Kapseln herstellen wie die Profis

Nachdem die „“ quer durch die Presse gegangen sind haben die meisten von Euch das Bild hier wahrscheinlich auch gesehen … und sich vielleicht ähnliches gefragt, wie Leserin Lea:

256px-Ethylphenethylamine

Als ich im Tagi von der Homöopathischen Drogenparty las, blieb ich bei hängen. Auf dem Bild sind Kapseln abgebildet, die sehr viel Luft und 20mg Aquarust enthalten. Als Kind durfte ich in der Apotheke zuschauen, wie mein Medikament abgewogen, zermörsert und gemischt mit ?Milchzucker? randvoll in 100 Kapselhälften gestrichen wurde, was einigermassen genau und zügig machbar ist.
Ich stelle es mir jedoch als unmöglich vor, halbwegs genau für jede Kapsel einzeln 20mg abzumessen und lose einzufüllen.
Hältst du es für machbar Kapseln wie auf dem Foto zu befüllen? Gibt es sogar Vorteile dabei?

Machbar ist es schon, die Kapseln so zu befüllen – indem man jede Kapsel einzeln einwägt. Das ist aufwändig und wohl auch nicht sehr genau. Eigentlich füllt man Kapseln so, wie du das schon gesehen hast, dann kann man viele Kapseln mit einem Durchgang machen. Dann sehen sie so aus:

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Und so geht’s: Man braucht die Kapselmaschine, Kapseln, Sieb, Mörser und Pistill, Messkolben in feiner Graduierung, Wirkstoff und Füllstoff (zum Beispiel Mannitol).

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Weil ich in dem Fall nur 20 Kapseln herstellen musste, habe ich den Rest der Maschine sauber abgeklebt. Die Löcher, die ich brauche werden dann mit den Kapseln gefüllt, das Oberteil der Kapseln entfernt und die Unterteile „eben“ mit dem Maschinenrand ausgerichtet.

Damit man weiss, wie viel Pulver zum Füllen man braucht (Wirkstoff Füllmaterial) gibt es verschiedene Methoden. Wenn man das Kapselvolumen kennt, dann kann man es ausrechnen. Wenn man es nicht kennt, dann kann man es ermitteln, indem man die Unterteile (das reicht) nur mit dem Füllstoff füllt und den danach in den Messzylinder abfüllt, wo man das Volumen dann in ml ablesen kann.

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Ganz wichtig ist die Berechnung, wie viel Wirkstoff man braucht. Das kommt natürlich auf die Menge Wirkstoff in der einzelnen Kapsel und die Anzahl Kapseln an. Bei Kapseln für Kinder müssen wir oft auf Tabletten für Erwachsene mit dem Wirkstoff zurückgreifen. Die müssen dann erst mal Zerstossen werden, in anderen Fällen hat man den Wirkstoff in Reinform – das ist immer besser.

Der Wirkstoff muss gesiebt werden und abgewogen. Man gibt ihn in den Messzylinder und soviel Füllmaterial dazu, wie man berechnet oder vorher ermittelt hat (also bis zu dem ml-Volumen), das Ganze muss man nochmals gründlichst mischen und sieben. Dann kann man das alles in die Kapseln verteilen:

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Wenn alles rein geht, nicht ein Teil fehlt, nichts übersteht, dann hat man es richtig gemacht. Die Kapseln werden dann geschlossen mittels der Kapselmaschine und herausgedrückt.kapselherstellung4

Zur Kontrolle schaut man noch, ob alle gleich viel wiegen, füllt sie in ein Pulvis oder Glas oder Topf ab (dicht muss er sein, die Gelatine in den Kapseln verträgt keine Feuchtigkeit und viele Wirkstoffe auch nicht). Fertig.

Dauert auch so etwas – vor allem, wenn man genau arbeitet. Und das sollte man bei Kapseln. Oft enthalten sie potente Wirkstoffe und sind häufig für Kinder gedacht (weil es da keine Fertigarzneien gibt).

hier kann man sich das auch anschauen:

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16 Antworten auf „Kapseln herstellen wie die Profis

  1. Sehr schön erklärt Pharmama <3

    Anmerkung zu den nur geringfügig befüllten Kapseln: Diesen Füllstand kann man mit industriellen Kapselfüllmaschinen erreichen, da diese jede Kapsel einzeln meist nach voreingestelltem Gewicht befüllen, oder wenn man Pellets oder Mikrotabletten hat auch stückgenau.
    Sind nur eben sehr teuer, fraglich ob die „Hersteller“ der abgebildeten Kapseln so etwas zur Verfügung haben…

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    1. Mit den Micropellets und Kapseln macht das auch Sinn ( die sind auch grösser – also einfacher?) und Nö, ich bezweifle auch, dass der „Hersteller“ von den Kapseln oben so was hatte.

