Dominoeffekt

Wegen einem Fehler in der Packungsbeilage von Nuvaring wurden diverse Chargen zurückgerufen. (Genau genommen ist „in der Packungsbeilage eine detailliert beschriebene Anleitung zur korrekten Anwendung des Applikators nicht aufgeführt“).

Soweit so unspektakulär. Das Verhütungsmittel ist nun deshalb aber bis im April nicht lieferbar.

Zum Glück gibt es Generika – die bekommen jetzt eine Chance.

Wenn nicht schon das erste von denen (Circlet) gerade Nota (also auch kurzfristig nicht lieferbar) gegangen wäre. Wegen der plötzlich erhöhten Nachfrage? Gut Möglich. So ein Dominoeffekt habe ich schon bei anderen Medikamenten gesehen.

In Deutschland kennen sie das Problem noch besser. Da gibt es ja diese elendiglichen Rabattverträge der Krankenkassen mit den Pharmafirmen. Die versicherten Patienten müssen dann vom Medikament das Generikum nehmen, für das gerade ein Vertrag existiert. Wenn diese Verträge ändern (was mehrmals im Jahr der Fall sein kann), kommt es vor, dass die Firma von der plötzlichen Nachfrage überrascht wird und dann nicht mehr liefern kann. Deutschland ist natürlich ein viel grösserer Markt als wir hier in der Schweiz – bei uns gibt es schon mal nicht so viele verschiedene Generika von einem Mittel, und wir dürfen in der Apotheke noch selber aussuchen (zusammen mit dem Patient), was sie dann nehmen. Die Deutsche Apotheke ist da viel gebundener und ein Wechsel dann nicht so einfach möglich (im Extremsten Fall bezahlt die Kasse das abgegebene Medikament dann GAR NICHT).

Übrigens wollen sie in der Schweiz ein ähnliches System auch einführen: Das Referenzpreissystem wurde schon vorgeschlagen. Dann wird nur noch das günstigste Generikum von der Krankenkasse vergütet – wer ein anderes möchte / weiterhin sein bisher genommenes, zahlt dann die Differenz selber. Wenn er es denn kann.

Angesichts der jetzt schon existierenden Lieferschwierigkeiten und den teils zu erwartenden Dominoeffekt wie oben genannt, macht mir das sehr Sorgen, was das für einen Effekt auf die Einnahmetreue der Patienten hat. Ständige Wechsel sind erwiesen sehr schlecht dafür, vor allem bei älteren Menschen. Und dann der Effekt rückwirkend auf die Gesundheitskosten. Man erinnere sich: nicht genommene Medikamente wirken auch nicht.

15 Antworten auf „Dominoeffekt

  1. Die schlechte Compliance kann man ja in den deutschen Apothekenblogs sehr gut nachvollziehen und auch immer wieder die Probleme bei wechselnden Verträgen.
    Auch fies: wenn ein Patient einen Nebenstoff nicht verträgt, der sagen ir in 4 von 5 Generika erhalten ist und das eine Generikum dann eben nicht das günstigste ist, hat der Patient mindestens viel Behördenkram zu erledigen, was die Behandlung verzögern oder unterbrechen kann oder er muss teilweise schon sehr viel Geld im Monat lassen. Wie schnell das in mittlere dreistellige Beträge schießen kann, weil manche Medikamente einfach so teuer sind, weißt Du ja selber.

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    1. Das Problem haben wir in unserer Praxis öfter. Wir haben auch eine Patientin, die eine Macrogol-Allergie hat, da ist es so richtig schwierig, ein geeignetes Medikament auszuwählen, weil das Zeug in gut 80% aller Medis verbaut wird.

      Abgesehen davon sollte jemand dringend mal den Politikern erklären, dass die unterschiedliche Galenik der Generika zu völlig unterschiedlichen Wirkungen führen kann. Ich habe das kurz nach meiner Übersiedlung in die Schweiz selber erleben dürfen: wegen einer Hausstaubmilbenallergie brauche ich öfters mal Cetirizin. In Deutschland war ich mit „Zyrtec“ immer gut gefahren. In der Apotheke, in der ich in der Schweiz das erste Mal nach diesem Antiallergicum fragte, gab man mir „Cetirizin Mepha“. Die Wirkung war unterirdisch schlecht, so als hätte ich gar nichts eingenommen. Mit „Cetallerg“ (Sandoz) hingegen hatte ich danach immer eine gute Wirkung.

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      1. Das ist interessant. Erklärt mir auch, warum die aus England mitgebrachten Allergietabletten mit dem selben Wirkstoff besser wirken als die, die ich in Deutschland gekauft hatte.

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      2. Galenik und Hilfstoffe sollte man wirklich mal so nem Politiker erklären. Aber ich glaube die Standesvertretung der deutschen Apotheker hat das so hin und wieder (gefühlt 100x) versucht, aber die wollen sich ja nur ne goldene Nase verdienen oder so… (Achtung Ironie!) Zum Glück bin ich bisher gesund (auf Holz klopf) und brauch nur selten Medis. Aber selbst damit hab ich meinen fairen Anteil an Selbsterfahrung. Ich zum Beispiel finde das Orginalpräparat von Diclofenac zum kotzen (wortwörtlich).

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  2. In Deutschland kann der Arzt das Rezept mit AUD IDEM angekreuzt austellen. Dann erhält man als Patient genau immer dasselbe Mittel vom selben Hersteller• dann sind die Rabattverträge aussen vor.

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    1. Das stimmt bis zu einem gewissen Grad,
      -SEHR problematisch falls Aut-Idem Arzneimittel nicht lieferbar ist
      -schützt nicht vor Reimporten bei Originalpräparaten
      -man muß unter Umständen mit einer Aufzahlung auf den Festbetrag leben

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    1. Ist in Deutschland sicher nicht ganz gleich: andere Chargen? Habt ihr auch die mit Applikator? (Und beim Reimport: vielleicht ist das noch nicht ganz durchgedrungen?)

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  3. „Nuvaring […] mit Applikator“ ist in Deutschland derzeit sowohl die 1-St.-Packung als auch die 3-St.-Packung von MSD lieferbar. Bei Reimporten sind diverse mit und ohne Applikator lieferbar und auch nicht lieferbar.

    „Circlet“ ist die 1-St-Packung lieferbar, die 3-St.Packung nicht.

    Diverse andere Generika sind teilweise (mehr oder weniger) lieferbar.

    In den letzten zwei Jahren war die Lieferbarkeit von Nuvaring-Produkten (Originale + Generika) allerdings sehr durchwachsen. Zum Teil war monatelang gar nichts zu bekommen. Wir leben hier halt in „Deutschland – die Apotheke der Welt“ ;-)

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  4. Die Ursache für den Engpass mit Nuvaring Generika wurde mal in der DAZ geschildert.
    Es liegt wohl an vielen kleinen Problemen. Patent spielt wohl auch eine Rolle, aber hauptsächlich wohl die Tatsache, dass es für alle drei Zulassungsinhaber genau ein einziger Lohnhersteller ist der herstellt. Also jedesmal das gleiche Produkt nur für andere Zulassungsinhaber.

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