Der Krankenkassenverband ortet wieder Sparpotential (auf dem Rücken der Patienten)

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SRF gestern abend: Einsparungspotential bei der MiGeL, Produkte im Ausland günstig einkaufen und Kosten für die Krankenkasse sparen. hat mich geärgert. Klar schlägt der Krankenkassenverband wieder in diese Kerbe. Die wissen, wo sie hinwollen. Ich denke, den Patienten ist aber nicht ganz klar, wo das hinführt. Lasst mich erörtern.

Aktuelle Situation der CH: die Teststreifen und Verbandmaterial, Kompressionsstrümpfe etc. die darunter fallen, werden jetzt schon nur anhand von Höchstpreisen abgegolten. Mit „Höchstpreise“ ist hier gemeint, dass das BAG da mit der MiGeL vorgibt, wieviel die Kasse an den Sachen zahlen muss. Diese Preise liegen (für die Schweiz) jetzt schon so, dass wir in der Apotheke sie praktisch zum Ankaufspreis weitergeben müssen. Bestes Beispiel Teststreifen. Das machen viele Apotheken tatsächlich, als Serviceleistung und auf eigene Kasse. Bei anderen Dingen ist die Differenz zum Verkaufspreis (damit wir überhaupt was daran verdienen) höher, so dass wir da die Differenz vom Patienten verlangen, Beispiel: Stützstrümpfe. Das ist der Moment, wo es sich lohnen kann eine Zusatzversicherung zu haben, denn wenn die Vorhanden ist, versuchen wir die Differenz via die abzurechnen.

Ganz toll fand ich, wie sie in der Sendung die Preise mit denen in Deutschland vergleichen. Ich bitte die mitlesenden Deutschen Apotheker mich zu korrigieren, aber dort ist es so, dass die Krankenkassen die Preise festsetzen die sie vergüten. In einem Bereich, der sehr häufig weit UNTER dem Einkaufspreis liegt – So vergüten sie zum Beispiel für Inkontinenzprodukte so wenig, dass das dem Patienten nie reicht (man denke an eine Menge von 30 Einlagen pro Monat der allerbilligsten Qualität). Mehr wird nicht bezahlt. Eine Apotheke, die das beliefert macht nicht nur eine Nullrunde– sie macht Minus.

Nochmal: diese Preise sind so niedrig, dass die beliefernde Apotheke nichts mehr daran verdient, weil der Einkaufspreis über dem Preis liegt, den die Kasse vergütet. DEM „Verkaufspreis“, mit dem die Santesuisse jetzt unsere Preise vergleicht – und Millioneneinsparungen verspricht. – Ja, die Kasse wird dann sparen, das Geld kommt dann entweder aus den Taschen der Apotheken selber (die dann wohl vermehrt eingehen wegen Unrentabilität) oder der Patienten, die die Differenz zahlen müssen.

Ich bin sicher, dass der Einkaufspreis in Deutschland unter dem Einkaufspreis in der Schweiz liegt. Da sollte man wirklich allgemein mal zu schauen, weshalb die Preise hierzulande so hoch sind?  Das gilt aber für so ziemlich alles, vom Auto über Lebensmittel über Bücher (mein eigenes Buch kostet – mit Preisbindung-  in der Schweiz mindestens 5 Franken mehr als in Deutschland.

Auch ausgeklammert wird die Frage, weshalb notwendige und wirksame MiGeL Produkte (wie spezielles technisch hochwertiges Verbandsmaterial auch) schon jetzt so knapp vergütet werden und Zeug wie die Homöopathie anstandslos übernommen wird: Da kosten 15g Zucker einfach „imprägnierter“ Zucker fast 20 Franken pro Packung!

