Kleine Medikamentenodyssee – weshalb ständige Wechsel nicht gut sind.

Das Bild habe ich von der pharmasuisse geklaut – ich hoffe sie verzeihen mir, dass ich es zu Anschauungszwecken hier bringe. Es illustriert die Geschichte einer kleinen Medikamentenodyssee:

Medikamentenumstellung

Eine ältere Frau (Typ Grossmami) nimmt diese Dauermedikation (vom Arzt verschrieben):

  • Metfin 850
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin cardio 100
  • Co Valsartan Sandoz 160/12.5

Es handelt sich dabei um Medikamente gegen erhöhten Blutzucker, Cholesterin, Blutverdünner und Blutdruckmedikament. Dann hat sie einen Sturz und muss ins Spital. Dort wird dieselbe Medikation so gegeben:

  • Glucophage 850mg
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40mg
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Diovan 160/12.5

Man beachte die kursiv geschriebenen: sie entsprechen der Medikation vor dem Spitalaufenthalt in Wirkstoff, aber es sind die Medikamente von anderen Firmen – diejenigen, mit denen das Spital Verträge hat.

Das macht im Spital selber wenig, da die Patientin die Tabletten täglich in den kleinen Plastikgläslein zum schlucken gerichtet und vorgesetzt bekommt … höchstens ist sie etwas verwirrt, dass das dasselbe sein soll, denn auch die Tabletten innen sehen anders aus als ihre gewohnten – aber das wird schon stimmen.

Dann kommt sie zum wiederaufbauen in die Reha, wo sie die Medikamente weiter nehmen muss – aber dort werden dieselben Medikamente so zusammenstellt:

  • Metformin Mepha 850mg
  • Diamicron MR 60
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Valsertan HCT Actacis 160/12.5

Danach kann sie wieder nach Hause. Sie bekommt ein Rezept mit, das sie in der nächsten Apotheke einlöst, damit sie bis zum Besuch beim Hausarzt genug Medikamente hat.

Beim nächsten Besuch unternimmt der Hausarzt den löblichen Versuch, das etwas zu vereinfachen, indem er dies verordnet:

  • Janumet 60/850
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Valsartan Sandoz 160/12.5

Er hat also die Blutzucker-medikation (das Metformin und Diamicron) in einer Tablette „zusammengefasst“, das Janumet ist ein neueres Kombinationspräparat.

Man muss hoffen, dass die Frau auch nach dem Sturz noch alle Sinne zusammen hat und die perfekte Übersicht über ihre Medikation. Denn wenn sie Pech hat, hat sie von demselben Medikament jetzt Mehrfachpackungen oder Reste von angefangenen Packungen zu Hause mit unterschiedlichen Namen:  Metfin 850, Glucophage 850mg und Metformin Mepha 850mg ist alles dasselbe …  zusammen mit dem Janumet 60/850 sollte sie es auch nicht nehmen, denn auch darin ist derselbe Wirkstoff.

Das gleiche gilt für Co Valsartan Sandoz 160/12.5, Co-Diovan 160/12.5 und Valsertan HCT Actacis 160/12.5 – alles dasselbe, auch wenn die Namen unterschiedlich sind und die Tabletten immer anders aussehen.

Die Stammapotheke kann in einem solchen Fall helfen. Indem sie die Übersicht über die auch von verschiedenen Ärzten oder Institutionen verordneten Medikamente behält. Indem sie (nach Möglichkeit) bei einem (bekannten) Generikum bleibt und die Frau nicht durch ständige Wechsel verwirrt wird.  Indem Doppelverordnungen erkannt werden und die Patientin bei Neumedikation informiert wird.

Wir versuchen nach Möglichkeit, die Medikation gerade bei älteren Leuten konstant zu halten um solche Verwirrungen zu vermeiden. Es hat sich inzwischen auch gezeigt, dass solche Wechsel in der Medikation nicht nur zu (ungewollter) Überdosierung wegen Mehrfacheinnahmen führen, sondern auch die Compliance bei den Patienten sinken lässt: sie trauen dem Medikament nicht gleich und nehmen es dann nicht mehr.

