Fehler in schweizer Apotheke im Fernsehen

Hat jemand den Kassensturz vorgestern abend gesehen? Falls Nein – hier kann man ihn noch anschauen / lesen, um was es geht:

Es ist natürlich die absolute Horrorvorstellung von jeder Apothekerin und jedem Apotheker und das, was uns gelegentlich schlaflose Nächte bereitet: Der Patient hat das falsche Medikament erhalten. Leider kommt das – bei aller Sorgfalt und bei allen Sicherungsmassnahmen und Doppelkontrollen die man hat, tatsächlich gelegentlich vor. Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren. Das ist auch mit ein Existenzgrund für die Apotheke: dass sich eine weitere medizinische Fachperson die Medikation nochmals ansieht, bevor der Patient sie erhält, denn: auch Ärzte machen Fehler. Vor der Abgabe  gilt das 4-Augenprinzip: jemand richtet es und eine zweite Person schaut das nochmals an. Bei uns wird auch (wie im Film erwähnt) am nächsten Tag durch eine nochmals andere Apothekerin das Rezept kontrolliert.

Und dennoch. Wir hatten schon falsch angeschriebene Medikamente (Dosierungsetikette), falsche Dosierung (z.Bsp Aspirin Cardio 100mg statt 300mg), falsches Medikament: Zolpidem statt Zoldorm … nicht so tragisch, da genau dasselbe; ditto bei Calcimagon mit falschem Geschmack, und einmal wirklich etwas, was ich so und meine kontrollierende Apothekerin anders gelesen hat und das etwas anderes war. Da muss man reagieren – möglichst rasch. Aber wir sind nie über die Stufe. „Medikament falsch, Patient betroffen, keine Folgeschäden“ herausgekommen. Dafür bin ich dankbar.

Auch in der Sendung im Kassensturz – so „gravierend“ der Fehler war: der Patient hat ein Medikament mit ähnlichem Namen bekommen – statt eines Mittels gegen erhöhtem Cholesterin ein Mittel gegen Blutkrebs – der Patient hat das Medikament nicht genommen, da er a) das Mittel schon kannte und das anders aussah, b) er die Packungsbeilage nochmals angeschaut hat, weil das eben neu aussah (Kudos, lieber Patient: super!) und c) das Medikament eine Dosierungsetikette hatte, die auf einen anderen Patienten lautete (!). Deshalb hat er das Medikament nicht genommen – und deshalb (natürlich) auch keine Schäden. Etwas unschön finde ich vom Kassensturz, die Etikette mit dem Namen der Apotheke so zu zeigen.

Was Abgabefehler angeht finde ich den hier noch etwas „kurios“: Offenbar ist das passiert, weil für zwei sehr ähnlich klingende Patienten zwei sehr ähnlich klingende Medikamente bestellt waren – und die nebeneinander im Abholregal bereit standen. Bis dahin alles korrekt. Die letztlich das Medikament herausgebende Person hat danebengegriffen. Für das Fehlermanagement ist das schwierig auszumerzen. Nochmals Kontrolle mit noch einer Person ob Abholzettel und Medikament übereinstimmen?

Wesentlich häufiger kommen Verwechslungen wohl vor, weil Medikamente ähnliche aussehen oder ähnliche Namen haben – und der Arzt nicht lesbar schreibt. Das hat die Patientenorganisation richtig erkannt. Natürlich muss man bei unleserlichen Rezepten beim Arzt nachfragen – das müssen wir heute noch. Manchmal mehrmals täglich.

Amüsant fand ich die Beispiele, die im Film vorkommen:

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Erster Gedanke: „heh – ich kann die lesen!“ Dann … „Die kommen mir irgendwie bekannt vor“. Jaaa – kein Wunder. Die sind von mir, von diesem Blog. Das erste Beispiel findet sich hier: unleserliche Rezepte mal wieder und das zweite hier: Apotheke Quiz 2.

Die Beispiele sind schon älter – aber ich könnte täglich mehr in die Sammlung aufnehmen, denn das kommt immer noch häufig vor. Anscheinend ist es nicht durchsetzbar, dass die Ärzte möglichst alle Computerausdruck-rezepte ausstellen. Erklärung im Film: Weil man dann beim Hausbesuch keine Rezepte mehr ausstellen könnte … Erklärung die ich woanders gehört habe: Weil man das den älteren Ärzten nicht mehr zumuten könne. Nun – ich bin schon zufrieden, wenn sie sich mehr Mühe geben beim Schreiben.

Jedenfalls: Ja, leider passieren in der Apotheke auch Fehler. Das ist schlecht (wenn auch menschlich). Aber auch wenn es dieser bis zum Kassensturz „geschafft“ hat – so schlimm war der nicht – auch weil der Patient mitgedacht hat. Eigentlich ist das gut: sensibilisiert es doch die Öffentlichkeit dazu selber mehr Verantwortung für ihre Gesundheit (und Medikation) zu übernehmen (wissen was man nimmt und weshalb) und dass es bisher kein schlimmerer Fehler bis in die Medien geschafft hat, zeigt doch auch, dass das System und Fehlermanagement funktioniert.



