Ich lerne jeden Tag etwas neues …

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In meinem Beruf hat man nie ausgelernt. Nicht nur werden stetig neue Medikamente entwickelt oder bei alten neue Anwendungsgebiete gefunden, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen entdeckt … es ändert sich jeden Tag etwas. Manches davon ist wichtig, anderes nicht, manche Information bekommt man von den Firmen selber oder von den Zulassungsbehörden oder aus den Medien … und manches erfährt man von den Kunden selber.

Hier was ich heute gelernt habe:

isotonisch

Bei den Naaprep haben sie die Monodosen neu so gemacht, dass man sie nicht mehr verschliessen kann. Das sind diese kleinen Plastikampullen mit isotonischer Salzlösung, die man vor allem für Babies braucht um zum Beispiel die Nase zu reinigen oder zu befeuchten oder auch um die Augen auszuwaschen. Sie eignen sich auch zum ausspülen von Wunden oder wenn man eine klebende Gaze von der Wunde möglichst schmerzlos entfernen will. Früher konnte man diese Monodosen wieder verschliessen, indem man den abgedrehten Deckel umgekehrt (mit der Spitze nach unten) wieder einsetzte. Das geht seit neustem nicht mehr!

Ich habe die Rückmeldung von einer Frau mit kleinem Baby bekommen, die sich auch die Mühe gemacht hat, da bei der Firma nachzufragen. Den Aufsatz (also die Spitze) haben auch die neuen Einzeldosen noch – nur passen sie unmöglich (auch mit Kraft nicht) in die aufgemachten Dosen. Sie war – zu Recht finde ich – empört, denn man kann bei einem einmaligen Gebrauch wirklich nicht alle 5 ml verwenden … da füllt man das Babynäschen gleich 5 mal damit. Und wenn man es nicht mehr verschliessen kann, dann kann man es auch nicht mehr wie bisher den Rest des Tages noch anwenden, sondern muss es sofort wegwerfen. Totale Verschwendung (und Plastikabfall), vor allem weil das immer noch dieselbe Grösse ist. Die Firma weiss das übrigens und laut ihnen ist das Absicht. Sie sagen natürlich, das sei, weil es dann nicht mehr steril ist. Nun – das muss in den meisten Fällen nicht 100% steril sein – und so schnell wachsen die Bakterien auch wieder nicht, dass man das nicht noch den Rest des Tages verwenden kann.

Nun – ich denke, ich werde in Zukunft frischen Eltern nicht mehr das Naaprep empfehlen, sondern lieber die Triofan. Bei denen klappt das nämlich (noch).

Für das Bild hätte ich gerne noch die Naaprep innen gezeigt – aber aufmachen kann man sie auch nicht mehr, ohne dass die Packung kaputt geht.

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23 comments on “Ich lerne jeden Tag etwas neues …

  1. turtle of doom sagt:

    Eine (nahezu) isotonische Lösung lässt sich ja mit 1 TL Kochsalz und 7 TL Zucker herstellen. Einfach die Sache mit Wasser auf einen Liter auffüllen, gut rühren, und fertig ist die klare und vegetarische Suppe.

    Ganz steril muss es ja nicht sein, damit spült man ja keine offenen Wunden aus.

    Aber eben, schön wäre es, wenn Küchenwaagen aufs Hundertstelgramm genau wären…

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  2. Mary sagt:

    Pharmama, weisst du zufällig, ob die Triofan Baby auch wiederverschliessbar sind?

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  3. Schildkroete sagt:

    Also uns wurde von der Apotheke empfohlen, diese Dinger mit Alufolie zu verschließen, aber 24 Stunden nach dem Öffnen zu entsorgen.

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  4. Ich verstehe der Hersteller. Am Ende hebt sich jemand eine offene Phiole über Wochen auf, holt sich eine Bindehautentzündung und klagt.