In Deutschland haben sie diese Situation Dank der Rabattverträge der Krankenkassen bei so ziemlich jedem Medikament, bei dem es Generika gibt. Da schreibt die Krankenkasse vor, welches Generikum von welcher Firma abgegeben werden muss – und die wechseln teils Vierteljährlich (!).

Und hier in der Schweiz dürfen wir in der Apotheke noch aussuchen, welches das bestgeeignete ist … aber die Krankenkassen drängen schon sehr in dieselbe Richtung: bald wird hier wohl auch vorgeschrieben werden, dass wir das günstigste (lies: billigste) Generikum nehmen müssen – und wenn der Patient etwas anderes will, wird er wohl aufzahlen müssen. Darauf freue ich mich gar nicht. Da das billigste Medikament auch gelegentlich wechseln wird, sind häufige Umstellungen dann zu erwarten. Die Lagerhaltung wird noch schwieriger: dann muss halt mehr bestellt werden und es dauert länger, bis der Patient es bekommt. Die Verwirrung bei den Patienten steigt und die Einnahmetreue nimmt ab – nicht genommene Medikamente wirken nicht … ob die Krankenkasse dadurch wirklich so viel einspart?

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28 Antworten auf „Kleine Medikamentenodyssee – weshalb ständige Wechsel nicht gut sind.

  1. Du sprichst mir mit diesem Artikel aus der Seele, liebe Pharmama.

    Besonders „nett“ ist es ja auch immer, wenn man monatelang daran herumgeschraubt hat, einen Parameter wie e.g. Blutdruck oder Zucker vernünftig einzustellen, und dann im Spital ohne Anlass etwas völlig anderes gemacht wird. So bekam ich erst kürzlich eine Patientin zurück, deren Zucker ich nach einigem Herumprobieren gut mit Galvumet und Victoza in den Griff bekommen hatte. Ohne ersichtlichen Grund (es war auch im Entlassungsbericht kein Hinweis zu finden) wurde das im Spital auf Januvia und Lantus umgestellt.

    Bei sowas krieg ich echt ’nen Hals!

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    1. Das hat schon einen Anlass: wahrscheinlich haben sie im Spital kein Victoza und Galvumet. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, haben sie Listen mit den Medikamenten, die sie verordnen. Das sind häufig (immer noch) Originale. Wer auch immer ins Spital kommt, kommt danach mit einem Rezept über Nexium oder Pantozol wieder raus – auch wenn er (oder sie) vorher schon das Generikum Esomeprazol oder Pantoprazol hatte. In dem Fall habe ich meist wenig Mühe das wieder „zurück“-umzustellen, aber bei manchen Leuten braucht das doch schon wieder Überzeugungsarbeit („Aber der Arzt wird sich doch etwas dabei gedacht haben, dass er jetzt das verschrieben hat“ …)

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        1. Vielleicht ist das auch die Lieblingstherapie des zuständigen Chef- oder Oberarztes, der mit missionarischem Eifer vorgeht.
          Krankenhäuser „basteln“ meiner Erfahrung nach gerne rum.

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  2. Das habe ich mit meinem Vater in diesem Jahr xmal durchgespielt. Ich habe dann immer das Befüllen seines Dosets übernommen, sonst wäre es gar nicht gegangen. Auf die Schweiz kommt da mit der Überalterung der Bevölkerung ein gewaltiges Problem zu. Da müssen Krankenhäuser, Reha und Altersheim sich endlich besser koordinieren, bzw den gesunden Menschen Verstand einschalten, das würde schon helfen.

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    1. Koordination wäre gut – ist nur offenbar schwierig. Die Entlassbriefe sind zumindest oft ziemlich gut – auch gut wäre eine zentrale Stelle wo die Info gesammelt wird und wo die einzelnen bei der Behandlung beteiligten Stellen bei Bedarf auch Zugriff haben. Vielleicht schaffen sie das ja mit der elektronischen Gesundheitskarte.

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  3. ob die Krankenkasse dadurch wirklich so viel einspart?
    Ja, nennt sich „sozialverträgliches Ableben“. Spart ungemein.

