Erkläre Deinen Beruf einem Kind

Junior hat demnächst Zukunftstag – dafür musste er sich für einen Tag eine „Stelle“ suchen in einem Geschäft in dem er Interesse hat reinzuschnuppern. Ursprünglich war das ein „Tochtertag“ mit dem Ziel in geschlechts-untypische Berufe eine Einsicht zu erhalten. Heute wurde das auf beide Geschlechter ausgedehnt. Die Apotheke wäre ja für Jungen heute geschlechts-untypisch (90% Frauenanteil) … und Junior hätte ich auch einen Tag in meine Arbeit hineinschauen lassen, aber seine Lehrer haben entschieden, dass sie den Zukunftstag nicht bei den Eltern / Verwandten verbringen sollen und dass sie (selber) etwas anderes suchen müssen. Jetzt geht er zur Floristin :-)

Etwas zu suchen / finden, das ihn interessiert war gar nicht so einfach. Das hängt auch damit zusammen, dass man sich unter den Berufsbezeichnungen nur schwer etwas vorstellen kann. Das gilt nicht nur für Kinder: mit den vielen neuen Berufsbezeichnungen und Berufen überhaupt weiss ich auch kaum noch, was genau jemand macht.

Deshalb meine Idee hier: Stell Deinen Beruf vor, wie wenn Du ihn einem Kind (unter 10 Jahren) erklärst. Schreib Deine genaue Berufsbezeichnung noch nicht: die anderen sollen raten. Auflösen dann später.

Ihr wisst ja schon, was ich bin. Junior hat meinen Beruf selber vor Jahren mal mit „Mama macht Medikamente“ beschrieben. Ich würde das vielleicht so erklären: Bei mir im Geschäft gebe ich den Leuten die richtigen Mittel ab, damit sie wieder gesund werden. Manchmal kann ich das direkt, manchmal muss ich sie zum Arzt schicken zum genauer anschauen und ein Mittel aufschreiben lassen, damit ich das dann geben kann.

Jetzt ihr. Ich bin gespannt.

Warnung vor gefährlicher Krankheit

Es fängt an, wie eine normale Erkältung. Laufende Nase, etwas Fieber … nicht untypisch für Herbst / Winter. Und dann entwickelt dein Kind oder dein Freund plötzlich Schwäche in Arm oder Bein. Das sind Lähmungserscheinungen. Manchmal hört es da auf. Manchmal geht es weiter – bis zur Lähmung der Atemmuskulatur und Ersticken. Die Krankheit ist erst seit ein paar Jahren bekannt. Sie betrifft hauptsächlich Jugendliche und Kinder unter 18 Jahren – mit einem Mittelwert von 4 Jahren. Inzwischen werden in den USA Eltern darauf aufmerksam gemacht, dass sie bei (plötzlichem) Auftreten von Schwäche nach einer Erkältung sofort mit dem Kind ins Spital gehen müssen. Aufhalten kann man es nicht, aber im Spital kann man bei Beeinträchtigung der Atemmuskulatur die Kinder beatmen. Es gibt weder eine Behandlung der Ursache, noch eine wirksame Prophylaxe.

Man weiss inzwischen, dass der Krankheitserreger die Nerven in Wirbelsäule und das Gehirn befällt – um was es sich dabei genau handelt, ist trotz ausgiebigen Tests noch nicht klar. Im Verdacht waren erst Enteroviren von denen es Vertreter gibt, die ganz ähnliche Symptome machen (davon später mehr), aber das hat sich nicht komplett bestätigt.

Frage an die Eltern unter Euch: Wie fühlt ihr Euch, wenn ihr das lest? Eine unbekannte, aber gefährliche Krankheit, die übertragen werden kann wie eine normale Erkältung, deren Verlauf (rasch) lebensgefährlich werden kann und die, wenn das Kind überlebt, lebenslange Folgen haben kann: Lähmungen, eventuell Bettlägerigkeit und Beatmung bis an das Lebensende? Es gibt keine Vorbeugung (bis auf die allgemeine Empfehlung, häufig die Hände zu waschen) und keine Medikamente oder Behandlung ausser Beobachtung und Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Körperfunktionen.

Die Krankheit gibt es – sie wird acute flaccid myelitis genannt. Zum Glück ist sie (noch?) wirklich selten – in den letzten 4 Jahren sind etwa 390 Fälle bekannt geworden, die meisten davon in den USA.

So beunruhigend das für mich klingt … ich musste daran denken, dass wir bereits eine Krankheit haben, die einiges gefährlicher ist, die jährlich abertausende Menschen betraf, vor allem auch Kinder, die daran starben oder mit dauerhaften körperlichen Folgeschäden leben mussten: Polio. Kinderlähmung. Die Folgen sind sehr ähnlich wie oben beschrieben … und es gibt Leute heute, die mit den Lähmungen nach überstandener Krankheit leben. In der Apotheke sehe ich die noch, sie sind heute alt … überlebende sozusagen. Und wer sie fragt, erfährt, wie übel das war. Jeder konnte angesteckt werden – und einmal angesteckt war es für 10% ein unglückliches „Roulettespiel“ wie weit die Lähmungen gehen würden und ob man vielleicht in der eisernen Lunge landen würde und sein Leben liegend und extern beatmet verbringen würde oder ob es „nur“ ein Bein oder eine Hand war, die nie mehr richtig gebraucht werden konnten. Selbst wer die Infektion mit wenig Problemen überstand … Jahre später treten bei den meisten Spätfolgen auf mit extremer Müdigkeit, Muskelschmerzen und Muskelschwund.

