Geschmack(muster)los

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Der Mann fragt mir in der Apotheke Löcher in den Bauch über den Bexin Hustensaft, den er für sich will. Über Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen … Und dann fragt er, ob er dran RIECHEN kann.

Äh, nein. Das ist kein Gourmetshop … und wir bekommen von den wenigsten Medikamenten Muster. Ich kann ihnen sagen, nach was es schmeckt, aber ich kann die Packung nicht für Sie öffnen.

Er wollte ihn dann nicht und meinte, er versucht es noch woanders. Wenn es davon schon keine Muster gäbe, macht ihm sicher eine (bessere) Apotheke den Sirup auf, damit er schauen kann, ob er ihm passt.

Und wenn er ihm nicht passt, dann macht die die Flasche wieder zu und probiert es dem nächsten weiterzuverkaufen? Oder verteilt den Hustensirup mit Dextrometorphan in der Erkältungszeit in kleine Shot-Gläser für die trocken hüstelnden Kunden?

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21 comments on “Geschmack(muster)los

  1. Mr. Gaunt sagt:

    Geschmacksmuster? Ungewöhnlich, aber warum eigentlich nicht?
    Könnte ein pfiffiges Verkaufsargument sein, jedenfalls für Arzneimittel die echt gut schmecken.

    Arzneimittelrechtlich müsste man das sicher vorsichtig prüfen, aber wenn man Placebos hinbekommt, die dem Original geschmacklich entsprechen?

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    • turtle of doom sagt:

      „Ich verspreche Ihnen, der Saft schmeckt wie Schnitzel mit Pommes C50!“

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    • Pharmama sagt:

      Die Beschriftung dürfte noch ein Problem sein, damit dann nicht jemand zurückkommt und reklamiert, weil es überhaupt nicht geholfen hat …

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      • Mr. Gaunt sagt:

        Das würde aber auch mit der besten Beschriftung trotzdem passieren 😉
        Rechtlich ist das sicherlich etwas tricky. Vielleicht würde es in D auch gegen das Heilmittelwerbegesetz verstossen, aber ich bin zu faul das durchzuforsten.
        Ich dachte auch eher an eine Zwei-Liter-Flasche für die Befüllung der Shot-Gläser in der Apotheke.

        Richtige Arzneimittelmuster gab es zumindest in D früher mal. Ich habe einen ganzen Haufen Schmerztabletten in meiner „in die Apotheke zurückgebracht“-Sammlung. Die wurden früher verteilt in einer Aufmachung sehr ähnlich zu den Streichholzbriefchen, die man als Werbung bekommt.

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  2. Xeres (PTA) sagt:

    Wenn ich mich recht entsinne gab es für irgendetwas tatsächlich mal ein Geschmacksmuster von irgendwas. Könnte es Movicol gewesen sein bzw Dulcolax M?
    Und von dirgendwelchen Schmelztabletten hatten wir auch mal Geschmacksmuster.

    In solchen Fällen frage ich mich ob den Kunden bewusst ist das es sich um verschlossene ARZNEIMITTEL handelt und ob sie selber gerne eines kaufen würden, das bereits 4 Monate zuvor mehrfach geöffnet wurde, damit ein paar Kunden ihren Rüssel reinhalten und vielleicht reinnießen können und das ganze deshalb natürlich auch nur noch 2 Wochen haltbar ist beim Einkauf.
    ….
    Und ich dachte dieses Phänomen das Medikamente neuerdings lecker schmecken müssen damit die Kinder sie einnehmen würde sich nur auf das Kindesalter beschränken.
    Das nimmt mir die Hoffnung dass das Phänomen wieder aufhört das es seit ein paar Jahren gibt zwecks Geschmack.
    Erst heute wieder gehabt, wonach schmeckt der Saft denn? Jonas mag kein Kirsch, das nimmt er dann nicht…. Hätte es zu meiner Kindheit nicht gegeben, vorhin noch mit meinem Chef drüber gesprochen der mir auch sagte dass dieses Problem früher in der Apotheke nicht vorkam. Und ich habe brav Ery-Wolff Saft genommen als Kind, noch bevor jegliches Aroma drin war. Da gab es keine Diskussion, Medikamente mussten nicht schmecken, sie waren wichtig und Punkt.

