Ich hatte das schon einmal hier!

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Die Pharmaassistentin holt mich zum Patienten. Standardprozedur, wenn jemand etwas rezeptpflichtiges verlangt und kein Rezept (mehr) hat.

Der Patient hier wünscht eine Wiederholung eines Schmerzmittels, das er nach einem Unfall verschrieben bekommen hat. Problem: das war vor über einem Jahr. Ein einfaches Rezept ohne Wiederholungsangabe. Seitdem war er nicht mehr hier.

Ich schaue mir die Sache an, aber eigentlich ist mir schon klar – so geht das nicht. Es ist zwar keines der Mittel, die unter das Betäubungsmittelrezept fallen, aber auch dann ist ein Rezept nach Ausstellungsdatum maximal ein Jahr gültig.

Er hat das Medikament seit diesem ersten Mal nie mehr gebraucht – es ist zweifelhaft, dass er es immer noch für dasselbe Problem braucht. Und wenn es ein neues Problem ist, gibt es entweder andere Schmerzmittel, auch rezeptpfreie oder aber er muss zum Arzt.

Das geht nicht auf die Unfallversicherung, die ihm das das letzte Mal bezahlt hat und auch nicht die Krankenkasse.

Pharmama: „Das einzige, was ich Ihnen anbieten könnte wäre eine Abgabe ohne Rezept, nach vorheriger Abklärung durch mich, ob das immer noch angezeigt ist. Dann können sie eine Packung haben … wenn Sie die selber zahlen.“

Oh, doch nicht mehr nötig? Na dann.

(Und das noch bevor ich mir überlegt habe, ob ich für den Aufwand etwas verlangen will).

Ja – es geht schon wieder gegen Ende Jahr. Da häufen sich so Anfragen.

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4 comments on “Ich hatte das schon einmal hier!

  1. Alphager sagt:

    Kannst du für nicht-Eingeweihte erklären, warum es gegen Ende des Jahres mehr solche Anfragen gibt?

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  2. Ahuefa sagt:

    Wollte grad auch fragen: warum ist das Ende Jahr häufiger??

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  3. kleiner_Geist sagt:

    Am Ende des Gelds ist noch so viel Jahr übrig.
    Nein, im Ernst. Im neuen Jahr gibt es wieder die Grenze in der erst mal selbst bezahlt werden muss. So was gibt es bei den schweizer Krankenkassen.

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  4. Pharmama sagt:

    Das stimmt: Ich nenne es das Franchise-Phänomen. Die Franchise ist im schweizer Gesundheitssystem der Anteil an den Medikamentenkosten etc. der erst Mal selber übernommen werden muss. Danach geht es über die Krankenkasse (abzüglich 10% Selbstbehalt). Viele Leute scheinen so zu denken, dass wenn sie die Franchise erreicht haben, sie teils „auf Vorrat“ Medikamente nehmen wollen – dabei bedenken sie nicht, dass vor allem bei den Sachen, die sie regelmässig haben, sie das Ganze für das nächste Jahr einfach „etwas“ hinauszögern …

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