Dieses böse Korson …

Beim Verkauf eines Medikamentes kommen wir (der Patient und ich) auf ein anderes Thema.

Patient: „Ich lese immer die Packungsbeilage – so habe ich letztens gemerkt, dass die Salbe vom Hautarzt für mein Bein dieses gefährliche Mittel enthält, das dick macht und einen dann umbringt. Dieses Korson …

(Ich habe einen Moment gebraucht um zu merken, dass er Cortison meint).

Es folgt eine längere Erklärung von mir darüber, was Cortison ist und was es macht und dass es praktisch nur dann gefährlich ist, wenn man es sehr hochdosiert über längere Zeit anwendet. Vor allem wenn man es einnimmt – von der Anwendung einer Salbe an einer kleinen Stelle am einen Bein über ein paar Tage, wird er kaum etwas merken, ausser dass die Entzündung weggeht.

Patient: „Ja – es ist auch schon viel besser geworden. Nachdem ich das gelesen habe, habe ich es aber nur noch einmal angewendet, die Stelle ist trotzdem fast weg.“

Klar.

Aber mal echt: woher kommt diese (hauptsächlich irrationale) Angst vor topischem Cortisonpräparaten?

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26 Antworten auf „Dieses böse Korson …

  1. Dass man von Cortison „dick“ wird, kann ich bestätigen. Während meiner Chemo damals musste ich Cortison nehmen und sah aus wie ein Hamster. Das war 1999. Geht aber zum Glück wieder weg. Vor ein paar Wochen musste ich wieder Cortison nehmen, wegen den Nebenhöhlen. Auch da sah ich aus wie ein Hamster. Ist auch wieder weg.
    Ob man daran sterben kann, hab ich noch nie gehört

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  2. Ich denke vor allem weil man das mut der Chemo in Verbindung bringt. Und da hat man nur unerfreuliche Bilder im Kopf.

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  3. Von einer Mutter, die Krankenschwester ist und gaaaaanz viele kaputte Lebern gesehen hat, die ja immer von Cortison so kaputt gegangen sind. Aber nie von was Anderem… Ja ja, ist klar. Ich wende bei Neurodermitis-Schüben gerne eine Hydrocortisonsalbe an, bevorzugt Soventol, weil meine Haut darauf gut anspricht. Wirkt bei Mann und Kindern auch sehr gut, immer wenig und dünn aufgetragen.

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  4. An Horrorstories über das böse Kortison kann ich mich noch aus meiner Kinderzeit erinnern. Aber inzwischen hat sich nicht nur im medizinischen Bereich so manches verbessert und inzwischen sind die Medikamente nicht mehr so hoch dosiert. Ebenso sind es nicht mehr so viele Leute, die diese Cremes so üppig auftragen als wäre es einfache Körperlotion.

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  5. Daran, dass es tatsächlich prinzipiell gefährlich ist … wenn auch – wie du richtig schreibst – hochdosiert und über längere Zeit.
    Anderseits fehlt offenbar oft genug die richtige fachliche Auf-/Erklärung. Nicht böse sein, aber mit Verlaub, welcher „normale“ Bürger weiss z.Bsp. was topisch bedeutet? Ärzte, Apotheker und anderes „medizinische“ Personal würde gut daran tun, „einfache“ Sprache zu benutzen, gerne auch ergänzend.
    Anhand der Blogbeiträge nehme ich an, dass du selbst dies in deiner Apotheke machst. In Deutschland zumindest ist es leider oft genug so, dass die Qualität der Ärzte/med. Personales offenbar mit der Fremdwörterquote in Korrelation gebracht wird; leider sowohl von denen als auch von den Patienten.