    Es hat sich inzwischen auch gezeigt, dass solche Wechsel in der Medikation nicht nur zu (ungewohlter) Überdosierung wegen Mehrfacheinnahmen führen…
    Habe ich schon real erlebt. Beispiel:
    Arzt schreibt seit Jahren uraltem pflegebedürftigem Patienten „Belok Zok“ (Betablocker für Blutdruck) mit aut-idem-Kreuz (Austauschverbot) auf. Arzt bekommt deswegen immer wieder Anschreiben der kranken Kasse, das Austauschverbot betreffend der Rabattverträge doch bitte zu unterlassen – mit immer drohenderem Unterton. Arzt schreibt also irgendwann „Beloc-Zok“ ohne Austauschverbot auf, gibt das Rezept dem „Abholer“ mit (Patient ist schließlich kaum gehfähig), welcher es bei uns in der Apotheke einlöst und von uns EXPLIZIT darauf hingewiesen wird, dass „Metoprololsuccinat“ das selbe ist wie „Beloc Zok“, und dass dies auf KEINEN FALL doppelt eingenommen werden darf – Kommentar des Abholers: Patient wird das schon wissen, ich bin ja bloß der Abholer.. Abholer wird nochmals EXPLIZIT gebeten, dem Patienten das Problem zu erläutern. Was danach passierte, kann ich nur mutmaßem: Abholer bringt Medikament kommentarlos bei Patienten vorbei. Patient denkt sich Ah, eine neue Blutdrucktablette dazu. und nimmt das Arzneimittel 1x unter altem und 1x unter neuem Namen. Patient erleidet schweres Herzproblem durch gnadenlose Überdosierung (auf Grund der Herzfrequenzsenkung der Betablocker). Patient kommt ins Krankenhaus, wo er mühselig am Leben erhalten werden kann.

    Einsparungen: vielleicht 3€ bei Blutdruckarzneimittel aufs Quartal.
    Ausgaben: geschätzt 3.000 – 10.000€ Krankenhausaufenthalt.

    So sparen wir uns dann alle zu Tode, aber da die Summen ja aus unterschiedlichen „Töpfen“ kommen kann man sich die Ersparnis herrlich schön rechnen… facepalm.

    Auf diese Weise wird auch dem Versand Vorschub geleistet, denn der ist ja deshalb so viel billiger, weil Maschinen alles nach „Schema Automatik“ erledigen, und daraus folgende Probleme sind dann PAL („Probleme anderer Leute“).

    BTW:
    Wenn ich dann sehe, wie viele ach so „mündige, informierte und mitdenkende Patienten“ nicht einmal selber auf ihr Rezept schauen… Hatte erst vor 7 Tagen mal wieder ein Problem, wo eine Arztpraxis einem Patienten das falsche Rezept mitgegeben hatte (gleicher Nachname, unterschiedlicher Vorname), und der betroffene Patient hat den Fehler natürlich NUR bei uns gesehen, da WIR ja ihm nicht „sein“ Arzneimittel rausgegeben haben… Nicht, dass wir das ganze dann nicht lösen hätten können, nachdem wir erst mal 15min evaluiert haben, was überhaupt passiert ist… – jedoch nur EIN Blick von ihm selber in der Arztpraxis auf „sein“ Rezept hätte das Problem verhindert. Aber schließlich braucht Patient doch bei so einem Problem nicht mitdenken, dafür und damit verdienen ja andere das (dicke) Geld… Da werden sich nach Abschaffung der aktuellen Versorgung aber noch einige Patienten umschauen, dass man dann sein Gehirn nicht mehr an die Garderobe hängen kann. Und dass es ausländische Konzerne auch überhaupt gar nicht juckt, wenn ein Problem aufgetreten ist, was NICHT auf DEREN Mist gewachsen ist. (Und dass es die oft auch nicht juckt, WENN das Problem auf deren Mist gewachsen ist, kann man auf der Fratzenbuch-Seite vom MocDorris nachlesen…)

