Von ungeplantem (Sex)Besuch

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Letztens hatte ich eine längere Pille danach Beratung mit einer ziemlich selbstkritischen Frau über 40, die sich geisselt, weil sie offenbar nicht Nein sagen konnte.

Die Beratung selber wäre ja nicht mal so lange gegangen, aber in dem Fall habe ich wohl zusätzlich als psychologischer Mülleimer gedient.

Hintergrund: Ihre Internetbekanntschaft, mit der sie schon länger flirtet, steht auf einmal abends vor der Hautüre – obwohl sie das nicht wollte. Anscheinend hat sie ihn vorher auch noch nie getroffen und offenbar sieht er nicht mal so aus wie auf dem Profilbild (aber das ist hier Nebensache). Jedenfalls lädt er sich – da ja so weit weg von zu Hause und jetzt extra hierhergekommen … einfach zu ihr in die Wohnung ein .. und ja, offenbar auch ins Bett.

Es kam zu Sex (sonst wäre sie kaum zu mir gekommen), und dabei ist dann wohl auch noch das Kondom abgerutscht …

Jedenfalls sass sie bei mir und macht sich Selbstvorwürfe, dass sie etwas getan hat, wovor sie ihre eigene Tochter (!), die sie inzwischen alleine erzieht, immer gewarnt hat … und schwanger werden will sie auf keinen Fall!

Das war … eine interessante Pille danach Beratung. Mal was anderes. Und ich musste (ausser dem fachlichen Abklären) nicht wirklich viel dazu sagen, die Frau wusste das schon selber, dass das nicht gerade ideal war. Ich denke, sie muss unbedingt „Nein“ sagen lernen. Auch in so einer doofen Situation, wenn sie ihm ihre Adresse nennt – und er, obwohl sie das ausdrücklich abgelehnt hat „mal vorbeischaut“ …

Ich hoffe, sie hat daraus gelernt. Und ein paar von Euch, die das lesen vielleicht auch. Man muss sehr vorsichtig sein, was man wem im Internet von sich preis gibt.

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4 comments on “Von ungeplantem (Sex)Besuch

  1. Lily sagt:

    Da hat jemand nicht nein sagen können, aber jemand anders hat das ausgenutzt. Puh. Eine wirklich bedenkliche Geschichte. Vielleicht hat sie sich ja durch ihr Nicht-Nein-Sagen-Können eine noch unangenehmere Erfahrung erspart. Und du hast Recht: Man muss wirklich sehr vorsichtig sein mit den Realdaten, die man preisgibt.

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  2. -thh sagt:

    „Man muss sehr vorsichtig sein, was man wem im Internet von sich preis gibt.“

    Das ist generell sicher richtig, aber hier m.E. eine völlig unpassende Bemerkung. Es geht doch nicht darum, dass hier jemand bedroht oder gestalkt wurde.

    Wenn jemand einen bisher persönlich Unbekannten, der plötzlich vor der Tür steht, nicht nur hereinbittet, sondern auch mit ihm Geschlechtsverkehr hat, obschon sie das eigentlich nicht wollte, dann liegt das Problem ganz sicher nicht dabei, das im Internet die Adresse preisgegeben wurde. Ein erwachsener Mensch sollte üblicherweise in der Lage sein, schlicht die Tür nicht zu öffnen oder den ungebetenen Gast nach dem – der Überraschung geschuldeten – Einlass wieder vor dieselbe zu weisen.

    Um ein – hinkendes – Beispiel zu bilden: Wenn jemand sich nicht bremsen kann und jedes Produkt online bestellt, das man ihm vor die Nase hält, dann kann das ein ernstes Problem sein. Das liegt dann aber nicht an der unvorsichtigen Veröffentlichung der eigenen E-Mail-Adresse, an die man dann die unerwünschte Werbung erhält.

    Will sagen: klar sollte man vorsichtig sein, was man online von sich preisgibt, aber aus anderen Gründen.

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    • McCloud sagt:

      Ich sehe das ähnlich wie Du. So wie Pharmama das schreibt, ist es zu einem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gekommen mit dem beide Seiten einverstanden waren.

      Wenn die Internetbekanntschaft auf einmal unerwartet vor der Türe steht, wäre es vielleicht sinnvoll, vorzuschlagen, dass man sich in einem Cafe trifft – Stichwort: neutrales Terrain. Und was die Übernachtung angeht: Es gibt Hotels und Pensionen.

      Bevor ich jetzt für mein Argument geköpft werde, bitte klar verstehen: Falls der Geschlechtsverkehr nicht einvernehmlich gewesen sein sollte, wäre eine Anzeige bei der Polizei und eine Spurensicherung durch einen Arzt der einzig richtige Weg.

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  3. Jan S sagt:

    Wurd die Empfehlung zum HIV Test auch gleich mit auf dem Weg gegeben? Da gehört ja schon Dreistigkeit dazu einfach aufzutauchen, die vielleicht nicht das erste mal im Einsatz war.

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