Droh-Kettenbriefe an Kinder

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Montag Abend bekomme ich bei der Arbeit in der Apotheke per Whatsapp eine ominöse Nachricht vom Junior zu Hause – das war unser Austausch:

whatsapp1

Mama wan kommst du ich muss dir etwas ganz schlimmes zeigen

Man kann sich vorstellen, wie man sich bei so einer Nachricht fühlt. Junior hatte übrigens Glück, dass ich da gerade im Büro und direkt neben meinem iPhone sass, ansonsten hätte ich nicht so schnell antworten können. Da ich erst 2 Stunden später nach Hause komme, rufe ich natürlich sofort an. Junior ist 10 – und er ist eigentlich nicht alleine zu Hause, Papa wäre da, nur ist der gerade einkaufen gegangen und Junior wollte offensichtlich nicht mit.

Das „ganz schlimme“ war dann (zum Glück) nur ein Kettenbrief, den er bekommen hat. Modernerweise per Whatsapp von einem gleichaltigen Klassenkollegen. Eine Sprachnachricht – und die hatte es in sich.

Die von einer weiblichen (creepy) Computerstimme vorgelesene Nachricht ging in etwa so:

„Hallo … Du musst diese Nachricht an 20 Leute weiterversenden, ansonsten erscheine ich dir heute Nacht und beobachte Dich, wenn du mich nicht weiterschickst, erscheine ich Dir zur Warnung in der nächsten Nacht noch einmal. Danach bringe ich deine Eltern um, sie werden verbluten.“

Die Nachricht war länger als das und ganz offensichtlich spezifisch auf Kinder abgezielt. Junior war zum Glück noch nicht einmal sehr beunruhigt, dass das tatsächlich passieren könnte, aber er hat sich natürlich aufgeregt. Ich habe ihm erklärt, was so ein Kettenbrief ist und dass er das nicht weiterschicken soll und dass das leere Drohungen sind – oder hat teils leere Versprechungen, es gibt ja auch die nette Variante davon. Ich habe ihm geraten das zu löschen und den Sender zu informieren, dass das ein „Seich“ ist, dass er sowas weiterschickt. Froh bin ich  ja, dass er so etwas uns gleich meldet.

Nachricht 1 Stunde später von ihm:

mission comblet

es isch glöscht.

Der Lehrer (den ich Junior auch geraten habe zu informieren, da der Kollege das noch an ein paar andere geschickt hat) hat dann auch noch mit ihnen geredet. Anscheinend hat er den Fokus vor allem auf: „Kettenbriefe sind illegal“ gelegt – Aber es ist schon sehr erschreckend. Ich weiss ich kann Junior nicht vor allem Üblen fernhalten, dass es da draussen gibt – und auch im Netz, das ist ein sehr grosses und manchmal unschönes „da draussen“. Verhaltensregeln muss man heute mit den Kindern besprechen nicht nur für den Alltag, sondern auch für das Internet. Total Fernhalten vor der Technik und den Möglichkeiten will ich ihn nicht und finde ich auch nicht sinnvoll. Nur so etwas ist schon erschreckend.

Hattet ihr derartige Erfahrungen auch schon?

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30 comments on “Droh-Kettenbriefe an Kinder

  1. katrinelli sagt:

    Jepp, vor knapp zwei Monaten gab es das bei uns auch! Meine 10jährigen Jungs hatten ihr Handy gerade neu zum Schulwechsel und in der Klassengruppe wurde auch ein Kettenbrief per Sprachnachricht verschickt. War nicht ganz so gruselig, aber gleiche Richtung (ich bin total krank, weil ich die Nachricht nicht weitergeleitet habe, dir oder deiner Familie wird was Schlimmes passieren usw.). Die Jungs haben es uns zum Glück auch gezeigt und wir haben drüber gesprochen. Am nächsten Tag haben die Jungs das mit dem Versender persönlich besprochen – der das auch „nur“ aus Angst weitergeschickt hatte und danach war es Thema in der ganzen Klasse. Da hilft nur reden,reden, reden.