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  2. Wie oft ich seit meiner Ausbildung vor 5 Jahren Kapseln hergestellt habe, kann ich leider an einer Hand abzählen. Aber amüsiert hat mich das Video der Kollegen. Wahnsinnig umständlich um das Volumen der Kapseln festzustellen. Wir haben dafür extra ein Messzylinder der für die verschiedenen Kapselgrössen schon das Volumen abgezeichnet hat. Kein Wunder braucht die PTA dafür über 1 Stunde.. das brauch ich zwar wahrscheinlich auch.. aber den größten Teil davon sitze ich wohl eher an der Plausibilitätsprüfung..
    Ich weiß es ist ein Präsentation für die Kunden aber ich muss herzlich lachen wie die Apothekerin die PTA lobt und über die Abläufe… muss ich mal meiner Kollegin vorschlagen vielleicht bekomme ich dann auch für jede Rezeptur ein Sternchen Aufkleber.. :D
    Seit wann desinfiziert man sich eigentlich die Handschuhe nochmal?

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    1. Handschuhe desinfizieren ist bei wirklich empfindlichen Arbeiten keine so schlechte Idee … man muss allerdings ein bisschen aufpassen mit was und aus was die Handschuhe sind. Mit Isopropanol und den Vinyl hatte ich schon schlechtere Erfahrungen …
      Die lobende Apothekerin … die war sicher so was von froh, hat ihr die PTA das abgenommen. Bei uns werden Kapseln ziemlich sicher durch die Apothekerin hergestellt und nicht jemanden anders (ausser vielleicht es handelt sich um eine Hausspezialität und man macht das sehr häufig).

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  3. Sehr interessant und ganz schön aufwändig – eine Stunde Arbeit für eine handvoll Kapseln. Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich in einem Land lebe, wo es an jeder Ecke Fachleute gibt, die einem jedes benötigte Medikament in der benötigten Dosierung und in hoher Qualität zuverlässig bauen!

    Wenn es (einleuchtenderweise) so wichtig ist, dass die Zutaten sehr fein zermahlen werden müssen, dass sie dann absolut homogen sind – wie kontrolliert man das? Wäre es nicht sinnvoll, das mit einer Art Mühle zu machen, wo unten nur die voreingestellte maximale Korngröße herauskommen kann, anstatt mit dem Mörser zu arbeiten, wo einem bei aller Sorgfalt ja doch ein zu großes Krümelchen durchrutschen kann? Vermute ich jedenfalls.

    Und noch eine Frage: Wie stellt man sicher, dass Wirkstoff und Füllstoffe wirklich gleichmäßig verteilt sind. Kriegt man da einheitliche Korngrößen hin, wenn die Stoffe geringfügig unterschiedliche Eigenschaften (Brüchigkeit, Klebrigkeit, was weiß ich) haben? Beim Rühren oder Schütteln setzen sich größere Teilchen ja oben ab, oder schwere und leichte entmischen sich. Und wenn das Zeug alles weiß ist, kann man ja nicht sehen, ob es gleichmäßig durchmischt ist. Wie also stellt man die Gleichmäßigkeit sicher?

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    1. Deshalb verreibt man nicht nur die Wirkstoffe, die in Tablettenform vorliegen sondern alle Substanzen, auch den Füllstoff in der Reibschale miteinander (die Korngrößen gleichen sich an und man mischt gleichzeitig). Danach wird nochmal gesiebt. Da ist dann auch wirklich alles vermischt. Sieht man schön, wenn man in der Ausbildung ‚bunte‘ Kapseln manchen muss (warum erinnere ich mich jetzt an Zäpfchen mit Sennespulver und mit Perubalsam?)

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    2. @ gnaddrig: das was susel13 gesagt hat. Dazu noch: wir üben das im Studium mit farbigen Stoffen. Dann merkt man, dass ein, zwei-mal mischen nicht reicht. Das Sieben hilft das Pulver auf eine einheitliche Grösse zu bekommen. Teilweise vermischt man auch bei der Rezeptur noch einen farbigen Stoff mit dem Wirkstoff, damit man das sieht. Und dann: Mischen, mischen, mischen! Problematisch sind Stoffe, die an Glaswand oder Sieb elektrostatisch kleben bleiben – auch wenn das im untersten Mikrogramm-Bereich ist, das passt uns Sorgfalts-liebenden Apothekern nicht.

