Im Krankenhaus fast verhungert

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Angenommen, Dir oder einem Angehörigen geht es so schlecht, dass er oder sie ins Spital muss. Dort wird man dann untersucht und gesundheitlich umsorgt oder zumindest im Auge behalten. Sollte man denken.

Krankenhausessen ist oft nicht wirklich „gut“ (es ist ja auch kein Hotel) und ich bin mir auch bewusst, dass es Länder gibt, wo man üblicherweise im Spital von den Angehörigen versorgt werden muss. Bei uns ist das nicht so, allerdings bin ich inzwischen so weit, dass ich den Leuten, die ins Spital müssen empfehle jemanden so oft wie möglich dabei zu haben, der ein bisschen mit aufpasst. Darauf gekommen bin ich nach mehreren Geschichten und Erlebnissen unserer Patienten und Bekannten – und auch aus eigener Erfahrung. Zwei Beispiele für Euch:

Die ältere Mutter einer Bekannten musste ins Spital wegen akuter Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes (Schmerzen und Atemprobleme). Beim Besuch ein paar Tage später fällt der Bekannten auf, dass es ihrer Mutter nicht gut geht. Die Mutter gehört zu der Generation, die nicht gerne anderen zur Last fällt und sich kaum beklagt. Ihr ist aber aufgefallen, dass die Mutter Mühe hat mit dem Essen. (Kauen und der Handhabung des Bestecks). Sie hat das gemeldet, damit man darauf achtet und eventuell das Essen anpasst.

Als sie am nächsten Tag kommt, trifft sie an der Tür die Pflegerin, die gerade das Tablett mit dem Essen abräumt. „Meiner Mutter geht es nicht gut. Ich glaube sie trinkt und isst nicht genug.“

Sagt die PFF: „Sie hat gerade gegessen“ – und deutet auf das abgedeckte Tablar.

„Hat sie wirklich gegessen?“

„Natürlich. Sie bekommt drei Mal täglich ihr Essen und genug zu trinken.“

„Schauen Sie mal unter die Abdeckung.“

Die PFF hebt den Deckel. Aufschnitt. Brötchen mit Käse und Schinken und ein Tupfen Quark. Vom Quark fehlte etwas, der Rest ist unberührt.

„Sie isst eben nicht. Sie stellen das hin und räumen es wieder weg und merken nicht einmal, dass sie gar nichts zu sich nimmt. Sie hat Schmerzen beim Kauen und sie hat Probleme mit den Händen und ist zu zurückhaltend, als dass sie nach Hilfe fragt. Ich habe schon bei früheren Besuchen angemeldet, dass sie möglichst weiches Essen braucht, aber das sieht nicht danach aus.

Dann war da der schizophrene Bruder einer unserer Patientinnen. Nach einem Unfall bei dem er die Rippen gebrochen hat und ins Spital musste, fand ihn seine Schwester bei einem Besuch nicht ansprechbar im Spitalbett. Die herbeigerufenen Pfleger und Ärzte mussten dann feststellen, dass er stark dehydriert war und auch seit Tagen auch nicht mehr gegessen hat. Auch hier wurde das Essen hingestellt und wieder abgeräumt. Dass er nicht gegessen und getrunken hat, hatte hier vielleicht weniger mit den Schmerzen als mit seiner Grunderkrankung zu tun, aber dass etwas nicht stimmt ist dort niemandem aufgefallen.

Ich weiss, wie wenig Zeit die Pflegenden für einen einzelnen Patienten im Spital haben und dass ein Teil dieser Zeit heute auch noch mit den notwendigen Dokumentationen aufgefressen wird. Ich finde das einfach mehr als Bedenklich. Vor allem, wenn ich daran denke, dass diese Dokumentation wohl eingeführt wurde, damit derartiges wie oben vielleicht nicht mehr passiert – und nicht nur zur korrekten Leistungsabrechnung. Dass das nicht die Endlösung ist, zeigt sich in dem oben. Ich bin sicher, da stand in der Dokumentation: Essen: Diätteller A. Essen gebracht um X Uhr. Gegessen bis XX Uhr.