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    • Pharmama sagt:

      Unschön. Und mit Klassengruppe erreicht man auch grad die „benötigten“ 20 Personen …

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    • Annonym sagt:

      Ja ich bin 15 und habe ihn auch bekommen es hat mir auch bisschen Angst gemacht allein die Stimme dazu . Ich hoffe einfach das es keiner bekommt der Probleme damit hat und sich aus Angst was antuhen würde .

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  2. Was hatte ich doch für eine unaufregende Kindheit. Bei mir ging es bei Kettenbriefen maximal um das Anlegen einer Postkartensammlung…

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    • gnaddrig sagt:

      Echt? Das mit „wenn Du den Kettenbrief nicht weiterschickst, passiert Dir was Schlimmes“ kenne ich aber aus den 80er Jahren.

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      • Pharmama sagt:

        Ich bin sicher, ich hatte das auch schon vor dem Computer (und den Kettenmails), aber kaum mit so Drohungen.

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        • gnaddrig sagt:

          So konkrete Drohungen habe ich damals auch nicht erlebt, das war wenn sehr vage, eben „dann passiert was Schlimmes“ oder so, und es gab dazu manchmal auch positive Anreize im Stil von „wenn Du den Kettenbrief an x Leute weiterschickst, wirst Du [irgendwie Glück haben]“. Das war insgesamt viel weniger professionell aufgesetzt, mit viel weniger Social Engineering.

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          • Der Flo sagt:

            Ich kenne ebenfalls beide Varianten aus meine Kindheit. Allerdings blieb das „Schlimme“ dabei stets nebulös, konkrete Drohungen gab es nicht.

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      • Das mit dem „…passiert Dir was schlimmes!“ gabs im Sozialismus nicht. Im Sozialismus passierte – zumindest offiziell – alles Schlimme immer nur im Westen. Und hätte da gestanden „…wenn Du nicht mit machst, passiert im Westen was schlimmes!“ hätten wir uns in der Pioniergruppe treffen müssen um gemeinsam nicht mitzumachen… 😉

        Aber damals [TM] hat so ein Kettenbrief ja auch richtig Aufwand gemacht. Postkarten / Briefumschläge und Briefmarken besorgen, selbst alles 20x per Hand abschreiben (gab ja keine Kopierer), alles eintüten, alles zur Post tragen… war mir immer insgesamt zu viel Aufwand. War ich zu faul für, so einfach.
        Heutzutage [TM] sind es dann ein paar Klicks in der Messanger-App, und das ganze ist geritzt. Da ist der Arbeitsaufwand bei weitem nicht so groß…

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      • Mr. Gaunt sagt:

        Ich denke auch das gab es schon früher, wenn auch nicht ganz so heftig was die angedrohten Ereignisse angeht. Bei diesem Kettenbrief-Kram habe ich schon früher nie mitgemacht, das schien mir irgendwie sinnlos.

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  3. Sebastian sagt:

    Praktisch erlebt glücklicherweise noch nicht, aber öfter darüber gesprochen. Langsam steigt die Anzahl der WhatsApp-Nutzer in der Klasse und lange wird so etwas nicht mehr auf sich warten lassen.
    Ich finde es wichtig, Kindern frühzeitig den Umgang mit diesen Technologien zu ermöglichen. Nur so können sie ein Gefühl für solche Dinge entwickeln und müssen nicht heimlich unkontrolliert anfangen oder werden mit 10, 12 oder 16 irgendwann vom ersten Handy und den Möglichkeiten überrrollt.

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  4. Uns noch nicht selber erlebt, da das Wunschkind noch nicht schreiben/lesen kann. Trotzdem wird es langsam seit 3 Jahren an die Medien rangeführt. Ist halt Ansichtsache, wir machen es, wir kennen uns auch damit aus. Später wenn er lesen kann wird aufgeklärt, weil irgendwann kommt der Tag wo er ein Handy hat. Ich find es schlimm, sehr schlimm was heute so versendet wird.
    Liebe Grüsse

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  5. sternchenjg sagt:

