gewichtige Limitations-Probleme

Lieber Arzt, Ja, ich habe gesehen, dass die Patientin einen BMI um die 40 hat. Ja, das dürfte kein Problem sein, dass die Krankenkasse die Kosten für das Xenical dann übernimmt … trotzdem muss die Patientin erst eine Kostengutsprache bei der Krankenkasse verlangen. So steht es in der Limitation des Produktes.

Das wissen Sie (denke ich) genau so gut wie ich.

Darum finde ich es nicht so nett, wenn sie (als Arzt) die Patientin mit dem Rezept für Xenical und der Aussage „Der Arzt hat gesagt, die Krankenkasse zahlt das“ zu mir in die Apotheke schicken – und ich die Patientin dann zumindest vorläufig enttäuschen muss. Die Krankenkasse zahlt das wahrscheinlich (!) … aber erst wenn Sie eine Kostengutsprache dafür haben. Vorher zahlt die Kasse das mir hier nicht und vorher müsste sie – wenn sie es gleich will (und weshalb sonst steht sie jetzt hier und macht Stunk?) – es selber bezahlen und dann einschicken.

Das steht bei den Orlistat-Medikamenten in der Limtation:

Mindestens BMI 35.
Nur für die Behandlung von adipösen Patienten. Die Behandlung muss nach 6 Monaten abgebrochen werden, wenn der Gewichtsverlust nicht mindestens 10% des Körpergewichts zu Beginn der Medikation beträgt. Bei Erreichen des Ziels wird die Therapie bis auf maximal 2 Jahre verlängert.
Vorgängige Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers.

Die Patientin glaubt mir das übrigens nicht – auch wenn ich es ihr schriftlich ausdrucke und zeige und nimmt das Rezept wieder mit … um es in einer anderen Apotheke zu versuchen.

Den Ausdruck recycle ich – aber vorher geht der noch per Fax an den Arzt. Denn dort schlägt sie sicher wieder auf, wenn sie von den anderen Apotheken nichts anderes hört.

Eigentlich sollte er es wissen und eigentlich muss er die Patienten informieren, wenn er etwas aufschreibt, das nicht von der Grundversicherung übernommen wird. Eigentlich ist es anscheinend sogar so, dass wenn der Arzt die Patienten über so etwas nicht informiert und sie dadurch „finanziellen Verlust“ erleiden, er dafür haften müsste. (Nicht dass ich das jemals gehört habe, dass er das dann tatsächlich hat). Wo habe ich das jetzt letzthin wieder gelesen?



15 Antworten auf „gewichtige Limitations-Probleme

    1. Xenical enthält den WIrkstoff Orlistat. Dieser hemmt die Fettaufnahme im Darm und bewirkt dadurch eine Verringerung der Kalorienaufnahme und bewirkt damit eine Gewichtsabnahme.
      Ganz ohne ist es nicht, da es bei einem hohen Fettgehalt der Mahlzeit (ca über 15g/Mahlzeit) zu unangenehmen Magen-Darm-Beschwerden und auch Fettstühlen führt.
      In D wird es -wenn überhaupt – nur auf Privatrezept verschrieben.

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      1. „Unangenehme Magen-Darm-Beschwerden“ ist oft eher ein Euphemismus. Ich erinnere mich noch gut an die Einführung von dem Zeug.
        Trotz damals schon klarer Warnungen zur gleichzeitigen Nahrungsumstellung wurde es als Wundermittel angesehen und die übergewichtigen Patienten haben weiter fröhlich ihre Fettkalorien mit Sahne, Sosse und Co. verputzt.
        Eine auf den HV-Tisch geknallte Packung mit einem fast gebrüllten „Ich habe mir in die Hose gesch….en von dem Zeug!“ war da nur die Spitze des Eisbergs.

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        1. Au Mann, das klingt echt unangenehm… also für beide Seiten. Aber diesen Wundermittel-Glauben kannte ich von meiner Mutter selbst, das ist schon echt immer wieder krass, wie da teilweise der rationale verstand ausgeschaltet wird und man nur hört, was man hören will…

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  1. Wir wissen ja alle, dass das, was der Arzt der Patientin gesagt hat, und das, was die Patientin sagt, dass der Arzt ihr gesagt habe, nicht zwingend übereinstimmen müssen. Vielleicht hat der Arzt der Patienten das mit der Kostengutsprache sehr wohl gesagt und dabei noch erwähnt, dass die Chancen sehr gut stehen, dass die Krankenkasse zahle, und die Patientin hat das dann für sich einfach abgekürzt zu „die Krankenkasse zahlt“.

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  2. Naja Ärzte erzählen viel wenn der Tag lang ist…und bei den Krankenkassen heißt es oft „wenn der Arzt es für notwendig hält übernehmen wir die Kosten“ (und vergessen zu erwähnen „und den Arzt nehmen wir dann in Regreß“)
    Ich rede jetzt von Deutschland, in der Schweiz ist das Versicherungswesen ja etwas anders.

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      1. Das kommt auf das Problem drauf an. Ist der Fehler „auf dem Rezept“ – also z.B. Formfehler bei der Verschreibung, Datum falsch, Unterschrift fehlt, Diagnose bei Hilfsmitteln fehlt usw. – wird die Apotheke retaxiert.

        Ist der Fehler jedoch nicht in der „Kontrollpflicht“ der Apotheke – hier wäre z.B. ein Off-Label-Use oder eine Indikationseinschränkung des AM für Kassenübernahme (und der Patient hat eine andere Indikation, die ja nicht auf dem Rezept aufgetragen ist), wird der Arzt in Regress genommen.

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