EU kippt die Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel – für ausländische Versandapotheken

51

Weg mit den Privilegien für Apotheker! Schreibt der Spiegel
Das Ende der Apothekerpreise – titelt die Tagesschau

Was ist passiert?

Apotheken in Deutschland haben eine gesetzliche Preisbindung was die rezeptpflichtigen Medikamente angeht. Wer da Rabatte oder Geschenke dazu anbietet, macht sich strafbar. Damit soll verhindert werden, dass Leute vermehrt Medikamente beziehen, nur um an diese „Geschenke“ zu kommen, seien die jetzt monetär oder selber Produkte.
Ebenso ist den Apotheken verboten Rabatte anzunehmen beim Einkauf der Medikamente – das soll verhindern, dass die Apotheken korrumpiert werden und bei ihren Beratungen dann diese Produkte empfehlen.
Sie dürfen also weder reduziert einkaufen, noch irgendwelche Rabatte anbieten
Die Apotheke (nicht nur in Deutschland) ist zwar ein „Detailhandelsgeschäft“ in privater Hand, aber sehr streng reglementiert durch Gesetze – um die Qualität aufrechtzuerhalten und auch um die Kosten im Gesundheitssystem zu dämpfen.

Seit 2004 ist der Versandhandel mit Medikamenten in Deutschland erlaubt. Dabei hat der Gesetzgeber den Online-Apotheken diverseste Ausnahmen von den Vorschriften, denen die Vor-Ort Apotheke unterliegt eingeräumt. Praktisch gesehen ist der Versand Rosinenpickerei:

Die Versandapotheken (speziell die im Ausland)

  • leisten keinen Nacht- oder Notdienst oder Akutversorgung
  • müssen kein Labor haben um Analysen der Grundsubstanzen zu machen,
  • denn sie machen keine Anfertigung von individuellen Rezepturen,
  • geben keine starken Schmerzmittel ab (was unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, darf so nicht verschickt werden),
  • vermieten keine Inhalationsgeräte, Krücken oder Babywaagen,
  • und müssen dafür auch keine teuren „Qualifizierungen“ der Krankenkassen dafür über sich ergehen lassen
  • sie brauchen kein teures Fachpersonal, sondern nur Calldienste
  • haben keine vorgeschriebene Vorratshaltung,
  • haben keine teuren Mieten innerorts,
  • als Apotheken im Ausland zahlen sie keine Sozialabgaben in Deutschland
  • bieten nie so viele familienfreundlichen Arbeitsplätze
  • … und der Staat kassiert bei denen wohl auch nicht die 19% Mehrwertssteuer die in Deutschland bei den Arzneimitteln anfallen.

Und jetzt kommt die EuGH (der Europäische Gerichtshof) und kippt die Preisbindung für Rx Arzneimittel – und erlaubt ausländischen Versandapotheken die Gewährung von Boni auf verschreibungspflichtige Arzneimittel. Die deutsche Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln würde gegen das Unionsrecht verstossen.

Die Begründung dazu liesst sich wie Hohn:

Dass die Arzneimittelpreisverordnung auch für ausländische Apotheken gilt wenn sie Arzneimittel an Kunden in Deutschland versenden, stelle eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des freien Warenverkehrs dar. …
Konkret sei es für die ausländischen Apotheken schwerer, weil Versandhandel für sie ein wichtigeres, eventuell sogar das einzige Mittel darstelle, um einen unmittelbaren Zugang zum deutschen Markt zu erhalten. Zudem könne der Preiswettbewerb für Versandapotheken ein wichtigerer Wettbewerbsfaktor sein als für traditionelle Apotheken. Denn diese seien besser in der Lage, Patienten durch Personal vor Ort individuell zu beraten und eine Notfallversorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen, so die Richter.

Also grundsätzlich funktioniert das mit den Apotheken vor Ort, aber das diskriminiert offensichtlich die Versandapotheke.
Aber: besser? Da sind Vorschriften, die wie oben geschrieben nur für die ortsansässigen Apotheken gelten! Aufwändig, kostenintensiv … das meiste wollen die Versandapotheken doch gar nicht, selbst wenn sie es könnten, oder müssten wie die hiesigen Apotheken.

Aber es geht noch weiter
Insbesondere sei nicht nachgewiesen worden, inwiefern durch die Festlegung einheitlicher Preise eine bessere geografische Verteilung der traditionellen Apotheken in Deutschland sichergestellt werden könne. Die Richter meinen sogar, dass einige eingereichte Unterlagen im Gegenteil nahelegen, dass mehr Preiswettbewerb unter den Apotheken die gleichmäßige Versorgung mit Arzneimitteln fördern würde. Denn so würden Anreize zur Niederlassung in Gegenden gesetzt, in denen wegen der geringeren Zahl an Apotheken höhere Preise verlangt werden könnten.

Also geben sie hier den Tipp: Apotheken, lasst euch in abgelegenen Gebieten nieder, wo keine anderen Apotheken sind … und erhöht die Preise für die Arzneimittel, bis es sich lohnt. Angebot und Nachfrage spielen lassen!
Dass es dort jetzt schon zunehmend keine Apotheken mehr hat, weil es sich für die Apotheken als unrentabel herausgestellt hat (im jetzigen, streng reglementierten System, wo die Arzneimittelpreise auch deshalb niedrig gehalten werden, damit das Gesundheitssystem nicht belastet wird) ignorieren sie. Genauso, wie es, wenn genug Patienten mit Geiz-ist-geil-Mentalität zu den Rosinenpickern Versandapotheken abwandern hier ganz allgemein noch weniger Apotheken geben wird.

Hauptsache freier Warenverkehr. Eigentlich kann man Arzneimittel nicht mit sonstigen Waren vergleichen, der EuGH tut es aber.
Wer wissen will, wie das mit Angebot und Nachfrage bei den Medikamentenpreisen funktioniert, der schaue mal zu den USA, wie gut das dort geht… es gibt kein Gesundheitssystem, das teurer ist und Pharmafirmen können überrissene Preise für ihre Medis verlangen, darauf haben dann auch die Krankenkassen und Versandapotheken keinen Einfluss mehr.