Aber zurück zur Situation in Deutschland, die der Krankenkassenverband bei uns wohl gerne hätte: Dort ist es so, dass nur eine Apotheke mit Spezialbewilligung der Krankenkasse die Patienten mit medizinischen „Mitteln und Geräten“ beliefern darf. Das hat wohl damit angefangen, dass sie das ausgeschrieben haben … und nur die Apotheken mit dem besten (niedrigsten) Angebot die Bewilligung dann bekamen. Aber auch nicht einfach so – dafür muss man eine Qualifizierung bestehen, die so tolle Vorschriften wie „öffentliche und rollstuhlgängige Toilette in der Apotheke“, „einmal jährlich Instruktion an die Angestellten, wie man eine Leiter sicher benutzt“ und ähnliches oft unsinniges beinhaltet. Regelmässig wird dann nachkontrolliert, ob das noch so ist. Hört sich ja ganz gut an … ist aber eigentlich nur Bürokratischer Wahnsinn. Wer keine solche Bewilligung der Krankenkasse hat, der DARF keine Patienten mehr mit solchen „Mittel und Gegenständen“ beliefern. Nicht auf Kosten der Krankenkasse. Nicht mal bei Notfällen. Die Krankenkassen zahlen das einfach der Apotheke nicht. Vom Patienten darf man es dort aus rechtlichen Gründen auch nicht verlangen.

Damit hat es die Krankenkasse hinbekommen eine Menge Geld zu sparen … klar, sie schreiben einfach alles vor (Preise und Bezugsort) – und die Politik hört nur „Sparen“ und legt die gesetzlichen Grundlagen für derartigen Unsinn. Im Moment gerade den mit dem Versandhandel aus dem Ausland.

Aber wer darunter am Ende leidet sind die Patienten.

Inkontinente, die alles von zentralen Lieferzentren beziehen müssen. Das Zeug wird dann vielleicht nach Hause geliefert (Grosskarton-weise oft ein Platzproblem), aber ist von derart elender Qualität, dass man damit kaum au dem Haus kann, wenn man überhaupt mengenmässig genug erhält, dass es die vorgeschriebene Zeit reicht.

Eltern mit Kindern, die ein Inhalationsgerät brauchen, bekommen es nicht mehr in der Apotheke, denn auch wenn die Notdienstapotheke tatsächlich noch eines hat (was immer weniger der Fall ist wegen der Selektivverträge), darf sie das nicht herausgeben, weil die Krankenkasse das nicht bezahlt. Auch nicht nachträglich. Die einzige Möglichkeit wäre das gratis zu machen. Das käme den Kassen recht, dem Überleben der Apotheke ist das aber abträglich – aber weniger Apotheken ist ja angeblich auch gut um Geld zu sparen als Kasse.

Diabetiker die neue Nadeln brauchen müssen jetzt von Pontius zu Pilatus laufen um eine Apotheke zu finden, die sie noch beliefern darf – was vor allem bei älteren Patienten dazu führt, dass sie dann alte Nadeln wiederverwenden (und stumpfe Nadeln führen zu diversen Problemen wie Narbenbildung, ungenauer Dosierung etc)

Und jetzt macht die Santesuisse also praktisch wieder Werbung dafür, dass im Ausland eingekauft wird. Nicht nur Mittel und Gegenstände – auch Medikamente wollen sie von ausserhalb. Nichts neues, gerade letzthin der :

Schweizer Apotheker halten hohe Qualitätsstandards ein, bilden sich regelmässig weiter, zahlen hiesige Mieten, Löhne und Infrastrukturkosten, dürfen ausschliesslich von der Swissmedic zugelassene Medikamente verkaufen und müssen sich an sämtliche Schweizer Gesetze und Standards halten. Und dann kommt eine Gruppe von «Experten» daher und wischt alle in der Schweiz geltenden Bestimmungen für den Verkauf von Medikamenten vom Tisch. Braucht es nicht. Kauft im Ausland ein!

Cool, nicht? Aber für die Kassen sind halt die Medikamentenpreise und auch die der „Mittel und Gegenstände“ einfachstes Angriffsziel – und das wird jetzt mit allen Mitteln angegangen. Solange die Leute nur „Sparen“ hören wird das häufig unreflexiert als „gute Idee“ angenommen. Ist es nicht. Siehe oben.

