Wie übersteht man den Notdienst am besten?

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Frage von Leserin Chrissy:

Hallo liebe Pharmama, ich habe das Buch “Haben sie diese Pille…“ verschlungen. Und der Blog hilft mir täglich dabei zu wissen, das man nicht allein ist. Die Situationen erlebt man so fast täglich. Ich habe bald meinen ersten Notdienst und bin schon sehr aufgeregt. Gibt es da noch ein paar Geheimtipps, wie man das gut durchsteht?

Das gebe ich gerne an meine erfahrenen Blog-Leser weiter. Was hilft Euch? Wie sind Eure Erfahrungen?

Der Notdienst kann sehr unterschiedlich ausfallen – es kommt auch darauf an, ob man ihn in einer Gross-Stadt hat oder in einer kleinen Apotheke auf dem Land. Die Frequenz ist da sehr unterschiedlich. Wir übernachten im Notdienst noch in der Apotheke – in anderen kann es aber sein, dass man auf telefonischen Abruf erst in die Apotheke kommt (geht natürlich auch nur, wenn man nicht allzu weit entfernt wohnt).

Ich war anfangs so nervös, dass ich im Notdienst nicht schlafen konnte. Zu viel Adrenalin. Das gibt sich aber mit der Zeit, wenn man merkt, dass die Patienten halt (zum Glück) meist nicht am verbluten sind vor der Apotheke und man bekommt mit der Erfahrung auch die nötige Ruhe – selbst wenn man im Notdienst halt mehr „auf sich alleine gestellt“ ist, als tagsüber. Keine helfenden Mitarbeiter, die man fragen könnte, Rückfragen bei den Ärzten sind auch nur beschränkt möglich (vor allem wenn das Rezept länger vorher ausgestellt wurde), manches hat man nicht an Lager und muss es durch etwas ersetzen, das jetzt da ist … Aber irgendwo macht das auch den Reiz aus, wenn man so gefordert wird.

Das ist das, was ich dazu sagen kann – was meint ihr?

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24 comments on “Wie übersteht man den Notdienst am besten?

  1. Ich sagt:

    Da mein erster Notdienst noch nicht allzu lange her ist: Da hilft nur Erfahrung. Es wird besser. Ich sitze auch heute noch senkrecht im Bett, wenn in der Nacht das Telefon oder die Türglocke klingelt. Am Besten ist es, wenn das Telefon auch die Türglocke anzeigt, und man schon den Kittel übergeschmissen hat um dann zu merken, es ist nur ein Anruf… Also mein Tipp: Nimm dir am nächsten Tag nichts vor. Und: Du bist nicht alleine 😉

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  2. Mein Geheimtip: Mit Humor!

    Neulich Samstag->Sonntag nachts um 1:30Uhr: Anruf, ob ich nicht eine Spritze verkaufen kann, mit der man die 100ml-Infusion in die Katze auf einen Schlag bekommt. An eine Blasenspühl-Spritze kann man nun dummer weise schlecht ne Luer-Kanüle anflanschen. Ich schlug also vor, mal die 100ml-Flasche neben die Katze zu halten, und dann zu überlegen, ob die Katze diese Prozedur wirklich tolerieren würde… Dann wurde gefragt, ob ich nicht eine dünnere Kanüle hätte – habe ich, aber durch das Laminarstrom-Prinzip würde dann die Infusionszeit noch weiter steigen. Ende der Sequenz: Der Tierarzt hatte alles Verbrauchsmaterial fürs WE korrekt mitgegeben, die Apotheke soll das Verfahren dann nachtens mal „optimieren“… Dauer des telefonischen Beratungsgesprächs mit der Endaussage Machen Sie es bitte so, wie der Tierarzt das erklärt hat! war ca. 15min.

    DIe selbe Nacht um 3.15Uhr klingelts an der Tür: Ich brauche Katzenaufzuchtsmilch. Sofort. Habe ich nicht, habe ich noch nie gehabt, werde ich nie wieder nach gefragt werden. Ist nen Supermarktartikel. Aber ich habe extra gegockelt, eine Versandapotheke hat das auch im Angebot! Also müssen Sie das doch auch haben! – und zeig mir´s ach so smarte Phone. Ich dachte nur: „?“ und habe nicht gesagt, dass ich auch von meinem lokalen Elektronik-Händler erwarte, dass er alles nachts um 3 Uhr vorrätig hat, was der Media-Markt mir innerhalb 4 Tagen per Post liefern könnte… Ich kann ja verstehen, dass es problematisch ist, wenn mitten in der Nacht die Katzenkinder vor Hunger schreien. Aber anbei, die (fast immer besetzte) Tierklinik ist blöderweise halt ca. 30km weg – und die wollen dann RICHTIG Kohle haben dafür, dass man die nachts rausklingelt…