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    • Pharmama sagt:

      Vorausschauend. Muss man heute wohl – auf „gesunden Menschenverstand“ etc. kann man sich nicht mehr verlassen…

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      • Hat man doch oft genug und du kennst sie doch auch, die Leute, die mit uralten Medikamenten kommen und die weiter nutzen wollen, teilweise für völlig andere Sachen, als für die sie verschrieben wurden.
        Ich würde letztens gefragt ob man die alten Amoxicilin gegen eine Entzündung einer Fußsehne nehmen könnte.
        Da würde ich als Hersteller auch alles dafür tun, dass Aufbewahrung angebrochener Einheiten unmöglich ist.
        Zugegeben, man könnte die Phiolen mit weniger Inhalt anbieten.

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    • McCloud sagt:

      Ich denke in eine ähnliche Richtung wie Pflaegermeister. Freiwillig macht das doch keine Firma. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Auflage eine Behörde gegeben hat, die Dinger bewusst nicht wiederverschließbar zu machen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass eine „Qualified Person“ das Klagerisiko nicht mehr mittragen wollte und deshalb die Primärverpackung geändert wurde.

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  5. Caron sagt:

    Wir haben dafür ein Fläschchen mit Glaspipette, in das wir umfüllen. Damit kann man auch viel besser verabreichen als mit diesen ggf. scharfkantigen Plastikpipetten.

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  6. Was spricht dagegen die Ampullen unverschlossen aufzuheben? Für 8-12 Stunden halte ich das für ok, solange ich das nicht am verletzen Auge verwende. Dann kommt wenigstens keiner auf den Gedanken, die angebrochenen Ampullen ewig und drei Tage in der Handtasche mitzuschleppen.

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  7. Miki sagt:

    Ich wollte ganz was anderes schreiben… (bin stillgelegte Wundschwester und bei Wundgelen ist es – inzwischen- genauso, sehr ärgerlich, vor allem, weil das die Patienten kaufen müssen…ein Theater… und „wir“ waren immer die Dummen, weil wir es empfohlen haben…) aber durch die Kommentare hatte ich einen Gedankenumschwung. Die Hersteller können einem schon „leid tun“, es gibt so sau-dumme Anwender (sorry). Jetzt ist an meinem Insulinpumpenmodell (muss wegen defekt ausgetauscht werden) herstellerseitig der Bolusknopf blockiert. Ja, wirklich. Kein Bolus mehr per Knopfdruck (bei mir mit Griff in den Ausschnitt, Pumpe wohnt im BH) möglich. Weil: Anwender die Pumpe in der Hosentasche hatten und so versehentlich einen Bolus abgerufen haben. Dazu muss man wissen, dass das Prinzip über 20 Jahre so war und dass es abgesichert ist: 2 Knöpfe: Knopf 1 drücken, an Knopf 2 die Dosis (definierte Menge pro Knopfdruck) eingeben, dann bestätigt die Pumpe das mittels Vibration noch mal. Mache ich seit 1996 so… nun nicht mehr, weil die Hersteller sich gegen Klagen blöder Anwender schützen will…. und ich??? Hole die Pumpe jetzt im Restaurant aus dem Körbchen???!!!

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  8. Emrah Baskin sagt:

    Ich hab mir einen sozusagen Verschluss gebastelt, im Prinzip wie beim Sekundenkleber, Luftdichtes Plastik, ist das OK, oder muss ich da bei 3, 4 Tagen Bedenken haben? Es handelt sich ja nicht um Wochen oder Monaten….nur ein paar Tage. Die Pharmaindustrie ist ja nicht umsonst eine der grössten Industrien heutzutage. Also, mir gehts gut, bis jetzt 😀 lg Emrah

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    • Pharmama sagt:

      Ich denke, genau Leute wie Du sind der Grund, dass man das nicht mehr zumachen kann. Einen halben bis maximal einen Tag. Nicht 3, 4 oder wahrscheinlich noch länger. Nein.

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    • Bei halbwegs vernünftigen Bedingungen teilen sich Bakterien alle 20min 1x. Nun rechnen wir mal 12 Stunden = 36x20min und gehen von zwei Bakterien aus – also 2hoch36…

      Nach 12 Stunden hast Du also 68,7Milliarden Bakterien in der Lösung. Schlimm genug.