    Genau diesen Wortlaut hatte mein Großer vor knapp 1 Monat auf dem Handy, ich habe die WhatsApp aber vor ihm erwischt (er ist 10 und ich lasse noch nicht ungefiltert allen Müll seiner Klassengruppe an ihn heran) und direkt gelöscht, aber mit ihm über diese KettenWhatsApps gesprochen, dass er sowas nicht lesen und auch nicht anhören soll, sondern wenn er merkt, das ist so ein „Seich“ dann direkt löschen. Da waren auch schon Nachrichten mit eingebauten Trojaner-Links (neue Farbe für Dein WhatsApp), oder „wenn Du mich gern hast schickst Du mir diese Nachricht zurück und dazu noch an 5 andere“. Aufklärung und „geschütztes“ Heranführen finde ich wichtig. Ich frage mich manchmal, wo die Eltern der Kinder sind, die so etwas weiter schicken…

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    • Hans Olo sagt:

      Die Eltern dieser Kinder sind einfach nicht mit drin im Leben ihrer Kinder. Die gucken nicht hin, interressieren sich nicht oder haben „keine Zeit“. Was es auch gibt ist die Variante, dass die Eltern genau das gleiche machen wie die Kinder und sind auch so doof bzw. haben keine Ahnung wie das alles wirklich funktioniert.
      Ich hab schon Leute erlebt, die WIRKLICH alles glauben was im Internet steht. Und das von vermeintlich intelligenten Menschen.

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      • nickel sagt:

        Nicht alle Kinder sagen ihren Eltern alles. Das muss nicht heißen, dass sie ein schlechtes oder gestörtes Verhältnis haben. Und es geht doch so schnell, da bekommt ein Kind die Nachricht, bekommt Panik, will es schnell hinter sich bringen (oder es gibt ein Zeitlimit, schicke dies innerhalb von 5 Minuten etc) und zack ist es weiter verschickt.

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  6. rayne sagt:

    Es gab früher auch positive Ketten-E-Mails die eine kleine Geschichte erzählt haben und dich aufgefordert haben diese Geschichte an 3 oder 5 (also nicht so viel) Leute weiter zu schicken um ihnen den Tag zu verschönern. Aber die „Schick das an 20 Leute weiter, dann geht ein Wunsch in Erfüllung, wenn nicht verdreht er sich ins Gegenteil“ kenne ich auch schon von früher. Die Kettenbriefe mit den kleinen Geschichten zum lächeln hab ich immer gerne weiter geschickt… Zumindest wenn sie mich selbst zum Lächeln gebracht haben.

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  7. Der Flo sagt:

    Heute sind es noch solche Kettenbriefe, die weitergeleitet werden, in 10 Jahren fallen dann die Weiterverbreiter auf eine eMail über einen unerwarteten Lottogewinn oder von einem nigerianischen Ölprinzen, der ihre Hilfe braucht, um sein Vermögen ausser Landes zu bringen, herein. Das beste, was man für seine Kinder in dieser Hinsicht tun kann, ist sie zu kritischen Menschen zu erziehen.

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  8. Sonja sagt:

    Oh ja, wir hatten auch schon jede Menge davon. An einen erinnere ich mich auch noch ziemlich genau : da kam meine Tochter (damals auch 10) zitternd und weinend zu mir gelaufen, weil da auch sowas drinstand von wegen : „ich bringe deine Mutter um“. Ich habe ungefähr so reagiert wie du jetzt auch, ihr klargemacht, dass das alles Schwachsinn ist. Seitdem nimmt sie diese Sachen nicht mehr ernst, schickt auch nichts weiter und beschwert sich sogar bei den Absendern, dass sie sowas nicht geschickt bekommen möchte. Ich bin ebenfalls sehr erleichtert, dass sie uns sowas zeigt. Scheinbar doch was richtig gemacht in der (Medien)-Erziehung.

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  9. Walcher Manuela sagt:

    Wir hatten dasselbe voriges Jahr. Meine Tochter, auch 10 war nicht so cool. Sie konnte fast ein Monat nicht mehr einschlafen, hatte richtige Angstzustände, nicht witzig. Nach laaangen Gesprächen und immer wieder Erklärungen, auch in der Klasse von der Lehrerin wurde es dann endlich besser. Immer noch wenn das Thema darauf kommt wird sie ganz blaß und kriegt Angst. Unnötiger gehts wohl kaum, war sehr genervt wegen dieser Kettenbriefe. Das sind halt die Schattenseiten unserer modernen Technik.

