Zu wenig bekannt: Heuschnupfen bei Kindern – und was man tun kann / sollte

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Allergien sind ganz stark im Kommen. Gibt es hier auch nur einen Leser, der nicht selber betroffen ist oder mindestens eine Person im Bekanntenkreis hat, die keine bekannte Allergie hat? Ich schreibe hier nicht von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, sondern dem klassischen (und oft unterschätzten) Heuschnupfen.

heuschnupfenDas ist keine Modeerscheinung – die Werte steigen seit 1960 stark an und mehr ist (leider) zu erwarten. Heute leiden über 20% der erwachsenen europäischen Bevölkerung an allergischem Heuschnupfen und weltweit haben (laut WHO) über 60 Millionen Menschen Allergien. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt. Übertriebene Hygiene spielt dabei eine Rolle, eventuell auch die Tatsache, dass wir kaum noch Parasiten haben, teils auch die Invasion von fremden Pflanzen (bei Pollenallergikern), und vor allem die familiäre Vorbelastung. Keinen Einfluss auf die Entwicklung haben die Anzahl Impfungen oder ob man ein Haustier hat – schon sensibilisierte Personen reagieren aber natürlich auch auf diese.

Was man auch weiß ist, dass es einen Zusammenhang zwischen der allergischen Rhinitis (Heuschnupfen), der chronischen Rhinosinusitis (Schnupfen) und späterem Asthma gibt. Gute Gründe also, bei Kindern rasch zu reagieren, denn … es gibt Sachen, die man gegen Allergien machen kann. Machen sollte sogar, wenn man seinen Kindern viel Leid ersparen möchte. Ich bin dankbar, ist mein Junior nicht betroffen, allerdings sehe ich in der Apotheke häufig Kinder mit Allergien aller Arten … und die Kleinen tun mir so leid.

Eine Allergie entsteht, wenn der Körper auf ein Allergen mit einer übertriebenen Immunantwort reagiert. Die Sensibilisierung kann bei fast allem auftreten, aber sehr häufig ist die Reaktion auf Pollen oder Hausstaubmilben (aber auch Tierhaare und Schimmel). Der Körper reagiert z.B. mit Rötung, Jucken, Niesen und laufender Nase …

Rötung um durch die verbesserte Durchblutung Zellen des Immunsystems vor Ort zu bringen, Jucken um die Aufmerksamkeit des Körpers auf die Stelle zu richten, Niesen und Nasenlaufen um die reizenden Stoffe mit dem Schleim oder durch den Luftstrom herauszuschaffen. Alles eigentlich sinnvolle Reaktionen – nur leider enorm übertrieben und dabei auf Stoffe, die ohne diese Überreaktion nicht mal gesundheitsschädlich sind.

Das Erkennen von Allergien ist nicht ganz einfach. Leider sind gerade viele Kinder mit Allergien nicht diagnostiziert. Wer ein Kind hat, das sehr häufig erkältet ist und vor allem saisonal vermehrt Schnupfen und eventuell zusätzliche Beschwerden hat, sollte es vom Arzt anschauen lassen. Es ist wichtig, dass der „Heuschnupfen“ von der Umgebung nicht trivialisiert wird. Wer unsicher ist, kann vorher diesen Test hier machen . Der Arzt kann dann mit einem Pricktest auf der Haut oder einem Bluttest den Verdacht auf eine Allergie überprüfen. Erste Anlaufstelle ist bei Kindern immer der Kinderarzt. Erst wenn der nicht aktiv wird, sollte man sich an einen Allergologen wenden. Es ist bei diesen Sachen wichtig das möglichst früh anzugehen – auch um einen sogenannten „Etagenwechsel“ zu verhindern. Der Fachmann nennt das so, wenn zum allergischen Schnupfen (Nase: oben) zusätzlich ein allergisches Asthma (Lunge: unten) dazu kommt.

Asthma kommt vom griechischen „Atemnot“ und ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege mit dauerhaft bestehender Überempfindlichkeit. Nach einem Auslöser (zum Beispiel Allergen) kommt es zu akut auftretender Luftnot und erschwerter Atmung. Bei Kindern ist Husten oft das führende Symptom.