Weniger Dokumentation und mehr Einfühlungsvermögen! Sowas wie oben kann doch nicht sein – und wie gesagt, ich weiss von mehr als nur den beiden Fällen.

Die Liste geht weiter. Einer Kollegin ist bei der Durchsicht der monatlichen Rechnung des Pflegeheims aufgefallen, dass bei ihrer Mutter immer noch täglich ein Kaffee für CHF 1.80.- verrechnet wird. Ihre Mutter ist seit 3 Monaten nicht mehr in der Lage selber zu essen und zu trinken – sie ist komatös und wird intravenös ernährt. Sie kann gar keinen Kaffee (oder sonstwas) noch selber trinken. Trotzdem bekommt sie ihn offenbar täglich hingestellt und wenn er kalt ist wieder abgeräumt?

Also rate ich heute Angehörigen ein Auge da drauf zu halten. Wenn das in dem Krankenhaus nicht so ist: super! Und wenn doch können sie hoffentlich einschreiten.

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32 comments on “Im Krankenhaus fast verhungert

  1. Kathi sagt:

    Mangelernährte Patienten sind leider mein täglich Brot auf der Station – die Hälfte meiner Patienten sind ü70. Wenn ich merke, dass meine Pflege nicht mit Liebe ihren Job macht, dann gibts ein Essensprotokoll und Ernährungsberatung (die ihnen auf die Finger schaut) verordnet. Klar ist der Job stressig und enthält sehr viel Details. aber wenn ich selber 15 Patienten betreue und das spitz kriege, schafft man das auch mit 3 Patienten, die man betreut.

    Schon im „Häfelipraktikum“ war ich eher besorgt darüber, dass es Patienten gibt, denen einfach Essen hingestellt wird und unberührt wieder abgeräumt wird. Niemand fragte die Personen, was sie WOLLTEN. Einer meiner süssen alten Herren fragte ich nach 3 Wochen Aufenthalt (an einem meiner ersten Tage, nachdem ich mal die Speisekarte durchgeschaut hatte), womit ich ihm eine Freude machen könnte. 3 Tage hintereinander hatte er sich nur Kartoffelstock mit Bratensauce und Karotten Glace bestellt – und plötzlich war der Teller immer leer 😀 Und der Gemütszustand plötzlich einiges besser und die Genesung ging in riesen Schritten nach vorne.

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    • Pharmama sagt:

      Mangelernährung ist ein grosses Problem im Alter. Nicht nur, dass das Durst- und auch das Hungergefühl abnimmt, die Selbstversorgung wird zunehmend schwieriger. Dazu kommen eventuell Schmerzen und Probleme bei der Handhabung der Esswaren und Zahnprobleme (Gebiss irgendwer?) … man kann sich denken, dass das auch im Spital nicht von selbst besser wird.
      Aber ich find’s super, wie Du Dich engagierst! Essen ist nicht nur Ernährung und richtig gemacht trägt das auch zur Heilung bei … mal abgesehen von der Lebensqualität.

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  2. Bei einem PERFEKTEN Zeitmanagement im Zusammenspiel mit einem Dokumentations-QualitätsManagementSystem verbraucht die Dokumentation der (durchgeführten) Tätigkeit EXAKT die Zeit, die die Tätigkeit selbst gebraucht hätte. Da Tätigkeit und Dokumentation dieser Tätigkeit im Zeitmamagement allerdings EINE Arbeitseinheit darstellene, kann man sich jetzt überlegen, was wichtiger ist:
    1) Die Tätigkeit selber – die man dann aber nie gemacht hat, weil sie nicht (oder nicht ausreichend) dokumentiert wurde;
    2) Die (korrekte) Dokumentation der Tätigkeit, welche nie so erbracht wurde wegen Zeitmangels;
    3) Die eigene Arbeitszeit, weil man für eine Tätigkeit die doppelt-als-vorgesehene Zeit benötigt – was aber von Arbeitgeber nicht bezahlt wird, weil das Zeitmanagement ja definiert, für welche Tätigkeit welche Zeit ausreicht. Alles andere ist Privatvergnügen und dementsprechend auch außerhalb der Arbeitszeit zu tätigen.