Nachtrag: SOO Gross ist das Sparpotential bei den MiGeL-Artikeln:

SparpotentialMiGeL

Bild von pharmasuisse von heute.

2.1% !!! DAS ist nicht der Grund für die hohen Prämien!

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37 comments on “Der Krankenkassenverband ortet wieder Sparpotential (auf dem Rücken der Patienten)

  1. HF_Weltweit sagt:

    Wer sind in der Schweiz eigentlich die Preistreiber, die dafür sorgen, dass die Ankaufspreise der Apotheken für Medikamente und medizinische Hilfsmittel viel teurer sind als im Ausland ? Etwa die Hersteller dieser Produkte und deren Importeure, nach dem Motto „Kaufkraftabschöpfung“ ?
    Und wie verhält es sich mit der Erhebung der Medikamentenpreise durchs BAG in verschiedenen europäischen Ländern – Spanien fehlt doch in der Länderliste – warum wohl ?

    Und dass der Krankenkassenverband dann wieder auf die Apotheken losgeht, statt den Ursachen auf den Grund zu gehen und Schritte einzuleiten, um diese Preistreiberei an der Quelle zu unterbinden, finde ich nicht gerade mutig. Einfach nach dem Motto „lieber gegen die Kleinen, als sich mit den Grossen anzulegen.“

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    • Pharmama sagt:

      Richtig. Es scheint einfach einer der wenigen Punkte zu sein, wo sie „problemlos“ ansetzen können, ohne gleich eine grössere Systemänderung machen zu müssen.
      Und das Einsparungspotential ist ja beachtlich (hust-nicht) die MiGeL Ausgaben sind krasse 2.1% der Gesamtausgaben der Krankenkasse.
      Man beachte übrigens: Auf dem Bild oben sind die Verwaltungsausgaben der Kassen nicht drauf.
      Auch nicht drauf: wieviel Millionen Gewinn die Kassen jährlich erwirtschaften. Zugegeben: das meiste davon mit der Zusatzversicherung. Aber: Sowas wie Querfinanzierung gibt es da nicht.

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  2. Thomas sagt:

    Was mir dabei in den Sinn kommt: SPAREN, SPAREN KOSTEN WAS ES SOLL!
    Natürlich wie so oft zum Unwohle des Kunden , in diesem Fall des Patienten…

    Aber man sollte sich nicht wundern, denn das sind nunmal die
    degenerativen Auswüchse einer deregulierten Freien Marktwirtschaft, und ist
    es nicht so, dass genau dies eine deutliche Mehrheit des Volkes
    haben will….?

    Abgeklärte Grüsse
    Thomas

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    • Pharmama sagt:

      Ich bin ja wirklich auch nicht dafür, dass man das Geld zum Fenster rauswirft. Aber wichtiges und hilfreiches sollte von den Krankenkassen übernommen werden wenn es gebraucht wird.

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  3. Der Flo sagt:

    Schön, dass Du in diesem Zusammenhang das Thema Homöopathie ansprichst. Da gab es vor 1 Woche ja in Deutschland auch wieder eine Peinlichkeit einer grossen Krankenkasse: die „Techniker“ hatte Mitglieder des „Informationsnetzwerks Homöopathie“ (INH) zum Gespräch geladen (vor allem zur Klärung der Frage, warum sie HP bezahlt, Brillen aber nicht (als plakatives Beispiel)). Im Vorfeld hatte das INH per Twitter Fragen gesammelt, die man der TK vorlegen wollte.

    Einen Tag im voraus sagte die TK dann das Gespräch ab. Zuerst aus „persönlichen Gründen“, dann weil man erfahren haben wolle, das INH würde nicht sachlich argumentieren (von wem diese Falschinfo wohl kam…) und zuletzt, weil man erfahren hatte, dass die Antworten auf die Fragen doch tatsächlich veröffentlicht werden sollten. Nein, sowas aber auch! (Das war zwar von Anfang an so besprochen gewesen, aber anscheinend leidet die komplette TK derzeit an spontanem Gedächtnisschwund.)

