmenmitarbeiter (vom Arbeitsplatz der mailadresse nach?), Grossisten, K-Tipp, der Apothekerverein und … oh .. Kantonsapothekerin?

Ein liebes Grüetzi auch an alle anderen, vor allem die Kommentatoren – Dank Euch lebt dieser Blog.

Und wenn wir grad bei den Kommentaren sind: Meine Mama war ganz unglücklich, weil sie die nicht mehr lesen konnte. Dabei muss man dafür einfach nur auf den Titel des Blogposts klicken, dann stehen sie (wieder) normal drunter.

Dosierung unklar.

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rpdosierungppi

Auf einem aktuelleren Rezept. Ich bin … verwirrt. Wie muss der Patient das Pantoprazol dosieren?

Da steht:

Pantoprazol 40mg 60 Stück

DS: Wöchentlich, für 61 Tag(e)

1-0-0-1

2 Monate

Irgendwelche Ideen?

Einmal pro Woche am morgen und am abend je 1 Tablette – und dann nach genau 61 Tagen aufhören?

Tierbesuch in der Apotheke

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Kommt ein Koala in eine Australische Apotheke …

Der wurde wohl vom Vaporub-Geruch angezogen …

Was gibt es typischeres für Australien als ein Koala? Ah, ja, Känguruhs hatten wir auch schon,

und Enten in einer amerikanischen Apotheke (echte).

Die nahmen es noch gemütlich, das Reh (?) hier hatte es eilig aus der Rite Aid Pharmacy herauszukommen:

Eigentlich schade kann ich das Überwachungsvideo von uns, wie Donna eine verirrte Taube wieder aus der Apotheke scheucht nicht bringen …

Ein Arrestbefehl … werde ich jetzt verhaftet?

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Ein Schreck am Morgen! Da ruft mein Mann mich in die Apotheke an, weil ihn der Pöstler (den wir aus der Feuerwehr kennen) auf der Strasse angehalten hat: Er habe einen eingeschriebenen Brief für mich, ob er (mein Kuschelbär) den entgegennehmen würde. Er hat und ich hab ihm dann gesagt, er soll ihn doch bitte rasch öffnen, da ich keine Ahnung habe, was das sein könnte … erwarten tu ich nichts.

Er ist von der Steuerverwaltung vom Kanton.

Rascheln am anderen Ende der Leitung als mein Mann den Brief öffnet, dann: „Oh.“

„Was?, Was?!“

„Da steht Arrestbefehl!“

Was? Werde ich jetzt verhaftet? – ich habe keine Ahnung, was das ist. Ein Arrestbefehl? Beim Weiterlesen zeigt sich dann, dass ich nicht festgenommen werde. Das ist ein Bescheid des Steueramtes, dass sie sozusagen den Finger auf die Werte von jemandem legen um Schulden einzutreiben. Nicht mal meine Schulden, möchte ich hier ganz schnell nachschieben: ich bin ein braver Steuerzahler und nur immer etwas verspätet mit dem einreichen der Unterlagen. Nein, es geht um die Steuern auf ein Stück Land, das zu einem Teil mir gehört und zum anderen meinem Bruder und unseren 2 Cousins. Das Landstückchen haben wir vor langen Jahren von den Grosseltern geschenkt bekommen, die uns etwas hinterlassen wollten. Es ist kein Bauland, ist aber vermietet an … sagen wir eine Gärtnerei, die darauf etwas anbaut. Die Miete die sie dafür zahlen ist recht gering: um das in ein Verhältnis zu setzen: sie zahlen im Jahr etwa 2/3 von dem, was wir in der Apotheke pro Monat bezahlen. Das geteilt durch 4 … ist wenig, aber nicht nichts.

Jedenfalls scheint einer meiner Cousins das bei den Steuern nicht angegeben zu haben … und jetzt will der Kanton, dem das aufgefallen ist dafür das ausstehende Geld. Da besagter Cousin aber nicht mehr in der Schweiz weilt und nur schwer zu „fassen“ ist, versuchen sie halt so an das Geld zu kommen. Der nächste Mietanteil und vielleicht noch etwas länger dürfte wohl an die gehen. Interessanterweise steht ja nicht auf dem Arrestbefehl, wieviel er dem Kanton jetzt schuldet.