Therapie von Allergien

An erster Stelle steht neben der Karenz, die bei Pollenallergie leider recht schwierig ist, die Bekämpfung der Beschwerden mittels Antihistaminika und Cortison. Sowohl topisch (also als Nasensprays oder Augentropfen) als auch systemisch: Tabletten etc.

Die neueren Antihistaminika (Medikamente wie Levocetirizin oder Desloratadin) machen viel weniger müde als die alten Formen (Dimetinden, Cetirizin) und können auch bei Kindern eingesetzt werden. Lokale Anwendung sowieso.

Lokal wirksame kortisonhaltige Mittel – zum Beispiel oft in Form von Nasensprays – können auch langfristig eingesetzt werden und wirken in Kombination mit Antihistaminika sogar oft besser als die Produkte einzeln.

Das ist allerdings nur Symptombekämpfung und geht die Ursache nicht an. Aber … es gibt eine Behandlung, die das macht:

Die Hyposensibilisierung oder auch spezifische Immuntherapie. (andere Namen: Desensibilisierung oder Allergie-Impfung)

Sie ist möglich bei: allergischer Rhinitis (Heuschnupfen), Hausstaubmilbenallergie, Allergie gegen Tierhaare und Schimmelpilze. Einige Präparate können auch bei allergischem Asthma eingesetzt werden. Damit kann man nicht nur eine langfristige (!) Linderung der Beschwerden erreichen, sondern auch einen Etagenwechsel verhindern (laut aha.ch in 47% der Fälle). Ab dem 5./6. Lebensjahr ist das machbar. Die Hyposensibilisierung wird bei Überempfindlichkeit gegen Pollen, Tierhaare, Schimmelpilze und Hausstaubmilben als sehr effektiv eingestuft. Es gibt 2 Möglichkeiten:

Subkutane Immuntherapie: Dabei wird beim Arzt das Allergen unter die Haut gespritzt. Eine normale Therapie dauert 3 Jahre, mit stetig steigenden Dosen. Zu Anfang einmal pro Woche, später alle paar Monate. Oder als Kurzversion: 7-10 Spritzen einmal pro Woche vor der Saison, dann Pause. Das macht man 3 Saisons lang.

Sublinguale Immuntherapie: Einige Allergene wie z.B. Gräserpollen und Hausstaubmilben können auch als Tropfen oder Tablette unter die Zunge verabreicht werden. Der Effekt ist vergleichbar mit der Spritze. Es handelt sich hier um eine tägliche Einnahme. Die erste Einnahme erfolgt beim Arzt, damit dieser mögliche Nebenwirkungen kontrollieren kann. Anschließend kann die Einnahme zuhause fortgesetzt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Kribbeln und Juckreiz, die aber normalerweise nach wenigen Wochen wieder verschwinden.

Die Behandlung dauert auch bei den Tabletten 3 Jahre. Nach dem ersten Jahr hat ein Drittel schon weniger Beschwerden und der Bedarf an Antihistaminika oder Kortisonhaltigen Mitteln hat sich um 55% verringert. Die Wirkung hält oft auch noch nach der Behandlung noch an.(1)

Sehr interessant ist auch der Fund, dass Eltern, die sich (vor der Schwangerschaft) einer sublingualen Immuntherapie unterziehen ihre Beschwerden weniger an ihre Kinder „weitergeben“. Dazu gehören neben den allergischen Erkrankungen und Asthma auch Beschwerden wie Neurodermitis, Bauchschmerzen oder Durchfall nach Milchgenuss.(2)

Das macht Mut für allergische Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder an (denselben) Dingen leiden, die sie durchmachen mussten – und sollte viel bekannter gemacht werden.

Habt ihr oder eure Kinder Allergien? Was sind Eure Erfahrungen? Wie lange hat es gedauert, bis gefunden wurde an was es lag … und was habt ihr dagegen gemacht, was hat geholfen?

Sponsored post – Text entstanden in Kooperation mit ohne Einfluss auf den Inhalt.

(1) (Durham et al. J Allergy Clin Immunol 2010; 125: 131-38 und Durham et al. J Allergy Clin Immunol 2012; 129: 717-25)

(2) (Bozek A, Jarzab J, Bednarski P. The effect of allergen-specific immunotherapy on offspring.Allergy Asthma Proc. 2016 Jul;37(4):59-63.)