Die kleinen Apotheken in den ländlichen Gebieten werden zuerst gehen. Dann folgen die mittleren. Überleben werden vielleicht ein paar wenige, die zusätzlich auch hauptsächlich Versandapotheke sind. Erst wenn der Patient nur noch eine Apotheke im Umkreis von 50km hat, merken es wohl auch die letzten, dass das mit dem Bevorteilen der Versandapotheken keine gute Idee war. Wer Zahlen will: Es sind 38’000 Jobs (viele davon von Frauen) die auf dem Spiel stehen!

DocMorris (die ihre Anwälte während der Verhandlung am Gerichtshof hatten) hat bereits reagiert und die Werbung angepasst. Ab sofort gibt es bis zu €12 Bonus pro Kassenrezept.

Eine (grosse) deutsche Versandapotheke reagiert auch schon: sie fordert die Aufhebung der Arzneimittelpreisbindung auch für sich selber: da liegt noch etwas drin! (ja – bei denen vielleicht schon?).

Wie reagieren die deutschen Apotheker?

Sie sind entsetzt von diesem Urteil. Bin ich auch. Und ihr solltet das auch sein! Das Urteil sabotiert de facto das deutsche Gesundheitssystem. Apotheken sind nicht nur Medikamenten-Dispenser, sie sind auch erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. (Immer noch) leicht erreichbar und die wohl zugänglichsten Medizinalpersonen. Nimm sie weg und Du hast vielleicht noch die (überlaufenen) Notfallstationen der Spitäler. Die Versandapotheken können nicht die Aufgaben übernehmen, die die Vor-Ort Apotheke täglich leistet. Die haben keinen direkten Kontakt zu den Patienten zu den Menschen hinter der mit Medikamenten zu behandelnden Krankheiten.

Apotheker in Deutschland: steht auf! Ihr müsst den Leuten zeigen, was sie an Euch haben!

  • Erklärt der Öffentlichkeit, weshalb ihr besser seid als die Versandapotheke (siehe oben)!
  • Streikt, dann merken sie vielleicht auch, was passiert wenn ihr nicht mehr da seid (Eine Apotheke auf 50km könnte ja noch „Notdienst“ schieben, dann simuliert man auch schön die eventuelle zukünftige Situation.)
  • Aktiviert eure Verbindungen in die Politik, damit endlich mehr auf die aktuelle Situation der Apotheker aufmerksam werden – viel zu viele in der Öffentlichkeit denken immer noch, dass die Apotheke eine Goldgrube ist. Das ist sie nicht mehr. Schon seit längerem.
  • Ladet sie ein in die Apotheke, zeigt ihnen nicht nur Eure Arbeit, sondern auch Euren Umsatz und wie ihr als Arbeitgeber, Steuerzahler und Leister von Sozialabgaben dem Staat (und damit der Öffentlichkeit) dient.
  • Geht gegen den Versandhandel von Rx-Medikamenten vor. Den kann man nämlich gesetzlich verbieten (im Gegensatz zu den OTC Produkten).
  • Macht Eure Arbeit öffentlich!
Advertisements

51 comments on “EU kippt die Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel – für ausländische Versandapotheken

  1. Krümel sagt:

    Soll sich nochmal wer wundern warum keiner von uns Studenten mehr in die Offizin möchte … :/

    Gefällt mir

    • Apofrischling sagt:

      Ich wollte nie in die Offizin, jetzt wo ichs bin (war als Übergang geplant), will ich nur noch weg. Aber wohin? Für andere Arbeitsbereiche bin ich entweder über- oder unterqualifiziert.

      Gefällt mir

  2. -thh sagt:

    Mit dem Streik wird das nicht so einfach werden (§ 23 Abs. 1 S. 1 ApoBetrO i.V.m. § 36 Nr. 2 lit. k) ApoBetrO).

    Gefällt mir

  3. rayne sagt:

    Oh… sh** das wird übel… jetzt nicht gleich sofort, solche Prozesse brauchen Zeit… aber in 5, 10 bzw. 20 Jahren…

    Und noch übler wirds, wenn ich dran denke, was die Politik tun wird, wenn die Situation erst mal eingetreten ist (denn so einen Prozess umzukehren braucht Zeit… und Geld)

    Und wenn ich jetzt mal nur über die aktuelle post Urteil Sitation nachdenke: Wie wird dann der individuelle Rx-Medikament Apothekenpreis mit dem Einkaufspreis und dem Rabattvertrag der Krankenkasse (und wahrscheinlich noch einigen anderen mir nicht bekannten Faktoren) verrechnet? Und wie ist das jetzt mit günstigstem Medikament abgeben (bei Rabattverträgen, die der Apotheker nicht kennt)? Ich hab irgendwie das Gefühl, dass das eine neue Rataxierungswelle bringt…

    Ich muss sagen, ich kenne mich nicht genug über das Funktionieren einer Apotheke aus um schlussendlich vollständig zu verstehen, was dieses Urteil bedeutet. Aber mein Bauchgefühl sagt: Das wird übel. Ich hoffe sehr, dass es Unrecht behält (oder irgendwer eine Revision erwirkt oder ein mit EU-Richtlinien übereinstimmendes apothekenprotektives Gesetz beschließt…. gerade letzteres bezweifle ich dann aber doch sehr).

    Gefällt mir

    • Pharmama sagt:

      Sowas ändert nicht über Nacht, aber … da sie in Deutschland schon länger dabei sind, die Apotheken zu drücken, könnte das (vorausgesetzt man ändert das nicht mehr) keine 5 Jahre gehen, In spätestens 2 Jahren dürfte der Effekt auch für Otto Normalverbraucher spürbar werden.

      Gefällt mir

  4. Pharmacy sagt:

    Ich arbeite selbst als PTA in einer kleinen versandapotheke und selbst wir sind geschockt über so ein Urteil. Rezepte gehören in die Hand der öffentlichen Apotheke, das sollte auch im Zeitalter von Internet und günstigere Angebote im Internet so bleiben.
    Aber was ich klar stellen muss – wir sind sehr wohl qualifiziertes pharmazeutisches Personal in der versandapotheke und zu mindestens bei uns wird jeder Kunde von pharmazeutischem Personal betreut, so dass die gleiche Beratung wie in einer öffentlichen Apotheke stattfinden kann! Zu mindestens bei uns herrscht keine call Center Atmosphäre, aber ja – es ist und bleibt ein Unterschied zur öffentlichen Apotheke. Trotz dass ich bewusst die Flucht aus der öffentlichen Apotheke gesucht habe, würde ich trotzdem jeglichen Streik seitens derer die noch in der öffentlichen sind unterstützen.