Nach einem E-mail-Austausch mit meinem Bruder, ob und was wir jetzt tun sollen, beschliessen wir erst Mal genauer beim Kanton nachzufragen.

Das war eine gute Idee. Was in dem Brief nämlich nicht drin stand ist, dass sie – bei ausbleibender Zahlung bis am (Datum in 3 Wochen!) den Anteil des Landes meines Cousins öffentlich versteigern!

Das sollte man verhindern: bei einer öffentlichen Versteigerung könnte auch die Gärtnerei selber mitbieten – und wenn sie gewinnen später massiv Einfluss nehmen … auf den eh schon geringen Mietzins und noch später (falls das Land mal umgezont wird und wir es vielleicht verkaufen wollen) einen Verkauf komplett verhindern.

Deshalb haben jetzt wir die Steuerschulden bezahlt (zum Glück nicht exorbitant hoch) und ziehen das vom Miet-Anteil unseres säumigen Cousins in den nächsten Jahren ab.

Aber … das war ein Schreck. Und ein gutes Beispiel dafür, dass es keine gute Idee ist, so etwas einfach sich selber zu überlassen und nicht zu reagieren.

Die Augentropfen-Saga, oder: warum es gut ist, eine Apothekerin zu haben?

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Wir haben da eine Patientin, ältere Frau, multimorbid: wie man so unschön sagt, das heisst, sie hat mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig, in dem Fall: Asthma und Allergien, Schmerzen, Bluthochdruck, Schilddrüsenprobleme … interessanterweise ist zumindest das Cholesterin und der Blutzucker in Ordnung, trotz ziemlichem Übergewicht.

Frau Duld (Name etc. wie immer geändert) hat ausserdem mich als ihre Apothekerin auserkoren und besteht darauf, dass ich die einzige sei, die sich mit ihren Medikamenten und gesundheitlichen Problemen auskennt. Dafür hält sich mich auch des öfteren mit langen Telefonanrufen auf dem laufenden. Sie meinte auch schon, dass ich hier nie weggehen darf … ansonsten wüsste sie wirklich nicht mehr, was sie machen soll.

Sie hat also eine Apothekerin … und mehrere Ärzte, die sie ausserdem gelegentlich wechselt. Weshalb sie wechselt hat verschiedene Gründe. Häufig ist es so, dass sie sich nach einiger Zeit von einem anfangs vielversprechenden Arzt enttäuscht zeigt. Sie ist ganz sicher nicht die einfachste Patientin, nicht nur wegen ihrer Vielzahl an medizinischen Problemen. Ihre Liste an Allergien oder Sachen, die sie aus verschiedenen Gründen nicht verträgt ist inzwischen eine A4 Seite lang. Ich drucke sie normalerweise aus und gebe sie ihr mit, wenn sie einen neuen Arzt hat. Neue Medikamente zu finden, die sie nehmen kann, kann wirklich eine Herausforderung sein. Aber … ich glaube ihr. Ich höre zu, wenn sie erzählt. Manchmal kann ich auch nichts anderes tun, manchmal allerdings …

Frau Duld hat einen Augenarzt zu dem sie schon länger geht. Vor ein paar Jahren hat er ihr Augentropfen gegen Glaukom aufgeschrieben: Xalatan (Latanoprost). Die hat sie, penibel genau wie sie ist, regelmässig angewendet, auch wenn sie zunehmend Probleme bekommen hat. Beim Augenarztbesuch hat der sich das angeschaut und ihr beschieden, dass sie unglaublich trockene Augen hat, wahrscheinlich wegen den Glaukomtropfen und dass sie zusätzlich befeuchtende Augentropfen nehmen soll. Weil das damit nicht gebessert hat, hat er vermutet, dass sie auf die Glaukomtropfen reagiert (allergisch?) und sie deshalb abgesetzt (ja: nicht ersetzt). Bis zum letzten Besuch (nun 1 Jahr später), wo er fand, sie muss unbedingt etwas gegen den hohen Augendruck unternehmen und dass er ihr etwas dagegen aufschreibt. Frau Duld hat ihn daran erinnert, dass sie auf die letzten Tropfen reagiert hat, was er aber damit abtat, dass da wohl das Konservierungsmittel Schuld war und er ihr deshalb jetzt Einzeldosen ohne das drin verschreibt. Saflutan: Tafluprost als Wirkstoff.