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    1. Das mit der Informationsweitergabe durch den Abholer kenne ich – das mag auch der Ehepartner sein, wirklich sicher kann man nicht sein, dass die Information wirklich weitergeht. Da habe ich schon Briefe geschrieben und mitgegeben … es bleibt die Hoffnung.
      Sehr unschön auch bei Person mit Demenz wenn man da deren Kind hat, die das abholen – die aber nicht weiter für die Betreuung zuständig sind (das ist dann oft die Spitex) und auch nicht interessiert daran, eventuell auftretende Fragen betreffend der Medikation abzuklären – wie oben: „ich bin nur der Überbringer“ … da bringt dann auch das explizite Schreiben nichts. 😦

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      1. Etwas ähnliches hatten wir hier bei uns vor Jahren mal in einem Altenheim. Dieses war bis dato von den zuständigen Hausärzten mit Medikamenten verorgt worden, bis eine lokale Apotheke der Heimleitung angeboten hatte, bei Bezug der Medis über diese Apo die Pillen kostenlos von einem Drittanbieter verblistern zu lassen. Da dadurch qualifiziertes Personal für das Medi-Stellen eingespart werden konnte, hat die Heimleitung dem – gegen den erklärten Willen der Heimärzte – zugestimmt.

        Ergebnis: mindestens zwei demenzkranke Patienten sind innert kürzester Zeit komplett mental entgleist. Der Grund: es war bei je einem Antidementivum die falsche Darreichungsform (kurzwirksame statt Retardtabletten) weitergeleitet worden. Da die Tabletten anders aussahen, als die bisherigen, hatten die Heimbewohner diese Pillen nicht genommen, sondern konsequent weggeworfen.

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  4. Wie ist die rechtliche Situation des Patiernten, und wie wird sie in der Realität gehandhabt ?
    Kann der Patient verlangen, dass das Spital und die Reha seine ursprünglichen Medikamente abgibt, kann er einen Medikamenten-Wechsel ablehnen, oder wird er dann aus diesen Institutionen unbehandelt herauskomplimentiert ?
    Kann er seine üblichen Medikamente ins Spital mitnehmen und verlangen, dass ihm diese weiterhin ohne Wechsel abgegeben werden ?
    Kann ihn der Hausarzt in seinem Vorhaben beim Spital und der Reha unterstützen – hat seine Stimme dort überhaupt Gewicht ?

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    1. Nun, wenn die Person wegen einem Unfall ins Spital kommt, kann sie meist auch nicht die eigenen Medikamente mitnehmen. In den meisten Fällen stellt das Spital dann die Medikamente. Und die nehmen das, was sie dort haben – man korrigiere mich, wenn das falsch sein sollte.
      Ich kenne Patienten, die für den geplanten Spitalaufenthalt ihre Medikamente mitnehmen. Das verabreichen funktioniert meist auch dann – aber von einigen habe ich gehört, dass sie bei Austritt den Rest nicht mehr mitbekommen haben, der sei irgendwo verschollen.

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      1. Also ich hab ganz brav mein Antibiotika mit genommen ins Krankenhaus… Und nach 3 Wochen wieder bekommen.
        Was ich jetzt mit der völlig unbenutzten Packung anstellen soll weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Auch musste ich selber darauf achten, dass das Antibiotika wieder rechtzeitig abgesetzt wurde. Musste dann erstmal die Einnahme verweigern, weil die Ärzte gepennt haben….

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        1. Sorry, aber mein Latinum schmerzt gerade wieder unheimlich: es heisst „AntibiotikUM“. „AntibiotikA“ ist die Mehrzahl – und Du wirst doch wohl nur eines zur Zeit eingenommen haben, oder?

          (Soll nicht unhöflich sein, aber ich höre das so oft in meiner Praxis, dass es mich wirklich annervt.)