    Der wahre Grund ist natürlich klar: man möchte sich nicht die HP-Fans vergraulen, die viel Geld einbringen und wenig kosten (weil jung und gesund).

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  4. Vielleicht sollte sich die TK geschlossen mal Memantin verordnen lassen…

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  5. vlt. sollte man die Zahl der Krankenkassen mal auf 1 setzen, die Einsparungen in Mrd. Höhe den tatsächlichen Leistungserbringern zugestehen und die Patienten entlasten!

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  6. Sebastian sagt:

    In Deutschland bekommst Du Inkontinenzartikel nicht (mehr) in der Apotheke und zwar seit mindestens 15 Jahren nicht mehr. Dafür gibt es „Sanitätshäuser“, die auch Stützstrümpfe anmessen und diverse andere Gerätschaften liefen.
    Für Inkontinenzbedarf auf KK-Kosten handelt die KK jährlich mit einem (deutschen) Versandlieferanten Konditionen aus. Von dem muss der Patient dann seinen Bedarf beziehen, bestenfalls als Monatsration oder auch als 3-Monats-Ration. Natürlich wechseln dabei auch die Hersteller, aber Probleme mit minderwertiger Qualität hatten wir bisher noch nicht.

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    • stuttgarterapothekerin sagt:

      Darf ich dich leicht korrigieren?
      Je nach Kranker Kasse ist das Beziehen der Inkontinenzartikel über die Apotheke möglich – z.B. die AOK Baden-Württemberg erlaubt Apotheken, einem Liefervertrag beizutreten. Dann gibt es jeweils für die Versorgung für einen Monat einen festen Betrag – z.B. AOK Baden-Württemberg 29 Euro….dafür kann man dann versorgt werden. Dass die 29 Euro zur würdevollen Versorgung mit guter Qualität evtl. nicht reichen, steht allerdings auf einem anderen Blatt….
      Jede Kranke Kasse hat meines Wissen nach einen anderen festen Betrag pro Monat. Ausreichen tun die wenigsten….

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      • Pharmama sagt:

        Danke, ich wusste ich hab das so irgendwo gelesen.

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      • Sebastian sagt:

        Dann gibt es anscheinend unterschiedliche Abstufungen. Meine Erfahrungswerte basieren auf unserer (mittlerweile volljährigen) Tochter, die komplett darauf angewiesen ist.

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        • Ich kämpfe übrigends grad mit einer Krankenkasse. Seit über 10 Jahren beliefere ich einen Patienten mit Blasen-Kathedern. Locker 1200€ pro Monat – sinnvoller Weise zum Einkaufspreis + 19% MwSt. (= „Vertragspreis“). Plötzlich fällt der Kasse auf, dass hätte ich zur Genehmigung einreichen müssen, natürlich jeden Monat neu… Ergo braucht man die bereits belieferten Rezepte nun wohl DOCH NICHT bezahlen. Für mich stehen gerade so zwischen 4500 und 14.000 € auf dem Spiel, je nach dem wie erfindungsreich sie die Kasse jetzt zeigt… Ist eine nette Weihnachtsüberraschung.

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          • Pharmama sagt:

            Ürks – jeden Monat neu? Denken die man hat sonst nix zu tun?
            Aber ich finde das einfach nicht richtig, dass das so weit im nachhinein noch gemacht werden dard – mal abgesehen davon, dass so Retaxationen verboten gehören.

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          • Der nächste Vertrag (dem ich nun nicht beigetreten bin) verlangt dann jedes mal einen „elektronischen Kostenvoranschlag“, der über einen separaten Dienstleister abgewickelt werden muss, welcher jeweils ca. 25€ für diese Dienstleistung verlangt. Also um das mal so auszurdücken: Ich werde bezahlt mit EK + MwSt., darf aber zwangsweise aus diesem übbigen Gewinn andere zusätzliche Kosten berappen. Sowas nenn ich mal „kostendeckend“.. #kopfschüttel#

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          • Der Flo sagt:

            „Sowas nenn ich mal „kostendeckend“.. #kopfschüttel#“

            Bei so viel Kopfschütteln hätte ich schon längst ein Schleudertrauma.