Sie hat das bei uns bezogen und am Abend den ersten Tropfen in jedes Auge gemacht und darauf etwas erlitten, was ich als schwere generalisierte (allergische?) Reaktion ansehe: plötzlich auftretende Übelkeit, Herzklopfen und Brustschmerzen mit Atembeschwerden, Schweissausbruch und Angstzustände … sie wollte aber partout nicht ins Spital (Auch wegen schlechter Erfahrungen), weshalb sie den Rest der Nacht in Angst und aufrecht sitzend am Küchentisch verbracht hat.

Am Morgen rief sie mich dann gleich in die Apotheke an. Inzwischen ging es ihr etwas besser – wiederholen wollte sie die Anwendung begreiflicherweise aber nicht. Ich hatte etwas ein schlechtes Gewissen: war die Reaktion bevorsehbar hervorsehbar gewesen? Hätte ich das wissen können? Eine Kreuzreaktion Latanoprost – Tafluprost? Immerhin hätte sie kaum so stark reagiert bei einem Erstkontakt mit einem Allergen.

Eine Woche später ging sie noch einmal zum Augenarzt. Der wollte das kaum glauben, dass das von den Augentropfen kommt, hat ihr aber ein neues Rezept ausgestellt für andere Tropfen. Auf dem Rezept: Latanoprost Mepha Augentropfen, im Fläschchen. Vielleicht dachte er, weil sie das das letzte Mal „vertragen“ hat?

Ich bin … nicht ganz so optimistisch. Und Frau Duld, als ich ihr erkläre, was das ist auch nicht. Sie nimmt zwar das Fläschchen mit, aber am Ende traut sie sich nicht, das auszuprobieren. Auch nicht mit einem einzigen Tropfen in Anwesenheit einer anderen Person. Ich rate ihr, doch noch einmal mit dem Augenarzt Kontakt aufzunehmen. Sie will aber nicht – vielleicht ihn nicht enttäuschen? Vielleicht glaubt er ihr auch einfach nicht?

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an ihren Hausarzt, ob der nicht für sie beim Augenarzt anfragen kann wegen anderen Tropfen? Oder vielleicht grad selbst etwas aufschreiben? Der ist anfangs ziemlich abgeneigt, da er von Augen nicht so viel Ahnung hat – aber er schickt uns dann doch ein Rezept in die Apotheke.

Für Arteoptic Augentropfen. Das ist ein Betablocker. Frau Duld hat Asthma (sollte der Hausarzt eigentlich wissen) … und Betablocker (auch in Augentropfen) sind bei Asthma Kontrainduziert. Gut … er hat ja gesagt, dass er sich nicht so auskennt.

Ich komme nicht dazu das richtig anzusehen noch zurückzurufen, da kommt schon das nächste Fax für Frau Duld.

Sie hat nämlich in der Zwischenzeit doch noch beim Augenarzt angerufen und auch der schickt einen Fax mit Rezept.

Für Monoprost Augentropfen in Einzeldosen.

Und das ist der Moment, wo ich mir in der Apotheke wirklich an den Kopf fasse.

Wieso???? Das ist schon wieder das Latanoprost, nur halt diesmal in Monodosen Form. Will er denn so unbedingt, dass sie genau das nimmt? Oder hat er nicht zugehört und ist bei seiner Theorie mit dem Konservierungsmittel zurück?

Ich meine … es ist ja nicht so, als ob die ganzen –Prost (Prostaglandin-Analoga) und Betablocker die einzigen Mittel gegen Glaukom sind.

Am Ende frage ich dann selber beim Augenarzt an, ob irgendetwas dagegen spräche, das mit einer Alternative wie zum Beispiel Azopt zu versuchen? Und bekomme ein Rezept dafür geschickt.

Das vermerkt man im PC übrigens mit „Therapievorschlag für Arzt erarbeitet“ …

Nachtrag: Damit scheint es jetzt zu funktionieren.

Frau Duld beim letzten Telefongespräch: „Wir zwei könnten wirklich ein Buch schreiben …“

Wirklich.

Verwirrende Pille danach Beratung

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Die Kundin mit Kinderwagen braucht „die Pille danach“.