    Wer zwingend etwas will das lecker schmeckt, bekommt gerne Globuli aber dann will ich keine Beschwerden hören wenn es nicht geholfen hat. Man muss sich halt entscheiden.

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  3. Ich hätte gerne beim Mucosolvan und bei Novalgintropfen das Aroma wieder raus. Es hilft mir nämlich nicht, wenn ich das Zeug schlucke, aber mein Magen es stante pede wieder hinaus befördert. Und entgegen der allgemeinen Haltung denke ich, dass Medikamente bitte helfen und nicht schmecken sollen. Ausser Wick Wildkirschbonbons… Und Rachendrachen! gibt dem inneren Kind einen kleinen Kirschlolli und einen Wehrters Echte

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    • Xeres (PTA) sagt:

      Kenne ich. Ich konnte damals deshalb nach meiner OP keine Tramaltropfen nehmen.
      Die kamen augenblicklich wieder retoure. Und zwar nicht wegen dem Opiat, sondern wegen dem Geschmack. Dauerte ewig bis sich mitten in der Nacht im KH ein Arzt fand der etwas anderes anordnete.
      Bei Tramal ist das bis heute so, halt es mir nur unter die Nase und ich bekomme augenblicklich Würgereiz. Es gab mal ähnlich schmeckende MCP-Tropfen, das war nicht vorteilhaft….
      In solchen Fällen habe ich ja Verständnis. Was hinausbefördert wird bevor es wirken kann, da muss eine Lösung her. Wenn ein anderer (oder kein) Geschmack dann hilft, bitteschön. Aber nur weil es nicht mundet? Wie die Ernährung solcher Menschen aussieht, ist fraglich.

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    • aucheinemama sagt:

      Novalgintropfen sind aber wirklich extrem eklig! Mich würde mal interessieren, wieviele Medikamente in Krankenhäusern „verschwendet“ werden, weil sie nie im Blutkreislauf der Patienten landen…
      Nein, das Zeug muss es nicht in x verschiedenen wohlschmeckenden Varianten geben. Aber oft ist der Geschmackszusatz noch ekliger als einfach bittere Tropfen. Die man bei Bedarf (so war das früher) eben auf einem Stück Zucker einnimmt.

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  4. samybee sagt:

    Wie – ihr stellt kein hübsches Mädchen mit in der Winterzeit mit kleinen Plastikbechern vor die Tür, um vorbeieilenden Passanten den neuen Hustensaftgeschmack schmackhaft zu machen?😉
    Ich habe mit meinen Kindern dass Problem, dass sie die häufig übersüßten Säfte mit übertriebenen Aromen gar nicht mögen, manchmal bis zum Würgereiz. Bittere Tropfen, die eben einfach so schmecken und nicht künstlich auf lecker gepimpt sind, schlucken sie ohne Widerspruch. Wenn ein Saft genommen werden muss, fragen sie schon zaghaft, wonach er schmeckt. Und ich sehe, wie sie blass werden, wenn ich Orange-Erdbeer-was auch immer sage…

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    • Lily sagt:

      Das Mädchen aber bitte leicht bekleidet. Hustensaft hat sie ja schon dabei. Mal im Ernst… Das mit dem Gesüße ist schon widerlich. Und wenn es zum Erbrechen bringt natürlich ein no-go. Ich kannte mal jemanden, der sagte, dass er mich bewundere, er könne niemals Insulin spritzen… Nadeln. Das ginge gar nicht. Ich glaube, wenn die Alternative ein früher und unangenehmer Tod ist, geht so manches. Eben auch eine 8mm lange Nadel oder bitterer Geschmack. Und meiner unmaßgeblichen Meinung nach sollten Eltern ein paar nicht diskutierbare Einfluss-Möglichkeiten vorhalten, den Nachwuchs dazu zu bringen, mitzuspielen. Wenn Medikamente zu nehmen sind, oder wenn zB gerade der Dreißigtonner und das Kind auf Kollisonskurs sind. Dann ist Gehorchen angesagt…