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15 comments on “Zu wenig bekannt: Heuschnupfen bei Kindern – und was man tun kann / sollte

  1. Pflegefachmann sagt:

    Mein Geheimtipp für erwachsene Mitallergiker zum Ausprobieren. JHP RÖDLER Öl (japanisches Heilpflanzen Öl). Davon 2 Tropfen auf ein Taschentuch geben und tief inhalieren. Das Öl ist eigentlich für Erkältungskrankheiten zugelassen, durch die Beruhigung der Schleimhäute auch bei allergischer Rhinitis sehr wirksam. Bin eigentlich starker Allergiker, insbesondere auf Birke, Esche und Erle. Mit JHP komme ich praktisch Beschwerdefrei durch den Frühling. Spottbillig ist diese Behandlung auch noch, eine 30ml Flasche hält locker 10 Jahre.

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    • hajo sagt:

      Ich habe glücklicherweise (noch?) keine derartigen Probleme, aber meine Frau dafür umso mehr. Leider würde das Heilpflanzenöl nicht weiterhelfen, weil sie auch noch allergisch auf verschiedene ätherische Mittelchen (Pfefferminze, Menthol etc.) reagiert.
      Liebe Pharmama, zum Anstieg von Allergien (wie auch von anderen Erkrankungen) habe ich eine andere Meinung: das liegt wohl auch an der Verbesserung der Diagnostik, sprich: Erkrankungen werden heute erkannt und vielfach benannt, so nach dem Motto: Krankheit benannt, Krankheit gebannt 😦

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      • Pharmama sagt:

        Das ist leider nicht so … den Effekt gibt es wirklich, sieht man besonders schön bei Autismus- und ADHS-Diagnosen, die früher entweder nicht „diagnostiziert“ oder anders benannt wurden; aber bei Allergien sehen wir unabhängig davon einen (starken) Anstieg.

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  2. Dominikus sagt:

    „laut aha.ch in der Fälle“
    Kann es sein, dass da eine %-Angabe o.ä. fehlt? 😉

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  3. almandor sagt:

    War als Jugendlicher auch starker Allergiker und Asthmatiker.

    Tierhaare, Pollen und Hausstaubmilben.

    Bei mir kamen mehrere Dinge zusammen um das in den Griff zu bekommen. Ich hatte eine Katze. Der Doktor empfahl sie abzugeben. Ich weigerte mich. Nach ca 3 Jahren (und einigen sehr schweren Asthmaanfällen (bis ins Krankenhaus)) klang sowohl meine Allergien wie das Asthma ab.

    Es ist auch heute nicht komplett weg, aber es äußert sich nahezu nur noch mit leichtem Heuschnupfen. Und selbst den bekomme ich nicht wenn ich mich bis zu drei Monate vorher gegen irgendwas habe Impfen lassen. Da ist auch egal gegen was. Es scheint nur darum zu gehen das mein Immunsystem was zu tun bekommen hat.

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    • almandor sagt:

      Verdammt, zu schnell abgeschickt. Ich wollte noch dazuschreiben: Es half auch der Einsatz der Pubertät. Laut meinem Doc steigt dann der natürliche Cortisonspiegel im Körper und hilft bei der Unterdrückung der Symptome.

      Er meinte auch das mit da im Alter Ungemach drohen kann, da dort der Cortisonspiegel wieder sinkt.

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  4. Hallo,
    eine mögliche Methode um etwas gegen die Allergien zu unternehmen ist mir vor 2 Jahren zufällig auf Amazon begegnet.
    Pollenfilter aus Silikon mit wechselbaren Filtern zum einsetzen in die Nase.
    Würde ich jetzt nicht gerade für Kinder empfehlen, da ein bisschen kniffelig in der Anwendung, aber als Jugendlicher oder Erwachsener sollte man damit gut klar kommen.