Dass das interessanter wird, kann man sich denken, aber nichts bereitet einen auf das vor, was dann folgte. Gut, die Frau war … etwas sehr simpel. Verständnisprobleme nicht wegen einer Sprachbarriere.

Wir müssen ja diverse Sachen abklären vor der Abgabe.

Apothekerin (Ap): „Wann war der ungeschützte Geschlechtsverkehr?“

Frau: „Freitag Abend … denke ich.“ (3 Tage her)

Ap: „Stillen Sie noch?“

Frau: „Nein. Ich habe die Stillpille, keine Ahnung, wie die hiess.“

Ap: „Sie nehmen die Pille? Die Cerazette oder derartiges?“ – das ist eine Pille, die man gerne zur Verhütung in der Stillzeit verschreibt. „Wenn ja, brauchen Sie keine Pille danach …“

Frau: „Aber ich komme direkt vom Frauenarzt. Der hat noch nichts gesehen – also ich bin nicht schwanger. Und er hat gesagt, ich soll sie nehmen.“

Jetzt bin ich vollständig verwirrt. Wie kann man 3 Tage nach dem Geschlechtsverkehr etwas oder nichts sehen? … Und auch, weshalb er die Pille danach nicht grad selber verschrieben hat? Ich meine … wenn sie schon dort ist?

Also rufe ich dem Frauenarzt an, das abzuklären und erfahre folgendes von der sehr amüsierten Praxisgehilfin: Zuerst einmal wisse die Frau nicht so genau, wann das Kondom geplatzt ist. Die „Stillpille“ entpuppte sich als „Abstillpille“ vor gut 8 Wochen … und ausserdem wäre es besser, nichts zu glauben, was die Frau erzählt. Anscheinend hat der Arzt bei ihr aber einen Schwangerschaftstest gemacht – schwanger sei sie noch nicht.

Nach Absprache mit der Praxis hat die Frau dann Ellaone bekommen, wobei sie meinten, das wäre eh egal, was ich ihr gebe.

So macht Beratung keinen Spass. Der Fragebogen erhält mehr Fragezeichen als Antworten – den Arztkontakt habe ich sehr genau festgehalten.

Das war … seltsam.

(Begegnung übernommen von einem Beschrieb auf Facebook … ja, so gibt es das auch).

Mehr Beratungen zur Pille danach:

Krankenkassen-Interaktionen (Sampler)

Sampler

Als Apotheke hat man ziemlich viel mit den Krankenkassen zu tun. Inzwischen rechnen wir nicht mehr direkt mit ihnen ab, sondern wir haben Rechnungsstellen, die die Aufteilung und Zusendung der vielen Scheine und Rezepte für uns übernehmen; die zum Teil Rechnungen direkt an die Patienten stellen (für was die Kasse nicht übernimmt) und auch die Patienten mahnen, die diese dann nicht zahlen. Das ist eine grosse Entlastung.

In der Schweiz muss jeder eine Grundversicherung bei der Krankenkasse haben. Das ist obligatorisch. Wer mehr lesen will über die Krankenkassen in der Schweiz kann das hier. Bei welcher Kasse und ob dazu noch eine Zusatzversicherung existiert und ob das eine Kasse ist, bei der die Patienten die Medikamente in der Apotheke selber zahlen müssen – das sagt uns die Krankenkassenkarte. Moderner Technik sei Dank kann mit Hilfe von dieser Karte (und des Internets) die Deckung am Tag des Medikamentenbezugs abgerufen werden. Trotzdem tauchen gelegentlich Fragen auf, die sich nur im direkten Kontakt klären lassen – die Apotheke fungiert hier meist als „Advokat“ des Patienten.

Zum Beispiel, wenn es um die Übernahme von Spezialnahrung geht: Unterstützung gegen die Krankenkasse.

Und auch bei: die zahlen das einfach nicht!

Man darf einfach nicht erwarten, dass das schnell ginge … Krankenkassenprobleme

und Spass macht uns das auch nicht: In der Warteschleife

Das sollte man als Patient in der Schweiz wissen:

Krankenkassen-Wahrheiten aus der Apotheke

Limitationen – wenn die Krankenkasse Einschränkungen macht

Rundumschutz – gilt nicht für Familienmitglieder … auch nicht haarige.