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    • aponettesplauderei.wordpress.com/2017/12/18/wie-geht-inkontinenz-versorgung/ hier habe ich noch mal etwas genauer erklärt, wie es gehen kann.
      Bei Stützstrümpfen ist es übrigens auch so, daß es auf die Kasse ankommt. So dürfen wir selbstverständlich noch Strüpfe liefern, wenn es denn eine Kasse ist, mit der wir einen Vertrag haben.

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  7. Mamie Juliette sagt:

    Meine Mutter war in ihren letzten Lebensjahren inkontinent und als ich auf der Abrechnung des Pflegeheims recht hohe, von meiner Mutter zu tragende, Kosten für Windeln entdeckte und bei der Barmer (der Kasse meiner Mutter) anrief und fragte, wie es sei, wenn die Leute mit den monatlich abgezählten Windeln nicht hinkämen. Die junge Frau von der Barmer meinte, heute seien die Windeln so gut, dass man da mehrmals hineinmachen könnte. Ich war so entgeistert, dass mir die passende Antwort erst viel später (zu spät) einfiel: „Ich wünsche Ihnen, dass, wenn Sie in dem Alter sind, die Windeln so gut sind, dass man sie nur noch ein Mal im Monat wechseln muss.“
    Die Pflegerinnen und Pfleger bestätigten mir dann, dass die Windeln heutzutage unglaubliche Mengen Flüssigkeit aufnehmen können. Allerdings wäre der Geruch beim Wechseln dann auch unglaublich.

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    • Schon so um 2003/2004 gab es in einem örtlichen Pflegeheim die Vorgabe seitens des Betreibers (der dies vermutlich seitens der KrankenKassen durchreichte), Windeln beim Wechseln auf die Waage zu legen, und nicht volle Windeln wiederzuverwenden.

      So zur selben Zeit flatterte mir der erste „Selektiv-Hilfsmittelvertrag“ einer der damaligen AOK-SachsenAnhalt auf den Tisch, die den bundesweiten Liefervertrag gekündigt hatte. Da standen neben anderen Vertragsbedingungen so lustige Dinge drin wie
      -Der Leistungserbringer hat den Inko-Bedarf des Patienten zu ermitteln und 7 Tage täglich die Therapie zu begleiten, um zu überprüfen, ob der Bedarf wirklich benötigt wird. (Mit anderen Worten: wiegen ob die Dinger VOLL sind.)
      oder
      -Der Leistungserbringer hat mit dem Patienten regelmäßig Übungen durchzuführen, um den Inko-Bedarf zu senken. (Ja klar, dann setz ich mich zu der 90-jährigen bettlägrigen Patientin auf die Matrazenkante und schule sie in Beckenbodentraining, während ich ihr anbiete zu ertasten, ob sie das auch richtig macht? Also beim besten Willen..!)
      Dieser Vertrag war der erste, dessen Beitritt ich aus moralischen und juristischen Beweggründen ablehnte. Finanziell wäre es damals vielleicht sogar noch gegangen, obwohl es auch der erste Vertrag mit einer „all-you-can-shit“-Flatrate war.

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      • Pharmama sagt:

        Ge-dank-en-kino.
        Will ich mir gar nicht vorstellen: Die gebrauchten Einlagen zu wiegene?
        Ups zu spät.
        (Bleeeaaachhh)

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        • Mamie Juliette sagt:

          Ich finde es schade, dass Apotheken und Ärzte sich diese Kaputtsparerei so sang- und klanglos gefallen lassen. Dass es Zeiten gab, in denen im Gesundheitssystem das Geld rausgehauen wurde und Sparen vernünftig und sogar qualitätssteigernd hätte sein können, halte ich für richtig. Aber was inzwischen (nicht nur in Deutschland) los ist, ist in jeder Hinsicht menschenfeindlich und menschenverachtend. Auch in Frankreich geht die Tendenz mit etwas Verspätung leider in die gleiche Richtung.