    Davor und danach wars ähnlich. Ein paar echte Probleme waren dabei, ein paar weitere Quark-Nachfragen auch. Insgesamt bin ich maximal 1.45h am Stück zum Schlafen gekommen, und habe dann am Sonntag bei einem Familien-Feier-Brunch recht augenberingt aus der Wäsche geschaut. Also Augen(ringe) auf bei der Berufswahl! Und um mir solche Schauergeschichten auszudenken fehlt mir wirklich die Phantasie… 😉

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  3. hajo sagt:

    Alles in allem: herzlichen Dank an alle, die am Notdienst teilnehmen!
    Allen, die auf die Gesundheits-Institionen schimpfen, sei in Gegenden (auch in D!) verwiessen, die nicht über diese Segnungsn verfügen.
    Das gilt nicht nur für Apotheken! 😉

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  4. Aponette sagt:

    In meinem letzten Notdienst dürfte ich einen Arm verbinden ( durch die Notdienstklappe hindurch ….) eine Milchpumpe verleihen, die ging nicht durch die Klappe, daher tatsächlich mal die Tür geöffnet (großes NONO im Notdienst), hatte mehrere Rezepte von der Notfallpraxis und durfte dann ab drei bis sieben schlafen.
    Aber ich rate auch dazu, wenigstens den nächsten Nachmittag frei zu nehmen, denn -zumindest bei mir – ab drei läßt die Aufmerksamkeit rapide nach.

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  5. squirrel1976 sagt:

    Meine Chefin (die gerade jetzt Notdienst hat) erzählt mir auch immer wieder von Leuten, die unbedingt nachts rein wollen, um mit Karte zahlen zu können.
    Da frag ich mich
    a) ist Bargeld wirklich außer Mode gw und
    b) wer von denen würde wohl nachts jemand Wildfremden in die Wohnung lassen?

    Ach, was die Katzen betrifft…zur Not geht Säuglings-Heilnahrung.

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    • violetyety sagt:

      Sie können mir dann gerne Ihre Karte und den Code geben. Können ihn ja morgen ändern gehen.
      Ich hatte auch kürzlich die erste Woche Dienst und dann war Sommerloch, ich hab herrlich geschlafen und musste nie ernsthaft ausrücken 😉

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    • Shark sagt:

      Gut zu wissen. Was ist denn da drin, an „Milchersatz“, dass auch Katzen das Eiweiß vertragen?

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    • Daniela sagt:

      Ja Bargeld ist aus der Mode gekommen. Früher mussten die uns auch ihren PIN sagen, wenn es wirklich dringend war ging das auch oder man geht halt Geld holen.
      Was den 1. Dienst angeht: hast du evtl einen Freund / Freundin, der/die auch Apothekerin ist und dein Notfall Rücksprache Telefon ist? Falls du mal auf dem Schlauch stehst? Das hilft.
      Kuscheltier mitnehmen.

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  6. Ich sagt:

    Ich hatte tatsächlich in meinem Zusatzdienst von 20 bis 23 Uhr gestern vier (!) Kunden! Und dazu noch netten Besuch. Wenn das mal immer so wäre…

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  7. Shark sagt:

    Huch, mein Kommentar oben ist verrutscht. Sollte eigentlich Antwort an squirrel1976 sein, wegen der Aussage zur Säuglings-Heilnahrung als Notfallessen für Katzenkinder.

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  8. Delilah sagt:

    neulich hatte ich auch meinen ersten Nacht-Notdienst in der Hamburger Innenstadt. Positiv bei uns ist, dass immer andere Apotheken halbwegs in der Nähe auch Notdienst haben, mit denen man sich im Zweifelsfall beraten kann.
    Ichhabe mich beim ersten Nachtdienst erst um 2:00 getraut, ins Bett zu gehen und habe geträumt, dass ich die Klingel überhöre, Kunden mir die Tür einschlagen und mich wegen Notdienst-Vernachlässigung bei der Kammer melden 😉

    Sonst war alles halb so schlimm, einen Kunden, dem die Narbe einer Wirbelsäulen-OP aufgegangen war (10 cm lang, 5 mm aufklaffend und gelblich in der Mitte…argh!) und dafür Pflaster wollte, schickte ich zum Notarzt…
    Aber die aufgelöste alte Dame, die um 1:30 Uhr panisch mit Verdacht auf Zecke kam, habe ich tatsächlich reingelassen, als sie leise gebeten hat, ob ich die nicht ziehen könne…war am Ende nicht mal eine 😉

    Aber eigentlich mag ich Notdienst sehr. Ich arbeite eigentlich in der Industrie, weil ich die meisten Kunden hier in der Gegend unmöglich finde…hat mich auf Dauer fertig gemacht. Aber im Notdienst sind die viel netter 🙂

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  9. BayernChris sagt:

    Aponette sagt, dass es ein NONO ist, während des Notdienstes die Tür zu öffnen – hier in München haben die Notdienstapos meist bis mindestens gegen 22 Uhr die Tür ganz normal offen – und an Sonn- und Feiertagen sowieso!
    Sind die Gewohnheiten regional so unterschiedlich?