Kleinere Krankenkassenprobleme

Wenn die Kasse der Apotheke keine Auskunft geben will: Das kann ich ihnen nicht sagen

Retax auf Schweizerisch? Nicht mit mir. Manches kann ich nicht wissen.

Es ist nicht meine Versicherung, es ist ihre!

Metallos: wenn der Patient selber seine Rechnungen einschickt, dann merkt er auch, wie die Krankenkasse damit umgeht.

Zwischen allen Stühlen: wie es passieren kann, dass man gar nicht versichert ist.

Versichert oder nicht? Bei dem Fall glaube ich an Betrug des Arbeitgebers

Finanziell erzwungene Einsicht: wenn die Krankenkasse das Abrechnungssystem wechselt.

Geschmunzelt

Pay it forward

Rettung in der Not – auch bei selbstzahlenden Patienten.

Namensgebung

und noch bei vielen Gelegenheiten mehr.

Wie die Zeit vergeht …

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ticktack

Medikamente kann man nicht retournieren in die Apotheke, wenn sie einmal draussen gewesen sind ist auch unsicher, wie sie in der Zwischenzeit aufbewahrt wurden, die kann ich dann häufig nicht mehr weiter brauchen sondern nur noch entsorgen. Bei Kosmetikprodukten sieht es etwas anders aus. Die grossen Firmen mit den wohltönenden Frauennamen nehmen noch Retouren – verlangen aber bei Kundenretouren zum Beispiel wegen Allergie oder derartigem inzwischen ein ganzes A4 Formular mit allen möglichen Angaben zu Kunde und Produkt und Problem, ansonsten bekommt man als Drogerie/Parfümerie/Apotheke auch dafür gar nichts mehr.

Wir sind trotzdem sehr grosszügig, was so Kosmetik- und Körperpflege-Produkte angeht, aber … das hier war dann doch ein bisschen zuviel:

Im späten Abendverkauf kommt einer unserer Stammkunden herein; Herr Tid. Inzwischen bin ich mit Donna alleine, aber da er sowieso meist ein medizinisches Problem hat, respektive mit Rezepten vorbeikommt, nehme ich ihn.

Mit dabei hat er einen grossen Papiersack, den er neben sich auf die Theke stellt und mir folgendes erzählt:

Herr Tid: „Letzten oder vielleicht auch vorletzten Sommer habe ich dies hier gekauft …“

er zieht eine Packung Veet Easyspray aus der Tüte.

„Und die sprühen nicht richtig, sie sind defekt … kann man da irgendetwas machen? Die sind noch ungebraucht, die meisten.“

Pharmama: „Hmm … Mal sehen …“

Letzten oder vorletzten Sommer ist doch etwas her – aber wenn sie defekt sind … vielleicht kann ich schauen an was es liegt (gelegentlich ist die Düse nur verstopft und lässt sich mit warmem Wasser wieder zum sprühen bewegen, oder sonst muss ich bei der Firma anfragen, vielleicht sind die auch nach der Zeit kulant und tauschen das aus, da defekt …

Ich schaue den Spray an und was mir zuerst auffällt ist, dass der deutlich gebraucht wurde: Produktspuren um die Düse.

Pharmama: „Okay, der hier ist ja gebraucht, vielleicht kann ich mit etwas …“

Er zieht mir den Spray aus der Hand, greift in den Sack und zieht 2 ungebrauchte (oberer Teil auch noch eingepackt in Folie) heraus.

Herr Tid: „Die sind noch alle ungebraucht! Ich habe noch mehr im Auto.“

Das stimmt, so wie sie aussehen. Nur … als ich sie umdrehe, fällt mein Blick auf das Verfalldatum. Wir haben Mitte 2017. Der eine Spray ist Ende 2016 abgelaufen, der andere 2015.

Pharmama: „Oh, die haben sie von uns? Die sind beide abgelaufen, da kann es gut sein, dass die nicht mehr so gut sprühen wollen.“

Ich meine … ich will ihm nichts unterstellen, es kann vorkommen, dass wir Produkte mit knappem Verfall auch an Lager haben. Andererseits … irgendwie kommen mir die Sprays nicht sehr bekannt vor.

Ich lese den Strichcode im Warensystem ein.