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          • Was sollen denn die Apotheker machen? Denen werden die Verträge seitens der KrankenKassen vorgelegt, und man kann (völlig selbstausbeuterisch und selbstverachtend) beitreten, oder man läßt es und läßt seine Patienten hängen. Ich tendiere zu zweiterem, denn ersteres macht die Patienten ZUSÄTZLICH sauer auf mich, wenn ich nicht alle Wünsche erfülle(n kann).

            Ausschreibungsgewinner sind meist irgendwelche Großkonzerne, zum Teil mit Sitz im europäischen Ausland (Polen), die dann den MIST minderster Qualität, der aber EXAKT den Mindestanforderungen der Kasse entspricht, extra produzieren lassen und liefern… oder vernünftige Qualität mit hohen Aufzahlungen für den Patienten anbieten. Ich als Apotheker KANN NUR vernünftige Qualität anbieten, darf aber den Mindest-Qualitäts-Preis dabei NICHT überschreiten (vertraglich festgeschrieben).

            Die einzige Möglichkeit mich dagegen zu wehren ist offensichtlich NICHT dem Vertrag beizutreten…

            Übrigens haben das Patinetenverbände und Apotheken gerade im Inko-Bereich schon LANGE angeprangert – so ungefähr seit 2006. Daraufhin wurden die Gesetze Ende 2015(?) geändert – und zwar so, dass die Leistungserbringer jetzt MEHR Bürokratie machen müssen, damit sie die HÖHERE QUALITÄT BEWEISEN können, wobei die Kassen den Preis genau so wie vorher festlegen (und die meisten Kassen haben den einfach beibehalten). Die all-you-can-shit-Flatrate der DAK war Zwischendurch übrigens – so ich mich korrekt erinnere – 12,50€ incl MwSt…. FÜR EINEN MONAT VERSORGUNG.

            Anderes Beispiel DAK: Für einen sterilen Bettbeutel mit mit Ablauf erhält Uromed beispielsweise 1,79 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Wollen Apotheken dieses Produkt von Uromed kaufen, zahlen sie im Einkauf 2,95 Euro [ohne MwSt.] ist von Juni 2015. BESSER geworden ist seit dem NIX.

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        • Es ist ja noch viel schöner. Wir versorgen hier einige Dörfer mit einem Fahrweg von locker 15km. Da – so die Vorstellung – fahre ich dann 1x am Tag hin und zurück um die verbrauchten Windeln zu wiegen. Allein nach 2 Tagen wären die mir damals zugestandenen 33€ pro Monat Gesamtversorgungspauschalepauschale an Fahrkosten und -zeit MEHR als abgearbeitet gewesen, denn unter 35min ist die Strecke (hin und zurück) nur bei abgesperrter Straße und mit Renn-C-Lizent zu bewerkstelligen…

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          • Mamie Juliette sagt:

            „Was sollen denn die Apotheker machen?“ Da geht es den Apothekern genauso, wie den Menschen in meinem Beruf. Es ist kaum zu schaffen, Freiberufler oder Kleinunternehmer solidarisch unter einen Hut zu kriegen. Die beruflichen Verbände sind ein Witz – auch die der Ärzte. Im Endeffekt arbeitet jeder gegen jeden und nur für sich allein – nur deswegen passiert da nix, bzw ist nix passiert. Alle jammern, aber die meisten versuchen, in dem System nicht unterzugehen und tun irgendwann dann doch genau das, was das letzte Glied in der Kette am schlimmsten benachteiligt: Die Patienten.

            Wie überall gibt es außerdem auch hier Leute, die von diesem System profitieren oder erst dadurch reich und groß geworden sind. Oder Macht bekommen haben, zB in den Kassen und Ministerien. Darum wird es auch nicht besser werden, im Gegenteil. Und das sage ich als unverbesserliche Optimistin. 😉

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          • Oder Macht bekommen haben, zB in den Kassen und Ministerien.