    Gefällt mir

  5. Pharmama sagt:

    Falls jemand eine Vorlage braucht, zum Beispiel für ihren Vertreter in der Politik: Teilen erwünscht! Von Apotheker Mondrack:

    Heute wurde es den Versendern aus dem Ausland erlaubt, Arzneimittel mit Rabatt nach Deutschland zu versenden.
    Diese Entscheidung wird von vielen als Erfolg für den kleinen armen Patienten gegen die deutsche Apothekenlobby gefeiert – aber ist das so?
    Warum können Apotheken aus dem Ausland eigentlich billiger sein?
    Ausländische Versandapotheken dürfen mit Rabatten einkaufen – können dadurch auch den Kunden Rabatt einräumen – und verdienen dennoch mehr als die deutsche Apotheke vor Ort. In Deutschland zahlen die Hersteller einen Rabatt an die Krankenkassen, um die Beiträge der Krankenkasse zu stabilisieren, den Apothekern sind dafür Ein- und Verkaufspreise vorgeschrieben und Ein- und Verkaufsrabatte verboten.
    In Wirklichkeit war das eine Entscheidung „Dürfen Großkonzerne aus dem Ausland attraktive deutsche Patienten zu Lasten der deutschen Präsenzapotheke beliefern?“ Die deutschen Apotheken sind ausschließlich kleine Familienbetriebe, die in Deutschland Arbeitsplätze schaffen und hier Steuern zahlen. Des Weiteren werden von den Apotheken vor Ort Gemeinwohlpflichten wie Notdienst, Betäubungsmittelabgabe, Anfertigen von Rezepturen etc. erfüllt. All diese Tätigkeiten werden nicht kostendeckend bezahlt und sind kaufmännisch gesehen ein Verlustgeschäft. Dies ist nur möglich durch das Tagesgeschäft, welches dies mitbezahlt. Versandapotheken aus dem Ausland erfüllen diese Aufgaben nicht und versuchen nur das attraktive Geschäft zu machen.
    Im Endeffekt wird hiermit versucht Umsatz, Gewinn und Arbeitskraft den deutschen Familienbetrieben zu entziehen und in ausländische Konzerne zu überführen, die
    – Keine Steuern in Deutschland zahlen
    – Keine Arbeitsplätze in Deutschland bieten
    – Keine flächendeckende persönliche Beratung bieten
    – Keinen Notdienst in Deutschland anbieten
    – Keine Betäubungsmittel liefern
    – Nur eingeschränkt Rezepturen anfertigen
    – Keine Akutversorgung anbieten
    Als warnendes Beispiel haben wir die Arzneimittelkosten pro Kopf in den USA, die weitaus höher sind als in Deutschland, obwohl die Preise freigegeben sind, die Versorgung aber von Konzernen dominiert wird.
    Dies ist kein Erfolg der Verbraucher, dies ist ein Erfolg der Großkonzerne gegen die Familienbetriebe. Eine der letzten privat dominierten Branchen wird damit mit Hilfe des Europäischen Gerichtshofes vom Kapital angegriffen.
    Wir sind nicht die bösen Apotheker, die den Patienten die Rabatte vorenthalten, sondern die Konzerne im Ausland können mit Rabatten einkaufen, davon einen Teil an die Patienten zurückgeben und unter dem Strich pro Packung dennoch mehr verdienen als die familiengeführte Apotheke vor Ort. Es geht darum, dass Konzerne einen attraktiven Teil der Medikamentenversorgung übernehmen möchten und nicht um Rabatte für die Patienten
    Ein Bonus für die Versicherten für das Einlösen eines Rezeptes zu Lasten der Krankenkassen fördert den Arzneimittelkonsum. Kranke werden für das Erzeugen von Versicherungsleistungen zu Lasten der Gesellschaft belohnt. Dies erzeugt zusätzliche Kosten und führt zu höheren Beiträgen in der Krankenversicherung. Chronisch Kranke können sich schon jetzt in Deutschland von der Zuzahlung befreien lassen.
    Als deutscher Apotheker fordere ich gleiche Wettbewerbsbedingungen von der EU:
    – wenn meine europäische Konkurrenz mit Rabatten einkaufen darf, steht mir das auch zu
    – wenn die Versandapotheken keinen Notdienst sicherstellen können, müssen diese hierfür einen Ausgleich zahlen
    – gleiches gilt für Rezepturen und Betäubungsmittelversorgung
    Lassen sie es nicht zu, dass Gelder des deutschen Sozialsystems zu Lasten der deutschen Familienunternehmen, deren Mitarbeiter und Familien, des Sozialsystems und des Steuerzahlers zu ausländischen Konzernen überführt werden.
    Ich wünsche mir, dass dies von der Gesellschaft und der Politik gesehen wird und unverzüglich unterbunden – nicht zuletzt zu unser allem Wohle.
    Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung
    Ihr Apotheker Erik Modrack

    Gefällt 1 Person

  6. Sebastian sagt:

    Unionsrecht schlägt nationales Recht: Es müsste jetzt geprüft werden, ob die Preisfreiheit auch in Deutschland gilt.

    Das Apotheken ebenso wie der ganze restliche Einzelhandel vor großen Veränderungen stehen, ist schon lange klar. Warte mal ab, bis Amazon in den Medikamentenhandel einsteigt – und erwarte bitte nicht, dass sie sich für irgendwelche Gesetze interessieren. Noch haben die Apotheken eine glückliche Sonderstellung, weil die Kunden mit zunehmendem Alter meist auch mehr Medikamente bekommen und diese Altersgruppen weniger online shoppen.

    „Erst wenn der Patient nur noch eine Apotheke im Umkreis von 50km hat, merken es wohl auch die letzten, dass das mit dem Bevorteilen der Versandapotheken keine gute Idee war“ – was glaubst Du denn, wie es hier aussieht? 30km bis zur nächsten Notfallapotheke sind hier schon durchaus üblich – und das nur, weil wir etwa so weit von der nächsten Großstadt entfernt sind. Ohne Auto hast Du außerhalb der Großstädte in Deutschland de-facto keine Möglichkeit außerhalb der Öffnungszeiten an Medikamente zu kommen, wenn nicht zufällig gerade die Apotheke um die Ecke Notdienst hat.