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          1. Sorry, war nur ein Unaufmerksamkeits-Fehler. 😉 Mir ist der Unterschied eigentlich bewusst… Aber manchmal komme ich dann doch etwas durcheinander. 😉
            Trotzdem Danke nochmal für deine Aufklärung. Ich hatte selbstverständlich nur ein Antibiotikum, nur die anderen Medikamente waren in der Mehrzahl. 😛

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    2. Es ist auf jeden Fall kompliziert. Wir hatten mehrfach Probleme, weil Krankenhäuser bestimmte Medikamente für seltene Krankheiten entweder gar nicht da haben (Diacomit ist da immer gern dabei) oder andere in falscher Dosierung und Form. Und wenn ein Kind zwar 500mg eines Medikaments bekommt, die Kapseln aber so groß sind, dass es nur die 250mg-Variante schlucken kann (und deshalb 2x250mg bekommt), dann nützt es mir nichts, wenn das KH zwar das Medikament da hat, aber nur in 500er und 1000er Kapseln. Wir haben also IMMER eigene Medikamente dabei und ich habe schon heftig mit Schwestern und Ärzten diskutiert, weil ich darauf bestanden habe, dass diese von uns in eigener Verantwortung gegeben und auch nicht mal eben gegen andere getauscht werden. Das geht aber natürlich nur, wenn eine entsprechende Begleitperson dabei ist. Wenn das nicht der Fall ist, wird es vermutlich schwieriger.

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  5. Interessant – von der ärztlichen Seite sieht das etwas anders aus. Wir bekommen meist eine Liste von irgendwem, teils knapp mit dem Wirkstoff und der Dosis drauf. Dass da dann andere Generika im Spital gegeben werden, ist klar und die Diskussion vorbereitet.

    Aber: jedenfalls in allen chirurgischen Kliniken, in denen ich bisher tätig war, wurden eigene Medikamente NICHT rezeptiert, solange nicht signifikant verändert wird (doppelte Dosis morgens z.B. wird nur vermerkt, nicht rezeptiert). Und: ein Austritt in die Reha ist normalerweise nur direkt aus dem Spital möglich und drum steht es vielleicht anders im Bericht (der überarbeitete Assistenzarzt freut sich immer aus Handgeschriebenen Listen eine einigermassen stimmige Liste zusammenzustellen), die Medikamente abholen muss der Patient aber eigendlich nicht. Diese werden für mehrere Tage gerichtet von der Pflege in die Reha mitgegeben. Was die dann rumschrauben und hausintern austauschen steht auf einem anderen Blatt. Und die „Vereinfachung“ mit dem Kombipräparat ist wiederum beim Hausarzt verursacht. Es ist zu hoffen, dass alle Beteiligten der Patientin erklärt haben, was sie wie nehmen soll. Ansonsten hilft nur: alles wegwerfen und mir noch „das auf der Liste“ nehmen“. Dann ist aber definitiv nichts mehr gespart …

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  6. Leider ist es ja hier in den deutschen Landen so, dass manchmal kleine „Klitschen“-Firmen den (Allein-)Zuschlag zum Rabattvertrag bekommen und nach kurzer Zeit schon nicht mehr liefern können. Dann hat mal also mit Engelszungen dem Patienten den Wechsel der Firma erklärt und kann gerade wieder von vorne anfangen, weil beim nächsten mal die Firma lieferunfähig ist.

    Einen anderen Fall habe ich mal erlebt. Da kommt ein älterer Herr etwas verzweifelt in die Apotheke und fängt an sämtliche Taschen seines Sakkos auszuräumen. Alles Ärztemuster von zweien seiner Bluthochdruckmedikamenten. Alles Minipackungen von unterschiedlichen Firmen und mit unterschiedlichem Aussehen und Namen. Gefrustet sagt er: ich wollte doch nur ein Rezept, jetzt habe ich das hier bekommen.
    Ich habe den „Haufen“ erst mal sortiert, eine Packung war sogar abgelaufen. Die einzige Lösung: ich habe beim Arzt angerufen und um ein „richtiges“ Rezept gebeten und mit dem Hinweis, bitte Patienten doch nicht so ein Sammelsurium an Mustern mitzugeben – das erhöht nicht gerade die Arzneimittelsicherheit. Außerdem bat ich die Praxis, doch mal die Verfallsdaten zu kontrollieren (und jaaaa, wir entsorgen euch den Müll).