            Und jetzt fragen wir uns mal gemeinsam, warum ca. 1/3 der Arbeitsstellen im BMG nicht etwa von der Bundesregierung bezahlt werden, sondern „von den Krankenkassen abgestellte Praktikanten“ sind und von fraglichen Krankenkassen bezahlt werden…

            Oder wir fragen und mal, wieso Frau (Tr)Ulla(la) Schmidt als damalige Gesundheitsministerin in genau jener Zeit im Aufsichtsrat von 10 gesetzlichen Krankenversicherungen gleichzeitig (und gleichzeitig zu ihrem Ministerposten) saß…

            Oder wir fragen uns mal, warum der Gesundheits“experte“ der SPD Jahrelang im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken verbrachte, diesen nur wegen seines in Aussicht gestellten Postens als Gesundheitsminister verließ, und warum er noch heute alle Nase lang erklärt, dass KKHs viel bessere Arbeit machen als alle anderen zusammen…

            Die Beispiele lassen sich fortsetzen…

            Na? Genau. Das ist zu eng verzahnt, als dass irgendwelche „kleinen“ Mitspieler da reingrätschen könnten. So einfach.

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  8. Pharmama sagt:

    Etwas Off-Topic. Gerade gelernt, dass die Krankenhäuser in Deutschland mit ähnlichen Problemen (Retaxation) kämpfen, wie die Apotheker:
    Also: Patient behandelt (und wohl auch richtig) und die Krankenkasse fordert Jahre später das Geld zurück, weil sie einen „Formfehler“ gefunden haben, wie dass vor der Sepsis-Behandlung nur ein Bluttest gemacht wurde statt der vorgegebenen Zwei.

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    • Der Vorteil der KKHs ist: Wenn die Retaxation einen formalen oder sachlichen Fehler beinhaltet, kann das KKH dem Retax widersprechen – und bekommt für den fehlerhaften Retax unabhängig von der Höhe des Retax 300,-€ von der KrankenKasse gut geschrieben (zusätzlich; für den Arbeitsaufwand).

      Wenn die Apotheke ne Retaxation kassiert, und zu Recht Einspruch erhebt, bekommt sie maximal den retaxierten Betrag zurück. Nichts mit Aufwandsentschädigung.

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      • gnaddrig sagt:

        Je mehr man von diesen Dingen liest, desto absurder und verkorkster kommt einem das ganze System vor. Das ist alles ganz offensichtlich auf dem Mist von Buchhaltern und Controllern gewachsen, denen es völlig egal zu sein scheint, ob sie (teils lebensnotwendige, teils „nur“ für die Lebensqualität entscheidende) Leistungen an Menschen verwalten oder Büroklammern und Schnellhefter für die Bundespapierkramabheftbehörde. Da zählt nur die Zahl unterm Strich, und wenn man dem Opa noch miesere (=billigere) Einlagen aufzwingen kann und er mit einer Einlage weniger pro Monat auskommen kann, dann yeehaw, wieder drei Euro fuffzig pro Versichertem und Monat gespart, da ist die Zahl unterm Strich gleich ein bisschen schwärzer, gelobt sei der heilige Florian. Menschenwürde? Ach was. Grrrr.

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        • gnaddrig sagt:

          Die Einlagen müssen ja auch nur für, sagen wir, 10 Mal einkaufen, fünf Sozialkontakte, drei Arztbesuche pro Monat reichen, zuhause kann er ja vollaufen und müffeln, da stört’s ja keinen. Dann sind 30 pro Monat reichlich!

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        • Geht doch schon damit los, dass wir 200 (!) Pflegeversicherungen haben, mit 200 Vorständen, und 200 Genehmigungsgremien, und 200 Abrechnungsvarianten… und all das will bezahlt sein. Aber Geld für die Pflege, das scheinen wir NICHT zu haben…

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        • Der Flo sagt:

          „gelobt sei der heilige Florian“

          Hey! Sei vorsichtig. 😉

          Hier in der Schweiz steht ja am 1.1. mit dem TARMED-Tarifeingriff auch wieder ein freudiges Ereignis ins Haus. Experten haben schon vorgerechnet, dass die niedergelassenen Ärzte damit 10-20% Umsatz verlieren.