Es kommt gar nichts.

Seltsam.

Ich tippe es von Hand ein.

Veet Easyirgendwas kommt, aber kein Spray.

Ich suche schrittweise, da ich weiss, das unser System Produkte, die ausser Handel sind aus der direkten Ansicht löscht. Und finde …

Pharmama: „Oh. Ja. Die sind tatsächlich ausser Handel. Sie werden nicht mehr hergestellt seit … 2010.“

Er steht jetzt etwas peinlich berührt da, aber bei mir siegt die Neugier und ich schaue noch, wann die bestellt wurden.

„Und bestellt wurden 10 davon im Sommer 2009.“

Kleine Pause.

„Ja, das ist doch etwas zu lange her. Sie sind abgelaufen und werden auch nicht mehr hergestellt, die tauscht mir auch die Firma sicher nicht mehr um.“

Herr Tid: „Dann kann ich sie nicht zurückgeben?“

Pharmama: „Doch. Ich werfe sie für Sie weg, wenn Sie möchten. Umtauschen geht da leider nicht, auch wenn sie nicht verwendet wurden.“

Er packt seine Sprays wieder ein, verabschiedet sich und geht mit seinem Sack voller abgelaufener, wahrscheinlich nicht mehr funktionierender Haarentfernungssprays.

Donna arbeitet derweil im Kosmetikbereich weiter. Ich gehe zu ihr und frage sie, ob sie das mitbekommen hat. Hat sie gar nicht, also erzähle ich es ihr. Erstaunlicherweise erinnert sie sich: „Das war der eine Sommer, in dem er so viel gekauft hat. Das ist schon 8 Jahre her? Ui.“

Ja, wie die Zeit vergeht…

heisskalt erwischt?

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hotcold

Minus 12.5 bis Plus 35.9 Grad

Das sind nicht die Temperaturunterschiede, die zwischen Feriendestination und zu Hause herrschen (obwohl ich das so auch schon hatte), Nein, das sind die Temperaturen, die in Päckchen gemessen wurden, die mit fünf Paketendienstleistern versendet wurden. Dieselben Paketdienstleister, die auch die Online-Apotheken für den Versand ihrer Medikamentenpackungen verwenden. Auch bei denen werden nur normale Kartons dafür verwendet …. und auch beim Test gingen von 100 Paketen 6 verloren. Das entspricht einem Verlust / Fehler von 6 % … und erklärt wohl einige der Reklamationen auf den Seiten der Online-Apotheken. (Pressemitteilung zur Studie nachzulesen hier: ).

Aber zurück zur Temperatur. Ich hier in meiner Apotheke werde schon nervös, wenn die Temperatur jetzt im Hochsommer in der Anlieferung über 25.5 Grad steigt … und schaue, dass ich deswegen auch nachts die Klimaanlage höher einstelle. Die meisten Medikamente müssen bei Raumtemperatur gelagert und auch geliefert werden. Das bedeutet: zwischen 15 bis 25 Grad. Darauf muss ich achten – und darauf muss auch der Grossist, der uns die Medikamente liefert achten. Post und Paketversand ist das aber egal.

Es gibt Medikamente die sind temperaturempfindlich. Man schätzt, dass etwa 20% aller Medikamente dazu zählen. Am bekanntesten sind natürlich diejenigen, die im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen: zwischen 4 bis 8 Grad. Diese sollten nicht nur nicht wärmer werden, auch einfrieren ist ganz schlecht. Beispiel: Insulin: wenn das zu kalt wird, flocken die Proteine aus denen es entsteht aus … und es wirkt nicht mehr. Ditto bei Impfstoffen, wenn sie zu heiss werden – das gilt auch für nicht-flüssige wie Vifotif Kapseln … was übrigens ein Grund ist, weshalb das nicht mehr wie früher per Post kommt. Ursprünglich hat die Firma Berna das Vivotif per Post Express versendet. Die Post hat diese Päckchen (weil wichtig) im Auto direkt neben den Fahrer platziert … unter die Windschutzscheibe. Irgendwann hat man dann auch Messthermometer mitgeschickt. Bei einer dieser Messungen wurden Temperaturen über 70 Grad gemessen (!). Danach hat man das nicht eingestellt. Die Berna gibt es übrigens nicht mehr …