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    1. „prinzipiell“ ist so ziemlich jedes Medikament gefährlich – das sind ja auch keine normalen Alltagsgegenstände, die sollen eine Wirkung auf den Körper haben. Aber es ist bei dem genau wie bei anderen: auf die korrekte Anwendung kommt es an.
      Und schön, dass jemand (Du) bemerkt hast, wenn ich mal die Fachsprache raushole :-) Der Grund ist, dass ich da gerne eine Antwort von meinen „Fachkollegen“ bekäme …

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  6. Diese irrationale Angst vor Steroiden erlebe ich in meiner Praxis auch immer wieder – sowohl bei Salben, als auch bei cortisonhaltigen Nasensprays. Die Patienten haben irgendwann irgendwo (meistens in irgendeinem Erzeugnis der yellow press) von dieser „Horrorarznei“ gelesen und sich sofort dagegen positioniert. Das funktioniert auf dem gleichen Weg wie gegen Gentechnik oder Glyphosat. Nur dass in diesem Fall suggeriert wird, dass schon ein Milliardenstel Gramm eines Steroides im Stoffwechsel sofort einen massiven M. Cushing auslöst.

    Aber immer schön Plutonium C30 oder Arsen D50 nehmen…

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  7. Woher das genau kommt und sich immernoch hält, kann ich nicht sagen. Möglicherweise bin ich mit meinen 31 Jahren zu jung um die Herkunft von diesem Phänomen zu kennen.

    Allerdings erlebe ich in der Apo häufig 2 Gruppierungen von Kunden, ähnlich wie bei Antibiotika.
    Einmal sind da diejenigen, die Cortison verteufeln oder Angst davor haben und sowohl Salben, als auch Tabletten oder alles andere nicht anwenden (wollen). Sagen das aber nie dem Arzt, sondern immer nur uns. Verschwörungstheoretiker gehen einen Schritt weiter und erklären den verordneten Arzt durchaus zum Mörder und uns als Gehilfen.
    Die zweite Gruppe hingegen, möchte Cortison gegen/für nahezu alles haben und jegliche Anwendungsbeschränkung oder Hinweise in diese Richtung werden abgetan. Gerne fragen diese zB auch nach einer cortisonhaltige Augensalbe wenn sie sich was ins Auge gesteckt haben oder für sonstige Verletzungen.
    Die Gruppe welche die Mitte dieser Gegensätze füllen sollte, ist am geringsten vertreten, gefühlt kaum bis gar nicht vorhanden.

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  8. Ich bin unterdessen knapp 40 und hatte als Kind oft mit Neurodermitits zu kämpfen. V.a. im Gesicht um die Augen. Da bekam ich auch ganz selten mal eine c.haltige Salbe. Auch mir wurde das ein wenig eingetrichtert. Viele Jahre später „wehrte“ ich mich dann mal bei einem Dermatologen, der dann meinte: hören Sie, wenn Sie nach Amerika wollen, können Sie entweder das Dampfschiff nehmen, rudern oder schwimmen.
    Seither nehme ich bei Bedarf gern das Dampfschiff und geniesse meinen Aufenthalt in Amerika ;)
    Ich versuche das auch anderen zu erklären, wenn das Thema drauf kommt.

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  9. Ich persönlich nutze cortisonhaltige Mittel (Cremes) bei Bedarf ohne Probleme, aber ich kann mich an frühere Zeiten erinnern, wo irgendwelche Leute aus der Bekanntschaft plötzlich total aufgedunsen waren und da hieß es immer, das käme vom Cortison, dass sie einnehmen müssten. Ob die Angst vieler Leute daher kommt oder in neueren Schreckenstheorien begründet liegt, weiß ich aber nicht.

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  10. Ich habe noch „Stories“ im Hinterkopf und hätte daher wohl auch erstmal Hemmungen wenn ich welches nehmen müsste.

    Meine Schwester hat gerade erst wieder einige Tage Cortison Infusionen wegen MS bekommen. Und hat im Zuge dessen ordentlich Wasser eingelagert

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    1. Naja, harmlos ist Cortison sicher nicht. Ich habe auch schon erlebt, wie Patienten einen Steroiddiabetes entwickelt haben, Vorsicht ist also in jedem Fall geboten.

