Hustensirup-Hoch

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Davon habe ich schon ein paar Mal geschrieben. Das letzte Mal hier: Hustensirup-Missbrauch.

Jetzt veröffentlicht 20Minuten einen Artikel: … und er ist für mich keine wirkliche Überraschung. Bei uns hat das Problem arg nachgelassen, seit ich beim Makatussin durchgegriffen habe, was die Abgabe (oder besser hier die Nicht-Abgabe) angeht. Gelegentlich versucht es mal wieder ein Jugendlicher am Freitag Abend, ob sich was geändert hat, aber das war es.

Dass auch andere Apotheken als nur wir das restriktiver handhaben, habe ich auch am Telefonanruf letztens gemerkt … ein ganz schlauer dachte wohl, er spart sich den Weg die verschiedenen Apotheken abzuklappern und fragt erst Mal telefonisch an, ob wir das an Lager haben.

Makatussin ist tatsächlich das am meisten missbrauchte Mittel hier … wahrscheinlich eben wegen solchen Drink-Rezepten wie im Artikel erwähnt. In Amerika war das der Promethazin with Codeine von der Firma Actavis – in Szenekreisen „Purple Drank“ genannt wegen seiner violetten Farbe. War, nicht ist – denn (ui) die Firma hat da reagiert und das jetzt tatsächlich ausser Handel genommen. So berichtet zum Beispiel the angry pharmacist in .

Nun, sie werden einen Ersatz dafür finden, den sie dann missbrauchen können. Eine gute Idee ist das auch bei Hustensäften nicht. Gerade die Kombination mit Alkohol dürfte zu Atemdämpfung und vermehrt Problemen im Zentralnervensystem (lies: Hirn) führen – Folgeschäden sind zu erwarten.

Das Ganze ist übrigens kein Problem nur von Amerika und der Schweiz – das gibt’s auch in Patong, Thailand. Ganz in der Nähe von wo ich gerade war. Da wurde Ende letztes Jahr eine , die ungewöhnlich viel Hustensirup an Jugendliche verkauft haben soll. Und tatsächlich: in der Apotheke fanden sich über 500 Flaschen Sirup und allein während der Überprüfung von etwa 90 Minuten wurde der etwa 10 x von Jugendlichen verlangt.

Ein echter Verkaufsrenner. Das sollte auch zeigen, dass der Apotheker, der da eine Abgabe verweigert, das nicht aus Bösartigkeit macht und ganz sicher nicht, weil er etwas davon hat (ganz sicher keine Einnahmen ….) sondern, weil er / sie ein Gewissen hat und ihm / ihr etwas an der Gesundheit des Kunden liegt.

Daran sollten die Leute, die hier „das geht den Apotheker doch gar nichts an“ und „der soll mir das einfach geben, das ist nur mein Problem“ schreien auch mal denken …

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17 comments on “Hustensirup-Hoch

  1. Maka sagt:

    Hallo…. Was sagst du zu jugendlichen wenn sie ein makatussin sirup verlangen? V.a. Wenn sie sagen sie brauchen maka sirup gegen trockener husten für die mama oder sich oder onkel…… Finds immer schwierig ihn nicht zu verkaufen.
    Ps hab heute im itunes dein buch gekauft….. Voll cool, lustig😂😂👍👍👍

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    • Pharmama sagt:

      Ich sag: „Ich hab ihn nicht und ich bestelle ihn nur noch, wenn ein Rezept vorhanden ist. Ich habe aber einige andere Sirupe, die auch sehr gut gegen Husten wirken, wie zum Beispiel …“
      (und wenn sie auf dem Maka bestehen, ist das eigentlich für mich nur Bestätigung, dass da was nicht okay ist).
      Und Danke!

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  2. stuttgarterapothekerin sagt:

    Was bin ich froh, dass es in der BRD bestimmte Dinge nur mit Rezept gibt.
    (War aber vor Freigabe von Voltaren-Gel in der Stuttgarter Innenstadt zu Weihnachtsmarkts-Zeiten definitiv NICHT vergnügungssteuerpflichtig, wenn Deine „lieben“ Mitbürger dann ihre Einkaufstouren in unserer Apo mit x Tuben Voltaren beginnen wollten weil – „aber bei uns krieg ich es doch auch ohne!“ und noch OT: Deine Mitbürger wollten auch immer nicht glauben, dass in der BRD Rezepte wie Schecks nur einmal eingelöst werden dürfen….und daher schon belieferte Rp nicht akzeptiert wurden. Ganz zu schweigen davon, dass hier die Privat-Rp zu der Zeit max 6 Mon. alt sein durften….und heute nur noch 3 Mon.)
    Allerdings wird bei uns dafür manchmal Dextro missbräuchlich verwendet….

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  3. Beate sagt:

    Bei trocknem Husten wirkt Zwiebelsaft sehr gut… Codein gibt doch eher ein unangenehm beengtes Gefühl in der Brust… Kann natürlich am Asthma liegen, aber ich find das Zeug schrecklich. Das muss als Longdrink doch auch fürchterlich schmecken, bäh….