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  4. Machbar wäre das „Einzeln abwiegen und befüllen der Kapseln“ schon. Ist nur eine Frage des Aufwands und der Waage.

    Ein kleiner Exkurs für die nichtwaagenkundigen Leser: Eine Waage hat immer eine Minimallast (Min), unter der sie nicht korrekt funktioniert; eine Maximallast (Max), über der sie nicht korrekt funktionier (oder gar kaputt geht), die kleinste ablesbare Massedifferenz (d), man könnte auch Zählschritte sagen, alle Werte dazwischen werden gerundet, diese Kommastelle wird meist in Klammern oder andersfarbigen Ziffern auf dem Display angegeben; und den Eichwert (e), dieser ist maßgeblich für die Bestimmung der zulässungen Fehlergrenze. Und außerdem hat sie meist noch einen angegebenen Temperaturbereich, in dem sie geeicht eingesetzt werden darf – aber wir wollen das jetzt mal nicht übertreiben.

    „Meine“ Präzisionswaage hat z.B. folgende Eckdaten: Max=120g; Min=10mg; e=1mg; d=0,1mg. Dies bedeutet, die zulässige Fehlergrenze liegt bei +-0,5mg (e), die Zählschritte liegen bei 0,1mg (d), und damit die unzulässige Fehlergrenze liegt bei ca. +-0,1mg (eigentlich +-0,05mg, aber ich will der Waage jetzt nicht zu viel zutrauen).

    Die 20mg Wirkstoff liegen also im Wägebereich der Waage. Bei einer zulässigen Fehlergrenze von +-1mg (in diesem Fall also +-5%) wäre das grenzwertig. Nun bezweifle ich aber irgendwie, dass diese Kapseln wie auch immer legal hergestellt / gehandelt wurden. Wenn ich also mehr mehr als weniger illegal arbeite mit einer Fehlergrenze d = +-0,1mg (+-0,5%) wäre das durchaus machbar. Dazu muss ich aber sagen, dass auf 0,1mg auswiegen ne irrsinnige Spielerei ist… und dass bei psychotrop stark aktiven Substanzen schon sehr kleine Mengenabweichungen eine drastische Wirkänderung bedingen kann. Hier sei mal LSD als Beispiel angeführt…

    Wenn man natürlich ne „Feinwaage“ her nimmt, kommt man auch mit der Fehlergrenze in den zulässigen Eichbereich. Was natürlich die Spielerei beim Auswiegen nicht weniger aufwendig macht… Mehr zu Wägetechnik findet sich hier:

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      1. Eher falsch eingeworfen. Wenn man keine Ahnung hat -> Gelbe Seiten. Nen Massendrogentest ohne psyhologische Betreuung (durch nen nichthalluzinirenden psychologisch Geschulten)? Verdammt blöde Idee! Wegen Überhenblichkeit und vielleicht auch Blödheit in ganzen Neuland ausgelacht? Ein Quantum Mitleid von meiner Seite.

        Viel schlimmer finde ich meine Vermutung, dass einige gar nicht wussten, was sie sich da applizieren, und welche Wirkung und Nebenwirkungen das haben kann. Dabei ist es (mir) wurscht, ob überredet, Gruppenzwang oder unter „Strafandrohung“ wie Ausschluss aus der Gruppe. (Manche) Menschen können echt die schlimmsten Tiere sein…

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  5. Liebe Pharmama,
    eigentlich müsste ich das wissen, aber ich frag trotzdem: woher weiß man bzw wie kann man garantieren, dass der Wirkstoff gleichmäßig verteilt wird und nicht (Extremfall) eine Kapsel nur Wirkstoff enthält und eine nur Füllstoff?
    Liebe Grüße
    Chris

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    1. Wenn du das schaffst, dann hast du meine Anleitung aber nicht befolgt!
      Woher weiss ich dass das gleichmässig verteilt ist? Weil ich das vorher sehr (!) sorgfältig gemischt habe. – Lernt man im Studium der besseren Sichtbarkeit halber mit Farbstoff und kann man bei Unsicherheit auch noch der Rezeptur zufügen. Aber: Farbstoffe sind oft Allergen, das macht man nicht mehr so gerne.

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  6. Das war sehr lehrreich. Meine Jüngste benötigt Captopril und das muss auch extra für sie hergestellt werden. Es hat mich schon länger interessiert, wie das funktioniert. Dank dir muss ich nicht dumm sterben :-) merci

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  7. Habe ich dich schon auf diese vierteilige BBC-Serie hingewiesen, „The Victorian Pharmacy“:

    Das ging bei mir in Deutschland kurzzeitig mal nicht, also im Zweifelsfall einen Proxy/VPN nutzen.

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