    Schön finde ich das nicht und auch wenn sie einen erheblichen Umsatzanteil an den Gesundheitskosten haben: Apotheken sind nicht der Grund für die hohen Kosten des Gesundheitssystems.

    PS: Viele Apotheken in DE liefern schon nach Hause. Wo bleibt der Onlineshop der Apothekenverbands, bei dem der Kunde automatisch von der nächsten Apotheke beliefert wird, die das Gewünschte vorrätig hat? Wäre sogar ohne Einschränkungen möglich, weil bei der Auslieferung die gleiche Beratung wie im Geschäft möglich ist und der Geschwindigkeitsvorteil schlägt jede Versandapotheke.

    Gefällt mir

    • Apomi sagt:

      „Schön finde ich das nicht und auch wenn sie einen erheblichen Umsatzanteil an den Gesundheitskosten haben“

      Und wenn in der Politik/Medien endlich jemand kapieren würde, dass Umsatz =/= Gewinn bedeutet.
      Ach nein, darum geht es ja gar nicht…..

      Gefällt mir

    • Sarah PTA sagt:

      Laut ApoBetrO ist Botendienst nur in Ausnahmefällen erlaubt. :/ (Ingressgrüße)

      Gefällt mir

      • Pharmama sagt:

        Und dann ist er durch „qualifiziertes Personal“ durchzuführen – im Gegensatz zum Medikament von der Versandapotheke, das darf auch wieder jeder überbringen / in den Briefkasten werfen. Auch hier: Doppelte Rechtslage und rechtliche Bevorzugung der Versandapotheke. Weshalb??

        Gefällt mir

        • OtaconHC sagt:

          Mein DHL Bote ist doch hochgradig medizinisch qualifiziert!
          Immerhin hat er mir mal ein Pflaster empfohlen als ich mich an einem Paket geschnitten habe.

          Gefällt mir

        • Sebastian sagt:

          Dann ist dieser Ausnahmefall anscheinend ziemlich oft gegeben 😉 Letztendlich ist auch das wieder Auslegungssache.
          Die Zustellung durch qualifiziertes Personal kann man auch als Chance sehen: Dadurch entfällt die Beschränkung auf diese oder jene Medikamente.

          Letztendlich bleiben den Apotheken zwei Möglichkeiten: Jammern und untergehen oder einen Weg finden, mit den Veränderungen zu leben, auch wenn sie einem nicht gefallen.

          DocMorris hat diese Runde gewonnen und wenn man der Presse Glauben schenken darf, gibt es auf Sicht zwei Möglichkeiten: Entweder die Apotheken klagen die Preisbindung auch in Deutschland weg oder der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten wird verboten. Letzteres wäre ein massiver Wettbewerbsvorteil für die niedergelassenen Apotheken und das Aus für die heutigen Sieger. Übrigens wäre diese Regelung sogar mit Europarecht vereinbar – bereits bestätigt vom EuGH.

          Gefällt mir

      • Chris sagt:

        Daran hält sich (zumindest bei uns hier) keiner. Bote (der sehr nett ist!) aber kaum deutsch spricht. Für mich irrelevant, für z. B. ältere Leute, die noch Erklärungen brauchen, vielleicht schon problematisch.

        Abgesehen davon könnte man ja auch über eine Änderung in der ApoBetrO nachdenken.

        Gefällt mir

        • Der kleine Bote sagt:

          Ich bin so ein Bote. Spreche zwar muttersprachlich Deutsch, habe aber von Arzneimitteln keine Ahnung. Dafür gibt es aber eine recht einfach zugängliche Lösung: Das Diensthandy. Ich rufe einfach damit in der Apotheke an und lasse die Kunden mit den Profis sprechen. Funktioniert jedes Mal super und alle sind glücklich.

          Was ich zu dem Ganzen noch sagen möchte:

          Ich bin nur ein kleiner Botenfahrer. Fällt mein Job weg, ist es zwar ärgerlich, weil ich diese Arbeit sehr gern mache. Aber es wäre finanziell zu verschmerzen, ich könnte mich anderweitig umsehen. Dann fahr ich halt Pizza oder Pakete durch die Gegend.

          Aber ich sehe täglich auch die Menschen, die ich beliefere. Wie sie schon auf mich warten, vorbereitet mit Bonbons, Keksen oder auch mal etwas Trinkgeld.
          Dass die Menschen das tun, hat wohl weniger den Hintergrund, dass sie ihre Medikamente so schnell bekommen. auch, sicher. Doch man merkt, es liegt wohl eher daran, dass ein Bote sich eher mal die Zeit nimmt zuzuhören. Geschichten, wie gross der neugeborene Urenkel schon geworden ist, was beim letzten Arztbesuch herausgekommen ist, oder, dass der Sohn ein neues Auto hat, weil er sich im Job verbessern konnte. Alltagsgespräche, die gerade den älteren Menschen oft fehlen.
          Oder der Herr im mittleren Alter. Wenn ich daran zurück denke, wie peinlich ihm die Inkontinenz-Produkte am Anfang waren. Mittlerweile spricht er ganz unbefangen mit mir über die Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte.
          Das haben sie nicht von Anfang an getan, das entwickelte sich mit der Zeit. Durch Vertrauen. Und dieses kann sich doch nur aufbauen, wenn nicht jedes Mal ein anderer Lieferant vor der Tür steht.
          Ich habe auch schon in der Postzustellung gearbeitet. Weiss also aus Erfahrung, dass diese Mitarbeiter mächtig unter Zeitdruck stehen und solche Gespräche nicht leisten können. Selbst wenn sie es wollten. Und der Postbote wird sich auch nicht merken können, dass Oma Erna die normale Apotheken-Umschau möchte, Opa Karl aber lieber die Ausgabe mit Diabetes. Die nehm ich nämlich gleich mal mit, wenn ich ihre Namen auf den Tütchen sehe.

          Ich denke einfach, bei all dem Hintergrund des Finanziellen und Geschäftsspeziellen, dass gerade die Menschlichkeit und der Kontakt für viele Ältere, aber auch jüngere chronisch Kranke, sehr wichtig ist. Mal abgesehen davon, dass die wenigsten dieser Menschen sich vor den PC klemmen und erst mal die Preise vergleichen. Sie möchten von Fachpersonal beraten werden, sie möchten jederzeit einen Ansprechpartner haben und sie möchten ihre Alltagsgeschichten und -sorgen teilen. Und nicht nur ein paar Euro Rabatt bekommen, mit dem sie all das eintauschen würden. Aber wenn die Mehrheit eben nur den geldwerten Vorteil in dem neuen Geschäftsmodell der Versandapotheken sieht, werden sie sich fügen müssen. Auch wenn sie es niemals selbst wählen würden, müssten sie sich der Mehrheit fügen. Und schon ist wieder etwas mehr menschliche Wärme und Zuwendung verschwunden. Die doch gerade für Ältere oder Kranke so wichtig ist.