    Eins, zwei oder drei? Letzte Chance – ist vorbei! Ob Du wirklich richtig stehst, siehst Du, wenn das Licht angeht… Und zwar das am Telefon, wo wahlweise die Personalabteilung, der Chef oder ein Patientenbeauftrager an der Strippe hängt, der mal nachfragt, was denn die eigene Entscheidung nun sollte, und wie sehr man eigentlich an seiner Arbeitsstelle so hängt.

    Es ist wirklich zum Verzweifeln in unserer überrationalisierten Welt. Allerdings sehe ich Licht am Ende des Tunnels: Wenn erst mal alle Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt wurden, werden logischer Weise auch alle „arbeitsauslösenden Faktoren“ durch Maschinen ersetzt. Will meinen, Roboter pflegen dann (kaputte) Roboter – der Mensch ist als Faktor außen vor und alles ist gut. Oder so. duck&cover

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  3. Irene sagt:

    Meinem Vater ist es auch so gegangen, in einem sonst sehr gut geführten Spital: Ich fragte die Pflege, ob er nicht etwas zu trinken haben könne. Ja, das stünde doch dort? Klar, etwa einen Meter entfernt von seinem Bett auf einem Beistelltisch, er konnte aber das Bett schon nicht mehr verlassen, um den Tisch zu erreichen, geschweige denn ihn zum Bett ziehen. Auf dem Tisch standen dann auch die Medikamente… die selbstverständlich in der Dokumentation als „abgegeben“ verzeichnet waren. Allerdings konnte ich da die Ärztin sensibilisieren und hatte das Gefühl, dass es anschliessend besser war.
    Noch schlimmer war es bei meiner Mutter auf einer Intensivstation. Sie litt am Durchgangssyndrom und war sicher keine einfache Patientin, aber sie wurde total abgebügelt. Als sie sich bei mir beklagte, sie habe seit 3 Tagen keine Zähne geputzt fragte ich nach. Doch, sie bekäme jeden Tag eine Zahnbürste, die würde auf den Beistelltisch gelegt. Der stand zwar direkt am Bett, nur lag sie die ganze Zeit flach auf dem Rücken und konnte nicht auf den Tisch sehen, der viel höher eingestellt war als die Betthöhe. Auf meine Frage, ob man sie auf die Zahnbürste hingewiesen habe kam nur ein abweisendes Nein.
    Dass ich ihre persönlichen Besitztümer in ihrem ursprünglichen Zimmer (sie war mit Herzinfarkt nach einer OP notfallmässig auf Intensiv verlegt worden) zusammensuchen konnte und immerhin nur die Handtücher abschreiben musste, die elektrische Zahnbürste und ihren Waschbeutel konnte ich finden und nach mehrmaligem Nachhaken fanden sich sogar ihre Hausschuhe und ihr Morgenmantel… das war dann das I-Tüpfelchen. Ich bekomme jedes Mal Schnappatmung, wenn sie wieder mal notfallmässig ins Spital muss und dann in diesem landet.