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  10. Sabine Haupt sagt:

    Dass Ist uns vor ein halbes Jahr passiert mit meinem Sohn habe gleich mit ihm geredet und in der Schule Bescheid gesagt Polizei hatte ich auch angerufen aber die können nix machen die Polizei sagt manchmal Ist die Stimme eine Frau ein Mann ober ein Kind

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  11. Marr sagt:

    Sorry, aber was denkt ihr Mütter euch auch, mit 10 Jahren dem „Junior“ ein eigenes Handy mit Internetzugang zu kaufen??
    Das sind nicht die einzigen negativen Folgen. Was meint ihr,wie schnell die Gewalt- und Pornofilmchen anschauen? Inspiriert von den Größeren…Die fadenscheinigen Ausreden der Mütter(„aber wenn was passiert…“) gelten nicht, da es auch Handys und Verträge OHNE Internet Zugang gibt. Und WIR ALS ELTERN HABEN DIE VERANTWORTUNG UNSERE KINDER ZU SCHÜTZEN, so lange es geht. Mein Sohn hat mit 11 Jahren noch kein Handy und DAS IST MÖGLICH OBWOHL ALLE anderen um ihn herum eines haben. Und er vermisst es nicht,da er sehr gerne raus geht, Sport macht,mal ein Buch liest und auch ich mit ihm was mache. Also auch in der heutigen Zeit geht das noch, man darf dem Druck der anderen nicht nachgeben und muss mit den Kindern reden, ihnen das erklären. Selbst schuld ist der,der seinem Kind mit 10 Jahren ein Handy mit Internetzugang kauft.
    Denkt mal drüber nach, ob ihr eurer Verantwortung den Kindern gegenüber gerecht werdet.

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    • Pharmama sagt:

      Danke bestens für Deine Meinung.
      Im übrigen ist das nicht gekauft sondern mein altes Phone – und da sie in der Schule auch mit Computer und Internet arbeiten ist es in meinen Augen angebracht, ihm den richtigen Umgang damit auch in dem Alter beizubringen.

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    • Der Flo sagt:

      Unser Grosser hat mit 5 sein erstes Kindertablet bekommen. Nachdem er innert weniger Monate sämtliche Sicherheitsprogramme geknackt hatte, musste wir uns zwangsläufig mit ihm hinsetzen und Regeln fürs Spiel- und Surfverhalten erarbeiten. Inzwischen hat er zum 7. Geburtstag ein normales „Erwachsenen-Tablet“ bekommen, das KIndertablet ging an seinen jüngeren Bruder zu dessen 5. Geburtstag. Wir müssen halt immer aufpassen, was die beiden so auf ihren Computern machen, das kotet natürlich Zeit und Aufmerksamkeit.

      Aber schön @Marr, wie Du allen anderen Eltern Deinen pesönlichen Lebensentwurf aufzwingen willst, erziehst Du so auch Deine Kinder? Ich hatte leider auch so eine Mutter, unter den Folgen leide ich bis heute.

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    • nickel sagt:

      Kindern lehrt man keinen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und mit Technik, indem man es verteufelt und verbietet. Sie werden ohnehin Zugang bekommen, und wenn es über die Freunde ist. Lieber habe ich mein Kind dann darauf vorbereitet, darüber geredet, Regeln aufgestellt, es vertraut gemacht mit dem was es darf und kann, als dass es völlig vom Internet überrollt wird und heimlich (was viel schlimmer ist) irgend einen Kram macht, den ich nicht kontrollieren kann, weil es eben heimlich geschieht. Letztlich ist immer das am reizvollsten, was verboten ist.
      „Denkt mal drüber nach, ob ihr eurer Verantwortung den Kindern gegenüber gerecht werdet.“ Das gebe ich damit zurück.

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  12. Monika sagt:

    In der Oktober – Ausgabe von „Fritz + Fränzi“ ist das gerade auch Thema

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  13. Der einzige gute „Kettenbrief“ war noch der Hermann-Kuchen 😀 Kennt den noch jemand?

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