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          • gnaddrig sagt:

            Ich bin immer vorsichtig 😉 Und ich meinte nataürlich den Florian mit dem Sankt-Florians-Prinzip, leicht angepasst an die Kostenspargeschichte. Und 10-20% Umsatzverlust ist ist für die geldscheffelnden Ärzte doch kein Problem, die werden ja sowieso reichlihc von der Phamamafia alimentiert, oder? duck-und-weg

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          • Der Flo sagt:

            „Phamamafia“

            Was hat denn die arme Pharmama jetzt wieder mit einer internationalen Motorsport-Organisation zu tun?!? Und warum sollte ich von ihr Geld bekommen???

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  9. Pflegefachmann HF sagt:

    Zitat: „Auch ausgeklammert wird die Frage, weshalb notwendige und wirksame MiGeL Produkte (wie spezielles technisch hochwertiges Verbandsmaterial auch) schon jetzt so knapp vergütet werden und Zeug wie die Homöopathie anstandslos übernommen wird: Da kosten 15g Zucker einfach „imprägnierter“ Zucker fast 20 Franken pro Packung!“
    Danke für die klaren Worte zur dieser auf magischem Denken basierenden Irrsinn aus der AlterNAIVmedizin.

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    • Magie ist eben NICHT kostenlos (wenn auch oft genug umsonst). Nicht nur bei den Zauberern der Scheibenwelt, auch bei den Zauberern der Rundwelt. Einfach mal David Copperfield Tickets Las Vegas gockeln, unter 120€ kommt man da pro Person nicht ran… 😉

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  10. Also die Versorgung mit Inkontinenz-Hilfsmitteln in Deutschland ist eine Katastrophe!
    Ich leiste mir da lieber den Luxus es privat im Internet zu bestellen. Kostet mich nur 5€ mehr als über den vorgeschriebenen Lieferanten für das gleiche Produkt.
    Abgesehen davon das ich in meinem Alter bitte nicht so rumlaufen mag, das gleich jeder sehen kann, was ich da trage… Das geht gar nicht!

    Als das was ich über die Krankenkasse an Versorgung bekommen könnte wäre zum einen unbrauchbar (die Qualität ist so mies das ich mich frage, wie man sowas überhaupt anbieten kann, nachdem ich es getestet habe) und wäre außerdem total unpraktisch.
    Windelpants gibts nämlich nicht, auch wenn man lieber aufs Klo gehen möchte wenn es die entsprechende Möglichkeit gibt. Im Umkehrschluss würde es mit Klebewindeln einen sehr viel höheren Verbrauch bedeuten, weil man die je nach Produkt max 2 mal benutzen kann (wenn nicht voll)…
    Nicht zu vergessen, das ich nicht dafür da bin eine Hilfsmittelfirma zu bereichern! Wie gesagt, online bekomme ich das gleiche Produkt und zahle nur 5€ mehr. Ich frag mich, wieso der Lieferant „nur“ 5 € günstiger ist, wenn er gleichzeitig noch die Pauschale der Krankenkasse zur Versorgung dazu bekommt. Das kann keine wirtschaftliche Aufzahlung sein unter diesen Umständen!

    PS: Besonders schräg wird es, wenn man in einem Vetrag mit einem Lieferanten drin steckt und im „Urlaub“ ist. Da darf man im Notfall dann gucken wie man an sein benötigtes Material kommt, muss es aber auch selber zahlen… Weil ist dann ja das falsche Einzugsgebiet. Nützt auch nichts, das man eigentlich genug mit genommen hat und trotzdem alles schief gelaufen ist…

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  11. Pharmama sagt:

    Noch was zu den billigen Blutzucker-Teststreifen in Deutschland:

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