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  4. Delilah sagt:

    Das ist leider immer ein schwieriges Thema. Auf der einen Seite überfordertes Personal, die kaum anders können.
    Auf der anderen Seite beispielsweise mein Vater, dement und aggressiv.
    Daher mittlerweile Psychatrie, häufig vollfixiert. Da wird auch gerne das Essen hingestellt, aber er kann nicht dran, weil fixiert. Auch wenn er nicht fixiert ist, braucht er Hilfe, weil schwer dement. Er hat kein Hunger/Durst mehr…dann wirft er auch schon mal den Löffel durch die Gegend und findet ihn nicht wieder.
    Ich kann verstehen, das das Personal überlastet ist und ein Patient, der dich beschimpft und sich ggf. auch wehrt, eine große Belastung ist (bevor die Frage kommt: Medikamentös austherapiert. Nichts schlägt ausreichend an, außer volle Sedierung). Aber tw. isst er tagelang nichts und trinkt auch nur sehr wenig. Es ist wirklich schwer, für alle Betroffenen.

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  5. Lisa sagt:

    Dabei muss ich daran denken, wie erschreckend schnell mein Vater (um die 50) im Krankenhaus abgenommen hat. Damals habe ich mir über sein Essen aber noch keine Gedanken gemacht, sondern es auf die Krankheit geschoben.

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    • Shark sagt:

      Oh Gott, das hört sich wirklich schlimm für alle Beteiligten an, Delilah! Mein Beileid! 😦

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    • Mr. Gaunt sagt:

      Auch bei normalem Essen baut man zügig ab, weil die Belastung fehlt. Mich hat es bei einer einfachen Knie-OP erstaunt, wie schnell doch die Muskeln plötzlich verschwunden waren. Wer generell schon angeschlagen ist, für den stellt Immobilität verbunden mit Mangelernährung dann ganz schnell eine grosse Herausforderung dar.

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    • Pharmama sagt:

      Was Mr. Gaunt sagt. Ausserdem: wenn es etwas wie Krebs ist – das „frisst“ wirklich von innen Masse weg. Plötzliche Gewichtsabnahme ist deshalb auch ein Warnzeichen.

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  6. HF_Weltweit sagt:

    In diesen beschriebenen Spitälern liegt einiges im Argen – es gibt offenbar keine oder eine sehr unvollkommene Fehlerkultur, das Qualitätsmanagement findet nur auf dem Werbeprospekt statt, der CEO kümmert sich wohl primär um die Rendite. Obs in den anderen Bereichen (Notfall, Diagnostik, Labor, Apotheke, Operationen, etc) wohl ähnliche Probleme gibt ?
    Es ist nur zu hoffen, dass Spitalmanager auch den pharmama-Blog lesen…
    Hier ein Link, in dieser Präsentation wird das KAIZEN-Prinzip erklärt:
    KAI = Veränderung
    ZEN = zum Besseren

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  7. Das kann dir auch früher passieren. Wenn du auf der Gyn liegst und es gibt Standardessen – Kohl und so Zeug, dass du wegen Blähgefahr nicht essen darfst. Und wehe, du bist Vegetarier. Da hatten immerhin die Schwestern diese Tütensuppen, damit man etwas zu sich nimmt. Die waren aber wirklich superlieb.
    Bei den von euch geschilderten Fällen kommt ja noch dazu, dass die Patienten sich nicht artikulieren können, da muss wirklich jemand gucken.

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    • Pharmama sagt:

      Naja, Du darfst Kohl und Zwiebeln je nachdem schon essen … nur leidest Du danach auch an den Nebenwirkungen… Aber inzwischen gibt es in den Spitälern teils wirklich Menulisten zur Essensauswahl, mit verschiedenen Diätrichtungen. Fand ich erstaunlich. Aber auch da bekommt man nicht immer das, was das beste für einen wäre.

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      • Neeva sagt:

        Gemeint ist wohl, dass frau mit Neugeborenem auf der Gyn liegt – und nichts essen soll, das dem Baby Bauchschmerzen verursachen kann…

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        • Der Flo sagt:

          Jau, da erinnere ich mich doch glatt an die Geburt unseres zweiten Sohnes – an dem Tag bekam meine Frau zum Abendessen eine Schlachteplatte mit Sauerkraut hingestellt. Und zwei Tage später gab es zum Mittagessen eine Kohlroulade. Beides zwar lecker zubereitet, aber direkt nach einer Niederkunft nicht unbedingt das, was man essen mag oder sollte. Aber immerhin hat das Pflegepersonal meiner Frau auf Nachfrage jeden Tag eine grosse Portion Birchermüesli organisiert.