Es wundert nicht, dass bei jährlich mehreren 100.000 Fällen alles daran gesetzt wurde, etwas dagegen zu finden. Bei Viren ist das schwierig (heute noch) – aber es wurde ein Impfstoff entwickelt. Nach 1960 nahmen die Fälle dank konsequenter Impfungen weltweit so weit ab, dass die WHO sich 1988 das Ziel gesetzt hat, Polio (wie die Pocken) komplett auszulöschen. Der Mensch ist das einzige Reservoir für den Virus … und sich kaum verändert. Ausserdem sind die Folgen einer Erkrankung deutlich erschreckend.

„Leider“* sieht man das heute nicht mehr live. Deshalb ist es unsicher, ob das klappt. Einerseits dank dem Nicht-impfen der Impfgegner (die sollten sich wirklich mal mit Polio-Überlebenden unterhalten) andererseits wegen dem Widerstand in islamischen Ländern, wo die Verschörungstheorie verbreitet wird, dass der Polio-Impfstoff zur Sterilisierung von Muslimen dienen würde.

Aber vielleicht … erleben wir live, wie eine neue gefährliche Krankheit epidemisch wird. Und ich frage mich … wie reagieren Impfgegner auf etwas, das man dann selber sehen kann und als akute Gefahr für sein Kind empfinden … nicht nur etwas, mit dem man nur via Bücher, (fake) news und unglaubwürdigen Vertretern der bösen Big Pharma in Kontakt gekommen ist?  Würde das die verdrehte Risikoabschätzung Impfen (seltene Nebenwirkungen, Inhaltsstoff-Spuren, angebliche Folgeschäden?) gegenüber der akuten und reellen Gefahr der Krankheit korrigieren?

*Nicht, dass ich das sehen würde wollen.

Politische Geschenke an Apotheke und Arzt? Impfen und Selbstdispensation

In Deutschland wirft die Politik den Apothekern das Impfen praktisch als Zückerchen hin, in der Hoffnung vielleicht, dass die Apotheker dafür den Medikamenten-Versand so wie er ist durchgehen lassen. Dabei ist das definitiv nicht die Rettung der Apotheken, die wegen der ungerechten Bevorzugung der ausländischen Versandapotheken vielerorts noch mehr darben als bisher schon.

Also: Ich bin absolut pro Impfen durch die Apotheker, aber wenn ich sehe, wie in Deutschland an sich gute Ansätze im Gesundheitssystem zu nichte gemacht werden, teile ich die Bedenken der Apotheker dort. Beispiel Pille danach: das dürfen die Apotheker seit letztem Jahr in Deutschland – wie in der Schweiz schon davor. Aber statt zur Kompetenzerweiterung beizutragen und als echte Dienstleistung abgegolten zu werden, wird der Apotheker auch hier wieder nur als «Dispensator» heruntergestuft. Wenn ich in der Schweiz das in der Apotheke abgebe, passiert das nur nach einem persönlichen Beratungsgespräch mit dem Apotheker, wird protokolliert und ich darf dafür etwas verlangen. Das mache ich auch. Hochpotente Medikamente (die vorher aus Grund rezeptpflichtig waren) schiebe ich nicht einfach über den Ladentisch.

Dasselbe gilt für das impfen – so sicher und wirksam es ist. Wir impfen in der Apotheke. Das darf ich unter bestimmten Voraussetzungen. Dazu gehört ein spezieller Ausbildungsti Apotheker FPH Impfen und Blutentnahme. Dazu gehören Weiterbildungen alle 2 Jahre. Geeignete Räumlichkeiten (mit einer Möglichkeit den Patienten hinzulegen). Notfallequipment (Adrenalinpens, Beatmungsmaske, ev. Sauerstoff). Dazu gehört die Patientenvorbereitung und Protokollierung: Vor der Impfung klären wir ab, ob die Voraussetzungen gegeben sind. Wir impfen nur Erwachsene, keine Kinder (bis 16 Jahre), keine Schwangeren, keine Immunsupprimierten. Wir impfen nicht unter Blutverdünnern (ausser Aspirin cardio). Wir impfen nicht, wenn Allergien gegen Impfstoff oder Bestandteile vorhanden sind oder bei vorherigen Impfungen Reaktionen aufgetreten sind. Wir sind wirklich vorsichtig … und genau. Und wir können nur gegen einzelne Sachen impfen: Grippe, FSME, ev. Hep A, Hep B, MMR … (kantonal unterschiedlich).