          Gefällt mir

    • Flo sagt:

      Dann freuen Sie sich mal das es bisher nur im Notdienst 30 km sind. Im akuten Notfall sind sicher auch 30 km (zu) viel, aber beim nächsten Mal kann man auch Glück haben das die eigene, nächste Apotheke Notdienst hat.
      Das zu erwartende Apothekensterben wird aber dazuführen das auch zu regulären Öffnungszeiten die nächste Apotheke 50 km weg ist, im Notdienst dann ggf entsprechend weiter.

      Gefällt mir

      • Sebastian sagt:

        Ich bin ein schlechter Apothekenkunde: Mein Medikamentenbedarf der letzten Jahre beschränkt sich so etwa auf einen halben Blister Ibu 🙂
        Allerdings bin ich auch alles andere als begeistert, dass der Verwaltungsirrsinn im Gesundheitswesen immer weiter explodiert und dafür Leistungen immer weiter gekürzt werden. Die Apotheken werden Überlebensstrategien entwickeln oder auf der Strecke bleiben, das ist leider die traurige Wahrheit.
        Bauern stellen hier immer mehr Milchtankstellen auf, Buchhändler wandeln sich mehr und mehr zu Schreibwarenläden, jede große Filialkette hat mittlerweile einen Onlineshop: Es trifft nicht nur Apotheken.

        Gefällt mir

        • Flo sagt:

          Nur das wenn nicht nur die Apotheken auf der Strecke bleiben sondern teilweise auch die Patienten. Nämlich die die jetzt akut neu ein Medikament brauchen und nicht warten können bis die Bestellung aus der Versandapotheke eintrifft. Wenn die Versandapotheke das überhaupt liefert, weil z.B. kühlpflichtig oder gar Kühlkette gefordert ist.

          Gefällt mir

  7. Toller Beitrag! So ein Statement hätte ich mir von Abda, Kammer oder Verband gewünscht! Aber da kam gar nichts! Weder in der Medien, noch an uns Mitglieder! Das schockt fasst noch mehr als dieses Urteil!

    Gefällt mir

  8. Evchen sagt:

    Hallo, vielen Dank für dein tolles Statement! Mich macht es wütend, dass selbst die deutschen Medien den Apothekern in den Rücken fallen und auch vom Verbands- und politischer Seite so wenig Unterstützung kommt. WEHRT EUCH ENDLICH APOTHEKER

    Gefällt mir

    • Die Medien fallen den Apotheken nicht in den Rücken, die Medien hetzen gegen die Apotheken. Schon seit Jahren, immer wenn es passt. Und das im Sinne ihrer Besitzer. Unglaubwürdig? Die CDU-nahe Bertelsmann-Stiftung propagiert schon seit Mitte der 90ger Jahre den Rx-Versandhandel als „den Segensbringer“ des Gesundheitssystems.

      Außerdem war sie als Erstfinanzierer des damals noch total illegalen MocDorris-Konstrukts von Herrn Häningdaus dabei, bis die Hütte an Gehe/Celesio verhökert wurde. Schon damals hat MocDorris mit der Aussage gearbeitet, dass das Versandverbot in Deutschland a eh durch den EuGH gekippt werde und daher hinfällig sei.

      Des weiteren hat MocDorris den „deutschen Gründerpreis“ bekommen, dessen Ziel es ist, unter anderem „überdurchschnittlichen unternehmerischen und wirtschaftlichen Einsatz anzuerkennen sowie unternehmerische Vorbilder in das öffentliche Bewusstsein zu rücken„. Un dies unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenden (des rauhen Johannes). Für ein ILLEGALES Geschäftsmodell als AUSLÄNDISCHES Unternehmen ZUM SCHADEN des deutschen Fiskus und der deutschen GKV. Wirklich vorbildlich! Herr Häningdaus hat selbst bei der Preisentgegennahme gesagt, er sei ein „kreativer Zerstörer“. Wie Recht er damit hat(te), merken die meisten Deutschen auch 14 Jahre später noch nicht. Achso, das ganze ist – nachdem der rauhe Johannes auf alle diese Fakten hingewiesen wurde, ohne dass er das als „übersehen“ weiter abtun konnte – allen Beteiligten so peinlich, dass es keiner mehr erwähnen will. Nicht mal MocDorris selber.

      Ähnliches gab es damals bei Herrn Hecken und der Fremdbesitz-MocDorris-Apothekenfiliale im Saarland. Das alles auseinanderzuklamüsern geht zu weit, aber Herr Hecken ist jetzt Chef des G-BA und der damalsige Jurist mit dem mehrere Millionen schweren Gutachten ist jetzt Richter am Verfassungsgerichtshof in Karlsruhe.

      Alles nur Zufälle? Zu viele Zufälle auf einem Haufen – für mich…

      Die Presse sagt das, was ihr ihr Besitzer vorgibt! Und wenn der Besitzer von Versandhandel auch der Besitzer der Zeitungen ist, wird wohl keine Kritik am Versandhandel pepresst werden, oder?

      Gefällt mir

  9. OtaconHC sagt:

    Tja, und auch wenn die Leute es nicht verstehen wollen.
    Es geht der EU nicht um die Menschen, darum ging es ihr auch noch nie.

    Die EU wurde einzig und alleine gegründet um Wirtschaftsinteressen großer Verbände und Firmen zu fördern.
    Es ging nie um den Bürger, sondern nur um Wirtschaftsmacht und Geld.

    Gefällt mir

    • Sebastian sagt:

      Genau solches BlaBla bringt uns wirklich weiter. Als nächstes sind die Flüchtlinge schuld, dann Politiker allgemein und schließlich „die da oben“, darunter kann sich dann jeder alles vorstellen was er will. (Einschließlich Apotheker, die verdienen schließlich auch mehr als der Durchschnitt.)
      Können wir jetzt bitte wieder produktiv werden?