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  11. Vorsicht ist definitiv bei systemischer Einnahme geboten.
    Mir rollen sich noch immer die Fußnägel hoch, wenn ich an einen Dermatologen an meinem alten Wohnort denke…der hat immer Cremes mit Cortison und Antibiotikum als Rezeptur verordnet (Inkompatibilitäten der Wirkstoffe gerne inklusive…). Auf Nachfrage meinte er stolz (!) das wäre eine super Kombi, egal was es auf der Haut ist, danach ist es weg. Weitere Diagnostik könne man sich sparen, wer hat schon Zeit dafür.

    Dann gibt es noch Kunden, die explizit eine Creme (Fistil oder Sontol) verlangen, im gleichen Atemzug aber über Cortison lästern und es verteufeln…das stellt mich auch immer ein bisschen vor ein Dilemma ;-)

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    1. Das ABC der Dermatologie:
      A) Ansehen
      B) Beurteilen
      C) Cortison
      Da C konstant ist, kann man sich A & B auch klemmen…
      duck&cover

      Immerhin sind die Super-Fix-Kombinationen (Antibiotikum + Antimykotikum + schweres Corticoid) als Fertigarzneimittel in der Zwischenzeit alle abgeschafft worden. Was einige Verschreibende nicht abhält, das als Individualrezeptur weiter zu verordnen.

      Die Inkompabilität der Wirkstoffe und/oder Hilfsstoffe ist noch ein weiteres Thema. Gerne solch Kombinationen wie Salicylsäure (pH kleiner3) mit Clotrimazol (pH5-10) oder Erythromycin (pH7-10) mit Betamethasonvalerat (pH2-5). Da kann man sich den Mund fusselig reden, das wird sich leider nicht ändern, denn die fraglichen Kandidaten (wohl gemerkt keine Pauschalisierung) meinen meist ganz genau zu wissen, was sie tun.

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    2. Wer kennt sie nicht, die berühmte „irgendwas davon wirds schon regeln“-Rezeptur aka Clotri, Ery, Betham.-17-val.
      Dass es das Erythromycin auf keinen Fall ist und man sich das sparen kann, interessiert niemanden. Mit Glück hält man das Clotrimazol am leben und hat dann eine Kombi. Aber ich muss sagen über die letzten Jahre hat sich der Anteil solcher sinnbefreiten „schon immer so verordnet!“-Rezepturen doch deutlich verringert. Wer immernoch auf die super Kombi besteht, soll sie haben. Wobei es bereits einige Fälle gab in denen die GEKs sich geweigert haben sowas zu bezahlen, mit unterschiedlichem Ausgang. Ausnahmsweise verstehe ich hier die Kassen

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    3. Zwecks Deines Dilemmas wegen Fenistil oder Soventol: Bei uns ist bei alternativ eingestellten Leuten, die Cortison verteufeln, die Murmeltiersalbe der absolute Renner. Jepp, richtig, eine Salbe aus dem Fett von Murmeltieren.
      Ich habe bisher noch niemanden gewagt zu erklären, dass das Ding deshalb so wirksam ist, weil die Biester in ihr Fettgewebe größere Mengen von Cortison einlagern.

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  12. Die Angst davor liegt meiner Erfahrung nach darin begründet dass viele Patienten nicht wissen das Kortison an sich ein körpereigenes Hormon ist. Störend ist den meisten nur dass ein körperfremdes Mittel solche NW auslösen kann. Mit dem Hinweis dass die Nebennierenrinde selbst Kortison produziert und die Einnahme nur unterstützend ist und bei bestimmungsmäßigen Gebrauch nicht gravierend bzw reversibel ist, ist der Mensch meist überzeugt.

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  13. Na Cortison „macht dick“, einmal durch die Wassereinlagerungen und bei längerer Einnahme durch die Auswirkungen auf den Zuckerstoffwechsel.
    Und wenn man dick ist, wird man umgehend krank und wird früh sterben und ist daran selber schuld. Wird zumindest massiv in den Medien propagiert und das Verhalten mancher Ärzte gegenüber dicken Patienten geht auch stark in die Richtung. Wenn dann wenig Medienkompetenz dazukommt und sich nur Stichworte gemerkt werden, hat die Apotheke den Salat bzw. die Diskussionen.