Darum machen wir das auch nicht gratis. Neben dem Impfstoff verlangen wir etwas für die Arbeit drumherum. Das mag tatsächlich in einigen Fällen mehr sein als beim Arzt … andererseits: Bei uns ist kein Termin nötig und kaum Wartezeit. Damit entlasten wir Hausärzte und Notfallaufnahme der Spitäler.

Mit dem Impfen in der Apotheke wird die Apotheke weiter als einfach zu erreichende und kompetente Anlaufstelle für Gesundheitsfragen der Bevölkerung etabliert. Der Beitrag zur Gesundheitsprävention hilft auf weite Sicht auch die Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen. Impfen in der Apotheke erhöht die Durchimpfungsrate … wir wollen gesunde Menschen impfen, die sich und andere schützen wollen.

Was die Politik häufig übersieht – und was wichtig ist, festzuhalten – Apotheken sind Unternehmen. Wir bieten Arbeits- und Ausbildungsplätze. Gerade in dörflichen und ländlichen Gegenden erhöht eine Apotheke die Lebensqualität und die Wohnattraktivität der Gemeinden. Als Unternehmen muss eine Apotheke jedoch rentieren – bedeutet: erweiterte Kompetenzen (die durch teure Ausbildungen erworben werden müssen) müssen auch entsprechend vergütet werden.

Übrigens: Die deutschen Ärzte drohen ja jetzt damit, dass wenn die Apotheker impfen «dürfen», sie praktisch im Gegenzug die Selbstdispensation (SD) einführen möchten, also selber Medikamente verkaufen. Mal abgesehen davon, dass ich denke, dass sie nicht wissen, was sie sich da aufhalsen (mit den damit zusammenhängenden Rabattverträgen und Retaxationen in Deutschland), war es bei uns so, dass es die SD schon vor dem Impfen der Apotheker gab. Und die SD wird zwar gerne von den Ärzten als Grund für das «Geschenk» der Politik an die Apotheker angegeben … aber so ein «Geschenk» ist das nicht – es bedeutet auch viel Aufwand. Leider hat sich gezeigt, dass Kommunikationsprobleme zwischen Ärzten und Apothekern oft von den Ärzten ausgehen, häufig im Zusammenhang mit der Einführung der SD, da sie die Apotheker dann als Konkurrenz ansehen und nicht mehr als Mitstreiter im Gesundheitswesen.

(Diese Aussage mache ich aufgrund von eigener Erfahrung in den letzten 20 Jahren und nach Aussagen diverser Apothekerverbände an Sitzungen und Meetings – und ja: ich wünschte es wäre anders).

Und mit dem Impfen sind wir halt noch mehr Konkurrenz. Obwohl … In meinen Augen nehmen wir da den Ärzten nicht viel weg. Die «gesunden» die sonst wahrscheinlich nicht nur wegen dem zum Arzt gegangen wären. Aber die Schwangeren, Kinder, die Kranken und die älteren … all die können bei ihrem Arztbesuch geimpft werden. Dazu muss man als Arzt vielleicht aber auch etwas aktiver werden und wirklich den Impfstatus im Blick haben. Ausserdem wird die Impfung von der Krankenkasse im Normalfall nicht bezahlt ohne Rezept … diejenigen, die das wollen oder müssen gehen ebenfalls in die Praxis impfen.

Also: Wer da von «Geschenken» redet und «Zückerchen» sollte sich bewusst sein, dass das nicht ganz so ist. Egal, ob es um Impfen oder SD geht. Den Ärzten … denen geht es auch nicht viel besser als den Apothekern und prinzipiell streiten sie um dasselbe: eine gerechte Vergütung der gebrachten Dienstleistungen. Die Forderung nach der SD ist auch nur ein Ausdruck desselben.

Abschlussgeschenk für die Apotheker-Assistentin oder Pharmazie-Studentin gesucht?

(Rerun). Weil ich jetzt doch schon gelegentlich angefragt wurde, ob man mein Buch nicht doch mit persönlicher Widmung erhalten könne als Abschlussgeschenk (oder sonst Geschenk) für eine angehende Apothekerin: Ja, es ist möglich. Es geht allerdings etwas über Umwege.

bookcoverpille

bookcovereinmal

 

Schickt mir ein mail mit Euren Wünschen: (an pharmama.08( at )gmail.com)

Schreibt mir, welches Buch ihr gerne hättet: „Haben Sie diese Pille auch in grün“ oder „Einmal täglich“

Schreibt für wen es sein soll: mehr Details helfen mir dabei, die Widmung zu schreiben – ich zeichne auf Wunsch auch.

Nicht vergessen: die Adresse, wohin das Buch geschickt werden soll.

Dann schickt mir auf die email-Adresse einen über 20 Euro. (Ja, ich weiss Amazon = böse, aber ansonsten ist es für mich schwierig, die Anonymität ausreichend zu wahren).

Nach Erhalt bestelle ich das Buch, schreibe die Widmung und schicke es per Post zu.

Zeitrahmen: normalerweise 2 Wochen.

Das Angebot gilt für die Schweiz und Deutschland.