      Gefällt mir

      • OtaconHC sagt:

        Das ist kein Bild das ist eine Tatsache. Aber klar Flüchtlinge als Thema anschneiden und dann Produktivität verlangen? Vorher mal selbst mit Polemik zurück halten.

        Erkundige dich mal was die ERT ist und warum genau solche Urteile das sind wofür die EU gemacht wurde.

        Gefällt mir

    • stuttgarterapothekerin sagt:

      sowas von unterschreib!

      Gefällt mir

  10. Tobias sagt:

    Zitat: „Wer da Rabatte oder Geschenke dazu anbietet, macht sich strafbar.“ Dazu würde mich dann allerdings interessieren wie es dann sein kann, dass man in der Apotheke regelmäßig kleine „Werbezulagen“ wie Papiertaschentücher oder Traubenzucker etc. bekommt. Das müsste dann doch eigentlich auch unterlassen werden?

    Gefällt mir

  11. smaugsdaughter sagt:

    Also ich weiß nicht ob man das so schwarz sehen muss, natürlich ist das Urteil nicht gerecht für die Apotheken vor Ort, aber ich finde die haben tatsächlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Versandhandel. Nämlich das Personal vor Ort. Für mich war und ist die Apotheke tatsächlich die erste Anlaufstelle bei kleinen Wehwehchen (Von mir oder dem Viehzeug 😉 ) Ich lasse mich gerne dort beraten (oder ggf. zum Arzt schicken) und bisher bin ich nicht enttäuscht worden. Selbst in dem kleinen Kaff in dem ich aufgewachsen bin gibt es 3 Apotheken. Ich bestelle Medikamente nicht im Internet und ich bin gerade mal Anfang 30. 😉

    Gefällt mir

  12. Nanny Ogg sagt:

    Bei Medikamenten halte ich die Preisbindung für sinnvoll. Ich möchte sie weder von einer ausländischen Versandapotheke bekommen noch von der Apotheke, die am nächsten an meinem Wohnort liegt. Meine Stammapotheke liegt nicht bei mir um die Ecke, dafür aber so zentral, dass ich auf meinem Heimweg von der Arbeit und meinem Hausarzt dran vorbeikomme – und das, obwohl ich seither schon mehrfach umgezogen bin. Seit Einführung der Kundenkarte habe ich nur selten eine andere Apotheke betreten, die Öffnungszeiten meiner Stammapotheke schlägt ohnehin keine andere.

    Wie stellt denn eine ausländische Apotheke sicher, dass den Medikamenten unterwegs nichts passiert, also z. B. die Temperatur auf dem Transportweg immer stimmt? Blöd wäre doch auch, wenn es ein teures Medikament ist und ich das Paket auch noch beim Zoll abholen und zusätzlich dafür bezahlen darf.

    Gefällt mir

  13. Konsequenz: Weitemachen bis zur Pleite. Solange kann man sich ja mit defizitäter Belieferung von Rezepturen, BtM und T-Rezepten sowie mit demnächst auf 34€ Rohgewinn gedeckelten Hochpreisern eine goldene Nase verdienen. Die Bude ist eh unverkäuflich, wenn sie <10Mill.€ Umsatz im Jahr macht.

    Aber vielleicht schafft mich die europäsche und deutsche Politik ja vor der Pleite aktiv ab. Wäre ganz einfach: Satz in die ApoBtrO Niedergelassene Apotheken im Besitz eines Apotheker sind nicht gestattet. einfügen, und fertig. Ich frage mich nur, was ich dann manchen soll, so rein beruflich…

    Was mich am Urteil am meisten ankotzt: Bisher war europäisches Recht, dass der Leistungserbringer sich an die Gesetze halten muss, die im Land gelten, in dem er seine Leistung erbringt. Die Holland-Versender halten sich weder an holländisches noch an deutsches Gesetz. Und die haben mit diesem Urteil jetzt Narrenfreiheit bekommen.

    Danke, EuGH! Das sind jetzt die gleich langen Spieße zum Kämpfen, die uns schon anno dazumal 2004 (Tr)Ulla Schmidt versprochen hat. Wer hat und verraten? Die Sozialdemokraten! Gabs schon öfter in der deutschen Geschichte… und Geschichte wiederholt sich nun mal. Die SPD hat ja auch gerade verkündet, dass man sich nicht für ein Rx-Versand-Verbot einsetzen wird, weil es wohl gesetzeswidrig sei. Wie man sich gegen gesetzeswidrige Gesetze entscheidet, sieht man in D regelmäßig bei Vorratsdatenspeicherung & Co. Na was solls…

    *Ich bin müde. Schafen. Stille. Der Rest ist Schweigen… * Oder so.

    Gefällt mir

  14. ThomasCrown sagt:

    Wo ist das Problem, Gedankenknick?
    Auch in Ketten kann man arbeiten. O.k., nicht in jeder, aber die Schweiz hat z.B. eine, in der Geschäftsführer viel mehr pharmazeutische Freiheiten haben.
    Alles zu verteufeln, macht keinen Sinn. Es geht um Gestaltung. Auch da könnte die ABDA
    sich einiges von der pharmasuisse abschauen.

    Gefällt mir

  15. McCloud sagt:

    Das Urteil ist existenzbedrohend für die Apotheke vor Ort.
    Ich wünsche Euch, dass der Gesetzgeber den Versandhandel von RX verbietet.

    Eine komplette Freigabe der Preise sehe ich kritisch: Die niedergelassenen Apotheken müssten ebenfalls mitziehen und Dauermedikamente günstiger anbieten. Die Zeche zahlt der Kunde, der dringend ein Akutmedikament benötigt. Dieses müsste dementsprechend teurer werden, um die günstigeren Dauermedikamente quer zu finanzieren.

    Ich sehe schon die Diskussion des Apothekers mit der Mutter eines Babies, die im Notdienst um 23 Uhr für ihr fieberndes Kind ein Antibiotikum aufgeschrieben bekommen hat: „Da der Preis freigegeben ist, verlange ich für das Medikament eine Aufzahlung von 50 Euro. Wie viel ist es ihnen denn wert, dass ihr Kind das Antibiotikum heute noch erhält?“

    Das klingt böse, ist aber – meiner Ansicht nach – die Konsequenz dieses Urteils. Angebot und Nachfrage.

    Gefällt mir

    • McCloud sagt:

      Ergänzend:
      Gegenwärtig gibt es Lieferschwierigkeiten bei Impfstoffen.