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  14. Hallöchen!

    Ganz einfach: Cortison macht dick. Ich habe gerade 5 wochen hintereinander einen Tropf mit ASS und cortison bekommen und mal eben fast 6 Kilo zugenommen, obwohl ich genauso gegessen habe, wie ohne Tropf.

    LG Anne

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  15. Die Angst stammt aus den Zeiten, als Cortison für einige Krankheitsbilder DAS Medikament war und eben hochdosiert und langfristig angewendet wurde.
    Mein Mann hatte Asthma und Hautekzem seit seiner Geburt und seitdem auch immer Cortison-Behandlungen, was zu massivem Übergewicht führte…
    Es ist gut, dass es inzwischen andere und niedriger dosierte Präparate gibt!

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  16. Ich vermute, dass es eine Mischung aus verschiedenen Faktoren ist. Einerseits fällt es vielen Menschen offenbar leichter Dinge starr in gut und böse einzuteilen, statt den Zusammenhang von Dosis und Wirkung zu sehen und abzuschätzen (gut erkennbar bei der Ernährung und Umweltbelastung).
    Ein anderer Faktor dürfte sein, dass Cortison allgemein bekannt ist und deshalb viel öfter erwähnt wird (z.B. wenn ich im Bekanntenkreis über meine Medikamente spreche, nenne ich Cortison, Calcium und Vitamine namentlich. Mycophenolat-Mofetil und andere wenig bekannt nenne ich hingegen nicht namentlich.)
    Da Cortison sehr vielfältig eingesetzt wird, bei Schwerstkranken oft hochdosiert benötigt wird und gut sichtbare Nebenwirkungen hat, kennen/kannten vermutlich fast alle jemanden der Cortison bekam und in dieser Zeit schlimm aussah (auch wegen der Krankheit, anderen weniger bekannten Medikamente, den Lebenserhaltenden Schläuchen und Maschinen…).

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    1. Eine starre Grundeinteilung um sich zurechtzufinden, ist ja erstmal auch gar nichts schlimmes. Man kann nicht alles wissen und dann ploppt halt ein entsprechendes Warnsignal im Kopf auf, für genanntes Kortison-Beispiel. Dann muss man aber eben diesen Horizont etwas erweitern und nachfragen oder sich damit beschäftigen. Es ist ein Unterschied ob man unbekanntes in grobe Kategorien packt, für den Fall das man damit nochmal konfrontiert wird oder ob man Sie darin direkt festnagelt

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  17. Waren die Cortisongaben vor Jahrzehnten vielleicht wesentlich höher waren und somit auch die Nebenwirkungen? Für meine Mutter – Jahrgang 1942 – ist Cortison DAS Teufelszeug (!!!!) schlechthin und es ist ein unheimlicher Akt, sie dazu zu überreden, ihre Medikamente zu nehmen. :-(

    Wenn jemand dazu etwas weiß würde ich es sehr gerne erfahren. Mit einfach verständlichen, sachlichen Argumenten ist sie immerhin für einige Zeit zu überzeugen…

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  18. Ich hatte bei irgendwas (TM) eine Cortisonsalbe verschrieben bekommen. Mit dem Begriff konnte ich damals wenig anfangen. Aber jeder, dem ich davon erzählte, hat bedenklich den Kopf gewiegt und sowas wie „Oh weh!“ gesagt. Als wäre das Teufelswerk.

    Laienhaft ausgedrückt ;-)

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  19. Kann viele Erzählungen hier leider bestätigen: Erwähnt man irgendwo in der Bekanntschaft „Cortison“, dann heißt es sofort „nimm das nicht“, „Teufelszeug“, „mehr Schaden als Nutzen“.. oh man!

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