Andere Leute schicken

7

Mit den Dauerrezepten ist das so eine Sache. Das Rezept bleibt in der Apotheke und der Patient kann (nach Bedarf) zu uns kommen und weitere Packungen erhalten. Im Normalfall bekommt der Patient ausser dem Medikament nicht noch irgendeinen Zettel mit: der Name / Ausweis und die Info, was gebraucht wird reicht uns beim Abholen.

Bei bestellten Sachen haben die Leute einen Abholzettel, bei Dauerrezepten den Ausweis (zum Beispiel die Krankenkassenkarte), manchmal die leere Packung: da steht die Info auch auf dem Dosierungsetikett. Mit der Zeit kennen wir auch „unsere“ Stammkunden, die müssen dann nur noch sagen, was sie brauchen.

Was aber, wenn jemand anders als der Patient, für den das Dauerrezept ist, Medikamente abholen will?

Eines der ersten Dinge, die wir bei einer Abgabe immer abklären müssen ist der Empfänger des Medikamentes. Wenn ein Mann etwas abholen kommen will und einen Frauennamen nennt, ist es ziemlich deutlich, dass das nicht der Empfänger ist.

Gut, wenn ich die Person kenne und ich weiss, das ist der Ehemann der Frau (und er hat sie auch schon begleitet), dann gehe ich im Normalfall davon aus, dass das okay ist. Oder ich hinterlege einen Kommentar, wer die Erlaubnis hat, Medikamente für die Person zu holen.

Letzthin hatten wir aber einen Fall, wo ein Mann für seine Freundin ein Medikament – Seresta (starkes Beruhigungsmittel) abholen wollte. Er hatte nichts (ausser dem Namen der Patientin und dem Mittel). Kein Ausweis, keine Bestätigung, ich habe ihn noch nie gesehen …

Ich habe ihm gesagt, ich brauche entweder eine schriftliche Erklärung oder mindestens einen Telefonanruf von ihr zur Bestätigung, damit ich ihm das mitgeben kann.

Ich meine, das ist heute keine Sache mehr: er kann sie rasch per Natel informieren, ich bekomme einen Anruf und stelle ein paar Fragen … ihre Telefonnummer war übrigens nicht hinterlegt, sonst hätte ich da angerufen. Und nennen wollte er sie mir auch nicht.

Er war nicht ganz so zufrieden (gelinde ausgedrückt) und ging dann. Auch den Rest des Tages habe ich nichts mehr von ihr (oder ihm) gehört. Das macht mich doch etwas misstrauisch.

Es gibt Vorschriften. Ich drücke nicht einfach irgendwelche (potenten) Medikamente jemandem in die Hand zum mitnehmen, wenn ich nicht sicher bin, dass das an der richtigen Stelle ankommt.

Vielleicht war das ihr Freund – im dööfsten Fall war das aber einfach jemand, der irgendwie mitbekommen hat, dass sie das nimmt und versucht so (gratis und bequem für ihn) an das Medikament zu kommen.

Übrigens: auch der Ehemann hat nicht automatisch die Erlaubnis Medikamente für die Frau abzuholen (oder umgekehrt). Das Patientengeheimnis (zum Beispiel) gilt selbst gegenüber Verwandten. Meistens ist die Abgabe aber okay: die Partner wissen nicht nur für wen und was gebraucht wird, man kann auch anfragen bei Zweifel, ob das gegeben werden soll … Aber wir haben mindestens einen Fall, wo „sie“ einen Kommentar bei sich hinterlegen liess, dass „er“ keine Tabletten für sie abholen darf. Die beiden sind (weiter) verheiratet und kommen gelegentlich zusammen. Mir ist das recht – hauptsache, wir wissen es.

Advertisements

7 comments on “Andere Leute schicken

  1. OtaconHC sagt:

    Natel?

    Nahes Telefon? Hilfe 😦

    Gefällt mir

  2. stuttgarterapothekerin sagt:

    schwyzerdytsch für handy…
    nix trennt uns mehr als die gemeinsame Sprache!

    Gefällt mir

  3. wiederhoeren sagt:

    Ursprung des Wortes Natel => Nationales Auto Telefon. Damals, als die Telefone noch in der Mittelkonsole des Autos eingebaut wurden.

    Gefällt mir

  4. Kira sagt:

    Ich war gestern abend zufällig in einer Apotheke und bekam genau so eine Situation mit. Es ging um ein Antibiotikum (und ich stand nicht direkt hinter dem Kunden, sondern ein gutes Stück hinter der Diskretionslinie) für seine Frau. Schließlich war geklärt, wer es bekommen soll und die Apothekerin erklärte, wie es zu nehmen ist. Dreimal am Tag, alle acht Stunden. Der Mann wiederholte getreulich „zwei am Tag“. Es wurde nochmal erklärt, ein Begleiter des Mannes fügte mehr oder weniger hilfreich hinzu: „Nach dem Essen.“ Die Apothekerin erklärte es nochmal. Die beiden gingen und mir dabei so durch den Kopf, dass die Tabletten garantiert nicht so genommen werden, wie sie sollten.
    Dann war ich dran, legte meine Creme (hab immer so trockene Haut im Winter) hin und fragte noch nach Hustenstillern. Wirksamen Hustenstillern. Ich habe die unangenehme Angewohnheit, nach Infekten den Husten noch wochenlang mitzuschleppen. Und dann kam die Krönung: „Ja, ich hätte da dieses hier. Ist zwar chemisch, hilft aber.“
    Da war ich dann echt baff. Hätte ich nicht ausdrücklich ein „Wirkuli“ verlangt, hätte sie mich wahrscheinlich mit Zuckerpillchen abgespeist. Aber selbst in denen ist jede Menge „Chemie drin“ 🙂 Ich finde diese Formulierung so herzerfrischend dumm.

    Gefällt mir

  5. xpistian sagt:

    Ja, immer diese Chemie. Nirgends ist man sicher vor ihr. 😀

    Ich hab neulich versehentlich ohne Hinweis, dass es homöopathisch ist, Monapax verkauft (also versehentlich ohne Hinweis, der Verkauf war beabsichtigt).
    Wobei ich mich da schon frage, ob das nicht eher unter Phytotherapie fällt. Urtinkturen und Niedrigpotenzen von Pflanzen, die ansonsten auch phytotherapeutisch verwendet werden.

    Zum Thema:
    Ich finde es umgekehrt immer etwas seltsam, wenn die Kinder selbst kommen, um ihr Ritalin etc. abzuholen und nicht stattdessen die Eltern.
    Dauerrezepte gibt es ja hier nicht und wenn wer mit Abholschein kommt, dann hat das wohl seine Richtigkeit.

    Gefällt mir