Von Medizinstudenten in der Apotheke

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Der Lehrling kommt fragen, weil der Medizinstudent wissen will, ob er bei uns auch rezeptpflichtige Sachen ohne Rezept beziehen können – wie Ärzte.

Pharmama (kurz angebunden, da ziemlich busy): „In welchem Jahr?“

Lehrling: „Im Dritten.“

Pharmama: „Dann behandeln wir das wie eine Abgabe ohne Rezept – das heisst, sie haben keinen grundsätzlichen Anspruch drauf, aber wenn es vernünftig ist, dann geben wir es ab.“

Und bevor sie mit der Antwort zum Medizinstudent verschwindet:

„Was will er denn?“

Sie fragt.

Dormicum ist die Antwort. Ein rezeptpflichtiges, starkes Schlafmittel.

Pharmama: „Nö. Wenn er das will, muss er es sich verschreiben lassen.

Wenn ihm das nicht passt, kannst Du ihm noch sagen, dass ich das bei einer Abgabe ohne Rezept den Gesundheitsbehörden mitteilen muss, weil das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.“

Er wollte dann doch nicht – nur fragen, ob …

Im 3. Jahr … da hat man auch noch nicht wirklich viel Ahnung von Medikamenten und mit Grund keinen Anspruch darauf rezeptpflichtiges zu beziehen – das muss er dann unserer Erfahrung überlassen. Dasselbe gilt übrigens für Studenten der Pharmazie und auch für fertige Apotheker, die in anderen Apotheken etwas wollen: das muss Sinn machen, ein „Recht“ auf Bezug gibt’s nicht.

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9 comments on “Von Medizinstudenten in der Apotheke

  1. Ich zitiere mal aus der deutschen Zulassung der „Dormicum 7,5mg Tabletten“:
    Anwendungsgebiete (Indikationen)
    Zur Sedation in der Prämedikation vor diagnostischen oder operativen Eingriffen.

    Ende des Zitats. Mehr (zugelassene) Indikationen für die Tabletten gibt es in D nicht.

    Nun ja, wenn er sich auf eine OP vorbereiten will… 😉

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    • heutmalanonym sagt:

      na dann hab ich aber nen Kunden, der alle 4 bis 6 Wo operiert wird…

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    • Pharmama sagt:

      Bei uns steht in den Anwendungsmöglichkeiten noch:
      Dormicum wird für die Kurzzeittherapie von Schlafstörungen verwendet. Wie alle Hypnotika soll es nur bei Schlafstörungen von klinisch signifikantem Schweregrad eingesetzt werden.

      Aber vielleicht hat er das auch falsch verstanden mit der Prämedikation vor operativen Eingriffen …

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      • gedankenknick sagt:

        Es gibt auch in D ein zugelassenes Produkt mit Medazolam mit (Auch-) Indikation „Zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen, insbesondere von Einschlafstörungen.“

        Ist aber flüssig als „orale Lösung zum Einnehmen“im Handel…

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  2. Pharmama sagt:

    Hoppla, da hat es mir irgendwie den Titel abgeschnitten. So wollte ich das nicht spannend machen 🙂
    Oh – und wenn ich grad hier bin und apropos „Dormicum“. Da war letztens ein Kommentar, den ich nicht freigegeben habe. Bitte: Hier ist NICHT der Ort nach einem willigen Arzt zu suchen, der derartiges neben der Substitution verschreibt, weil die „auf der Strasse viel zu teuer sind“.
    Aus Frust die Posts runterzubewerten nützt da auch nichts.

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  3. Kathy sagt:

    Ich war damals froh, konnte ich die Pille oder Irfen 600 (die ich dann aber teilte) holen. Teils kam ich damit viel günstiger. Oder später Novalgin (geniales Medikament, aber blöde Nebenwirkungen).

    Trotzdem find ich es teils völliger Nonsens, was man „ab dem 3. Jahr“ holen kann. Man hat wirklich noch keine Ahnung. Und manche wissen, dass die Antwort „3. Jahr“ sein muss, auch wenn sie es noch garnicht sind… Ich wusste damals, in welchen Apotheken auch Benzos abgegeben wurden.

    Mittlerweile hab ich den grauen Ausweis und setze ihn mit Bedacht ein.

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  4. Mr. Gaunt sagt:

    Puuh, drittes Jahr, noch nass und grün hinter den Ohren, keinen blassen Schimmer von Pharmakologie, und schon nach Benzos in der Apotheke fragen…Mamma mia…
    Nennt mich ruhig gemein, aber das wird später bestimmt ein Chirurg der seinen Bedarf an Leckerlis über die BtM-Reste auf der Station deckt. Entweder schafft er das Studium nicht und wenn doch dann bedient er sich im Schlaraffenland. 😦

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  5. s'gramselet sagt:

    Ich war ja jeweils auch sehr froh, dass ich die Pille und das Novalgin so problemlos erhalten habe. Oder auch mal den Cortisonnasenspray für Herr Gramsel’s Heuschnupfen. Aber wozu braucht der denn Dormicum? Find ich so sehr gut gehandhabt!

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