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        • Nee, Frau nach OP. Das wären dann die Nebenwirkungen, wenn auch schon ohne bläh alles wehtut.

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  8. Mr. Gaunt sagt:

    Gerade mit geriatrischen Patienten scheinen viele Krankenhäuser immer noch ihre Probleme zu haben. Während es in den Pflegeheimen meist eine recht gute Überwachung der Nahrungsaufnahme und vor allen Dingen des Trinkvolumens gibt, sind Krankenhäuser offenbar schnell überfordert.
    Die gehen von „normalen“ Patienten aus und therapieren gezielt das spezifische Wehwehchen welches der Grund für den Krankenhausaufenthalt ist, für das Links und Rechts fehlt oft der Blick. Spezialisierte Geriatrie-Stationen mal ausgenommen.
    Ist mir schleierhaft warum für die Zusatzprobleme gerade der älteren und besonders der dementen Patienten immer noch wenig Sensibilität herrscht. Denn eigentlich ist ein schnell entlassener Patient heutzutage (zumindest in der deutschen Fallpauschalen-Krankenhauswelt) ein guter Patient, es müsste also auch im wirtschaftlichen Interesse des Krankenhauses sein auf Genesungsoptimierung zu achten.

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    • Pharmama sagt:

      Stimmt eigentlich. Vielleicht hat da jemand sie Aufwand – Nutzen-Rechnung noch nicht gemacht? (Oder sie ist trotzdem negativ ausgefallen)

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      • Prolotor sagt:

        Ich hab da in meinem Praktikum im Altenheim auch ein paar Dinge mitbekommen die mich meinen Glauben fast verlieren haben lassen.
        Die „Highlights“: Mein erster Tag, meine Aufgabe: Morgenpflege bei einer Bewohnerin, so weit so normal. Es handelt sich um ein Zweibettzimmer mit zwei Bewohnerinnen (körperlich einigermaßen fit, aber aufgrund von Demenz mit beiden keine „normale“ Kommunikation möglich) mit gemeinsamen Bad. Im Bad stehen zwei Zahnbürsten, eine grüne und eine rote, natürlich weiß ich nicht welche wem gehört, weil nicht markiert. Ich also kurz raus um zu fragen welche wem gehört. Die erste die ich gefragt habe wusste es nicht und die beiden anderen Schwestern hatten GEGENSÄTZLICHE Meinungen welche Zahnbürste zu welcher Bewohnerin gehört. WTF!

        Zweiter Tag und Dritter Tag: Ich bin jeweils mit einer anderen Schwester bei einem bettlägerigen Bewohner mit MRSA am Bein. Im Zimmer sind zwei Waschschüsseln, eine für den befallenen Bereich, eine für den Rest. Schwester 1 nimmt rote Schüssel für den Bereich mit MRSA und die blaue für den Rest. Schwester 2 genau umgekehrt! Nochmal WTF! Reden die nicht miteinander?
        Hab dann die Station gewechselt, nachdem das Klima „leicht vergiftet“ war, nachdem ich in meinen ersten drei Tagen zweimal bei der Pflegedienstleitung war. Dort wars dann zwar auch nicht Top, aber zumindestens das Personal korrekt.

        Ich mein wie kann das sein das zwei solch gravierende Dinge nur dem Praktikanten auffallen!