      Interessant finde ich auch die folgende Varianten:
      Man hat als Apotheke nur noch eine Packung Typhim (Typhusimpfung) auf Lager. Soll man die jetzt an die mittellose Studentin verschwenden, die nach Thailand fliegt oder wartet man lieber auf die gutbetuchte Chefsekretärin, die auch mal bereit ist, etwas mehr auf den Tisch zu legen?

      Das gleiche bei Impfstoffen für Babies: Bekommen den schlecht lieferbaren 6fach-Impfschutz nur noch Mütter, die in der Lage sind, da auch etwas Geld dafür hinzulegen?

      Die Begründung des Urteils ist ja: Auf dem Land könnten die Apotheken ja jetzt ihre Preise erhöhen.

      Gefällt mir

      • An sich selbst zum korrekten Preis als Privatrezept verkaufen. Dann als „nicht gebraucht weil Reise abgesagt“ in die elektrische Bucht stellen. Zum Höchstpreis verhökern. Mit der Post übers Wochenende versenden. Rest ist egal – nach mir die Sinnflut – denn als Privatperson verkauft ist
        a] Garantieausschluss (muss man natürlich in die Verkaufsbedingungen schreiben),
        b] Transportschäden gehen zu Lasten des Käufers und
        c] man hat bei nicht verbrauchten Arzeimitteln ja keine Gewinnerzielungsabsicht (wie ein Gericht bereits feststellte).
        Alles wird gut! 😉

        Gefällt mir

        • McCloud sagt:

          Knick, mir ging es bei meiner Argumentation nicht darum, wie man als Apotheker Arzneimittel billig über Ebay verhökern könnte.

          Gefällt mir

          • Ist mir schon klar. Und ich wollte ja eigentlich die nicht billig verhökern, sondern meistbietend – bei bestimmten Impfstoffen sollte da mehr drin sein derzeit als AVP (ApothekenVerkaufPreis). Polio z.B. sollte derzeit das 3 bis 10fache von Liste bringen…

            Entschuldige meinen Sarkasmus (und dessen Nichtkennzeichnung). Ich weiß derzeit noch nicht so recht, wie ich mit der Situation politisch korrekt umgehe. Und ich verstehe die Briten langsam viel besser…

            Gefällt mir

          • McCloud sagt:

            @gedankenknick: Bei mir geht der Sarkasmus in die gleiche Richtung wie bei Dir. Ich formuliere ihn nur anders.

            Konkret formuliere ich ihn folgendermaßen: Wenn der Preis freigegegeben ist und die Gesetze der Marktwirtschaft gelten: Was hindert einen Apotheker daran, im Notdienst um 23 Uhr, von einer 30 jährigen Mutter, die Hartz IV bezieht, für das Antibiotikum für ihr Baby 50 Euro als Eigenanteil zu verlangen? Wenn die Mutti das nicht bezahlen kann, hat sie halt Pech gehabt. Sie kann ja mal probieren, ob sie um 23 Uhr noch eine andere Apotheke finden wird, die ihr das Medikament günstiger anbietet.

            Angebot und Nachfrage.

            Der EuGH hat klar formuliert, dass er das so will. Ich will zur Frage stellen, ob das ethisch so richtig ist.

            Gefällt mir

          • @McCloud:
            Dem EuGH gehts NICHT um Ethik. Dem heiligen Markt wird ALLES auf dem Altar geopfert. Kapitalismus ist kein Wirtschaftssystem mehr, sondern eine Religion. Und dessen Propheten sind die Manager großer Konzerne und die Ranking-Agenturen. Soziale Marktwirtschaft ist eine Irrlehre, die bekämpft wird wie dazumal die Agnostiker oder die Lutheraner durch die orthodoxen Neoliberalen. Es geht nur darum, das Geld noch mehr von unten nach oben umzuverteilen.

            Der nächste große Schritt wird die Abschaffung des Bargelds, mit der man (also Politik und Großkapital) vier Dinge erreichen will:
            1) Einen Anteil für die Abrechnungsdienstleister an JEDEM Geschäft – DER feuchte Traum der Banken und Finanzdienstleister.
            2) Die Unmöglichkeit, ein Geschäft (außerhalb Naturalienwirtschaft) komplett privat abwickeln zu können.
            3) Die daraus resultierende Kontrolle der Bevölkerung – auch bei der Schenkungssteuer. Keine Oma wird ihrem Enkel mehr 1€ für ein Eis schenken können, ohne dass dem Finanzamt umgehend Meldung darüber erstattet wird…
            4) ZWANG, alles Geld (auch private) auf einem Konto zu haben – mit daraus resultierender Negativzinsmöglichkeit für den Endverbraucher (ohne sich durch Abheben-können dagegen wehren zu können) sowie zur Enteignung aller Beträge ab einer Summe x [siehe Zypern].

            Und siehe – aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir. Sei frohgemut und dankbar, denn es könnte noch schlimmer kommen! Und ich war frohgemut und dankbar. Und es kam schlimmer. (Hier könnte man „Chaos“ auch gegen „ABDA“ ersetzen…)

            Gefällt mir

  16. cara sagt:

    Hier in der Zeitung stand in einem Kommentar, dass sich niemand besser mit den Wechselwirkungen von Medikamenten auskenne als der Arzt und dass die Hausärzte dann eben die Beratungsfunktion der Apotheken übernehmen müssten. Das halte ich für fachlich sehr optimistisch und wirtschaftlich fragwürdig, weil dann noch mehr Leute zum Arzt rennen. Ich sehe es auch als problematisch an, dass die lokale Apothekenversorgung so aus der Fläche verschwinden wird.

    Allerdings habe ich in Apotheken, wie hier ja schon öfter geschrieben, auch keine uneingeschränkt positiven Erfahrungen gemacht. Ich kenne keine Apotheke hier, der ich in Sachen Arzneiempfehlungen oder Triage wirklich vertrauen könnte, denn da hat sich bisher leider keine mit Ruhm bekleckert, ich habe es immer wieder versucht. Die, die fachlich noch am besten und engagiertesten sind, wollen mir ständig Homöopathie verkaufen, ohne das Kind beim Namen zu nennen.