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    1. Zwei Möglichkeiten: er wollte seinen Musterschrank ausräumen oder dem Patienten etwas gutes tun, indem er ihm die Medikamente schenkt … oder beides. Kann ziemlich schiefgehen.

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    2. Lieferunfähig kann ja definitionsmässig gar nicht sein. Die haben ja schliesslich so ein Ding unterschrieben wo drin steht dass die nicht lieferunfähig werden dürfen, also kann das ja auch nicht sein. Das muss sich also rein definitionsgemäss um einen ultramegaseltenen Fall handeln der nur vorkommt wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen. 😉

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      1. auffällig oft trifft gerade beides zusammen, gepaart mit Vollmond…#Ironieoff#
        #seufz# vor allem bei Antibiotikum Levflxacn und der !KLEINEN! AO*K #seufz# EIN nicht lieferfähiger Liefervertragspartner grrrrrr #nochmalseufz#

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  7. Wenigsten hat die ältere Dame immer das Gleiche bekommen und ist nicht im Krankenhaus einem übereifrigen Internisten in die Hände gefallen. Dann käme nämlich neben der Verwirrung um die unterschiedlichen Namen eventuell noch eine gänzlich umgestellte Medikation dazu.
    Das bringt dann noch mehr Potential für Chaos und Doppeleinnahmen.

    Wie Gedankenknick schon schreibt: Hauptsache ein paar Cent an der 100er Packung gespart.
    Dem Tod mit einem mehrwöchigen Intensivstationsaufenthalt gerade so von der Schippe gesprungen und dafür einen 5-stelligen Betrag gezahlt? Egal, die kranke Kasse zahlt. Ich habe von meinem Vater Rechnungen in der Hand gehabt für knapp eine Woche Intensiv. Das sind alleine schon 12.000 Euro gewesen.

    Die ältere Bevölkerung ist mit den ganzen unterschiedlichen Medikamentennamen überfordert. Die einfach gestrickte Bevölkerung auch. Nur wenige setzen sich mit dem auseinander was sie wofür bekommen und wie das dann wirkt. Man nimmt halt die roten kleinen fürs Herz und die grossen weissen für den Zucker. Das trifft aber selbst für Akademiker zu. Die Auswirkungen von Unter- und Überdosierungen durch Verwechselungen oder vermeintlich neue Tabletten sind glaube ich genug beschrieben in der Literatur.

    Wie schön wäre es wenn das gewillte und geballte Pharmazie-Personal endlich einbezogen wird. Wieviele Leute würden länger leben und weniger oft im Krankenhaus landen. Aber die Kosten senken über Preisschrauben ist ja viel einfacher zu implementieren.

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  8. Wir haben (in D) extra spezielle Aufkleber seit es die Rabattverträge gibt „Dieses Medikament ist von dem Vertragspartner ihrer Krankenkasse und entspricht……………………..“ und dann kann man dort den Namen eintragen unter dem der Patient das Medikament kennt. Allerdings sind die außer in den ersten 1-2 Jahren zur Seltenheit geworden, die Kunden lesen meistens inzwischen selber den Wirkstoff.
    Letztlich ist es so das die Patienten jedes Arzneimittel erhalten können was sie möchten, allerdings läuft die Verrechnung dann nicht mehr über die Apotheke, sondern der Patient muss mit seiner Kasse selber abrechnen und die Aufzahlung (also den Rabattverlust und eine Bearbeitungsgebühr) wird gegen gerechnet und er erhält Betrag X zurück. Ein paar dieser Abrechnungen habe ich schon gesehen, was da noch zurück kommt ist schon wirklich lachhaft. Das ist der einzige Moment in dem man die Preise der Kassen dann erahnen kann die sie durch die Rückerstattung haben. Habe auch ein Beispiel auf dem PC, noch relativ harmlos in den Abzügen aber ich glaube hier kann man keine Fotos in die Kommentare einstellen, oder?
    Dennoch kann das je nach Situation und Umstellung durchaus in einigen Fällen immer wieder mal Probleme bereiten und dann uU nicht helfen zu können, weil alle Möglichkeiten dann genau in dem Fall nicht anerkannt werden, ist ein Trauerspiel.