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  10. Pharmama sagt:

    Noch ein paar Antworten von Facebook:

    Björn: Ja, mein vorletzer Notdienst am 24.8.13 war der Horror, alle zwanzig Minuten von 0.00 bis 6.30Uhr, bis 24Uhr auch ungewöhnlich viel.
    Mein letzter am 17.8. war ruhig, da war um 23.xxUhr der letzte Patient da.
    Es stimmt aber auch, mit mehr Erfahrung wird man ruhiger. Einzig das, was die Kunden verlangen, ist teilweise unverschämt und ich kann mich nicht damit anfreunden….
    Rezept ein paar Tage alt, aber es muss unbedingt noch am Abend zu bekommen sein….

    Joachim: Mit der Zeit wird man abgeklärter. Viele Problemchen, die mir am Anfang den Adrenalin-Spiegel nach oben getrieben haben, regen mich heute kaum noch auf.
    Vielmehr sind die kleinen Frechheiten die Dinge die mich ärgern. Da ich idR keine Lust habe durch die Notdienstklappe zu beraten, habe ich die Tür relativ lange auf. Das führte jedoch im letzten Notdienst dazu das ich eine Kundin hatte, die mich auf die Palme brachte. Sie wollte ein AM und ich fragte ob sie außerdem noch etwas braucht, was sie verneinte. Ich dann nach hinten und AM geholt. Als ich vorn war fiel ihr dann doch noch was ein, was sie vergessen hatte. Leider hatte ich dann nicht mehr nachgefragt, weil ich annahm sie hätte nur eins vergessen. Leider musste ich dann noch ein drittes mal nach hinten. als ich dann kassieren wollte und sagte, dass das inkl. Notdienstgebühr soundso viel kostet, war sie überrascht. Daraufhin sagte sie sie kommt dann am Montag wieder, damit die die Gebühr nicht zahlen müsse. AAAAARRRGH
    Ich will eine Anlage, wo man die Notdiensgebühr erst einmal einwerfen muss, bevor ich bediene.

    den schlimmsten Fall hatte ich bei einem Herrn, der im Notdienst mit einem 500er Mercedes vorfuhr und ein Rezept für ein Kind aus einem Kinderkrankenhaus ca. 20 km von mir entfernt einlösen wollte. Da es ein Wochentag war und das Rezept nicht als noctu gekennzeichnet war, wollte ich die Gebühr kassieren. Die wollte er jedoch nicht bezahlen und ist dafür wieder zurück gefahren, hat sich ein Kreuz und Stempel geholt und ist dann wieder bei mir nach ca. 1,5 Stunden angetanzt. Wahrscheinlich kann man sich nur einen 500er MB leisten, wenn man solche Kosten spart, die doppelte Menge an Benzinkosten verursacht und sein Kind unnötigerweise von weitere Stunden ohne AM lässt. Zumal auf seinem Weg noch andere Apotheken gewesen wären, die Notdienst hatten..

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  11. Aponette sagt:

    In dem Falle der Kundin, die die Notdienstgebühr nicht zahlen wollte, hätte ich die trotzdem verlangt, denn es heißt bei uns: für die Inanspruchnahme des Notdienstes werden 2,50€ verlangt. Und sie hat den Dienst in Anspruch genommen, fertig aus. Aber ich (und viele Kollegen) Träume auch von einer Klingel, die erst tut, wenn man die 2,50 eingeworfen hat….und eine gebührenpflichtige Telefonnummer, wenn jemand mehr will als Fragen: haben Sie Notdienst? (Nachts um halb eins? Vermutlich, denn wenn nicht wäre ich zu Hause….)
    Ein Kollege hat eine Ansage auf dem regulären Telefon in der Art: Ja, wir sied dienstbereit, wir befinden uns da und dort und wer den Apotheker persönlich sprechen will wählt XY, was seine Handynummer ist. Er sagt, daß seitdem die Anzahl der Anrufe deutlich zurückgegangen ist.

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  12. Punkt sagt:

    Ordentlich Essen (theobrominhaltig!) einpacken, für ruhige Phasen wahlweise Buch, Elektronikspielzeug, Handarbeiten.
    Wer in der Nähe einer Anlaufpraxis Dienst hat: Ein paar Tage vorher anrufen und fragen, welcher Arzt an dem Tag Bereitschaft hat. Diesen dann fragen, ob er eine Liste mit „Lieblings-Arzneimitteln“ schickt, dass man zumindest im Bereich der Antibiotika weiß, was auf einen zukommt und die richtigen Wirkstoffe ausreichend an Lager hat.
    Und vielleicht eine Freundin aus der Uni fragen, ob sie in der Nacht Telephonjoker spielen würde. Meine besteste und ich machen das seit einer ganzen Weile so, gebraucht hats noch keiner von uns, aber es schläft sich besser 🙂

    Ganz wichtig: Nicht auf die Horrorstories der anderen hören. Jeder Notdienst ist anders, mal kommt der letzte Kunde um 23 Uhr, mal um halb vier, mal banal, mal ein echter Notfall. Aber selbst die Idioten haben noch einen Zweck. Man hat was zu erzählen! 😀

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