    Ich würde mir vielleicht am ehesten kleine Gesundheitsstationen mit nichtärztlichem, aber speziell ausgebildeten medizinischen Personal wünschen, die öffentlich sind wie die Apotheke und eine gute Triage hinbekommen. Warum nicht dort auch noch einen Pharmazeuten als Experten für Medikamente beschäftigen?

    Ich weiß, das ist hier nicht der optimale Rahmen und Beitrag für solche Ideen, aber es sind hier leider auch die Apotheken eben nicht so, wie ich sie aus deinem, pharmamas, Blog kenne. Wenn sie so wären, würde ich sie mit Verve unterstützen. So werde ich erstmal beobachtend abwarten.

    Gefällt mir

    • Eigentlich eine gute Idee – aber WER bezahlt die Triage für eine „alleinige Beratungsstelle“?
      Der Patient – in einem „all-inclusiv-System“?
      Die Kasse – in ihrem „alles was nicht sofort was bringt muss eingespart werden-Wahn“?
      Die Politik – ala „wir strotzen ja vor Steuergeld“?
      Auch die Berater wollen ihrem Kind am Ende des Tages etwas Butter aufs Brot schmieren…

      Diese Stellen würden gerne angenommen werden – wenn sie denn kostenlos sind. Alleinige Beratungsleistung wird aber so ziehmlich von niemandem bezahlt, weshalb die meisten (korrekten) Selbsthilfegruppen ja eben ein „e.V.“ („eingetragener Verein“, steuerbegünstigt) sind…

      Gefällt mir

      • cara sagt:

        Das würde in meiner Vorstellung von den KK finanziert, und die Idee wäre einfach, dass man das Geld für die Stellen dadurch einspart, dass Arztbesuche und/oder Medikamente überflüssig werden. Oder so… Wahrscheinlich ist das utopisch, klar.

        Gefällt mir

  17. Carmen sagt:

    Nun, einige Medikamente sind in Deutschland viel teurer als in den Nachbarländern. Da ist es logisch sich die preisgünstigen Medikamente zu besorgen. Ähnlich ist es doch mit Bioprodukten und Fairtrade-Produkten – der Geldbeutel entscheidet. Wer mehrere Kinder und ein geringes Einkommen, wird nicht bereit sein die örtliche Apotheke aufzusuchen, wenn es die Produkte/Medikamente im Internet günstiger gibt. Patienten sind eben auch Kunden.

    Gefällt mir

  18. A.F. sagt:

    Immer wenn ich lese das sich Apotheker eine goldene Nase verdienen können frage ich mich ob das je wahr war. Ich komme aus einer kleinen Stadt und ging mit dem Sohn der örtlichen Apothekerin und des Apothekers in die Schule, sogar in die gleiche Klasse. Die konnten sich keine Urlaube mindestens einmal im Jahr Schulfreizeit und den ganzen anderen Kram leisten den mir meine Eltern ermöglicht haben. Dabei war nur bzw. ist meine Mutter eine Studierte (Journalistin), aber selbst die verdiente weniger als mein Stiefvater der wöchentlich in den Westen zum arbeiten gependelt ist, obwohl der sich da eine Wohnung mieten musste. Das war in den späten 90zigern Anfang der 2000er und ich glaube nicht das es heute besser ist.
    Es wird aber auf jeden Fall schlechter werden, wenn denn die Auswirkungen dieses Urteils Erstmal spürbar werden.

    Gefällt mir

  19. Ich muss bekennen, ich bin in bestimmten Situationen ein Verfechter von Online-Apotheken. Warum? Als mein Mann mit einer Seltenen Erkrankung Methotrexat spritzen musste, stand am nächsten Tag die Apothekerin vor Ort, bei der ich das Medikament geholt hatte, an meiner Haustür, tat alles, um in mein Haus hineinzuschauen und herauszufinden, ob ich demnächst verkaufen wollte. Die Lage hier ist sehr gesucht, sie hatte, wie ich später hörte, den Kürzeren gezogen beim Verkauf eines Nachbarhauses, und dachte wohl nun, dass sie ihren Informationsvorteil ( Patient schwer krank, stirbt wahrscheinlich, da MTX verschrieben, Witwe ergo wird bald verkaufen…) zu ihrem Vorteil nutzen wollte. Danach habe ich die Medikamente für meinen Mann nur noch bei einer Online-Apotheke bestellt und immer sehr schnell und anstandslos erhalten – ohne skandalös indiskrete und bedrängende Besuche….
    Und mein Mann lebt immer noch fröhlich, braucht schon lange kein MTX mehr und lebt immer noch zusammen mit mir in unserem Haus!

    Gefällt mir

  20. rayne sagt:

    Ich habe heute einen Artikel, der gestern beim Spiegel erschienen ist gelesen. Laut diesem will der Gesundheitsminister den Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln verbieten zur Sicherung der flächendeckenden Apothekenversorgung.
    (Link, wie immer bitte entfernen falls unangemessen: )

    Jetzt bloß nicht die Kommentare darunter lesen. Das Stimmungsbild der Kommentatoren ist eher: Da hat die super-toll-reiche Apothekenlobby ja großartige Arbeit geleistet…

    Gefällt mir

  21. Diana sagt:

    Ich bestelle grundsätzlich keine Medikamente im Internet, denn wer garantiert mir dort die Qualität? Keiner!

    LG
    Diana

    Gefällt mir

    • aucheinemama sagt:

      Ich habe mich schon gewundert, dass ich die einzige bin, die das umtreibt. Wenn ich ein Medikament kaufe, ist es mir extrem wichtig, das auch wirklich (nur) das drin ist, was drauf steht. Ja, ich weiß, es gibt immer mal auch Probleme und schwarze Schafe bei Produkten, die auch in den ortsansässigen Apotheken verkauft werden. Aber doch gar kein Vergleich mit denen, die von Versandapotheken aus irgendwelchen anderen Ländern importiert werden! Nee, nee, da lobe ich mir doch ausnahmsweise mal die vergleichsweise strengen Regeln und Kontrollen in Deutschland.
      Und gerade hat mich „meine“ Apotheke darauf aufmerksam gemacht, dass es das Triptan, welches ich nehme (für Uneingeweihte: ein Medikament gegen Migräne, das extrem teuer ist, gerne für 5 Euro pro Tablette) jetzt auch von einem anderen Anbieter in günstiger gibt. Und da ich ja gerne öfter komme, nimmt sie das gleich mal auf Lager. Geht doch!

      Gefällt mir