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Oder: Das wäre dann für „Z“, oder?

endkonsonant

In einem mail, das wir letztens bekommen haben – ich bin ziemlich sicher, das war die Autokorrektur. Die versucht auch ständig meine Nachrichten zu „verbessern“ – und Fach- und Fremdwörter sind sowieso schwierig.

Wer es nicht lesen kann im Bild, da steht:

Liebe Apotheken und Drogerien Teams

Gerne Informiere ich Sie, dass wir ab sofort eine XXX-Aktion für den Endkonsonanten starten. Beim Kauf eines XXX Paketes gibt es ein Doppelpack XXX gratis.

Ich nehme mal schwer an, es ist Endkonsument gemeint. Der Endkonsonant wäre dann ja das Z :-)

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Euthyrox für Frankreich – oder: never change a running system

Seit ein paar Monaten bekommen wir auch hier in der Schweiz vermehrt Rezepte aus Frankreich über Euthyrox.

euthyroxfrance
Zuerst war ich ja etwas irritiert … ganz offensichtlich gibt es das Medikament dort auch, weshalb also sollen sie zu uns das kaufen kommen? Vor allem, da es wohl in der Schweiz etwas teurer sein dürfte als in Frankreich.

Des Rätsels Lösung findet sich im Internet – und eine betroffene Patientin hat mich sogar per mail auf dem Blog informiert.

In Frankreich wurde . Man wollte den Wirkstoff (Levothyroxin) stabiler und länger haltbar machen und hat dabei den Hilfsstoff Lactose (der ja auch immer unbeliebter wird wegen der Lactoseintoleranz gewisser Patienten) durch Zitronensäure und Mannitol ersetzt. Kein Ding sollte man denken – es wurden auch Bioverfügbarkeitsstudien durchgeführt, damit die neuen Tabletten gleich aufgenommen werden, denn gerade das ist bei Schilddrüsenmedikamenten oft das Problem: wegen unterschiedlicher Aufnahme sind sie nicht beliebig untereinander austauschbar und ein Wechsel des Medikamentes kommt häufig einer Neueinstellung gleich.

Die Ärzte wurden über die Änderung kurz informiert, die Öffentlichkeit aber nicht – die Packung und die Tabletten sahen weiterhin gleich aus und es sollte ja auch gleich wirken.

Jetzt reklamierten aber tausende Patienten nach dem Austausch durch das neue Euthyrox über Nebenwirkungen die sie vorher nicht hatten: mehr Müdigkeit, Schwindel, Krämpfe und Gedächtnisstörungen. Symptome die auch Schilddrüsenfunktionsstörungen machen – Anscheinend ist das doch nicht „das gleiche“. Selbst eine Petition wurde gestartet um das „alte“ Euthyrox zurückzubringen – innert kürzester Zeit kamen über 200’000 Unterschriften zustande.
Bis die Firma reagiert hat, gingen die Patienten aus Frankreich ins nahe Deutschland … oder eben die Schweiz, wo es das Euthyrox in der ursprünglichen Formulierung noch gibt.

Inzwischen wird für einen Teil der Patienten das Euthyrox aus Deutschland importiert, aber nicht für alle – ein Teil muss sich das immer noch selber besorgen. Das ist der Grund, weshalb ich auch hier in der Schweiz Levothyrox-Rezepte sehe.

Anscheinend hat die Firma inzwischen eingelenkt die Tabletten in der alten Formulierung wieder auf den Markt zu bringen. Ein Wechsel zu einem anderen Schilddrüsenmedikament wäre in Frankreich übrigens nicht so einfach: Merck ist der einzige Anbieter dafür.

Prozente! % Aktionen! % Ausverkauf! %

gesundheitsausverkauf

Das ist ein Repost vom 6.2.2016 – passt doch zum (gottseidank vorbeigegangenen) Black Friday.

Müssen die Apotheken/Drogerien da auch mitmachen? An einem Tag einfach sinnlos Rabatte und Prozente zu geben, nur dafür … ja – was? Dann kommen die Leute einfach an dem einen Tag, dafür trainiert man die Kunden vorher und nachher weniger zu kaufen?

Ziemlich aufgestossen ist vergangenen Freitag die Amavita – eine grosse Apothekenkette in der Schweiz, die gross 50% Rabatt auf alle Kosmetik (!) angepriesen hat für diesen einen Tag.

Nur als Kommentar: Das ist mehr als die Marge, die man darauf hat.

Wie machen die das? Naja, ich will’s mal so ausdrücken: Diese Apothekenkette gehört zu einem Konzern, der auch Apothekengrossist ist … die kaufen also schon mal bei sich selber ein. Denen gehören inzwischen auch diverse Pharmafirmen und noch so ein paar Dinge mehr.

An dem Tag haben sie (gerüchtehalber) auch ein Mail an die Angestellten herausgelassen in dem stand: „Heute arbeiten wir gratis.“

Man fragt sich nur: für was?

Aber – die Galenica, das ist auch der Konzern, dessen Chef einmal dies herausgelassen hat: „Wir kaufen Apotheken, um sie zu schliessen.“

Ich lass das mal hier stehen.