    Inzwischen ist es allerdings ENDLICH so, das die meisten Ärzte auf den Medikationsplänen nur noch die Wirkstoffe mit Stärke und Dosis schreiben und keine FAM-Namen mehr. Die sehr netten lassen daneben noch eine Spalte damit man den FAM-Namen eintragen kann welches der Patient bekommt.
    Gut, Originale sind hier inzwischen natürlich ohnehin eine absolute Seltenheit geweorden und die Pateinten können meistens am Namen erkennen was identisch ist (BisoLich = BisoGamma = Bisoprolol Ratiopharm usw) aber für alle funktioniert das natürlich auch nicht.

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  9. Ein Fall in der Verwandtschaft: Gut informierter Patient, kennt seine Medikamente genau. Im Krankenhaus morgens die falsche Anzahl Tabletten. Also nachgefragt. Es wurde versichert, dass es genau dem entspricht, was Patient so nimmt, es konnte aber nicht erklärt werden, welche Tablette welches Medikament ist. Zu jeder Mahlzeit und an jedem Tag(!) gab es eine abweichende Menge. Patient hat von den zugeteilten Medikamenten nicht eines genommen, sondern am ersten Tag sofort telefoniert und sich eigenen Medikamente bringen lassen.

    Gespräche gab es so einige mit der Pflege und mit Ärzten. Ein weniger aufmerksamer Patient wäre vermutlich komplett gesundheitlich entgleist.

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  10. Krankenhaus, Geburt, ok eigentlich planbar, ich hätte meine Medis mitnehmen können, habe ich aber nicht. Vergessen und eigentlich wollte ich schnell wieder heim.
    Statt den Schilddrüsentabletten L-Thyroxin Henning 75 gab es 3,5 Tabletten (welche Marke weiß ich nicht, aber nicht meine!). Dabei sollte dann noch Jod sein (in der Stillzeit ja empfohlen, soweit ok). Welche das von den 3,5 Tabletten waren weiß ich nicht. Es waren alles die gleichen… Dazu gab es auch morgens 100mg Eisen. Alles für morgens. Wohlgemerkt kam das Frühstück vor den Medikamenten. Hätte ich nicht gewusst, dass man beides nicht zusammen nehmen sollte, hätte ich mich drauf verlassen, dass das schon so stimmt… Ich habe vorgezogen 2 Tage nichts zu nehmen (Eisen habe ich genommen), als irgendeine Dosis, die ich nicht kenne.

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  11. Ich habe beim Lesen dieses Posts auch genau so gedacht wie Gedankenknick – die Ersparnis wird durchs Sterben schon erzielt werden ..

    Und schlimm wird es ja dann noch dadurch, dass das Medi, auf das Kasse X nun den Rabattvertrag geschlossen hat, dann bei einer großen Kasse mit vielen Mitgliedern und dem Zusammentreffen eines kleinen und/oder indischen Herstellers dann recht schnell nicht mehr lieferbar sein wird. Was dann selbstverständlich aber nicht so kommuniziert werden wird, sondern es wird dann nur von Kontingenten gesprochen, die bestimmte Apotheken/Großhändler eben nicht erreichen ..

    Besser wird es auf keinen Fall.

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  12. Ich kriege vom Nephrologen nach jeder Änderung eine Liste ausgedruckt. Habe zu Hause ein eigenes Regalbrett, das mit Etiketten mit Wirkstoffen beschriftet ist. Unterschiedliche Hersteller mit gleichem Wirkstoff stehen so immer in derselben Reihe.
    Jede Woche wird mit der Liste die Medikation für eine Woche in eine Wochendosette gestellt. Dabei muss ich immer auf die Dosierung aufpassen, denn ich habe Ramipril in 5 und 10 mg (teilbar), Allopurinol in 100 und 300 etc. Immer streng nach Liste und alles doppelt abgleichen.
    Ohne das alles hätte ich längst keinen Überblick mehr.

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