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        • piedsnue sagt:

          Als Praktikant/in fallen einem oft Dinge auf, weil man so außenstehend ist – schade nur, dass einem niemand zuhört, denn man ist ja „nur“ im Praktikum…

          Ich war auch in meinen Praktika froh, mal jemand mit genügend Zeit zu sein, um gebrechlichen PatientInnen das Essen in Ruhe anreichen zu können oder zumindest das Brot zu schmieren und kleinzuschneiden. Oft herrscht da beim Personal leider auch die Haltung „XY will nur nicht / ist zu faul / lässt sich gerne bedienen“. Oft wird man für doof erklärt, sich von den PatientInnen so „ausnutzen“ zu lassen.

          Und als ich selbst als (stillende) Begleitperson im Krankenhaus war, bin ich vom Essen rein mengenmäßig nicht satt geworden und habe zusätzlich jeden Tag ein Gericht von irgendeinem Lieferdienst verdrückt…sonst wäre das eine Zwangsdiät geworden -.-

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  9. lui sagt:

    Mir wurde mal schon die Liste gar nicht gezeigt, ich sollte einfach so Essen bestellen. Über Zimmernachbarn habe ich natürlich mehr erfahren, aber so ganz den Plan hatten die auch nicht, was es alles gab. In knapp 3 Wochen hatte ich meine Bestellung 7 oder 8 mal geändert. Wäre ich nicht so nervig gewesen, hätte ich reichlich abgenommen.
    Mittagessen wurde immer für die kommende Woche nachgefragt, mit Liste, das war ok, Frühstück und Abendessen musste ich anfangs raten was ich haben wollte/was es geben könnte. Irgendwann hatte ich raus, wie ich die Höchstmenge an kleinen Kakaopäckchen bekommen konnte, die beliebteste Tauschwährung auf der Station. Dafür hatten andere Patienten ein extra Brötchen zum Frühstück bestellt, das ich mittags zum Salat essen konnte. Der Salat was ok, jeden Tag genau gleich, immer, aber meist besser als die verkochte warme Mahlzeit. Eine Bekannte war zeitlgleich auf einer anderen Station, auch ihr wurde nicht mehr gesagt. Meine Station war offensichtlich kein Einzelfall.
    Angekommen bin ich nachts über die Notaufnahme. Am nächsten Tag am frühen Nachmittag war ich wieder halbwegs munter und hatte Hunger. Eine Pflegerin hat mir tatsächlich noch was aufgetrieben. Nochmal in der Mikrowelle warm gemacht und ziemlich traurig, aber immerhin Essen. Die war echt super! Leider war das da die Ausnahme.

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  10. Schnuffelsocke sagt:

    Da kann ich ja echt froh sein, dass mich die Pflegerinnen zum Essen zwingen wollten.
    Obwohl es in dem Fall gar nicht nötig war. Flüßig Nahrung über Magensonde hab ich zwar verweigert, aber alles wirklich wichtige gabs direkt Intervenös.
    Weswegen ich logischerweise auch praktisch gar keinen Hunger hatte.
    Das Problem erledigte sich dann erst nach der Intensivstation, als der Arzt kurzer Hand das Infusionszeug abstellte.

    Finde es aber mehr als erschreckend, wenn ich lese, das es selbst auf einer Intensivstation zu Mangelernährung wegen fehlender Unterstützung kommt… Da wird einem ja mehr als nur schlecht!

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  11. B. Cottin sagt:

    Warum wird die Kost nicht an den Patienten und an seine Krankheit angepasst? Das gehört doch zum Pflege- und Heilungsprozess dazu!

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  12. Nanny Ogg sagt:

    Nicht nur im Bezug auf das Essen gibt es wenig aufmerksame Krankenhäuser. Eines, das meine Familie meidet, obwohl wir da im „Einzugsgebiet“ wohnen, hat kaum eine Station, wo es gut läuft. Beispiele für die Gründe:

    Fall 1: Wochenende, Patient wird ohne Hinweis und Rezept entlassen, obwohl er noch akut auf Morphium ist. Abends wurde er vom Notarzt in ein anderes Krankenhaus überwiesen.