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  5. Delilah sagt:

    Ich frage mich auch immer (kinderlos), ob die Kinder teilweise wirklich so extrem heikel sind, oder die Eltern sich einfach nicht genug durchsetzen…
    Ich hatte neulich im Notdienst Eltern, die alle (!) Sorten des einen Antibiotikums durch hatten, ihr Kind würde keins davon mögen…der Arzt musste dann auf einen anderen Wirkstoff umstellen…und es ging wirklich um Geschmack („Will er einfach nicht nehmen“), nicht ums vertragen…das fand ich doch etwas skurril.

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    • Anima Chutzpanit sagt:

      Bei mir gab und gibt es in zwei Bereichen keinerlei Diskussionsmöglichkeit: Bei Sicherheit (z. b. heisst es bei uns „kein Helm, kein Fahrrad“, anguten im Auto ist selbstverständlich etc) und bei Medikamenten. Die muss man einfach nehmen. Notfalls mit Bestechung („danach kriegst du Bonbons/Chips/wasauchimmer“). Hat bisher immer funktioniert, und die Kids sind inzwischen 10 und 12.

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    • aucheinemama sagt:

      Ich denke, es gibt sie natürlich, die Eltern die denken, es muss toll schmecken, dann habe ich auch keine Mühe damit, es meinem Kind zu verabreichen. Muss es doch geben. Gibt doch laut Werbung sonst auch immer alles in mindestens 12 Geschmacksrichtungen.

      Ich habe zwei Kinder und stehe da auch auf dem Standpunkt „Augen zu und durch“.
      Aber es gibt durch den „Geschmacksstoff-Wahn“ mittlerweile auch einiges an Medikamenten, die über das Ziel hinaus geschossen sind, sprich so penetrant künstlich schmecken, dass es bei empfindlicheren Patienten zu heftigem Brechreiz führt. Ich kenne das bei mir mit Novalgin-Tropfen, die es bei mir nie bis in den Darm-Trakt schaffen. Und mein einer Sohn hat sich bei einem bestimmten Fiebersaft (frei verkäuflich in der deutschen Apotheke) 2x spontan wieder übergeben. Da habe ich dann aber auch nicht lange drauf bestanden, sondern bin auf einen anderen ausgewichen. Schmeckte auch eklig laut meinem Kind, blieb aber drin.

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  6. Andrea sagt:

    Das hat nichts mit mangelndem Durchsetzungsvermögen zu tun ( wobei es sicher auch solche Leute gibt). Einige Medikamentensäfte schmecken so grausig, dass das Kind und auch Erwachsene sich zu recht weigern, sie zu nehmen. Es nützt ja auch nichts, wenn das Medikament wieder erbrochen wird, bevor es wirken kann. Wir hatten mal ein ganz furchtbares Antibiotikum. Ich habe es selbst probiert, und es schmeckte wirklich wie Knüppel auf den Kopf! Der Arzt meinte dann,wenn das Kind es nicht freiwillig nimmt, sollte ich es mit einer Spritze direkt in den Hals geben. Mein Kind nimmt sonst brav seine Medikamente ein, aber es zu quälen, nur weil der Arzt nichts anderes verschreiben will? Klares Nein! Es gibt genug andere Möglichkeiten, z.B. andere Wirkstoffe, Zäpfchen usw. Wir haben dann ein anderes Medikament bekommen und ich habe in die Kartei eintragen lassen, dass wir nicht wieder das furchtbare Zeugs verschrieben bekommen.

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  7. Van Lure sagt:

    Hustensaft-Shots für alle! Aber bitte mit Limettenschnitz und Salz!

    Also wenn ich wälerisch sein kann was den Geschmack des benötigten Medikaments angeht, brauche ich es wohl nicht wirklich.