      Nach 3 Tagen hast Du 2hoch216, also 10hoch64 Bakterien in der Lösung, eine Zahl mit 64 Nullen vor dem Komma. Viel Spaß bei der Augeninfektion…

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      • turtle of doom sagt:

        Das trifft für E. coli zu. 🙂 Treponema pallidum zum Beispiel hat eine Verdoppelungszeit von 33 Stunden… in Kaninchenhoden. Mykobakterien sind diesbezüglich auch ziemliche Schnecken.

        Und dann trifft diese massive Vermehrungsrate auch nur für eine Nährlösung zu, also wenn die Bakterien ordentlich was zu fressen haben.

        Welche Nährstoffe befinden sich denn in 0.9% Kochsalz?

        1-2 Tage im Kühlschrank lagern, mit Alufolie verschlossen, fände ich vertretbar bei simplen Augen- und Nasentropfen.

        Zur Sicherheit löst man die Augentropfen in 70% Alkohol, womit das sogenannte eyeballing auch grad vollbracht ist…

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        • Mein Beispiel dienste auch zu verdeutlichen, was da möglich sein kann – und nicht wie es kommen wird… 😉 Und E.coli trägt so JEDER mit sich herum (wenn auch normaler Weise nicht im Auge), und was ich an unhygienischem Verhalten bei KRANKEN Menschen hier schon in meiner Apo-Theke erlebt habe, ist nur noch zum weglaufen… (Beispiel: Jemand mit akutem Durchfall bittet, meine Toilette benutzen zu dürfen. Danach ist die Klobrille beschmiert, es ist zwar gespült aber die Bürste nicht benutzt worden, und die Hände gewaschen hat sich derjenige auch nicht…)

          Du löst Augentropfen in Ethanol, so dass zum Schluss 70% vorhanden sind? Und das tropfst Du Dir ins Auge? („eyballing“ kenne ich nur als Übersetzung von „glotzen“; aber Eyball-Lickung kenne ich vom Hörensagen. Ist das besser mit SingleMalt im Auge?) Oder doch lieber in den Mund? 😛

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          • turtle of doom sagt:

            Uuuuuuuuugh. Lauf weg! Diese Patienten sehen praktisch mit ihren Bakterien!

            Und mit Eyeballing meinte ich – auf bekannten Apothekerblogs biete ich ja immer wieder prinzipiell richtige, aber in der Praxis völlig falsche Tipps an. Hilfreich wie immer.

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          • Naja, bei dem fraglichen Patienten habe ich den Toilettenraum anschließend mit Desinfektionsmittel geflutet… bäh

            Der neueste Trend ist also, dass man sich Wodka ins Auge gießt, damit einem ein aderer den da raus leckt? Na zumindest ist dann das Infektionsrisiko kleiner als beim reinen „eyeball licking“, welches ja schon ein paar Jahre bekannt ist: 😛

            Jaja, alles ist relativ. Nur Wodka ist absolut! 😀

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  9. katerstimmungskanone sagt:

    Mein Augenarzt riet bei Augentropfen, die auch nicht wiederverschließbar waren, das über den Anwendungstag mit Tesa zuzumachen, ob das ne gute Empfehlung ist, kann ich nicht beurteilen, ich hab es jedenfalls so gemacht und keine Probleme gehabt.

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  10. Der Flo sagt:

    Apropos neue Anwendungen für alte Medikamente: Xylometazolinhaltige Nasensprays (e.g. „Triofan“™, „Otrivin“™) eignen sich hervorragend zur Behandlung von Perianalthrombosen. Auch wenn sich schon mancher meiner Patienten ziemlich dämlich vorgekommen sein muss, wenn er sich Nasenspray zwischen die Pobacken gesprüht hat. Und das Zielen ist auch nicht so ganz einfach, da brauchen viele einen Spiegel. Einen grossen.

    Aber den Partner um Hilfe zu bitten, kostet die Leute anscheinend noch wesentlich mehr Überwindung…

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