    Fall 2: Multimorbider Patient, der täglich 11 Medikamente zu Hause einnimmt, bekommt mehrfach eine unterschiedliche Menge Tabletten – die richtige Anzahl war in keiner Variante dabei.

    Fall 3: Wo der Patient doch schon mal da ist, kann man doch gleich den (vollkommen gesunden) Blinddarm herausnehmen. Für die Ablehnung war kein Verständnis da.

    Fall 4: Nach Gabe eines Medikaments bekam der Patient nachts Atemnot. Die Nachtschwester war schwer beschäftigt und kam nicht, der Patient ist dann einfach über den Flur gelaufen, aus Angst, dass er im Zimmer stirbt, wenn es schlimmer wird. Das Medikament wurde am Morgen verweigert. Daraufhin holte die Pflege einen Arzt. Auf die Vermutung, dass eine Allergie dagegen bestünde, kam als Antwort, dagegen könne der Patient nicht allergisch sein, die Allergie wäre ja sehr selten. Das Medikament wurde trotz Ärztegemaule für den Rest des Krankenhausaufenthalts verweigert.

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  13. Pu sagt:

    Auch ich habe mir schon überlegt, meine nächsten Krankenhausaufenthalte nur noch unter Mitnahme eines Bodyguards zu absolvieren. Noch kann ich mich soweit alleine bewegen und ohne Hilfe essen – aber wie schnell ändert sich das! Da ich viele verschiedene Medikamente einnehmen muss, bin ich (zu Recht) in ständiger Sorge, die richtige Dosis zu erhalten. Einmal, ich war mit dem Notarzt eingeliefert worden, hatte nicht mehr den genauen Überblick, wurde einfach das Metoprolol abgesetzt und das später nicht mehr überprüft. Eine veritable Blutdruckentgleisung (das ist nicht sehr angenehm) bescherte mir Tage später einen erneuten Umzug auf die Intensivstation.
    Im hiesigen Kreiskrankenhaus wird man auf der Inneren als noch einigermaßen „beweglicher“ Patient (also selbständig Essen, auf die Toilette und auf den Flur gehen) grundsätzlich zu mindestens zwei schwerst Kranken quartiert. Nichts dagegen, aber es wird ganz selbstverständlich erwartet, dass man sich um diese Leute mit-kümmert („gell sie klingeln doch, wenn Frau Maier jammert“). Klingle ich dann aber nach dem Geschmack der Fachkräfte zu oft, ist es auch nicht recht („wir können nicht wegen jedem Pups in die Zimmer rennen“).
    Die (oft sehr alten) Leute kommen mit den eingeschweißten Frühstücksmarmeladen, den kleinen Bütterchen und diesen blöden Kondensmilchbehälterdeckeln nicht klar, aber trotzdem wird denen das nur hingeknallt, friss oder stirb!
    Ich weiß nicht, wie viele fremde Frühstücksbrötchen ich schon geschmiert habe, wie viele Schnitzel kleingeschnitten, Gabeln in Hände gegeben, Flaschendrehverschlüsse gedreht und Gläser eingeschenkt habe.
    Und nebenbei bin ich dann auch noch selber krank.

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    • Der Flo sagt:

      „Eine veritable Blutdruckentgleisung (das ist nicht sehr angenehm) bescherte mir Tage später einen erneuten Umzug auf die Intensivstation.“

      Ich habe vor einem Jahr etwas Ähnliches erlebt: meine Mutter war wegen einer Kiefer-OP im Spital, dort stellte man im Eingangslabor eine Hyponatriämie fest – und gab ihr promt hypertone Kochsalzlösung. Ergebnis: der Blutdruck schnellte auf 220/140mmHg, und niemand konnte sich das erklären. Erst, als ich mich eingeschaltet hatte, bekamen die dortigen Kollegen das Problem in den Griff.

      Merke: nicht jeder normabweichende Laborparameter muss unbedingt korrigiert werden. Mit manchen leben die Patienten schon jahrelang sehr gut, das sollte man besser nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

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