    Ich bin auf wirklich viele verschiedene Pollen allergisch und habe das ganze Jahr Probleme. Aber in den Zeiten wo es besonders schlimm für mich ist – Frühling und Sommer – benutze ich jetzt regelmäßig diese kleinen Silikondingsdas wenn ich draußen unterwegs bin und spare mir so den Einsatz eines Nasensprays.
    Das funktioniert für mich so gut, das ich im vergangenen Jahr das erste mal seit über 10 Jahren auf Cortison in jeder Form verzichten konnte.
    Zwar ist das Tragen etwas merkwürdig, aber man gewöhnt sich gut daran.

    Doof ist es wenn man Niesen muss, dann kann es schon einmal vorkommen, das einem plötzlich der Filter aus der Nase fliegt. Vor allem wenn man nicht schnell genug ein Taschentuch zur Hand und den Filter aus der Nase geholt hat.
    Das hat bei mir bzw. bei meiner Umgebung schon mehrfach zu verwunderten Blicken geführt.
    🙂

    Ist aber natürlich nur ein Hilfsmittel, eine Desensibilisierung hat mir in der Vergangenheit auch sehr gut geholfen, leider wechseln bei mir die Dinge auf die ich allergisch reagiere teilweise von Jahr zu Jahr.

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    • Pharmama sagt:

      Nun, so ein Filter könnte zumindest die Nasenprobleme etwas beheben … aber was ist mit den tränenden Augen etc.? Und dann würde ich das auf keinen Fall bei einem Kind ausprobieren … Dann schon eher die Barrieremethode, bei der man zum Beispiel Vaseline oder Bepanthen Nasensalbe in die Nase schmiert.

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      • Ich behaupte ja nicht das es sich um ein Allheilmittel handelt, für meine Augen benutze ich nach wie vor Augentropfen bei Bedarf. Ich habe nur für mich eine Verbesserung festgestellt wenn es darum geht mal draußen unterwegs zu sein, was ich mir vorher trotz Medikamenten meistens komplett verkniffen habe, jetzt aber sehr gut machen kann.

        Die variante mit der Nasensalbe habe ich auch probiert, hatte da aber ununterbrochen das Gefühl das meine Nase läuft (auch wenn sie es nicht wirklich getan hat).
        Dieses Gefühl habe ich so nicht, aber man merkt natürlich trotzdem den Fremdkörper in der Nase. Und ich habe mir auch mehrere verschiedene Modelle zugelegt bis ich eines gefunden habe das sehr gut in meine Nase passt.

        Wie gesagt ich möchte keinen Bekehren, nur mal erzählen was mir sehr gut hilft.
        Grüße aus Fast-Norddeutschland

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  5. rayne sagt:

    Ich gehöre glücklicherweise zu den Nicht-Allergikern. Allerdings habe ich eine starke erbliche Vorbelastung, weshalb ich beim Niesen im Frühling (wenn die Pollen so dicht fliegen, dass man auch als Nicht-Allergiker einfach von der mechanischen Reizung niest) immer kurz zweifle, ob nicht doch eine Allergie kommt. Bei meinem Vater hat glücklicherweise chronisches Ignorieren der Allergie nicht zu einem Etagenwechsel geführt, jedoch seit etwa 15 Jahren zu einem deutlichen Symptomrückgang. (Er arbeitet viel im eigenen Garten, schon seit Jahrzehnten und hat seinen Heuschnupfen gegen… öhm… naja, eigentlich schnieft und niest er von Februar bis November…) Er hat nie Medikamente gegen das genommen – auch nicht als Kind. Eigentlich weigert er sich allgemein zum Arzt zu gehen und wenn doch, hört er nicht auf den Arzt. seufzt Ich erninnere mich noch daran, dass er früher viel schlimmere Symptome hatte. Ich würde sagen: Glück gehabt, das hätte auch ganz anders laufen können. Ich empfehle dieses Vorgehen eher nicht, da nach allem, was wir bisher über Allergien wissen, Ignorieren und sich den Allergenen in voller Dosis auszusetzen eher kontraproduktiv ist.

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  6. Lezzia sagt:

    Um deine Frage eingangs zu beantworten, doch, es gibt noch Menschen ohne Allergien. Ich gehöre glücklicherweise dazu, kenne auch viele die keine haben, einige die eine haben und ich kenne sogar welche, die sie auch nachhaltig losgeworden sind, unser Immunsystem ist ja zum Glück auch im höheren Alter noch lernfähig.

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