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  8. rayne sagt:

    Ich erinnere mich dunkel (frühe Kindheit halt) an einen Medikamentansaft (keine Ahnung was genau) der war echt grausig (also schreien, weinen, wegrennen, unter dem Bett verkiechen grausig). Da es aber bei meinen Eltern keine Diskussionen über Medikamente gab, wurde der in mich reingezwängt (mit Festhalten, Kiefer aufsperren, etc. pp.). Deswegen habe ich bis heute eine extrem große Abneigung gegen flüssige Medikamente… Obwohl ich weiß, dass die Meisten eigentlich nur „bäh“ statt „echt grausig“ sind…
    Und ich muss euch zustimmen, die Novalgintropfen sind echt wiederlich. Die sind so übersüßt, dass es schon fast weh tut im Mund.

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    • Hehe. Ging mir (fast) genau so. Antibiotikum als Saft im Sozialismus. Mit Nachts Wecker stellen ala „alle 8 Stunden“. Extrem ekelhaft. Den sozialistischen Kampfspruch Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit! habe ich erst später gelernt – allerdings damals den Sinn schon verstanden, weswegen ich den Saft zwar begrenzt freiwillig aber ohne weitere „Zwangsmaßnahmen“ geschluckt habe…

      …Mitgenommen habe ich: Nie wieder so ein Ekelsaft – ich schlucke seit damals JEDE Tablettengröße… (Wobei diese „Ovula“ allerdings verdammt ekelig im Abgang sind… 😉 )

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      • rayne sagt:

        Laut meinen Eltern hab ich mich sonst nicht so gehabt, der war echt wiederlich… und mir fehlte in dem Alter (irgendwie vor Einschulung, daher ist die Erinnerung wirklich, wirklich dunkel) echt die Einsicht, dass der Saft jetzt doch in mich rein musste. Heute bin ich der Meinung: Zumindest eine ein klein wenig wiederliche Alternative wäre sicherlich möglich gewesen. (Das Zeug muss ja echt nicht schmecken, aber zumindest schluckbar sein.) Aber heute bin ich groß und kann auch einfach Tabletten nehmen, wenn ich was habe. Würde jetzt auch gerne noch einen Scherz zum Thema: Manche sind aber so wachshaltig bringen, aber du warst mir damit zuvorgekommen.

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  9. xpistian sagt:

    Einerseits denke ich auch, dass Medikamente nicht so extrem widerlich schmecken sollten, dass sie nach Einnahme wieder (unter Umgehung des Darmtrakts) herauskommen. Dann bringen die auch nichts.
    Andererseits aber sind Medikamente eben keine Gourmethappen und solange der Geschmack erträglich ist, ist es egal ob Himbeer, Erdbeer, Aprikose, BBQ oder was auch immer.
    Daher sollten die Hersteller eher darauf achten, schlechten Geschmack abzudecken, als zu versuchen und ein neutrales Geschmackserlebnis zu erreichen, als irgendwie ein „gutes“ zu erzeugen. Was gut ist, ist sehr subjektiv.
    Medizin muss nicht unbedingt bitter sein – sie sollte aber auch nicht lecker schmecken.

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  10. nickel sagt:

    Das ist ja wohl wichtig! Ich persönlich achte sehr darauf, dass meine Medikamente alle nach Früchten schmecken. Aber nur bestimmte Früchte, auf keinen Fall etwa grüner Apfel. Denkt doch mal an die Compliance!

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  11. Bianca sagt:

    Mein Kinderarzt hatte vor 35 Jahren echte Probleme für mich als 5jährige passende Medikamente zu finden, da ich ALLES das ansatzweise „gut“ schmecken sollte postwendend ausgespuckt habe. Leider waren schon damals „Pflaumengeschmack“ und ähnliches in.
    Noch mehr leider: es gibt nicht wirklich viele Tabletten für Kindergarten und Grundschulkinder….
    Das einzige das man mir (bis heute) schön reden kann ist Benuron Fiebersaft, denn bei Mandelentzündungen mit Fieber kann selbst ich keine Tabletten schlucken.
    Und (aus Geiz) beiße ich bei Husten die Zähne zusammen und schlucke Mucosulvan Kindersaft (Beerengeschmack).

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