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  4. Andrea sagt:

    Beschränkungen sind schon gut so. Allerdings kann ich nur den Kopf schütteln, auf was für Ideen man kommt, um sich zu berauschen. Mir reicht ab und an etwas Sekt 😉
    Bei uns im Dorf klauen sie jetzt Hortensien und rauchen sie – kein Scherz! Kam als Bericht schon in mehreren Radio-Sendern und Zeitungen. Meinen Eltern haben diese Irren den Vorgarten „abgeerntet“.

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  5. Mr. Gaunt sagt:

    Wie Du hier und auch schon in den Kommentaren zum anderen Beitrag geschrieben hast: Unsere Aufgabe in der Apotheke ist eben nicht Schubladenziehen, sondern der Anspruch ist ein Heilberuf.
    Aus diesem Grund haben Schweiz und Deutschland auch in ähnlicher Weise in die Gesetze geschrieben, dass Mißbrauch zu vermeiden bzw. aktiv entgegenzuwirken ist. Das mag dem einen oder anderen nicht passen, aber Arzneimittel sind zur Behandlung von Krankheiten. Nicht zum high werden. Wer high werden möchte, der darf das legitim fordern. Aber bitte nicht in der Apotheke. Dafür sollte man andere Institutionen schaffen. Die Holländer und Amerikaner machen es uns vor.
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Hustenstiller wichtige Medikamente sind. Selbst als Fachmann habe ich mich viel zu oft mit einem kratzenden Hals rumgequält und wochenlange Teufelskreise mit viel Husterei und mehr oder weniger starken Schmerzen gedreht, bis zum völligen Entgleisen inklusive Krankschreibung und Antibiotikaeinsatz. Erst der kurze aber kräftige Einsatz von Hustenstillern und ggf. Ibuprofen beseitigt das Problem nun frühzeitig und zügig. Aber auch das geht ohne Codein.

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    • Pharmama sagt:

      Ich finde die Argumentation mancher da noch interessant: Ich habe ein Recht darauf – heisst es dann. Meist im Sinn von: Ich kann ja mit meinem Körper machen, was ich will. Das nächste „Recht“, das dann später von ihnen „eingefordert“ wird, könnte danach aber das auf medizinische Behandlung (möglichst noch auf Staatskosten) sein.
      Da wundert es mich wenig, wenn der Staat da präventiv versucht das einzuschränken.

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      • gnaddrig sagt:

        Stimmt. Zumal, wenn die Leute meistens gar nicht wissen, was sie mit ihrem Körper da anstellen. Die sind ja in aller Regel gar nicht in der Lage, eine auch nur halbwegs informierte Entscheidung zu treffen. Ihnen den Stoff deshalb nach Möglichkeit nicht zu verkaufen, ist da nur vernünftig.

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  6. Wenn ich nach einer Erkältung noch wochenlang üblen Reizhusten habe und mir besonders Nachts „die Seele aus dem Leib huste“ und mich dabei fast übergebe, hilft leider nur Codein und ich finde es immer sehr blöd, dass ich dann erst beim Arzt um ein Rezept betteln muss. Das kommt bei mir ca. einmal im Jahr vor und ich wünschte mir wirklich, ein anderes wirksames und möglichst rezeptfreies Medikament zu finden, aber bisher ist mir das nicht gelungen.

    Ich sehe die Rezeptpflicht (bzw. den sehr zurückhaltenden Verkauf in CH) daher etwas zwiegespalten. Die Leute, die es missbrauchen wollen, finden leider trotzdem Wege. Und für die anderen wird es erstmal umständlicher.

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    • Pharmama sagt:

      Und das ist genau das Problem, das derartiges Verhalten (für die andern) nach sich zieht. Nur sind die Leute, die das missbrauchen nicht die Leute, die die Folgen davon abschätzen können oder auch nur wollen.

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    • Seemädel sagt:

      Vielleicht liegt das Problem dann aber auch bei den Ärzten, oder? Wobei das natürlich auch wieder eine Folge von den Missbrauchsgeschichten ist, dass viele Ärzte es nur zögerlich verschreiben…
      Allerdings hatte ich da noch nie Probleme, alle Hausärzte, die ich im Laufe der Zeit hatte, haben es mir bei entsprechender Indikation problemlos verschrieben. Klar muss ich dafür hingehen, aber meist ist es mir eh lieber, der Arzt hört nochmal drauf, ob es wirklich nur Reizhusten ist, wie ich vermute – und wenn ich wegen eines akuten Infekts da bin und nachts gerne schlafen würde, ist es eh kein Zusatzaufwand.
      Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass manche (nicht alle) sich von den umständlichen Wegen abhalten oder zumindest zum Nachdenken bringen lassen. Oder bin ich da gnadenlos (zu) optimistisch?

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  7. BayernChris sagt:

    …ist wie immer ein Kampf gegen Windmühlen. Ist nun das Produkt mit der schönen Farbe nicht mehr im Handel – was glaubt Ihr, wie sich die Hersteller von „purple“ Lebensmittelfarbe freuen werden…

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  8. Dr. Klaus Trophobie sagt:

    Das erinnert mich daran als ich vor etlichen Jahr(zehnt)en in der Apotheke nach Einwegspritzen und Nadeln fragte. Der Apotheker meinte dann „Aber nicht zum Heroin spritzen!“
    Ich kaufte die 20ml Kolben um meine Druckerpatronen wieder aufzufüllen…

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